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Allgemein Polizeiarbeit Verein

Kaiserslautern – temporeiches Zwischenspiel

Nach dem furiosen Einstieg in Sachen häuslicher Gewalt, der gleich in einer Gewahrsamnahme endete, quartierte Kai mich kurzerhand um in einen anderen Streifenwagen – zu Kai und Tim.

„Bei denen wirst du dich zu Tode langweilen – die reden kein Wort miteinander“, kündigte mir Tim, der Anwärter, an. Das mit einem Zwinkern in den Augen, das mir klar machte, dass ich vermutlich lustige Zeiten vor mir haben würde.

 

 

Unsere erste Mission begann ganz harmlos – wir zogen aus, Essen zu beschaffen. Nicht nur ich, auch meine beiden Herren hatten Hunger bis unter beide Arme.

„Schlägerei auf der Kerbe in Trippstadt, alle anderen Streifen im Einsatz.“

Kai trat das Gaspedal durch, Tim warf Blaulicht und Martinshorn an. Ich hielt mich fest und verabschiedete mich von dem Gedanken an Essen. Von Kaiserslautern bis Trippstadt sind es etwa 12 km, von denen die wenigsten durch den Stadtverkehr führen, sondern durch den Pfälzer Wald.

Alter Schalter!

Das war ja wie daheim, wenn es durch die Eifel- oder Westerwaldausläufer geht. Wieder einmal konnte ich mich nur wundern, wie weit man die Gesetze der Physik ausnutzen kann, ohne sie zu brechen. Nicht zur privaten Nachahmung empfohlen, übrigens…

Auf dem Weg überholten wir sogar einen Rettungswagen, der ebenfalls mit Blaulicht und Martinshorn nach Süden raste. Ich nehme an, die Besatzung war ganz froh, dass die Polizei als erstes bei der Schlägerei eintreffen würde – die haben einfach die bessere Ausstattung, um Gewalt zu begegnen.

 

Mit einem letzten Schlenker passierten wir das Ortsschild von Trippstadt. Tim kannte sich aus und dirigierte Kai in Richtung des Volksfestes (falls sich einer der Leser fragte, was eine „Kerbe“ ist. Ich persönlich glaube, dass Rheinland-Pfalz das Bundesland mit den meisten regional unterschiedlichen Bezeichnungen für so etwas ist.)

Wir stiegen aus und drängelten uns durch die Menschenmenge.

Zu meiner Erleichterung hatte sich schon ein kräftiger Herr Mitte 30 des Hauptschlägers angenommen und hielt ihn gekonnt am Boden. Deshalb war ich auch wenig verwundert, als sich herausstellte, dass der Helfer Bundespolizist ist. Erleichtert war ich auch.

Offensichtlich hatte der ziemlich betrunken wirkende Mann, der da am Boden lag, an der Theke das eine oder andere Bier konsumiert. Aus heiterem Himmel hatte er dann auf einen der anderen Gäste eingeschlagen.

Ich sah den Rettungswagen am anderen Ende des Volksfestes eintreffen und sich hinter unseren Streifenwagen arbeiten.

Da hier alles friedlich war und meine beiden Herren Zeugenaussagen aufnahmen, entschied ich, die Besatzung des Rettungswagens einzuweisen. Übrigens dieselbe Besatzung, die wir schon vor dem Haus des Familienvaters im Einsatz getroffen hatten.

Es stellte sich heraus, dass der Schläger der einzige Verletzte war, er hatte eine blutende Wunde an einem Finger. Die sollte im Rettungswagen behandelt werden.

Eine zweite Streife traf ein, Isabell und der dritte Kai. Mit den beiden würde ich auch noch in dieser Nacht fahren. Die beiden gaben aber nur ein sehr kurzes Gastspiel, denn sie wurden zu einer Schlägerei im Stadtpark gerufen und rückten genau so ab, wie sie gekommen waren – in Höchstgeschwindigkeit mit Blaulicht und Martinshorn.

Innerhalb dieses Gastspiels hatten sie zwei Strafanträge gegen unseren Schläger aufgenommen.

Meine beiden Herren waren noch damit beschäftigt, herauszufinden, mit wem wir es da eigentlich zu tun hatten. Der Herr hatte nämlich keine Papiere dabei. Dabei bekamen sie ungeahnte Unterstützung von einem der Lokalpolitiker aus Trippstadt. Nun hatten sie einen Namen. X.

Letztlich entschied die Besatzung des Rettungswagens, Herrn X. ins Krankenhaus nach Kaiserslautern zu bringen. Da er aber nun auf andere eingeschlagen hatte, musste Tim mitfahren, um den Sanitäter zu schützen.

Also rückte ich vorübergehend auf den Beifahrersitz. Mein inneres Kind freute sich einen Wolf, während ich gleichzeitig leise besorgt um Tim und den Sanitäter war.

 

In der Klinik wurde als erstes die Wunde des Mannes gereinigt und genäht. Er war zu diesem Zeitpunkt recht friedlich.

Nun musste noch geklärt werden, ob der Mann im Krankenhaus verbleiben musste – was für Kai und Tim bedeutet hätte, ebenfalls dort bleiben zu müssen, da er ja potentiell gewalttätig war – oder ob er gewahrsamsfähig war.

„Ruf mal bitte Kai, den Dienstgruppenleiter, an und frag nach, ob ein Krankenhausarzt Gewahrsamsfähigkeit bescheinigen darf?“ bat Tim, denn der andere Kai und er waren damit beschäftigt, X. zu halten, während ihn die Ärztin behandelte.

Dafür ging ich vor die Tür.

„Ja, er darf.“

Super!

Ich ging wieder in den Behandlungsraum.

„Er darf.“

Nun galt es herauszufinden, wie viel X. nun genau getrunken hatte und wie viele Promille er hatte.

„Das Ergebnis der Blutprobe dauert aber ein paar Stunden.“

Meine beiden Herren wirkten unbegeistert. Nur zu verständlich. Stefan und Andreas waren gebunden, weil auch für unseren Zellengast, der seiner Frau einen Spiegel übergezogen hatte, wegen seiner Verletzungen eine Gewahrsamsfähigkeitsprüfung anstand – in einem Krankenhaus in der Umgebung von Kaiserslautern. In diesem hier war ja seine Frau untergebracht. Auch da stand durchaus im Raum, dass alle drei die Nacht im Krankenhaus verbringen mussten.

Wenn nun mit Kai und Tim eine zweite Streife im Krankenhaus festsitzen würde, war das keine gute Sache, denn draußen tobte weiter das Kaiserslauterer Nachtleben.

„Wir probieren mal, ihn pusten zu lassen.“

Kai musste dafür den Alkomaten aus dem Auto holen. Weil ich frische Luft brauchte, ging ich mit ihm mit.

 

Raus war kein Problem, rein kamen wir allerdings nicht mehr. Glücklicherweise kam eine Mitarbeiterin des Krankenhauses vorbei und machte uns die Tür auf, gegen die wir hämmerten.

Tim nahm mehrere Anläufe, den Mann pusten zu lassen. Immer gab er kurz vor dem Punkt, an dem der Alkomat genug hat, auf.

Da er kein Wort Deutsch sprach, war es unmöglich, ihm klar zu machen, wo der Fehler lag.

„Wartet mal.“

Einer der Ärzte verschwand.

 

Nach wenigen Minuten kam er in der Begleitung eines weiteren Arztes wieder.

„Wir probieren mal, ob die beiden eine gemeinsame Sprache sprechen.“

Tatsächlich funktionierte es. Die beiden sprachen sehr ausführlich miteinander.

„Was er erzählt, macht keinen großen Sinn“, vermeldete der Arzt.

Wunderte mich nicht weiter. Warum sollten Erzählungen eines Betrunkenen in einer anderen Sprache zusammenhängender ausfallen als auf deutsch?

Aber immerhin verstand X. jetzt, wie er pusten musste. Und tat es.

0,94 Promille.

Damit war er gewahrsamsfähig. Sagte der Arzt.

Super!

Jetzt brauchten wir das ja nur noch schriftlich, dann konnten wir wieder abrücken. Dachten wir…

 

„Toilet“, meldete sich X.

Suchend sahen meine beiden Herren sich um.

Niemand mehr da.

„Ok“, seufzte Tim. „Dann mal los.“

Sie suchten eine Toilette. Die Tür ließen sie offen. Ich begab mich mal wieder um eine Ecke und bewunderte das überall gleiche Aussehen von Krankenhausgängen.

Nachdem X., sich erleichtert hatte, hätten wir gehen können. Uns fehlte aber immer noch die Bescheinigung der Gewahrsamsfähigkeit. Irgendwie war die den Ärzten durchgegangen. Da kam aber auch am laufenden Band neue Kundschaft rein…

Endlich hielten wir das ersehnte Papier in den Händen, um genau zu sein ich. Meine beiden Herren kümmerten sich um X. Ich durfte wieder für eine Weile nach vorne, während Tim sich neben den Mann nach hinten setzte.

Übrigens – er hatte den gleichen Vornamen wie der Mann, den wir schon wegen des Messerangriffs auf seine Frau im Gewahrsam hatten. Von dem Gesichtspunkt her eine gute Nacht für einen Menschen mit einem derart miserablen Namensgedächtnis wie ich es bin.

 

 

Endlich konnten wir Essen beschaffen. Ich hatte schon Hunger bis unter beide Arme.

„Jetzt haben aber nur noch Fastfood-Ketten geöffnet.“

Mir doch egal. Hauptsache, ich kriege was zwischen die Kiemen.

 

Zurück in der Dienststelle versammelten wir uns im Sozialraum, um unsere Beute zu essen. Für mich war auch ein Kaffee drin.

Dann hatten Kai und Tim einige Berichte zu schreiben.

 

Zwei Beamte der Polizeiinspektion Kaiserslautern 1 hatten einen betrunkenen Autofahrer erwischt.

Die PI KL1 wird auch als „Altstadtrevier“ bezeichnet, da sie mitten in derselben liegt. Freitags- und Samstagsnacht haben die Polizistinnen und Polizisten in erster Linie mit den Nachtschwärmern dort zu tun. Entsprechend gibt es dort eine Altstadtstreife. Neben Beamten der PI KL1 besteht diese aus Mitarbeitern des Ordnungsamtes sowie der Military Police, der us-amerikanischen Militärpolizei. Dies hat damit zu tun, dass das US-Militär einige Liegenschaften in und um Kaiserslautern hat, beispielhaft sei Ramstein Air Base genannt, die ja schon in „Air Force One“ mit Harrison Ford eine Rolle hatte – die Älteren unter uns werden sich erinnern. wp-monalisa icon

Nebenher ist aber auch der normale Wahnsinn durch die PI KL1 in ihrem Dienstgebiet abzudecken. Eben wie der betrunkenen Autofahrer, den also eine Polizistin und ein Polizist der Nachbardienststelle dingfest gemacht hatten. Bei diesem handelte es sich um einen US-Amerikaner, deswegen musste er zur Dienststelle der PI KL2 gebracht werden. Die haben nämlich ein Gerät, mit dem man gerichtsfest pusten kann. Das Bußgeld muss in diesem Fall nämlich sofort erhoben werden. Ist der Übeltäter erst einmal in den Vereinigten Staaten, trifft es im Regelfall niemals mehr ein.

Zudem muss auch hier die amerikanische Military Police hinzugezogen werden.

Kai fragte, ob ich dabei zuschauen dürfte. Ich durfte – und es war sehr interessant.

Die beiden Militärpolizisten waren Amerikaner. Das ist jetzt als Feststellung nicht ganz so platt, wie es sich liest, denn die Military Police stellt auch Deutsche ein – weil das die Verständigung mit den Einheimischen unheimlich erleichtert. Kai, mein heutiger Streifenpartner, war vor der Polizei RLP bei der Military Police gewesen.

Entsprechend spielte sich das Ganze auf englisch ab, wobei die beiden Beamten der PI KL1 sich sehr achtbar schlugen. Ich war mal wieder beeindruckt.

Da auch mein Englisch ziemlich gut ist, fand ich die ganze Szene sehr aufschlussreich, denn natürlich hatte der Delinquent nichts gemacht. Niemand, der von der Polizei mitgenommen wird, hat etwas gemacht. Auch, wenn er es vor meinen Augen gemacht hat, ist er immer sicher, nichts gemacht zu haben.

Same procedure as everytime…

Er pustete gerichtsfest 0,93 Promille.

 

Das machte 525 Euro Bußgeld.

„Oh, well. I can’t pay that now. No money on my account. Ich kann das jetzt nicht bezahlen. Konto ist leer.“

Die Augenbrauen der beiden Herren der Military Police wanderten an den Haaransatz.

„We had Payday yesterday“, bemerkte einer der beiden. „Wir hatten gestern Zahltag.“

Jedenfalls wand sich der Mann weiter, bis er letztlich einsah, dass er so nicht weiterkäme und er zugab, dass sein Konto doch ganz gut gefüllt war.

Dann wollte er seine Bank anrufen, um das Konto freizuschalten, er dürfe so immense Mengen nicht abheben.

Nach einiger Diskussion verstand er, dass er auch damit nicht durchkäme – und ließ sich von den deutschen und us-amerikanischen Polizisten zu einem Geldautomaten begleiten.

 

Da war es auch schon wieder Zeit, mit Kai, dem ehemaligen Militärpolizisten, und Tim in den Streifenwagen zu steigen und Kaiserslautern zu bestreifen.

 

 

„Schlägerei auf der x-Straße.“

Blaulichtfahrt.

Wir trafen auf die Altstadtstreife, in hoffnungsvollem Grün unterwegs.

 

Kai: „Seid ihr sicher, dass das unser Dienstgebiet ist?“

Polizist der Altstadtstreife: „Ja, genau 50 Meter in eurem Dienstgebiet.“

Beide hatten bei dem Gespräch Lachfältchen um die Augen und grinsten breit. Ein bisschen Spaß muss sein. Es wurde sich ja in jedem Fall um die Sachlage gekümmert.

Einen der Herren der Altstadtstreife kannte ich übrigens. Sein Partner nahm gerne unser Patch entgegen, als zwischendurch mal Zeit war.

Vorerst ging es noch um die Klärung, was eigentlich vorgefallen war.

