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Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Heimfahrt mit Überraschungen

Symbolfoto, das keinen Rückschluss darauf zulässt, in welchem Bundesland diese Geschichte spielt
Symbolfoto, das keinen Rückschluss darauf zulässt, in welchem Bundesland diese Geschichte spielt

Ich war auf dem Weg zum Zug. Mein Dienst war beendet und ich wollte nach Hause. Ich trug Uniform und hatte meine Dienstwaffe dabei. Wenn ich in Uniform unterwegs bin, bin ich als Polizist erkennbar und kann jederzeit als solcher vom Bürger angesprochen werden. Je nach dem, wie ich dann polizeilich tätig werden muss, ist es sinnvoll, eine Waffe dabeizuhaben.

Schon am Bahnhof hatte ich bemerkt, wie mir ein Mann hinterherlief. Nach einiger Zeit fuhr mein Zug ein.

Im Zug suchte ich mir einen Platz. Auf der Nachbarbank saßen zwei ältere Damen, so um die 55 und um die 70. Hier konnte ich mich niederlassen.

Der Typ vom Bahnhof setzte sich auf die Bank neben mich. Ich registrierte seinen trüben Blick – vermutlich ordentlich betrunken, der Kerl.

„Du… du hältst dich wo auch für den Größten?“ lallte er mich an. Ja, definitiv besoffen. Russischer Akzent? „Ohne… ohne deine Uniform wärst du nichts, durak.“ Ja, ein Russe.

„Fü… fühlst dich stark, mit deiner Wa… waffe, stimmts, mersawjez?“

Langsam nervte er mich. Ich war einfach nur auf dem Weg nach Hause.

Schließlich kündigte er an: „Ich nehm‘ deine Waffe. Das ist einfach für mich.“

Angst machte er mir nicht, dafür war er auch einfach zu besoffen. Die Auseinandersetzung würde ich gewinnen. Aber unangenehm wurde mir das allmählich schon.

Ich antwortete ihm: „Wenn Sie das auch nur versuchen, wird das sehr böse für Sie enden.“

Plötzlich schaltete sich eine der beiden Damen, die jüngere, ein. Sie sagte lautstark zu dem Delinquenten: „Benehmen Sie sich gefälligst. Der Mann ist immerhin Polizeibeamter.“

Dann maulte er sie an.

„Was willst du, kasa?“

Auch die 70-Jährige meldete sich nun zu Wort: „Der Mann ist Polizist. Da müssen Sie sich doch benehmen. Sie machen sich nur selbst Probleme.“

Tief in mir drinnen freute ich mich sehr darüber. Alte Schule, die beiden.

Unser besoffener Russe hingegen wurde immer lauter. „Darf man hier nicht seine Meinung sagen? Polizeistaat!“ pöbelte er, und deckte uns alle drei mit weiteren Flüchen ein, auf russisch und auf deutsch.

Schließlich wurde klar, dass er es auf eine körperliche Auseinandersetzung mit mir anlegte. Nun hatte ich die Faxen dicke.

Beim nächsten Halt stand ich auf und rief: „Sie halten jetzt den Mund und steigen aus. Sofort!“

Zu meiner Überraschung regte sich Unterstützung. „Genau, halt endlich dein Maul“, hörte ich. Auf einmal war das ganze Abteil auf meiner Seite. 20 Personen, jeden Alters, auch einige Ausländer.

„Wenn Sie Hilfe brauchen, sagen Sie Bescheid“, bot mir jemand an.

Unser Betrunkener wollte aber nicht aussteigen. Nicht mit mir. Ich packte ihn am Arm, schob ihn zur Tür und bugsierte ihn aus dem Waggon.

Das ganze Abteil klatschte.

Endlich Ruhe!

An meiner Haltestelle stieg ich aus. Ein Mann, etwa 29, sehr kräftige Statur, Türke oder Araber, kam auf mich zu. Oha? Würde ich jetzt erzählt bekommen, dass ich nicht nett genug zu dem Mann gewesen sei?

„Ich wollte nur sagen…“, begann er. Das fing ja gut an. „Ich wollte nur sagen, was der Typ abgezogen hat, das geht gar nicht. Das ist kein Verhalten gegenüber der Polizei. Wenn Sie Hilfe gebraucht hätten, wäre ich eingeschritten.“

Eine Fahrt voller Überraschungen.

Allgemein Trauriges

Follow the cops…

Gestern war mal wieder zu lesen, dass in Berlin Anschläge auf Privatautos von Polizeibeamten stattfinden. Der Artikel stand in der Berliner Morgenpost. Dieses Mal waren auch Kinder betroffen – wenn auch nicht von einer Polizistin. Aber das kann man ja als hinterhältiger Radmutterlockerer nicht ahnen, dass auch Nichtpolizisten Polizeisportvereine frequentieren. Ja, nicht jeder beurteilt Menschen nach ihrer Hautfarbe oder ihrem Beruf… (Der vorletzte Satz war übrigens sarkastisch!)

Ich persönlich halte diese hinterfotzigen Attacken für verachtenswert, egal, wen es trifft, Polizisten oder Nichtpolizisten, die versehentlich für Polizisten gehalten werden. Auch der Sippenhaftgedanke dahinter ist aus meiner Warte sowas von widerlich, dass ich gar nicht so viel fressen kann wie ich kotzen könnte.

Bereits am 14. April befasste sich die B.Z. mit diesem Thema.

Vor wenigen Tagen beschädigte ein 40-Jähriger am Kölner Hauptbahnhof nicht nur Streifenwagen der Bundespolizei, sondern auch das Privatfahrzeug einer Bundespolizistin. Hier der Link zur entsprechenden Pressemitteilung der Bundespolizei.

Schon vor Monaten habe ich etwas in der Art aus Nordrhein-Westfalen in der Zeitung gelesen. Ich weiß gar nicht mehr genau wo.

Kürzlich fand ich diese Aufkleber hier über eine idyllische Kleinstadt verteilt:

Mir ist vor dem Hintergrund dieser Artikel und dieses Aufklebers vollkommen unklar, wieso bei den Befürwortern der Kennzeichnungspflicht einfach keine Einsicht über die Ängste so manches Polizeibeamten zu erzielen ist.

Damit sage ich nicht, dass sie ihre Meinung ändern sollen, ohne überzeugende Argumente. Wenn sie ihre Ansichten dazu gut begründen können, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Ich hatte ja früher dieselben Gedanken dazu, mir erschienen dann aber doch die Argumente der Kennzeichnungsgegner wesentlich plausibler.

Bis jetzt konnte mir noch kein Befürworter der Kennzeichnung so gute Argumente liefern, dass ich die Gruppe der Gegner wieder verlassen wollen würde. Im Gegenteil kommt unweigerlich in jeder Diskussion der Punkt, in dem ich als einseitig und uneinsichtig beschimpft werde. *Gähn!* Genau, ein untrügliches Zeichen für Uneinsichtigkeit ist, dass man schon einmal seine Meinung zu einem Thema geändert hat – aber dann eben unter dem Einfluss guter Argumente und nicht unter Beschimpfungen. 

Von daher – denkt alle über die Kennzeichnungspflicht, was Ihr wollt. Ist Euer gutes Recht. Das ist ein freies Land. Aber vielleicht versucht Ihr mal in Diskussionen zu dem Thema die Ängste und Befürchtungen von Polizeibeamten um ihre Familie und ihr Leben nicht immer als so völlig weit hergeholt vom Tisch zu wischen. Wie man sieht, wenn man denn sehen will, sind sie das nämlich nicht.