Tag Archives: Polizistenseelen

Allgemein

Eine Gedenkstätte für im Dienst getötete Polizeibeamtinnen und -beamten

Schon seit längerem wünsche ich mir eine Art Denkmal für im Dienst an uns als Gesellschaft ums Leben gekommene Polizeibeamtinnen und -beamten. Umso mehr berührte es mich, als die Einladung zur Einweihung einer solchen in meinen Briefkasten flatterte – zur Einweihung der „Gedenkstätte für die im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten des Landes Rheinland-Pfalz“ an der Hochschule der Polizei in Büchenbeuren. Nicht nur die Einweihung fand dort statt, auch die Gedenkstätte wurde vor dem Tagungszentrum dort errichtet.

So fuhr ich denn heute Morgen bei – für Novemberverhältnisse – bestem Sonnenscheinwetter in den Hunsrück. Je näher ich Büchenbeuren kam, desto grauer und nieseliger wurde das Wetter. Wie schade …

Nachdem ich von freundlichen Polizeianwärterinnen und -anwärtern eingewiesen worden war, stellte ich im Tagungszentrum der Hochschule fest, dass es eine sehr große Veranstaltung werden würde. Das war auch gut so. Selbstverständlich waren viele Angehörige der Polizisten, um die es hier gehen würde, gekommen. Ebenso einige Mitglieder des Landtages, Vertreter der Landesregierung, hochrangige Vertreter benachbarter Polizeien – hier seien beispielhaft die Bundespolizei, die Polizei Nordrhein-Westfalen, die Polizei des Saarlandes sowie die luxemburgische Polizei genannt, und der Landesbranddirektor (oberster Feuerwehrmann von RLP). Natürlich waren auch viele Polizistinnen und Polizisten aus Rheinland-Pfalz vor Ort und nicht zuletzt die Personalvertreter und Vertreter der Polizeigewerkschaften. Passend zum Motto, unter dem die Veranstaltung stand: „Einnerung ist eine Form der Begegnung“ (Khalil Gibran).

Nach einer Begrüßung durch den Leiter der Hochschule, Friedel Durben, sowie einer Ansprache des Inspekteurs der Polizei, Jürgen Schmitt, sprach auch Innenminister Roger Lewentz.

„Jedes einzelne Schicksal, jede einzelne Geschichte ist tragisch und berührt Angehörige, Freunde und Bekannte, aber auch die Polizeibeamtinnen und -beamten, die einen Kollegen verloren haben. Die Hochschule der Polizei hat zusammen mit den Polizeibehörden keine Mühen gescheut, Angehörige und enge Kolleginnen und Kollegen der Verstorbenen zu ermitteln. Dabei kam es zu sehr denkwürdigen und intensiven Gesprächen und Begegnungen, die deutlich machten, wie präsent die Erinnerungen von teilweise Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen bei vielen Betroffenen an dieses einschneidende Erlebnis nach wie vor sind“,  so der Minister.

Untermalt wurde das Programm durch das Blechbläserensembles des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz. Gespielt wurde u. a. das Ave Verum von Mozart sowie das Adagio in d-moll von Allesandro Marcello. Ich erwähne das, weil die Auswahl der Stücke die Feierlichkeit des Anlasses nicht nur betonte, sondern auch zur Schönheit beigetragen hat.

Auch Hubertus Kesselheim, Polizeiseelsorger, kam zu Wort. Als greifbaren Beleg für die Arbeit, die die Studierenden in die Aufarbeitung der Einzelschicksale der betreffenden Beamten unternommen haben, hielt er einen von drei dicken Leitz-Ordnern hoch.

Zwei Studierende der Hochschule berichteten eindrucksvoll davon, wie ihnen die Beschäftigung damit unter die Haut gegangen war. „Wir gehen nun anders an unseren Dienst heran, achtsamer mit uns selbst“, sagte sinngemäß eine der beiden. Anschließend meldete sich eine Polizeibeamtin zu Wort. Sie war in einer Doppelrolle vor Ort, denn auch Ihr Vater gehört zu den Menschen, derer hier gedacht wurde und weiterhin werden wird. Schließlich sprach der Polizist, der am 17.03.2010 mit Manuel Kopper im Einsatz war, dem SEK-Beamten, der in Anhausen im Dienst erschossen wurde. In sachlichen Worten schilderte er den Einsatz und den Tod seines Kollegen. Sachlich, aber die Emotionen vibrierten bei jedem Wort mit.

