Tag Archives: Polizistenstimmen

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Ihr geht mir auf den Sack – Gedanken zu Kommentaren zu G20

Symbolfoto: Der Verfasser arbeitet nicht bei der abgebildeten Einheit

 

Ich selbst bin Polizeibeamter und war 2013 in Hamburg im Schanzenviertel und auch bei Blockupy eingesetzt, diese Art von Einsätzen ist mir also bekannt, wenn auch nicht in diesem derben Ausmaß. Ich finde es toll, Kommentare zu lesen die „Pro-Polizei“ sind und bin mit den Gedanken bei den Kollegen und Kolleginnen in Hamburg, ich hoffe sie kommen alle gesund nach Hause.

Natürlich gibt es auch Kommentare die sich gegen die Polizei richten, das ist normal und gehört zu einem offenen Diskurs dazu.

Was allerdings überhaupt nicht geht und meinen Kollegen und Kolleginnen, sowie mir massiv gegen den Strich geht, ist die ständige Forderung nach dem Schusswaffengebrauch. Ich denke keiner der Kommentatoren macht sich überhaupt einmal Gedanken darüber welche Folgen das für den jeweiligen Polizisten hat. Von der Gefährdung Unbeteiligter einmal ganz zu schweigen. Wenn diese Menschen wirklich (!!) hinter den Beamten stehen wollen, dann sollen sie diese Forderung bitte unterlassen.

Das nächste Große Thema das mir ebenfalls massiv auf den Sack geht (entschuldigt die Ausdrucksweise) ist die ständige Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr. Was zum Teufel soll die Bundeswehr denn hier ausrichten?? Das ist eine Militäreinheit die für diese Art von Einsatz weder ausgebildet noch ausgerüstet ist. Kein Polizeibeamter möchte, dass die Bundeswehr diese Lage löst. Wie könnte sie auch? Zumal die Voraussetzungen zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren (zurecht) sehr streng angelegt sind.

Mit dieser Forderung wird meinen Kollegen und Kolleginnen der Eindruck vermittelt, sie wären nicht in der Lage ihre Arbeit so auszuführen wie es von ihnen erwartet wird. Durch die Blume werden wir als zu weich, zu labil und einfach zu lasch hingestellt und das lasse ich nicht gelten.

Die Kollegen vor Ort leisten tolle Arbeit und dies soll anerkannt werden, ohne Rufe nach Schusswaffen oder dem Militär.

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Offener Brief eines Polizisten: Was macht Ihr mit den Berliner Polizisten?

Liebe Medienwelt!

Ich verstehe sicher ebensowenig von Eurer Arbeit, wie Ihr vom Dienst eines Polizisten.

Gerade Berliner Kollegen sind gebeutelt genug. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder aus Hinterhalten einzelne Beamte angegriffen. Ich möchte in keiner Einsatzhundertschaft meinen Dienst verrichten. Wenig freie Wochenenden, tausende Überstunden, ständig weg von zu Hause. Viele Kollegen aus den Hundertschaften sehen seltenst Frau und Kinder. Die Ehen gehen zu Bruch.

Wofür ein Haus bauen und finanzieren, wenn man mehr im Grukw (=Gruppenkraftwagen, Anm. d. Red.) wohnt, als zu Hause? Wofür zuhause bekocht werden, wenn man doch Verpflegungsbeutel mit gammeligen Schnitzeln im Einsatz bekommt?

Die Polizei ist eh schon die zweite Familie für die meisten. Wenn dann mal der Druck abfällt, dann wird auch mal gefeiert. Das muss man den Beamten doch bitte auch zugestehen.

Falls hier Straftaten begangen werden, so soll und muss hier unbedingt ermittelt werden.  Aber hier hunderte Kollegen über einen Kamm zu scheren, das ist einfach nur FALSCH.

Bitte lasst der Polizei doch mal die Wertschätzung zukommen, die sie verdient. Jeden Tag retten Polizisten in Deutschland viele Menschenleben – berichtet wird hierüber nur selten.

Mattes (ein Polizist aus NRW)

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Ruhig ist ein dehnbarer Begriff – eine Nachtschicht voller Rettungsdienste mit der PI Ludwigshafen 1

„Habe ich doch gestern Abend gesagt, dass es eine eher ruhige Nacht wird.“

So der Dienstgruppenleiter zu mir am Morgen danach.

Ja, das stimmt. Das hatte er gesagt. Und offensichtlich verschiebt sich die Bedeutung von „ruhig“, wenn man in einer Stadt Dienst tut, in der ich selbst schon mal fünf Stunden lang aus einem Streifenwagen nicht mehr rauskam (meine erste Nachtschicht)… aber „ruhig“ wäre dennoch nicht unbedingt der Begriff der Wahl, der mir zur Umschreibung dieser Nacht in den Sinn kommen würde.

Doch sehen wir selbst.

 

Für mich begann schon der Vorlauf aufregend. Mainz 05 hatte gespielt – und verloren. Was dazu führte, dass ich beim Umsteigen in meinen Anschluss dort einem Haufen Bereitschaftspolizisten der Bundespolizei in die Arme lief. Leider konnte ich ihnen nicht persönlich für das Sicherheitsgefühl danken, das mich schlagartig anfiel. Mein Anschluss drohte, mir vor der Nase wegzufahren.

Der Anschlusszug wiederum war so gerammelt voll, dass ich darauf verzichtete, mich auf die Suche nach einem Sitzplatz zu begeben und mir zwischen einer Menge ebenso unzufriedener wie alkoholisierter Fußballfans einen Klappsitz suchte. War ja nur bis Frankenthal. Dachte ich.

In Bodenheim, der nächsten Ortschaft hinter Mainz, blieb der Zug stehen. Personen im Gleis.

Macht nichts! Ich habe ja 20 Minuten zum Umsteigen in Frankenthal!

Vierzig Minuten später standen wir immer noch und ich hatte ein Problem.

Mein aktueller Zug fuhr zwar nach Ludwigshafen, aber an den falschen Bahnhof. Wenn er denn fuhr…

Ich würde glasklar zu spät erscheinen. Meine Erziehung gebot mir, bei der Dienststelle anzurufen und das mitzuteilen. Mein Verstand widersprach vehement und befand, dass ich vielleicht nicht gerade in der optimalen Umgebung unterwegs sei, um das Wort „Polizei“ oder die Wortgruppe „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ allzu laut auszusprechen. Zumal das Eingepferchtsein in einem stehenden Zug den sowieso schon dürftigen Launepegel um mich herum nicht wirklich angehoben hatte. Da half auch die offene Zugtür auf den winzigen Bahnsteig der Weltstadt Bodenheim nicht weiter…

Genau DA wünschte ich mich gerade hin…

 

Irgendwann drängelte sich ein Mann im Trikot der gegnerischen (und – wir erinnern uns – überlegenen) Mannschaft durch die Menge. Er wurde eigentlich gar nicht beachtet.

Na, denn…

Einmal tief Luft geholt… Nummer gewählt.

„Polizeiinspektion Ludwigshafen 1.“

Ein junger Mann. Er nannte auch einen Namen. Der ging nur in dem Krach im Zug unter.

„Hallo, hier ist Gerke Minrath. Ich bin heute Nacht bei Euch bei der Nachtschicht.“

Nachtschicht. Völlig unverfängliche Vokabel.

„Ich sitze in einem Zug fest, der nicht fährt. Ich werde zu spät kommen. Könnten Sie das der Nachtschicht bitte ausrichten?“

Vielleicht habe ich Glück, und der junge Mann kennt mich sogar von einer meiner Schichten…

„Für wen hospitieren Sie denn? Die Staatsanwaltschaft?“

Hmpf!

„Für diesen Verein…“

„Entschuldigen Sie bitte, ich bin noch aus der Schicht davor. Deshalb frage ich. Für wen nochmal?“

Du kannst ja nichts für meine aktuellen Begleiter… Ach komm, egal jetzt! No risk, no fun!

Mein Smartphone rutschte mir fast aus meiner schlagartig schweißnassen Hand.

„Für den Verein ‚Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.‘.“

Schlagartiges Verstummen aller Gespräche um mich herum. Alles starrte mich an.

Ach herrje…

„Ach so“, klang es fröhlich aus meinem Hörer. „Richte ich aus. Rufen Sie einfach an, wenn Sie in Ludwigshafen sind.“

Gleichzeitig fingen um mich herum alle an zu lachen.

Ich legte auf. Nicht ohne mich bedankt zu haben.

Einer der Jungs im roten Trikot sagte: „Den Verein kennen wir. Acht Cola, acht Bier.“

Der Rest war einfach nur freundlich und ließ mich in Ruhe.

Uff! Schon vor der Nachtschicht nass geschwitzt.

Neben mir saß ein Herr, der sich als Mitglied der Grünen outete und im gleichen Atemzug als bekennender Polizistenfreund. Sicherlich wären wir nicht in allen Dingen einer Meinung (ich habe eigentlich in Sachen „Polizei“ an den meisten Parteiprogrammen etwas auszusetzen… 😉 ). Muss man ja auch nicht. Aber wir führten bis Ludwigshafen ein ebenso spannendes wie angenehmes Gespräch. Er erklärte mir auch genau, wie ich vom Bahnhof zur Polizeiinspektion komme. Sehr nett!

 

Das war aber gar nicht nötig, denn mein erstes Streifenteam, Alex und Christian, bestreifte den Bahnhof und lud mich bei der Gelegenheit direkt hinten ein. Ich stand noch so unter dem Eindruck meiner Zugfahrt, dass ich um ein Haar auf der falschen Seite eingestiegen wäre…

 

In der Dienststelle wurde ich vom Dienstgruppenleiter begrüßt. Er kündigte mir an, dass es wegen der insgesamt eher kühlen Witterung vermutlich ruhig werden würde. Dann reichte er mir eine Schussweste.

 

Und schon ging es los auf Streife. Die Tatsache, dass Ludwigshafen erst noch einmal durchzuatmen schien, bevor es loslegte, nutzte Christian, um mir auf den Zahn zu fühlen, was mich bewegt, regelmäßig in Streifenwagen mitzufahren und was Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. überhaupt für ein Verein ist.

 

Recht zügig kam die Unterbrechung durch den ersten Einsatz.

In einem Einkaufszentrum hatte ein junger Mann um die 18 Pfefferspray ins Gesicht bekommen – der Malteser Hilfsdienst traf kurz nach uns ein. Alarmiert hatte die Retter ein junger Mann, der in einem der Ladengeschäfte dort arbeitet.

„Ich halte Augen und Ohren immer offen.“

Sehr löblich.

Die Geschichte des jungen Mannes, dem Augen und Gesicht höllisch brannten, war eher unzusammenhängend und wenig logisch. Vor zwei Tagen sei ihm das Portemonnaie gestohlen worden, soeben seien ihm die Täter wiederbegegnet. Weil sie nicht wollten, dass er sie verrät, sprühten sie ihm eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Anschließend hätte einer davon ihm in der Toilette des Einkaufszentrums geholfen.

Öhm… wie jetzt?

Auch Christian und Alex fanden die Geschichte eher verwirrend, nahmen aber die Personalien des Opfers und die Personenbeschreibungen der Täter auf.

Im Anschluss suchten wir die Umgebung des Einkaufszentrums ab. Keine Leute, die der Beschreibung entsprachen. Christian telefonierte mit der Dienststelle. Dort wurden Jugendliche, ebenfalls wegen eines Gewaltdeliktes, überprüft. Von denen passte aber auch keiner auf unsere Täterbeschreibung.

 

Während unserer Suche winkte ein junges Mädchen den Streifenwagen heran. Sie sei von einem Typen „gestalkt“ worden. Christian befragte sie, was genau vorgefallen sei. Letztlich war sie lediglich angesprochen worden, ob sie öfters an dieser Stelle sei. Als sie verneinte, sei der Mann gegangen. Keine Straftat und auch noch sehr weit entfernt von „Stalking“.

