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Offener Brief an die Mitglieder der Online-Communitys: Mildred macht Pause

Meine lieben Leser, liebe Mitstreiter,

vorab möchte ich sagen, dass dieser offene Brief nur eine Minderheit betrifft, aber wie üblich eine Mehrheit davon betroffen sein wird. Wobei das Schweigen der Mehrheit damit durchaus etwas zu tun hat. Allerdings muss sich wirklich nicht jeder den Schuh anziehen, den ich hier hinstelle. Ganz besonders nicht jene, die mir fleißig mit PMs unter die Arme greifen oder meine Co-Admins sind, oder mir ab und zu rückmelden, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Da habe ich mich also die ganze Woche, die sehr anstrengend und hektisch für mich war, auf mein Wochenende gefreut. Weil ich da mal ein bisschen Pause machen wollte,was auch nur begrenzt gelingt, weil beruflich dermaßen der Kittel brennt, dass ich jede Menge Arbeit mit nach Hause genommen habe. Ich glaube, ich sagte schon mehrfach, dass ich „nebenher“ einem Beruf nachgehe. Abgesehen davon, dass man diese Information auch auf der Projekthomepage nachlesen kann.

Schon der Start ins Wochenende wurde mir mal wieder so richtig versaut.  Als erstes erhielt ich eine Beschwerde aus dem Bereich WKW. Meine Art der Informationsdarstellung dort ist nicht genehm. Dabei hatte ich mehrfach erklärt, warum ich es so handhabe.

Mal ehrlich – ich glaube allmählich, mich streift ein Bus.

Abgesehen davon, dass ich es als nur sehr mäßig höflich und einfühlsam empfinde, das Wochenende anderer Menschen damit einzuleiten, indem man ihnen erstmal hinreibt, was sie alles falsch dabei machen, wenn sie sich ihren Arsch bis zur Halskrause aufreißen, geht es doch um etwas ganz anderes:

Sagt mir, wenn ich mich täusche, aber ich dachte bisher, es geht hier eigentlich um das Projekt „Keine Gewalt gegen Polizisten“. Also um die Sache. Mir geht es jedenfalls in erster Linie darum. Was der Hauptgrund dafür ist, dass ich die WKW-Gruppe immer noch am Leben halte. Weil ich hoffe, dass trotz der minimalen Resonanz, die zum lange dort von mir gelieferten Input in keinerlei Verhältnis stand, Leute erreicht werden können. Den damaligen Input kann und will ich zur Zeit einfach nicht leisten. Aus Gründen, die ich wahrlich oft genug dargelegt habe.

So, jetzt rede ich mal ganz kurz und ganz ausnahmsweise über mich. Nicht, dass ich das jetzt zum ersten Mal erkläre, aber ein Polizist lobte ja schon einmal mein Geduld (die ich vorher nicht hatte, insofern hat mich dieses Projekt echt weitergebracht):

Ich mache das hier seit nunmehr fast zwei Jahren. Jeder Versuch, kostenlose Hilfe in meinem Sinne zu bekommen, ist gescheitert. Ich mache das gern, aber es ist ein Arsch voll Arbeit, den ich so gut erledige wie ich kann.

Zu 95% ALLEIN!

Ich denke, wenn man sich das vor Augen hält, kann man wohl sagen, dass ich es sehr gut mache.

Es ist auch aus meiner Sicht niemandem zuzumuten, das gleiche Herzblut und die gleiche Leidenschaft wie ich in das Projekt zu legen, deshalb kann niemand kostenlos meinen Job machen. Das verstehe ich.

Mein Tag hat, Überraschung, Überraschung, ganze 24 Stunden. Darin sind enthalten mindestens 8 Stunden für meinen Hauptberuf (eher mehr), im Schnitt 3 Stunden für das Projekt (eher mehr), dazu Essen, Schlafen, Familie, ab und zu etwas mit Freunden unternehmen. Ach ja, eine Ausbildung zur Seelsorgerin mache ich auch noch. Was ja auch zum Projekt gehört.

Meinem Hobby „schreiben“ habe ich seit letztem Sommer exakt einmal gefrönt – es kam dabei eine drei Seiten lange Kurzgeschichte heraus. Früher, vor „Keine Gewalt gegen Polizisten“, habe ich in vergleichbaren Zeiträumen 700-Seiten-Romane verfasst. Nur mal so als Richtwert, was ich bereits gebe.

Ich erwarte nicht, dass man dafür vor Dankbarkeit vor mir auf den Knien liegt. Ich gebe das nämlich gerne und von Herzen.

