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Allgemein S21

Web of trust – wie man ein eigentlich gutes und sinnvolles Tool effizient entwertet

Meistens surfe ich mit dem Firefox-Browser in der Version 4.0.1. Diese Version ist relativ neu. Außerdem kann man ein Add-on installieren, das mir von einem Freund empfohlen wurde, nämlich WOT. WOT bedeutet Web of Trust und ist ein Dienst, der unter anderem auch kostenlos ermöglicht, die eigene Webseite bewerten zu lassen. Der Sinn der Sache war ursprünglich, den E-Commerce, sprich die Abwicklung von Geschäften im Internet, für den Konsumenten sicherer zu machen. Später kamen auch noch Erwägungen zum Kinderschutz hinzu.

Konsequenterweise legt WOT legt dabei sein Hauptaugenmerk auf folgende Bewertungskriterien:

* Vertrauenswürdigkeit: Die Vertrauenswürdigkeit einer Seite manifestiert sich darin, ob man sich auf ihr Malware (Viren, Würmer, Trojaner etc.) einfangen kann.

* Händlerzuverlässigkeit: Die Händlerzuverlässigkeit gibt bspw. Auskunft darüber, ob man etwas, was man erwirbt, auch geliefert bekommt. Und zwar innerhalb eines endlichen Zeitraums und im angegebenen Zustand.

* Datenschutz: Beim Thema Datenschutz geht es darum, dass die persönlichen Daten, die man dort eingibt, sicher sind, d. h. nicht an Dritte weiter veräußert werden, die den Nutzer dann mit nerviger Werbung z. B. für Potenzpillchen, zuspammen.

* Kinder- und Jugendschutz: Dabei dreht es sich darum, ob auf der Seite Jugend gefährdende Inhalte, wie z. B. Pornografie oder übermäßige Gewalt, zu sehen sind.

Aus diesen vier Punkten wird eine Gesamtbewertung gebildet, die sich in Form eines bunten Kringels hinter dem Link in Suchmaschinen oder auch bei Verlinkungen in Facebook äußert. Hoffnungsfroh grün für „unbedenklich“ und dann farblich abgestuft bis quietschrot für „gefährlich“.

Die Kehrseite der Medaille ist die, dass man natürlich mit Hilfe dieses Add-ons auch Informationen dazu bekommt, wie andere Webseiten bewertet werden. Das kann schon ganz interessant sein. Immer vorausgesetzt, das Add-on von WOT ist installiert.

So z.B. sieht also eine als unbedenklich eingestufte Seite aus:

 

Das ist ja auch irgendwie passend. Zwar wüsste ich nicht, was ich der Polizei abkaufen sollte, weswegen Händlerzuverlässigkeit wohl reichlich unsinnig als Bewertungsmerkmal ist. Es ist allerdings zutreffend, dass ich mir noch niemals auf der Seite einer Polizeidienststelle Schadsoftware eingefangen habe. Auch hat die Polizei meine Daten noch nie weitervertickt. Last but not least sind auch weder Pornografie noch unverhältnismäßige Gewaltdarstellungen auf der Webseite einer Polizeibehörde zu erwarten. Also passt das schon.

Aus Anschauungsgründen möchte ich kurz beispielhaft eine als bedenklich eingestufte Homepage anführen: Man sieht deutlich den roten Kringel.

 

Ob die gewünschten Eigenschaften nicht geliefert werden konnten? Was genau der Grund für die roten Kringel ist, muss Spekulation bleiben. Interessiert mich in dem Fall ehrlich gesagt auch nicht.

Das passiert übrigens beim Anklicken der Seite:

Ich denke, an dieser Stelle wird verständlich, warum ich WOT installiert habe.

Nicht, weil ich nicht von selbst darauf käme, dass eine Seite mit einem solchen Titel möglicherweise dubios sein könnte. Sondern weil eben manche Seiten tatsächlich unauffällig dubios sind.

