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Allgemein Trauriges

Ins Wasser mit ihnen!!!

Ist es nicht toll, im Jahre 2013 in einem Land zu leben, das einen funktionierenden Rechtsstaat sein eigen nennt? Hier kann man nicht vom Mob geteert, gefedert, durchs Dorf getrieben und im Anschluss an diese Demütigung gelyncht werden. Schade nämlich, wenn’s nach solchen Aktionen den Falschen erwischt hatte. Deswegen haben wir die Wahrheitsfindung an entsprechende Ermittlungsbehörden abgegeben.

Mittlerweile jedoch sind wir alle so blendend informiert, dass wir diese Behörden im Grunde getrost wieder einsparen könnten. Würde auch schneller gehen. Was brauchen die auch immer so ewig? Lesen die keine Zeitung?

Da sieht man doch, was wichtig ist. Beispielsweise, was die bayerische Polizei für ein Haufen ist. Wie der Bajuware halt so ist, ne? Haut mal gerne drauf. Kennt man ja. Polizisten sind sowieso ausnahmslos Schläger. In Kombination kann das ja nicht gut gehen. Mich wundert schon, dass ich damals, als ich für ein paar Tage in München war, nicht halb tot geprügelt worden bin, als ich in meiner grenzenlosen Naivität wagte, eine Polizeistreife nach dem Weg zu fragen. Die müssen irgendwie ihren sozialen Tag gehabt haben, ich habe nämlich eine sehr gute Wegbeschreibung bekommen und hatte in meiner damaligen Ahnungslosigkeit das Gefühl, mit freundlichen Menschen zu tun gehabt zu haben.

Der jüngste Fall aus dem Freistaat betrifft einen Münchner Polizisten.

Es begann am 20.01.2013, als gegen 15:20 Uhr eine 23-jährige Frau telefonisch die Polizei über einen Beziehungsstreit mit ihrem Ex-Freund verständigte. Dieser soll sie zuvor bedroht und geschlagen haben. Zur Klärung des Sachverhaltes wurden beide Personen zur Polizeiinspektion 21 (Au) gefahren.

Die Frau rastete während der Fahrt sowie auf der Polizeiinspektion– nach Angaben der eingesetzten Polizeibeamten vermutlich unter Drogeneinfluss stehend – aus und musste deshalb gefesselt werden.

Ich zitiere im Folgenden aus der Pressemitteilung vom 05.02.2013: „Auf der Polizeiinspektion wurden ihr die Handfesseln abgenommen, worauf sie sofort wieder begann, um sich zu treten. Nachdem ihr die Handfesseln wieder angelegt wurden, spuckte sie einem Beamten ins Gesicht. Nach Angaben des eingesetzten Polizeibeamten versuchte sie anschließend mit dem Kopf nach ihm zu stoßen. Um sich davor zu schützen, versetzte er ihr einen Faustschlag gegen den Kopf.

Die 23-Jährige wurde wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zur Anzeige gebracht. Im Rahmen der Anzeigenerstattung wurde bereits der Fauststoß des Polizeibeamten gegen den Kopf der Frau dokumentiert.

Zur Klärung des Drogenkonsums der 23-Jährigen, der von ihr vor Ort auch eingeräumt wurde, sollte eine Blutentnahme durchgeführt werden. Diese wurde zwar von der Staatsanwaltschaft beantragt, aber vom diensthabenden Richter abgelehnt. Mit einer freiwilligen Blutentnahme war die 23-Jährige nicht einverstanden.

Nach Hinzuziehung eines Notarztes wurde die junge Frau in ein Krankenhaus verbracht. Die Beamten fertigten von den Verletzungen Lichtbilder.

Am 25.01.2013 erstattete ihr Rechtsanwalt fernmündlich beim Polizeipräsidium München Anzeige, da seine Mandantin im gefesselten Zustand zwei Faustschläge ins Gesicht erhalten habe.

Zur Klärung des Sachverhaltes wurden entsprechende Ermittlungen eingeleitet.

Die 23-Jährige wurde noch am selben Tag im Beisein ihres Rechtsanwalts vom Dezernat für Amtsdelikte als Zeugin einvernommen.

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen wird zu klären sein, ob die vom Beamten angenommene Notwehrsituation vorlag.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft München I vorgelegt.“

Interessant dazu die erste mediale Reaktion, die mir zur Kenntnis kam. Ich zitiere was am 05.02.2013, dem Erscheinungstag exakt dieser Pressemitteilung, auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks [1] zu lesen war: „Vorwürfe gegen PolizeiBeamter in München soll Frau geschlagen haben: In München gibt es möglicherweise einen erneuten Fall von Polizeigewalt. In einem Polizeirevier in der Au soll ein Polizist einer 23-jährigen Frau ins Gesicht geschlagen und sie schwer verletzt haben.“

Eine doch recht erstaunliche Formulierung. Es ist zwar durchaus korrekt, dass es möglicherweise einen Fall von Polizeigewalt gibt. Es ist aber genauso korrekt, dass es möglicherweise einen Fall von falschen Verdächtigungen geben könnte. Interessant, für welche Formulierung sich da zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden wurde…

Die sonst in Sachen Polizei eher gemäßigte Welt schlagzeilte am 20.02.2013 mit dem Worten „Polizeigewalt –Münchner Prügel-Opfer geht an die Öffentlichkeit“ und machte damit deutlich, wessen Variante ihr glaubwürdiger erschien.

Der Faustschlag selbst steht übrigens in keiner Weise zur Debatte. Den hat der Polizeibeamte von Anfang an zugegeben. Im Raum steht eigentlich nur die Frage, ob der Beamte sich objektiv in der Notwehrsituation befand, in der er sich subjektiv glaubte. Das wird uns das Ermittlungsergebnis zeigen.

Genau, wie das Bauchgefühl des betreffenden Polizisten kein Kriterium für einen Freispruch sein darf, darf aber auch das Bauchgefühl der interessierten Öffentlichkeit nicht die Grundlage für eine Verurteilung darstellen.

Die Wortmeldungen des Polizeipräsidiums München in der Angelegenheit sind wohltuend sachlich. Selbst derart sachliche Meldungen kann man aber noch missinterpretieren. So sah man sich am 16.02.2013 zu der Pressemitteilung genötigt, dass der Polizeipräsident „zu keinem Zeitpunkt den Faustschlag des Beamten in der Polizeiinspektion Au als konsequent bewertet [hat]. Vielmehr hat er ausschließlich die Sichtweise des betreffenden Beamten geschildert. Gleichzeitig hat er ausdrücklich erklärt, dass die Bewertung des Faustschlages allein der Staatsanwaltschaft vorbehalten bleibt.“

Ja, da hat er Recht, der Herr Polizeipräsident. So sieht es aus in einem Rechtsstaat. Und das von einem dieser rustikalen Bayern, der zu allem Überfluss auch noch für die Polizei arbeitet…

Leider kommt man in heutiger Zeit mit Sachlichkeit kaum an gegen die wirklich schrecklichen Bilder der Frau, die diesen Faustschlag eingesteckt hat. Ja, sie tut mir leid. Wirklich. Aber mal eine dumme Frage: Hatte sie die Polizei nicht gerufen wegen eines Beziehungsstreites und weil ihr Ex-Freund sie unter anderem geschlagen hatte? Was ja mittels der Aufnahme des Notrufes zu belegen sein dürfte. Woher wissen eigentlich die ganzen Hobbystaatsanwälte an den Bildschirmen der Republik, dass diese Verletzungen ausschließlich von dem Polizeibeamten stammen? Aus meiner Sicht haben wir hier einen Fall von Aussage gegen Aussage…

Sie sagt, sie hätte zwei Fausthiebe bekommen. Der Polizeibeamte spricht von einem. Wieder diese lästige Konstellation, bei der man eigentlich nicht wissen kann, wer denn nun die Wahrheit spricht.