Ein junger Mann gab an, geschlagen worden zu sein. Er gab auch zu, ordentlich getrunken zu haben, er pustete 1,72 Promille. Der andere sei weggerannt.

Während meine beiden Herren noch seine Personalien aufnahmen und ich feststellte, dass mindestens einer der Herren der Military Police vor Ort Deutscher war (wie weiter oben geschrieben), rückte eine weitere Streife der PI Kaiserslautern 1 an.

„Wir haben hier einen, auf den die Beschreibung passt.“

Sie hatten den flüchtigen Schläger angehalten und pusten lassen. Spannenderweise hatte er 1,72 Promille gepustet. Das war wirklich eine Nacht der Doppelungen.

 

 

Nächster Einsatz – Ruhestörung.

Kai und Tim mussten zurückfragen, wo wir genau hinsollten. Nicht nur war die Gegend unübersichtlich – es war auch nichts zu hören.

Als Kai schließlich eingeparkt hatte und wir ausgestiegen waren, war es weiterhin bemerkenswert ruhig. Es handelte sich wohl um ein Studentenwohnheim.

Wir betraten das Wohnheim. Auf einer Treppe kamen uns vier junge Menschen entgegen, Frauen und Männer. Meiner Vermutung nach Studenten.

Sie maßen uns mit einem unfassbar herablassenden Blick von oben nach unten und fragen nicht minder herablassend:
„Was wollt Ihr denn hier?“

Schlagartig schämte ich mich fremd. Immerhin hatte ich auch einige Jahre eine Hörsaalbank in einer Uni gedrückt. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, einem Polizisten so dreist zu kommen. Warum auch?

Übrigens war ich als Studentin auch mal auf einer Party, die von der Polizei Rheinland-Pfalz aufgelöst wurde. Und mit was? Mit Recht! Warum hätte ich diese Beamten also auf solche Art ansprechen sollen?

Und meine Herren lösten zu diesem Zeitpunkt gar nichts auf, sondern schauten nur erstmal nach, was überhaupt anlag.

Hier wurde auch nichts mehr aufgelöst, denn es gab keine Ruhestörung. Es gab nicht mal Leute auf dem Gang, die wir ansprechen konnten. Wenn es überhaupt Krach gegeben hatte, dann waren wohl die letzten vier Verursacher gerade gegangen.

Also rückten wir wieder ab.

 

 

Für eine Weile präsentierte sich die Nacht etwas ruhiger. Meine beiden Herren stoppten zwei Fahrer, deren Fahrweise ihnen verdächtig vorkam. Beide Fahrer pusteten aber 0 Promille und durften somit weiterfahren. Beides waren übrigens US-Amerikaner.

 

Eine dritte Kontrolle nahmen die beiden gerade in Angriff, als wir über Funk eine Schlägerei vor der Nachtschicht, der großen Disko von Kaiserslautern, gemeldet bekamen.

 

 

Als wir vor der Nachtschicht eintrafen, hatten die Türsteher die schlägernden Parteien schon auseinander dividiert. Kai und Tim kümmerten sich um einen jungen Mann, der beschuldigt wurde, einer der Schläger zu sein. Allerdings gab es Zeugen, die dem widersprachen.

Er pustete 1,28 Promille.

Er war sehr besorgt, denn er hatte eine Bewerbung bei einer Bundesbehörde laufen und hatte nun Angst, dass sich der Vorfall auf seine Einstellungschancen auswirken würde.

Durchaus verständlich. Auch Kai und Tim waren nicht taub für die Problematik. Allerdings hatten sie dennoch ein Interesse daran, die Fakten zu ermitteln und unterbrachen deswegen die Schilderung seiner beruflichen Probleme.

Auch dieser Vorfall war bald aufgenommen.

 

 

Wir überholten einen Pick-up, dessen Scheinwerfer nicht eingeschaltet waren. Aber auch hier blieb die Kontrolle ohne Ergebnis. 0 Promille. Nach einer Verwarnung konnte er weiterfahren. Mit eingeschalteten Scheinwerfern.

 

 

Wieder in der Dienststelle mussten Kai und Tim erst einmal ihre Berichte schreiben. Also fuhr ich noch einmal mit der dritten Streife, Isabell und Kai, raus.

 

 

Aus diesem Einsatz kam ich pünktlich zur Entlassung der beiden Namensvettern aus dem Gewahrsam zurück. Da die Polizei den ersten bei etwa 20 Grad und Sonnenschein festgenommen hatte, war er ziemlich leicht bekleidet. Mittlerweile zeigte das Thermometer 5 Grad plus. Entsprechend bekam er die Decke geschenkt. Das fand ich sehr nett!

 

Beide versicherten übrigens noch einmal, dass sie gar nichts gemacht hätten, bevor sie die Dienststelle verließen. Der erste recht zügigen Schrittes, der zweite nicht ganz so schnell. Der wollte nämlich noch den Beamten eine Gratistaxifahrt nach Trippstadt abnötigen. Natürlich erfolglos. Die Polizei ist kein Taxi-Unternehmen. Und die Rechtslage hatte sich seit der letzten Anfrage nicht geändert – sie darf es nicht. Letztlich trollte er sich. Ein kleiner Fußmarsch an der frischen Luft soll ja auch sehr gut gegen Kater sein.

 

 

Damit endete eine ganz schön knackige Nachtschicht.

 

Danke mal wieder nach Kaiserslautern. Ihr habt mir wieder sehr gute Polizeiarbeit gezeigt. Für meine Motivation sind diese Nächte wirklich unschätzbar.

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Kaiserslautern – dieses Mal ganz hektisch

Vor über einem Jahr war ich schon einmal in Kaiserslautern mitgefahren. Meine beiden damaligen Streifenpartner, Kai und Stefan, hatten die Schicht als „zu ruhig“ befunden und so hatten wir eine Wiederholung vereinbart.

Diese fand nun im letzten September statt.

Jetzt weiß ich auch, was die beiden meinten…

 

Ich kam knapp vor der Schichtübergabe. Das gab Kai die Zeit, mir kurz den neuen Gefangenentransporter zu zeigen. Beeindruckend. Vor allen Dingen hat er wohl eine sehr gute Straßenlage, was zur allgemeinen Sicherheit beiträgt. Gut so! Jene, die für uns alle den Kopf hinhalten, sollten auch sicher fahren können!

 

Kai war dieses Mal Dienstgruppenleiter. Er hatte gerade noch Zeit, die Dienstgruppe und mich einander vorzustellen. In dieser gab es drei Kais und zwei Tims. Namen merken würde also selbst für mich kein Problem sein. Theoretisch!

„Du fährst mit Stefan und Andreas.“

Dann schlug auch schon der erste Einsatz ein.

„Da bedroht einer seine Frau und seine Kinder mit einem Messer.“

Wir stürzten in die Streifenwagen.

Festhalten, damit man nicht vom Rücksitz geschleudert wird, während der Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn durch die Stadt gejagt wird. Innerlich wieder intensives Verfluchen der Wahl des Ehrenamtes.

Wenn der jetzt echt ein Messer hat? Warum ziehe ich nicht einfach verwaiste Robbenbabys an der Nordsee groß?

Weil die Idee des Subsidiaritätsprinzips einfach ist, dass jeder Bürger das beiträgt, was er am besten kann – und ich kann KGgP einfach besser als Robbenbabys großziehen. Darum saß ich nun da.

Am Zielort angekommen spritzten meine Begleiter aus dem Streifenwagen. Direkt hinter uns flog ein weiterer Wagen ein – die Streife, die einen Anwärter dabei hatte.

Auch ich stieg aus. Wusste dann erstmal nicht weiter.

Vier Polizisten rannten schon in das Haus.

Stefan blieb draußen stehen. Ich stand schräg hinter ihm. Der Mann, um den es ging, stand in seinem Fenster.

„Bleiben Sie stehen, ich will mit Ihnen reden.“

„Wieso?“

„Bleiben Sie stehen.“

Der Mann schrie herum.

Es krachte.

Der Mann fuhr herum, stürzte in die Wohnung.

Stefan rannte seinen Kollegen nach.

Eine dritte Streife raste heran, lief in die Wohnung.

Mein Blick auf die Besatzung eines Rettungswagens, die schon vor uns am Ort gewesen war. Die warteten, mit einem aufmerksamen Blick auf die Tür, vor Ort.

Ok, wenn die beiden Retter auch warten, bis die Polizei fertig ist, dann ist das wohl auch für mich die beste Wahl.

„Ach, du warst gar nicht drin“, fragte Stefan mich später überrascht.

Joah!

Im Gegensatz zu meinem Fernsehpendant Castle bin ich nicht der Ansicht, meine Nase immer ganz vorn mit dabei haben zu müssen. Ich will die Damen und Herren zwar auf keinen Fall allein im Regen stehen lassen – aber dumm im Weg rumstehen und in Gefahr bringen will ich sie auch nicht. Nicht immer einfach, da die Balance zu finden.

Die Haustür und der Flur dahinter sahen so klein aus, dass ich wirklich mehr Angst hatte, die Polizeibeamten zu behindern, als selbst was abzukriegen.

 

Durch die Haustür konnte ich aber sehen, dass der Mann mittlerweile in Bauchlage zu Boden gebracht worden war, wo vier Polizisten auf ihm lagen. Einer davon legte ihm die Schließacht an. Eine Polizistin kümmerte sich um die Kinder, einer koordinierte die Lage.

Schließlich halfen die Beamten dem Mann auf und brachten ihn in unseren Streifenwagen. Er tobte und schrie.

Alles klar! Das heißt dann gleich Fußmarsch, oder eine andere Streife nimmt mich mit.

Zuerst versuchte noch Tim, der Anwärter, mit dem Tobenden zu reden, um ihn zu beruhigen. Das erwies sich als sinnlos.

„Bei dem war ich schon mehrmals“, sagte Andreas irgendwann zu mir. „Teilweise noch in der alten Wohnung. Wir erteilen ihm für zehn Tage einen Platzverweis aus der Wohnung, er verbringt die Nacht im Gewahrsam, kommt am Morgen danach nach Hause – und sie lässt ihn wieder rein.“

Oha.

Da hatte ich offensichtlich wieder einen der Dauerkunden vor mir, die bei den eingesetzten Beamten ein gewisses Gefühl der Sinnlosigkeit aufkommen lassen.

 

Das war nicht mein erster Einsatz wegen häuslicher Gewalt. Aber sowas hatte ich noch nicht gesehen.

Auf dem Boden lag ein in tausend Scherben zersplitterte Spiegel. Die Aussagen des Mannes und der Frau waren widersprüchlich, wer nun letztlich wem den Spiegel übergezogen hat.

Auch sonst sah die Wohnung nach einem wilden Kampf aus. Für mich am schockierendsten war allerdings, dass die beiden Kinder ziemlich gelassen wirkten. Offensichtlich gab es da eine hohe Gewöhnung an derartige Szenen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was das in den Seelen der beiden Kleinen angerichtet haben kann…

Die Frau blutete an einigen Stellen. Gemeinsam mit den Kindern kam sie ins Krankenhaus. Das dauerte eine Weile, da alles gepackt werden musste. Zudem musste ein zweiter Krankenwagen für die Kinder einbestellt werden.

 

Eine der Streifen bekam einen neuen Einsatz rein und raste mit Blaulicht und Martinshorn davon.

 

Schließlich fuhren die beiden Rettungswagen mit Frau und Kindern ins Krankenhaus.

 

Die zweite Streife rückte ab zu einem Einsatz.

Ähm… und ich? Na ja, der Schrittzähler freut sich…

 

Drei Nachbarinnen hatten sich an der Grundstücksgrenze versammelt und seit geraumer Zeit versucht, die Polizei anzusprechen. Endlich fand Stefan Zeit für sie.
„Wir haben Angst. Der hat uns schon bedroht, dass er uns umbringt, wenn wir die Polizei rufen. Nehmen Sie den jetzt endlich dauerhaft mit?“

 

Auch die Vermieterin war vor Ort. Sie hatte die Nase gestrichen voll davon, regelmäßig derartige Szenen in ihrem Haus zu haben.

 

Stefan konnte nur sagen, dass die Polizei den Mann über Nacht bei sich behalten würde. Mehr konnte er nicht versprechen. Allerdings bat er die Damen, bei der Polizei eine Aussage zu diesen Drohungen zu machen.

 

Mit dem Augenblick, in dem seine Kinder aus seinem Blickfeld verschwunden waren, wurde der Mann zahm wie ein Lämmchen. Entsprechend konnte ich mit ihm im gleichen Streifenwagen zur Dienststelle fahren, wo er von Marc in den Gewahrsam verbracht wurde. Dort wurde er durchsucht. Ich ging dafür um die Ecke, da Personen des anderen Geschlechts bei einer Durchsuchung nicht anwesend sein dürfen – was auch gut so ist. Dann bekam er eine Decke und etwas zu trinken.

 

Allerdings hatte der Mann auch einige Verletzungen, u.a. eine Platzwunde am Kopf. Da seine Frau im Krankenhaus vor Ort war, würden Stefan und Andreas in ins Krankenhaus einer nahe gelegenen Stadt transportieren müssen und eine Menge Papierkram ausfüllen. Also quartierte Kai mich kurzerhand um in einen anderen Streifenwagen – zu Kai (ein anderer Kai) und Tim (nicht der Anwärter).

 

Auch da ging es direkt mit einer knackigen Blaulichtfahrt los. Das ist aber ein anderer Artikel, in dem auch eine weitere Gewahrsamnahme vorkommt. Irgendwann mussten auch diese beiden ihre Berichte schreiben.

 

Isabell und der dritte Kai nahmen mich mit zu einem Einsatz. Rauchentwicklung in einem Autohaus.

„Wir sind nicht einmal heute Nacht normal irgendwo angefahren“, stellte Isabell fest, während das Blaulicht auf dem Dach zuckte.

„Das liegt vermutlich an unserem Gast“, knurrte Kai, wirkte dabei aber insgesamt nicht wirklich ernst. Widerspricht auch der Tatsache, dass ich schon zwei Mal gebeten wurde, bitte nichts zu schreiben. Nach zwei Schichten in zwei Dienststellen in zwei Bundesländern, in denen NICHTS los gewesen war.