Nachdem die Anwärterinnen und Anwärter den Saal verließen, um sich schon einmal zu einem Ehrenspalier aufzustellen, folgten alle Anwesenden. Ein evangelischer und ein katholischer Polizeiseelsorger, Reinhard Behnke und Hubertus Kesselheim, erbaten einen Segen für die auf der Gedenkstätte erwähnten Polizisten. Die Feier selbst war offenbar schon gesegnet, denn es wurde tatsächlich für die Minuten, die wir draußen standen, kurz sonnig.

 

Nach der Kranzniederlegung durch den Innenminister wurde jeder der 45 im Dienst an uns Bürgerinnen und Bürger verstorbenen Polizeibeamten beim Namen genannt. Nur das. Kein Dienstgrad, keine Dienststelle. Nur der Mensch. Für jeden Namen legten die angehenden Polizistinnen und Polizisten eine weiße Rose vor der Basaltsäule mit den Gedenkplaketten nieder. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Vielen Angehören war die Emotion anzumerken. Es machte mir Gänsehaut, den einen oder anderen gestandenen Polizisten dabei zu sehen, wie er mehr oder minder heimlich eine Träne verdrückte.

Einige der Namen kannte ich. So hatte bspw. eine Dienststelle, in der ich hier und da zu Gast war,  im Wartebereich für Bürgerinnen und Bürger mit Fotos an ihre im Dienst ums Leben gekommenen Polizisten erinnert. Leider sind diese Bilder mittlerweile in einen anderen Raum gewandert, was ich persönlich sehr schade finde. Meiner Ansicht nach sollten wir Bürgerinnen und Bürger ruhig damit konfrontiert werden, was Menschen, die diesen Beruf ergreifen, riskieren. Immerhin sind sie Tag und Nacht unterwegs – für uns.

Beim Empfang im Anschluss an die feierlich Einweihung waren sich alle, mit denen ich ins Gespräch kam, einig – es war eine würdige Veranstaltung gewesen.

Zugegebenermaßen hatte auch ich im Vorfeld hier und da den Gedanken, dass ein öffentlicherer Ort wünschenswert gewesen wäre. Allerdings gibt es sehr viele gute Gründe, die für diesen Standort sprechen. Jede Polizistin und jeder Polizist in Rheinland-Pfalz kommt im Laufe seines Dienstlebens daran vorbei – zuerst während seiner Ausbildung und dann immer wieder bei Fort- und Weiterbildungen. Die Gedenkstätte ist nach dem gleichen Motto von Khalil Gibran angelegt, unter dem auch die Einweihung stand. Entsprechend ist auch sie ein Ort der Begegnung. Zehn kleine Basaltsteine sind um die Stele gruppiert, laden ein zu verweilen, zu gedenken, sich auszutauschen – eben sich zu erinnern und sich zu begegnen. Zudem ist sie hier geschützt vor der Minderheit von Menschen, die wohl leider ohne jeden Respekt nicht mit der Wimper zucken würden, sich an dieser Stätte zu vergehen.

Mir gefällt sie sehr gut, diese Gedenkstätte. Danke dafür. Danke für die Wertschätzung, die damit jene Menschen erfahren, die im Dienst an uns ihr Leben lassen mussten. Danke auch für die Wertschätzung, die damit jene erfahren, die mit diesen Menschen eng verbunden waren. Danke auch für die Wertschätzung, die letztlich jene erfahren, die tagtäglich für uns zum Dienst gehen. Wertschätzung. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Es freut mich sehr, dass ich bei der Einweihung dabei sein durfte. Es war mir eine Ehre und eine persönliche Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir, dass die freien Stellen auf der Stele auch frei bleiben werden.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal Roger Lewentz zitieren, der heute sagte: „Vor allem die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber unseren Beamtinnen und Beamten erfüllt mich mit Sorge. Lassen sie uns dies, gerade auch im Blick auf diese Gedenkfeier, als eine bleibende gesellschaftliche Aufgabe ansehen.“ Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. sind dabei.