Anstatt diesbezüglich auf die Ergebnisse eines ordnungsgemäßen Verfahrens zu warten, wissen eine Menge medial umfassend informierter Menschen ausreichend Bescheid, um den Polizeibeamten schuldig sprechen zu können. Besonders gut gefiel mir in dem Zusammenhang die Aussage einer Dame, sie könne Menschen im Gesicht ansehen, ob diese lügen oder nicht. Eine Fähigkeit, nach der sich nicht nur Richter alle zehn Finger ablecken dürften. Sie „weiß“ jedenfalls, dass die 23-Jährige die Wahrheit spricht und findet deswegen Menschen „nicht in Ordnung“, die da auf das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Vorgangs warten wollen. Schade, dass der Polizeibeamte da strategisch geringfügig im Nachteil ist, weil er sich eben nicht vor eine Kamera stellen kann. Mich würde schon interessieren, was die Dame machen würde, falls seine schönen Augen auch nicht lügen können.

Ich fröne da lieber weiter der „Einseitigkeit“. Einseitig ist nämlich nach neuester Lesart nicht, wer einem Polizeibeamten auf der Basis doch arg bruchstückhafter Informationen und ohne ihn anzuhören, Schuld attestiert. Einseitig ist, wer auf die Unschuldsvermutung verweist und ein faires Verfahren abwarten möchte. Etwas, auf das jeder ein Recht hat und auch haben sollte. Ein Recht, das jedem Räuber, jedem Vergewaltiger und jedem Serienmörder zusteht. Vielleicht sollte man es dann auch einem Polizeibeamten zubilligen.

Ich habe diesen Polizisten mit keinem Wort für unschuldig erklärt, was in meinen Augen wirklich einseitig wäre. Das steht mir überhaupt nicht zu. Ich will das auch gar nicht, denn ich war nicht dabei und habe nicht die leiseste Ahnung, was in dieser Polizeidienststelle wirklich vorgefallen ist. Aber ich höre mir gern beide Seiten an, bevor ich ein Urteil fälle. Und ich hätte gern alle Infos. Da ich die nicht kriegen kann, muss ich mich auf die zuständigen Behörden verlassen. Wenn das einseitig ist, bitte sehr. Lieber einseitig als Hexenjägerin.

Ja, ich nenne das mittlerweile Hexenjagd.

Es widert mich an, wie gegen diesen Mann gehetzt wird, bevor die Dinge klar liegen. Es widert mich an, wie ein Faustschlag, dessen Umstände nur die Beteiligten und Anwesenden kennen und niemand sonst, ein ganzes Polizistenleben entwerten kann. Auch dieser Polizeibeamte hat seinen Kopf für uns alle hingehalten. Und noch mehr widert es mich an, dass am 21. Februar unter einem Post für einen verletzten Polizisten in Facebook plötzlich kein einziger Genesungswunsch zu finden war, obwohl sonst immer vier bis fünf dort auftauchen. Zum Ausgleich hinterließ dort jemand einen reichlich Menschen verachtenden Spruch. Dieser verletzte Polizist verrichtet übrigens seinen Dienst ebenfalls in München. Honi soit qui mal y pense.

Alles klar! Scheißt doch einfach auf die Unschuldsvermutung und irgendwelche Staatsanwälte und Richter. Die kosten eh nur Geld und nerven mit ihrem Beharren auf Informationen, Spuren, Beweisen und hast du nicht gesehen. Wer braucht das bitte?

Es gab eine Zeit, in der man der Hexerei beschuldigte Menschen ins Wasser warf. Überlebten sie, waren sie mit dem Teufel im Bunde. Ihre Unschuld konnten sie nur beweisen, indem sie ertranken.

Ins Wasser mit angeklagten Polizeibeamten!!! Wenn die ihre 15 kg Schutzkleidung anlegen, dürfte es auch kein Problem mit dem Nachweis der Unschuld geben.

Das wäre auch gut für die Staatsfinanzen, denn langfristig fördert das den Stellenabbau. Und noch besser – wir Bürger können endlich das äußerst anstrengende Denken und Hinterfragen final einstellen. Und den Nachweis über Schuld und Unschuld einer extrem vertrauenswürdigen Instanz anvertrauen – den höheren Mächten.



[1] Folgt man mittlerweile der URL, so erscheint eine ganz andere Überschrift.

Fußball Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Wir sind nur eine Nummer…

Wie ein Mensch die Lebensplanung eines anderen zerstörte

Ich wollte zum SEK. Immer schon. Nur deswegen bin ich zur Polizei gegangen. Und es sah verdammt gut für mich aus. Bis zu diesem Tag…

Im Mai 2008 wurde ein Drittligaspiel in meiner Heimatstadt ausgetragen. Eine sehr große Stadt, in der ich meinen Dienst verrichte. Seit zwei Jahren war ich bei der Bereitschaftspolizei. Die Aufgabe unserer Einsatzhundertschaft war, die gegnerischen „Fans“ bis zum Spielfeld zu begleiten.

Nur, damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, eine Vorstellung davon bekommen, was das für Einsätze sind: es waren etwa zwei- bis dreihundert Fans. Wir waren mit ungefähr sechs Hundertschaften im Einsatz. Man wirft uns dann immer vor, zu übertreiben. Sechshundert Polizisten gegen viel weniger Fans. Allerdings war es einige Jahre vorher bei einem Spiel exakt dieser Mannschaften zu Ausschreitungen gekommen. Das Spielfeld war gestürmt und ein Kollege schwer verletzt worden. Deswegen hatten wir auch unsere Schutzausrüstung an, Helm, Schienbeinschoner, alles. Insgesamt 15 Kilo. Das Ziel war, möglichst unverletzt nach Hause zu kommen.

Auch diesmal war die Stimmung total aufgeheizt. Einer der gegnerischen Hools fiel auf, weil er die anderen pausenlos zur Gewalt aufstacheln wollte. Dabei war er nicht sonderlich wählerisch. Gegen uns, gegen die Fans des Vereins meiner Stadt, gegen Ausländer – das ganze Programm. Was genau der gebrüllt hat, weiß ich nicht mehr. Will ich auch gar nicht wissen. Fakt ist, der hätte die sowieso schon brodelnde Stimmung zum Überkochen bringen können. Also entschied unsere Einsatzleitung, dass wir die Gruppe anhalten sollten. In der Nähe des Stadions befindet sich ein Parkplatz eines Discounters, in dessen Nähe ließen wir die Fans anhalten.

Wir machten uns mit insgesamt acht Kollegen auf in die Menge, um den auffälligen Rädelsführer zu einem Gespräch zu bitten. Ein Kollege und ich sollten ihn festnehmen, die anderen sechs kamen zu unserem Schutz mit. Er begleitete uns ohne Widerstand aus der Menge heraus auf den Parkplatz. Dort hielten wir ihm sein Verhalten vor.

Als wir ihm jedoch eröffneten, dass er dieses Spiel nicht zu sehen bekommen würde, tickte er vollkommen aus. Er begann, wild um sich zu schlagen. Wir konnten diesen Schlägen ausweichen. Wir fragten ihn nach seinen Personalien, die wollte er uns nicht geben. Also wollten wir ihn nach Papieren durchsuchen. Er weigerte sich, den Adler (1) zu machen und sich durchsuchen zu lassen. Weil er immer noch um sich schlug, wollten wir ihm Handschellen anlegen. Dabei machte er sich so steif, dass wir entschieden, ihn zu Boden bringen, um ihm Handschellen anlegen zu können.