Am Einsatzort angekommen, stiegen wir aus. Kai schwang sich über den Zaun des Autohauses und ging einmal um das Gebäude drum herum.

Isabell und ich warteten.

„Der Rauch wurde da gesichtet, wo jetzt Euer Kollege rumläuft“, teilte der Melder Kai, dem Dienstgruppenleiter, über Telefon mit, der das wiederum uns mitteilte.

„Da ist nichts mehr.“

Kai hatte seine Runde beendet und kletterte zurück zu uns.

 

 

Als wir zurück in der Dienststelle waren, wurden die beiden Herren, die bei der PI Kaiserslautern 2 einsaßen, aus dem Gewahrsam entlassen.

 

Damit endete eine ganz schön knackige Nachtschicht.

 

Danke mal wieder nach Kaiserslautern. Ihr habt mir wieder sehr gute Polizeiarbeit gezeigt. Für meine Motivation sind diese Nächte wirklich unschätzbar.

 

Und diese Nacht war wirklich der Hammer! Wow!

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Neuwieder Bullshit-Bingo

„Nur noch ein Stündchen“, sagte Aline und klang dabei auch ein bisschen müde.

„Joah“, sagte Stephan.

Ich auf meiner Rückbank hatte zu diesem Zeitpunkt deutliche Schwierigkeiten, die Augen aufzuhalten. Neuwied und Umgebung präsentierten sich nach einer durchschnittlich ereignisreichen Schicht sehr friedlich. Übermächtige Sehnsucht nach meinem Bett machte sich in mir breit. Ich hatte genug erlebt, um einen Artikel zu schreiben – von mir aus konnte jetzt gern das Schichtende in greifbare Nähe rücken.

Plötzlich knackte es noch mal im Funk:

„Fahrt mal zur folgenden Disko.“ (Es folgte eine Ortsangabe in der Innenstadt.) „Da hat es eine Erpressung gegeben, zwei Täter. Wo seid Ihr gerade?“

Zu weit weg. Zwei andere Streifen wurden vorgeschickt.

Aline warf die Sondersignale an, Stephan trat den Gashebel durch. Mit Blaulicht und Martinshorn brausten wir los. Mittlerweile braucht man mir das nicht zu erklären. Die fortgeschrittene Uhrzeit, eine Disko, eine Straftat – alles Zutaten, die man für eine hochaggressive Situation braucht – in die gerade mal zwei Streifen fuhren.

Symbolfoto

Meine Müdigkeit schlug um in wildes Pumpen von Adrenalin.

Über Funk hörten wir, wie die beiden anderen Streifenwagen eintrafen.

„Stephan, beeil dich“, rief Tobi aus dem Funk. Ganz klar unter Dampf.

Schluck.

Zum Glück waren wir fast da, Stephan hatte schon abgebremst.
„Wo sind die denn?“
Suchend sah er sich um.

„Da.“

Meine beiden Begleiter sprangen aus dem Wagen, rannten los, ich hinterher, in Richtung Menschenmenge.

Zwei Polizisten, Wolle und Niklas, hatten bereits einen Herrn auf der Motorhaube eines Streifenwagens abgelegt.

„Ich kann nicht atmen, ich kriege keine Luft“, schrie der laut. Übrigens derart ausgiebig, dass mit seiner Atmung ganz klar alles in bester Ordnung war. Im späteren Verlauf wurde er mit K. angesprochen. Fast über den gesamten Einsatz hinweg demonstrierte K. uns den hervorragenden Zustand seiner Atemorgane und Stimmbänder.

Den anderen Beamten, Tim, Lisa und Tobi, standen etwa 35 Personen gegenüber, die aufgebracht und teilweise aggressiv wirkten und auf die Beamten einredeten. Stephan begab sich zu den Kollegen, die der Menschenansammlung gegenüberstanden, Aline half Wolfgang und Niklas, da K. sich immer wieder mal wehrte.

Ich postierte mich in respektvollem Abstand zu den Beinen des jungen K., falls er nochmal auskeilen sollte. Möglichst nicht im Weg stehen, alles im Blick behalten, im Zweifel die Flucht ergreifen können. Natürlich weiß ich, dass die anwesenden Polizisten alles tun würden, um mich heil aus welcher Lage auch immer rauszubringen. Ich würde jedem einzelnen meiner bisherigen Streifenpartner mein Leben bedingungslos anvertrauen. Aber wenn ich es ihnen einfacher machen kann, indem sie gar nicht in die Lage kommen, mir den Allerwertesten retten zu müssen, finde ich persönlich das noch viel besser.

Aus der Menge kamen Rufe wie „Der hat doch gar nichts gemacht!“ und „Voll übertrieben!“

Schade, dass ich meine Bullshit-Bingo für Polizisten-Karte nicht dabei habe. Das wären schon mal zwei Haken!

Allerdings war mir nicht wirklich lustig zumute. Das waren etwa 35 Leute gegen sieben Polizisten. Mich selbst zähle ich ehrlichkeitshalber nicht dazu. Mein Trainingsstand ist im Vergleich zu dem der Beamten, mit denen ich unterwegs bin, nicht der Beste. Irgendetwas, womit ich im Zweifel zuschlagen konnte, war auch nicht in greifbarer Nähe.

Zwei Männer taten sich besonders hervor. Sie gingen aggressiv auf die Beamten zu.

„Bleiben Sie stehen!“

Diese Aufforderung erfolgte mehrmals.

„Nehmen Sie die Hände aus den Taschen.“

Stephan war unmissverständlich. Diese Ansage galt einem der beiden aggressiven Männer. (Wie ich später erfuhr, heißt er W.)

„Warum?“
Die Frage triefte nur so von Provokation.

Weil er es sagt? Und weil gerade keine Zeit und auch nicht ganz die richtige Situation ist, um Dir haarklein die Grundlagen der Eigensicherung zu erklären.

„Die Hände aus den Taschen.“
Stephan wiederholte seine Aufforderung.

Polizistinnen und Polizisten wissen nie, was ihr Gegenüber in den Taschen hat. Im schlimmsten Fall ein Messer oder eine Schusswaffe. Stephan und seine Kollegen wollten gesund an Leib und Seele nach Hause kommen – und das ist auch ihr verdammtes Recht!

Für den Bruchteil einer Sekunde nahm W. die Hände aus den Hosentaschen. Versenkte sie sofort wieder darin.

„Nehmen Sie die Hände aus den Taschen.“

W. ließ die Hände tief in den Hosentaschen.

„Dann geben Sie mir Ihre Personalien, Sie stören hier eine Amtshandlung.“

Nun wollte W. den Ort des Geschehens verlassen. Stephan griff nach ihm, W. schlug ihm gegen den Arm.

Mit einem Griff beförderte Stephan W. auf den Streifenwagen, dessen Motorhaube er sich nun brüderlich mit K. hätte teilen können.

Stattdessen leistete er heftigen Widerstand, keilte und schlug in alle Richtungen aus. Niklas sprang Stephan zu Hilfe.

Gemeinsam brachten sie W. zu Boden.

Im Gerangel ein heftiger Krach.

Ach du Sch****

Mein Adrenalinpegel stieg noch einmal an.

Später stellte sich heraus, dass durch die Gegenwehr von W. der Kotflügel des Streifenwagens eingebeult worden war.

Das Foto habe ich natürlich erst nach Schichtende gemacht. Es hätte sicherlich nicht deeskalierend gewirkt, wenn ich noch mit der Kamera durch den Einsatz gehüpft wäre.

W. wurden Handschellen angelegt.

Nahezu zeitgleich wurde der dritte im Bunde von Lisa und Tobi zu Boden gebracht.

„Wir brauchen Verstärkung für den Abtransport“, teilte Stephan über Funk mit. Das machte Sinn, in unserem Streifenwagen saßen drei Personen und wenn ich die Polizisten vor Ort durchzählte, war auch eine der anderen Streifen zu dritt eingerückt. Noch nie hatte sich einer der Menschen, die mit mir im selben Streifenwagen transportiert wurden, derart aggressiv gebärdet.

Tim nahm in der Zwischenzeit erste Personalien auf.

Eine blonde Frau rief: „Nun hör doch auf, dich zu wehren. Dann hört auch die Polizei auf. “

Mir war nicht klar, welchen der drei sie meinte. Aber sie zeigte damit eine durchaus realistische Einschätzung der Lage.

Ein weiterer Mann mischte sich ein:
„Ich bin ein besorgter Bürger. Ich hinterfrage die anlasslose Gewalt durch die Polizei, die ich mit ansehen musste.“

Bingo. Und… Hä? Wieso anlasslos?

Er wiederholte das mantraartig.

Stephan erteilte ihm mehrfach einen Platzverweis. Den ignorierte er fröhlich. Vielleicht ist er nicht mehr ganz so fröhlich, wenn er seinen Bußgeldbescheid in Höhe von 250 Euro für das Nichtbefolgen desselben erhält. Der nigelnagelneue §99a des POG RLP erlaubt das. Gute Sache, wenn man mich fragt.

 

„Der Einsatz ist vollkommen übertrieben“, kam irgendwo aus der Menge.

Bingo!

Ja, klar. Sieben Polizisten gegen 35 Mann, die sie attackieren und auf ihnen herumhacken und dann übertrieben.

Interessante Wahrnehmung.

Zwischenzeitlich war W. etwas runtergekommen, fuhr sich aber immer wieder hoch. Aline musste sich auf seine Beine setzen, damit keiner der Beamten von seinen Tritten getroffen wurde.

Niklas unterstützte wieder Wolle.

Ich stand weiterhin auf meinem Standort und versuchte, das Zittern meiner Knie zu unterdrücken, das durch die Flutung mit Adrenalin hervorgerufen wurde. Außerdem war es kalt. Und ich hatte Angst.

Die Menge wurde auch immer wieder durch entsprechende Zwischenrufe hochgebracht.

Was, wenn das hier kippt?

Schließlich rief Wolle laut:
„Die Securitys bitte mal alle zu mir.“

Hier sind Securitys?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich das gar nicht bemerkt.

Etwa fünf Männer traten hervor, Stephan wies sie dann an, sich als „Kette“ zwischen die Polizeibeamten, die ja mit den drei aggressiven Festgenommenen beschäftigt waren, und die Menge zu stellen.

Puh!

Mein Kniezittern ließ merklich nach.

Die Menge wurde dann endlich ruhiger, die ersten trollten sich sogar.

Ein weiterer, bis hierher unbeteiligter, Mann mischte sich ein:
„Ich kenne mich mit Strafrecht aus. Das ist ganz klar ein Rechtsbruch, was ich da vor mir sehe.“

Bingo!

Einer der Mitarbeiter der Security der Disko fragte ihn:
„Machen Sie das beruflich?“

„Ich hab BWL studiert. Aber ich habe auch Ahnung von Strafrecht.“

Ja, das sieht man ja gerade sehr deutlich…

Das Grinsen des Security-Mannes war in etwa so süffisant wie meine Gedanken zu dieser Thematik. Der Gerechtigkeit halber sei dazu gesagt, dass Stephan ihn so verstanden hat, dass der Mann den Polizeieinsatz für rechtmäßig befunden hätte.

 

Allmählich wurde K. ruhiger und konnte aus seiner Haltung entlassen werden. Niklas versuchte mehrfach, ihm zu erklären, dass er nicht wegen der Vorkommnisse in der Diskothek auf der Motorhaube des Streifenwagens gelandet war, sondern weil er auf ganz normale Fragen feindselig und explosiv reagiert hatte. Niklas fand einen Zugang zu K., der dann eine vernünftige Aussage machte.
Ein Bekannter von ihm, ein gewisser S., sei Opfer einer Erpressung geworden. Die Täter seien W. und der Mann gewesen, der gerade mit W. zusammen am Boden lag.
„Ich hab nur meinem Kumpel geholfen.“

„Wo ist denn der S.?“

„Der ist schon im Bett, der muss morgen arbeiten“, schallte es aus der Menge zurück. Tatsächlich war S. nicht mehr vor Ort.

Wie bitte?

Auch K. war darüber einigermaßen fassungslos, was noch verstärkt wurde durch den Spruch einer gemeinsamen Bekannten der beiden:
„Arbeiten ist wichtiger als das hier.“

Ach so?

Ok. Ausgeschlafen bei der Arbeit zu erscheinen ist wichtig. Sehe ich ein. Aber wichtiger, als einem Freund mit einer Aussage bei der Polizei weiterzuhelfen? Mein Freund wäre der die längste Zeit gewesen…

 

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit (meine Armbanduhr sagte was von 10 Minuten), hörte ich in der Ferne Martinshörner.

Oh bitte, lass das die Verstärkung sein.

Zuerst sah ich Blaulichter am Ende der Straße in der mittlerweile diesigen Nachtluft flackern.

Uff!

Dann sah ich sie verschwinden.

Was zum…

Quietschende Reifen.

Die Blaulichter kamen wieder mein Blickfeld.

Ein Motor heulte auf, ein Streifenwagen wurde sichtbar.

Halleluja!

Noch einmal quietschende Reifen. Vom Bremsen. Immerhin waren Kollegen in Not. Bei einer längeren Anfahrt zu solchen Situationen steigt der Adrenalinpegel nicht schlecht an. Besonders, wenn man sich in fremdem Dienstgebiet nicht so gut auskennt und deshalb um ein Haar falsch abgebogen wäre. Nichts, was mit einem Minimum an Einfühlungsvermögen nicht nachzuvollziehen wäre.

„Der hat zu viel GTA gespielt“, demonstrierte jemand aus der Menge einen eklatanten Mangel an genau diesem.

Witzig… ganz witzig…

 

Im Angesicht der neu hinzugekommen Beamten überzog W. Stephan mit einer ganzen Tirade an Unterstellungen, u. a. habe er ihn grundlos angegriffen.
„Sie sind brutal. Sie sind ein gewalttätiger Mensch.“

Die Neuankömmlinge kümmerten sich zuerst um den dritten Mann am Boden.

 

Eine zweite Streife aus Koblenz traf ein. Dem Streifenwagen entstiegen Sven und Kathi, „meine“ Streifenpartner aus meiner Nachtschicht bei der PI Koblenz 1.

Ich freute mich, sie zu sehen. Die beiden nahmen sich kurz die Zeit, mich zu begrüßen. Das freute mich auch, und es beruhigte mich kolossal.