 

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Weitere Links zum Thema

Pressemitteilung des Ministerium des Innern und für Sport vom 02.11.2018

ODMP-Seite Manuel Kopper

 Mein Artikel über das Denkmal der Exekutive in Wien von 2014

Beitrag in SWR aktuell vom 02.11.2018

Allgemein Trauriges

Pirmasens: Gewalt gegen Polizisten im Gerichtssaal

Symbolfoto

Wer lange genug bei uns mitliest, weiß, dass ich keine besondere Freundin davon bin, zu verallgemeinern. Auch nicht gegenüber der Justiz. Es gibt durchaus einzelne Urteile, die mir gefallen. Ich habe ein ernstes Problem mit Leuten, die auf unseren Internetpräsenzen quasi reflexhaft ihr „viel zu wenig“ unter jedes, aber auch jedes, verlinkte Urteil pappen. Bei dem einen oder anderen Internetuser habe ich das Gefühl, er wäre auch mit der – in Deutschland zum Glück verbotenen – Todesstrafe nicht zufrieden und würde das ohne eine anständige Folterung im Vorfeld für einen Ausfluss von „Kuscheljustiz“ halten.

Dabei geht es mir nicht darum, dass ich die Justiz für sakrosankt halten würde. Im Gegenteil lege ich auch hier größten Wert darauf, dass man die Justiz kritisieren können muss. Aber auch hier habe ich nun mal gern Argumente, mit denen eine Meinung unterfüttert wird.

Gestern Abend stolperte ich allerdings über ein Urteil, das in mir schlicht Fassungslosigkeit zurückließ. Sowas geht in meinen Augen gar nicht. Leider kann ich dazu keinen Link setzen, da die einzige Quelle[1] dazu eine Bezahlschranke hat. Ich fasse also mal zusammen.

Im August 2017 widersetzte sich ein 21-Jähriger einer Polizeikontrolle. Einsatzanlass war ein randalierendes Paar gewesen, der 21-Jährige hatte bei Anblick der Polizei erstmal eine Dose Pfefferspray weggeworfen.

Dreimal hatte ihn die Polizei nach seinem Personalausweis gefragt, dreimal habe er gesagt, dass er keinen Ausweis dabei habe. Daraufhin wollten die Beamten ihn durchsuchen, dagegen leistete er Widerstand. Letztlich war die Polizei mit vier (!) Fahrzeugen vor Ort, ein Polizist wurde an der Hand verletzt.

Zufällig ist mir die Geschichte bekannt und zufällig weiß ich auch, dass dieser Polizist im Nachgang mehrere Wochen dienstunfähig war.

Zu diesem Vorfall wurde beim Amtsgericht Pirmasens gleich noch das Eintreten einer Wohnungstür durch den jungen Mann im folgenden Februar mitverhandelt.

Die Staatsanwaltschaft forderte drei Wochen Dauerarrest.

Der Richter hielt den Angeklagten in allen Anklagepunkten für schuldig. Im Artikel in der Pirmasenser Zeitung findet sich die Wendung, dass er den 21-Jährigen „seit Jahren kennt“.

Nun kann ich es nicht so genau wissen, da beide nicht zu meinem Umfeld zählen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die beiden sich nicht unbedingt durch ihre Mitgliedschaft im örtlichen Schachclub kennen. Mutmaßlich begegnete man sich also schon häufiger im Gerichtssaal. Auch die Forderung der Staatsanwaltschaft lässt Rückschlüsse darauf zu.

Entsprechend logisch dann das folgende Urteil, oder?

Das Urteil lautete auf – eine Verwarnung.

Ok, es kam noch eine Auflage dazu. Der 21-Jährige muss bis April 2019 unter der Betreuung des Vereins für soziale Rechtspflege stehen, der ihn bereits jetzt betreut, sowie bei einem Psychiater vorstellig werden. Weil positive Tendenzen zu erkennen seien.

Na, wenn das mal jemanden, dessen Aktionen offensichtlich schon öfters mal im Gerichtssaal verhandelt wurden, nicht atemlos vor Respekt zurücklassen wird.