„Wenn das nochmal vorkommt, und der geht dann nicht, dann kommen Sie bitte zur Polizei!“

 

Als nächstes wurde meine Streife per Funk gebeten, auf dem Theaterplatz am Pfalzbau einen vergessenen Feuerlöscher zu suchen und ggf. sicherzustellen.

Da bleibt ein Feuerlöscher lange genug liegen, dass die Polizei ihn einsammeln kann?

Nein, blieb er nicht.

Also weiterstreifen.

 

Wir passierten ein Etablissement, vor dem ein Oberklassewagen im absoluten Halteverbot stand.

Alex steuerte den Streifenwagen direkt hinter das andere Auto.

Im Etablissement plötzlich hektische Betriebsamkeit. Offensichtlich arbeitete sich jemand zur Tür, um sein Auto wegzufahren…

Ich freute mich schon auf den Fortgang der Geschichte, als plötzlich…

 

„Fahrt mal an den Rhein. Da soll es einen Streit gegeben haben zwischen Jugendlichen. Einer soll laut geschrien haben ‚Bitte hör auf!“, kam aus dem Funk. Dann:

„Der Anruf kam aus Mannheim.“

Oha… von der anderen Rheinseite? Muss ja ganz schön laut gewesen sein…

Christian warf Blaulicht und Martinshorn an, Alex startete den Streifenwagen durch. Christian drehte sich zu mir um.

„Wenn da nur ein einziger Anruf kam, ist da vermutlich nicht viel dran…“

Macht Sinn!

Und wirklich – weder konnten wir Jugendliche in einem heftigen Streit finden, noch Leute, die das ebenfalls gehört hatten.

 

Allerdings fanden wir Jugendliche vor, die meinen beiden Herren wohl bekannt waren. Diese Erfahrungen animierten Alex dazu, das Gespräch zu suchen. Er ließ die Fahrerscheibe runter.

„Habt Ihr was von einem Streit hier am Rheinufer mitbekommen? Wir haben da einen Notruf reingekriegt.“

„Nein, hier war alles friedlich.“

„Ok. Wäre schön, wenn das so bleibt und wir euch heute Abend nicht wiedersehen.“

„Wir sehen uns nie wieder“, versprach der junge Mann mit treuherzigem Augenaufschlag dem Polizisten vor sich. Der ließ das Fenster wieder hochsurren.

Christian und er tauschten einen kurzen Blick.

„Da sollten wir nicht drauf wetten, obwohl die Quoten hoch wären.“

Zumindest in dieser Nacht sahen wir sie nicht wieder.

Zurück zu unserem Falschparker. Der stand tatsächlich immer noch unverändert, als wir da vorbeipirschten.

Unglaublich!

„Ok, jetzt wird es richtig teuer.“

 

Plötzlich fielen uns zwei Jugendliche ins Auge, auf die die Beschreibung des jungen Mannes im Einkaufszentrum aufs Haar passte. Der mit dem Pfefferspray im Gesicht.

Alex stoppte den Wagen. Personenkontrolle.

Tatsächlich waren es unsere beiden Gesuchten, die allerdings abstritten, etwas mit der Sache zu tun zu haben.

„Ich hab dem doch noch geholfen!“

Das hatte das Opfer ja auch ausgesagt. Hm…

Einer der beiden hatte mehrere Smartphones. Alex überprüfte bei allen die IMEI, das ist eine 15-stellige Nummer, mit der jedes mobile Endgerät (Smartphone, Tablet…) eine eindeutige Identifizierung erhält. Wird so ein Gerät gestohlen und man gibt bei Anzeigeerstattung seine IMEI an, so kann man Glück haben und die Polizei findet es eines Tages wieder.

Von den IMEI-Nummern in diesem Fall gehörte allerdings keine zu einem gestohlenen Gerät.

Aus meiner Sicht übrigens mit am Erstaunlichsten, dass die beiden jungen Herren zu Beginn unserer Überprüfung allein auf weiter Flur waren, sich aber im Laufe der Unterhaltung mehrere Gleichaltrige, weiblich wie männlich, hinzugesellten. Einer Jugendlichen meinte, es sei eine tolle Idee, ständig mit dem Fahrrad um uns herumzuwuseln. Er und eine junge Dame stellten mehrfach die Frage, was da bitte vor sich ginge.

Wohlgemerkt, wir sprechen von einer Personenkontrolle, die vollkommen harmlos war – und nebenbei bemerkt noch wesentlich harmloser verlaufen wäre, wenn sich die beiden jungen Herren nicht so sperrig gegeben hätten, sondern einfach vollkommen normal die Fragen meiner beiden Begleiter beantwortet hätten.

Übrigens habe ich mir gemerkt, wie ich an meine IMEI-Nummer komme (*#06# ins Telefonfeld eingeben) und diese als erste Amtshandlung nach der Nachtschicht notiert. Für den Fall der Fälle. 😉

 

Weiterstreifen.

„Jetzt reden wir aber mit dem Falschparker!“

 

„Wir haben einen Ladendiebstahl in einem Supermarkt“, durchkreuzte der Funk den Plan.

In dem Supermarkt erwartete uns die Marktleiterin. Der Täter befand sich in einem vom Markt abgetrennten Raum. Dazu zwei Mitarbeiter des Supermarktes. Alex und Christian betraten den Raum, eine zweite Streife kam hinzu.

Kuschelig…

„Kann mal einer die Tür da feststellen?“, bat einer meiner beiden Herren. Ganz klar ein Job für die Praktikantin, die direkt neben der Tür stand. Mit zwei Handgriffen machte ich einen Mülleimer zum Türstopper.

Alex verließ den brechend vollen Raum, um mit der Marktleiterin zu sprechen. Da der Täter nun durchsucht werden würde, folgte ich Alex. Auch ein 17-jähriger Ladendieb hat Menschenrechte, die u.a. beinhalten, dass er nicht in Anwesenheit von Frauen durchsucht werden kann. Selbst wenn ich keine Frau wäre – auch ein Ladendieb ist kein Zootier.

Die Marktleiterin zeigte uns die Ware, die er unter seinem Pullover versteckt hatte – 10 Fläschchen Kräuterschnaps.

„Der ist total renitent geworden – wollte abhauen. Da haben mir die Leute da geholfen.“

Sie zeigte auf Zeugen.

Christian fragte später sehr genau nach, um herauszufinden, was „renitent“ bedeutet. Dabei ging es darum, wo genau sich die Schwelle zwischen „Diebstahl“ und „Räuberischem Diebstahl“ befindet. Es bringt keinen Menschen weiter, wenn die Polizei da die falsche Anzeige erstattet und das Verfahren dann deswegen eingestellt wird. Auch ein Gedankengang, der in heutigen Zeiten schwierig zu vermitteln ist, da sich die Opfer einer solchen Straftat häufig nicht ernst genommen fühlen und glauben, die Polizisten wollten das, was ihnen passiert ist, klein reden.

Für meinen Geschmack hat Christian diese Hürde gut genommen – er hat ihr sehr genau erklärt, warum er diese Fragen stellte und nach meinem Eindruck hat sie es auch verstanden.

Schließlich brachten wir den Jungen heim und übergaben ihn an seine Erziehungsberechtigten. Als wir das Haus verließen, in dem er wohnte, befanden sich die Nachbarn vom Haus gegenüber auf ihrem Balkon. Sie grüßten uns sehr freundlich und wünschten uns allen einen schönen Feierabend.

„Das dauert noch ein paar Stunden“, klärte einer meiner beiden Begleiter auf.

„Na, dann noch eine ruhige Schicht.“

Nett! Geht doch!

 

„Fahrt mal dahin (es folgte eine Adresse). Da vermissen welche ihren Nachbarn.“

Gesagt! Getan!

„Wir haben auch die Handynummer des Mannes und rufen da regelmäßig an. Derzeit geht keiner dran.“

Diese Information der Leitstelle wurde nachgelegt. Sie beunruhigte mich.

Symbolfoto: andere Einsatzörtlichkeit

Erwartet wurden wir von zwei Herren in einem Mehrfamilienhaus. Einer der beiden war abends heimgekommen und hatte gesehen, dass bei einem seiner Nachbarn die Tür offenstand. Er versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Ohne Erfolg. Also holte er einen weiteren Nachbarn zu Hilfe. Zusammen gingen sie in die Wohnung. Alles war hell erleuchtet, es sah auch furchtbar unordentlich aus – aber der Nachbar war verschwunden.

„Er hatte vor einigen Wochen eine schwere Operation – wir machen uns Sorgen.“

Meine beiden Begleiter wirkten unbewegt, aber ich merkte ihnen an, dass sie der Sache durchaus Gewicht beimaßen.

Wir betraten die Wohnung, die beiden Nachbarn im Schlepptau, und fanden alles vor wie beschrieben.

Noch während Christian im Flur das Gespräch mit den Nachbarn führte und Personalien aller Beteiligten erhob, begann Alex, sich in der Wohnung umzusehen – nicht nur sicherheitshalber noch einmal nach dem Nachbarn, sondern auch nach weiteren Hinweisen. Ich begleitete ihn dabei. Nichts!

„Haben Sie ein Bild von Ihrem Nachbarn?“

Aus dieser Frage von Christian schloss ich, dass sofort eine Fahndung ausgelöst werden sollte. Meine Handflächen wurden feucht.

Das ist wirklich ernst…

Sofort machte Alex sich nochmal daran, durch die Zimmer zu gehen, dieses Mal hielt er Ausschau nach einem Foto. Ich folgte ihm. Vier Augen sehen vielleicht mehr als zwei. Zeitgleich durchsuchte einer der Nachbarn sein Smartphone nach einem Bild.

Plötzlich knackte es in Christians Funkgerät. Die Leitstelle. Meine Streife wurde gerufen.

Christian antwortete mit dem entsprechenden Rufnamen, dann: „Ja?“

„Der Mann hat uns zurückgerufen, er kommt nach Hause. Er ist an seiner Arbeitsstelle.“

Uff!

Alle im Raum atmeten erleichtert auf. Die vier eben noch so besorgt aussehenden Männer lächelten, ich vermutlich auch.

Wir verließen die Wohnung, die Nachbarn gingen erst einmal in ihre eigenen Wohnungen, wir erwarteten den ehemaligen Vermissten vorm Haus.

Der kam auch tatsächlich in wenigen Minuten an. Er war wirklich an seiner Arbeitsstelle gewesen, aber im Funkloch und hatte deswegen die Anrufe der Nachbarn und danach der Polizei nicht sofort bemerkt.

„Das Licht hatte ich absichtlich angelassen, damit Einbrecher glauben, ich sei daheim. Das mit der Tür verstehe ich auch nicht.“

Es war ihm sichtlich unangenehm, was er ausgelöst hatte.

„Das Wichtigste ist, dass es Ihnen gut geht. Und Sie haben echt tolle Nachbarn.“

Mit dem Satz nahm Christian ihm sichtlich sämtliche negativen Gefühle.

WOW! Super gemacht, Christian!

Abgesehen davon, dass der Satz nur zu wahr war.

Als der Ex-Vermisste außer Sicht- und Hörweite war, klärte Christian mich auf: „Gerade die Vorgeschichte mit der OP hat mich hellhörig gemacht. Das wäre nicht der erste Fall dieser Art, der schlimm endet.“

Hatte ich also richtig wahrgenommen, wie ernst der Polizei das Ganze war.

 

Da die beiden nun ihre ersten Berichte verfassen mussten, übergaben sie mich an ein zweites Team, Steini und I.