Dazu wollte ich ihm in den Hosenbund packen, um ihm die Beine wegzuziehen. Ich stand links von ihm. Ich bückte mich, um seinen Hosenbund besser greifen zu können.

Das nächste, an das ich mich erinnere, ist der unbeschreibliche Schmerz in meinem Knie. Ich lag in dieser schweren Ausrüstung, bei 32 Grad Außentemperatur auf dem Boden und habe vor Schmerz geschrien. Meine Kollegen haben mir die Hose aufgemacht, um wenigstens den Schienbeinschoner abzunehmen, aber diese brutalen Schmerzen wollten einfach nicht aufhören.

Er hatte mir seitlich vors Knie getreten. Es gibt dazu auch ein Beweisvideo. Das wollte ich mir übrigens nie ansehen, weil ich mich nie wieder an diese Schmerzen erinnern will.

Mein Kreuzband war zuerst nur angerissen. Das war ein Glück, denn so konnte ich eine OP vermeiden. Schließlich wollte ich ja zum SEK. Da kommt man nicht hin, wenn man irgendwelche körperlichen Gebrechen hat. Ich erhielt fast ein Jahr lang Spritzen.

Dann, etwa 12 Monate später, kam mein großer Tag. Die Sportprüfung für’s SEK. Ich schaffte alles. Beim 2000-Meter-Lauf dann der Tiefschlag. Ich musste aufgeben. Es fühlte sich an, als würde in dem Knie Knochen auf Knochen schaben.

Ein Arzt stellte fest, dass mein Kreuzband ganz kaputt und der Meniskus gerissen war. Es folgte eine erste OP, in der ich ein neues Kreuzband erhielt.

Schon im September 2009, gerade mal vier Monate danach, ging ich wieder zum Dienst. Dazu muss man sagen, dass ich mich auch ein wenig unter Druck fühlte. „Wann kommst Du endlich wieder arbeiten?“ hörte ich ziemlich regelmäßig.

Zwar brauchte ich etwa ein halbes Jahr lang starke Schmerztabletten, aber es ging.

Bis August 2010. Wir bekamen einen so genannten stillen Alarm aus einem leer stehenden öffentlichen Gebäude. Solch ein Alarm ist nur bei der Polizei zu hören. An der Stelle, wo er ausgelöst wird, bleibt es ruhig. Bei Banküberfällen wird oft ein stiller Alarm ausgelöst, um die Täter nicht unter Stress zu setzen und damit noch aggressiver zu machen.

Wir fuhren sofort los. Bei Eintreffen sahen wir schon, dass ein Fenster im ersten Stock offen stand. Durch dieses Fenster sind wir dann in das Gebäude geklettert, einer nach dem anderen. Ich war der Vorletzte.

Als ich vom Fensterbrett etwa ein Meter herunter in das Gebäude sprang, spürte ich es. Ein unbeschreiblicher Schmerz. Mein Knie wurde dicker und dicker.

Allerdings war da ja einer in dem Gebäude drin. Der musste gefunden werden. Ich wollte meine Kollegen nicht damit allein lassen. Also habe ich meinem Partner gesagt, dass ich nicht so schnell laufen kann, er hat auch Rücksicht genommen. Wir haben die Räume einzeln durchsucht und gesichert. Dabei habe ich die Schmerzen vergessen.

Letztlich waren es andere Kollegen, die den Mann gekriegt haben, der sich in dem Gebäude herumtrieb. Später, als die Kripo dazukam, bemerkte mein Gruppenführer, dass es mir dreckig geht. Ich habe zu ihm gesagt „Ich kann nicht mehr!“ und bin vom Dienst abgetreten. Dabei habe ich mich nicht einmal sonderlich schlecht gefühlt. Man kann eben keinen Dienst verrichten, wenn das Knie höllisch schmerzt.

Im Oktober 2010 hatte ich dann wieder einen OP-Termin. Nach der OP, als ich aufwachte, stellte ich fest, dass ich eine zusätzliche Narbe an der Hüfte hatte. Irgendwie kam es mir auch so vor, als habe während der OP jemand mit mir gesprochen. Allerdings dachte ich, ich hätte das nur geträumt. Später sagten mir aber meine Ärzte, dass ich aus der Narkose geholt worden war, um mir zu sagen, dass sie Knochenmaterial aus meinem Becken brauchten, um den Bohrkanal für das neue Kreuzband zu verschließen.

Eine Woche danach musste ich wieder unters Messer, weil ich eine allergische Reaktion auf die Fäden zeigte.

Im März 2011 riss das erste neue Kreuzband. Wieder eine OP, das neue wurde aus Material aus der Kniescheibe geformt.

In den folgenden Wochen konnte ich das Bein nicht mehr durchstrecken. Im Mai 2011 zeigte sich dann bei einer MRT, dass die Schraube, die das Kreuzband halten sollte, lose saß. Also wieder eine OP, am 23. Mai wurde die Schraube entnommen und es wurden einige Vernarbungen abgeschabt.

Wegen einer allergischen Reaktion auf das Narkosemittel kam ich nach der OP nicht aus der Narkose. Nicht einmal ein Notarzt konnte daran etwas ändern. Also kam ich auf die Intensivstation, wo ich erst weit nach Mitternacht erwachte.

Ich kam dann relativ schnell aus dem Krankenhaus, konnte auch mein Bein durchdrücken. Ich war total glücklich, weil ich dachte, dass endlich, endlich diese ganzen OPs ein Ende hätten. Vier Tage nach meiner Entlassung, es war ein Samstag, lag ich mit meiner Tochter im Bett. Sie ist vier Monate alt.

Von einer Sekunde auf die andere schoss mir ein heftiger Schmerz ins Knie. Meine Frau brachte mich ins Krankenhaus, in die Notaufnahme. Dort wurde mir Blut abgenommen und ich wurde heimgeschickt mit den Worten:
„Wenn es eine Thrombose ist, rufen wir Sie an.“

Es kam kein Anruf. Der Schmerz blieb trotzdem unerträglich und wurde immer schlimmer. Also ging ich Montag sofort zu meinem Arzt. Bei der OP waren rechts und links von meiner Kniescheibe Schnitte gesetzt worden. Der rechte Schnitt beulte so ein bisschen aus. Also wollte der Arzt ein Ultraschallbild von meinem Knie machen. Als er den Schallkopf auf mein Knie drückte, platzte plötzlich Eiter aus meinem Knie.

„Legen Sie sich hin!“ sagte er. Als ich mich wieder aufrichten durfte, hatte er fünf volle Spritzen Eiter aus meinem Knie geholt – zwanzig Milliliter.

„Sie müssen sofort operiert werden!“

Also kam es zu einer Not-OP. Das war Ende Mai.

Anfang Juni wurde ich dann wieder operiert. Eigentlich sollte nur eine Arthroskopie gemacht werden. d. h. man wollte sich das Kniegelenk mal näher ansehen. Dabei war aber die Entzündung so schlimm geworden, dass alles rausgeholt werden musste. Auch das neue Kreuzband.

Das ist derzeit der Stand der Dinge. Ich bin frisch aus dem Krankenhaus entlassen worden, habe kein Kreuzband mehr. Eine weitere OP will ich nicht in Kauf nehmen, weil sie dann auch das zweite Knie aufschneiden müssten, um von dort Material für das Kreuzband zu nehmen. Was, wenn ich auch mein zweites Knie verliere?

Ich will auch einfach nicht mehr.