Wenn dafür Zeit ist, ist die Situation jetzt genau so sehr unter Kontrolle, wie sie mir mittlerweile vorkommt.

Auch ihnen erzählte W. von Stephans „Brutalität“. Er schob nach:
„Ich hab nichts gemacht.“

Wenn man bedrohliches Verhalten, Widersetzen gegen eine polizeiliche Anweisung, Widerstand und Unterstellungen am laufenden Band als „Nichts“ definieren möchte…

Da auch die Koblenzer Polizei (wie wohl alle Polizistinnen und Polizisten) mit jeder Menge Leute zu tun hat, die alle nichts gemacht haben wollen, wussten Sven und Kathi diese Botschaften durchaus einzuordnen.

Die beiden brachten auch W. in die Dienststelle.

Im Nachgang erfuhr ich übrigens von Sven, dass auch in Koblenz 1 die Nachtschicht gerade dem Ende zugegangen war, als der Funkspruch aus Neuwied kam. Die Beiden hatten neun Minuten gebraucht, um von Koblenz nach Neuwied zu fahren (Respekt!). Auch meine Einschätzung mit dem gewaltigen Adrenalinpegel hatte gestimmt.

Ich glaube mich zu erinnern, dass noch ein weiterer Streifenwagen einrückte. Ich bin mir allerdings nicht sicher, da Stephan und Aline wieder in die Dienststelle wollten, um sich mit W. zu beschäftigen. Die Schicht neigte sich ihrem Ende zu, aber es war klar, dass die beiden Herren der Polizei noch jede Menge Arbeit bescheren würden. Da die Situation unter Kontrolle war, konnten wir drei auch abrücken.

Als wir auf dem Weg zum Streifenwagen waren, traf dann noch ein letzter Streifenwagen ein, der aus einem entfernten Winkel des Dienstgebietes der Polizeiinspektion Straßenhaus gekommen war. Der Fahrer hatte alles gegeben, aber es dauert eben eine Weile, derartige Entfernungen zu überwinden.

Stephan, Aline und ich fuhren in die Dienststelle. Die beiden Koblenzer Streifen waren mit den beiden Festgenommenen schon eingetroffen, einer der Herren saß im Flur, ein anderer in einem Vernehmungsraum. K. hatte mittlerweile gehen dürfen, da er sich komplett beruhigt und seine Aussage gemacht hatte.

 

Ich hatte im Einsatz mitbekommen, dass Niklas durch die Widerstandshandlungen von W. verletzt worden war. In der Dienststelle hatte er kurz Zeit, mir seine Blessuren zu zeigen.

 

Dazu kam noch ein geschwollenes Handgelenk. Das mag erstmal „gar nicht mal so schlimm“ aussehen. Niklas sagte auch, es sei gar nicht mal so schlimm.

Davon unbenommen ist die Tatsache, dass Polizistinnen und Polizisten das Recht haben, gesund nach Hause zu kommen. Das beinhaltet auch Kratzer und Schürfwunden.

Hinzu kommt, dass sich das Ganze im Nachgang dann doch nicht mehr so harmlos herausstellte. Niklas verschwand erst einmal, um sich in einem nahe gelegenen Krankenhaus untersuchen zu lassen.

 

Nach dem Austausch der Handschellen und einiger Informationen verließen die Koblenzer die Dienststelle.

Stephan und Aline vernahmen W., der weiterhin Handschellen trug (nun ein Neuwieder Modell, kein Koblenzer).

 

Es folgt ein Auszug aus seinem Benehmen den beiden Beamten gegenüber:

Er fragte Stephan mehrmals, warum er festgenommen worden sei, er habe nichts gemacht.

Stephan setzte mehrfach zu einer Erklärung an, wurde dann aber unterbrochen und angeschrien. Dabei fielen folgende Vokabeln:

„Sie sind doch nicht normal.“

„Sie ticken nicht ganz richtig.“

„Drecksack.“

Als Stephan und Aline ihn darauf aufmerksam machten, dass das nun eine Beleidigung sei, sagte er:

„Das ist mir egal, ich sage trotzdem Drecksack.“

Er erhöhte um:
„Ihr könnt mich am Arsch lecken.“

„Sie können mir einen blasen.“ (An Stephan gewandt.)

Örks!

 

Tobias versuchte, ihn einen Atemalkoholtest machen zu lassen. Anstatt einfach in das Plastikröhrchen des Alkomaten zu pusten, bombardierte W. Tobias mit Fragen:
„Warum bin ich hier? Warum mit Gewalt? Warum muss ich das machen?“ und an Stephan wieder und wieder: „Sie sind ein brutaler Mensch.“

Letztlich erklärte er zwar vordergründig seine Bereitschaft, in den Alkomaten zu pusten, tat es dann aber nicht.

Da Stephan und Tobias nicht bis abends mit dem Mann herumdiskutieren wollten, vermerkte Stephan in seinem Bericht, dass der Atemalkoholtest verweigert worden war. Dies teilte er W. mit. Der rastete verbal völlig aus.
„Wieso verweigert? Ich wollte doch pusten!“

Du hast aber nicht gepustet…

Entsprechend lautete Tobias nächste Frage:
„Stimmen Sie einer freiwilligen Blutprobe zu?“

Derselbe Tanz ging von vorne los. „Warum bin ich hier? Warum mit Gewalt? Warum muss ich das machen?“ Dieses Mal erweiterte er sein Repertoire um: „Ich habe den Alkotest nicht verweigert.“

Letztlich lief es auf dasselbe hinaus. Anstatt seine Bereitschaft zu erklären, sich vom Polizeiarzt Blut abnehmen zu lassen, schlug er den beiden sein Lamento um die Ohren.
„Ich habe mich gar nicht gewehrt.“

Der Dienstgruppenleiter rief den Dienst habenden Bereitschaftsstaatsanwalt an. Der ordnete eine Blutprobe an, entsprechend machte sich der Polizeiarzt auf den Weg zur Dienststelle.

 

Beim Warten auf den Polizeiarzt musste Stephan natürlich W. im Auge behalten. Gleichzeitig arbeitete er schon einmal an seinem Bericht zu dem Vorfall. Soweit das möglich ist, wenn man von der Seite pausenlos von W. beschimpft und beleidigt wird.

Niklas, mittlerweile mit Bandage, kam in den Raum, um Stephan den Befund vom Krankenhaus zu geben, da dieser in den Bericht zu dem ganzen Einsatz mit aufgenommen werden musste.

„Du warst doch gar nicht dabei“, behauptete W. schlankweg.

„Doch“, sagte Niklas.

„Ich hab mich doch gar nicht gewehrt. Du kannst nicht verletzt sein. Du bist doch ein kleiner Lutscher.“

„Wie bitte?“

Ich bewunderte Niklas gerade uneingeschränkt für seine Sachlichkeit. Ich kochte innerlich gerade wieder mal.

„Schlag mich doch, schlag mich doch, das willst du doch.“

Niklas lehnte dieses Angebot ab:
„Nein, das gibt mir nichts.“

 

Plötzlich brachte W. eine ganz neue Variante ins Spiel.
„Du hattest deine Füße in meinem Rücken“, warf er Stephan vor, als sein nicht enden wollendes Dauerlamento sich gerade mal wieder um dessen angebliche „Brutalität“ drehte.

Hä?

Das war definitiv nicht der Fall gewesen. Ich habe das von meinem Standort sehen können.

„Nein, das war mein Knie“, teilte Stephan ganz ruhig mit.

Genau so hatte ich das gesehen. Stephan hatte ihn teilweise allein mit dem Knie im Rücken am Boden gehalten.

„Du hast mir ins Gesicht getreten“, kam die nächste Neuigkeit aus den unerforschlichen Tiefen von W.s Fantasie.

Oh, wie ich kochte.

Es wäre für Stephan anatomisch schlicht unmöglich gewesen, W. aus der Position heraus, aus der er ihn mit seinem Knie am Boden gehalten hatte, ins Gesicht zu treten. Abgesehen davon, dass W. zwar ein ordentliches Hämatom aufwies und auch einige andere kleinere Verletzungen, die alle aber keinesfalls von einem ordentlichen Tritt mit dem Einsatzstiefel herrühren konnten.

„Du hast mich auch getreten.“
Nun war Aline an der Reihe, in den Genuss seiner Liebenswürdigkeiten zu kommen. Dabei hatte sie lediglich auf seinen Beinen gesessen, weil er mit den Füßen nach den Beamten gekeilt hatte.

„Ich wurde von euch zusammengetreten.“

Das wird ja immer besser.

 

Im Laufe seines Monologs sprang W. wieder und wieder auf und schrie herum. Zweimal mussten andere Polizisten hereingestürzt kommen, um ihn zu bändigen und auf den Stuhl zurück zu bringen.

Irgendwann brüllte er:
„Ihr könnt einen nur fesseln, ins Gesicht treten, auf einen Stuhl setzen und wenn er aufsteht, tretet ihr ihn wieder ins Gesicht.“

W. war auch in der Dienststelle zu keinem Zeitpunkt mit Tritten traktiert worden, er wurde lediglich mit Hilfe der Hände in eine sitzende Position gebracht. Langsam erreichte ich den Siedepunkt. Falsche Anschuldigungen und dann auch noch auf so eine Art und Weise, sind für mich mit das widerwärtigste Mittel in einer Auseinandersetzung.

 

„Ich bin vierfacher Familienvater. Ich bin selbstständiger Unternehmer. Was tun Sie mit mir?“
Als täte das irgendetwas zur Sache. W.s Benehmen war trotzdem unterirdisch.

„Rufen Sie Herrn X. an.“ Diese Aufforderung an Stephan und Aline erging mehrfach. Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass Herr X. offensichtlich bei der Kriminalpolizei beschäftigt ist. Lustigerweise war W. der festen Überzeugung, dass X. Stephans Vorgesetzter sei.

„Ich weiß genau, dass ich einen Anruf frei habe. Sie brechen gerade massiv das Recht.“

Bingo. Und du schaust zu viele amerikanische Krimiserien.

„Sie schauen sich offensichtlich zu viele amerikanische Krimiserien an“, wieRderholte Stephan meine Gedanken.

Deutsche Krimiserien wohl auch, wenn er glaubt, die Kripo sei der Schutzpolizei vorgesetzt…

Innerlich musste ich grinsen. Das fuhr meine Temperatur wieder etwas herunter.

 

„Ich habe der Polizei neulich erst 300 Euro gespendet.“

Die Polizei darf doch gar keine Spenden nehmen. Verwechselst du da was?

„Nun bin ich enttäuscht von der deutschen Polizei, wie soll man deutschen Polizeibeamten noch vertrauen?“

Nun, damit habe ich keine Probleme. Die bleiben nämlich konsequent bei ihren Vorwürfen (Erpressung, Widerstand und fertig). Du packst doch sekündlich eine neue Geschichte aus.

 

Mehrfach wandte sich W. an mich, was ich dazu denken würde.

Zuerst sagte er zu mir:
„Sie finden das sicher auch sehr lustig.“

„Ich kann hier gerade überhaupt nichts lustig finden.“

Fand ich auch nicht. Ich habe ja schon einige Aggressoren erlebt bei der Polizei (und alle hatten nichts gemacht), aber er war ganz klar ein Spitzenreiter. Insbesondere seine Verweigerung, den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und den Reaktionen der Polizeibeamten darauf auch nur im Ansatz anzuerkennen, war mir unheimlich.

„Was sagen Sie denn dazu? Ich hab doch gar nichts gemacht.“

Ich darf mich ja nicht einmischen, konnte mir aber, da er mich nun schon mal fragte, nicht verkneifen:
„Ich habe das alles genau so wahrgenommen, wie es die Polizeibeamten sagen.“

Offenbar verstand er mich nicht genau, denn er versuchte weiterhin, mich auf seine Seite zu ziehen. U. a. sagte er zu mir:
„Was sagen Sie denn dazu? Sie stehen ja auch ratlos da.“

Stephan sprang mir bei:
„Die ist nicht ratlos, die ist fassungslos, wie sich jemand so benehmen kann.“

„Das trifft es ziemlich genau.“

 

Eine weitere Beamtin, Annika, dokumentierte mit einem Fotoapparat seine Wunden, die er sich bei der Festnahme zugezogen hatte – soweit das möglich war.
„Halten Sie bitte still“, bat sie mehrfach.

„Ich halte doch still“, sagte W. – und zappelte derart herum, dass es wirklich schwer war, vernünftige Fotos zu machen.

 

„Ihr seid wie Bonnie und Clyde“, teilte er irgendwann Stephan und Aline mit. Alles andere wiederholte er mehr oder weniger regelmäßig. Stephan entschied schließlich, seine Body-Cam einzuschalten.

Gute Idee!

 

Selbstverständlich teilte Stephan W. mit, dass dieser nun gefilmt wird. Was diesen zu einer neuen Variante zu animieren schien:

„Flippen Sie öfters so aus?“ wollte er von Stephan wissen. „Ist die deutsche Polizei instabil? Soll ich das so meinen Töchtern erzählen? Wie soll man einer solchen Polizei vertrauen?“

„Sie sind ein schlechter Verlierer“, teilte er Stephan weiter mit. „Sie haben sich zum Affen gemacht. Was kann ich dafür, dass Sie Russlanddeutsche hassen? Sie sind rassistisch, Herr Y. Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?“

Rassistisch. Bingo.

 

Irgendwann sagte Stephan: „Es wäre besser, Sie würden endlich von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.“

Oh ja, bitte. Einfach still sein.

Auf sein Recht, die Aussage zu verweigern, hatte Stephan W. schon ganz zu Anfang mehrfach hingewiesen, aber der hörte ja nicht zu. Wie auch? Dazu hätte er ja für wenige Minuten aufhören müssen, herumzuschreien und Stephan zu beschimpfen.

„Wieso soll ich diesen Gebrauch machen? Ich habe doch nichts gemacht.“

Argh!