Erstmal einen Kaffee…

Gerade hatte ich die Hand nach der gefüllten Tasse ausgestreckt, als Steini mich in der Küche abholte.

„Den musst du erstmal vergessen! Einsatz!“

 

Blaulichtfahrt. An einer roten Ampel stand ein PKW – und bewegte sich keinen Millimeter in die Kreuzung rein. Wann spricht sich endlich bis zum letzten meiner Mitbürger herum, dass ein Einsatzfahrzeug sein Blaulicht und Martinshorn anwirft, wenn es dringend ist – man also Platz machen muss? Was in dem Fall heißt, vorsichtig in die Kreuzung reinfahren und den Rest den Fahrer des Einsatzfahrzeugs machen lassen.

„Klassiker“, brummte Steini nur.

I. steuerte den Streifenwagen irgendwie um das andere Auto herum, halb auf einer Verkehrsinsel. Tatsächlich ließ sich mein Mitbürger irgendwann dazu herab, minimal aus dem Weg zu kriechen. Na, bravo!

Steini und I. hatten schon einen Einsatz wegen eines Unfalls hinter sich, in den ein Motorrad verwickelt war – und hatten nun den nächsten. An dieser Stelle möchte ich die Pressestelle zu Wort kommen lassen:

„Eine Nasenbeinfraktur erlitt am Samstagabend ein 63-jähriger Motorradfahrer, als er in der Mundenheimer Straße in Fahrtrichtung Von-Weber-Straße einen einparkenden PKW verbotswidrig rechts überholte und dabei mit diesem kollidierte. Der Motorradfahrer stürzte auf die Straße und verletzte sich an der Nase, sowie an beiden Knien. An beiden Fahrzeugen entstand zudem erheblicher Sachschaden. Im Rahmen der Unfallaufnahme wurde beim PKW Fahrer Atemalkoholgeruch festgestellt. Ein anschließender Alkoholtest ergab eine geringe Alkoholisierung. Nach der Entnahme einer Blutprobe auf der Dienststelle wurde der PKW Fahrer aus den polizeilichen Maßnahmen entlassen. Der verletzte Motorradfahrer verblieb zur ärztlichen Beobachtung eine Nacht in der BGU.“ (Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 30.04.2017)

 

Wir waren die zweite Streife am Ort, die erste Streife hatte das Heft in der Hand. Ich warf einen Blick auf die Sanitäter, die mit dem Motorradfahrer sprachen. Er antwortete, war orientiert. Beruhigend! So ein Nasenbeinbruch verursacht nämlich eine beklemmend große Menge Blut.

Irgendwie wussten alle, was zu tun war – außer mir. Also versuchte ich möglichst, nicht im Weg rumzustehen und Leuten, die aufgeregt auf mich einsprechen wollten, deutlich zu machen, dass ich hier gar nichts zu melden hatte.

„Wen kann ich denn dann fragen?“

Keine Ahnung! Alle hatten etwas zu tun, was für mich wichtig aussah.

„Warten Sie einfach ein bisschen, bis einer der Polizisten sich um Sie kümmert.“

Deswegen war ich sehr froh, als mir eine Polizistin erstmal alle möglichen Habseligkeiten des verunfallten Motorradfahrers in die Hand drückte, um ihre Hände freizuhaben. Im Laufe der Unfallaufnahme konnte ich auch wieder als Taschenlampenhalter dienen. Das kennzeichnete mich dann auch dem Publikum ausreichend als Praktikantin, um mich keinen weiteren Fragen ausgesetzt zu sehen.

Grundsätzlich kann ich ja verstehen, dass jeder aufgeregt ist. Ich war auch aufgeregt, als ich vor vielen Jahren mal in Mainz Zeugin wurde, wie ein PKW eine Fußgängerin auf einem Zebrastreifen umnietete.

Auf die Einsatzkräfte stürzt allerdings auch schlagartig sehr viel ein. Nicht zu vergessen, dass sie schon während der Anfahrt mit Blaulicht und Martinshorn Adrenalin ausschütten. Lebensrettende Maßnahmen nötig? Rettungskräfte alarmieren? Wer hat den Notruf abgesetzt? Wer ist Unfallbeteiligter? Wer ist Zeuge? Wer ist Gaffer? Die sind ja schon froh, wenn sie Ressourcen haben, die Gaffer ihrer Wege zu schicken.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen – wenn man als Zeugin einfach ruhig wartet, möglichst an einer Stelle, an der man nicht im Weg ist, kommt irgendwann eine Polizeibeamtin oder ein Polizist und stellt Fragen. Dann bekommt man auch gesagt, wie es weitergeht. Die beherrschen ihren Job.

Wie in der Pressemitteilung beschrieben hatte der Fahrer des PKW offensichtlich Alkohol getrunken. Zur Dienststelle wurde er übrigens in unserem Streifenwagen gebracht. Ich zog kurzfristig auf die Beifahrerseite um und Steini auf meinen Platz.

Nun ging es erstmal lediglich um eine Blutprobe. Der Alkoholkonsum des PKW-Fahrers war nach allem, was man zu diesem Zeitpunkt wusste, nicht der alleinige Grund für diesen Unfall gewesen. Da er allerdings kein Deutsch sprach, war ihm nicht ganz klar, warum er von der Polizei mitgenommen worden war. Letzteres war ihm merkbar unheimlich.

In der Dienststelle gab I. alles, um dem Fahrer mit Hilfe einer Dolmetscherin deutlich zu machen, dass er nicht in der Dienststelle war, weil er die Alleinschuld bekommen sollte. Das fand ich klasse. Nach meinem Eindruck wurde der Mann auch ruhiger.

 

Nach der Blutprobe schaute I. noch einmal schnell nach einem Herrn, den die Polizei in Gewahrsam genommen hatte.

„Herr X., alles in Ordnung bei Ihnen?“

Diese Frage wiederholte I. so lange, bis von Herrn X. eine Reaktion kam. Vielleicht nicht besonders angenehm, ständig unterbrochen zu werden, während man seinen Rausch ausschläft – aber besser als unbemerkt zu sterben.

 

Anschließend bekamen wir einen Ermittlungsauftrag. An einer bestimmten Straße war ein Wohnwagen gesehen worden. Es gab die Vermutung, dass darin der illegalen Prostitution nachgegangen würde.

Auf dem Weg dahin outete sich Steini als Empfänger einer unserer Karten. „Damals war ich aber noch auf einer anderen Dienststelle.“

Er hatte sich sehr darüber gefreut. Was wiederum mich freut und auch motiviert.

In der genannten Straße war kein Wohnwagen zu sehen. Wenn der Verdacht also stimmte, hatte man sich wohl vorsichtshalber eine andere Ecke gesucht. Oder aber der Wohnwagen hatte einen harmlosen Hintergrund gehabt. Wer weiß…

 

„Wo Ihr gerade da in der Ecke seid – fahrt mal zum Herrn X. Der ist zusammengeschlagen worden, hat sich irgendwie noch nach Hause geschleppt und ist wohl ziemlich durch den Wind.“

Es folgte eine Adresse.

Die Anfahrt gestaltete sich schwierig, weil die Verkehrsführung dank diverser Einbahnstraßen an dieser Ecke der Stadt nicht auf Anhieb durchschaubar ist – um es mal vorsichtig auszudrücken. Wir fanden die Straße dennoch.

„Welche Hausnummer suchen wir nochmal?“ fragte Steini.

I. nannte die Nummer. Praktisch zeitgleich rief ich: „Hier!“

I. setzte zurück und fand eine Parklücke.

Das Rote Kreuz in Gestalt von zwei freundlichen Sanitäterinnen war schon bei Herrn X. Er ist ein älterer Herr, der schwerbehindert ist und eine Beinprothese hat. Die saß eindeutig nicht mehr so, wie sie sitzen sollte. Zudem hatte er ganz gut einen getrunken. Beides machte ihn, leider, für eine bestimmte Sorte Mensch zu einem guten Opfer. Die erkennen diese Schwächen ganz genau und wissen auch, dass Alkohol die Täterbeschreibungen nicht unbedingt hilfreicher macht.

Herr X. war völlig fertig mit der Welt. Er weinte.

Das ging mir in dieser Nacht unter die Haut. Mein eigener Tag hatte mit einer Todesnachricht begonnen, die mich mitgenommen hatte. Ich kann solche Dinge sehr gut beiseiteschieben, wenn ich anderweitig gefordert bin. Hier war ich aber gerade nicht gefordert. Also musste ich mich ziemlich zusammenreißen, um mich nicht dazuzusetzen und mitzuweinen. Was ich natürlich meinen beiden Herren auf keinen Fall antun wollte. Also riss ich mich zusammen.

Steini merkte trotzdem was. Wir führten dann kurz darauf, als ein wenig Zeit war, ein kleines Gespräch, dessen Quintessenz war: Man kann als Polizist nicht alles an sich heranlassen.

Kann ich so bestätigen. Würde ich alles, was ich im Leben an Schrecklichem oder Traurigem zu Gesicht/Gehör bekomme, so dicht an mich heranlassen, wie den Anblick des weinenden Herrn X., dann hätte ich schon mehrere Burn-Outs hinter mir. Polizeibeamte bekommen berufsbedingt mehr Schlimmes zu sehen als ich. Entsprechend wichtig ist es für die seelische Gesundheit, dass sie sich eben nicht jeden Einsatz emotional bis zum Anschlag reinziehen.

Merken, liebe Mitbürger! Es ist kein Zeichen von Unsensibilität, wenn ein Polizist im Einsatz einen kühlen Kopf bewahrt, sondern von Professionalität. Die meisten Polizeibeamten sind keinesfalls herzlos für Zwischenmenschliches. Das merkt man ihnen auch an, wenn man selbst nicht vollkommen gefühllos für andere ist.

Herr X. vermisste sein Handy. I. fragte ihn ausführlich nach den genauen Umständen aus, unter denen sein Handy abhandengekommen war. Auch hier ging es um den Unterschied zwischen zwei Delikten: Schwerer Diebstahl oder Raub.

Herr X. war dafür kaum empfänglich, also überließen wir ihn erst einmal den beiden freundlichen Sanitäterinnen.

Stattdessen machten wir uns daran, seinen Weg von der Kneipe um die Ecke nach Hause abzulaufen, in der Hoffnung, das Smartphone zu finden. Die Gaststätte befand sich um die Ecke. Es gab nur eine einzige etwas dunklere Ecke an dem Weg – und genau da war es seiner Beschreibung nach passiert. Natürlich war das Handy nicht aufzutreiben.

I. befragte drei junge Männer, die des Weges kamen. Die hatten zwar nichts gesehen, waren aber in höchstem Maße empört, was ihrem Mitbürger da passiert war.

„Altaaa, sowas macht man einfach nicht“, fasste einer der drei lautstark zusammen.

Ganz meine Meinung!

Für mein Gefühl waren sie darin auch vollkommen ehrlich.

Wir suchten die Kneipe auf, in der Herr X. seinen Abend verbracht hatte.

„Haben Sie vielleicht gesehen, wie jemand direkt nach ihm rausgegangen ist?“ fragte einer meiner beiden Herren.

Allgemeines Kopfschütteln, niemand war dem Mann gefolgt. Zudem allseitige Fassungslosigkeit.

Die Dame hinter dem Tresen wollte sofort Herrn X. Freundin informieren. I. ließ sich das Smartphone geben und übernahm das Gespräch. Gute Idee! Ich würde vergleichbare Nachrichten auch lieber sachlich von einem Polizisten bekommen.

Insgesamt ließ sich über die Täter nichts herausfinden – was vermutlich bedeutet, dass diese gewissenlosen Menschen damit durchkommen werden. Schade!

 

Und schon war es Zeit für die Rückübergabe an das erste Streifenteam.