Ich trage eine Orthese, die stützt das Knie, damit ich nicht umknicke. Dann hoffe ich, dass die Reha dazu führt, dass ich meinem Beruf weiter nachgehen kann. Leider zögert sich die Reha auch schon wieder hinaus, weil immer noch Entzündungswerte in meinem Knie vorhanden sind.

Sicher ist aber, dass ich nie mehr zum SEK kann. Selbst wenn ich wieder ganz gesund werde, bin ich jetzt über die Altersgrenze hinaus.

 

Der Täter kam wegen seines Angriffs auf mich ziemlich schnell vor Gericht, schon drei oder vier Monate später. So einen Richter habe ich auch noch nie erlebt. Der war sowieso sauer auf den Täter, weil der erst nach zwei Vorladungen überhaupt erschien. Einen Anwalt hatte er nicht dabei. Drei Kollegen und ich wurden vorgeladen . Wir standen draußen vorm Gerichtssaal und warteten auf unsere Aussagen. Durch die Tür konnten wir hören, wie der Richter den Täter so richtig zusammengeschissen hat.

Letztlich wurde ich gar nicht viel gefragt. Der Richter kannte das Video der Beweissicherung und hat mich deswegen nur über meine Verletzungen befragt. Das Video war einfach zu eindeutig.

So etwas wie Reue zeigte der Täter nicht.

„Wie kann denn von so einem Tritt ein Knie kaputt gehen?“

Dabei blieb er. Uneinsichtig.

Jedenfalls bekam er zehn Monate auf zweieinhalb Jahre Bewährung und musste 500 Euro Schmerzensgeld an mich zahlen in Raten à 50 Euro. Nach vier Monaten wunderte ich mich ein bisschen, denn die Zahlungen blieben aus. Ich rief bei der zuständigen Stelle an, um mich danach zu erkundigen. Da erfuhr ich, dass er wegen eines weiteren Widerstandes gegen einen Kollegen nun in Haft saß und die zehn Monate würde absitzen müssen. Da konnte er natürlich nicht zahlen.

Mein Traum vom SEK ist für immer geplatzt. Es kann sein, auch wenn ich das derzeit noch nicht glaube, dass ich bald Frühpensionär sein werde. Mit Mitte 30. Ich hoffe auf die Reha, aber man weiß es halt nicht. Ich muss zugeben, dass ich vor der Geburt meiner Tochter ziemlich depressiv war. Seit sie da ist, sehe ich wieder einen Sinn.

Mittlerweile habe ich entschieden, den Täter noch einmal auf Schmerzensgeld zu verklagen. Schließlich hat sich die Lage für mich seit damals drastisch verändert. Mein Anwalt hat den Täter deswegen angeschrieben. Der hat nicht mal geantwortet.

Immerhin sitze ich finanziell derzeit nicht in der Klemme, weil alle hier beschriebenen Dienstunfälle als Folgen dieses Angriffs auf mich gewertet wurden. Insofern kann ich über meinen Dienstherrn nicht meckern.

Allerdings hätte es mir schon ganz gut getan, wenn ich im Krankenhaus mal einen Anruf bekommen hätte oder eine Frage, wie es mir geht. Außer meiner Frau und unserer Tochter bekam ich keinen Besuch.

Ich werde keinen dieser Tage je vergessen. Jedes Datum jeder Verletzung und jeder OP kann ich auf den Tag genau sagen. Ich habe noch mit niemandem außerhalb der Polizei darüber geredet. Über mich oder vergleichbare Fälle wird von der Presse nie berichtet. Wen interessiert es also, dass ich schwer verletzt wurde und meine Träume begraben muss oder dass mein Berufsleben vielleicht schon vorbei ist. Aber wehe, ein Polizist muss aus Notwehr zur Waffe greifen und schießen. Die Angreifer können sich breiter Aufmerksamkeit und größten Mitleids erfreuen. Es ist echt zum Kotzen…

So ist das eben. Wir sind nur eine Nummer…

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(1) Adler = Körperhaltung, in der jemand breitbeinig und mit ausgebreiteten Armen vor einer Wand (Gesicht zur Wand) oder einem Mannschaftswagen steht, um z. B. durchsucht zu werden. Aus dieser Haltung kann man nicht so leicht schlagen oder treten.

Allgemein Schweiz

Wie sich die Bilder gleichen…

Ich bekomme ja immer eine Menge erzählt… besonders Polizei-Erlebnisse. Das ist aber auch vollkommen in Ordnung. Früher, als ich noch bei der Bank war, musste ich mir ja immer die Erlebnisse der Leute mit ihrem Kreditinstitut anhören… *gähn*
Oder Geld zählen… *auch gähn*
Dann schon lieber Polizeigeschichten.

Hier und da werde ich als ausgelagerte Beschwerdestelle der örtlichen Polizeiinspektionen betrachtet. Wenn ich dafür Provision vom Innenministerium nehmen würde, könnte ich davon schon leben. Man beachte den Konjunktiv. Ich weiß, was in den Staatskassen drin ist. Nichts. Um genau zu sein weniger als nichts. Dieses nicht Vorhandene schicken wir dann teilweise nach Griechenland und Bundesländer, die frisch gewählt haben, leisten sich weitere Ministerien. Da muss man sich nicht wundern, wenn kein Geld da ist, um genug Polizei auf die Straße zu bringen. Oder wenn dann solche Jobs, wie der Erklärbär für Polizeibelange einer Region zu werden, an Privatpersonen outgesourct werden. Ungeplant von der Polizei, aber outgesourct.

Na ja – mach ich doch gern für Euch, liebe Polizei. Entgegen anderslautender Vorwürfe kann auch ein Fan des Rechts auf Eigentum nichtmaterielle Werte vertreten.

Nun, die jüngste Polizeigeschichte, die mir erzählt wurde, kam mir schwer bekannt vor. Deswegen gebe ich sie hier mal zum Besten, auch wenn sie „nur“ aus zweiter Hand ist. Jeder kann selbst entscheiden, wie er eine Geschichte aus zweiter Hand bewerten will.

Meine Freundin, die mir diese Geschichte erzählt hat, lustwandelte in der Schweiz. Selbst auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: das kann man da verdammt gut. *Sehnsuchtsvoller Seufzer*

Sie bestaunte die Landschaft und wie sie sich gerade so fragte, was genau sie da eigentlich so sah, kam ein Einheimischer des Wegs. Und weil er nicht nur freundlich und hilfsbereit war, sondern auch noch überzeugter Schweizer, erklärte er der Dame erstmal die Gegend. (Im Unterschied zu mir ist sie tatsächlich eine.)

Sie ist auch immer sehr interessiert an neuen Informationen… entsprechend kam man tiefer ins Gespräch.

Meine Leser ahnen es sicher schon – der Mann war Polizist.

Einiger meiner Schweizer Leser, besonders einer, haben mir ja schon lange den Zahn gezogen, dass es dort so viel besser sei als bei uns. Hier die Bestätigung:

Dieser Polizist ist zutiefst frustriert. Er ist in dem Job angetreten, um Verbrecher zu jagen und einzusperren.

Von der Schweizer Gesellschaft fühlt er sich diesbezüglich nicht anerkannt. Im Gegenteil greift auch dort das gewisse dümmliche Geschwätz um sich, dass ich hier nicht zum x-ten Mal wiederkäuen möchte. Ist mir zu blöd. (Stichworte: brutal, schießwütig, dumm – eben der ganze Blödsinn!)

Seine Dienststelle leidet unter Personalknappheit. Gelegentlich decken sie mit sieben oder acht oder neun Leuten den ganzen Kanton ab. Wenn sie dann 35 Minuten nach Absetzen des Notrufes mit hängender Zunge an einem Einsatzort ankommen, werden sie als erstes ordentlich angekackt. (Eigenverantwortliches Handeln des polizeilichen Gegenübers wäre auch hier, im Nachgang die Verantwortlichen in der Politik anzukacken, aber das ist vermutlich auch schon wieder zu viel verlangt.)