Nun ist es mittlerweile so, dass auch Seiten aus dem rechtsextremen Spektrum rote Kringel haben. Fast alle. Seiten aus dem linksextremistischen Spektrum sind hingegen nur selten betroffen.

In beiden Fällen macht mich das nicht wirklich betroffen. Extremistische Seiten mit einer Warnung versehen zu wissen erfüllt mich nicht nur mit äußerst mäßiger Trauer, sondern vor allen Dingen mit einer gewissen grimmigen Zufriedenheit. Beim Thema „Vertrauenswürdigkeit“ und „Jugendschutz“ teile ich die Meinung der Bewerter zu 100%. Allerdings halte ich WOT für das falsche Tool, weil es um etwas völlig anderes geht als Antipathien.

Erinnern wir uns kurz – WOT hat etwas mit E-Commerce und Kinderschutz zu tun. Insofern zeigt eine politische Nutzung dieses Bewertungsinstruments vor allen Dingen eines – der Bewerter hat, zumindest bei den ersten drei Punkten,  ein leichtes bis mittelschweres Problemchen mit trennscharfem Denken. Aber schon klar, das ganze Leben ist politisch. War ja eines der Lieblingstotschlagargumente zu SED-Zeiten…

Mit Sicherheit wird diese Warnung auch niemanden davon abhalten, diese Seite anzuklicken, wenn er das partout will…

Bevor mir wieder die Worte im Munde umgedreht werden – ich lehne sämtliche Extremismen ab und finde diese Grundeinstellung einfach nur widerlich. Trotzdem hat WOT nichts damit zu tun…

Bei meiner Bilanz für den ersten Mai suchte ich neulich bei so einigen größeren Polizeipräsidien, u.a. auf der Homepage des Polizeipräsidiums Stuttgart. Ich fiel fast von der Couch, als sich mir folgendes Bild bot:

 

Hääää?

Orange?

Das ist zwar noch nicht „gefährlich“, aber schon hart auf dem Weg zur Bedenklichkeit.

Das wollte ich mir näher ansehen. Was dank meines eigenen Accounts bei WOT gut klappt.

Meine doch recht erhellenden Erkenntnisse möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten.

So setzt sich die Bewertung der Webseite des Polizeipräsidiums Stuttgart zusammen:

Punkt 1: Die Bewerter – oder vermutlich ist hier die politisch korrekte Variante angesagt – die Bewertenden attestieren dieser Seite eine nur mäßige „Vertrauenswürdigkeit“.
Komisch. Ich war schon gefühlte 100 mal auf der Seite des PP Stuttgart und habe mir noch nie Schadsoftware dort zugezogen. Ich wusste gar nicht, dass mein Virenscanner dermaßen diskret ist, dass ich es nicht mal mehr mitkriege, wenn er was findet…

Na ja, für deutlich wahrscheinlicher halte ich, dass die Bewerter einem Hauptratschlag intelligenter Leute nicht gefolgt sind und ihren USB-Stick wild in jeden verfügbaren Slot gesteckt haben. Oder aber sie haben irgendeine wirklich übel verseuchte Seite besucht und mussten schnell einen Schuldigen finden. Da ist die Polizei ja immer sehr beliebt…

Oder sollte am Ende noch etwas dahinter stecken?

Punkt 2: „Händlersicherheit“. Verkauft die Polizei Stuttgart irgendetwas?

Punkt 3: „Datenschutz“. Diese Bewertung hier ist ausnahmsweise korrekt. Schön, dass die Bewerter das zu schätzen wissen.
Heutzutage keine Selbstverständlichkeit… wenn man bedenkt, dass gerade in Stuttgart Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung just dann mit Füßen getreten werden, wenn die Polizei ins Spiel kommt. Ich denke da nur an einige S21-Gegner, die teilweise vollkommen hemmungslos Videoaufnahmen von Polizeibeamten unter Missachtung der Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten ins Internet hochladen. Wo besagte Aufnahmen dann in einer Art Volkstribunal unbelästigt von jeglicher Kenntnis der Vorgeschichte oder gar der Gesetzeslage zur öffentlichen Verurteilung der Polizei benutzt werden.