Wir bekamen auch gleich einen Einsatz rein. Eine hilflose Person war vom Roten Kreuz, dieses Mal zwei freundlichen Herren, aufgegriffen worden. Es ging nun darum, die Identität zu klären.

Das klappte ganz gut. Dann ging es um seinen Wohnsitz. Der Herr war sich ziemlich sicher, in Mannheim zu wohnen, wo er allerdings nicht gemeldet war. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass er aus einem nahe gelegenen Krankenhaus abgängig war. Das traf sich sehr gut, denn in dessen Nähe lag schon der nächste Einsatz an. (Wie sich ruhige Nächte in Ludwigshafen halt so präsentieren!) In dieses Krankenhaus musste der Herr auch zurück. Also ging es „nur“ noch darum, ihn davon zu überzeugen, dass dieser Transport nicht von der Polizei, sondern vom Roten Kreuz erledigt werden musste.

„Wir dürfen keine Krankentransporte durchführen“, erklärte Christian ihm mehrfach. Irgendwann stieg er dann in den Rettungswagen.

Hello again!

Tatsächlich stellte sich heraus, dass der nächste Einsatz sich nicht um eine hilflose Person in der Nähe des Krankenhauses drehte, sondern diese Person ebenfalls aus dem Krankenhaus abgängig war. Eine Frau mit einer behandlungsbedürftigen Kopfplatzwunde hatte das Krankenhaus auf eigene Faust verlassen.

In diesem Krankenhaus trafen wir übrigens die beiden Sanitäter aus dem letzten und ich die beiden Sanitäterinnen aus dem vorletzten Einsatz wieder.

Während Christian und Alex noch versuchten, herauszufinden, was nun genau vorgefallen war, bekamen wir mit halbem Ohr mit, dass eine dritte Person aus dem Krankenhaus verschwunden war.

Was stimmt nicht mit diesem Krankenhaus?

Einer der jungen Sanitäter outete sich nebenbei meinen beiden Begleitern gegenüber als angehender Polizist (zum 1. Mai). In dem Zusammenhang erfuhr ich auch, wie lange meine beiden Begleiter schon dabei waren, wobei sich Christian mit fünf Jahren Dienst in Ludwigshafen schon als „Fossil“ zu bezeichnen beliebte.

Nach fünf Jahren im Beruf ein Fossil? Dann bin ich aus der Ursuppe gekrochen… 😉

 

Pragmatischerweise entschieden Alex und Christian, dass wir die Dame einfach mal suchen fahren.

 

Unterwegs trafen wir vier junge Männer, die sichtlich wohlgelaunt und nicht ganz leise durch die Nacht zogen – unter Ausnutzung der gesamten Fahrbahnbreite.

Christian sprach sie freundlich an und ermahnte sie, doch besser den Bürgersteig zu benutzen. Die Reaktion der Jungs war nicht unfreundlich. Allerdings hängte sich einer der vier gemütlich in das Beifahrerfenster des Streifenwagens. Wir leben definitiv in neuen Zeiten. Ich hätte mich das in dem Alter nicht getraut. Generell bin ich eher der Typ für Abstand. Mir wäre das definitiv zu distanzlos.

 

Wir waren bei unserer Suche schon fast an der Adresse der verletzten Frau angelangt – als uns ein Funkspruch aus der Leitstelle erreichte.

„Die Dame hat uns angerufen. Sie ist wohlbehalten zuhause. Die hatte einfach keine Lust mehr zu warten.“

„Wann ist sie denn eingeliefert worden?“

„Um neun.“

Meine Uhr zeigte knapp drei Uhr morgens an.

Joah!

Da hätte ich auch nicht mehr gewartet.

 

Wir bestreiften weiter das nächtliche Ludwigshafen. Dabei passierten wir in einer kleinen Grünanlage fünf junge Leute. Wobei „passieren“ die Sache nicht ganz trifft. Zwei von den beiden spurteten schon los, als der Streifenwagen gerade am Horizont auftauchte.

Alex gab dem Wagen die Sporen.

Die beiden trennten sich.

Nun galt es, zu entscheiden, wem wir folgen.

Unser Favorit schlug plötzlich einen Haken.

Man kann einen Passat aber auch sehr schnittig wenden, wenn es sein muss. Alex kann das auch. 😊

Der Flüchtende passierte eine Mauer. Eine kurze Handbewegung.

Hä? Will der über die Mauer klettern? Das schafft der doch nie…

Nein, er rannte weiter.

Nach wenigen Sekunden waren wir nah genug dran, dass Christian die Tür aufreißen und ihm folgen konnte. Pfeilschnell!

Alex parkte den Wagen, wir stiegen auch aus.

Christian hechtete auf den jungen Mann, und brachte ihn zu Boden.

„Hey, das ist Polizeigewalt!“

Na, klar.

Christian erklärte dem jungen Mann, inwiefern er berechtigt gewesen war, zu handeln wie er handelte, und warum er es getan hatte. Der blieb jedoch bei seiner Ansicht. Eine Diskussion, auf die sich Christian gar nicht weiter einließ.

Allerdings sagte Christian im Nachgang zu mir, dass er schon nachvollziehen könne, dass der junge Mann davon geschockt gewesen war. Fand und finde ich klasse!

Während Alex die Personalien des jungen Mannes aufnahm, spazierte Christian zu der Mauer. Um die Mauer. Hinter die Mauer. Und fand – ein kleines Druckverschlusstütchen mit weißem Pulver.

„Das haben Sie doch selbst dabeigehabt, um mir das hier unterzuschieben.“

Klar, da warten wir schon den ganzen Abend drauf…

Nach Beschlagnahme des Pulvers („Warum sollte ich etwas dagegen haben? Das Zeug gehört mir doch gar nicht!“) durfte der junge Mann weiter seiner Wege ziehen.

Symbolfoto: andere Einsatzörtlichkeit

 

Meine beiden Herren fanden es im Nachgang sehr schade, dass uns der andere durch die Lappen gegangen ist. Ich auch! Wer weiß, was wir bei ihm gefunden hätten.

 

Alex und Christian tippten bei dem weißen Pulver auf Amphetamin. Sie begründeten das mit dem Geruch und mit den Symptomen, die der junge Mann aufgewiesen hatte (Trockene Mundwinkel, Paranoia…).

 

Bevor wir das überprüfen konnten, bekamen wir allerdings noch eine Ruhestörung rein. Es ging hart auf vier Uhr zu – und in einem Saal über einem Restaurant ging es musikalisch noch hoch und vor allen Dingen laut her. Es handelte sich um die Feier der Neueröffnung dieses Restaurants.

Christian und Alex gratulierten freundlich dazu, was die Bereitschaft, die Musik leiser zu stellen, drastisch erhöhte. Wenn es auch ein bisschen dauerte, bis die Anweisung der Verantwortlichen sich bis zum „DJ“ herumgesprochen hatte…

 

Als wir nach einer weiteren kurzen Streifenfahrt in die Dienststelle kamen, machte Christian als erstes einen Schnell-Test. Den kannte ich ja schon aus meiner Januar-Schicht. Dieses Mal verfärbte sich das Röhrchen nahezu in Lichtgeschwindigkeit orange. Wie vermutet – Amphetamin.

Das Amphetamin roch auch deutlich weniger nach Waschmittel, war also vermutlich von „besserer“ Qualität – hatte aber immer noch keinen Geruch, der mich animieren würde, so etwas zu mir zu nehmen.

 

Das Wiegen hatte ich schon verpasst, und den Fortgang sollte ich auch nicht mehr mitbekommen, weil mich Steini und I. wieder in ihre Obhut nahmen. Wir hatten die Streifenfahrt gerade erst aufgenommen, als wir schon einen Einsatz wegen einer Schlägerei vor einer Disko hereinbekamen.

Wieder waren wir die zweite Streife am Ort, was dazu führte, dass meine beiden Herren in erster Linie damit beschäftigt waren, die Kontrahenten voneinander zu trennen.

Nach Darstellung des jungen Mannes, um den sich meine beiden Herren vorrangig kümmerten, waren zwei andere junge Männer auf ihn losgegangen. Um diese beiden kümmerte sich gerade die andere Streife. Beiden pappte in der Tat ein ebenso provozierendes wie überflüssiges Grinsen im Gesicht. Was unseren jungen Herrn noch weiter auf die Palme brachte. Seine Freundin versuchte hartnäckig und leider erfolglos, ihn runterzubringen.

Nach und nach kamen weitere Streifenwagen eingeflogen, bis die Polizei letztlich mit insgesamt sechs Wagen am Ort war. Einer davon war der Dienstwagen eines Hundeführers, der sich aber erstmal ohne seinen Hund im Abseits hielt.

Der junge Mann, der angegriffen worden war, war nicht willens, die Fragen der Polizisten zur Klärung der Sachlage zu beantworten. Stattdessen versuchte er ständig, aus dem Kreis der ihn umgebenden Polizisten auszubrechen. Als das misslang, versuchte er es mit einem Tränenausbruch.

„Da will man einen schönen Abend verbringen, und dann passiert sowas. Und jetzt glaubt mir keiner.“

Auch hier versuchte die Freundin, beruhigend auf ihn einzuwirken.

„Die Polizisten machen doch nur ihre Arbeit.“

Natürlich zog auch hier der Blaulichtauflauf einige Schaulustige an, u.a. einen Kumpel des Opfers, der mit den beiden den Abend verbracht hatte. Der wusste offensichtlich von nichts, er konnte auch keine Zeugenaussage beitragen, die irgendwie weitergeholfen hatte. Zum Ausgleich wusste er hingegen ganz genau, wie Polizeiarbeit geht – und war auch so liebenswürdig, das den anwesenden Beamten exakt zu erklären.

„Die beiden greifen an und wir sind die Deppen. Das sind unsere Beamten und das deutsche Rechtssystem.“

Inwiefern er als Unbeteiligter, der nicht dabei gewesen war, nun der Depp sein wollte, erschloss sich mir nicht. Zum Ausgleich erschloss sich ihm aber auch nicht so recht die Funktionsweise eines Rechtsstaates, denn die Polizei ist nach wie vor lediglich dafür da, Sachverhalte aufzunehmen. Wer dann letztlich „der Depp“ ist, entscheiden Staatsanwaltschaft oder Gericht.

Ihm dauerte das auch alles zu lange. Zitat:

„Zwanzig Polizisten und das dauert ewig. So arbeitet die deutsche Polizei.“

Ja, man kann sagen, er gab wirklich alles um mein Herz zu gewinnen. Zumal er, wie eine Polizistin treffend bemerkte, jederzeit hätte gehen können. Er war ja nicht mal als Zeuge gefragt.

„Sechs Streifenwagen. Vollkommen überzogen, der Einsatz.“

Bingo! Ich hatte schon Angst, das heute Nacht mal nicht zu hören zu bekommen!

Hätte Mr. Wichtig auch nur ansatzweise den Durchblick gehabt, den er zu haben glaubte, hätte ihm auffallen müssen, dass der Diensthund die ganze Zeit im Wagen blieb. Somit also ein insgesamt sehr zurückhaltender Einsatz. Aber gut – seitdem mir sogar im Dienstgebiet der Polizei Remagen einer was von einem überzogenen Einsatz erzählen wollte, habe ich begriffen, dass auch das zum Standardrepertoire der Phrasen gehört, die man reflexartig auf Polizisten abfeuert, sobald diese irgendwie die eigenen Kreise stören.

Wirklich nett war die Freundin, die ja schon eigentlich alle Hände voll mit ihrem Freund zu tun hatte, nun aber noch seinen Kumpel im Zaum zu halten suchte. Ein echt patentes Mädchen, das sich dringend Gedanken um seinen Umgang machen sollte.