Wo er früher Berichte geschrieben hat, schreibt er heute buchstäblich Bücher. Und das nicht während seiner Schichten sondern danach.

Es gibt auch Nachwuchsprobleme. Maximal 4% der Bewerber (das sind vier von hundert) kommen in Frage, weil auch im Schweizer Schulsystem Leistung offenbar nicht mehr belohnt wird, sondern alle auf ein einheitliches Mittelmaß herunterrasiert werden. (Das allen ins Stammbuch, die die Mär vom dummen Polizisten so gerne verbreiten. Aus meiner Sicht übrigens eines der untrüglichsten Zeichen für abgrundtiefe Dummheit – Vorurteile wiederkäuen und ganze Bevölkerungsgruppen über einen Kamm scheren. Und dabei nicht mal beleidigungsfrei bleiben können, weil es offenbar zu anspruchsvoll ist, Kritik von Beleidigungen zu unterscheiden.)

Eine Besserung dieser Personalsituation ist also nicht in Sicht.

Die Krönung passierte ihm aber, als er mit seinem Streifenpartner einem per Haftbefehl gesuchten Straftäter begegnete. Er tat nämlich etwas, was ich irgendwie so gar nicht ungewöhnlich finde. Er nahm ihn fest.

Er hatte komischerweise irgendwie den Eindruck, es sei sein Job, gesuchte Verbrecher festzusetzen. Mir ist schon klar, wie ein Polizist auf solche Ideen kommen kann, denn irgendwie dachte ich bis hierher auch immer, das wäre eine der originären Aufgaben der Polizei. Aus meiner Sicht sogar deutlich sinnvoller als Wochenende für Wochenende hundertschaftenweise sein Leben und seine körperliche Integrität zu riskieren, um von der ersten bis zur fünften Liga Volksbelustigung zu gewährleisten. Na ja, panem et circensis… soweit zur Weiterentwicklung der Menschheit. Immerhin zivilisierter als öffentliche Hinrichtungen, insofern ist da zumindest für Mitteleuropa ein marginaler gesamtgesellschaftlicher Fortschritt zu erkennen.

Nun, zurück zu unserem Schweizer: kaum saß der Gesuchte in Haft, ließ er seinen Anwalt kommen. Finde ich auch vollkommen ok, ist in einem Rechtsstaat sein Recht und das ist ja auch gut so.

Dieser Anwalt erhob dann Anklage gegen unseren Polizisten. Angeblich sei sein Mandant bei seiner Festnahme derartig misshandelt worden, dass er Schlafstörungen davongetragen habe.

Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben, dass ich es begrüße, wenn eine demokratische Polizei nicht wilde Sau spielen und man auch Polizisten anzeigen darf.

Ebenso würde ich es allerdings begrüßen, wenn diese Rechte nicht auf regelmäßiger Basis dazu missbraucht würden, um anderen die goldene Arschkarte unterzujubeln und sich selbst reinzuwaschen, indem man andere mit Dreck bewirft.

Ich werde jetzt nichts dazu sagen, dass ein Gefängnis nicht gerade der Ort wäre, an dem ich schlafen würde wie ein Baby. Oder dazu, wer an dem Strafbefehl Schuld trägt, der den Täter letztlich an diesen unschönen Ort gebracht hat. Jedenfalls nicht der Polizist. Für mein Empfinden trägt ausschließlich der Täter Schuld daran. Es sei denn natürlich, man glaubt diesen Scheiß, dass die brutale und eiskalte Schweizer Gesellschaft einen geradezu zwingt, kriminell zu werden. Ich persönlich bin eher eine Freundin der freien Entscheidung… aber das ist natürlich riskant. In der permanenten Opferrolle lebt es sich angenehmer. Für den Mist, den man baut, geradezustehen, kann schon recht anstrengend werden.

Jedenfalls kann man eine Gesellschaft besch**** finden und trotzdem einigermaßen ehrlich durchs Leben gehen. Oder sich einfach an einen Ort verpissen, an dem man die Menschen für besser hält und dort dann herumnerven, wenn man endlich gerafft hat, dass Menschen eben so sind wie sie sind. Überall!

Falsche Anschuldigungen zu erfinden, finde ich persönlich jedenfalls das Hinterletzte.

Kurz und schlecht, unser Polizist fand in seinem Briefkasten eine entsprechende Klageschrift vor und tat, was jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch tun würde – er nahm sich ebenfalls einen Anwalt.

Letztlich waren die Vorwürfe des Klägers so etwas von an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht einmal zum Prozess kam.

Übrigens hat unseren Polizisten die Klageerhebung selbst gar nicht so sehr gestört. Zwar ist es nicht angenehm, sich falschen Vorwürfen ausgesetzt zu sehen. Aber er war lange genug im Beruf, um zu wissen, dass so etwas fast jedem Polizisten im Laufe seines Dienstlebens ein oder zweimal passiert.

Nun war er aber doch bei der Festnahme durchaus im Dienst gewesen. Zumindest hatte er das so in Erinnerung. Immerhin war er ja in Uniform, mit Streifenwagen und Streifenpartner unterwegs gewesen. Das sind schon recht eindeutige Anzeichen. Auch der Dienstplan gab ihm Recht.

Also reichte er die Rechtsanwaltskosten bei seiner Dienststelle ein. Deren Erstattung wurde aber abgelehnt!

Begründung: Er hätte ahnen müssen, dass dieser Prozess niemals zustande kommen würde!

Äh… ja, nee, ist klar!

Wen wundert es, dass dieser Polizist gerade an seiner Kündigung schreibt? Und wen wundert es, dass er nicht der einzige ist?

Nun, ich werde den Teufel tun, mich in die inneren Angelegenheiten der Schweiz einzumischen. Meiner Ansicht nach haben die Deutschen ihre Großspurigkeit bereits ausreichend in die Welt getragen, weswegen derartige Botschaften von uns auch nicht allzu gern entgegengenommen werden. Das ist ein historisches Faktum, mit dem wir leben müssen. Auch da bringt es nichts, es sich in der Opferrolle gemütlich zu machen.

Was übrigens nicht heißt, dass ich nicht der Meinung bin, dass wir auf dem, was gut ist, beharren sollten. Nur weil irgendeine internationale Organisation eine Gesetzesänderung von uns fordert, heißt das noch lange nicht, dass diese Forderung auch sinnvoll ist und sofort erfüllt werden müsste. Nur weil wir Deutsche sind, sind wir nicht verpflichtet, jeden internationalen Schwachsinn unhinterfragt mitzumachen.

Zufällig habe ich aber die eine oder andere Info, dass bei uns die Sachlage für Polizisten nicht viel anders ist.

Nun kann man diesem Polizisten natürlich vorwerfen, dass es heutzutage naiv ist, sich auf einen Arbeitgeber zu verlassen. Aber dazu kann ich mich irgendwie nicht durchringen, auch wenn ich schon seit Jahren eine entsprechende Rechtsschutzversicherung habe, weil ich weiß, dass Anstand oft da endet, wo es ans Geldsäckel geht.

Dieser Mann hat seinen Beruf gewählt, um Straftäter hinter Schloss und Riegel zu bringen, woran ich in einem demokratischen Staat nichts Verwerfliches finden kann. Er setzt sich für die Gesellschaft ein. Was ist denn der Staat anderes als die Gesellschaft? Dieser ominöse Begriff ist nicht irgendein Wesen, das fern von allem über uns schwebt. Wir alle sind der Staat. (Daran sollte jeder mal denken, der so mächtig stolz auf sich ist, weil er durch Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung den Staat bescheißt. Letztlich bescheißt er nämlich auch sich selber und ob das wirklich so schlau ist, dass man sich pausenlos auf die Schulter klopfen muss, lasse ich mal dahingestellt.)