Aline versuchte es mit Vernunft: „Der Kollege hat Sie nur auf Ihr Recht aufmerksam gemacht, denn schließlich leiten wir gerade ein Strafverfahren gegen Sie ein.“

W. explodierte förmlich.
„Ein Strafverfahren? Dazu sind Sie nicht befugt. Ohne Staatsanwalt und ohne Richter.“

Aline versuchte ein letztes Mal, ihm zu erklären, dass Richter mitnichten Strafverfahren einleiten, sondern über Strafen entscheiden. Und dass die Polizei natürlich ein Strafverfahren einleiten darf. Ohne Erfolg. Ich persönlich tippe darauf, dass W. der Unterschied zwischen Straf- und Gerichtsverfahren nicht ganz klar ist. Aber Hauptsache, mal wieder der Polizei ihren Job erklärt.

Endlich kam der Polizeiarzt. Da W. auch hier zwar verbal Kooperationsbereitschaft signalisierte, sich aber körperlich sperrte und unkooperativ verhielt, wurde er mit Handschellen auf den Boden in eine liegende Position gebracht und der Arzt entnahm ihm dort sein Blut. Natürlich war auch das aus W.s Warte rechtswidrig, da weder Richter noch Staatsanwalt zugegen seien.

Allen drei dabei anwesenden Beamten (Tobias, Stephan und Aline) drohte er an, dass sie ihren Job los seien (Bingo!). Stephan und Aline bescheinigte er noch: „Sie haben hier ihren Abgang.“ Was immer er damit meinte.

Die Body-Cam hing in einem ungünstigen Winkel an Stephans Revers. Sie würde in erster Linie interessantes Büromobiliar filmen, wenn W. zu Boden gebracht werden würde. Kurzerhand drückte Tobi mir das Gerät noch vor der Blutentnahme in die Hand, damit sie alles aufzeichnen konnte.

Schließlich halfen ihm die drei Polizeibeamten auf und brachten ihn ins Gewahrsam. Dort wollte er sogar noch Tobias seine Uhr in die Hand drücken… was auch immer er nun damit bezweckte.

Danach, es war mittlerweile fast eine Stunde über die Zeit, verließ ich die Dienststelle und machte mich auf den Heimweg. Ich hatte mich als Zeugin zur Verfügung gestellt. Also verfasste ich daheim meine Aktennotiz dazu, solange mein Gedächtnis noch frisch war. Dafür brauchte ich fast bis mittags. Es sei nur am Rande erwähnt, dass ich diese Nachtschicht „heimatnah“ hatte absolvieren wollen, um früh ins Bett zu kommen.

Meine Bullshit-Bingo-Karte war voll. Ok, drei Haken hatte ich einem Einsatz aus dem ersten Teil der Nacht zu verdanken. Dort wurden „meine“ Polizisten beglückt mit „Anstatt mal die Grenzen zu kontrollieren…“,  „Jeder darf hier rein, aber ich werde kontrolliert…“ sowie „Haben Sie keine richtigen Verbrecher zu jagen?“ Aber das wäre ein anderer Artikel…

Später erfuhr ich noch, dass W. den Richter beleidigt hatte, als der zur Polizeiinspektion kam, um über den weiteren Gewahrsam zu entscheiden. Der Richter entschied dann, ihn bis 16 Uhr im Gewahrsam zu lassen. Ebenfalls erfuhr ich, dass Niklas Verletzungen doch nicht so harmlos gewesen waren, wie sie oberflächlich ausgesehen hatten. Er wurde am Folgetag krank geschrieben.

Schon länger lese ich die auf wenige Zeilen komprimierten Pressemitteilungen zu solchen Einsätzen anders als früher. Seit dieser Nacht kann ich mir noch besser vorstellen, was an Zeitaufwand, Aggressionen, die an den Beamten ausgetobt werden, Arbeit und Emotionen dahinterstehen kann.

Auch wenn Stephan und ich unsere inneren Bullshit-Bingo-Karten vollgekriegt hatten – ich brauche solche Erlebnisse nicht wirklich.

Gewalt gegen Polizisten ist hässlich. Wenn man sie live sieht, ist sie noch viel hässlicher. Und wenn es Polizisten trifft, die man persönlich mag, dann ist sie an Hässlichkeit kaum zu überbieten.

Danke nach Neuwied! Ihr seid klasse!

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Tropenregen – eine Nachtschicht in Ludwigshafen

Eine Woche vor der Nachtschicht. Elsass. Nach einem heißen Tag folgt eine Nacht ohne jede Abkühlung. Ich sagte zu meinem Mann: „Die Nachtschicht nächste Woche in Ludwigshafen wird wohl ziemlich tropisch. Und dann steppt da bestimmt wieder der Bär.“

Sieben Tage später. Mein Mann brachte mich zum Zug nach Ludwigshafen. Ungefähr 20 Grad weniger Außentemperatur. Er zeigte auf den Regen:
„Kannst dir ja vorstellen, das sei ein Tropenregen.“

Zwei Stunden später in Ludwigshafen: Der Dienstgruppenleiter, mit dem ich übrigens auch schon mal Streife gefahren bin, wollte mich vorsichtig auf eine langweilige Nacht vorbereiten. Ich glaubte ihm nicht.

Ludwigshafen und langweilig schließen sich grundsätzlich aus. Polizei und langweilig übrigens auch. Für mich jedenfalls!

Der DGL reichte mir meine Schussweste mit den Worten: „Ich denke, das ist die Richtige. Das ist jedenfalls die, die im DGL-Raum für dich liegt.“

Ein ziemlich breites Grinsen erschien auf meinem Gesicht.

WOW!

Da liegt schon eine Weste vorbereitet? Ich bin inventarisiert. Ich fühle mich geehrt. Und das meine ich ernst.

 

 

Mal wieder hatte ich nicht mal Zeit, meine Tasse auszupacken, als schon der erste Einsatz anstand. Mit Timo und Ferry ging es zu einer Unfallaufnahme. (Mit Timo war ich übrigens schon einmal Streife gefahren. Eine sehr gute Erinnerung.) An einer Ampelkreuzung waren ein blauer Kleinwagen und ein Mercedes kollidiert.

Wie üblich hatten natürlich beide Seiten grün gehabt. Es gab auch Zeugen für beide Varianten. Da kann die Polizei dann gar nicht anders, als entsprechend alle Daten und Aussagen aufzunehmen und ansonsten zu hoffen, dass die Wahrheit gewinnen möge.

 

Zwei der Zeugen, die auf der Seite des Mercedesfahrers waren, amüsierten sich damit, die Polizei mit ziemlich viel Unsinn vollzutexten. Zwar war ich nicht die Polizei, wie ich auch unmissverständlich zu verstehen gab („Ich schreibe anschließend einen Artikel darüber.“), aber ich war in Begleitung der Polizei aufgetaucht und ging somit als adäquater Ersatz durch („Schreiben Sie doch mal einen Artikel über meinen Boxclub.“). Immerhin bestand mein Nutzen darin, meinen beiden Herren den Rücken freizuhalten. Abgesehen davon, dass das Gespräch streckenweise tatsächlich nicht ganz uninteressant war.

 

Zuerst wurde ich von einem der Herren darüber aufgeklärt, dass ich mit „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ völlig falsch läge, da ja eigentlich „Polizeigewalt“ das Problem in dieser Gesellschaft sei. Er selbst sei in Mannheim Opfer von Polizeigewalt geworden. Ehrlich gesagt habe ich die Geschichte nicht genau verstanden. Es ging um die Haltung eines Hundes einer Rasse, die nicht ganz einfach ist. Ich dachte ja immer, Hunde lägen im Aufgabenbereich des Ordnungsamtes. Vielleicht lag da auch einfach eine Verwechslung der Uniformen vor? Jedenfalls endete er damit, dass er von allen „gefickt“ (ich zitiere) worden sei, inklusive seinem eigenen Anwalt. Wenn in einer Erzählung immer alle böse sind außer dem Erzähler, dann fange ich immer an, mir Fragen zu stellen…

Nachdem er damit fertig war, fragte mich sein Kumpel, also Zeuge 2, ob er auch noch zur Polizei könne.

„Wie alt sind Sie denn?“

Sein Alter passte.

Ich: „Dann sollten Sie mal die Einstellungsberatung anrufen.“

Zeuge 1: „Aber du hast da doch eine Anzeige.“

Zeuge 2: „Aber nur eine. Das muss doch noch klappen.“

Ich: „Rufen Sie am besten die Einstellungsberatung an. Die sind sehr nett da. Wie gesagt, ich bin ja nicht die Polizei.“

Zeuge 2: „Ich war mal bei der Bundeswehr. Ich habe etwas für dieses Land getan. Da muss doch was gehen.“

Zeuge 1: „Vergiss nicht, bei dem Telefonat zu sagen, dass die Anzeige wegen Körperverletzung mit Todesfolge war.“

Zeuge 2: „Aber doch nur einmal.“

Ich lasse den Dialog an dieser Stelle einfach mal so stehen…

 

 

Anschließend wurden wir zu einem Einsatz im Dienstgebiet der Inspektion Ludwigshafen 2 als Verstärkung hinzugerufen. Es handelte sich um eine Razzia in einer Gaststätte. Ausgelöst worden war das Ganze durch eine Schlägerei. Offensichtlich hatten die eingesetzten Beamten bei einem der Kontrahenten Drogen gefunden und es drängte sich der Verdacht auf, dass sich in dieser Gaststätte noch mehr davon finden könnte.

 

„Erst mal schauen, was da angedacht ist“, sagte Timo zu mir. „Wenn wir da reingehen, bleibst du besser im Auto.“

Ja, das würde ich auch so sehen.

Nach wie vor ist meine einzige Angst, wenn ich Polizeibeamte in den Einsatz begleite, dass ein Fehler von mir ihnen Ärger bereitet. Um mich habe ich nie Angst. Ich weiß, dass die, mit denen ich losgeschickt werde, mich aus allem rausholen würden.

 

Der Einsatzleiter am Ort, ein Polizist der PI LU2, starrte mich bei Eintreffen erst einmal an – mit diesem Blick, der für sich genommen ausreichen sollte, um als Platzverweis verstanden zu werden. Um ein Haar wäre ich gegangen. Bis mir einfiel, dass ich mich einfach kurz vorstellen könnte.
„Ich gehöre zu den beiden. Ich bin die Praktikantin.“

„Ja, die gehört zu uns“, bestätigte Timo.

Damit durfte ich bleiben.

Uff!

Der Plan war, den Anwesenden das Weggehen unmöglich zu machen und im Rahmen einer Bearbeitungsstraße Personalien aufzunehmen und die Leute zu durchsuchen.

Timo und Ferry fiel erstmal die Aufgabe zu, die andere Seite der Straße abzusperren. Das hörte sich für meine beiden Herren und mich nicht so an, als müsste ich im Auto bleiben.

Es regnete übrigens immer noch. Schräg vor mir stand ein Hundeführer mit seinem Hund. Sogar der Hund hat gezittert. Ob vor Kälte oder Aufregung weiß ich nicht. Mein Hund friert bei Regen jedenfalls.

Ich fror auch nicht schlecht. Und der Einsatz würde noch mehrere Stunden dauern. Aber es kam keinesfalls in Frage, meine Begleiter im Regen stehen zu lassen. Abgesehen davon, dass ich eine Bearbeitungsstraße noch nie erlebt hatte. Ich fand das alles mal wieder äußerst spannend. So vergaß ich hin und wieder, dass mir eigentlich kalt war.

Sollte übrigens jeder mal erlebt haben, der meint, Polizeiarbeit beurteilen zu müssen.

 

Es rückten noch weitere Streifen an, von beiden Ludwigshafener Dienststellen, aus Frankenthal, Speyer und Oggersheim.

 

Einige der überwiegend jungen Männer, die teils im, teils vor dem Lokal warteten, waren meinen beiden Herren wohlbekannt. Sie gaben sich dermaßen cool, dass es schon ans Klischeehafte grenzte. Da wurden gegenseitig Handyfotos gemacht und natürlich wurde ausgetestet, wie weit einen die Polizisten laufen lassen würden. Und natürlich war man plakativ gut gelaunt. Alles, um der Polizei zu zeigen, dass man sie so gar nicht ernst nimmt.

Aus meiner Sicht war es zumindest beim einen oder anderen nur Fassade, das wurde mir sehr deutlich, als einer der jungen Herren lamentierte: „Wie kommt es, dass ich fünf Mal innerhalb von fünf Tagen kontrolliert werde?“

Ein anderer junger Mann versuchte das, ins Lustige zu ziehen: „Beim sechsten Mal gibt es einen Lutscher.“

Damit war auch die allgemeine Coolness wieder hergestellt.

 

Nach fast zwei Stunden waren alle Anwesenden durch die Bearbeitungsstraße gegangen und das Lokal war leer. Dafür war so einiges von der Polizei beschlagnahmt worden, Drogen, Bargeld und Handys, die als gestohlen gemeldet waren. Ich hatte lange den Überblick verloren, wie oft Timo und Ferry gesagt hatten: „Gehen Sie bitte außen rum. Sie können hier jetzt nicht durch.“ Immerhin drehten die meisten dann ab. Nur zwei kamen mit: „Ich muss aber hier durch.“

Manchmal frage ich mich wirklich, was Leute denken, wenn sie irgendwo eine derartige Ansammlung von Polizei sehen. Ein riesiger Gesprächskreis mitten auf der Straße? Betriebsausflug?

Die Streifen aus den Nachbarorten wurden alle aus dem Einsatz entlassen.

 

Jetzt kam die Stunde der Hundeführer. Es waren Drogenspürhunde am Start. Einer der Herren, der sich später als Leser unserer Seite outete, fragte mich, ob ich mir das mal ansehen wolle. Natürlich wollte ich. Wir stiegen in die Kelleretage der Gaststätte ab.

Der Hund bekam ein Signal, das ihm bedeutete, dass er nun mit der Suche beginnen solle. Das tat er dann auch. Manchmal ein wenig hektisch. Da musste Herrchen ihn noch einmal an die eine oder andere Ecke erinnern. Erinnerte mich sehr an meinen Hund, der auch sehr bemüht ist, beim Lernen alles richtig zu machen, aber beim Präsentieren seines Repertoires mal ein bisschen abkürzt, um schneller an die Belohnung zu kommen. Soll übrigens ein Anzeichen für herausragende Intelligenz beim Hund sein. Ich persönlich glaube das. ;-)

Eine Belohnung bekam der Polizeihund hier am Ende natürlich auch.