Um nicht missverstanden zu werden. Bei Ersttätern, die ein Problem mit Aggressionen haben, halte ich das durchaus für einen guten Weg. Vielleicht auch noch beim zweiten Mal. Dann muss aber auch irgendwann mal Schluss sein mit lustig. Dann muss man klare Kante zeigen, sonst wird man nicht mehr ernst genommen. Leider erstreckt sich dieser Mangel an Ernstgenommenwerden dann bei so manchem nicht mehr auf einzig diesen Richter, sondern auf den Staat als Gesamtheit. Und natürlich auf seine Vertreter, die das dann an vorderster Front abbekommen, die Polizei.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die vor Ort eingesetzten Polizisten mit einem derartigen Urteil fühlen mögen, insbesondere der Polizist, der länger krankgeschrieben war als der Dauerarrest überhaupt angehalten hätte. Oder generell Pirmasenser Polizisten, die schon hier und da mal mit dem Herrn zu tun hatten. Um öfters mal im Gerichtssaal zu landen, muss man der Polizei auch schon mehr als einmal auffallen. So frustriert man Menschen, die für uns alle Tag und Nacht den Kopf hinhalten.

Abschließend sei noch als Randnotiz erwähnt, dass in dem Artikel in der Pirmasenser Zeitung auch eine Mitarbeiterin des besagten Vereins für soziale Rechtspflege zu Wort kommt. Sie räumt ein, dass der 21-Jährige aggressiv reagiere, „wenn etwas nicht läuft“, aber eben auch schnell wieder „runterkomme“. Natürlich kann auch hier etwas aus dem Zusammenhang gerissen sein, aber das Schlusswort des für diese Mitarbeiterin reservierten Absatzes lautet „Gewalt lehne er grundsätzlich ab“.

Mir persönlich kommt da vor dem Gesamthintergrund nur noch ein sarkastisches Lachen über die Lippen. Ich vermute, dass dem verletzten Polizisten und seinen Kollegen sogar dieses erstmal vergangen sein dürfte.

Vielleicht hilft es nicht viel, aber ich kann aus der Erfahrung einer Schichtbegleitung (Artikel folgt) und eines Besuches in Richtung Pirmasens sagen – Ihr seid klasse! Bitte gebt nicht auf! Wir Bürgerinnen und Bürger brauchen Euch! Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle!

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[1] Quelle: Artikel in der Pirmasenser Zeitung vom 02.08.2018, „Mit Polizei angelegt“

Allgemein Polizistenstimmen

Autorenlesung: Ich musste sie töten (Gerhard Starke)

Gerhard Starke
Gerhard Starke

Am Donnerstag, 23.10.204, fand um 20 Uhr abends eine Autorenlesung in Hauffes Buchsalon in Remagen statt. Der Kriminalhauptkommissar a.D. Gerhard Starke las aus seinem zweiten Buch „Ich musste sie töten.“

