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Allgemein Fremdbloggen

Merkblatt für Verkehrsteilnehmer

Merkblatt für Polizeibeamte und Verkehrsteilnehmer                 ……………………….. , …….. 20 ….

(Dienststelle)

 

Merkblatt für Verkehrsteilnehmer

 

An den/die Fahrer/in des ……………………., amtl. Kennzeichen:  ………………………..

 

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, befindet sich an Ihrem Fahrzeug außer diesem Schreiben noch ein/e
(   ) Verwarnung, (   ) OWI-Anzeige, (   ) Mängelbericht.

Evtl. ist der Polizeibeamte, der Sie beanstandet hat, noch in der Nähe. Bevor Sie nun versuchen, diesen in endlose Diskussionen zu verwickeln, um ihn dazu zu bewegen, die Maßnahme rückgängig zu machen, sollten Sie erst die nachstehenden Punkte aufmerksam durchlesen. Auf diese Weise können Sie sich und dem Beamten eine Menge Zeit sparen.

01. Sowohl StVO als auch StVZO gelten jeden Tag des Jahres 24 Stunden lang. Sie werden weder durch Nachtzeit, Wochenende, Feiertage oder ähnliches außer Kraft gesetzt.

02. Weder ich noch mein Streifenpartner hegen Ängste gegenüber Rechtsanwälten. Wir glauben auch nicht, dass unsere schillernde Karriere bei der Polizei durch die Einschaltung Ihres Rechtsanwaltes beendet wird.

03. Andererseits sind die Beförderungsmöglichkeiten bei der Polizei nicht so groß, wie Sie vielleicht denken mögen. Sie brauchen also keine Angst zu haben, dass wir nun ein Sternchen mehr bekommen, nur weil wir einen Verwarnungszettel an Ihrem Fahrzeug angebracht haben.

04. Es ist uns auch völlig egal, ob Sie ein „hohes Tier“ bei der Polizeidirektion kennen oder ob Ihr Onkel einmal in der Woche mit dem Hausmeister der Stadtverwaltung kegeln geht. Beziehungen nützen Ihnen überhaupt nichts, eher im Gegenteil: Je höher das Tier, desto kleiner Ihre Chance.

05. Sie können sicher sein, dass wir auch lieber die großen Gangster fangen würden. Leider sind die Kapitalverbrechen in diesem Ort zeitweise recht dünn gesät, so daß wir leider gezwungen sind, die Zwischenräume mit Sachbehandlungen wie der Ihren zu überbrücken.

06. Die Tatsache, dass Sie evtl. fremd in diesem Ort sind, stellt Ihnen ebenfalls keinen Freibrief für Falschparken, zu schnelles Fahren o.ä. aus. Die StVO gilt woanders genauso.

07. Die Ausrede „Arztbesuch“ zieht ebenfalls nicht. Wenn Sie schon zu krank sind, ein paar Meter zu Fuß zu gehen, wie wollen Sie es dann verantworten, ein Kfz sicher durch den Straßenverkehr zu führen.

08. Auch wenn die Dienstmütze auf dem Rücksitz des Streifenwagens liegen sollte, wir sind trotzdem im Dienst und haben das Recht Sie zu beanstanden.

09. Sollten Sie eine Tätigkeit als Briefträger, Bundesbahnbeamter, Hausmeister o.ä. ausüben und während der Arbeit eine Mütze tragen, so sind Sie deswegen noch lange nicht berechtigt, den Polizeibeamten als Kollegen zu betrachten und ihn entsprechend anzureden. Wer in unseren Augen Kollege ist, bestimmen wir selbst.

10. Vermeiden Sie es bitte, zum Polizeibeamten Körperkontakt zu suchen, indem Sie ihm auf die Schulter klopfen oder ihn am Ärmel ziehen. Einer Verwarnung oder Anzeige wird hierdurch nicht entgangen.

11. Auch die kumpelhafte Anrede wie z.B. „Chef“, „Meister“, „Herr Inspektor“ u.a. hilft Ihnen in der Regel nicht. Wenn Sie den Dienstgrad des Beamten nicht kennen, lesen Sie ihn bitte von dem Dokument an Ihrer Windschutzscheibe ab.

12. Ihre Automarke spielt bei der Ausstellung von Verwarnungszetteln keine Rolle. Wir suchen uns nicht nur Fahrzeuge der Marken Mercedes, BMW oder Porsche aus. Wir nehmen alles was kommt.