Punkt 4: „Kinder- und Jugendschutz“. Es wird selbst bei intensiver Suche nicht gelingen, irgendeinen Kinder oder Jugend gefährdenden Inhalt auf der Seite einer deutschen Polizeidienststelle zu finden. Insofern ist diese Bewertung absolut gequirlter Mist…

Falls irgendwem noch unklar sein sollte, aus welche Ecke diese Wertungen kommen, kann derjenige in den Kommentaren nachlesen, wo das Problem mit dem PP Stuttgart liegt:

Zum Schlossgarteneinsatz selbst habe ich mich im Rahmen dieses Blogs wirklich ausgiebig genug geäußert.

Aber, meine Fresse, es ist schon ziemlich unintelligent, seine politischen Einstellungen und seine Versuche, mit aller Gewalt Polizeigewalt zu unterstellen,  mit dem zu verwechseln, um was es WOT geht.

Selbst wenn man wirklich und wahrhaftig an den Quatsch glaubt, der da propagiert wird, weil man einfach nicht wahrhaben will, dass es nicht einmal auf den Videos der S21-Gegner auch nur den leisesten Beweis für die meisten Vorwürfe an die Polizei gibt, hingegen mengenweise Beweise für Gewalt gegen Polizisten sowie die ebenfalls in meinem Blog nachlesbare Version der Stuttgarter Polizei. Und wenn man wirklich glaubt, dass schwäbische Kastanien über faustgroß und scharfkantig sind.

Eine politische Nutzung dieses Bewertungsinstruments zeigt vor allen Dingen eines – Denken ist Glückssache und hier waren echte Pechvögel am Werke….

Na ja, mir ist hier nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass sich Logik und Verstand nachhaltig verabschieden, wenn es um das Thema Polizei geht. Das Thema S21 ist endgültig seit dem
30. September 2010 auch nicht mehr sachlich zu diskutieren, weswegen ich darüber nur noch mit sehr ausgewählten Leuten spreche. Eigentlich ist es jedoch kein gutes Zeichen für die Freiheit des Wortes, wenn ein Bahnhofsumbau ein derartiges politisches Klima zur Folge hat. Ein Bahnhofsumbau ist kein Verbrechen an der Menschheit sondern einfach ein Bahnhofsumbau. Da kann ich nur noch den Kopf schütteln…

Ein lieber Mensch, den ich zu Rate zog, machte mich darauf aufmerksam, dass es sich hier um exakt fünf User handelt, die bewertet haben. Eine davon bin ich. Von den vier anderen waren drei negativ, wie man den Kommentaren unschwer entnehmen kann. Da Extremisten bekanntlich gut vernetzt sind und auch mehr Zeit für solchen Blödsinn haben als die meisten anderen Menschen, liegt auf der Hand, dass diese Bewertung zu deutsch gesagt Schwachsinn ist und auch nicht im Ansatz die Meinung der Bevölkerungsmehrheit widerspiegelt. 3/5 ist zwar mehr als 50% und somit eine Mehrheit, aber die Stichprobe ist definitiv zu klein, um eine valide statistische Aussage treffen zu können.

Mir persönlich sagt diese Angelegenheit lediglich eins: Wenn es möglich ist, ausgerechnet ein Polizeipräsidium in einem demokratischen Staat in Sachen Vertrauenswürdigkeit und Kinder- und Jugendschutz in den orangen bis roten Bereich zu bewerten und das auch noch mit ganzen drei Usern, dann führt sich WOT selbst ad absurdum. Wofür brauche ich dann dieses Add-on, wenn es mir keine Informationen über die Fakten gibt, sondern über die politischen Befindlichkeiten irgendwelcher verwöhnter Fratzen, die damit nicht klar kommen, dass sie in Hinblick auf einen Bahnhof ihren Willen nicht bekommen? So ein Add-on ist für meine Zwecke für den Arsch. Also wird es deinstalliert und mein Account gelöscht.

Und tschüss, WOT!