Ich hatte seine Bücher bereits letzten April verschlungen. Nicht nur, weil ich ein Interesse für Polizeiarbeit habe, sondern auch, weil Gerhard Starke in seinen Büchern über Fälle schreibt, die er in seiner aktiven Zeit als Mordermittler im Polizeipräsidium Koblenz bearbeitet hat. Übrigens hat dieses Präsidium in Sachen Mord seit Jahren eine Aufklärungsquote von 96 bis 98%.
Natürlich bewegten mich die Geschichten mehr als üblich, weil sie in der Gegend stattfanden, in der ich zuhause bin.
Es war, obwohl ich die Handlung kannte, ein besonderes Erlebnis, sie von Starke selbst dargelegt zu bekommen. Nicht nur, weil er der Autor ist. Nein, weil er sie erlebt hat. Weil er all diese unvorstellbaren Dinge gesehen hat und weil sie ihn immer noch berühren. Weil er, wie ich finde, gemeinsam mit seinen Kollegen, der Menschheit einen Dienst erwiesen hat, die Täter hinter Schloss und Riegel zu bringen. Und, so ganz nebenbei, weil er, wie eine junge Bekannte zu mir sagte, eine Stimme hat, mit der man auch Hörbücher machen könnte. Das stimmt.
Natürlich kam in Remagen auch der Vierfachmord zur Sprache, der in diesem beschaulichen Städtchen 1999 stattgefunden hatte – direkt gegenüber des örtlichen Krankenhauses. Er geht mir besonders nahe, weil er den Ort betrifft, in dem sich der Vereinssitz befindet und in dem sich unsere Heimat-Polizeidienststelle befindet. Unvorstellbar, was die Streifenbeamten, die als erste am Tatort gewesen waren, sehen nussten. Auch diese Menschen haben Bilder im Kopf, die sie niemals wieder loswerden.
Als Starke darüber informierte, dass Zurwehme, der Mann, der diese Morde auf seinem Gewissen hat, bereits in der U-Haft in Koblenz so um die 20 Heiratsangebote von Frauen bekommen hat, ging ein Raunen durch den Saal. Das haute mich auch um. Nun glaube ich schon lange nicht mehr an den Unsinn, dass Frauen die besseren Menschen wären. Aber solche Dinge sind mir derart unverständlich, dass mein Gehirn an solchen Stellen komplett in Streik tritt. Vielleicht ist das auch ganz gut so.
Natürlich kam die Frage auf, wie man es aushalten kann, einen derartigen Beruf 34 Jahre lang auszuüben. Gerhard Starke hat in diesen 34 Jahren, wie er sagte, über 400 Leichen gesehen. Er hat versucht, zu erklären, dass man diese Bilder einerseits nie los wird. Andererseits denkt man nicht rund um die Uhr dran.
Meiner persönlichen Ansicht nach, glaube ich auch, dass man sich einerseits ein Stück weit an all das Schreckliche gewöhnen kann. In sehr geringem Ausmaß kann ich das vielleicht mit meinem Engagement für KGgP vergleichen. Als wir anfingen, ging mir jeder Gewaltakt, über den ich las, unter die Haut. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Da muss es schon sehr dicke kommen, um mich wirklich tief zu berühren. Das heißt nicht, dass mir diese verletzten Polizeibeamten egal sind oder das Problem der Gewalt gegen Polizeibeamte mich mittlerweile kalt lässt. Im Gegenteil! Aber ich komme besser mit der Brutalität aus zweiter Hand klar. Und das ist auch gut so, denn sonst könnte ich KGgP nicht mehr machen.
Übrigens äußert sich diese Gewöhnung auch darin, dass mir Krimis zunehmend flach vorkommen. Das verstärkte sich noch durch Lektüre der Polizei-Poeten. Wenn man Krimis nicht mehr spannend findet, dann können die Bücher von Gerhard Starke wirklich weiterhelfen. ;-)
Zudem hatte Gerhard Starke, wie er sagte, sehr viel Freude daran, diese ganzen Puzzleteile zusammenzufügen, die zur Lösung eines Falles beitragen. Das steht nicht unbedingt in Widerspruch zu der Tatsache, dass einen Menschen bestimmte Bilder nie wieder loslassen. Es hat auch nichts mit Kaltschnäuzigkeit zu tun. Es ist einfach Ausdruck der Tatsache, dass Menschen ziemlich komplexe Lebewesen sind und dass das Leben an sich auch eine recht komplexe Angelegenheit ist. Wir haben alle endlos viele Facetten und passen in bestimmte Schubladen einfach nicht hinein.

Last but not least glaube ich, dass es auch beim Verarbeiten schrecklicher Dinge hilft, wenn man weiß, dass die eigene Arbeit sinnvoll ist. Wenn man in seiner Arbeit Sinn sieht, kann man vermulich sehr, sehr viel aushalten. Und ich kann mir vorstellen, dass ein Mordermittler seine Arbeit als sehr sinnvoll empfinden kann – und das absolut zu Recht.

In meinen Augen gibt es fast keine Arbeit innerhalb der Polizei, die nicht sinnvoll ist – auch wenn die Damen und Herren das viel zu selten von uns zurückgemeldet bekommen. Ihre Arbeit ist so unendlich essentiell für uns alle. Dafür gebührt ihnen ein dickes Danke. Jetzt danke ich aber erst einmal Gerhard Starke für diesen interessanten und berührenden Einblick in seine Arbeit.