In der oberen Etage wurde „mein“ Hundeführer von seiner Kollegin gebeten, auch noch einmal den Hund durch eine bestimmte Ecke zu schicken. Ihr Hund hatte in einem der Spielautomaten Drogen angezeigt. Bevor man aber so ein teures Gerät auseinandernehmen wollte, sollte noch eine Gegenprobe her. Was soll ich sagen? „Unser“ Hund zeigte dasselbe an und tatsächlich fand sich dort ein Stückchen Marihuana.

Nun endlich tauchte auch der Eigentümer auf, mit der Bemerkung auf den Lippen: „Oh. So viele Polizeiautos. Was ist passiert bei uns?“

Der Einsatzleiter machte ihn darauf aufmerksam, dass an diesem Abend schon deutlich mehr Polizeiautos vor Ort gewesen waren.

Einsatzort, als die meisten schon abgerückt waren.

Übrigens war auch der Kommunale Vollzugsdienst von Beginn an vor Ort gewesen, denn Gaststättenkonzessionen sind Aufgabenbereich der Kommune. Wie es für diese spezielle Gaststätte weiterging, weiß ich nicht, denn wir rückten ab.

 

 

Einer der jungen Herren dieser Schicht, mit dem ich übrigens auch schon mal Streife gefahren bin, hatte seine letzte Nachtschicht und hatte entsprechend ein sehr leckeres saarländisches Gericht gekocht. Er hat nämlich saarländischen Migrationshintergrund. Ich bekam auch eine Portion ab.

Da auch der Hundeführer von eben dabei war, vertieften wir unser Gespräch vom Einsatzort. Nicht für lange.

Der Dienstgruppenleiter stürzte in den Sozialraum.
„Einsatz! In Mannheim ist ein Notruf aufgelaufen, da soll ein Kind angerufen haben, dass seine Mama schreit. Hört sich nach häuslicher Gewalt an. Anschrift hier in LU.“

Zum Glück war mein Teller leer.

Timo und Ferry sprangen auf, ich hinterher. Im Laufschritt ab in den Streifenwagen.

Blaulichtfahrt!

Symbolfoto

Da es wegen des Regens auf den Straßen von Ludwigshafen recht ruhig war, ohne Martinshorn.

 

 

Am Einsatzort sprangen wir aus dem Wagen. Timo klingelte einmal überall.
„Polizei! Wir müssen mal ins Haus!“

Während wir die Treppe hochhetzten (nachdem die Tür unten festgestellt worden war), öffneten sich überall die Wohnungstüren. Erschreckte Gesichter.

„Alles in Ordnung, wir wollen nicht zu Ihnen!“

Polizisten wird es kaum überraschen, dass wir natürlich fast ganz nach oben mussten.

Vor der Tür, hinter der die Familie, um die es ging, wohnen sollte, hielten wir an. Kein Mucks war zu hören.

Meine beiden Herren klingelten.

Das Spiel mit den Einsatzstiefeln, die die Treppen hochpolterten und dem „Alles in Ordnung, wir wollen nicht zu Ihnen!“, wiederholte sich, eine zweite Streife traf zur Verstärkung ein. Übrigens bin ich mit einem der Herren auch schon Streife gefahren und würde ihm bedenkenlos mein Leben anvertrauen. Wie übrigens allen, mit denen ich bisher fahren durfte.

Keine Reaktion auf das Klingeln.

Die Nachbarn wurden rausgeklingelt.

„Haben Sie etwas gehört?“

„Nein, da war es den ganzen Abend ruhig.“

Hm…

Wir waren etwas ratlos.

„Um jetzt diese Wohnung aufzubrechen, haben wir viel zu wenig in der Hand. Das genehmigt uns auch kein Richter“, erklärte Timo.

Ein Funkspruch zurück in die Zentrale.

Es stellte sich heraus, dass das Kind in Mannheim keinen Namen genannt hatte, man hatte geschaut, wem das Handy gehörte, von dem der Anruf gekommen war. Das hatte diese Adresse in Ludwigshafen ergeben.

Damit war die Sache natürlich nicht erledigt. Das erklärte mir später in der Dienststelle der Wachhabende. Ich hatte mir schon gedacht, dass die Polizei derartige Anrufe nicht auf sich beruhen lässt. Zeitgleich mit unserem Abflug in diesen Einsatz hatte die Mannheimer Polizei jede Menge Maßnahmen anlaufen lassen, u.a. vermutlich eine Handyortung.

Bei derartigen Anrufen ist es mit einem Einsatz, der nichts ergibt, nicht getan. Für meine Streife allerdings war allerdings erst einmal nichts mehr in dieser Sache zu tun.

 

 

Zurück in der Dienststelle wurde ich der nächsten Streife übergeben. Marcel, mit dem ich schon einmal gefahren war, und Jan, eigentlich ein Koblenzer, den die Folgen der Umstrukturierung der Bereitschaftspolizei temporär nach Ludwigshafen verschlagen haben.

Wir bestreiften Ludwigshafen, u.a. das Rheinufer, und stolperten direkt über einige junge Herren, die trotz des Regens ein wenig am Kornspeicher „chillten“. Im wahren Wortsinn, denn es war nicht wärmer geworden. Zuerst einmal baten wir um Verstärkung, dann unterzogen meine Herren, unterstützt von einer weiteren Streife, die jungen Männer einer Personenkontrolle. Einige davon waren übrigens auch bei dem Einsatz vor der Gaststätte dabei gewesen. Insgesamt verlief die Kontrolle dennoch in guter und kooperativer Stimmung.

 

 

Weiterstreifen. Ein Fahrzeug ohne Licht aus dem Hessischen. Damit gewann der Fahrer natürlich eine Verkehrskontrolle. Da ansonsten alles in Ordnung war, kam er mit einer Verwarnung davon.

 

 

 

Weiterstreifen. Schließlich bekamen wir einen Funkspruch:
„Fahrt mal in die x-Straße. Da gab es wohl eine Unfallflucht.“

Am angegebenen Ort erwarteten uns zwei Herren, Brüder. Sie zeigten uns einen Wagen mit auswärtigem Kennzeichen. Der gehörte einem der beiden, der gerade seinen Bruder in Ludwigshafen besuchte. Dahinter stand ein in Ludwigshafen zugelassener Wagen. Beide wiesen recht eindeutige Spuren dessen auf, was uns nun erzählt wurde.

Der Ludwigshafener war hinter dem auswärtigen Auto rückwärts eingeparkt und dabei mit dem linken vorderen Kotflügel am rechten Hinterteil des Wagens vor ihm hängen geblieben.

Ja, so sah das auch aus.

Der Halter und sein Bruder hatten das mitbekommen und waren auf die Straße gestürzt.

„Der hat mindestens zehn Anläufe gebraucht, der kann gar nicht fahren“, stellte einer der beiden fest.

Der Herr sei dann ausgestiegen und als er nach seinen Daten gefragt wurde, um den von ihm angerichteten Schaden zu begleichen, sei er einfach gegangen. Mit einem Hund übrigens. Das Ganze sei gegen viertel vor eins morgens passiert.

Es sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt, dass der Herr auch noch vor einem Tor eingeparkt hatte, an dem ein eindeutiges Parkverbotsschild hing.

 

Jan und Marcel machten schnell einige Fotos von den Schäden. Dann machten wir uns auf zur Halteradresse des Herrn. Dazu kam noch eine weitere Streife zur Verstärkung, denn es gab „Vorerkenntnisse“. Der Fahrzeughalter hatte Vorstrafen wegen Körperverletzung im Register.

An der angegebenen Adresse klingelte Marcel. Niemand reagierte.
„Eigentlich möchte ich um die Uhrzeit nicht überall klingeln. Die armen Leute.“

Er klingelte noch einmal, sehr nachdrücklich. Uns wurde geöffnet.

Geht doch!

In der entsprechenden Wohnung (fast ganz oben) empfing uns eine Frau.

Mit vier Polizisten, mir und der Dame war der Flur recht voll. Nicht zu voll für einen kleinen, weißen Hund, der sich neugierig in die Menschenmassen schob und jedem Mal am Hosenbein schnupperte. U.a. bei mir verweilte er ein wenig länger, vermutlich weil ich interessant nach unserem Hund roch. Er wiederum roch auch interessant nach Hund, er war nämlich feucht.

Marcel stellte sich kurz vor.
„Wir suchen den Herrn X.“

„Der ist nicht hier.“

Die Wohnung war klein, alle Türen standen offen. Man konnte in alle Zimmer hineinsehen. Es war also klar, dass der Gesuchte sich hier nicht befinden konnte. Zumindest nicht mehr…

„Wer sind denn Sie?“ fragte Marcel weiter.

„Seine Frau.“

„Wo ist denn Ihr Mann jetzt?“

„Ich weiß nicht.“

„Wann haben Sie Ihren Mann denn zuletzt gesehen?“

Kurz und schlecht: Die Dame gab an, um 23 Uhr nach Hause gekommen zu sein und ihren Mann seit dem Vorabend nicht gesehen zu haben.

„Wie viele Hunde haben Sie denn?“

„Einen.“

Wir erinnern uns – der Unfallflüchtige war mit einem Hund ausgestiegen. Es regnete leicht. Dieser Hund hier war feucht.

„Und der war den ganzen Tag allein hier?“

„Er war hier, als ich heimkam.“

Ach so?

Marcels Blick fiel auf einen Schlüsselbund mit einem Autoschlüssel und diversen Schlüsseln, die nach Haus- und Wohnungstürschlüsseln aussahen. Wie es der Zufall wollte, passte die Marke zum Wagen des Unfallflüchtigen.

„Und was ist das für ein Autoschlüssel?“

„Der ist für das Auto von meinem Mann.“

„Dann müssen Sie Ihren Mann aber doch gesehen haben, wenn Sie um 23 Uhr schon hier waren.“

„Nein, der lag schon hier.“

„Und wie ist Ihr Mann dann gefahren.“

„Oh, der fährt immer mit dem Ersatzschlüssel.“

Ja, das macht total Sinn.

Als Ehepartner hat man übrigens das Recht, die Polizei zu belügen, dass sich die Balken biegen.

Marcel und seine Kollegen wirkten insgesamt nicht wirklich überzeugt. Auch ich hatte den Eindruck, die Dame hatte ihren Gatten nicht nur gesehen, sondern wusste ganz genau, wo er sich gerade aufhielt.

Zum Abschluss reichte Marcel der Dame seine Visitenkarte.

„Sagen Sie Ihrem Mann, er soll bei uns vorbeikommen. Oder mich hier anrufen. Sofort, wenn Sie ihn sehen. Das ist wichtig!“

Damit verließen wir den Ort mit den nach meinem Eindruck arg gebogenen Balken.

Was dieser Berufsstand in meiner Gegenwart schon belogen worden ist… Das sollte auch mal jeder erlebt haben, der Polizisten überzogenes Misstrauen vorwirft.

 

 

Weiterstreifen.

„Boah, dass wir den nicht gekriegt haben, das ärgert mich gerade“, sagte Marcel im Streifenwagen. Nicht nur einmal. Mehrfach.

Was soll ich sagen?

Ich ärgerte mich sowas von mit ihm und teilte das auch mit. Mehrfach.

Vermutlich ärgerte sich auch Jan, aber da er ein nicht ganz so extrovertierter Typ ist, erzählte er es uns nicht dauernd.

 

 

Während wir also weiter Ludwigshafen bestreiften, mussten wir nicht nur an einer roten Ampel halten. An einer davon trat ein junger Mann an den Streifenwagen heran und machte Zeichen, dass er Gesprächsbedarf habe.

Marcel ließ die Scheibe herunter.

„Fahrt Ihr mich nach Hause?“

Ich musste schon wieder alle Kraft aufwenden, um keinen Lachanfall erster Klasse zu bekommen. Immerhin hatte ich in Koblenz schon einen jungen Herrn erlebt, der meinte, diese Frage stellen zu müssen, nachdem er meine Begleiter über einige Stunden äußerst beleidigend und herablassend behandelt hatte. Dagegen war dieses hier eine richtig liebenswürdige Version.

„Nein, das dürfen wir nicht. Die Polizei ist kein Taxiunternehmen.“

„Bitte.“

Ah. Geht doch!

Dennoch DARF die Polizei es einfach nicht. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

„Rufen Sie sich doch ein Taxi.“

Es stellte sich heraus, dass der junge Mann – er war übrigens 19, wie er uns zwischendurch erzählte – weder Geld, noch ein Handy, noch seine Jacke dabei hatte. Offensichtlich war er mit seiner Freundin in einer Disko gewesen. Dort hatte sie ihm den Laufpass gegeben und er war dann auch losgelaufen.

Er blieb ein wenig unklar, warum er seine Sachen in der Disko nicht abholte. Es handelt sich dabei übrigens um eine Disko mit sehr gewissenhaften Türstehern, mit denen die Polizei sehr gut zusammenarbeitet. Ich persönlich tippe deswegen darauf, dass seine Reaktion auf diese zugegebenermaßen schmerzhafte Nachricht dafür gesorgt hatte, dass ihn die Türsteher wohl nicht mehr in ihren Verantwortungsbereich lassen würden. Das ist aber nur eine Mutmaßung.

„Ich wohne in X. Das sind 6 Kilometer. Das kann man doch nicht zu Fuß gehen.“

Ok, das Wetter wäre jetzt auch nicht das Wetter meiner Wahl für eine Wanderung gewesen. Aber sogar ich schaffe Fußmärsche von bis zu 20 Kilometer. Sein konditioneller Zustand hätte ihn das in maximal anderthalb Stunden bewältigen lassen.

„Wir dürfen es nicht.“

Die konsequente Weigerung meiner beiden Herren führte zu einigen sehr unwilligen Äußerungen an die Adresse der beiden. Ich habe die Details vergessen.

„Hey, es gibt keinen Grund, UNS jetzt dumm zu kommen“, machte Marcel klar.

Er erntete dafür ein verächtliches Abwinken. Der 19-Jährige drehte sich auf dem Absatz um und lief los.

„Ist das die richtige Richtung?“ erkundigte sich Jan.

Das wäre auch meine Frage gewesen.

„Ja“, befand Marcel.