13. Auch Ihre Staatsangehörigkeit oder Ihre religiöse Weltanschauung hat keinen Einfluss auf die Frage des polizeilichen Einschreitens.

14. Jetzt kommt ein Hinweis für die weiblichen Verkehrsteilnehmer. Der Einsatz von Tränen nützt überhaupt nichts. Der Anblick eines Menschen, der wegen ein paar Euros Bußgeld weinend auf der Strasse steht, wirkt ebenso würdelos wie albern.

15. Noch ein Hinweis zur Historie: Seit dem 3. Oktober 1990 existiert die Deutsche Demokratische Republik (DDR) nicht mehr. Auch wenn wir den Eindruck erwecken, bedürftig zu sein, sind wir dienstlich angehalten, keine Glasperlen mehr anzunehmen. Auch Wurstbrote und Westpakete sind unpraktikabel und bringen nicht den gewünschten Erfolg. Wir sind aufgrund intensiver Kommunikationstrainings auch mittlerweile auf dem Stand, die Wörter „Mitkommen“ und „Papiere“ in substanzielle Sätze einzubinden, wenn es die Lage erfordert. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass uns der Einigungsvertrag trotz des Wissens, dass Sie persönlich für unseren Wohlstand gesorgt haben, keine Möglichkeit einräumt, Rabattmarken zu verteilen. Auch haben wir uns vorher weder in der Stasizentrale noch an der Transitstrecke gesehen und unsere Väter waren auch nicht Wächter im Roten Ochsen.

DIE POLIZEI, DEIN FREUND UND HELFER

P.S.: Der Text stammt nicht von mir, sondern wie an Punkt 15 unschwer zu erkennen, von einem Polizeibeamten aus den neuen Ländern. Danke an J.

Allgemein Schweiz

Zürich

Der Schweizer an sich ist ja bekannt für seine Diskretion. Zumindest für die Schweizer Polizei unterschreibe ich diese Charakterisierung uneingeschränkt.

Ok, ich hatte das Ziel, Abstand zu „Keine Gewalt gegen Polizisten“ zu gewinnen, aber erstens ist es in jedem Land auf der Welt schwierig, der Polizei dauerhaft aus dem Weg zu gehen, und zweitens bin ich ja kein Verbrecher auf der Flucht.

Außerdem fiel mir neulich nachts kurz vorm Einschlafen ein, dass den Teil der „Keine Gewalt gegen Polizisten“-Homepage, der der Schweizer Polizei gewidmet ist, immer noch das Foto eines Spielzeugautos ziert. Ein unhaltbarer Zustand, dem man doch relativ schnell und einfach abhelfen können sollte. Dachte ich… :roll:

Außerhalb der großen Städte war es mir für vier Tage unmöglich, die sehr scheue Spezies des Schweizer Streifenwagens vor die Linse zu bekommen. Auch innerhalb der großen Städte war das nicht so leicht. Entweder war ich gerade unter Hochdruck damit befasst, die Geschwindigkeitsbegrenzung im Auge zu behalten, dabei möglichst keinen Unfall zu bauen und auch noch meinen Weg zu finden. Kein günstiger Moment, um den Fotoapparat hochzureißen. Meistens jedoch war ich zu Fuß unterwegs und dann fuhren sie mit solch einem Affenzahn an mir vorbei, dass ich nicht einmal Zeit hatte, die Kamera scharf zu machen… (Welcher Schwachkopf hat eigentlich das dämliche Gerücht in die Welt gesetzt, der Schweizer an sich sei langsam? Ich bin selten bei so gut wie allen Verkehrsmitteln mit solch einem zügigen Tempo befördert worden wie hier.)

Trotz intensiver Versuche ist es mir nicht gelungen, alle Luzerner Streifenwagen abzulichten. Die sind nämlich sehr vielfältig. Guckstu hier, hier, hier und hier. Und das sind noch nicht alle…

Also entschied ich schließlich, dem Zufall etwas nachzuhelfen. Meine gestrige Joggingstrecke wählte ich am Polizeiposten meines Urlaubsortes Weggis (LU) vorbei. Und tatsächlich. Ein wunderschönes Exemplar parkte genau vor dem Haus. Danke schön!

Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn ich hatte schon Angst, diese sehr liebenswürdige Botschaft in einer Unterführung in Weggis würde ihren Adressaten gar nicht erreichen, weil die Polizei dort nur als Phantom existiert.

Da mir das Jagdglück an diesem Tag hold zu sein schien, beschloss ich, die Stadt Zürich zu besuchen. Immerhin war in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens vor einigen Tagen vom Bußenstreik der Züricher Stadtpolizei berichtet und dabei wörtlich gesagt worden, die Polizei zeige dort trotzdem weiter Präsenz.

Nun, was soll ich sagen? Seit „Keine Gewalt gegen Polizisten“ habe ich sowieso eine andere Art, Städte zu besichtigen als früher. Natürlich spielt der kulturelle Teil weiterhin eine wichtige Rolle, aber mir fallen auch Graffiti ins Auge, die ich früher ignoriert hätte. Wie zum Beispiel dieses geradezu kreative Exemplar:

Zur Erläuterung: Die 117 ist die Schweizer 110.

(Zur Erläuterung: die 117 ist die Schweizer 110)

Es war übrigens an der Bahnhofstraße angebracht. Für Uneingeweihte vielleicht ein etwas unspektakulärer Straßenname, aber es handelt sich hierbei um die absolute Haupteinkaufsmeile von Zürich. Auch die Börse liegt an dieser Straße.

Nun, es muss auch hier mit der Schweizer Diskretion zusammenhängen, dass ich die mir von SF1 versprochene Polizeipräsenz nicht bemerkte. Dabei war das Ziel, doch etwas mehr Auswahl an Fotos zu haben, damit auch dieser Teil der Homepage endlich richtig schön wird. Natürlich würde ich bei allem, was ich im Rahmen des Blogs schon über die Persönlichkeitsrechte von Polizeibeamten gesagt habe, niemals gegen ihren Willen Fotos von ihnen ins Netz stellen, auf denen man ihre Gesichter erkennen kann. Aber erstens war der Plan, sie zu fragen, und zweitens, sie so abzulichten, dass man sie nicht erkennt. Oder das Foto entsprechend nachzubearbeiten…

Nachdem ich das Outdoor-Kulturprogramm hinter mich gebracht hatte (das Indoor-Kulturprogramm habe ich auf einen Tag verschoben, an dem nicht 25 Grad im Schatten und herrlicher Sonnenschein herrschen würden), und ich immer noch kein Polizeibild im Kasten hatte, beschloss ich, auch hier nachzuhelfen.

Dem geneigten Besucher der Schweiz, der ein iPhone besitzt, sei gesagt, dass man für jede größere Stadt eine App herunterladen kann mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten sowie Notfalladressen… unter anderem den Anschriften sämtlicher wichtiger Polizeidienststellen. Wer will denn bitte entscheiden, was sehenswert ist und was nicht? Und irgendwie war das ja auch so ganz allmählich ein Notfall…

Das Ergebnis dieses Stadtrundgangs der etwas anderen Art wird ein eigenes Album bekommen. Ich gehe davon aus, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt in der Schweiz war und somit noch ein paar Bilder dazukommen.

Überflüssig zu sagen, dass auch in Zürich die Unterstützerszene für meine Aktion „All cops are beautiful“ blüht. Allerdings gedeiht sie nicht so gut wie andernorts, weil verständnislose Menschen diese freundlichen Unterstützerbotschaften an sehr frequentierten Ecken wie z. B. dem Hauptbahnhof regelmäßig entfernen. Meine diesbezüglichen Funde sind auf der entsprechenden Fotostrecke zu besichtigen.

Es gibt auch in der Schweiz Stimmen, die trotz meiner Schwierigkeiten, überhaupt mal eine Polizeistreife zu Gesicht zu bekommen, davon faseln, die Schweiz sei ein Polizeistaat. (Besonders geschmackvoll vor dem Hintergrund, dass in Syrien derzeit Sitzblockaden damit aufgelöst werden, dass einfach in die Menge geschossen wird. Habe ich aus der Schweiz noch nie gehört.) Jedenfalls habe ich den ultimativen Beweis für die Polizeistaatlichkeit der Schweiz gefunden und fotografiert:

Dieser Aufkleber war am Zaun des Geländes der Kantonspolizei Zürich an der Kasernenstraße angebracht.

Ja, nee, ist klar. In Polizeistaaten würde solch ein Aufkleber mit Sicherheit nicht hängen bleiben. Vielmehr würde man den, der ihn dahingepappt hat, hängen. Habe ich aus der Schweiz auch noch nie gehört.