Mein persönliches „Highlight“ war übrigens der Moment, als sie versuchte Mr. Wichtig zu mehr Respekt zu bewegen. Sie sagte:
„Du redest hier nicht mit deinen Eltern, sondern mit der Polizei.“

Ein Satz, der im Nachgang im Streifenwagen bei mir einen Lachanfall hervorrief. Bei Licht betrachtet ist er aber einfach nur traurig!

Irgendwann waren alle Personalien aufgenommen und alle Gemüter so weit beruhigt, dass beide Parteien in unterschiedlichen Richtungen ihrer Wege gehen konnten. Die Polizei hielt sich noch einige Minuten am Ort auf, um sicherzugehen, dass der Teil mit den unterschiedlichen Richtungen auch hinhaut.

 

Bei der Gelegenheit sprach mich der Diensthundeführer an, der wohl schon länger auf unserer Facebook-Seite mitliest. Er mag uns!

Danke für die Rückmeldung! Auch das motiviert!

 

Zurück in der Dienststelle musste ich eigentlich nur noch die Schussweste abgeben, dann bestreiften Steini und I. netterweise noch einmal den Bahnhof Ludwigshafen-Mitte.

 

Es war auch neben der Polizeiarbeit spannend, mit vier Persönlichkeiten unterwegs zu sein, die so unterschiedlich sind – und alle einen tollen Job gemacht haben. Christian, der mir jeden Schritt sehr ausführlich aus Polizeisicht begründet hat. Steini, der mir vieles aus der individuellen Sicht eines Polizisten erklärt hat. Alex, der sofort macht, wenn es Not tut, ohne viel zu reden. (Deshalb kommt er in meinem Text auch ein bisschen zu kurz – was eigentlich nicht fair ist.) Und I., der umgekehrt recht viel redet, dabei aber eine so deeskalierende Art an Tag legt, dass es mir Spaß machte, ihm zuzuhören.

Danke Euch allen. Fast bedaure ich, nicht in Ludwigshafen zu wohnen und zu wissen, dass Ihr auf mich aufpasst. Aber nur fast. 😝 (Ein kleines Danke auch an I. dafür, dass du unsere Patches so mochtest.. 😉 )

Und danke an die PI Ludwigshafen 1 in ihrer Gesamtheit. Ihr macht einen echt tollen Job!

 

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Die Nacht der Unverschämtheiten – Nachtschicht in Remagen

„Ist das nicht langweilig, wenn du schon wieder in meinem Streifenwagen landest?“

Marcs Frage war ernst gemeint.

Nein, ist es nicht. Abgesehen davon, dass es auch keine andere Lösung gab. Mindestens einer der Dienst habenden Polizisten würde bereits gegen drei Uhr morgens die Nachtschicht beenden und dann war da noch eine Anwärterin, deren Ausbildung selbstverständlich Vorrang hat.

Der Dienstgruppenleiter der Vorschicht hatte es da schon eher getroffen.

„Du hast da Spaß dran, oder?“

Oh ja, und wie. Sonst würde ich es nicht so oft tun. Hinopfern tue ich mich nicht. Insgesamt macht mir KGgP ziemlichen Spaß – wenn man mal den ganzen Papierkram und einige unsägliche Kommentare auf Twitter und Facebook weglässt. Mit am meisten Spaß habe ich daran, darüber so viele neue Leute kennenzulernen.

Trotzdem freue ich mich auch mal hin und wieder bei Leuten mitfahren zu dürfen, die ich schon kenne. Marc hatte mich in meiner ersten Nachtschicht in Remagen schon im Streifenwagen gehabt. Für mich eine gute Erfahrung. Ich freute mich auf die Wiederholung.

Marcs Streifenpartnerin, Kathy, und der Rest der Schicht begrüßten mich auch sehr freundlich. Tatsächlich würden in dieser Nacht wenigstens bis drei Uhr insgesamt drei Streifen auf die Straße gebracht werden können. Tschakka!

Insgesamt stehen die Dinge in Remagen mittlerweile so, dass ich mir meine Schussweste und meinen nicht minder überlebensnotwendigen Kaffee selbst beschaffe.

„Du kennst dich ja aus.“

 

In der Schicht gibt es auch einen Polizisten, T., der schon einmal dienstlich an mir geworden war – nach einem Spiegelklatscher. Sein Kollege und er hatten das so freundlich abgewickelt, dass ich im Nachgang dem Dienststellenleiter dazu eine Mail schrieb. Wenn man sich schon permanent über die miserable Lobkultur in Deutschland beklagt, dann muss man selbst es anders halten. Nur Jammern bringt nichts.

 

Die Nacht begann wie die letzte mit Marc geendet hatte – mit einer Ruhestörung.

Übrigens meine erste Nacht auf der Rückbank des neuen Audis. War dann letztlich gar nicht mal so unbequem wie ursprünglich befürchtet – und die Sitzbank ist sehr komfortabel geformt.

Symbolfoto

 

An der Ausfahrt der Polizeidienststelle stoppte Marc den Streifenwagen, weil Kathy noch mit dem äußerst störrischen Navi kämpfte.

„Links lang“, sagte ich. Für genaue Wegbeschreibungen kann ich mir Straßennamen zu schlecht merken, sogar in einer Gegend, in der ich lebe und aufgewachsen bin. Aber für grobe Richtungsangaben reicht es. Marc vertraute meiner Angabe und bog nach links ab.

Am Fahrtziel angekommen, erwies sich diese Ruhestörung wirklich als extrem ähnlich zur letzten… wir hörten nämlich mal wieder… nichts.

Kathy und Marc klingelten bei den angegebenen Namen. Die jungen Damen waren offensichtlich schon gewohnt, dass ihnen die Polizei für nichts ins Haus geschickt wurde, denn sie reagierten freundlich und entspannt. Ein Spieleabend, aber die Musik hatten sie schon lange ausgeschaltet. Sie kannten ihre Nachbarn nämlich…

Dafür erwies sich die Einstellung des Bewegungsmelders als nervig. Das Licht sprang zwar an, aber jeweils nur für wenige Sekunden. Da ich mich als Praktikantin immer sehr gerne ums Licht kümmere (irgendwas muss jeder können), winkte ich etwa drei bis vier Mal pro Minute, um eine Unterhaltung unter der Beleuchtung einer sparsamen Energiesparlampe zu ermöglichen.

Irgendjemand sollte dem Menschen, der diese Taktung eingerichtet hat, mitteilen, dass der gewünschte Spareffekt davon mit Sicherheit nicht eintritt. Nun unterhält man sich nicht jeden Tag mehrere Minuten lang mit der Polizei, aber bei der Taktung wäre ja nicht mal aufschließen möglich, ohne dass das Licht zwischendurch ausgeht. Ständiges An und Aus frisst bekanntlich mehr Strom als so eine Lampe einfach mal zwei Minuten brennen zu lassen.

 

Als nächstes wurden wir zu einem Hausfriedensbruch in einer mir recht gut bekannten Gegend gerufen. Ein der Beschreibung der Hausbewohner nach zu urteilen heillos Besoffener hatte versucht, ihren Garten zu entern. Den Bewohnern war er unheimlich gewesen.

„Er hat erzählt, dass er mit einem X. am Rhein einen trinken war. Mittlerweile ist er nach da gegangen.“

Einer der Herren zeigte in Richtung Bahnhof. Ein anderer brachte uns transportable Lautsprecher und…

…ein Netz Zwiebeln.

Öhm…

„Das hat er hier liegen lassen.“

Ach so…

Für mich übrigens ein Einsatz, der mit einem sehr merkwürdigen Gefühl verbunden war. Wenige Häuser weiter war ich aufgewachsen. Damals, Ende der 80er, hatte mich die Polizei in einer kalten Februarnacht von Weiberdonnerstag auf Karnevalsfreitag mit dem Streifenwagen heimgefahren.

 

„Na, jetzt kannst du doch endlich sagen, was du damals wirklich angestellt hast“, mit diesen Worten wurde ich noch vor wenigen Jahren von einer ehemaligen Nachbarin, die ich zufällig im Supermarkt getroffen hatte, darauf angesprochen – was den Eventcharakter dieses Ereignisses vielleicht deutlich macht. Leider konnte ich der Nachbarin auch nach so vielen Jahren dazu nichts Spektakuläreres bieten als die Wahrheit – ich hatte den letzten Zug verpasst und die zufällig vorbeifahrende Streife, die ich darum gebeten hatte, mir ein Taxi zu beschaffen, hatte mich nach Hause gebracht. Womit die beiden Herren damals einen der Grundsteine für meine Sympathie für die Polizei gelegt haben. So gesehen sind sie „mitschuldig“ an der Existenz von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.

Offensichtlich haben sich die Zeiten geändert und das Auftauchen unseres Streifenwagens in dieser Straße wird in 30 Jahren kein Aufreger mehr sein… tja…

Zurück zum Eigentümer der Lautsprecher und der Zwiebeln…

Noch während Kathy seine Besitztümer ins Auto legte, kam ein Funkspruch rein, dass wenige 100 Meter weiter in genau der angegebenen Richtung ein Bewusstloser aufgefunden worden war.

Ah ja…

Den Zusammenhang kapierte sogar ich.

Wir fuhren los – und richtig. Da lag ein junger Mann, auf den die Beschreibung passte, am Wegesrand, bewusstlos. Ein Mitbürger hatte ihn dort liegen sehen und die Polizei alarmiert. Sehr lobenswert, aus meiner Sicht.

Marc sprach den Bewusstlosen an. Nach und nach kam er wieder zu sich, so dass er Marc seinen Ausweis reichen konnte. Kathy überprüfte per Funk seine Personalien. Gegen ihn lag nichts vor. Marc packte ihm seine Lautsprecher und Zwiebeln in den Rucksack.

Meine beiden Begleiter überlegten kurz, ob sie einen Rettungswagen alarmieren sollten, entschieden sich dann aber dagegen. Der Mann selbst wollte auch keinen. Er war ganz klar ziemlich volltrunken, aber nicht unfreundlich. Nachdem Marc ihm nach mehreren Anläufen klargemacht hatte, dass der Bahnhof nicht in der Richtung lag, in die er mehrfach starten wollte, sondern genau in die andere, schwankte er los. Damit war dieser Einsatz vorerst beendet.

Übrigens wäre in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen, dass der ominöse X., mit dem unser Klient wohl am Rhein getrunken hatte, ein relativ polizeibekannter Herr ist, der am Ort eine Art Trinkerszene bildet. Selbst wenn die Polizei den einen oder anderen Betrunkenen (noch) nicht kennt, den sie aufgreift – X. ist das gemeinsame Zentrum, um das sie alle kreisen.

 

Als nächstes wurden wir zu Randalierern auf der Straße einen Ort weiter geschickt. Wir trafen drei junge Männer vor einem schicken Wagen aus Hamburg.

„Hier sollen welche randalieren.“

„Ja, nee, also ich hatte Streit mit meiner Verlobten“, sagte einer der jungen Herren. „Wir sind aber jetzt ruhig.“

Eine zweite Streife rückte an. Gut so!

„Läuft das jetzt wirklich friedlich?“

„Ja, versprochen! Ich hol da nur noch ein paar Sachen und dann fahre ich nach Hause.“

Das erschien nicht unwahrscheinlich, denn der junge Mann trug lediglich Shorts und T-Shirt – in einer nicht wirklich warmen Märznacht.

Da wir in dieser Nacht nichts mehr von dieser Front hörten, scheint er sein Versprechen gehalten zu haben.

 

Wir bestreiften ein wenig die Gegend, bei dieser Gelegenheit suchten wir noch einmal die Strecke zwischen der Stelle, wo die beiden unseren Betrunkenen auf den Weg zum Bahnhof gebracht hatten, und eben diesem Bahnhof ab. Er war verschwunden. Die Chancen standen also gut, dass er seinen Zug bekommen hat und bald sicher in seinem (mutmaßlich heftig unter ihm drehenden) Bett gelandet sein dürfte.