Meine beiden Begleiter (und ich) beobachteten ihn noch eine Weile sehr scharf aus dem stehenden Streifenwagen. Er hatte minimal Schlagseite, machte aber insgesamt den Eindruck, dass er sechs Kilometer zu Fuß anstandslos bewältigen würde.

Also fuhr Marcel, vermutlich nach der 15. Rotphase, seit wir an der Ampel eingetroffen waren, den Streifenwagen wieder an, um weiter in Ludwigshafen nach dem Rechten zu sehen.

„Wo ist der plötzlich hin?“ fragte Jan, als wir die Stelle passierten, an der wir den jungen Herrn zuletzt gesehen hatten.

Er war nicht mehr zu sehen. Aber wir hatten ja gesehen, dass er in gutem Zustand losgezogen war.

 

Wir kamen gerade mal 500 Meter weit, als Marcel den Streifenwagen wendete.

Was jetzt?

Marcel kurvte um die nächste Verkehrsinsel und fuhr zurück.

Da lag unser junger Herr lang hingestreckt auf dem Trottoir im Nieselregen.

Huch. Geht es dem doch schlechter als gedacht?

Wir stiegen aus. Bauten uns um ihn herum auf.

Er öffnete ein Auge, schielte uns an.
„Fahrt Ihr mich jetzt nach Hause?“

„Wir dürfen nicht“, sagte Marcel. „Aber wir bestellen jetzt einen RTW, der fährt Sie ins Krankenhaus, wenn es Ihnen scheinbar so schlecht geht.“

„Ich will aber von Euch nach Hause gebracht werden.“

Herrje. Alkohol ist wirklich nicht gut für die Auffassungsgabe.

„Wir dürfen nicht.“

Der 19-Jährige richtete sich auf.
„Kommen Sie mal in meine Lage!“

Mit diesen Worten stand er auf, stand dabei auch sehr gerade und hatte keine Schwierigkeiten, sich aufrecht zu erhalten.

Er erzählte uns noch einmal seine Geschichte.

Nun war wirklich keiner meiner beiden Herren unempfindlich für seine Situation. Ich auch nicht. Natürlich ist es mies, wenn die Freundin Schluss gemacht hat und man ohne Geld, ohne Jacke und ohne Handy leicht alkoholisiert in einer verregneten Großstadt sitzt und die einzige Lösung sechs Kilometer Fußmarsch sind. Dennoch durfte die Polizei ihn nicht mitnehmen. Punktum!

Marcel und Jan signalisierten auch Verständnis. Aber:
„Wir dürfen Sie nicht fahren. Deshalb gehen Sie jetzt bitte nach Hause.“

Ein neuer Aggressionsschub.
„Ich hoffe, Sie verlieren auch einmal Ihre Freundin und alles, was Sie haben.“

Schlagartig kam er dabei dermaßen aggressiv rüber, dass ich mich schon mal vorsichtig aus dem Weg schlich, damit meine beiden Begleiter im Falle eines Falles freie Bahn hätten.

„Wir haben Ihnen nichts getan“, machte Marcel ganz richtig aufmerksam, und eröffnete ihm eine neue Option.
„Wir können Sie auch mitnehmen, wenn Sie sich weiterhin so aggressiv verhalten, und Sie übernachten bei uns. Das ist aber ziemlich teuer.“

Diese Aussicht ließ den jungen Mann noch zorniger werden. Ein schier endloser Wortschwall prasselte auf uns hernieder – immer wieder machte er darauf aufmerksam, dass er alles verloren habe, und dass wir das auch mal erleben sollten.

Ehrlich gesagt hatte sein Auftritt etwas Komisches. Ich habe vor allen Dingen in Begleitung der Polizei (aber auch sonst hier und da) einige Menschen gesehen, die wirklich alles verloren hatten. Deswegen konnte ich die Dramatik in seinen Worten nur mäßig ernst nehmen. Auf der anderen Seite konnte ich mich sehr gut an mich selbst in dem Alter erinnern. Man glaubt tatsächlich allen Ernstes, man hätte alles durch, hätte einen immensen Reifegrad erreicht und bricht zusammen wie ein Kartenhaus, sobald das Leben mal nicht so mitspielt, wie man selbst es gerne hätte. War echt eine tolle Zeit, aber sehr anstrengend. Müsste ich nicht unbedingt noch einmal haben. Ich bin wirklich froh, eine gewisse Altersgelassenheit entwickelt zu haben.

Marcel schaffte es noch einmal, ihn runterzusprechen. Letztlich zog er seiner Wege, die erste Teilstrecke unter dem aufmerksamen Blick meiner Begleiter. Er hatte keinerlei Schwierigkeiten, die Spur zu halten. So kam er dann wohl tatsächlich heil und am Stück zuhause an. Zumindest hörten wir nichts Gegenteiliges mehr.

„Sagte ich eigentlich schon, dass mich das echt ärgert, dass wir diesen Unfallflüchtigen nicht bekommen haben?“

„Ja, Marcel. Mich auch,“ teilte ich mit.

 

 

Zu meinem Bedauern fuhren wir in die Dienststelle, wo ich mir einen Kaffee gönnte. Marcel und Jan teilten sich ihre Berichte auf, ich stand dabei und überlegte, wen ich als nächstes bitten würde, mich mitzunehmen. Der Dienstgruppenleiter kam mit dem Dienststellentelefon in der Hand herein.

„Für dich!“ sagte er und hielt Marcel den Apparat hin.

Marcel meldete sich mit Namen.

Es stellte sich heraus, dass am anderen Ende der Leitung unser Unfallflüchtiger war.
„Ich bin bei einem Kumpel. Ich sag euch aber nicht, wo ich bin.“

Marcel versuchte, ihn zu überreden, in die Dienststelle zu kommen. Vergeblich.

Das Gespräch war ziemlich schnell beendet.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wachhabende schon die Adresse, von der der Anruf eingegangen war.

Und nein, die Polizei hat nicht irgendwelche geheime Technik zur Verfügung. Wenn man von einem Festnetzanschluss anruft, der seine Nummer mit durchleitet und diese im Telefonbuch steht, ist das keine sonderliche Kunst, eine solche Adresse zu bekommen.

Mit zwei Streifen fuhren wir los an die angegebene Adresse. Zwei der Herren gingen ums Haus, um zu schauen, wo überall Licht war. Es ging mittlerweile hart auf drei Uhr morgens zu, da ist es nicht so nett, alle Hausbewohner rauszuklingeln.

Beim zur Telefonnummer gehörigen Namen reagierte niemand. Dafür ging nach dem ersten Klingeln das Licht aus.

Joah…

Nach einem wieder etwas nachdrücklicheren Klingeln öffnete dann doch jemand.

Wir betraten das Haus.

Natürlich wohnte auch dieser Herr fast ganz oben.

Seufz…

Er öffnete uns die Tür.

„Wir suchen den Herrn X.“

„Den habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.“

Die Augenbrauen meiner Begleiter wanderten bis unter den Haaransatz.
„Komisch, der hat gerade von Ihrer Nummer bei uns angerufen.“

„Äh… öhm… also…“

Just in diesem Moment setzte sich ein Aufzug von noch weiter oben nach unten in Bewegung. Ich drückte mich schon mal an die Wand des Treppenhauses.

Oha…

Das dachte wohl auch das andere Streifenteam, denn die beiden stürmten an mir vorbei nach unten.

Bitte, lass es ihn sein…

Marcel und Jan sprachen weiter mit dem Wohnungsbesitzer, aber ich weiß nicht mehr, worum es ging, da ich meine Ohren ganz nach unten richtete.

„Herr X.?“

„Ja?“

STRIKE! STRIKE! STRIKE!

 

Keine zwei Minuten später saß ich auf dem Vordersitz und Herr X. fuhr mit uns zur Dienststelle. Da er in keiner Weise aggressiv war, trotz seiner Vorgeschichte, ging das.

Dort pustete er erst einmal. Freiwillig übrigens. 1,92 Promille.

 

Aus meiner persönlichen Warte ein ganz schön strammer Wert. Aus der Warte diverser Pressemitteilungen der Polizei, die ich zu diesem Thema schon gelesen habe, gar nicht mal so viel.

Übrigens hatte er schon im Streifenwagen in eine Blutprobe eingewilligt.

Wir warteten auf die Polizeiärztin.

Dabei erzählte uns der Herr seine Geschichte. Er hatte tatsächlich wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis gesessen, sich aber seit 10 Jahren nichts mehr zuschulden kommen lassen. Er hatte eine gute Arbeit, für die er allerdings seinen Führerschein brauchte. Deswegen war er auch abgehauen.

Was ein wenig mit seiner recht eigenwilligen Interpretation des Vorfalls in der Straße kollidierte:

„Ich habe die ganze Nacht durchgesoffen, aber ich bin nicht gefahren. Ich bin nur eingeparkt.“

Marcels Einwand, dass einparken auch fahren sei, ließ er nicht gelten.

Natürlich ließ auch hier keinen kalt, dass da jemand Angst um seine Existenz hatte, die er sich sehr mühsam aufgebaut hatte. Aber dafür konnte nun wirklich keiner was, außer ihm selbst. Dass man alkoholisiert sein Auto nicht bewegen sollte ist ja nun auch nicht so neu als Botschaft.

 

Im Flur der Dienststelle entstand plötzlich hektische Aktivität. Einige Beamten liefen im Laufschritt Richtung Streifenwagen.

„Wow“, machte Herr X. „Ihr habt auch einen gefährlichen Job.“

 

Die Polizeiärztin traf ein.

„Ich nehme übrigens ein Medikament, das beim Blutbild so aussieht, als wäre ich auf Methadon. Bin ich aber nicht. Nur, damit Sie das wissen.“

„Wie heißt denn das Medikament?“

Er nannte einen Namen.

Sie sah ihn mit einem freundlich-strengen Blick an.

„Sie wissen aber doch, dass man das nicht mit Alkohol kombinieren sollte, oder?“

Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er wusste das.

Natürlich hatte er sich selbst in diese Lage gebracht. Trotzdem blöd, wenn gerade alles, was man sich mühsam aufgebaut hat, den Bach runtergeht.

 

Wieder ging es auf dem Flur rund. Mit halbem Ohr bekam ich mit, dass jetzt sogar der DGL mit ausrückte, weil keiner mehr da war.

„Ist das immer so bei euch?“ fragte Herr X.

„Oft.“

„Krass.“

Ja, ich sag ja immer, dass „meine“ Ludwigshafener einen tollen Job machen. Ok, nicht nur „meine“ Ludwigshafener, ich habe noch in keiner Dienststelle schlechte Arbeit präsentiert bekommen. Aber Dienst in Ludwigshafen ist schon sehr speziell. Schön, dass auch der eine oder andere Ludwigshafener Bürger das mal mitbekommt.

 

Nachdem Herr X. verarztet war und seiner Wege gehen konnte, nahm sich die Polizeiärztin kurz Zeit, mich auszufragen. Sie lobte den Verein ausdrücklich. Wir waren uns auch beide einig, dass der Tonfall, den manche gegenüber der Polizei anschlagen, mehr als inakzeptabel ist. Darüber hinausgehende Gewaltakte sowieso.

 

 

Nun näherte die Nacht sich ihrem Ende. Fast alle waren draußen. Jan und Marcel hatten jede Menge Schreibarbeit vor sich. Ich saß eine Weile beim Wachhabenden. Wir waren beide ziemlich müde und schwiegen uns an. Für mich war das vollkommen in Ordnung. Für ihn wohl auch…

 

 

Schließlich kam eine Streife, Max und Lucie, rein, um mich noch für einen Einsatz mitzunehmen. Kollision zwischen Taxi und Laterne. Es gab nur einen geringen Blechschaden. Dieser Unfall war recht schnell aufgenommen. Der Taxifahrer war nicht alkoholisiert und hatte selbst die Polizei angerufen, also ging das ganz schnell.

 

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass bei dem Wetter so viel passiert“, sagte der Dienstgruppenleiter abschließend zu mir, als ich ihm die Schussweste aushändigte.

War halt doch ein Tropenregen!

 

Damit war auch diese Nacht wieder zuende und ich ergatterte eine Mitfahrgelegenheit nach Koblenz. Auch nicht schlecht! Danke dafür!

 

Allgemein Polizeiarbeit

Vom Stinkefinger zu einem Einsatz mit fünf Streifenwagen – eine Sommernacht in Neuwied

Nachdem meine Nachtschicht mit Stephan und Stephan letzten Dezember den täglichen Wahnsinn auf Neuwieds Straßen nur sehr unzureichend belegt hatte, wollte Stephan diesen Stunt noch einmal mit mir wiederholen. (Stephan ist mittlerweile in einer anderen Dienststelle.)

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich da nicht lange bitten lasse – und so war es Ende Juni wieder so weit.

Dieses Mal war ich mit Stephan und Sebastian unterwegs.

 

Als erstes passierten wir (ich hatte zu diesem Zeitpunkt Hunger bis unter beide Arme) einen Garten, aus dem verführerische Grilldüfte herüberwehten.

Sebastian: „Soll ich mal fragen, ob die noch zwei übrig haben?“

Ich: „Wieso zwei? Wollt Ihr keins?“

Stephan: „Nee, Sebastian und ich teilen uns eins.“

 

Stephan war an diesem Tag Dienstgruppenleiter, also dauerte es ein wenig, bis es auf die Straße ging.

In dieser Zeit fragte mich allerdings ein Anwärter nach unserem Patch.

Aber gerne doch!

Ihr macht mich immer wieder stolz! wp-monalisa icon

 

Nachdem wir Essen besorgt hatten, ging es auch schon auf Streife.

Da in dieser Nacht in zwei Stadtteilen Neuwieds Kirmes war, begannen wir damit, eine davon zu bestreifen.

Vor einem Getränkestand hielt sich eine Gruppe junger Leute auf. Während wir den Ort des Geschehens langsam passierten, entfuhr Sebastian: „Ich glaub, ich träume.“

Es gefiel einem der jungen Herren, der Besatzung des Streifenwagens zu demonstrieren, dass sein Mittelfinger vollständig intakt und sehr gerade gewachsen war. Eine junge Frau, mutmaßlich seine Freundin, hängte sich förmlich in seinen Arm, um diesen herunter – und damit den Mittelfinger aus dem Bild – zu ziehen. Ohne Erfolg!