Und dieser Staat zeigt ihm jetzt den Mittelfinger und sagt Schulter zuckend: „Sorry, wieso sollte ich für Dich zuständig sein?“

Wenn da nicht endlich in der Gesellschaft so einige umdenken und sich laut und vernehmlich von dem extremistischen Getöse distanzieren, wenn nicht allmählich die Innenminister deutlichst Unterstützung signalisieren, dann wundert es mich nicht, wenn eines Tages so einige Polizeibeamte sich auch nicht mehr zuständig fühlen.

Und dann gute Nacht!

Allgemein

Thessa nervt

Damit meine ich nicht den Teenager, der derzeit unfreiwillig Schlagzeilen macht. Es sind eher die teilweise doch recht eigenartigen Begleiterscheinungen, die mir erheblich auf den Senkel gehen.

Die bundesweite Berichterstattung über Thessa und das Facebook-Desaster finde ich gut und richtig. Aber die Richtung, in die so mancher Kommentar dazu geht, die behagt mir nicht. Noch weniger behagt mir das politische Kapital, das manche daraus schlagen wollen.

Was war passiert?

Ein Hamburger Teenager lud zu seinem Geburtstag. Per Facebook. Wie es bei Facebook recht schnell passieren kann, wenn man nicht aufpasst, hatte Thessa nicht nur ihre Freunde eingeladen, sondern irgendwie alle. Zum nur zu verständlichen Schrecken der Nachbarn bekam sie 15.000 Zusagen. Gegensteuern ließ sich nicht mehr (Quelle).

Letztlich fand die Party „nur“ mit fast 1.500 Personen statt. Ein Polizeieinsatz nicht unwesentlichen Ausmaßes wurde erforderlich, weil natürlich Randale ins Spiel kam.

Nun könnte man einfach darüber berichten, damit alle daraus lernen können, damit etwas in der Art keinem anderen Teenager oder Erwachsenen passiert. Das wäre sinnvoll. Die Konsumenten der Berichterstattung könnten in Zukunft ein bisschen besser aufpassen, welche Knöpfchen sie in ihren Social Communitys drücken und allen wäre geholfen.

Nicht so in Deutschland. Dem Land, in dem offenbar jeder Darmwind zu einem Orkan ungeahnten Ausmaßes aufgeblasen werden muss. (Nicht von allen, so viel muss man der Fairness halber dazusagen…)

So erfuhr ich, dass meine Ansicht, sowohl Tochter als auch Eltern dürften aus der Sache gelernt haben, ganz und gar Menschen verachtend zu sein scheint. Nein, vielmehr seien Thessa und ihre Eltern als Opfer zu betrachten.

Hääääääääääää?

Gleich vorweg: was die obskuren „Gäste“ dieser Party betrifft, so halte ich diese für die zweifellos allergrößten Vollpfosten in dieser Geschichte. Ich kann schon nicht verstehen, warum man eine Party zusagt, wenn man den Einladenden nicht kennt. Aber dann auch noch hinzugehen… kapier ich nicht. Ich kann nicht im Ansatz nachvollziehen, was daran so witzig sein soll, jemanden in eine derartige Bredouille zu bringen. Das will ich auch gar nicht verstehen können. Genausowenig wie ich verstehen will, was so toll daran ist, wenn Randale zum festen Unterhaltungsrepertoire gehört.

Eigentlich verwundert es auch nicht weiter, dass diese illustre Gästeschaft diverse Platzverweise der Polizei ignorierte, einen Polizisten verprügelte (Quelle) und last but not least eine Reiterstaffel zur Umkehr zwang, weil sie es fertigbrachte, sogar Polizeipferde an den Rande des Nervenzusammenbruchs zu treiben (Quelle). Von Leuten, die meinen, es sei irgendwie lustig, aus dem Fehler eines Teenagers ein Event machen zu müssen, erwarte ich auch kein gutes Benehmen.

Fakt ist aber dennoch, dass viele Jugendliche im Internet deutlich zu leichtsinnig sind. Da muss gegengesteuert werden. Insofern würde ich Thessa durchaus als Opfer sehen. Wie hochgradig ihr Opferstatus wäre, weiß man meiner Meinung nach allerdings erst, wenn man nähere Infos darüber bekommt, wie oft das Thema „Facebook“ in ihrem Schulunterricht eine Rolle spielte. Zufällig kenne ich nämlich eine Menge Schulen, in denen das mittlerweile sehr extensiv zur Sprache kommt. Sollte sie da einfach weggehört haben, weil Lehrer sowieso alle ein bisschen doof sind? Dann wäre sie meiner Ansicht nach schon nur noch ein halbes Opfer. So hilflos sind 16-jährige nämlich auch nicht mehr.

Nun fand sie die Sache nach eigenem Bekunden aber auch noch „geil“. (Quelle). Ich wage mal zu bezweifeln, dass der verprügelte Polizist das alles so geil fand, insofern habe ich derzeit leise Schwierigkeiten damit, Thessa tatsächlich als Opfer zu betrachten.

Fakt ist übrigens auch, dass erstaunlich viele Eltern nicht die leiseste Ahnung davon haben, was ihre lieben Kleinen im Internet alles treiben und was da möglich ist. Vielleicht bin ich da ein bisschen altmodisch, aber ich empfinde das durchaus als Versäumnis. Eltern sind erwachsene Menschen, die meiner Ansicht nach durchaus in der Lage sein sollten, zu hinterfragen, was ihr Kind alles unternimmt. Ja, das ist eine Menge, was man sich da an Infos holen muss. Aber wenn man ein Kind in die Welt setzt, hat man nun mal auch eine Menge Verantwortung.

Deswegen habe ich ebenfalls so meine Schwierigkeiten mit dem Opferstatus von Thessas Eltern.

Damit bin ich ganz offensichtlich in den Augen mancher irgendwie böse und gefühlskalt. Tja…

Warum muss ich mich jetzt bitte überschlagen vor lauter Mitgefühl? Was genau soll denn nun das Drama sein?

Was ist denn diesem Teenager großartig passiert? Das Ganze ist der jungen Dame ja nach eigenem Bekunden nicht mal peinlich. Die Familie muss aller Voraussicht nach noch nicht einmal den Polizeieinsatz zahlen.

Menschen machen Fehler! Das ist kein Grund, sie zu verdammen, aber es ist jetzt auch nicht so dermaßen außergewöhnlich, dass man dafür ein Tränenmeer vergießen müsste. Ich jedenfalls mache jeden Tag welche.

Sollte man sich nicht vielmehr auf das Positive konzentrieren? Darauf, was man aus der Sache lernen kann? Lehrer könnten ihren Unterricht anpassen und den Fall Thessa in ihr Repertoire aufnehmen. Eltern könnten anfangen, ein bisschen mehr hinter die Technik zu steigen. Damit meine ich nicht speziell Thessas Eltern. Dazu weiß ich zu wenig über den Fall. Ich kenne aber verdammt viele Eltern, die nicht den blassesten Schimmer haben, was Internet heutzutage bedeutet. Auch hier hilft übrigens die Polizei weiter, nämlich unter www.polizei-beratung.de.