Na ja… von Fakten haben sich Anhänger des politischen Extremismus, egal welcher Couleur, noch nie verwirren lassen.

An dieser Stelle mein herzliches Beileid an alle Schweizer Polizeibeamte, die zum 1. Mai in Zürich das zweifelhafte Vergnügen haben werden. Ich werde in Gedanken auch bei Euch sein!!!  (Und in Berlin, Hamburg, Wien… etc…)

Zum Abschluss bekam ich dann doch noch einmal die geballte Polizeipräsenz zu Gesicht. Wie man am etwas unglücklichen Bildaufbau sieht, waren auch diese beiden weit entfernt vom Vorurteil des langsamen Schweizers – ich bin froh, dass das Foto wenigstens scharf ist. Fragen konnte ich sie leider auch nicht mehr, aber ich denke, da man sie gar nicht erkennen kann, geht das schon in Ordnung.

Die Ausfahrt aus Zürich gestaltete sich übrigens etwas schwierig, da einige Ampeln ausgefallen waren. Dabei habe ich gelernt, dass der Züricher Polizist, wenn er den Verkehr regelt, nicht nur eine Warnweste trägt, sondern auch weiße Handschuhe, damit man seinen Handbewegungen besser folgen, respektive Folge leisten, kann. Das ist echt klasse! Und es funktioniert! :-)

(Geschrieben am 21.04.2011; im Kanton Schwyz habe ich übrigens bis zum letzten Tag keinen Streifenwagen vor die Linse bekommen… )

Schweiz

Luzern

„Keine Gewalt gegen Polizisten“ hat durchaus positive Nebeneffekte für mich. Ich lerne eine Menge interessanter Menschen und nicht minder interessanter Gegenden kennen. So hat mich ja das Theater die Auseinandersetzung um S21 nach Stuttgart verschlagen. Und da ich auch in der Schweiz gelesen werde, wurde mir plötzlich schmerzlich bewusst, dass meine Vorstellungen von diesem Land reichlich… nun ja… nebulös waren. Um es mal schmeichelhaft auszudrücken.

Ein Zustand, dem abgeholfen werden musste. Nach einem Kurzaufenthalt in Basel im Januar war ich dermaßen angetan, dass jetzt der Vierwaldstätter See dran ist.

Ab und zu brauche ich auch mal Abstand von diesem Thema. Immerhin mache ich das neben meinem Hauptberuf und manchmal wird mir die ganze Gewalt einfach zu viel. Außerdem habe ich noch andere Hobbys, denen ich zwischendurch einfach mal wieder nachgehen möchte. Programmierung und Vereinsrecht sind einfach nichts, was ich freiwillig erkunden würde… das sind nur die unvermeidlichen Nebenwirkungen des kommunikativen und kreativen Teils dieses Projekts.

Wo kann man nun besser Abstand gewinnen als auf einem Berg? Davon hat die Schweiz eine Menge extrem beeindruckender Exemplare zu bieten. Die Blicke von dort oben sind so schön, dass es schmerzt, und man fragt sich, wer eigentlich, wenn er das Privileg hat, in solch einer Umgebung zu leben, noch auf die Idee verfällt, Polizisten anzugreifen. Überhaupt Menschen verletzen zu wollen. Eigentlich kann das keine Finanzfrage sein, denn die Berge stehen kostenlos in der Umgebung herum und wenn man einigermaßen gut zu Fuß ist, kann man da auch hoch, ohne eine Fahrkarte zu kaufen. Wenn man nicht gut zu Fuß ist, reicht’s eigentlich auch nicht mehr zum Polizistenprügeln. Oder?