Aber ich erwarte im Gegenzug ein Minimum an Entgegenkommen und Respekt. Respekt im Sinne der Grundwertschätzung, die jedem menschlichen Wesen aufgrund seiner Menschenwürde zusteht. Aus meiner Sicht hat es mit Menschenwürde nicht allzu viel zu tun, jemandem, der sich freiwillig den Arsch aufreißt bis zur Halskrause, mitzuteilen, dass er ihn noch nicht weit genug aufreißt. Und das an einem Wochenendbeginn nach einer harten Arbeitswoche, in der dieser Mensch das Projekt trotzdem weiter betrieben hat.

Ich wünsche mir von den Unterstützern des Projekts eine Winzigkeit an Eigeninitiative. Und eben nicht noch mehr Ansprüche an meine Person. Möglicherweise erwarte ich auch von denen, die das nicht so sehen wie die Anspruchsteller, ein bisschen Rückendeckung. Ich bin mir da nicht sicher. Aber gut anfühlen würde es sich schon, wenn sich auch nur einer der vielen tausend Mitleser aus sich heraus an meine Seite stellen könnte und die Anspruchsteller mal fragen könnte, ob sie das wirklich selbst angemessen finden, was sie fordern.
Es ist nämlich eine Sache, es irgendwo in einer theoretisch über mir schwebenden Wolke zu wissen, dass die Mehrheit das nicht so sieht. Es ist aber eine ganz andere Sache, das zur Abwechslung mal demonstriert zu bekommen, indem man öffentlich nicht allein im Regen stehen gelassen wird.

Weiters erwarte ich auch ein bisschen Geduld, bis das Projekt zum Verein geworden ist und damit eine juristische Grundlage dafür da ist, dass ich mir bezahlte Hilfe leisten kann. Dann wird vielleicht die Informationsdarstellung auch wieder besser. Kommt auf das Geld an, das reinfließt… So eine Vereinsgründung lässt sich allerdings auch nicht übers Knie brechen. Ich arbeite dran. So schnell es geht. Mehr geht nicht. Punkt!

Es geht bei dem Projekt „Keine Gewalt gegen Polizisten“ um die Sache. Sollte es da nicht egal sein, wo es stattfindet? Ist es vor dem Hintergrund des Projektzweckes wirklich unzumutbar, ein E-Mail-Abo meiner Blogs durchzuführen? Das sind ganze zwei Mausklicks. Wem das zu viel ist, der kann doch einfach den Links zu meinem Blog folgen. Ist das tatsächlich schon zu viel verlangt? Speziell von jenen, die hier sowieso nur mitlesen wegen der Informationsbeschaffung und weil es ihnen guttut? Es ist schön, dass es Euch guttut. Das freut mich und ist auch Sinn des Projekts, aber kann man lesen nicht auch in meinen Blogs, von denen einer exakt die Infos abbildet, die auch in den Online-Communities zu finden sind????

Wem das zu viel ist, der kann sich ja mal überlegen, wie viel Arbeit es bedeutet, diese Informationen zusammenzustellen. Abgesehen davon, dass es wirklich nicht die allerlustigste Lektüre ist, sich täglich in Meldungen über Gewalt gegen Polizisten zu vertiefen und dabei auf Twitter den unsäglichen Menschen verachtenden Dreck aus der Extremistenecke zur Kenntnis nehmen zu müssen und so ganz nebenbei jeden Tag um die 500 Polizeipressemeldungen zu streifen. Ob es vor dem Hintergrund wirklich angemessen ist, sich bei mir über die Darstellung der Informationen zu beklagen?

Nein, ich finde das jedenfalls nicht angemessen.

Nun zu einem Hilfsangebot, dass ich erhalten habe. Ich finde Hilfsangebote toll. Allerdings habe  ich an der Stelle, an der ich es erhalten habe, bereits mehrfach klar geäußert, wie man mir helfen kann. Zum Beispiel, indem man Besserungswünsche für verletzte Polizisten genau an der Stelle hinterlässt, um die ich bitte, nämlich in meinem Blog. Wem es also wirklich um das Projekt geht, der erfüllt einfach meine simplen Bitten um Hilfe.

Allerdings habe ich über dieses Angebot nachgedacht und möchte eine weitere Bitte um Hilfe äußern:

Hilfreich wäre, angesichts der vielen Projektfacetten, mir die Links, die Ihr postet, auch an meine Mailadresse zu schicken, anstatt mir noch eine zusätzliche Plattform zu schaffen, die ich einsehen muss. Auch das würde mir Arbeit sparen. Wem zwei Links zu setzen zuviel ist, kann es auch nur an mich mailen. Immerhin schreibe ich im Regelfall immer dazu, woher ich den Link habe.

