Foto Flück / Sinzig

Der Verein "Keine Gewalt gegen Polizisten e.V." geht auf ein Internetprojekt zurück, dass ich, jetzt Vorsitzende des Vereins, im Mai 2009 gegründet habe. Da ich oft gefragt werde, wie ich darauf kam und was mich dazu bewegt hat, möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Überblick über die Vorgeschichte geben.

Zuerst ein paar Worte zu meiner Person.

Ich bin gelernte Bankkauffrau, diplomierte Volkswirtin, in der Bildungsarbeit tätig und habe wegen KGgP eine Seelsorgerausbildung absolviert.

Hobbys: schreiben, lesen, fotografieren und Sport. Mein Hobby "schreiben" macht mir dabei am meisten Freude. Wer diesen Teil meiner Persönlichkeit kennen lernen will, den lade ich auf meine Homepage, die unter meinem Pseudonym Mildred Gernhardt läuft, ein. Da "Keine Gewalt gegen Polizisten" ursprünglich an meiner Autorinnenhomepage hing, hat sich mein Pseudonym in den Blogs erhalten.

Ich habe nicht unwesentliche Teile meines Lebens im Ausland verbracht. Daher meine Liebe zur Vielfalt. Mein Dasein als bekennende Polizistenfreundin hängt eng damit zusammen. Grenzen sind notwendig, um die Vielfalt zu erhalten. Ohne Grenzsetzung durch eine demokratische Polizei setzen sich die Brutalsten und Intolerantesten durch.

Mein Herz für Polizisten

Schon immer mochte ich Polizisten. Sie gaben mir ein Gefühl, beschützt zu werden. Ich hatte nie Ärger mit ihnen. Egal, aus welchem Grund unser Zusammentreffen stattfand - sei es, dass sie mir geholfen haben, sei es, dass sie mich bei einer Ordnungswidirigkeit erwischt haben - ich erlebte sie immer freundlich, professionell und kompetent.

Ich habe in meinem Leben viele Polizisten getroffen, als Demonstrantin, als Hilfesuchende, als Verkehrsteilnehmerin, als Zeugin... und niemals habe ich sie als Austeilende von Gewalt oder Schikane erlebt. Im Gegenteil...

Natürlich gibt es auch bei der Polizei schwarze Schafe, wie überall, wo Menschen aufeinandertreffen. Dennoch ist die aktuelle öffentliche Wahrnehmung ungerecht. Über die zweifellos stattfindenden Fehlleistungen von Polizisten muss geredet werden. Aber derzeit wird vielfach nicht geredet, sondern es wird ausgeschlachtet oder einseitig berichtet. Dabei wird viel zu oft vergessen zu erwähnen, wieviel häufiger Polizisten mittlerweile selbst Opfer von Gewalt werden, weil unserer Gesellschaft offenbar jedes Gefühl für Respekt vor dem Mitmenschen abhanden gekommen ist. Dies gilt leider ganz besonders für Menschen in Uniform, deren menschliche Seite ganz offensichtlich für viele komplett hinter ihrer Kleidung verschwindet.

Es gibt im Moment nicht viel, was mir mehr auf den Nerv fällt als Menschen, die sich für kritisch halten, wenn sie pausenlos an der Polizei herummeckern. Leute, kritisch ist, wenn man sich selbst ein Bild macht, anstatt nur das zu glauben, was die eigenen politischen Freunde vorkauen! Fragen Sie einfach einmal Polizisten nach ihrer Sicht der Dinge... Last but not least wird man niemals alle Menschen einer Gesellschaft dazu bringen, die gleichen Dinge für "legitim" zu halten. Deswegen muss man sich mit dem behelfen, was legal ist. Solange das, was "legal" ist in einem Gesetzeswerk festgelegt wird, das auf dem Grundgesetz beruht, welches wiederum in den ersten 20 Artikeln die Menschenrechte beinhaltet, ist das aus meiner Sicht ein durchaus gangbarer Kompromiss. Mir passt auch nicht alles in den Kram, aber die Antwort darauf kann doch nicht sein, jenen, die das Gesetz hüten, meine Faust ins Gesicht zu rammen.

1. Mai 2009 und die Zeit danach

Am 1. Mai 2009 hielt ich mich beruflich in Berlin auf und zwar exakt in Kreuzberg, Mitte und Friedrichshain - genau dort, wo am Abend die Post abging. Es herrschte eine Stimmung wie kurz vor einem schweren Gewitter. Unter meinen Begleitern befanden sich ein paar, die mir erklärten, wie aggressiv die vielen hundert Polizeibeamten wirken würden. Nun habe ich diese Polizisten aber gar nicht als "aggressiv" empfunden. Mir kamen sie eher so vor, als könnten sie sich sehr gut vorstellen, diesen Tag an anderer Stelle zu verleben. Beispielsweise bei ihrer Familie. Teilweise wirkten sie auch ein bisschen resigniert. Aggressiv und heiß auf Gewalt kam mir nicht einer von ihnen vor.

Etwas in der Art äußerte ich kurz darauf öffentlich im Internet. Die Reaktionen darauf waren so überwältigend, dass ich entschied, in der Social Community Wer-kennt-wen eine Gruppe namens "Keine Gewalt gegen Polizisten" zu gründen. Mein Ursprungsplan war, dieser Gruppe etwa eine Viertelstunde pro Woche zu widmen.

Daraus ist nun deutlich mehr geworden. Es ergaben sich Situationen, in denen ich von Polizisten Dinge erzählt bekam, die mich an meine Grenzen brachten. Also machte ich eine Ausbildung zur Seelsorgerin. Nun komme ich immer noch an meine Grenzen, aber deutlich später.

Schließlich gründeten wir am 3. September 2011 mit zwölf Personen, davon einem Polizeibeamten, den Verein.

Danke allen Gründungsmitgliedern und danke den vielen, vielen Mitgliedern, die im Anschluss noch dazu gekommen sind, und uns unsere wertvolle Arbeit ermöglichen.

Ach ja, und Spaß macht mir die Sache auch noch... ;-)