Na ja, und was mein angeblich mangelndes Mitgefühl betrifft… ehrlich gesagt habe ich am meisten Mitgefühl mit dem Polizeibeamten, der verprügelt und damit verletzt wurde. Nicht, weil ich Polizisten für die besseren Menschen halte, sondern weil der am allerwenigsten mit der ganzen Sache zu tun hat. Weder hat er eingeladen, noch ist es seine Tochter, die da im Internet vor sich hingewurschtelt hat, noch ist er freiwillig vor Ort erschienen, um an einer dubiosen Party teilzunehmen, sondern er war beruflich dort, um Eskalationen zu verhindern. Er durfte also bluten, um die Fehler von anderen auszubügeln, womit ich übrigens hauptsächlich die Charakterfehler jener meine, die Gewalt für einen unabdingbaren Teil ihrer Abendunterhaltung zu halten scheinen.

Und so richtig ärgern kann ich mich darüber, wie die Linkspartei in Hamburg die Tatsache ausnutzt, dass die Polizei angeblich diese Party nicht in den Griff bekommen hat. (Woran macht man das eigentlich fest? Immerhin wurde wohl niemand verletzt – außer dem Polizisten, für den anders als für Thessa und ihre Familie irgendwie keiner Mitgefühl übrig zu haben scheint? Wie viele Hundertschaften braucht es denn eigentlich, um 1.400 Leute zum Gehen zu bewegen? Und wer hatte noch mal den Ursprungsfehler begangen?)

Jedenfalls fordert die rechtspolitische Sprecherin dieser Partei nun, die Pferdestaffel der Stadt Hamburg aufzulösen (Quelle).

Ja, da wittert wohl jemand Morgenluft?

Angeblich sei es zu gefährlich für die Menschen, wenn die Pferde wuschig würden. Na ja, da empfehle ich doch dann mal den Menschen, die armen Pferde in Ruhe zu lassen. Die wurden nämlich nicht von nichts nervös, sondern von den Böllern und Bierflaschen, die man ihnen zwischen die Hufe knallte. Tierquälerei ist das aus meiner Sicht , mal ganz abgesehen davon, dass man die Menschen auf den Pferden auch gefährdet.

Eine interessante Verwechslung von Ursache und Wirkung. Vermutlich reine Klientelpolitik… da will man sich gewisse Wähler gewogen halten, die die Schuld für Eskalationen ausnahmslos bei der Polizei verorten wollen anstatt sich selbst zu hinterfragen.

Meiner Meinung nach mal wieder sehr kurz gesprungen. Auch wenn andere Bundesländer ihre Pferdestaffeln schon länger eingespart haben – für klug halte ich das nicht. Berittene Polizisten können bei Vermisstensuchen ein ganz anderes Gelände abdecken als zu Fuß oder auf dem Motorrad. Oder ist Vermisstensuche am Ende auch schon politisch verdächtig?

Da fragt sich doch, ob es den Leuten, die diese Angelegenheit zu einer mittleren Katastrophe aufbauschen, wirklich um Thessa geht. Oder geht es am Ende darum, sich selbst auf dem Rücken dieses sowieso nicht so richtig einsichtigen Teenagers zu profilieren?

Das ist, was mich an dem Fall nervt!

Allgemein Schusswaffengebrauch

Frankfurt

Mich wundert ja schon seit langem, mit welch ungeheurer Selbstgerechtigkeit so manche ihre Meinung bilden. Je ungetrübter von Sachkenntnis die Äußerungen dieser Menschen sind, desto selbstgerechter sind sie im Regelfall.

So richtig zum Kotzen ist es immer, wenn ein Polizist schießen musste.

Vorab:

Niemand ist beglückt, wenn ein Mensch sterben musste. Niemand findet es toll, dass die Frankfurter Polizistin schießen musste. Am allerwenigsten findet das diese Polizeibeamtin.

Nun, wenn man diese Situation realistisch betrachtet und sich erfrecht die „Das-hätte-man-auch-anders-lösen-können“-Fraktion  auf den einen oder anderen Denkfehler in ihrer Argumentation hinzuweisen, dann kommt ja gleich so eine mehr oder minder unterschwellige Unterstellung. Man wird dann selbst als schießwütig hingestellt und es wird so getan, als würde man eine Art Party schmeißen, weil da endlich mal wieder ein Mensch gestorben ist.

Ich wäre dankbar, wenn Ihr einfach mal die Sachebene der Informationen wahrnehmen würdet und Euch Eure Unterstellungen in den Allerwertesten schieben würdet. Etwa da gehören sie niveautechnisch nämlich auch hin.

Also, noch einmal zum Mitschreiben: Eine Frau hat aus ihrer Handtasche ein Messer geholt, einen Polizisten damit am Arm verletzt und es ihm in den Bauch gestochen. Gerammt würde es wahrscheinlich besser treffen, denn man braucht schon ziemlich viel Kraft dafür.

Eigentlich spricht es ja für die Polizei, dass sie sich in ihren offiziellen Verlautbarungen für eine sachliche Vokabel entscheidet. Schade nur, dass man mit Sachlichkeit heutzutage nicht wirklich weit kommt. Besonders nicht gegen die Gutmenschenfront der geballten Empörung.

Um den Polizisten verletzen zu können, muss die Frau schon sehr dicht vor ihm gestanden haben. Bei der Kraft, die man aufbringen muss, um ein Messer in einen menschlichen Körper zu rammen, ist keine andere Variante vorstellbar. Woher ich das weiß? Ich habe schon mal rohes Fleisch geschnitten. Sollte jeder der Klugscheißer hier mal ausprobieren, das gibt durchaus gewisse Hinweise darauf, wie nah die Frau dem Polizisten gewesen sein muss.

Fakt ist, dass unter fünf Meter Entfernung höchste Lebensgefahr gilt, weil man nur Sekundenbruchteile hat, um zu reagieren.

Das heißt, die Polizistin hatte nicht einmal einen Atemzug, um das Leben ihres Kollegen zu retten.

Ein Zeitraum, in denen man vom Adrenalin überschwemmt wird. Da hilft auch die auf Twitter viel zitierte „Nahkampfausbildung“ von Polizisten nicht weiter. Ja, sie bekommen eine entsprechende Ausbildung.

Wenn man diese Ausbildung schon in den Ring wirft, sollte sich vielleicht auch mit den Inhalten des Wortes „Nahkampf“ beschäftigen.

„Nahkampf“ heißt, dass der Kampf auf einer Distanz stattfindet, in der man den Gegner noch sehen kann, somit wäre bspw. das Duell im Western eine Art Nahkampf.

„Nahkampf“ beinhaltet hingegen nicht, dass man einen bewaffneten Gegner mit bloßen Fäusten erledigt. Das Ziel des Nahkampfes ist nämlich nicht, sich zu suizidieren, sondern sich selbst oder jemand anderen aus einer lebensgefährlichen Situation zu retten.

Insofern lernen Polizisten in dieser Ausbildung vor allen Dingen, dass ein Bewaffneter möglichst nicht nahe genug an einen selbst oder einen Kollegen herankommen darf, um seine Waffe anzuwenden. Ein Messer ist eine solche Waffe, oder wird selbst das mittlerweile bestritten?

Wenn man also dringend meint, über die Polizeiausbildung referieren zu müssen, wäre es vielleicht hilfreich, sich vorher  zu informieren und seine Belehrungen sachlich korrekt abzusondern. Am besten bezieht man diese Infos bei Menschen, die diese Ausbildung hinter sich gebracht haben, und nicht beim politisch-ideologischen Busenfreund, der seine Informationen aus schlechten Filmen oder noch schlechteren Propagandaschriften bezieht.