Das konnten meine beiden Herren natürlich nicht auf sich sitzen lassen, also hielt Stephan an. Personenkontrolle!

Der Besitzer des gut gewachsenen Mittelfingers erklärt Stephan und mir ein wenig abseits sehr ausführlich, dass wir ihn gerade massiv in seinen Kreisen störten:
„Da will man einfach einen schönen Abend mit seinen Freunden verbringen und dann sowas…“

Nun ja. Wer hat noch mal wem den Mittelfinger gezeigt?

Schließlich, als Stephan darauf so gar nicht mit Einknicken reagieren wollte, klärte er uns auf, dass er doch gar keinen Mittelfinger gezeigt habe. Wir hätten uns verguckt.
„Ich hab mit dem Zeigefinger auf das Polizeiauto gezeigt und dabei gesagt: ‚Das sind die Guten!‘ Fragt das mal meine Freunde.“

Genau das tat Sebastian gerade. Um sicherzugehen, dass die Freunde auch ganz bestimmt das Richtige aussagen, wollte der junge Herr sich auch gleich zu ihnen begeben, was allerdings Stephan nicht wollte.

„Bitte bleiben Sie stehen!“

„Hey! Stehenbleiben!“

Letztlich machte Stephan zwei Schritte um den Delinquenten drumherum und schob ihn zurück an dem Ort, an dem er ihn haben wollte.

„Heeee! Polizeigewalt!“

Ja, sicher…

 

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Freunde des jungen Mannes sagten alle aus, dass er der Polizei den Mittelfinger gezeigt habe. Jede andere Aussage wäre ja auch völlig sinnlos gewesen.

So gewinnt man dann auch eine Anzeige wegen Beleidigung.

 

Bliebe noch der Herr zu erwähnen, der anhand meines Aufzugs erkannte, dass ich irgendwie nicht Polizei bin und sich interessiert erkundigte, was ich da mache. Ich erklärte es ihm kurz, er erkundigte sich dann noch danach, wo der Artikel erscheinen würde. Auch das erklärte ich. Bin gespannt, ob er es lesen wird.

Beim weiteren Bestreifen der Gegend passierten wir eine Gruppe Jugendlicher, von denen einer plötzlich losbrüllte: „Hey, guck mal, die haben einen hinten drin.“

Herrlich! Deswegen mache ich diese Schichtbegleitungen so gerne mit. Mein Sinn für Ironie bekommt immer wieder Futter.

 

Da es im Frühsommer über einen langen Zeitraum zu heiß und zu trocken gewesen war, hatte das Land Rheinland-Pfalz die höchste Waldbrandalarmstufe ausgerufen. Entsprechend war es wenig verwunderlich, dass wir einen Einsatz reinbekamen, bei dem es brannte. Also so richtig, meine ich. Bei der Polizei brennt es ja häufig…

Hier sollte ein Gartenhäuschen in Flammen stehen.

„Feuerwehr ist auch alarmiert.“

Blaulichtfahrt.

Am angegeben Ort wurden wir von einem jungen Mann erwartet, der sich als unser Anrufer herausstellte. Er wies uns direkt ein!

Der Eigentümer des Gartenhäuschens löschte schon das Gartenhaus erfolgreich mit seinem Schlauch. Allerdings kokelte der Hang darunter fröhlich vor sich hin.

Stephan und Sebastian machten sich auf den Weg zu ihm, währenddessen fiel mir die Aufgabe zu, die Feuerwehr einzuweisen.

Die löschte dann auch in Windeseile den glimmenden Hang und kontrollierte mehrfach, ob sie auch alle Glutnester erwischt hatte.

Erst dann war Zeit, sich die Aussage des jungen Mannes anzuhören, der den Notruf abgesetzt hatte. Seine Partnerin und er waren gerade schlafen gegangen, als sie Brandgeruch wahrnahmen. Obwohl ihr Schlafzimmer zur anderen Seite rausgeht, sahen sie den Feuerschein im Fenster des gegenüberliegenden Hauses. Der junge Mann rannte sofort auf die Straße, weckte die betroffenen Nachbarn und rief die 110 und die 112 an. Alles richtig gemacht! Bravo!

 

Kaum bestreiften wir wieder die Gegend, als wir über Funk hörten, dass im Bereich der Nachbar-PI ein Notruf eingegangen war. Ein Mann war dabei gesehen worden, wie er auf einem Volksfest ordentlich dem Alkohol zugesprochen hatte. So weit so gut, allerdings war er mit einem mutmaßlich sehr strammen Alkoholpegel in sein Auto gestiegen und losgefahren. Dabei hatte er noch einen Fußgänger gestreift.

„Wir haben alle Streifen im Einsatz“, hörten wir als nächstes.

Ein Fall für Stephan und Sebastian.

Die nächste Blaulichtfahrt. Und dieses Mal so richtig lang. Direkt zur Wohnadresse des Herrn. Na gut, kurz vorher schaltete Sebastian die Sondersignale ab. Kein Grund, das ganze Wohnviertel aus dem Schlaf zu reißen.

Mittlerweile hatten wir auch das Kfz-Kennzeichen sowie eine Beschreibung des Wagens und des Mannes, den wir suchten. Noch während wir Ausschau nach dem Kfz hielten, kam ein Mann in der entsprechenden Altersklasse um die Ecke gebogen. Zu Fuß!

Ich (leise): „Der passt doch auf die Beschreibung?“

Stephan (laut): „Herr X.?“

Der Mann: „Ja?“

Bingo!

Er wusste auch sofort, was die Polizei von ihm wollte.

Ein Atemalkoholtest ergab einen ziemlich hohen Promillewert, also musste der Herr von uns in den Streifenwagen verladen und zur Polizeiinspektion Straßenhaus zur Blutprobe gefahren werden.

So lernte ich dann auch mal diese Dienststelle kennen.

Es dauerte eine Weile, bis der Arzt eintraf. Herr X. war übrigens von Beginn an freundlich und sehr einsichtig.

„Ich habe diesen Fehler gemacht und keiner sonst.“

Daran sollten sich so einige ein Beispiel nehmen, mit denen die Polizei zu tun bekommt.

Da er sich so kooperativ gezeigt hatte, und wir eh über seinen Wohnort zurück nach Neuwied mussten, nahmen Stephan und Sebastian ihn mit, um ihn bei sich daheim abzusetzen. Sehr nett!

Auf der Fahrt erkundigte sich Herr X. sehr intensiv danach, was nun passieren würde. Stephan klärte ihn auf, soweit er das sagen konnte – schließlich entscheidet das die Staatsanwaltschaft.

 

Ein in Osteuropa zugelassenes Fahrzeug kreuzte unseren Weg. Da war eine Verkehrskontrolle angesagt. Viele Fahrzeughalter lassen ihre Fahrzeuge nämlich nur sehr ungern in Deutschland zu, weil die Kfz-Steuer hierzulande ungleich höher ist als in den meisten Ländern Osteuropas. Allerdings muss, wer in Deutschland seinen Wohnsitz hat, natürlich auch in Deutschland seinen Wagen zulassen.

Und Bingo! Der Halter wohnte seit drei Jahren in Deutschland, der Wagen war seit drei Monaten (!) zugelassen – in Osteuropa. Bei unterstelltem linearen Verlauf der Zeit kann es sich da kaum um ein Vergessen handeln…

Natürlich mopperte der Halter auch gleich herum, dass er nur angehalten worden sei, weil er Ausländer sei.

Nun, eigentlich nicht!

Er war angehalten worden, weil der eine oder andere mit ausländischem Kennzeichen vergisst, sein Kfz hier zuzulassen – so wie er es „vergessen“ hatte.

Ich bin auch schon mal angehalten worden, weil mein Auto alt und dreckig war und somit ins „Raster“ „Drogen am Steuer“ fiel. Man kann dann die eingesetzten Polizisten bepöbeln, man kann aber auch einfach seinen Wagen mal durch die Waschanlage fahren – oder wahlweise korrekt zulassen.

 

Nächster Einsatz: eine Schlägerei. Diese war allerdings nicht existent. Hingegen winkten am uns durchgebenen Ort drei junge Leute den Streifenwagen heran. Beim zweiten Durchfahren der Straße wohlgemerkt. Es stellte sich heraus, dass es sich vielmehr um eine familiäre Auseinandersetzung handelte.

Eine Mutter war nicht einverstanden mit dem Freund ihrer Tochter. Keine günstige Verhandlungsposition für die Mutter, da die Tochter bereits von diesem schwanger war. Diese junge Frau und der besagte Freund waren zwei der drei jungen Leute. Die Wortführerin war eine Freundin der Schwangeren.

Nach allem, was ich den äußerst wirren Angaben, die da auf meine beiden Herren einprasselten, entnehmen konnte, war da auch noch ein rechtsextremer Exfreund im Spiel, mit dem die Mutter wohl gemeinsame Sache mache, weil der neue Freund Ausländer sei.

Jedenfalls fürchtete man nun um die Katzen der Tochter, da sich der Ex und die Mutter nun auf den Weg zur Wohnung der Tochter gemacht hatten. Die sich übrigens im Wohnhaus der Mutter befand.

Von der Polizei wurde nun erwartet, zur Wohnung der Tochter zu fahren, um die Katzen zu retten.

Dies lehnten Stephan und Sebastian ab. Solange keine strafbare Handlung vorliegt, sondern nur Annahmen, kann die Polizei nichts machen. Es lag keine konkrete Gefahr für die Katzen vor. Familienstreitigkeiten sind auch erst einmal nichts, was die Polizei tangiert, so lange keine Straftaten im Raum stehen.

 

An diesem Punkt wollten meine beiden Herren sich an ihre Berichte machen und wir fuhren in die Dienststelle. Dort wurde ich noch einmal intensiv zum Verein und zu meiner Tätigkeit ausgefragt.

 

Schließlich musste die Polizei Neuwied noch einmal alles auf die Straße werfen, was sie hatte.

Häusliche Gewalt.

Wir rückten mit insgesamt fünf Streifenwagen aus.

Weil die Nummerierung der Häuser dort nicht wirklich logisch war, parkten wir etwa 100 Meter weiter. Kein Ding, die rheinland-pfälzische Polizei kann sehr schnell rennen.

Einsatzort war der 5. Stock. Ich traf als Letzte ein. Ich würde ja gern behaupten, dass das nur daran läge, dass ich netterweise den Profis Platz gemacht hätte (was ich getan habe), aber… nun ja… selbst, wenn ich gewollt hätte, wäre ich nicht schnell genug für einen anderen Platz in diesem Rennen gewesen. wp-monalisa icon

Im entsprechenden Stockwerk angekommen, hörte ich schon ein herzhaftes „Durak“ (russisch, in etwa „Vollidiot“) in den Flur schallen.

Damit titulierte der Familienvater, der gerade für zehn Tage der Wohnung verwiesen wurde, seinen Sohn, der die Polizei gerufen hatte. Ansonsten war er aber recht friedlich, so dass eine Streife schon mal wieder abrückte.

Die Polizei wollte einen Alkotest machen. Der Alkomat lag in den Streifenwagen. Fünf Stockwerke tiefer und 100 Meter weiter.

„Gerke…“

Hmpf!

„Ja?“

„Kannst du mal…?“

„Klar.“

Sieh es positiv – so kriegst du um drei Uhr morgens schon vorm Aufstehen den Schrittzähler für den Tag voll…

Als ich wiederkam (ich war gar nicht mal so sehr aus der Puste), hörte ich, wie der Herr meine Begleiter darüber aufklärte, wie übertrieben der ganze Einsatz sei. Das war ja noch nie da gewesen. Das hätte ich ja nun um kein Geld der Welt verpassen wollen.

„In Russland kommt ein Polizist für zehn Leute. Hier kommen zehn Polizisten für einen.“

Nun ja. In Russland ist die Polizei auch ein bisschen anders drauf als hier. Ich persönlich hab ja lieber eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei als eine Ordnungsmacht nach russischem Vorbild.

Letztlich verließ er aber dann die Wohnung.

 

Mit diesem denkwürdigen Einsatz endete diese Nacht. Es soll für Neuwied wieder eine untypisch ruhige Nacht gewesen sein. Ich für meinen Teil fand es wie immer sehr spannend, unserer Polizei bei der Arbeit zuzusehen und fand auch nicht, dass meine beiden Herren zu wenig zu tun gehabt hätten. Und was das für Neuwied typische Einsatzaufkommen betrifft – ich gebe nicht auf. Ich komme wieder… wenn ich darf… wp-monalisa icon

 

Im Nachgang dazu teilte Stephan mir einige Tage später mit, dass der junge Mann, der seinen Mittelfinger so schön fand, dass er ihn uns um jeden Preis zur Schau stellen wollte, sich im Nachgang persönlich in der Dienststelle bei Sebastian und Stephan entschuldigt hatte.

„Es gibt doch noch anständige Jungs!“

Erfreulich! Zum Glück!

Polizeiarbeit

Petition: Änderung der Landeserschwerniszulagen – Verordnung; Wechselschichtzulage

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

anbei ein Link zu einer Petition an den Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz. Es geht dabei um die Wechselschichtdienstzulage, die jeder Beamte, der Schichtdienst versieht, erhalten sollte. Schichtdienst ist bekanntlich mit besonderen körperlichen und seelischen Belastungen verbunden, entsprechend sollte er also auch entlohnt werden.

Näheres bitte ich dem Link zu entnehmen, da ist es besser erklärt als ich es könnte.

https://formular.derbuergerbeauftragte.rlp.de/icc/assisto/nav/237/broker.jsp?uMen=2372ab86-608f-d216-0b60-987fcb2c4510&uCon=eef07d37-9e80-e51c-554b-0f6c1847c614&uTem=5242ab86-608f-d216-0b60-987fcb2c4510&class=net.icteam.cms.utils.externalContents.ExternalContentManager&class_lookup=petition&petitionID=eef07d37-9e80-e51c-554b-0f6c1847c614

Ich habe diese Petition selbstverständlich gezeichnet, vielleicht möchte sich mir ja der eine oder andere Leser anschließen. Danke für Eure/Ihre Unterstützung.

Herzliche Grüße und allen eine wunderbare Woche,

Gerke Minrath