 

Von hier wurden wir von Ts. Streife als Verstärkung zu einem Einsatz hinzugerufen, bei dem es um einen Brand ging. Eine Sitzbank war angezündet worden. Die Feuerwehr war so schnell eingetroffen, dass kein Sachschaden entstanden war. T. und seine Partnerin hatten drei männliche Jugendliche gestellt, die sie im Verdacht hatte, diesen Brand verursacht zu haben.

Als wir eintrafen, war einer der Jugendlichen dabei, T. seinen Job zu erklären. Schon der Tonfall des Jugendlichen bei unserer Ankunft machte mir klar, dass dieser junge Herr im Unterschied zu mir wohl keine Mail an den Dienststellenleiter schicken würde – und wenn er es täte, würde sie ziemlich viele alternative Fakten, oder kurz gesagt Schwachsinn, beinhalten…

Zuerst einmal kam der Standardsatz, dass insgesamt fünf Beamte doch reichlich übertrieben seien als Kräfteansatz. (Für mich in Remagen überraschend. Vielleicht ist der Spruch mit dem „voll übertrieben“ auch einfach ein Reflex, der durch das Auftauchen von Menschen in blauer Uniform mit der Aufschrift POLIZEI ausgelöst wird. Wer weiß das schon so genau?) Schließlich, auch Standard, hätten sie ja gar nichts gemacht.

Der Wortführer hatte angegeben, dass er und seine Kumpels zum Zeitpunkt der Brandlegung nicht am Ort gewesen seien. Ihre Anwesenheit bei Eintreffen der Feuerwehr erklärte er damit, dass er eine WhatsApp-Nachricht bekommen habe, er solle dort erscheinen.

Diese WhatsApp-Nachricht wollte er aber nicht vorzeigen.

„Sie dürfen mein Handy gar nicht einsehen.“

Das ist so leider nicht ganz richtig, denn bei Sachbeschädigung und Brandstiftung geht es um Straftaten. Der Absender der Nachricht könnte mindestens ein wichtiger Zeuge, wenn nicht sogar der Täter sein – und in solch einem Fall ist die Strafprozessordnung da sehr eindeutig! Ein Blick in die §§ 94 ff. der Strafprozessordnung erleichtert hier die Rechtsfindung. In diesem Fall ist das Handy ein Beweismittel und darf in der Tat von der Polizei beschlagnahmt werden.

Dies versuchte T. seinem Gegenüber zu erklären.

Die Reaktion:

„Sie haben Ihre Meinung, ich habe meine.“

Das in einem unfassbar großkotzigen Tonfall vorgetragen. Als sei es nicht schon arrogant genug, einen unbestreitbar vorhandenen Gesetzestext als „Meinung“ zu titulieren.

Es ist mir zu müßig, das unsinnige Gerede des jungen Herrn hier en détail zu wiederholen. Fakt ist, dass er den Beamten weitere Unsäglichkeiten um die Ohren schlug, von denen ich hier nur zwei Highlights wiedergeben möchte:

  1. Als wir uns ans Einsteigen machten, beglückte er uns mit dem „freundlichen“ Hinweis: „Sie wissen ja, kein Alkohol am Steuer!“
  2. Im Laufe des „Gesprächs“ verstieg er sich zu dem Spruch: „Lassen Sie uns in Ruhe, dann lassen wir Sie in Ruhe!“ – was aus meiner Sicht schon recht nahe an einer Bedrohung liegt. Zumindest aber liegt bei ihm eine ganz klare Wahrnehmungsstörung vor, wer hierzulande die Rechtslage durchsetzt und wer nicht.
Symbolfoto

Nun habe ich bei meinen Schichten schon so einiges gehört, was Polizisten um die Ohren geschlagen wurde. Bis hierher hatten aber alle Absender derartiger Botschaften entweder kräftig unter Substanzen gestanden, waren nicht ganz Herr ihrer Sinne, gerade festgenommen worden oder eben alles zusammen. Hier traf nichts von allem zu. Gut, der junge Mann war nicht ganz nüchtern, aber keinesfalls besoffen genug, um ein derartiges Auftreten auch nur im Ansatz zu erklären.

 

Leider sollte das nicht unser letztes Zusammentreffen für die Nacht mit ihm werden, denn kurz darauf wurde die Polizei zu einer Schlägerei auf einem Platz gerufen, in dessen Nähe sich ein paar Restaurants, Kneipen und Gaststätten befinden.

Meine Freude kannte keine Grenzen, ein weiteres Mal Zeugin der charmanten Erziehung des jungen Herrn werden zu dürfen. Seine beiden Kumpels, die ihm schon bei der Geschichte mit der brennenden Bank sekundiert hatten, waren auch vor Ort, sowie weitere Herz erwärmende Exemplare seines Alters.

Eine Schlägerei gab es allerdings nicht – nur schlechtes Benehmen gepaart mit Gegröle.

Zuerst einmal wies Marc ihn an, eine Zigarettenschachtel aufzuheben, die er vor unseren Augen auf den Boden geworfen hatte, und in einem ganze fünf Meter entfernt stehenden Papierkorb zu entsorgen.

„Wieso ich?“

Ja, wieso nur?

Zu meiner Genugtuung gab er letztlich nach, wozu sicherlich beitrug, dass die dritte Streife ebenfalls einrückte. Natürlich nicht, ohne uns zu erklären:

„Voll übertrieben, das Polizeiaufgebot!“

Ja, ja, das hatten wir ja gerade schon mal.

Ich persönlich finde es eher übertrieben, dass man überhaupt ein solches Polizeiaufgebot braucht, um normal sozialkompatibles Verhalten durchzusetzen, aber gut…

Endlich, nach Absondern weiterer Sinnlosigkeiten, rückten diese Zeitgenossen ab und machten auch für den Rest der Nacht keinen Ärger mehr. Da war das Polizeiaufgebot im zweiten Anlauf wohl genau richtig gewesen, würde ich mal behaupten!

 

Nun ging es erst einmal in die Dienststelle, weil Marc und Kathy ihre ersten Berichte schreiben wollten.

 

Kurze Zeit später wurde wieder die Polizei angerufen. In einem Saal, den man extra für solche Events mieten kann, fand eine Feier zu einem 18. Geburtstag statt. Aus dem Ortsinneren kamen insgesamt 30 bis 40 Jugendliche zu diesem Saal geströmt. Der Anrufer teilte mit, dass es bereits zu verbalen Aggressionen gekommen sei. Der Inhaber des Etablissements befürchtete, dass sich eine Schlägerei entwickeln könnte.

Seine Befürchtungen waren derart stark, dass er noch einmal anrief, während wir schon auf dem Weg waren.

Mit allem, was die Polizei Remagen aufbieten konnte, also drei Streifenwagen, fuhren wir erst einmal die Straße auf und ab, um uns ein Bild zu machen. Tatsächlich schien es, als bewegten sich viele junge Leute auf den Saal zu. Gleichzeitig quollen aber auch viele aus dem Saal heraus. Die jungen Menschen, die in Richtung des Saals liefen, trugen auch vielfach keine Jacke. Es konnte also durchaus sein, dass die nur mal frische Luft geschnappt hatten. Aus Sicht meiner Begleiter sprach derzeit nichts für die Version des Betreibers. Dennoch…

Die drei Streifenwagen wurden abgestellt und wir machten uns, alle in einer großen Gruppe, zusammen auf den Weg und schlenderten zu Fuß die Straße entlang.

Einer der Jugendlichen stand allein am Straßenrand und wirkte auf den ersten Blick nicht unfreundlich.

Kathy sprach ihn mit einem höflichen „Guten Morgen!“ an und fragte dann nicht minder nett:

„Und, wie ist die Party?“

„Gut!“

Oha. Ein ganz gesprächiges Exemplar.

„Und wieso stehen Sie dann hier draußen?“

Nach wie vor war Kathy sehr freundlich.

„Weil ich es darf!“

Dies in einem Tonfall, der sich weit jenseits der Grenze zur Unverschämtheit befand.

Habe ich was verpasst? Ist heute die allgemeine Nacht der Arroganz ausgerufen oder was ist mit den Leuten los?

Auch dieser junge Mann schien nicht unter Substanzen zu stehen, hatte sich also bei klarem Verstand für ein derartiges Benehmen entschieden.

Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle froh war, Marc aus den Augenwinkeln zum Streifenwagen gehen zu sehen. Ich folgte ihm auf dem Fuße. Hätte ich Zeugin einer weiteren Unverschämtheit an die Adresse meiner Begleiter werden müssen, hätte ich größte Schwierigkeiten gehabt, den Mund zu halten.

Kathy stieß auch wieder zu uns. Als nächstes begegneten wir dem Betreiber, dessen Auftreten gegenüber der Polizei ich auch im Rückblick eher mit Stirnrunzeln betrachte. Erstmal wurde nämlich aufgezählt, was die Polizei beim letzten Einsatz alles falsch gemacht habe.

Na, wenn er dafür Zeit hat, scheint es ja so furchtbar dringend nicht zu sein, mit der anstehenden Schlägerei.

Marc entschied sich für eine ungewöhnliche Maßnahme. Er setzte den Streifenwagen mehr oder minder genau vor den Eingang des Saals. Und da blieben wir erst einmal eine Weile stehen.

Symbolfoto

Warum?

Weil die Polizei es darf!

Und weil die liebenswürdige Reaktion von Kathys jungem Gesprächspartner schon recht deutlich gemacht hatte, dass die Polizei ganz klar störte – wenn auch noch nicht offensichtlich war, bei was.

Ich gebe zu, dass ich eine diebische Freude an Marcs so einfacher und doch so wirkungsvoller Idee hatte.

Die beiden anderen Streifenwagen fuhren weiter auf der Straße auf und ab. Hier und da wurde mal jemand von den beiden anderen kontrolliert, zum Beispiel, wenn er trotz des deutlich sichtbaren Polizeiautos vor dem Etablissement meinte, seinen Wagen ins Halteverbot stellen zu müssen. Das machte dann 15 Euro…

Das Gewusel aus jungen Menschen um uns herum nahm erst einmal zu. Nicht wenige, die aus dem Saal kamen und den Streifenwagen sahen, drehten wieder ab. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrfach, gerne auch mehrmals mit denselben Jugendlichen.

Wir standen. Es ging mittlerweile deutlich auf drei Uhr zu.

Nach einer Dreiviertelstunde tauchten plötzlich erste Taxis auf.

„Was wir hier an Trunkenheitsfahrten verhindern…“, stellte Marc gemütlich fest. „Wir ersetzen hier eine ganze Hundertschaft.“

Das Grinsen in seiner Stimme schwang deutlich mit. Ich grinste mit.

Nach etwas über einer Stunde hatten alle ihr Taxi nach Hause genommen und wir konnten abrücken.

Von diesem Einsatz erzählte ich am Tag danach Dirk, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. Er ist Polizist in Berlin, und das seit Jahren im Wedding. Mit Sicherheit gibt es in ganz Rheinland-Pfalz keine Dienststelle, die auch nur ansatzweise eine ähnliche Bevölkerungsstruktur vorfindet, wie die, mit der es die Polizei im Wedding zu tun hat. Da existiert einfach bei uns nichts Vergleichbares. Aber dafür gibt es in Berlin Verstärkung innerhalb sehr kurzer Zeit. Im Bereich der Polizeiinspektion Remagen nichts, worauf man hoffen könnte. Dirk zeigte sich sehr beeindruckt davon, wie die Schicht das gelöst hatte. Das macht mich ehrlich gesagt schon ein bisschen stolz, dass „meine“ Remagener einen altgedienten Berliner Polizisten beeindrucken.