Dazu gehört auch das Wissen, dass diese Ausbildung dazu dient, die Panik so weit es geht zu reduzieren, um dann das richtige Mittel zur Selbstverteidigung bzw. Nothilfe für andere zu wählen. Sie kann hingegen nicht leisten, aus einem Polizeibeamten einen übermenschlichen Superhelden wie im Kino zu machen, der mal eben locker-lässig einen bis an die Zähne bewaffneten bösen Jungen im Kleiderschrankformat mit bloßer Hand entwaffnet und besiegt.

Auch ein gut ausgebildeter Polizeibeamter wird von Adrenalin überschwemmt, wenn er sieht, dass ein Kollege bereits ein Messer im Bauch hat und man keinen ganzen Atemzug mehr Zeit für eine Entscheidung hat. Wer da fordert, ins Bein zu schießen, hat einfach keine Ahnung vom Leben. Es geht darum, ein Menschenleben zu retten, und zwar das des unbestrittenen Opfers. (Daran kann es ja wohl keinen Zweifel geben, oder hat der Polizist sich etwa selbst das Messer in den Leib gestoßen?).

Was also soll ein Schuss ins Bein bringen? Das Messer wird im Allgemeinen nicht mit dem Bein geführt. Einknicken? Lachhaft! Befasst Euch mal mit Amokläufern, die werden allzu oft durch so eine kleine Kugel im Bein nicht gestoppt. Selbst wenn es also machbar wäre, sollte man vielleicht auf den Arm zielen, der noch schwerer zu treffen ist.

Leute, so etwas kann nur der Supercop im miesen Krimi oder aber Robocop. Und den wollen doch gerade jene nicht, die nie ein gutes Haar an der Polizei lassen. Oder verstehe ich da was falsch?

Würdet Ihr Euch bitte entscheiden, was Ihr nun von Polizisten wollt? Menschlichkeit oder Roboterhaftigkeit? Oder ist die Frage auch schon wieder zu logisch?

Gut, damit wäre also wenigstens für jene, die denken können, geklärt, dass die Forderung nach dem Schuss ins Bein zwar aus menschlichen Gründen nachvollziehbar ist, aber nicht erfüllbar. Auch aus menschlichen Gründen. Weil Menschen keine Maschinen sind.

Bliebe die nächste Variante. Die Polizistin hätte gar nichts machen sollen.

Das kann man doch nicht ernsthaft fordern?

Aber sicher doch. Zugucken, wie der eigene Kollege abgestochen wird. Tolle Idee!!! Das würde ich nicht mal bei einem Kollegen fertigbringen, den ich nicht mag. Mehr Worte verliere ich zu diesem Superschwachsinn nicht mehr. Vor allen Dingen möchte ich die Typen mal sehen, wenn sie schon ein Messer im Bauch haben und die Polizei kommt. Schreit Ihr dann auch: „Nicht schießen, es gibt bestimmt eine andere Lösung!“? Ja, nee, ist klar.

Abgesehen davon: Schon mal die Worte „Notwehr“, „Nothilfe“ oder „unterlassene Hilfeleistung“ gehört? Erst informieren, dann twittern. Kleiner Tipp: wenn man sich zu derartigen Themen äußert hilft auch immer, die herrschende Rechtslage nachzulesen.

Die Polizistin befand sich in einer Notwehr-Situation, denn wer sagte denn, dass nicht als nächstes sie das Messer in die Rippen bekommt. Einige meinen auch, dass sie in Nothilfe gehandelt hat, um ihren Kollegen zu retten. Manche sagen, das sei gemeinschaftliche Notwehr. Das will ich alles gar nicht entscheiden. Ich bin keine Juristin. Das sollen jene entscheiden, die dafür zuständig sind.

Natürlich kann man auch nicht pauschal sagen, dass sie sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht hätte, wenn sie ihrem Kollegen nicht das Leben gerettet hätte. Unter Schock reagiert ein menschlicher Körper nicht immer so wie er soll. Dennoch kann man von keinem Menschen verlangen, tatenlos zuzusehen, wie ein anderer Mensch abgestochen wird. Soviel ist mal klar. Wer wegsieht, macht mit. Das gilt nicht nur für Mobbing. Das gilt auch für lebensbedrohliche Situationen.

Am „besten“ fand ich den Tweet, der sich darüber beklagte, dass das Todesopfer erwerbslos war.

Äh?

Na und?

Sagt mir bitte, wenn ich mich irre, aber steht da im Grundgesetz nicht was von Gleichheit vor dem Gesetz?

Entschuldigung, aber wo ist der Unterschied, ob ein Multimillionär oder eine Arbeitslose ein Messer in einen Menschen rammt? Bei manchen Argumentationslinien bin ich wirklich dankbar, dass ich ihnen nicht folgen kann. Das ist eine davon.

Andere entblöden sich nicht, diese schreckliche Geschichte und die Tote zu benutzen, um der Hartz IV-Gesetzgebung diesen Tod in den Schuh zu schieben. Ach so? Nicht dass ich Hartz IV toll fände. Aber das kann doch wohl kein Argument dafür sein, dass eine Polizistin keine Nothilfe leisten darf.

Vielleicht bin ich da ja ein bisschen altmodisch, aber ich finde ehrlich gesagt, dass man nicht bewaffnet in einem öffentlichen Gebäude herumzulaufen hat, solange man nicht bei der Polizei oder einem Sicherheitsdienst arbeitet. Ich bin der Ansicht, dass man seine Konflikte mit nervigen Behörden nicht über Randale lösen sollte. Ich finde auch, dass man mit einem Messer keine Menschen zu attackieren hat. Und ich finde schlussendlich, dass man Menschen in Not beizustehen hat.

Offensichtlich vertrete ich damit mittlerweile eine Minderheitenmeinung, aber aus meiner Sicht haben nicht die beiden Polizisten das Problem verursacht. Sie haben die Frau weder gezwungen, bewaffnet durch die Gegend zu laufen, noch haben sie sie gezwungen, einen von ihnen anzugreifen.

So tragisch das für die Angehörigen der Frau ist – die Frau hat das Ganze provoziert. Sei es nun bewusst oder weil sie nicht ganz bei sich war. Mag sein, dass diese Frau auch ein Opfer ist. Der Polizist ist aber auch eines – oder will mir hier jemand erzählen, es sei witzig, einen Messerstich abzubekommen?

Warum hackt also überhaupt jemand auf der Polizistin herum, die unter Einsatz ihres seelischen Wohlbefindens ein Menschenleben gerettet hat?

Ich bedaure die Angehörigen der toten Frau. Mein Beleid!

Ich bedaure aber auch den verletzten Polizisten. Möge er bald wieder auf die Beine kommen und dieses furchtbare Erlebnis schnell verarbeiten. Nach den psychischen Folgen dieses Angriffs auf ihn fragt ja derzeit niemand. Das hält nur dabei auf, der Polizistin auf das Überheblichste dumm zu kommen.

Gute Besserung Ihnen!

Am meisten bedaure ich jedoch die Polizistin. Die Mär vom schießwütigen Polizeibeamten ist schon lange widerlegt. Wenn man denn zuhören will. Ich bin mir mehr als sicher, dass es ihr extrem dreckig gehen wird in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, vielleicht Jahren. Es wird immer die Frage bleiben, ob es nicht anders gegangen wäre. Kein Polizist, der schießen musste und diese Frage nicht kennt…

Diese Frau leidet jetzt erstmal ordentlich. Und ich finde es beschämend, wie wenige Menschen in der Lage sind, das zu erkennen.

Sie haben Ihrem Kollegen das Leben gerettet! Ich wünsche Ihnen viel Kraft bei der Bewältigung dieses Erlebnisses.

P.S.: Vielen Dank an die FAZ für Ihren wirklich guten Kommentar in der Sache. Ich bin froh, dass diese Sichtweise tatsächlich auch noch existiert.