Ich war übrigens mit dem Zug auf meinem ersten Schweizer Berg. (Ein gut ausgebauter Nahverkehr ist ein Zeichen für einen sehr hohen Zivilisationsgrad… ;-))

Natürlich wäre ich nicht ich, wenn ich nicht sogar auf einem Berg eine Begegnung mit der Polizei gehabt hätte. Das war allerdings vor etwa 20 Jahren in Südtirol. Zuerst wurde ich Zeugin, wie ein Einheimischer versuchte, einem deutschen Ehepaar zu erklären, warum sein Nachwuchs doch bitte aufhören solle, im Hochgebirge mit Steinen um sich zu werfen. Die Antwort der Deutschen lautete in etwa, dass der Südtiroler sich nicht in ihre Angelegenheiten einmischen solle. Sie würden ihre Kinder eben nicht durch repressive Erziehung einschränken und ihnen die Möglichkeit zur freien Entfaltung bieten. Die lieben Kleinen sollten ihre Grenzen selbst erfahren. (Übrigens kann man eine derartige Antwort auch auf so manchen Deutschen in der Schweiz übertragen und hat dann in etwa heraus, warum man sich hier auf höchst schlüpfrigem diplomatischen Parkett bewegt, wenn man einen einigermaßen positiven Eindruck hinterlassen will.) Im Anschluss wurde ich Zeugin einer Bergrettungsaktion, denn einer der Steine war eine Kehre weiter unten auf der Stirn eines Herrn gelandet, der den Berg auf einer Trage in einem Hubschrauber Richtung Krankenhaus verließ. Damit hatte er auch noch Glück. Zwei Kehren weiter unten wäre der Flug Richtung Friedhof gegangen. Aber Hauptsache, da haben sich mal wieder irgendwelche Kinder frei entfaltet, um ihren Eltern Erziehungsarbeit zu ersparen. Und Hauptsache, man kann dies wortreich mit einer nachgewiesenermaßen gescheiterten Erziehungstheorie unterfüttern.

Und dann wurde ich von der Südtiroler Polizei als Zeugin vernommen. Im Regelfall gehe ich davon aus, dass mein Gegenüber erkennt, dass ich ein Individuum bin und mit solchen Persönlichkeiten nichts am Hut habe. Hier aber war für mich wirklich massives Fremdschämen angesagt.

Ich hoffe, das kam die Eltern so verdammt teuer, dass sie sich dann doch mal in Erziehung geübt haben. Allerdings vermute ich eher, dass das für die lieben Kleinen eine erste Trainingseinheit war, um heutzutage in Berlin die Pflastersteine und in Stuttgart die schwäbischen Superkastanien mit höherem Perfektionsgrad in die Flugbahn auf andere Menschen zu bekommen…

Mein erster Schweizer Berg, die Rigi, hielt hingegen tatsächlich keine Polizeibegegnungen für mich bereit.

Nun hatte ich im Vorfeld Kontakt zum VSPB (Verband Schweizerischer Polizeibeamter) aufgenommen, weil es dort Solidaritätspins mit der blauen Schleife von Eurocop gibt. Diese Schleife steht für „No violence against police“ oder aber „Stopp der Gewalt gegen die Polizei“ (und wer mir jetzt erzählen will, das sei kein korrektes Deutsch, dem sage ich: „Ab auf die Schulbank und Studium der deutschen Sprache, wie sie sich vor der aktuellen Verluderung präsentierte. Mit besonderer Hinwendung zum Dativ.“)

Der VSPB hat seinen Sitz in Luzern. Was liegt also näher als mal eben in Luzern dieses Schleifchen abzuholen, wenn man eh da in der Ecke Urlaub macht. Soweit zum Thema Abstand… ;-)

Zu den Vorurteilen, mit denen man als Deutsche in Hinblick auf die Schweiz ausgestattet ist, gehört u.a. dass man die Größe der dortigen Großstädte eindeutig unterschätzt. Die Anfahrt war also schon für mich sehr abenteuerlich und schweißtreibend, weil mein Navi mich partout über eine Ausfahrt schicken wollte, die gerade gesperrt war. (An dieser Stelle mein Dank an die Schweizer Autofahrer, die mich liebenswürdigst über drei Spuren haben wechseln lassen…)

Irgendwie hatte ich gehofft, meine Anziehungskraft auf Streifenwagen vorübergehend verloren zu haben. Zwar freue ich mich immer, meine Freunde und Helfer zu sehen, aber bei aller Freude über diesen Anblick werde ich auch immer sofort von Adrenalin und schlechtem Gewissen überschwemmt. Fahre ich die vorgeschriebene Geschwindigkeit? Mache ich auch alles richtig? Ist mein Auto in ordnungsgemäßen Zustand? Da bin ich übrigens in guter Gesellschaft, ich kenne sogar einen Polizisten, dem sofort diese Fragen in den Kopf schießen, sobald er seine Kollegen formatfüllend in seinem Rückspiegel erspäht.

In Deutschland bin ich mir im Regelfall weitgehend sicher, dass ich alles richtig mache. In der Schweiz weiß ich das allerdings nicht so genau. Natürlich beachte ich die Verkehrszeichen. Aber wenn ein solches mir sagt, dass eine Straße wegen „Felsreinigung“ nur beschränkt befahrbar ist, kann es schon mal passieren, dass ich in meinem Erstaunen darüber das nachfolgende Verkehrsschild übersehe. Außerdem sitzt mir ständig die dortige Bußgeldverordnung im Nacken, die in Deutschland derartig übersteigert wird, dass dort das Gerücht kursiert, ab 20 km/h Geschwindigkeitsübertretung müsse man in U-Haft. Muss man nicht. Hat mir ein Schweizer Polizist glaubhaft versichert. Billig ist trotzdem anders und bei aller Sympathie für die Schweiz – ich lass mein Geld lieber für andere Dinge dort. Fahrkarten für Züge auf Berge zum Beispiel. Oder Schokolade. (Ich weiß, dass Ihr nicht gerne auf Schokolade reduziert werden, liebe Schweizer, aber ich muss sie einfach erwähnen. Da hättet Ihr halt weniger Suchtpotential in diese Droge einbauen sollen.)

Einen erhöhten Schwierigkeitsgrad hat man auch, weil sich die Schweizer Polizeiautos von Kanton zu Kanton unterscheiden. Manchmal auch innerhalb eines Kantons. Sogar innerhalb Luzerns habe ich mehrere Modelle gesehen. Zu Beginn konnte ich nie sicher sein, ob ich nicht doch eines hinter mir habe. Aber auch in der Schweiz gibt es eindeutige Anzeichen – Blaulichter auf dem Dach und eine klare Beschriftung mit „Polizei/Police“ und/oder „117“.

Nun, da ich von Luzern weder Ahnung noch Stadtplan hatte und mein Reiseführer (übrigens von Merian, also in dem Fall waren die Deutschen mal unschuldig ;-) ) sich ausschwieg, wo man denn in Luzern am besten parkt, programmierte ich mein Navi auf ein Parkhaus, das sich irgendwie zentral anhörte.

Es führte mich ein ein Stadtviertel von Luzern, das… nun ja… wie kann ich das am besten beschreiben? Ich sag mal so – hatte ich mich tags zuvor auf der Rigi noch gefragt, wer eigentlich Schweizer Polizeibeamte verprügelt, so wusste ich es beim Fahren durch dieses Viertel plötzlich. Der Eindruck dieses Quartiers war so, dass, als nun tatsächlich ein Streifenwagen hinter mir auftauchte, ich mich darüber so sehr freute, dass ich ganz vergaß, an die Schweizer Bußgelder zu denken. Die Polizisten fuhren auch sehr lange hinter mir her. Ich nehme an, ihnen war klar, dass ich nicht wirklich absichtlich dort unterwegs war.

Hoffentlich hatten sie Zeit, den Aufkleber mit der Webadresse von „Keine Gewalt gegen Polizisten“ zu studieren. Vielleicht habe ich ja neue Leser gewonnen. Falls ja, danke schön. Hat sich wirklich sehr beruhigend auf mich ausgewirkt.

Nun, trotz dieses interessanten Umweges war ich auf die Minute pünktlich beim VSPB. Dort hatte ich eine nette Unterhaltung mit der Dame, die mir die blauen Pins gab. Und ein Plakat der Aktion „Stopp der Gewalt gegen die Polizei“. Danke für das informative Gespräch. Und danke für die Unterstützung durch die blaue Schleife, die ich seitdem täglich am Revers trage.

Danach hatte ich schon wieder Spaß an meinem Thema. Wenn ich jetzt noch fünf Tage Abstand bekomme, dann werde ich mich wieder voller Elan in das Projekt stürzen.

Für den Rest des Tages genoss ich Luzern. Wirklich eine wunderschöne Stadt.

Heute muss ich aber erstmal wieder auf einen Berg. Wenn das Wetter mitspielt. Wird vermutlich der Pilatus. Angeblich begegnet man dort dem Geist von Pontius Pilatus. Mal sehen. Wenn der mir zu nahe tritt, kriegt er allerdings was auf die Nase.

(Geschrieben am 19.04.2011, als ich mir noch einbildete, tatsächlich auf Dauer Abstand zu dem Thema halten zu können…)