 

Fast zum Abschluss der Nacht bekamen wir noch einmal eine Ruhestörung rein. Das war ein sehr spezieller Einsatz. Schon bei Betreten des Hauses schlug mir ein Geruch entgegen, der mich geistig in meinen ersten Einsatz in Ludwigshafen in einen sozialen Brennpunkt zurückkatapultierte.

Oha!

So weit muss man also gar nicht fahren, um mit solchen Verhältnissen zu tun zu bekommen.

Ein mir bekannter Polizist sagte einmal:

„Wir schauen in unserem Beruf hinter Türen, von denen viele Bürgerinnern und Bürger nicht einmal wissen, dass sie existieren.“

Stimmt!

Ich hatte nicht gewusst, dass es solche Häuser in meiner Heimatregion gibt.

Die Anruferin empfing uns nicht unfreundlich und informierte uns, dass ihre Nachbarin herumschreie und -poltere.

Kathy klingelte.

Keine Reaktion.

Sie klopfte.

„WAS?“

Nicht freundlich, aber wenigstens eine Reaktion von innen.

„Frau X., hier ist die Polizei.“

„Ich bin nicht angezogen.“

„Dann ziehen Sie sich bitte an. Wir möchten uns überzeugen, dass es Ihnen gut geht.“

„Rufen Sie die tschechoslowakische Kriminalpolizei.“

Hä?

Das wird schwer. Speziell vor dem Hintergrund, dass die Tschechoslowakei vor geraumer Zeit aufgehört hat zu existieren.

So schnell wollten Kathy und Marc nicht aufgeben

„Lassen Sie uns bitte rein“, dieses Mal versuchte es Marc. Mit einer derart beruhigenden Stimme – also ich hätte ihn reingelassen. „Wir wollen nur wissen, wie es Ihnen geht.“

„Ihr seid Engländer, also geht nach Hause.“

Das hatte immerhin eine gewisse Logik. Die Tschechoslowakei war lange eine kommunistische Diktatur gewesen. Jemand, der in den Zuständigkeitsbereich der tschechoslowakischen Kripo fiel und das auch gut fand, dürfte von Engländern tatsächlich nur mäßig begeistert sein.

„Lassen Sie uns bitte rein.“

„Rufen Sie die tschechoslowakische Kriminalpolizei. Ich komme morgen auf die Dienststelle. Da zeige ich ihnen dann, dass die tschechoslowakische Kripo für mich zuständig ist. Das steht in jedem PC.“

„Wir würden aber gern sehen, ob es Ihnen gut geht…“

Langer Rede, kurzer Sinn – der Dialog erwies sich als vollkommen fruchtlos und drehte sich im Kreis. Letztlich rückten wir wieder ab. Es gab keine Handhabe, sie zu zwingen, die Tür zu öffnen – ihre ziemlich laute Stimmlage legte nahe, dass sie sich bester Gesundheit erfreute.

Wie ihre Nachbarin allerdings das Problem mit den nächtlichen Ruhestörungen lösen kann? Das dürfte sehr problematisch werden.

 

Auf dem Rückweg in die Dienststelle ereilte uns noch einmal ein Funkspruch.

„Schaut mal in der N-Straße. Da ist ein verdächtiges Fahrzeug gesichtet worden.“

Wir fanden nichts.

Allerdings wohnt in dieser Straße einer der wenigen meiner Bekannten, die meinem Engagement mit Unverständnis begegnen.

Siehste, und trotzdem ist die Polizei für Dich da. Denn auch für Deine Sicherheit ist gesorgt, selbst wenn Du es nicht wahrnimmst und auch nicht bestellt hast. So sind sie, unsere Polizeibeamten.

 

 

Damit war auch diese Nachtschicht zuende.

 

Für mich bleibt als Fazit, dass ich nachts bestens schlafe, weil es meinem Sicherheitsgefühl weitgehend gut geht. Auch wenn bei uns (häufig zu) wenige Polizeibeamte am Start sind – was die wuppen und vor allen Dingen, WIE sie es wuppen… ich fühle mich in den besten Händen. Trotzdem wären mehr Polizisten kein Fehler, liebe Innenminister. Sie werden gebraucht!

Ein bisschen schockierend fand ich die unglaubliche Respektlosigkeit, der wir in dieser Nacht begegnet sind. Wie schon bemerkt, war das in der Form für mich mein bisheriger Rekord. Nun kann ich Respektlosigkeit gegenüber unseren bundesdeutschen Polizeibeamten generell nicht ausstehen, weil sie das definitiv nicht verdient haben. Gegenüber „meinen“ Remagener Polizisten kann ich es allerdings noch weniger leiden, da bin ich aus Gründen der Heimatbindung echt zu dicht dran. Na ja, und so weit zum Thema, dass in ländlichen Gebieten die Welt noch in Ordnung wäre.

Voll in Ordnung jedenfalls sind die Beamtinnen und Beamten, die Tag und Nacht für meine Sicherheit sorgen. Ihr seid super!

Allgemein Danke-Polizei-Tag Polizistenstimmen Verein

Polizisten eine Stimme geben: Unerwarteter Dank

Plakatentwurf_2015_FINAL_klein_SchriftzugHallo liebes KGgP-Team,

 

hiermit möchte ich Euch mal eine etwas andere Nachricht übermitteln.

Heute machten ich (22) und ein Kollege (ebenfalls 22) eine U-Bahn Kontrolle im Untergrund der Stadt, in der ich meinen Dienst verrichte.

Plötzlich wurde ich von einer unbekannten älteren Frau angesprochen. Innerlich erwartete ich ein bisschen die normalerweise üblichen Kommentare wie „Habt ihr nichts besser zu tun als hier rumzustehen?“. Aber wir wurden überrascht.

Die Frau, die wie sich im Gespräch herausstellte, schwerbehindert war, wollte sich bei uns beiden bedanken. Sie findet es wunderbar und herzergreifend, dass es immer noch so viele junge Kollegen gibt, die tagtäglich ihre Uniform anziehen, für sie den Kopf hinhalten und für sie da sind.

Und dies, obwohl es mittlerweile an der Tagesordnung ist, dass die Polizei in den Medien schlecht und wir als „die Bösen“ dargestellt werden.

Die Frau war während ihrer Worte beinahe den Tränen nahe. Fast ähnlich ging es mir und meinem Kollegen. Wohl mit feuerrotem Kopf rangen wir nach Worten und bedankten uns wiederum bei der Frau. Ein wunderbares Gespräch.

Mir ist das in meiner bisher kurzen Dienstzeit noch nicht passiert, dass sich jemand bei mir bedankt hat. Wahnsinn, was solche Worte emotional bei einem bewirken können. So ging es für meinen Kollegen und mich freudestrahlend, von Kopf bis Fuß, wieder an der Oberfläche. Solch ein Erlebnis gibt so unglaublich Kraft für kommende Einsätze! Ich kann nur jedem Kollegen wünschen, dass ein Bürger solche Worte finden und diese einmal zu ihm sagt. Wahnsinn!

Viele Grüße

Euer Christian

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Der letzte Einsatz!

Symbolfoto
Symbolfoto

Kurz vor 2 Uhr morgens.
Über Funk kommt der Einsatz: „Hilferufe weiblich, Straße X, Sonder-/Wegerechte zugelassen“.

Wir melden uns an und kommen zeitgleich mit einem anderen Wagen an.

Dann geht alles ganz schnell. Aus dem Hof wird gerufen: „Hier liegt eine Person auf dem Boden, eine zweite hängt noch im 3. Obergeschoss am Fensterbrett.“

Ich renne zum Auto und hole den Verbandskasten.
Aus dem Hof weitere Rufe. „Die zweite Person ist auch abgestürzt.“

Sofort werden über Funk Notärzte und Rettungswagen angefordert. Das passierte alles in wenigen Sekunden.

Ich greife auch die Beatmungsmaske und renne in den Hof.
Dort liegen ein Mann und eine Frau.
Eine große Blutlache ist zu sehen.
Ich ziehe mir die Handschuhe an und kümmere mich um die Frau.
Keine Atmung, kein Puls.

Ich fange an zu reanimieren.
Fordere nebenbei die anderen Kollegen auf, den Mann umzudrehen.
Er liegt auf dem Bauch. Als er gedreht wird, röchelt er noch.

Ich mache weiter die Herzdruckmassage.
Aus dem Mund kommt bei jedem Druck Blut. Ich merke, wie weich der Brustkorb ist und denke, da muss alles kaputt sein.
Als der Mann aufhört zu röcheln, wird auch er reanimiert.
Ein Kollege fängt an, die Frau zu beatmen.
Alles passiert bei mir irgendwie automatisch.

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis die Feuerwehr und der Notarzt eintreffen.
Ich pumpe einfach weiter.

Der erste Sanitäter löst den Kollegen bei dem Mann ab.
Ich will nicht abgelöst werden. Warum, weiß ich auch nicht.

Nach ca. 15 Minuten fragt ein Kollege nochmal, ob er mich ablösen soll.
Diesmal nehme ich das Angebot an.
15 lange Minuten. Kniend im Blut.
Immer mehr Feuerwehr und der zweite Notarzt treffen ein.

Die Reanimation geht unaufhörlich weiter. Ich weiß nicht mehr wie lange.

Ich verlasse den Hof, um mich ein wenig rauszunehmen.

Leider verstarben beide Personen unter unseren Händen. Sie waren uns von diversen Einsätzen bekannt. Gerade einen Tag zuvor waren wir dort gewesen. Eine wechselseitige Körperverletzung zwischen dem Mann und einer Person von der Straße.

Dieses musste ich einfach nach dem Einsatz niederschreiben, um die Bilder zu verarbeiten, die die Seele eines Polizeibeamten nach solchen Diensten belastet. Auch wir sind Menschen, kommen aber im Vergleich zum normalen Bürger sehr oft in Situationen, aus denen wir nicht einfach weglaufen können, sondern uns stellen müssen.

Das erwartet nämlich der Bürger von uns.

Ich wünsche wirklich jedem, dass ihm solche Situationen erspart bleiben.

(Eine Polizistenseele, die seit knapp 30 Jahren mitleidet.)

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Ein knackiges Urteil?

Justitia
Symbolfoto

Hallo Admin-Team von KGgP,

 

da Ihr öfters mal Urteile postet, möchte ich Euch gern ein Urteil mitteilen, das ich und Kollegen neulich erleben mussten.

Wir wurden zu einem Einsatz gerufen, weil es vor einer Diskothek zu einer Körperverletzung gekommen war. Bei der Fahndung nach den Tätern stießen wir auf eine Gruppe, auf die die uns vorliegende Beschreibung passte. Also kontrollierten wir sie.

Ein 19-Jähriger, der Teil dieser Gruppe war, führte zwei Gramm Marihuana mit sich.

Bei der Kontrolle beleidigte er uns die ganze Zeit durch. Unter anderem beleidigte er mich als „ekelhafter dummer schwarzer Afghane“. Er ist übrigens Türke, ich bin blond und sehe ziemlich deutsch aus. Soweit zu dieser Beleidigung. Weiter fielen Wörter wie „Fotzkopf“ und „Hure“. Auch seinen Mittelfinger bekamen wir ausgiebig zu sehen.

Er ist uns seit 2010 bekannt: Drogen, Diebstahl, Körperverletzungen sowie Beleidigungen. Mit der Körperverletzung, zu der wir hier gerufen worden waren, hatte er allerdings nichts zu tun. Die Beleidigungen zeigten wir allerdings an.