Auf Facebook ist die Resonanz so gut, dass ich das vollkommen in Ordnung finde, wenn ein Teil der Diskussion dort läuft, anstatt in meinem Blog. Auch mit Links auf Facebook kann ich gut leben, weil ich darüber eine Benachrichtigung bekomme.

Wenn ich jedoch explizit und in klaren, deutlichen Worten darum bitte, Besserungswünsche für verletzte Polizeibeamte direkt in meinem Blog zu hinterlassen und das einfach mal locker ignoriert wird und der erste Post unter dieser Bitte ein Besserungswunsch ist, dann weiß ich nicht so genau, was ich davon halten soll.

Erstens würde mir das eine Menge Zeit sparen. Überlegt doch mal bitte: ich poste die Meldung einmal, anstatt mehrfach. Ich muss nicht mehr an mehreren Stellen nachfragen, ob Ihr einverstanden seid damit, das Ganze an den betroffenen Polizisten zu schicken, denn ein Post in einem öffentlich einsehbaren Blog zeigt implizit, dass man mit Öffentlichkeit einverstanden ist. Ich spare mir, auf die Antworten auf diese Frage zu warten, ich muss nicht mehr an mehreren Stellen Screen-shots machen, Bilder bearbeiten, das Ganze farbig ausdrucken, in einen Umschlag stecken und zur Post tragen. Ich kann eine Karte von KGgP nehmen, liebe Wünsche aller KGgPler draufschreiben und auf den für jeden einsehbaren Blog verweisen.

Wenn diese winzige Bitte, die für mich große Auswirkungen hat, einfach kommentarlos ignoriert wird, fühlt sich das für mich so an, als sei meine Hingabe an das Projekt schon in den Bereich der selbstverständlichen Dienstleistung gelangt. Es fühlt sich an, als sei es egal, was die doofe Mildred möchte – Hauptsache, sie funktioniert. (Ich sage nicht, dass jemand so denkt, ich sage lediglich, wie es sich für mich anfühlt.)

Zweites ist es doch auch für den verletzten Polizisten ganz schön, wenn er diese netten Worte lesen kann, ohne irgendwo in eine Online-Community eintreten zu müssen. Auch für ihn bedeutet das freien Zugang zu Informationen, die ihn betreffen. Und wenn er sehen kann, dass sich Menschen öffentlich hinter ihn stellen.

Drittens wäre es ja auch ein eindeutiges Signal an so manchen Extremisten und Sympathisanten von Extremisten, der mich aus Feindbeobachtungsgründen liest. Vielleicht löst es auch da Denkprozesse aus, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht über verletzte Polizeibeamte freuen, sondern Mitgefühl haben. (Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!)

Also geht es selbst bei dieser Bitte noch nicht einmal zu 100% um mich, sondern um die Sache. Vielleicht hilft das ja, meiner Bitte möglicherweise doch zu entsprechen…

Ich brauch jetzt mal eine Teilpause von dem Projekt. Den Rest meines Wochenendes würde ich nämlich gern genießen.

Es gab in letzter Zeit viele positive Rückmeldungen. Dafür möchte ich an dieser Stelle danke sagen.

Leider ist es  im Augenblick so, dass diese zunehmende Anspruchshaltung, die mir für ein unbezahltes und freiwilliges Ehrenamt ins Gesicht geschlagen wird, durch die positiven Rückmeldungen kaum noch aufgewogen werden kann.

Ich bin eigentlich nicht masochistisch veranlagt. Wenn ich anfange mich zu ärgern, gibt es erstmal keinen Grund für mich, die Sache, die mich ärgert, ohne Pause fortzusetzen. Ich unternehme jetzt mal etwas mit Lebewesen, denen es gut genug ist, was ich tue, und die mir zeigen, dass sie sich über die Zeit freuen, die ich ihnen widme.

Auf meiner Domain werde ich weitermachen. Wen das Projekt an sich wirklich interessiert, kann ja da gucken kommen. Den Rest werde ich noch sehen.

Liebe Grüße,

Mildred

P.S.: Bitte sagt mir jetzt nicht: „Aber wir haben Dir doch gesagt, dass wir Deine Arbeit schätzen.“ Das weiß ich und ich danke Euch für diese Rückmeldungen.  Aber wenn Ihr meine Arbeit schätzt, dann unterstützt sie auch bitte, indem Ihr schlicht ganz einfache und kleine Bitten erfüllt, die Euch nicht einmal Arbeit machen, mir sie aber stark vereinfachen.