Vor wenigen Tagen fiel das Urteil. Seine Ansagen an uns gingen als vier tatmehrheitliche Beleidigungen in das Urteil ein. Das ist schon außergewöhnlich, denn normalerweise werden unterschiedliche Beleidigungen tateinheitlich aufgefasst, also wird nur eine Tat verhandelt. Hier wurden also vier Taten verhandelt, was auf ein strengeres Urteil schließen ließ. Obwohl seine Schuld bewiesen war und obwohl auch die zwei Gramm Marihuana in das Strafmaß einbezogen wurde, wurde er zu fünf Monaten Betreuung durch die Jugendgerichtshilfe und einer Teilnahme an einem Programm zum Thema „Umgang mit Alkohol“ verurteilt.

Er darf seinen Führerschein machen, die Kosten des Verfahrens übernimmt der Staat.

Übrigens hatte der junge Mann keine Entschuldigung für uns übrig. Meine jüngeren Kollegen sind mit Wut und Zorn aus dem Gericht gegangen. Aber so ist es halt.

 

Allgemein Polizistenstimmen Verein

Polizisten eine Stimme geben: Ich bin Polizeibeamter – seit fast 30 Jahren

Symbolfoto
Symbolfoto

Ich bin Polizeibeamter in Berlin, seit fast 30 Jahren.

Nach meinen dienstlichen Verwendungen in den geschlossenen Einheiten versehe ich nun bereits seit vielen Jahren meinen Dienst auf einem Abschnitt. Ich bin Vater eines fast 4-Jahre alten Sohnes, meine Frau ist ebenfalls Kollegin.

Dass Berlin schon immer ein „heißes Pflaster“ war, ist und war mir immer bewusst. Leider ist Berlin aber nicht nur schöner, aufregender oder auch ärmer geworden; nein, Berlin ist in den letzten Jahren, ganz besonders für die Polizei, gefährlicher geworden. LEBENSGEFÄHRLICH!

Aber es interessiert keinen!

Es vergeht kein Tag, keine Nacht, in der die Polizei nicht Opfer von Beleidigungen, Anfeindungen, körperlichen Übergriffen ist. Polizeifahrzeuge werden mit Steinen beworfen, angezündet. Dabei interessiert es die „Verbrecher“ nicht im Geringsten, dass sie in solchen Fällen mit dem Leben der Kollegen spielen.

Aber das überrascht ja nicht. Wie oft muss man den Satz dieser (linken) Gruppen hören: „Nur ein toter Bulle ist ein guter Bulle!“ Es macht keinen Spaß mehr, Polizist zu sein!

„Dein Freund und Helfer“, eine Werbeparole aus den 80er-Jahren, möchten wir gerne sein, für unser Gegenüber sind wir das schon lange nicht mehr!

Was in Frankfurt die letzte Woche passiert ist, ist in Friedrichshain jede Woche an der Tagesordnung – angegriffene Polizeibeamte und zerstörte Fahrzeuge. Das lässt mich langsam deprimieren. Ich kann gegen diesen Zustand aber auch nichts machen. Der Stachel sitzt zu tief, weil auch die Rückendeckung fehlt.

Politiker melden sich nach Krawallen kurz zu Wort, verurteilen die Übergriffe auf die Staatsgewalt, um dann schnell wieder unterzutauchen. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass diese linke Gewalt nicht „hochgespult“ werden darf. Aber sie ist da! Es gibt in unserem Land nun mal rechte und linke Gewalt! Beides muss bekämpft werden, denn beides ist schlimm!

Aber es fällt einem Politiker anscheinend leichter, den Steinwurf gegen ein Wohnheim als barbarisches Verbrechen zu verurteilen als den Steinwurf gegen einen fahrenden Funkwagen gleichzustellen!

Herr Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linken, hatte zu Wochenbeginn in einem Interview gesagt, dass die linke Gewalt nicht so schlimm ist wie die rechte. Wo ist der Unterschied, lieber Herr Gysi? Auf beiden Seiten sollen Menschen angegriffen werden. Sie sollen verletzt werden. Ihnen soll Angst gemacht werden. Nur ein toter Bulle…!

Ich habe langsam die Schnauze voll, immer und immer wieder meinen Kopf hinzuhalten. Ich fordere von allen Verantwortlichen mehr Rückendeckung und Anerkennung für meinen Beruf! Dies vermisse ich! Es wird sich auch nach diesen Zeilen nichts ändern. Aber zumindest konnte ich meinen Frust von der Seele schreiben, bevor ich diese Wut noch in mich rein fresse und/oder unbeteiligte Bürger davon etwas abbekommen. Es wird in jedem Polizistenhaushalt weiter gehen… Frauen werden ihre Männer (oder umgekehrt) an der Haustür verabschieden. Die Worte sind dabei immer die gleichen: „Pass auf dich auf, du hast eine Familie, die dich wieder gesund zu Hause haben will!“ Aber die Hemmschwelle sinkt und sinkt.

Meine Motivation auch, während meine Angst steigt, dass mir im Dienst mal was Schwerwiegendes passiert. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, Herr Gysi und Kollegen…!

Allgemein Polizistenstimmen Verein

Polizisten eine Stimme geben: Was ist mit mir los? Ich dachte immer ich bin stark!

Symbolfoto
Symbolfoto

Es ist noch gar nicht so lange her. Es war eine Nachtschicht, die super lief. Wir (meine Streifenpartnerin und ich) hatten eine Menge Spaß in dieser Nacht. Wir haben gelacht, haben uns klasse Musik reingezogen und den Dienst genossen.

 

Und dann kam dieser vorletzte Einsatz.

 

Wir waren bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt. Häusliche Gewalt heißt es, wenn es zu Straftaten innerhalb einer Beziehung kommt. Der Lebensgefährte hatte seine Freundin leicht gewürgt. Nichts besonderes in meinem Bereich. Das ist eigentlich Tagesordnung. Ich ging zum Fahrzeug um ein Atem-Alkohol-Messgerät zu holen.

 

Als ich nun am Kofferraum stand kam jemand vorbei und beleidigte mich ohne Grund. Er war sehr aggressiv und mit Unterstützung konnte ich dann seine Personalien feststellen und er bekam seine verdiente Anzeige.

 

Allerdings war schon zu diesem Zeitpunkt etwas anders. Ich regte mich sehr stark darüber auf, dass mich jemand beleidigt, ohne dass ich überhaupt etwas mit ihm zu tun hatte. Es gab keinen vernünftigen Grund für sein Tun.

Ich stand fast immer über diesen Sachen. Einen Einsatz, ob ich Funkwagen war oder der Einsatzleiter, schüttelte ich einfach so aus dem Ärmel. Es gab nichts, was ich während meiner gut 25 Jahren Dienst, nur auf diesem Abschnitt, noch nicht erlebt habe.

 

Nach der Ablösung fuhr ich nach Hause und schlief erst mal.

 

Allerdings war die Nacht früh zu Ende. Meine Frau, die sich von mir getrennt hat, wollte vorbeikommen. Die Trennung ist frisch und schmerzt.

 

Als sie wieder weg war telefonierte ich mit einer mittlerweile sehr guten Freundin. Sie gibt mir sehr viel Halt in dieser schweren Zeit. Wir redeten über Gott und die Welt. Und ich erzählte ihr auch von meinem Erlebnis in der Nacht. Immer wieder kamen mir die Tränen. Ich hatte es einfach nicht im Griff, nicht zu heulen. Sie legte mir nahe zum Arzt zu gehen. Sie sagte: „Du hast ein Burnout!“

 

Es war wieder mal ein langes Gespräch. Ich ließ mich überreden. Zwischendurch meldete ich mich auf meiner Dienststelle krank. Ich hatte ja eigentlich wieder Frühschicht nach dem Nachtdienst.

 

Und es war der richtige Weg.

 

Ich ging also zum Arzt und wollte ihm in Ruhe von meinen Symptomen erzählen.

Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit, innere Leere und fehlende Erholungsphasen auf Grund des Dienstes und natürlich die Trennung.

 

Aber so weit kam ich gar nicht.

 

Ich setzte mich beim Arzt hin, wollte anfangen zu erzählen und fing an zu heulen. Unter Heulen erzählte ich ihm, was mit mir los ist.

 

Mein Arzt wusste sofort was mit mir passiert war. Seine Diagnose: anfängliche Depressionen. Schlicht und einfach im Volksmund gesagt „Burnout“. Er schrieb mich gleich mehrere Wochen krank. Er gab mir den Rat alles zu machen, was mir Spaß macht und mein Leben zu genießen. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Ich werde es langsam angehen lassen. Ich muss mich erst einmal wieder selber finden.

 

Ich weiß noch nicht, ob ich aus dieser Situation selber wieder herauskomme oder ich mir noch psychische Hilfe holen muss.

 

Ich weiß nicht wie lange ich noch krank sein werde. Das ist mir auch egal. Ich war nie krank. Höchstens mal eine Erkältung oder eine OP. Aber ich habe geschaut, dass ich schnell wieder arbeiten bin, damit die Kollegen nicht so belastet sind.

 

Eines weiß ich aber:

Ich will raus aus der Depression. Ich will wieder ein normales Leben führen. Ich will wieder Spaß haben

 

Das kann nicht der Sinn des Lebens sein, sich für seinen Dienstherrn aufzuopfern. Ich habe mir auch vorgenommen ruhiger zu treten, wenn ich wieder im Dienst bin. Ob ich schaffe weiß ich jetzt auch noch nicht.

 

Auch wenn ich das hier anonym schreibe, weiß ich doch, dass mich hier einige erkennen werden. Aus meinem Kollegenkreis, Bekanntenkreis und Freundeskreis.

 

Das ist mir aber egal. Ihr sollt wissen, was mit mir los ist. Ich bin immer offen mit allem umgegangen.

 

Ich möchte, dass Euch so etwas nicht passiert, so wie es mir passiert ist.

 

Hört auf euren Körper und vor allem auf eure Seele.

 

Tretet kürzer und lasst Euch gegebenenfalls helfen.

 

Eines noch.

 

Ich möchte mich bei den drei Personen bedanken, die für mich da sind. An erster Stelle meine liebe Telefonfreundin. Du hast stets ein offenes Ohr für mich. Danke! Meine Streifenpartnerin, die ich auch immer telefonisch und auch persönlich mit meinen Problemen belästigen kann. Danke! Und meine gute Freundin hier. Sie weiß schon wen ich meine. Danke!

 

Also passt gut auf Euch auf und hört auf euren Körper und auf eure Seele.

(Der Autor des Textes ist dem Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. persönlich bekannt.)

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Trauerzug von Officer Joey Fabus

Hallo KGgP-Team!

Ich bin begeisterter Leser eurer Facebookseite und auch Polizist.

Bethel Park PD 103111Mir geht manchmal die Hutschnur hoch, wenn ich über Gewalt von Polizisten in den Staaten lese. Da kommentieren Leute, die niemals in einer solchen Hoch-Stress Situation waren, die Geschehnisse, als könnten Sie dies nur um entferntesten beurteilen.

Ein Kollege & Freund aus den Staaten hat mir ein Video geschickt, in welchem Polizisten (diese mordenden Bestien, ihr wisst schon?) einen Trauerzug für „Officer“ Joey Fabus gefahren sind.

Was ist daran besonders? Joey Fabus wurde nur 8 Jahre alt, als ihn der Krebs viel zu früh aus dem Leben gerissen hat. Der größte Traum von Joey Fabus war es einmal Police Officer zu werden. Im Juli machte das Bethel Park Police Department diesen Traum zumindest für einen Tag zur Realität.

Joey wurde vereidigt, bekam eine Uniform und durfte einen Tag mit auf Streife.

Vielleicht ist diese Nachricht / das Video ein News auf euer FB-Seite wert, um mal das Bild der US Police Officer ins rechte Licht zu rücken.

Viele Grüße

Chris Gö
Hier das Video von seinem Tag als Officer:

Und hier das Video vom Trauerzug: