Tag Archives: Gewalt gegen Polizisten

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Neuwieder Bullshit-Bingo

„Nur noch ein Stündchen“, sagte Aline und klang dabei auch ein bisschen müde.

„Joah“, sagte Stephan.

Ich auf meiner Rückbank hatte zu diesem Zeitpunkt deutliche Schwierigkeiten, die Augen aufzuhalten. Neuwied und Umgebung präsentierten sich nach einer durchschnittlich ereignisreichen Schicht sehr friedlich. Übermächtige Sehnsucht nach meinem Bett machte sich in mir breit. Ich hatte genug erlebt, um einen Artikel zu schreiben – von mir aus konnte jetzt gern das Schichtende in greifbare Nähe rücken.

Plötzlich knackte es noch mal im Funk:

„Fahrt mal zur folgenden Disko.“ (Es folgte eine Ortsangabe in der Innenstadt.) „Da hat es eine Erpressung gegeben, zwei Täter. Wo seid Ihr gerade?“

Zu weit weg. Zwei andere Streifen wurden vorgeschickt.

Aline warf die Sondersignale an, Stephan trat den Gashebel durch. Mit Blaulicht und Martinshorn brausten wir los. Mittlerweile braucht man mir das nicht zu erklären. Die fortgeschrittene Uhrzeit, eine Disko, eine Straftat – alles Zutaten, die man für eine hochaggressive Situation braucht – in die gerade mal zwei Streifen fuhren.

Symbolfoto

Meine Müdigkeit schlug um in wildes Pumpen von Adrenalin.

Über Funk hörten wir, wie die beiden anderen Streifenwagen eintrafen.

„Stephan, beeil dich“, rief Tobi aus dem Funk. Ganz klar unter Dampf.

Schluck.

Zum Glück waren wir fast da, Stephan hatte schon abgebremst.
„Wo sind die denn?“
Suchend sah er sich um.

„Da.“

Meine beiden Begleiter sprangen aus dem Wagen, rannten los, ich hinterher, in Richtung Menschenmenge.

Zwei Polizisten, Wolle und Niklas, hatten bereits einen Herrn auf der Motorhaube eines Streifenwagens abgelegt.

„Ich kann nicht atmen, ich kriege keine Luft“, schrie der laut. Übrigens derart ausgiebig, dass mit seiner Atmung ganz klar alles in bester Ordnung war. Im späteren Verlauf wurde er mit K. angesprochen. Fast über den gesamten Einsatz hinweg demonstrierte K. uns den hervorragenden Zustand seiner Atemorgane und Stimmbänder.

Den anderen Beamten, Tim, Lisa und Tobi, standen etwa 35 Personen gegenüber, die aufgebracht und teilweise aggressiv wirkten und auf die Beamten einredeten. Stephan begab sich zu den Kollegen, die der Menschenansammlung gegenüberstanden, Aline half Wolfgang und Niklas, da K. sich immer wieder mal wehrte.

Ich postierte mich in respektvollem Abstand zu den Beinen des jungen K., falls er nochmal auskeilen sollte. Möglichst nicht im Weg stehen, alles im Blick behalten, im Zweifel die Flucht ergreifen können. Natürlich weiß ich, dass die anwesenden Polizisten alles tun würden, um mich heil aus welcher Lage auch immer rauszubringen. Ich würde jedem einzelnen meiner bisherigen Streifenpartner mein Leben bedingungslos anvertrauen. Aber wenn ich es ihnen einfacher machen kann, indem sie gar nicht in die Lage kommen, mir den Allerwertesten retten zu müssen, finde ich persönlich das noch viel besser.

Aus der Menge kamen Rufe wie „Der hat doch gar nichts gemacht!“ und „Voll übertrieben!“

Schade, dass ich meine Bullshit-Bingo für Polizisten-Karte nicht dabei habe. Das wären schon mal zwei Haken!

Allerdings war mir nicht wirklich lustig zumute. Das waren etwa 35 Leute gegen sieben Polizisten. Mich selbst zähle ich ehrlichkeitshalber nicht dazu. Mein Trainingsstand ist im Vergleich zu dem der Beamten, mit denen ich unterwegs bin, nicht der Beste. Irgendetwas, womit ich im Zweifel zuschlagen konnte, war auch nicht in greifbarer Nähe.

Zwei Männer taten sich besonders hervor. Sie gingen aggressiv auf die Beamten zu.

„Bleiben Sie stehen!“

Diese Aufforderung erfolgte mehrmals.

„Nehmen Sie die Hände aus den Taschen.“

Stephan war unmissverständlich. Diese Ansage galt einem der beiden aggressiven Männer. (Wie ich später erfuhr, heißt er W.)

„Warum?“
Die Frage triefte nur so von Provokation.

Weil er es sagt? Und weil gerade keine Zeit und auch nicht ganz die richtige Situation ist, um Dir haarklein die Grundlagen der Eigensicherung zu erklären.

„Die Hände aus den Taschen.“
Stephan wiederholte seine Aufforderung.

Polizistinnen und Polizisten wissen nie, was ihr Gegenüber in den Taschen hat. Im schlimmsten Fall ein Messer oder eine Schusswaffe. Stephan und seine Kollegen wollten gesund an Leib und Seele nach Hause kommen – und das ist auch ihr verdammtes Recht!

Für den Bruchteil einer Sekunde nahm W. die Hände aus den Hosentaschen. Versenkte sie sofort wieder darin.

„Nehmen Sie die Hände aus den Taschen.“

W. ließ die Hände tief in den Hosentaschen.

„Dann geben Sie mir Ihre Personalien, Sie stören hier eine Amtshandlung.“

Nun wollte W. den Ort des Geschehens verlassen. Stephan griff nach ihm, W. schlug ihm gegen den Arm.

Mit einem Griff beförderte Stephan W. auf den Streifenwagen, dessen Motorhaube er sich nun brüderlich mit K. hätte teilen können.

Stattdessen leistete er heftigen Widerstand, keilte und schlug in alle Richtungen aus. Niklas sprang Stephan zu Hilfe.

Gemeinsam brachten sie W. zu Boden.

Im Gerangel ein heftiger Krach.

Ach du Sch****

Mein Adrenalinpegel stieg noch einmal an.

Später stellte sich heraus, dass durch die Gegenwehr von W. der Kotflügel des Streifenwagens eingebeult worden war.

Das Foto habe ich natürlich erst nach Schichtende gemacht. Es hätte sicherlich nicht deeskalierend gewirkt, wenn ich noch mit der Kamera durch den Einsatz gehüpft wäre.

W. wurden Handschellen angelegt.

Nahezu zeitgleich wurde der dritte im Bunde von Lisa und Tobi zu Boden gebracht.

„Wir brauchen Verstärkung für den Abtransport“, teilte Stephan über Funk mit. Das machte Sinn, in unserem Streifenwagen saßen drei Personen und wenn ich die Polizisten vor Ort durchzählte, war auch eine der anderen Streifen zu dritt eingerückt. Noch nie hatte sich einer der Menschen, die mit mir im selben Streifenwagen transportiert wurden, derart aggressiv gebärdet.

Tim nahm in der Zwischenzeit erste Personalien auf.

Eine blonde Frau rief: „Nun hör doch auf, dich zu wehren. Dann hört auch die Polizei auf. “

Mir war nicht klar, welchen der drei sie meinte. Aber sie zeigte damit eine durchaus realistische Einschätzung der Lage.

Ein weiterer Mann mischte sich ein:
„Ich bin ein besorgter Bürger. Ich hinterfrage die anlasslose Gewalt durch die Polizei, die ich mit ansehen musste.“

Bingo. Und… Hä? Wieso anlasslos?

Er wiederholte das mantraartig.

Stephan erteilte ihm mehrfach einen Platzverweis. Den ignorierte er fröhlich. Vielleicht ist er nicht mehr ganz so fröhlich, wenn er seinen Bußgeldbescheid in Höhe von 250 Euro für das Nichtbefolgen desselben erhält. Der nigelnagelneue §99a des POG RLP erlaubt das. Gute Sache, wenn man mich fragt.

 

„Der Einsatz ist vollkommen übertrieben“, kam irgendwo aus der Menge.

Bingo!

Ja, klar. Sieben Polizisten gegen 35 Mann, die sie attackieren und auf ihnen herumhacken und dann übertrieben.

Interessante Wahrnehmung.

Zwischenzeitlich war W. etwas runtergekommen, fuhr sich aber immer wieder hoch. Aline musste sich auf seine Beine setzen, damit keiner der Beamten von seinen Tritten getroffen wurde.

Niklas unterstützte wieder Wolle.

Ich stand weiterhin auf meinem Standort und versuchte, das Zittern meiner Knie zu unterdrücken, das durch die Flutung mit Adrenalin hervorgerufen wurde. Außerdem war es kalt. Und ich hatte Angst.

Die Menge wurde auch immer wieder durch entsprechende Zwischenrufe hochgebracht.

Was, wenn das hier kippt?

Schließlich rief Wolle laut:
„Die Securitys bitte mal alle zu mir.“

Hier sind Securitys?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich das gar nicht bemerkt.

Etwa fünf Männer traten hervor, Stephan wies sie dann an, sich als „Kette“ zwischen die Polizeibeamten, die ja mit den drei aggressiven Festgenommenen beschäftigt waren, und die Menge zu stellen.

Puh!

Mein Kniezittern ließ merklich nach.

Die Menge wurde dann endlich ruhiger, die ersten trollten sich sogar.

Ein weiterer, bis hierher unbeteiligter, Mann mischte sich ein:
„Ich kenne mich mit Strafrecht aus. Das ist ganz klar ein Rechtsbruch, was ich da vor mir sehe.“

Bingo!

Einer der Mitarbeiter der Security der Disko fragte ihn:
„Machen Sie das beruflich?“

„Ich hab BWL studiert. Aber ich habe auch Ahnung von Strafrecht.“

Ja, das sieht man ja gerade sehr deutlich…

Das Grinsen des Security-Mannes war in etwa so süffisant wie meine Gedanken zu dieser Thematik. Der Gerechtigkeit halber sei dazu gesagt, dass Stephan ihn so verstanden hat, dass der Mann den Polizeieinsatz für rechtmäßig befunden hätte.

 

Allmählich wurde K. ruhiger und konnte aus seiner Haltung entlassen werden. Niklas versuchte mehrfach, ihm zu erklären, dass er nicht wegen der Vorkommnisse in der Diskothek auf der Motorhaube des Streifenwagens gelandet war, sondern weil er auf ganz normale Fragen feindselig und explosiv reagiert hatte. Niklas fand einen Zugang zu K., der dann eine vernünftige Aussage machte.
Ein Bekannter von ihm, ein gewisser S., sei Opfer einer Erpressung geworden. Die Täter seien W. und der Mann gewesen, der gerade mit W. zusammen am Boden lag.
„Ich hab nur meinem Kumpel geholfen.“

„Wo ist denn der S.?“

„Der ist schon im Bett, der muss morgen arbeiten“, schallte es aus der Menge zurück. Tatsächlich war S. nicht mehr vor Ort.

Wie bitte?

Auch K. war darüber einigermaßen fassungslos, was noch verstärkt wurde durch den Spruch einer gemeinsamen Bekannten der beiden:
„Arbeiten ist wichtiger als das hier.“

Ach so?

Ok. Ausgeschlafen bei der Arbeit zu erscheinen ist wichtig. Sehe ich ein. Aber wichtiger, als einem Freund mit einer Aussage bei der Polizei weiterzuhelfen? Mein Freund wäre der die längste Zeit gewesen…

 

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit (meine Armbanduhr sagte was von 10 Minuten), hörte ich in der Ferne Martinshörner.

Oh bitte, lass das die Verstärkung sein.

Zuerst sah ich Blaulichter am Ende der Straße in der mittlerweile diesigen Nachtluft flackern.

Uff!

Dann sah ich sie verschwinden.

Was zum…

Quietschende Reifen.

Die Blaulichter kamen wieder mein Blickfeld.

Ein Motor heulte auf, ein Streifenwagen wurde sichtbar.

Halleluja!

Noch einmal quietschende Reifen. Vom Bremsen. Immerhin waren Kollegen in Not. Bei einer längeren Anfahrt zu solchen Situationen steigt der Adrenalinpegel nicht schlecht an. Besonders, wenn man sich in fremdem Dienstgebiet nicht so gut auskennt und deshalb um ein Haar falsch abgebogen wäre. Nichts, was mit einem Minimum an Einfühlungsvermögen nicht nachzuvollziehen wäre.

„Der hat zu viel GTA gespielt“, demonstrierte jemand aus der Menge einen eklatanten Mangel an genau diesem.

Witzig… ganz witzig…

 

Im Angesicht der neu hinzugekommen Beamten überzog W. Stephan mit einer ganzen Tirade an Unterstellungen, u. a. habe er ihn grundlos angegriffen.
„Sie sind brutal. Sie sind ein gewalttätiger Mensch.“

Die Neuankömmlinge kümmerten sich zuerst um den dritten Mann am Boden.

 

Eine zweite Streife aus Koblenz traf ein. Dem Streifenwagen entstiegen Sven und Kathi, „meine“ Streifenpartner aus meiner Nachtschicht bei der PI Koblenz 1.

Ich freute mich, sie zu sehen. Die beiden nahmen sich kurz die Zeit, mich zu begrüßen. Das freute mich auch, und es beruhigte mich kolossal.

Wenn dafür Zeit ist, ist die Situation jetzt genau so sehr unter Kontrolle, wie sie mir mittlerweile vorkommt.

Auch ihnen erzählte W. von Stephans „Brutalität“. Er schob nach:
„Ich hab nichts gemacht.“

Wenn man bedrohliches Verhalten, Widersetzen gegen eine polizeiliche Anweisung, Widerstand und Unterstellungen am laufenden Band als „Nichts“ definieren möchte…

Da auch die Koblenzer Polizei (wie wohl alle Polizistinnen und Polizisten) mit jeder Menge Leute zu tun hat, die alle nichts gemacht haben wollen, wussten Sven und Kathi diese Botschaften durchaus einzuordnen.

Die beiden brachten auch W. in die Dienststelle.

Im Nachgang erfuhr ich übrigens von Sven, dass auch in Koblenz 1 die Nachtschicht gerade dem Ende zugegangen war, als der Funkspruch aus Neuwied kam. Die Beiden hatten neun Minuten gebraucht, um von Koblenz nach Neuwied zu fahren (Respekt!). Auch meine Einschätzung mit dem gewaltigen Adrenalinpegel hatte gestimmt.

Ich glaube mich zu erinnern, dass noch ein weiterer Streifenwagen einrückte. Ich bin mir allerdings nicht sicher, da Stephan und Aline wieder in die Dienststelle wollten, um sich mit W. zu beschäftigen. Die Schicht neigte sich ihrem Ende zu, aber es war klar, dass die beiden Herren der Polizei noch jede Menge Arbeit bescheren würden. Da die Situation unter Kontrolle war, konnten wir drei auch abrücken.

Als wir auf dem Weg zum Streifenwagen waren, traf dann noch ein letzter Streifenwagen ein, der aus einem entfernten Winkel des Dienstgebietes der Polizeiinspektion Straßenhaus gekommen war. Der Fahrer hatte alles gegeben, aber es dauert eben eine Weile, derartige Entfernungen zu überwinden.

Stephan, Aline und ich fuhren in die Dienststelle. Die beiden Koblenzer Streifen waren mit den beiden Festgenommenen schon eingetroffen, einer der Herren saß im Flur, ein anderer in einem Vernehmungsraum. K. hatte mittlerweile gehen dürfen, da er sich komplett beruhigt und seine Aussage gemacht hatte.

 

Ich hatte im Einsatz mitbekommen, dass Niklas durch die Widerstandshandlungen von W. verletzt worden war. In der Dienststelle hatte er kurz Zeit, mir seine Blessuren zu zeigen.

 

Dazu kam noch ein geschwollenes Handgelenk. Das mag erstmal „gar nicht mal so schlimm“ aussehen. Niklas sagte auch, es sei gar nicht mal so schlimm.

Davon unbenommen ist die Tatsache, dass Polizistinnen und Polizisten das Recht haben, gesund nach Hause zu kommen. Das beinhaltet auch Kratzer und Schürfwunden.

Hinzu kommt, dass sich das Ganze im Nachgang dann doch nicht mehr so harmlos herausstellte. Niklas verschwand erst einmal, um sich in einem nahe gelegenen Krankenhaus untersuchen zu lassen.

 

Nach dem Austausch der Handschellen und einiger Informationen verließen die Koblenzer die Dienststelle.

Stephan und Aline vernahmen W., der weiterhin Handschellen trug (nun ein Neuwieder Modell, kein Koblenzer).

 

Es folgt ein Auszug aus seinem Benehmen den beiden Beamten gegenüber:

Er fragte Stephan mehrmals, warum er festgenommen worden sei, er habe nichts gemacht.

Stephan setzte mehrfach zu einer Erklärung an, wurde dann aber unterbrochen und angeschrien. Dabei fielen folgende Vokabeln:

„Sie sind doch nicht normal.“

„Sie ticken nicht ganz richtig.“

„Drecksack.“

Als Stephan und Aline ihn darauf aufmerksam machten, dass das nun eine Beleidigung sei, sagte er:

„Das ist mir egal, ich sage trotzdem Drecksack.“

Er erhöhte um:
„Ihr könnt mich am Arsch lecken.“

„Sie können mir einen blasen.“ (An Stephan gewandt.)

Örks!

 

Tobias versuchte, ihn einen Atemalkoholtest machen zu lassen. Anstatt einfach in das Plastikröhrchen des Alkomaten zu pusten, bombardierte W. Tobias mit Fragen:
„Warum bin ich hier? Warum mit Gewalt? Warum muss ich das machen?“ und an Stephan wieder und wieder: „Sie sind ein brutaler Mensch.“

Letztlich erklärte er zwar vordergründig seine Bereitschaft, in den Alkomaten zu pusten, tat es dann aber nicht.

Da Stephan und Tobias nicht bis abends mit dem Mann herumdiskutieren wollten, vermerkte Stephan in seinem Bericht, dass der Atemalkoholtest verweigert worden war. Dies teilte er W. mit. Der rastete verbal völlig aus.
„Wieso verweigert? Ich wollte doch pusten!“

Du hast aber nicht gepustet…

Entsprechend lautete Tobias nächste Frage:
„Stimmen Sie einer freiwilligen Blutprobe zu?“

Derselbe Tanz ging von vorne los. „Warum bin ich hier? Warum mit Gewalt? Warum muss ich das machen?“ Dieses Mal erweiterte er sein Repertoire um: „Ich habe den Alkotest nicht verweigert.“

Letztlich lief es auf dasselbe hinaus. Anstatt seine Bereitschaft zu erklären, sich vom Polizeiarzt Blut abnehmen zu lassen, schlug er den beiden sein Lamento um die Ohren.
„Ich habe mich gar nicht gewehrt.“

Der Dienstgruppenleiter rief den Dienst habenden Bereitschaftsstaatsanwalt an. Der ordnete eine Blutprobe an, entsprechend machte sich der Polizeiarzt auf den Weg zur Dienststelle.

 

Beim Warten auf den Polizeiarzt musste Stephan natürlich W. im Auge behalten. Gleichzeitig arbeitete er schon einmal an seinem Bericht zu dem Vorfall. Soweit das möglich ist, wenn man von der Seite pausenlos von W. beschimpft und beleidigt wird.

Niklas, mittlerweile mit Bandage, kam in den Raum, um Stephan den Befund vom Krankenhaus zu geben, da dieser in den Bericht zu dem ganzen Einsatz mit aufgenommen werden musste.

„Du warst doch gar nicht dabei“, behauptete W. schlankweg.

„Doch“, sagte Niklas.

„Ich hab mich doch gar nicht gewehrt. Du kannst nicht verletzt sein. Du bist doch ein kleiner Lutscher.“

„Wie bitte?“

Ich bewunderte Niklas gerade uneingeschränkt für seine Sachlichkeit. Ich kochte innerlich gerade wieder mal.

„Schlag mich doch, schlag mich doch, das willst du doch.“

Niklas lehnte dieses Angebot ab:
„Nein, das gibt mir nichts.“

 

Plötzlich brachte W. eine ganz neue Variante ins Spiel.
„Du hattest deine Füße in meinem Rücken“, warf er Stephan vor, als sein nicht enden wollendes Dauerlamento sich gerade mal wieder um dessen angebliche „Brutalität“ drehte.

Hä?

Das war definitiv nicht der Fall gewesen. Ich habe das von meinem Standort sehen können.

„Nein, das war mein Knie“, teilte Stephan ganz ruhig mit.

Genau so hatte ich das gesehen. Stephan hatte ihn teilweise allein mit dem Knie im Rücken am Boden gehalten.

„Du hast mir ins Gesicht getreten“, kam die nächste Neuigkeit aus den unerforschlichen Tiefen von W.s Fantasie.

Oh, wie ich kochte.

Es wäre für Stephan anatomisch schlicht unmöglich gewesen, W. aus der Position heraus, aus der er ihn mit seinem Knie am Boden gehalten hatte, ins Gesicht zu treten. Abgesehen davon, dass W. zwar ein ordentliches Hämatom aufwies und auch einige andere kleinere Verletzungen, die alle aber keinesfalls von einem ordentlichen Tritt mit dem Einsatzstiefel herrühren konnten.

„Du hast mich auch getreten.“
Nun war Aline an der Reihe, in den Genuss seiner Liebenswürdigkeiten zu kommen. Dabei hatte sie lediglich auf seinen Beinen gesessen, weil er mit den Füßen nach den Beamten gekeilt hatte.

„Ich wurde von euch zusammengetreten.“

Das wird ja immer besser.

 

Im Laufe seines Monologs sprang W. wieder und wieder auf und schrie herum. Zweimal mussten andere Polizisten hereingestürzt kommen, um ihn zu bändigen und auf den Stuhl zurück zu bringen.

Irgendwann brüllte er:
„Ihr könnt einen nur fesseln, ins Gesicht treten, auf einen Stuhl setzen und wenn er aufsteht, tretet ihr ihn wieder ins Gesicht.“

W. war auch in der Dienststelle zu keinem Zeitpunkt mit Tritten traktiert worden, er wurde lediglich mit Hilfe der Hände in eine sitzende Position gebracht. Langsam erreichte ich den Siedepunkt. Falsche Anschuldigungen und dann auch noch auf so eine Art und Weise, sind für mich mit das widerwärtigste Mittel in einer Auseinandersetzung.

 

„Ich bin vierfacher Familienvater. Ich bin selbstständiger Unternehmer. Was tun Sie mit mir?“
Als täte das irgendetwas zur Sache. W.s Benehmen war trotzdem unterirdisch.

„Rufen Sie Herrn X. an.“ Diese Aufforderung an Stephan und Aline erging mehrfach. Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass Herr X. offensichtlich bei der Kriminalpolizei beschäftigt ist. Lustigerweise war W. der festen Überzeugung, dass X. Stephans Vorgesetzter sei.

„Ich weiß genau, dass ich einen Anruf frei habe. Sie brechen gerade massiv das Recht.“

Bingo. Und du schaust zu viele amerikanische Krimiserien.

„Sie schauen sich offensichtlich zu viele amerikanische Krimiserien an“, wieRderholte Stephan meine Gedanken.

Deutsche Krimiserien wohl auch, wenn er glaubt, die Kripo sei der Schutzpolizei vorgesetzt…

Innerlich musste ich grinsen. Das fuhr meine Temperatur wieder etwas herunter.

 

„Ich habe der Polizei neulich erst 300 Euro gespendet.“

Die Polizei darf doch gar keine Spenden nehmen. Verwechselst du da was?

„Nun bin ich enttäuscht von der deutschen Polizei, wie soll man deutschen Polizeibeamten noch vertrauen?“

Nun, damit habe ich keine Probleme. Die bleiben nämlich konsequent bei ihren Vorwürfen (Erpressung, Widerstand und fertig). Du packst doch sekündlich eine neue Geschichte aus.

 

Mehrfach wandte sich W. an mich, was ich dazu denken würde.

Zuerst sagte er zu mir:
„Sie finden das sicher auch sehr lustig.“

„Ich kann hier gerade überhaupt nichts lustig finden.“

Fand ich auch nicht. Ich habe ja schon einige Aggressoren erlebt bei der Polizei (und alle hatten nichts gemacht), aber er war ganz klar ein Spitzenreiter. Insbesondere seine Verweigerung, den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und den Reaktionen der Polizeibeamten darauf auch nur im Ansatz anzuerkennen, war mir unheimlich.

„Was sagen Sie denn dazu? Ich hab doch gar nichts gemacht.“

Ich darf mich ja nicht einmischen, konnte mir aber, da er mich nun schon mal fragte, nicht verkneifen:
„Ich habe das alles genau so wahrgenommen, wie es die Polizeibeamten sagen.“

Offenbar verstand er mich nicht genau, denn er versuchte weiterhin, mich auf seine Seite zu ziehen. U. a. sagte er zu mir:
„Was sagen Sie denn dazu? Sie stehen ja auch ratlos da.“

Stephan sprang mir bei:
„Die ist nicht ratlos, die ist fassungslos, wie sich jemand so benehmen kann.“

„Das trifft es ziemlich genau.“

 

Eine weitere Beamtin, Annika, dokumentierte mit einem Fotoapparat seine Wunden, die er sich bei der Festnahme zugezogen hatte – soweit das möglich war.
„Halten Sie bitte still“, bat sie mehrfach.

„Ich halte doch still“, sagte W. – und zappelte derart herum, dass es wirklich schwer war, vernünftige Fotos zu machen.

 

„Ihr seid wie Bonnie und Clyde“, teilte er irgendwann Stephan und Aline mit. Alles andere wiederholte er mehr oder weniger regelmäßig. Stephan entschied schließlich, seine Body-Cam einzuschalten.

Gute Idee!

 

Selbstverständlich teilte Stephan W. mit, dass dieser nun gefilmt wird. Was diesen zu einer neuen Variante zu animieren schien:

„Flippen Sie öfters so aus?“ wollte er von Stephan wissen. „Ist die deutsche Polizei instabil? Soll ich das so meinen Töchtern erzählen? Wie soll man einer solchen Polizei vertrauen?“

„Sie sind ein schlechter Verlierer“, teilte er Stephan weiter mit. „Sie haben sich zum Affen gemacht. Was kann ich dafür, dass Sie Russlanddeutsche hassen? Sie sind rassistisch, Herr Y. Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?“

Rassistisch. Bingo.

 

Irgendwann sagte Stephan: „Es wäre besser, Sie würden endlich von Ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.“

Oh ja, bitte. Einfach still sein.

Auf sein Recht, die Aussage zu verweigern, hatte Stephan W. schon ganz zu Anfang mehrfach hingewiesen, aber der hörte ja nicht zu. Wie auch? Dazu hätte er ja für wenige Minuten aufhören müssen, herumzuschreien und Stephan zu beschimpfen.

„Wieso soll ich diesen Gebrauch machen? Ich habe doch nichts gemacht.“

Argh!

Aline versuchte es mit Vernunft: „Der Kollege hat Sie nur auf Ihr Recht aufmerksam gemacht, denn schließlich leiten wir gerade ein Strafverfahren gegen Sie ein.“

W. explodierte förmlich.
„Ein Strafverfahren? Dazu sind Sie nicht befugt. Ohne Staatsanwalt und ohne Richter.“

Aline versuchte ein letztes Mal, ihm zu erklären, dass Richter mitnichten Strafverfahren einleiten, sondern über Strafen entscheiden. Und dass die Polizei natürlich ein Strafverfahren einleiten darf. Ohne Erfolg. Ich persönlich tippe darauf, dass W. der Unterschied zwischen Straf- und Gerichtsverfahren nicht ganz klar ist. Aber Hauptsache, mal wieder der Polizei ihren Job erklärt.

Endlich kam der Polizeiarzt. Da W. auch hier zwar verbal Kooperationsbereitschaft signalisierte, sich aber körperlich sperrte und unkooperativ verhielt, wurde er mit Handschellen auf den Boden in eine liegende Position gebracht und der Arzt entnahm ihm dort sein Blut. Natürlich war auch das aus W.s Warte rechtswidrig, da weder Richter noch Staatsanwalt zugegen seien.

Allen drei dabei anwesenden Beamten (Tobias, Stephan und Aline) drohte er an, dass sie ihren Job los seien (Bingo!). Stephan und Aline bescheinigte er noch: „Sie haben hier ihren Abgang.“ Was immer er damit meinte.

Die Body-Cam hing in einem ungünstigen Winkel an Stephans Revers. Sie würde in erster Linie interessantes Büromobiliar filmen, wenn W. zu Boden gebracht werden würde. Kurzerhand drückte Tobi mir das Gerät noch vor der Blutentnahme in die Hand, damit sie alles aufzeichnen konnte.

Schließlich halfen ihm die drei Polizeibeamten auf und brachten ihn ins Gewahrsam. Dort wollte er sogar noch Tobias seine Uhr in die Hand drücken… was auch immer er nun damit bezweckte.

Danach, es war mittlerweile fast eine Stunde über die Zeit, verließ ich die Dienststelle und machte mich auf den Heimweg. Ich hatte mich als Zeugin zur Verfügung gestellt. Also verfasste ich daheim meine Aktennotiz dazu, solange mein Gedächtnis noch frisch war. Dafür brauchte ich fast bis mittags. Es sei nur am Rande erwähnt, dass ich diese Nachtschicht „heimatnah“ hatte absolvieren wollen, um früh ins Bett zu kommen.

Meine Bullshit-Bingo-Karte war voll. Ok, drei Haken hatte ich einem Einsatz aus dem ersten Teil der Nacht zu verdanken. Dort wurden „meine“ Polizisten beglückt mit „Anstatt mal die Grenzen zu kontrollieren…“,  „Jeder darf hier rein, aber ich werde kontrolliert…“ sowie „Haben Sie keine richtigen Verbrecher zu jagen?“ Aber das wäre ein anderer Artikel…

Später erfuhr ich noch, dass W. den Richter beleidigt hatte, als der zur Polizeiinspektion kam, um über den weiteren Gewahrsam zu entscheiden. Der Richter entschied dann, ihn bis 16 Uhr im Gewahrsam zu lassen. Ebenfalls erfuhr ich, dass Niklas Verletzungen doch nicht so harmlos gewesen waren, wie sie oberflächlich ausgesehen hatten. Er wurde am Folgetag krank geschrieben.

Schon länger lese ich die auf wenige Zeilen komprimierten Pressemitteilungen zu solchen Einsätzen anders als früher. Seit dieser Nacht kann ich mir noch besser vorstellen, was an Zeitaufwand, Aggressionen, die an den Beamten ausgetobt werden, Arbeit und Emotionen dahinterstehen kann.

Auch wenn Stephan und ich unsere inneren Bullshit-Bingo-Karten vollgekriegt hatten – ich brauche solche Erlebnisse nicht wirklich.

Gewalt gegen Polizisten ist hässlich. Wenn man sie live sieht, ist sie noch viel hässlicher. Und wenn es Polizisten trifft, die man persönlich mag, dann ist sie an Hässlichkeit kaum zu überbieten.

Danke nach Neuwied! Ihr seid klasse!

Allgemein Schusswaffengebrauch Trauriges Verein

Forderungen nach Respekt und Schusswaffengebräuchen – in einem Atemzug?

Aus gegebenem Anlass hier noch einmal eine Erläuterung, für WEN wir unsere Arbeit machen – sei es auf Facebook, auf Twitter oder sei es der Löwenanteil unserer Arbeit außerhalb der sozialen Netzwerke (aka Realität).

In allererster Linie machen wir das hier, um jenen Polizistinnen und Polizisten, die Gewalt erleben mussten, Rückhalt aus der Bevöökerung zu signalisieren.

Darüber hinaus geben wir auch gerne Rückhalt an Polizeibeamte generell – für die fantastische Arbeit, die sie für uns alle tun.

Last but not least können sich auch unsere Vereinsmitglieder auf unseren Internetpräsenzen informieren, was so im Verein läuft.

Die erste genannte Gruppe ist jedoch prioritär – der Name des Vereins gibt da auch einen gewissen Hinweis. Entsprechend interessieren uns vorrangig deren Gefühle.

Ein Mensch (oder mehrere) wurde im Dienst an uns als Gesamtgesellschaft verletzt. Eine Organisation, die sich gegründet hat, um in solchen Fällen Rückhalt zu geben, hat eine Facebook-Seite / einen Twitter-Account. Auf diese schaut dieser Mensch dann… und muss zur Kenntnis nehmen, dass dort fröhlich mehr oder minder berufene Menschen ausführlich darlegen (zum Glück ist Twitter durch die Begrenzung auf 140 Zeichen da nicht ganz so intensiv, aber gruselig genug), was er alles falsch gemacht haben soll. Menschen, die bei dem Einsatz nicht einmal dabei waren und in nicht wenigen Fällen ganz eindeutig keine blasse Ahnung von Polizeiarbeit haben. Aber Hauptsache, mal einem Opfer von Gewalt öffentlich deutlich machen, dass es selbst einfach zu doof war.

Am besten packt dann noch mindestens ein Schlauberger (allerdings ist auch hier eine steigende Tendenz erkennbar) eine Forderung nach einem Schusswaffengebrauch hinzu, mit einem Hinweis darauf, dass es anders ja wohl nicht mehr ginge.

Früher hatten wir häufig das Problem, dass nach Schusswaffengebräuchen den Polizisten erklärt wurde, was sie stattdessen  hätten tun sollen (von Leuten, die keinen Fatz mehr Ahnung hatten als jene, die heute bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach einem Schusswaffengebrauch schreien), um das zu vermeiden. Heute ist es umgekehrt.

Geht es eigentlich noch? Wo leben solche Menschen eigentlich? Im Fernsehen, in irgendwelchen Actionserien, wo irgendwelche Typen (deren Sozialkompetenz mir vielfach äußerst fragwürdig erscheint) reihenweise Leute umnieten ohne einen Hauch von Gewissensbissen zu verspüren?

Leute, werdet mal erwachsen. Die Realität ist eine andere. Ein Schusswaffengebrauch gegen einen Menschen ist kein Spaziergang. Manche der Betroffenen gehen danach durch ein wahres Martyrium.

Wer sowas leichtfertig fordert, verübt Gewalt gegen Polizisten – in einer sehr heftigen Weise.

Aber das ist diesen Leuten wohl egal. Man selbst muss es ja nicht machen. Hauptsache, mal wieder irgendwas in eine Kommentarspalte gekotzt…

Abgesehen davon, dass die betroffenen Beamten kompetent genug sind, sowas selbst zu entscheiden. Wenn sie sich gegen die Ultima Ratio, das letzte Mittel, entschieden haben, dann haben sie sich dagegen entschieden. Und das ist dann, verdammt noch mal, zu respektieren.

Ich kann jedenfalls nur noch müde lächeln, wenn da jemand „Respekt“ einfordert, der selbst auf diese Weise Respektlosigkeit demonstriert – gegenüber den Polizisten, die er auf derartige Weise belehrt, denen er eine derartige Entscheidung aufzwingen will und letztlich auch gegenüber dem Gewaltmonopol, um das er sich vorgeblich solche Sorgen macht.

Für diese Menschen noch ein Rat, bevor sie blockiert werden: Fangt mal bei Euch selbst an mit dem Respekt!

Das gilt übrigens auch für sämtliche Pöbeleien an UNSERE Adresse im Zusammenhang mit diesem Post. Es hat auch etwas mit Respekt zu tun, sich zu informieren, was eine Institution eigentlich will, der man das Leben erklärt – und für uns steht das Gewaltmonopol genau so wenig zur Disposition wie die Tatsache, dass die Polizistinnen und Polizisten, für die wir das tun, bei uns an erster Stelle stehen.

 

Allgemein Polizistenstimmen Verein

Nach Urteil positives Feedback aus Berlin

Am 11. Februar diesen Jahres wurde in Berlin ein Polizist brutal angegriffen und verletzt. Die Polizei Berlin veröffentlichte dazu die folgende Pressemitteilung:

Berlin: Polizeibeamter bei Einsatz angegriffen und verletzt

In Wittenau musste in der vergangenen Nacht ein Polizist nach einem gewalttätigen Übergriff mit Kopf- und Halswirbelverletzungen seinen Dienst vorzeitig beenden. Gegen 22.40 Uhr wurde die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus in der Invalidensiedlung alarmiert. Hier waren mehrere Personen in Streit geraten und es soll zu einer Körperverletzung und einer Sachbeschädigung gekommen sein. Während die Beamten mit den Beteiligten das Geschehen klärten, griff für die Polizisten unerwartet eine bis dahin unbeteiligte 45-Jährige einen der Beamten an und würgte ihn. Beide fielen zu Boden. In diesem Moment schlug der 18-jährige Sohn der Angreiferin mehrfach mit den Fäusten auf den am Boden liegenden Polizisten ein, bis schließlich weitere Streifenbeamte die Prügelattacke beendeten und ihren Kollegen aus dem Würgegriff befreiten. Bei den Ermittlungen zu den Gründen der Angriffe stellte sich heraus, dass der 18-jährige als Tatverdächtiger der vorangegangenen Straftaten infrage kommt. Hierbei hatte er sich augenscheinlich auch eine Verletzung am Bein zugezogen, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Während der Ermittlungen beleidigte der junge Mann einen der Beamten noch als „Nazi“. Im Anschluss der polizeilichen Beweissicherung konnten die Beteiligten ihren Weg fortsetzen. Die Ermittlungen dauern an.

Natürlich für uns von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. ein ganz klarer Fall für eine Genesungskarte.

Symbol_Handschrift

Letzte Woche erreichte uns folgendes Feedback:

„Durch die brutale Attacke war ich insgesamt 10 Wochen krank geschrieben. Kurz danach erhielt ich von eurer Organisation eine Genesungskarte. Schon damals war ich hoch erstaunt und erfreut über diese Organisation und deren Anteilnahme.

Heute war nun der Gerichttermin. Das Urteil nach dem JGG [Jugendgerichtsgesetz, Anm. der Red.]: Verwarnung, 600€ Schmerzensgeld umgehend, 300 € Schadensersatz innerhalb eines halben Jahres, 100 Sozialstunden zum Ausgleich der Justizgeschädigtenkasse, von der ich sofort das Schmerzensgeld erhalte.

Jetzt sage ich offiziell DANKE für eure Karte.

Gruß aus Berlin

René“

 

Danke René, für diese Rückmeldung. Das motiviert uns ja auch. Und danke für Deinen täglichen Einsatz für uns alle.

 

René schrieb übrigens im Nachgang dazu, dass er für sich persönlich mit dem Urteil zufrieden sei, als Polizeibeamter hingegen nicht ganz.

Wir finden das insgesamt für 10 Wochen Krankschreibung auch ein bisschen wenig, aber wenigstens ist überhaupt etwas passiert und es hat Geld gekostet, was vermutlich dem Täter wenigstens ein bisschen weh tun dürfte.

Allgemein Demo

Köln – Nachwehen des Demontrationsgeschehens vom 09. Januar 2016

Symbolfoto
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Eigentlich wollte ich zu Köln nichts schreiben. Zum einen ist über die Geschehnisse in der Silvesternacht so viel geschrieben worden, dass mir der Hype schon zu groß geworden ist. Hypes sind nicht so mein Ding. Meiner Ansicht nach verursachen sie einen Tunnelblick und man vergisst, an andere Orte zu schauen. Zum anderen war (und bin) ich Gefangene des Jahresabschlusses des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, was eine Menge Arbeit bedeutet, die mir nicht wirklich Spaß macht. Also habe ich eh keine Zeit und wenn ich welche hätte, würde ich sie sicherlich nicht auf einen Beitrag verwenden, mit dem man sich nur eine blutige Nase holen kann – von welcher Seite auch immer. Allerdings habe ich es ein wenig bedauert, dass ich dem Bundesinnenminister bzw. dem Innenminister von NRW keinen Brief schreibe, was ich von ihren unglaublichen Aussagen über die Kölner Polizei halte. Wie kann man als Innenminister so über seine Mitarbeiter reden? Und wer hat gemeinsam mit allen anderen Innenministern und -senatoren dieser Republik die Polizei kurz und klein gespart? Ein peinliches Schauspiel…

Aber gut, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, diese Briefe werde ich noch aufsetzen, auch wenn sie mit Sicherheit in entsprechenden Vorzimmern versanden werden und eine Antwort aus hübschen Standardtextbausteinen (wenn überhaupt) bei mir landen wird. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.

Auch möchte ich nichts dazu schreiben, wer da nun alles aus der Silvesternacht in Köln versucht, politisches Kapital zu schlagen und angebliche Lösungen anbietet. Auch dazu wurde schon alles geschrieben. Ja, mich beunruhigt das auch, was da passiert ist. Ob man dem Problem allerdings mit wildesten Verallgemeinerungen beikommt, wage ich mal zu bezweifeln. Das scheinen aber offenbar viele Menschen zu glauben, was mich nicht weniger beunruhigt als die Vorfälle selbst.

Am 09.01.2016 rief Pegida NRW als Reaktion auf die besagten Vorfälle der Silvesternacht zu einer Demo auf. Ich lasse an dieser Stelle der Polizei Köln das Wort. Obwohl ja derzeit jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, auf die Kölner Polizei zeigt, erscheint mir die Polizei doch als einzig Vertrauen erweckender Protagonist in der seit Samstag losrollenden Geschichte:

„Die Polizei hat am Nachmittag die Versammlung von Pegida NRW nach gewalttätigen Ausschreitungen aufgelöst. Teilnehmer hatten Einsatzkräfte der Polizei mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen. Die Polizei nahm mehrere Personen zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam. Bei den gewaltsamen Übergriffen wurden mehrere Polizistinnen und Polizisten sowie nach derzeitigem Kenntnisstand ein Medienvertreter verletzt. Der freie Journalist wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik eingeliefert.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Versammlung mit circa 1700 Teilnehmern fielen mehrere Personen durch ihr aggressives Verhalten auf. Bei durchgeführten Durchsuchungen wurden unter anderem ein Nothammer, Drogen und mehrere Knallkörper aufgefunden und sichergestellt. Entgegen der ersten Einschätzung von ca. 50 % bestand der weitaus größte Teil der Teilnehmer aus Hooligans.

Ablauf der Pegida-Versammlung

Nach dem Start der Pegida-Kundgebung um 14.02 Uhr setzte sich der Aufzug nach einer Auftaktkundgebung um 15.19 Uhr in Bewegung. Zwischenzeitlich hatte die Polizei in Absprache mit dem Versammlungsanmelder den Weg des Aufzuges geändert. Nur so konnte das polizeiliche Ziel der räumlichen Trennung der Versammlungen Pegida NRW und des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ konsequent umgesetzt werden. Nach ersten Würfen von Knallkörpern gegen die begleitenden Polizeibeamten wurde der Aufzug gestoppt. Aufforderungen den Bewurf mit Knallkörpern zu unterlassen wurden nicht Folge geleistet. Gegen 15.40 Uhr vermummten sich mehrere Personen der Versammlung Pegida NRW auf der Turiner Straße. Daraufhin wurde dem Versammlungsleiter die Auflage erteilt, zum Breslauer Platz zurückzukehren. In der Folge wurden Durchbruchsversuche der Versammlungsteilnehmer mit dem Einsatz von Reizgas unterbunden. Nach wiederholtem Bewurf der Einsatzkräfte mit Glasflaschen setzte die Polizei gegen 16.10 Uhr einen Wasserwerfer ein und löste die Versammlung unmittelbar danach mit Lautsprecherdurchsagen auf.

Ablauf der Versammlung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“

Die Gegenveranstaltung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ verlief ohne Zwischenfälle. Der erste angemeldete Aufzug im Bahnhofsviertel fand nicht statt. Mit Auflösung der Versammlung von Pegida NRW machten sich etwa 400 Teilnehmer der ursprünglich auf 1700 Personen geschätzten Versammlung auf den zweiten angemeldeten Aufzugsweg und beendeten ihre Kundgebung um 17.21 Uhr am Hans-Böckler-Platz.

Hinweis zur Strafverfolgung

Bislang wurden 15 freiheitsentziehende Maßnahmen getroffen. Über die gefertigten Strafanzeigen hinaus wird die Polizei Videos und Fotos vom Einsatzgeschehen auswerten und gegebenenfalls weitere Strafverfahren einleiten.“ (Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Köln vom 09.01.2015, Hervorhebungen durch mich)

 

Und hier noch gleich die Meldung der Bundespolizei dazu:

Die Bundespolizei war heute (09. Januar), anlässlich von zwei Versammlungen, mit einem Großaufgebot im Bereich des Köln Hauptbahnhofs sowie im Ruhrgebiet im Einsatz.

Einsatzkräfte begleiteten seit den Vormittag größere Personengruppen von Teilnehmern beider Versammlungen nach Köln. Bei der Ankunft eines Regionalexpress aus dem Ruhrgebiet, mit 450 PEGIDA Teilnehmern, zündete ein bislang unbekannter Tatverdächtiger Pyrotechnik. Hierdurch wurden zwei Bundespolizisten, die sich im direkten Umfeld aufhielten, durch ein Knalltrauma verletzt und mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.

Bis auf diesen Vorfall verlief die Anreisephase ohne besondere Vorkommnisse. Insgesamt kamen circa 760 PEGIDA Teilnehmer sowie 500 Personen der Gegendemonstration mit Zügen der Deutschen Bahn AG nach Köln.

Im Rahmen der Abreisephase kam es im Bereich eines Zugangs in den Hauptbahnhof (Breslauer Platz) zu Provokationen durch PEGIDA Teilnehmern. Daraufhin räumten Einsatzkräfte der Bundespolizei den Bereich. Nachdem circa 500 rechtsgerichtete Versammlungsteilnehmer einen Regelzug bestiegen hatten, verließ dieser in Begleitung der Bundespolizei den Kölner Hauptbahnhof in Richtung Ruhrgebiet. Beim Ausstieg von rechtsgerichteten Versammlungsteilnehmern in Essen, kam es zu „Rangeleien“ mit anderen Personen. Dabei fiel eine Person, selbstverschuldet, in den Gleisbereich und wurde dadurch leicht verletzt.

Gegen 18:00 Uhr wurde die Bundespolizei über eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Versammlungsteilnehmern, am Bahnhof Köln West, informiert. Nachdem Einsatzkräfte am Haltepunkt eintrafen, konnten keine Personen mehr festgestellt werden.

Im Kölner Hauptbahnhof und auf verschiedenen Bahnsteigen, kam es immer wieder zu gegenseitigen Provokationen von den unterschiedlichen Versammlungsteilnehmern. Gegen gewalttätige Auseinandersetzungen wurde daraufhin konsequent eingeschritten.

Nach derzeitigem Stand (19:30 Uhr) leitete die Bundespolizei Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und Widerstands ein.

Durch das starke Aufgebot von Einsatzkräften der Bundespolizei aus dem gesamten Bundesgebiet konnten größere Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Versammlungsteilnehmern verhindert werden, so der Einsatzleiter der Bundespolizei, Polizeidirektion Oliver Humpert. (Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Köln vom 09.01.2016, Hervorhebungen durch mich)

Halten wir also fest:

Es gab Ausschreitungen während der Demonstration, bei denen Polizistinnen und Polizisten verletzt wurden. Bereits bei der Ankunft benahm sich in einem Zug voller Pegida-Teilnehmer einer so daneben, dass zwei Bundespolizisten ein Knalltrauma zurückbehielten. Gut, der Tatverdächtige konnte bislang nicht ermittelt werden. Es kann natürlich auch ein gewöhnlicher Reisender gewesen sein, der einfach versehentlich mit den Pegida-Leuten in einem Zug gelandet ist. Passiert ja ständig, dass durchschnittliche Bahnpassagiere Pyrotechnik zünden…

Aufgrund der Ausschreitungen wurde die Demonstration aufgelöst.

So weit, so normal. Zumindest wenn man das Weltbild hat, dass kein Polizist die Verpflichtung hat, sich, von wem auch immer, verletzen zu lassen. Ausschreitungen gegen die Polizei sind kein Mittel politischer Meinungskundgabe. Egal, auf welcher Seite des politischen Spektrums diese stattfindet.

Was dann am gestrigen Tag über „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ hereinbrach war nicht einmalig, aber es war mehr als entlarvend.

Über sämtliche zur Verfügung stehenden Kanäle wurden wir mit Unterstellungen an die Adresse der Polizei bombardiert. Es begann mit Nachrichten in bester Empörungsrhetorik: „Wir könnt Ihr fordern, dass Polizisten gewaltfrei begegnet wird, wenn diese auch Gewalt verüben?“ (Wir erinnern uns kurz an dieser Stelle, auf welcher Seite die Verletzten zu beklagen sind, aber die haben sich sicher mal wieder selbst verprügelt.)

Wir wurden mit Youtube-Videos förmlich zugepflastert. Hauptsächlich ging es um einen „linken Journalisten“, der im Rücken der Polizeikette einen Böller gezündet haben soll. Das hat dann die böse Polizei einfach so der vollkommen unschuldigen Pegida-Versammlung zugerechnet. Die böse Polizei schützte dann auch noch den bösen „linken“ Journalisten. Woran man nun genau erkennen konnte, dass der Journalist „links“ ist, wissen wohl nur diese Pegida-Anhänger und ihre Apologeten selbst. Ich tippe darauf, dass es sich um das gleiche Phänomen handelt wie bei vielen Linksextremisten, bei denen jeder gleich „rechts“ ist, der ihre Meinung nicht zu 100% teilt. So ist, je nachdem für wessen Gewaltakte gegenüber Polizisten wir kein Verständnis entwickeln möchten, „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ entweder ein „rechter“ Verein oder ein „linker“ Verein. Na, dann stehen wir ja offensichtlich in der Mitte, wo wir auch stehen wollen. Auf der Verfassung.

Ich möchte diesen Youtube-Videos eigentlich kein Forum hier geben. Was ich von selbst zusammengeschnippelten Videos halte, die irgendwer ins Internet hochlädt, wo sie dann von einer Art selbst ernanntem Volksgerichtshof als angeblich unfehlbares Beweismittel für die Verfehlungen der Polizei herhalten müssen, habe ich auch oft genug gesagt – nichts! Dabei ist mir auch piepegal, welcher politischen Grundrichtung der Hochladende angehört: Recht, links oder politisch freischwebender Polizistenhasser. Ich habe genug Polizeieinsätze gesehen, aus denen ich mir, wenn ich sie gefilmt hätte, durch ein paar geschickte Schnitte ein hübsches Video über anlasslose Polizeigewalt hätte schnitzen können.

Erwähnen möchte ich dann aber doch die hier einsehbare UNGESCHNITTENE Fassung, die offensichtlich unter Missachtung jeglichen Urheberrechts von Köln TV übernommen und (sehr schlecht!) zusammengeschnitten wurde. Hier sieht man, wie der Böller, den angeblich der „linke“ Pressevertreter gezündet haben soll, aus der Versammlung geflogen kommt.

Es kommt aber noch besser. In einem Text (hier verlinkt), der in jeden sich bietenden Kommentar auf unserer Facebook-Seite geklebt wird (selbstverständlich unter Missachtung jeglicher Regeln, die wir aufgestellt haben), liest man „Hier muss unbedingt geklärt werden, ob die Polizei selbst Böller warf, um die Veranstaltung zu misskreditieren.“ Na klar. Pyrotechnik gehört bei der Polizei seit Urzeiten zur Standardausrüstung für Demoeinsätze. Insbesondere verletzt man unheimlich gern seine eigenen Kollegen. *Ironie Ende*

Mal ernsthaft. In Zeiten, in denen jeder polizeiliche Darmwind von gefühlten 100 Smartphones gefilmt wird, wäre es reichlich dumm, als Polizist mit Pyrotechnik um sich zu werfen. Wenn man den Job nicht mehr haben will, kann man auch einfach eine Kündigung schreiben.

Dieser Text wird uns auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Postfach oder wider unsere Seitenregeln in Kommentare gelegt, mit der FORDERUNG (!), dazu Stellung zu beziehen. Da wird ein gemeinnütziger Verein, dessen Mitglieder ehrenamtlich neben Beruf und Familie tätig sind, aufgefordert. Nur zur Illustration, welche Vorstellung von Höflichkeit diese Leute haben.

Noch ein paar Highlights aus diesem Text:

„Schon bei der Ankunft wurden wir in einer unfassbaren Art von Polizisten bei Seite gezogen, und uns wurde BEFOHLEN, dass wir unsere Taschen zeigen sollten.“

Auch ich musste schon mal meinen Rucksack öffnen. Das ist vollkommen normal und wenn ihn auch einfach öffnet, wird man auch nicht „beiseite gezogen.“

„Es gab kein freundliches Wort, es wurde nicht im vernünftigen Ton gesprochen.“

Hierzu möchte ich einen der Pegida-Apologeten auf unserer Seite zitieren, der unter einer Meldung über einen dienstunfähig verletzten Polizisten aus Augsburg (keinerlei Zusammenhang zu Pegida) postete: „Aber ihr von keine Gewalt bitte lese sie mal, natürlich scheisse wenn Gewalt gegen die Polizei begangen wird, aber lügen , Vergewaltiger frei lassen, Straftaten vertuschen, selber Böller schmeissen um es auf das voll zu schieben um sein eigenes volk anzugreifen… lassen sie uns freundlich reden…“ Dabei ein Link zu einem der bekannten und beliebten Youtube-Videos.

Fassen wir diesen Kommentar mal zusammen: Da bricht jemand unsere Seitenregeln (Links sind uns via Persönlicher Nachricht zu übersenden, da wir für die Inhalte unserer Seite verantwortlich sind und sie uns deshalb erstmal ansehen wollen), er kommt mit übelsten Unterstellungen um die Ecke, die er auf bekanntlich nicht aussagekräftigen Videos aufbaut und er hat so gar kein Problem damit, das Leid eines bayerischen Polizisten, der nicht das Geringste für Köln kann, für seine Zwecke zu missbrauchen. Von dem Missbrauch unserer Präsenzen mal ganz abgesehen. Davon, dass es nach wie vor nicht die Polizei ist, die über die Rechtsgrundlagen entscheidet (egal wie oft es behauptet wird), auf denen mutmaßliche Täter freigelassen werden, möchte ich hier gar nicht reden. Oder über das wirklich beunruhigende Verständnis von Rechtsstaatlichkeit, dass hier jemand ohne jegliches Verfahren zu wissen glaubt, wer Vergewaltiger ist. Aber wir sollen „freundlich reden“?

Wenn das die Vorstellung dieser Leute von „freundlich“ ist, dann kann ich mir vorstellen, dass die Polizei denen „unfreundlich“ vorkam.

Zurück zu diesem Text:

„Zwischendurch explodierte ein Böller. EIN BÖLLER! EIN EINZIGER!!!“ Ach so. Na, dann macht es ja nichts. Ab der wievielten Wiederholung sind denn Rechtsverletzungen schlimm? Nicht vor der siebten, wie wir in der Folge erfahren: „Kurz danach explodierten weitere Böller. Nicht mehr als 5 oder 6 Stück, schätze ich mal aus meiner Erinnerung.“ An dieser Stelle des Textes also sind die Böller noch völlig harmlos. An anderer Stelle postuliert der Autor, wie weiter oben beschrieben, dass die Polizei die Böller selbst geworfen hat, um die Versammlung auflösen zu können. Was denn nun?

„Obwohl die Polizisten merkten, dass mehrere tausend Mann (nicht 1700, wie die Medien berichteten, aber seht Euch dazu selber die Videos an) auf der Stelle standen, nicht wussten was los war und immer unruhiger wurden, weil nichts passierte und keiner wusste, wann was wie weiter geht, ließen sie auf langer Strecke, gut sichtbar in Front zur Pegida, die Wasserwerfer auffahren.“ Ein altbewährtes Muster von Polizeikritikern. Natürlich handelt die Polizei grundsätzlich unverhältnismäßig und natürlich schätzt die Polizei die Anzahl der Versammlungsteilnehmer grundsätzlich zu niedrig.

„Die Polizei hat in diese Moment eine Panik unter den Leuten provoziert. “ Es ist prinzipiell oberstes Ziel einer Institution, die für Gefahrenabwehr zuständig ist, Massen in Panik zu versetzen. *Ironie Ende* Merkt der Autor eigentlich noch was?

„Wohlgemerkt, die paar von Hogesa waren nicht die Masse. Die Masse der Leute waren gestandene bürgerliche Menschen. Mittlerese Alter. Frauen, ein paar Kinder, Männer.“ Auch ein bewährtes Muster, der Polizei derartige Ungeheuerlichkeiten zu unterstellen. Ich erinnere an den Blockupy-Kessel vom 1. Juni 2013, in dem angeblich auch vollkommen harmlose Menschen von einer bösartigen und entfesselten Polizei festgehalten wurden (ohne dass ein einziger Böller geflogen war, aber das nur am Rande), und der im Nachgang vom Frankfurter Verwaltungsgericht sowie vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof als rechtmäßig festgestellt wurde, da die Polizei die von ihr vermutete Gewaltbereitschaft tatsächlich belegen konnte.

„Von vorne flogen Wasserflaschen auf die Polizisten. Ähmmm, stopp, PET-Flaschen. Keine Glasflaschen. Und Bierdosen.
Also definitiv keine Geschosse, wie Pflastersteine oder andere gefährliche Gegenstände.“ Ach so. Na dann ist das ja keine Gewalt. So eine gefüllte PET-Flasche wiegt ja je nach Größe bloß so um die 500 Gramm bis 2 kg. Macht ja nichts, wenn man so ein Gewicht an den Kopf geworfen bekommt. Und man kann ja auch, wenn ein Wurfgeschoss aus dem Getümmel auf einen zufliegt, genau erkennen, ob es gefüllt ist oder nicht. *Ironie Ende*

„Kurz darauf wurde dann schon mitten in die MEnge Tränengas gsprüht.“ Pfefferspray ist keine sonderlich ungewöhnliche Antwort, wenn Polizisten angegriffen werden. Auch diese Verwechslung von Ursache und Wirkung ist steinalt. Polizisten haben ein Recht, unverletzt nach Hause zu kommen.

„Währenddessen provozierten die Polizisten, in einer so unfassbaren Art und Weise weiter, dass man nur sagen kann, dass es einer Polizei eines Rechtsstaates absolut unwürdig war.“ Wir warten nun vergeblich auf eine Beschreibung des Rechtsbruches, die aber nicht kommt. Stattdessen sattsam aus einem anderen politischen Spektrum bekannte Klagelieder über martialische Ausrüstungsgegenstände und angebliche Einschüchterung.

„Ich verdächtige die Polizei hiermit ganz öffentlich und offiziell, dass sie ein Konfrontationskurs gefahren sind, um Pegida zu schaden.“ Wie neu!

Ganz ehrlich?

Kenn ich alles!

Diese ganzen Anschuldigungen an die Adresse der Polizei, sie sei zu hart vorgegangen, habe ich schon hören müssen, bis mir die Ohren bluten. Die politische Gegenseite garniert das gern mit der Vokabel von der „strukturellen Gewalt“.

Die Unterstellungen an die Adresse der Polizei, dass sie die Versammlung provozieren würde, um einen Grund zum Zuschlagen zu generieren, ist uralt. Am anderen Ende des politischen Spektrums heißt das dann „agents provocateurs“.

Eines ist für mich seit dem 9.1.2016 endgültig gesicherte Erkenntnis – es macht schlicht keinen Unterschied, ob da Linksaußen oder Rechtsaußen demonstriert – die Unterstellungen an die Polizei im Nachgang sind unterschiedslos vorprogrammiert – mit denselben Mitteln: zurechtgeschnibbelte Youtube-Videos, bloß keine Anerkenntnis, dass man selbst vielleicht die eine oder andere versammlungsrechtliche Grundlage missachtet hat (was natürlich immer negiert wird, während auf unseren Online-Präsenzen fröhlich sämtliche Seitenregeln gebrochen werden, was ja schon ALLES zum Thema „Einhaltung von Spielregeln“ sagt), Rechtfertigung von Gewalt gegen Polizisten durch angebliche Gewalt VON Polizisten ohne ein rechtsstaatliches Verfahren abzuwarten (Youtube als neuer Gerichtshof) und so weiter und so fort. Nicht zu vergessen das permanente nervtötende Selbstmitleid gepaart mit massiver Paranoia. Entweder ist der Unterschied kleiner als man annehmen sollte oder aber die hier in Köln demonstrierende Seite hat vom „Gegner“ gelernt… mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (was auch beide Seiten in einer Art Endlosschleife für sich selbst reklamieren) haben solche Unterstellungen in beiden Fällen wenig bis nichts zu tun. Wie sagt eine gute Freundin von mir so schön: „Ich erkenne meine Schweinchen am Gang.“ Oder aber ein anderer Bekannter: „Wenn es sich anfühlt wie Extremismus ist es wahrscheinlich auch welcher.“

Quintessenz für mich: Solange der Polizei regelmäßig von beiden Enden des politischen Spektrums vorgeworfen wird, auf dem anderen Auge blind zu sein, steht sie da, wo sie hingehört!

Allgemein Presse Trauriges

Trauriges von der Tagesschau

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Auszüge einer Mail, die ich am 26.12.2015 gegen 09:20 Uhr an die Redaktion der Tagesschau schickte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war am 24.12. abends nicht daheim, weil ich unterwegs war…

[Unsere Polizeibeamten sind jene,] die dafür sorgen, dass wir friedlich Weihnachten feiern können und unsere Hauptsorge sein kann, was an Essen auf den Tisch kommt und dass die Geschenke passen. …

An diesem Heiligabend war… ein Polizist im hessischen Herborn gewaltsam getötet worden. …

Gestern Abend erzählte mir ein Bekannter, Polizist, dass der in Herborn im Dienst an uns brutal getötete Polizist in den 20-Uhr-Nachrichten, also der Tagesschau, kein Thema war. Das konnte und wollte ich gar nicht glauben, denn die Tagesschau ist seit Jahren meine Lieblingsnachrichtensendung und von mir sehr hoch geschätzt. Also schaute ich mir diese Folge soeben in Ihrer Mediathek an. Doch tatsächlich….!

Das kann ich nicht verstehen! Wir haben eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei, so transparent wie nie – und wenn ein Mensch, der sich für den Beruf des Polizisten in dieser Polizei und damit für den Dienst an uns allen entschieden hat, in diesem Dienst an uns stirbt, hat die Hauptnachrichtensendung dieser Republik kein Wort für ihn übrig? Das ist, mit Verlaub, empörend.

Hochachtungvoll

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

 

Als Antwort erhielt ich bis jetzt eine Standardantwort:

Sehr geehrter User/Internetnutzer/Zuschauer,

haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail.
Wir bitten um Verständnis, wenn nicht jede einzelne Zuschrift ausführlich und individuell beantwortet werden kann. Aber die Redaktion von ARD-aktuell erreichen täglich viele Hunderte Rückmeldungen der Zuschauer.

Sie können jedoch versichert sein, dass alle Reaktionen der Zuschauer aufmerksam gelesen, ausgewertet und in den Redaktionssitzungen diskutiert werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin gewogen blieben.

Mit freundlichen Grüßen

Zuschauerservice
ARD-aktuell / tagesschau.de
www.tagesschau.de

 

Ich gehe zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr davon aus, da eine tiefschürfendere Reaktion zu erhalten. Meinem in meiner Mail erwähnten Bekannten, der ebenfalls der Tagesschau-Redaktion geschrieben hatte, wurde übrigens individuell geantwortet. Er erhielt die Erklärung, dass über den Tod von Polizisten in der Hauptausgabe der Tagesschau nur berichtet werde, wenn dieser einen terroristischen Hintergrund habe.

Am 25.12. wurde in der Hauptausgabe thematisiert, dass am 1. Weihnachtstag Vollmond war. Nicht, dass das nicht jeder selbst hätte sehen können, der mal aus dem Fenster geschaut hätte. Am 24.12. war der Andrang vor dem Berliner Dom Bestandteil der Hauptnachrichtensendung. Sehr spannend, insbesondere für die Menschen, die in irgendeiner der doch hier und da vorhandenen anderen Kirchen der Republik einen Sitzplatz haben wollten. Die Menschen IM Andrang vor dem Berliner Dom dürften das auch ohne die Tagesschau bemerkt haben. Das sind also Themen für die Hauptausgabe. Am 21.12.2015 wurde über die „Sportler des Jahres“-Gala in Baden-Baden berichtet. Sicherlich ein interessantes Thema. Aber leisten Polizisten denn weniger für unsere Gesellschaft als Sportler? Ich denke, nein.

Ein Mensch, der im Dienst an uns allen niedergestochen wurde, ist keine Silbe wert, weil ihn die falsche Tätergruppe umgebracht hat. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen….

Nun ist ja Bestandteil der Pressefreiheit, zu berichten, über was man berichten möchte. Es ist aber auch integraler Bestandteil meiner Freiheit, der Tagesschau-Redaktion zu sagen, was sie nicht hören will: in meinen Augen ist diese Nichtberichterstattung einfach nur beschämend.
Nachtrag vom 27.01.2016:

Bereits am 13.01.2016 erhielt ich eine Antwort der Tagesschau-Redaktion. Allerdings war ich in den letzten beiden Wochen zu eingespannt, um mich früher darum zu kümmern.

Antwort der Tagesschau-Redaktion:

Sehr geehrte Frau Minrath-Grunwald,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass wir erst jetzt antworten. Aufgrund der Vielzahl von Zuschriften, die uns derzeit erreichen, war dies leider nicht eher möglich. Der Tod des Polizisten ist furchtbar!
Auch unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Berichtet haben wir unter tagesschau.de. In der 20-Uhr-Ausgabe hat sich die Redaktion entschieden, andere Themen in den Vordergrund zu stellen.
Aufgrund der begrenzten Sendezeit ist die Redaktion jeden Tag gefordert, aus einer Vielzahl von Nachrichten auszuwählen. Mord und Totschlag sind leider in Deutschland an der Tagesordnung.
Einzelne, auch sehr tragische Vorfälle wie etwa der Tod der elfjährigen Janina, die an Silvester erschossen wurde, finden sehr oft nicht in die Berichterstattung der Hauptausgabe der Tagesschau.
Je nach Dimension oder Hintergrund einer Tat entscheidet die Redaktion in jedem konkreten Fall. Ein terroristischer Hintergrund würde zum Beispiel sehr sicher von der 20 Uhr-Ausgabe berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen
Publikumsservice ARD-aktuell

 

Darauf antwortete ich heute Morgen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Antwort. Auch ich entschuldige mich, dass es zu meiner Redaktion etwas länger gedauert hat, aber ich betreibe das Ganze ja ehrenamtlich und hatte auch beruflich genug um die Ohren in den letzten Tagen.

Ich freue mich über Ihre einfühlenden Worte in Hinblick auf den Tod des Polizisten.

Dennoch sehe ich die Sachlage nach wie vor anders als Sie. Es geht aus meiner Sicht nach bei den Meldungen in der Hauptnachrichtensendung der Republik nicht um den Grad an Tragik, den ein Vorfall hat, sondern um den Grad, in dem die Gesamtbevölkerung davon betroffen ist. Deswegen gebe ich Ihnen vollkommen Recht darin, dass der zweifellos sehr tragische Tod der kleinen Janina nicht in der Tagesschau gemeldet werden muss.

Der gewaltsame Tod eines Polizisten jedoch betrifft uns alle. Unsere Polizei ist demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst. Noch nie war sie so transparent wie heute. Unsere Polizistinnen und Polizisten halten jeden Tag für uns alle den Kopf hin. Dabei ist es auch vollkommen egal, in welchem Bundesland derjenige seinen Dienst verrichtet. Wenn ich mein Heimatbundesland Rheinland-Pfalz verlasse und nach Hessen fahre, würden eben im Zweifel hessische Polizisten den Kopf für mich hinhalten. Deswegen ist es aus meiner Warte auch vollkommen egal, wer diesen Polizisten tötet. Im Gegenteil betrifft es uns meiner Ansicht nach deutlich mehr, wenn eine Kleinigkeit wie eine Fahrkartenkontrolle so eskaliert, dass jemand erstochen wird, als wenn es einen Terroranschlag gibt. So schrecklich Terroranschläge sind – die Wahrscheinlichkeit, einen solchen selbst mitzuerleben, ist doch eher gering einzuschätzen. Unter anderem übrigens wegen der sehr guten Arbeit unserer Sicherheitskräfte. Auch so gesehen betrifft es uns alle, wenn einer von ihnen im Dienst an uns allen sein Leben lassen muss.

Und wenn ich diesen Maßstab anlege – inwieweit sind wir alle als Gesamtgesellschaft von einer Meldung betroffen? – muss ich mich schon fragen, inwieweit die Meldung, dass der Berliner Dom an Heiligabend gerammelt voll war, Platz fand und der getötete Polizist eben nicht. Ich behaupte mal, dass nicht einmal die Mehrheit der Berliner an diesem Abend im Dom war. Inwiefern ist also die Gesamtgesellschaft davon betroffen?

Ich danke Ihnen jedenfalls, dass Sie mit mir in Dialog getreten sind in dieser Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

Ich distanziere mich an dieser Stelle von jeglichem Versuch, mein Schreiben an die Tagesschau als „Beleg“ für die „Lügenpresse“-These zu benutzen (was wohl hier und da bereits passierte). Man kann punktuell unterschiedlicher Ansicht sein, ohne gleich die gesamte Berichterstattung auf solche Weise in Frage zu stellen und im Rundumschlag zu diffamieren. Ich kritisiere ja auch punktuell einzelne Polizeibeamte, ohne gleich die ganze Polizei als „Bande von korrupten Prügelknaben“ zu bezeichnen – im Gegenteil stehe ich hinter der Polizei. Differenzieren heißt das Zauberwort. Allerdings bin ich nicht gewillt, mich wegen jener, die genau das nicht können, nicht mehr frei zu äußern.

 

Allgemein Trauriges Verein

Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes 2014 – Gewalt gegen Polizeibeamte steigend

PKS_2014Vor wenigen Tagen kam die neue Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes heraus, in der es seit 2010 ein Kapital über „Polizeivollzugsbeamte als Opfer“ gibt. Dieses interessiert uns als Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. natürlich besonders.

Nachdem im Grunde zu Beginn keine verlässliche Aussage getroffen werden konnte, ob die Gewalt gegen Polizeibeamte nun ansteigt oder nicht, weil der Beobachtungszeitraum viel zu kurz war, kommen wir allmählich in ein Zeitfenster, bei dem man schon mit aller Vorsicht eine Aussage treffen kann – und die gefällt uns nicht. Geht der seit 2010 vorliegende Trend in der Zukunft so weiter, dann steigt die Gewalt gegen Polizisten weiterhin an.

Wobei ich dabei betonen möchte, dass bereits der Ausgangspunkt im Jahre 2010 mit insgesamt 54.843 Straftaten gegen Polizeibeamte aus Sicht von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. inakzeptabel hoch war. 2014 waren es 62.770 Stratftaten gegen Polizeibeamte. Das sind durchschnittlich 172 gewalttätige Übergriffe gegen Polizeibeamte am Tag. Durchschnittlich findet also quasi alle 8 Minuten ein Übergriff gegen einen Polizeibeamten statt. Natürlich ist das nur ein Durchschnittswert, aber diese helfen dabei, sich das vorzustellen. Acht Minuten Verweildauer im Internet und unterdessen hat wieder ein Polizist oder eine Polizistin einen Angriff erlebt. Von 2010 nach 2014 machte das eine Steigerung von etwa 14%. Das ist beunruhigend.

Ganz auf Null setzen wird man das Phänomen sicherlich nicht können. Aber es wird dringend an der Zeit für klare Signale aus Politik und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund erfreulich, dass immer mehr polizeifreundliche Initiativen aus dem Boden sprießen. Nichts anderes haben unsere Beamte einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei verdient, die auf täglicher Basis den Kopf für uns hinhalten und in Einsätze gehen, vor denen wir Bürger weglaufen.

Hier auf der Homepage des BKA finden sich die Links zum Download der Informationen zur PKS des Bundes.

Allgemein Presse Trauriges

Datenklau und Bedrohung von Polizisten und Justizvollzugsbeamten im großen Stil

Vor drei Tagen stolperte ich über einen Artikel in einer französischen Zeitung, „Le Figaro“ – ein durchaus seriöses Blatt. Was ich zu lesen bekam, gruselte mich durchaus.

 

Hier eine Übersetzung des Inhalts:

 

Ein Anti-Cops- und Anti-Gefängniswärter-Rache-Website entrüstet Polizei und Strafvollzug

 

Eine Gruppe mit eine Nähe zur extremen Linken hat in einem sehr eindeutigen Blog Fotos von Polizei- und Justizvollzugsbeamten aus der Region in und um der französischen Stadt Rennes online gestellt, ebenfalls von deren Kindern. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

 

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„Die indiskrete Polizei als Opfer von Indiskretionen, geschlagen mit ihren eigenen Waffen.“ Das ist in etwa der Grundtenor des Blogs, der im Innenministerium und der Strafvollzugsverwaltung Ärgernis erregt. Unter dem Titel „Rache“ sieht man Fotos von Beamten beider Behörden aus der Region in und um Rennes. Obendrein sieht man auf Schnappschüsse die Ehepartner der Betroffenen sowie weitere den Beamten nahestehende Personen, dazu auch Geburtsdaten, Namen, persönliche Adressen. Alles Daten, die diese Beamten unvorsichtigerweise selbst auf ihren eigenen Facebook-Seiten veröffentlich hatten.

 

Die Achillesferse der sozialen Netzwerke und des Wunsches, von sich zu erzählen, wurde also auf zynische Weise von Personen ausgenutzt, die der linksextremistischen Strömung nahestehen, die ihre Thesen auf den alternativen Websites des Indymedia-Kollektivs veröffentlicht und darüber kommuniziert. Sie bilden damit auf ihre Weise nach, was das Netzwerk „Copwatch“, das sich die Denunziation „gegen polizeiliches Fehlverhalten“ auf die Fahnen geschrieben hatte, mit der Veröffentlichung von 450 Fotos von Polizeibeamten, die in der Region Ile-de-France (in und um Paris) und im Norden des Landes ihren Dienst verrichten, in Frankreich einzurichten versuchte. Allerdings machte die französische Justiz dieser Provokation im September 2011 ein Ende.

 

Doch dieses Mal geht die Grenzüberschreitung weiter. Diese Seite hat nicht das Ziel, tatsächliche oder vermeintliche polizeiliche Übergriffe zu denunzieren. Sie nimmt willkürlich Familien ins Visier, Kinder der Beamten, manchmal gerade ein paar Monate alte Babys, teilweise in den Armen ihrer Eltern zu sehen – ohne jede Verpixelung. Namen und das Alter der Kinder werden erwähnt. „Das ist untragbar und die Wortwahl ‚Rache‘ durch jene, die sich an derartigem Missbrauch beteiligen, lässt das Schlimmste für die Familien der betroffenen Beamten befürchten, die durch diese öffentliche Anprangerung jedem Verrückten ausgeliefert wurden“, beklagt Nicolas Comte, stellvertretender Vorsitzender der Polizeigewerkschaft „Unité-SGP-Police“.

 

Die herausgepickten Gefängniswärter arbeiten im Gefängnis von Rennes, die Polizeibeamten bei der Schutzpolizei bzw. der Kriminalpolizei von Rennes. Die Blogger, die ihr letztes Foto eines Justizvollzugsbeamten am 20. Februar posteten, machen über ihre „Zielscheiben“ ironische Bemerkungen. Hier wiederholen sie die Formulierung eines Aufsichtsbeamten, der auf seiner persönlichen Seite schreibt: „Verheiratet mit Fabienne, die mir drei schöne Kinder geschenkt hat. Glücklich…“. Dort liefern sie „KFZ-Kennzeichen von Bullen, BAC (Anmerkung der Übersetzerin: Brigade Anti-Criminalité, eine Einheit, die insbesondere für den Einsatz in Problemvierteln eingerichtet wurde), Diensthundeführern und weiteren Spielarten nächtlicher Bullen“, mit Fotos von Autos.

 

Darüber hinaus werden Beamten „demaskiert“, die früher beim Inlandsgemeindienst arbeiteten. Und dieses Mal werden Fotos offenbart, die auf der Straße aufgenommen wurden. Mit folgender Bildunterschrift: „Man beachte, dass der kleine Letzte im Nazilook nun Uniform trägt. Er hatte ohne Zweifel Appetit auf Steine.“ Ebenfalls werden Nummernschilder von Justizvollzugsbeamten und sogar von Bewährungshelfern gezeigt.

 

Die Generaldirektion der Police Nationale sowie das Justizministerium wurden von den Gewerkschaften zum Handeln aufgerufen. Die Staatsanwaltschaft in Rennes hat ein Verfahren eröffnet wegen „betrügerischen Zugangs in ein Datenverarbeitungssystem“ sowie „Bedrohung“. Sie hat die Ermittlungen der Kriminalpolizei von Rennes übertragen, ebenso wie dem französischen Äquivalent des Bundesamtes für Datensicherheit.

 

Die französischen Polizeigewerkschaften drängen darauf, den Zugang zu dieser Website zu sperren. Der Gewerkschafter Nicolas Comte ist allerdings kaum optimistisch. „Die Seite ist immer noch zugänglich, obwohl der Magistrat ein Eilverfahren anstrebt. Ich wette, dass die juristischen Probleme, die sich auftun werden, die französischen Behörden behindern werden.“ Zudem liegen die Blogs von Indymedia häufig auf ausländischen Servern, in Ländern, die jeglicher Zusammenarbeit auf juristischem Gebiet abgeneigt sind. Die Gewerkschaften von Polizei und Strafvollzugspersonal sehen sich gekränkt davon, die Fotos von Kindern und Babys ihrer Mitglieder zu sehen – heute bedroht und für immer im Internet preisgegeben.

 

Quelle:
http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2015/03/11/01016-20150311ARTFIG00201-un-site-de-vengeance-anti-flics-et-anti-matons-scandalise-la-police-et-la-penitentiaire.php

 

Ich bin sicher, dass die allermeisten von Euch ein Bewusstsein für entsprechende Gefahren haben. Schließlich machen Kollegen von Euch zu diesem Thema Präventionsveranstaltungen in Schulen. Wie auch die allermeisten Eurer französischen Kollegen. Das sieht man schon daran, dass allein in der Region Ile-de-France etwa 12.000 Polizisten Dienst verrichten und in der Region Nord-Pas de Calais etwa 10.000. Darin ist die Police Municipale nicht mal eingerechnet. Davon hatte Copwatch es gerade mal auf 450 Fotos gebracht. Aber offenbar gab es ja in Frankreich einige, denen dieses Bewusstsein fehlte.

 

Man kann jetzt natürlich sagen, selbst Schuld! Sicherlich hat jeder eine Eigenverantwortung für seine Daten, so wie überhaupt für Eigensicherung. Dennoch ist es eben für manch einen offenbar unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Und Schuld trägt immer der Täter. Man selbst kann sich nur so gut es geht zu schützen versuchen.

 

Übrigens habe ich in den letzten Monaten die eine oder andere Freundschaftsanfrage bekommen von mir vollkommen unbekannten Menschen Menschen, die die sattsam bekannte Buchstabenkombination, die ich persönlich mit „All cops are brave“ zu übersetzen pflege, in Profil- oder Titelbild hatten. Oder gerne auch mal  verwandte Symbole/Schriftzüge. Ich habe diese Anwärter immer abgelehnt und somit ins digitale Nirwana gekickt. Dabei habe ich mich immer gefragt: „Was wollen die von mir als bekennender Polizistenfreundin?“ Ich denke, der Artikel gibt darauf möglicherweise eine Antwort – wenn auch eine sehr hässliche.

 

In dem Zusammenhang allen mit mir auf Facebook liierten Menschen zur Kenntnis: Ich habe meine Freundesliste so eingestellt, dass niemand sie einsehen kann.

 

Passt auf Eure Daten auf! Wir brauchen Euch und Ihr braucht Eure Lieben!!!!

Allgemein Trauriges

Auch nach 40 Jahren – unvergessen! 20-jähriger Polizist wurde an Weihnachten 1974 erschossen

Polizeistern_RLPEs ist der Erste Weihnachtsfeiertag im Jahr 1974.

Am Nachmittag dieses 25. Dezember wird die Schutzpolizeiinspektion Brodenbach gegen 15.45 Uhr vom DRK darüber informiert, dass in der Schulstraße in Burgen eine männliche Person Schussverletzungen erlitten habe und der mutmaßliche Täter noch im Haus sei.

Polizeihauptwachtmeister Erwin Hoffmann fuhr mit seinem Streifenpartner sofort zum Einsatzort.

Während sich die Mitarbeiter des DRK um den Verletzten kümmerten, betraten die Beamten das Haus, um nach dem Täter zu suchen.

Sofort eröffnete der 50-jährige Mann das Feuer und traf einen der eingesetzten Polizeibeamten am Kopf. Der schwer verletzte Polizist konnte sich noch aus dem Haus retten.

Der damals 20-jährige Erwin Hoffmann reagierte sofort.

Aus seiner Dienstpistole gab er mehrere Schüsse in Richtung des Täters ab, traf und verletzte ihn.

Trotz dieser Verletzungen gelang es dem 50-jährigen Mann ebenfalls zu schießen. Er traf den Polizisten am Kopf und verletzte ihn tödlich.

Der Täter zündete anschließend das Haus an und erschoss sich mit der Dienstpistole des getöteten Erwin Hoffmann.

Seit Kriegsende sind im Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz insgesamt 19 Polizeibeamte während der Dienstausübung ums Leben gekommen.

Das Polizeipräsidium Koblenz hält alle Verstorbenen in ehrendem Gedenken.

PM des PP Koblenz vom 18.12.2014

Allgemein Demo Presse Verein

Wir basteln uns einen Polizeiskandal – netter Versuch

FStW_Berlin_nachts_kleinEs begann mit einer Pressemitteilung der Berliner Polizei vom 6. Juli 2014:

Polizisten im Görlitzer Park angegriffen – sechs Beamte verletzt
Bei Angriffen aus einer Gruppe von etwa 60 Personen heraus wurden gestern Nachmittag (05.06.2014) sechs Polizisten verletzt. Gegen 17.45 Uhr alarmierten Zeugen die Polizei zum Görlitzer Park, da zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Personen in eine Schlägerei verwickelt waren. Im Park eingetroffen, sahen die Beamten einen 25-jährigen verletzten Mann, der am Ohr stark blutete. Bei der nun folgenden Sachverhaltsklärung mischten sich zunächst mehrere Personen, die kurz zuvor an einer Demonstration von Neukölln nach Kreuzberg teilgenommen hatten, lautstark in die Ermittlungen der Beamten ein. Darüber hinaus stellte sich ein 22-jähriger Mann den Beamten in den Weg und störte sie bei der Sachverhaltsaufklärung. Nachdem die Polizisten ihn vergeblich des Platzes verwiesen hatten und die Behinderungen anhielten, zog ein Beamter den Störenfried zur Seite, woraufhin sich eine Personengruppe von bis zu 60 Personen in das Geschehen einmischte und die Einsatzbeamten attackierte. Aus der Gruppe heraus wurden zwei Fahrräder gegen die Beamten geschleudert, wodurch ein Polizist eine Kopfverletzung erlitt, die später in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Mit Unterstützung weiterer hinzugerufener Polizisten wurde die Personengruppe abgedrängt und zwei Männer im Alter von 32 und 46 Jahren sowie eine 33-jährige Frau festgenommen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung und schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt sechs Beamte wurden bei den Angriffen verletzt.
Hui. Sechs verletzte Polizeibeamte! Übrigens waren es an dem Wochenende in Berlin mindestens 15. Zumindest 15, die ihren Weg in die Pressemitteilungen der Berliner Polizei schafften. Im Rahmen des Demonstrationsgeschehens, das in der oben zitierten Pressemitteilung erwähnt wurde, wurden weitere sieben Polizeibeamte verletzt (vergleiche hier). In der Nacht zum 06.07.2014 wurden in zwei Fällen Polizeibeamte mit Steinen beworfen. Zwei von ihnen wurden von den die Scheiben des Einsatzfahrzeuges durchschlagenden Steinen derart verletzt, dass sie im Krankenhaus ambulant behandelt wurden und vom Dienst abtreten mussten (vergleiche hier).
Ich persönlich war milde erstaunt, als mir bereits gestern Abend ein Youtube-Video übermittelt wurde, auf dem ein Polizeiübergriff zu sehen sein soll, eingestellt von einem gewissen „Optik 5000“. Ort und Zeit des Geschehens passten. Aha! Der Film zur Pressemitteilung.
Da hier mal wieder Persönlichkeitsrechte auf das Übelste missachtet wurden, bette ich das Video nicht in diesen Blog ein. Soviel Zeit muss sein, dem Link zu folgen.
Das Video setzt, wie eigentlich üblich, wenn derartige Vorwürfe im Raum stehen, mitten in der Handlung  ein. Die erste Frage, die sich stellt, ist die, warum der Polizist, dessen Identifizierungsnummer zu Beginn des Filmes so betont wird, bereits bei einem kurzen „Ausweis her“ angelangt ist. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass vorher bereits das eine oder andere passiert sein muss. Schon vor dem Hintergrund dieses Fragezeichens ist eine gewisse Skepsis beim Konsum dieses Videos angebracht.
Man beachte, dass der junge Mann mit der Clownsmaske schon bei 0:20 anfängt zu brüllen. Die Polizisten hatten ihn zu diesem Zeitpunkt gerade mal angefasst. Die Skepsis steigt.
Ab etwa 1:00 sieht man, wie sich immer mehr Umstehende einmischen und die Polizeibeamten bedrängen. Niemand stellt die Frage, die auf der Hand liegt: „Gibt es einen Grund für die Festnahme?“ Alle im Bild sichtbaren Menschen scheinen davon überzeugt zu sein, dass die Polizei nicht im Recht ist. Woher nehmen sie diese Überzeugung?
Bei 2:24 kommt aus dem linken Bildrand ein Fahrrad geflogen. Übrigens ganz wie in der obigen Pressemitteilung der Polizei nachzulesen. Es ist mittlerweile sehr laut geworden, auf die Polizeibeamten wird eingeschrieen und was man an Vokabeln verstehen kann ist nichts, was ich als gewaltfreie Kommunikation bezeichnen würde.
Bei 2:53 legt die junge Frau mit den roten Haaren ein Schauspiel hin, gegen das altgediente Schwalbenkönige wie Maradona und Co. als blasse Waisenknaben erscheinen.
Bei 3:59 trifft die Verstärkung ein, in Schutzkleidung. Bei den am 05.07. in Berlin herrschenden Temperaturen lässt das tief blicken, wie die aufgeheizte Lage eingeschätzt wurde.
Das Video endet mit der Bitte, es an „wichtige Zeugen“, u. a. die Presse weiterzuleiten.
Das ist offensichtlich gelungen. „Die Polizei, dein Feind und Helfer“ schlagzeilt die Zeit (!) in einem Artikel, in dem sie der Polizei ein Problem sowie wachsenden Widerstand aus der Bevölkerung bescheinigt.
Kleines Kuriosum am Rande: In diesem Artikel findet sich der Absatz „Zwar zeigen Umfragen wie der GfK-Vertrauensindex nach wie vor, dass die Institution Polizei ein hohes Ansehen bei mehr als 80 Prozent der Menschen genießt, doch dass diese Zahl leicht sinkt. Und die Polizeigewerkschaften und Vereine wie Keine Gewalt gegen Polizisten beklagen, dass das Klima den Beamten gegenüber feindlicher wird. Doch wenn es in der Bevölkerung tatsächlich wachsenden Widerstand gegen die Polizei gibt, stellt sich die Frage: Was löst ihn aus?“
Ich bin ja geschüttelt und gerührt, dass unser kleiner 91-Mitglieder-Verein mit Institutionen mit 170.000 Mitgliedern (GdP) bzw. 94.000 Mitgliedern (DPolG) in einem Atemzug genannt wird. Danke! Aber der in diesem Absatz konstruierte Gegensatz „Polizeigewerkschaften und Vereine wie Keine Gewalt gegen Polizisten“ und „Bevölkerung“ passt nicht. Wir bestehen nach wie vor überwiegend aus Nichtpolizisten (53%) und bei unserer Gründung waren 11 Nichtpolizisten und ein Polizist. Wir sind ein Verein aus Bürgern für Polizisten, in dem auch Polizisten Mitglied werden können. D.h. wir sind Teil der Bevölkerung. Wir sehen das ein bisschen anders mit dem angeblich wachsenden Widerstand aus der Bevölkerung. Und was das sinkende Vertrauen in die Polizei auslöst – das könnte auch etwas mit der Berichterstattung über derartige Videos zu tun haben. Nicht jeder schaut die sich bis zum Ende an.
Zurück zur Polizeigewalt vor dem Görlitzer Park, die so ausufernd war, dass sechs verletzte Polizisten dabei herauskamen. Die Polizei Berlin hat gestern (07.07.) eine Stellungnahme dazu herausgegeben, die ich unseren Lesern im Wortlaut mitteilen möchte:
„Nach der Veröffentlichung eines Videos im Internet, auf dem die Festnahme eines 22-jährigen Mannes am Görlitzer Park zu sehen ist, möchte die Polizei Berlin folgende Ergänzungen bekanntgeben: 
Das veröffentlichte Video zeigt nur einen Ausschnitt der Ereignisse vom vergangenen Samstag, 5. Juli 2014. Vorausgegangen war ein Polizeieinsatz anlässlich einer Schlägerei am Görlitzer Park, bei der ein 25-jähriger Mann schwer am Ohr verletzt worden war. Die alarmierten Polizisten kümmerten sich zunächst um den Verletzten und alarmierten die Berliner Feuerwehr. In der weiteren Folge nahmen die Beamten die Personalien des jungen Mannes auf und versuchten nun, den Sachverhalt aufzuklären und die Täter der gefährlichen Körperverletzung zu ermitteln. Hierbei wurden die Polizisten hartnäckig gestört. Der in dem Video zu sehende Mann, ein 22-Jähriger, behinderte die Beamten mehrfach bei ihrer Arbeit und verhinderte, dass die Beteiligten der Schlägerei ermittelt werden. Der Abgebildete erhielt nun einen Platzverweis, dem er nicht nachkam, so dass er weggeführt werden musste. Nachdem sich der Einsatzbeamte nun dem mittlerweile im Rettungswagen sitzenden Verletzten zugewandt hatte, ging der 22-Jährige erneut auf die Beamten zu. Hier beginnt die Videoaufnahme. 
Ein Polizist wollte die Personalien des jungen Mannes feststellen, um ihm dann einen so genannten qualifizierten Platzverweis auszusprechen. Hier widersetzte sich der auf dem Video zu sehende Mann und versuchte sich zu entfernen, so dass er von den Einsatzbeamten festgehalten werden musste und zu Boden gebracht wurde. Der Mann versuchte sich der Personalienfeststellung zu entziehen, indem er sich auf seine Arme legte und damit verhinderte, dass die Beamten ihn zur Identitätsfeststellung zu einem Polizeifahrzeug führen konnten. 
Sowohl während der veröffentlichten Videosequenz als auch danach kam es zu gewalttätigen Angriffen gegen die Polizisten, die in dem Filmausschnitt nicht zu sehen sind und die Beamten vor so große Probleme stellten, dass weitere Polizisten zur Unterstützung verständigt werden mussten. Weiterhin ist in den Sequenzen nicht zu erkennen, dass ein 46-jähriger Mann und eine 23-jährige Frau versucht hatten, den 22-Jährigen zu befreien. Ein Polizist erlitt bei den Attacken eine Gehirnerschütterung und musste in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden. Einem weiteren Beamten wurde in die Hand gebissen. Darüber hinaus setzte ein bislang Unbekannter Reizgas gegen die Beamten ein. Insgesamt sechs Einsatzbeamte wurden bei den Angriffen verletzt.“
Damit dürfte alles gesagt sein. Zumindest sollte jetzt klar sein, dass es mindestens zwei Meinungen dazu gibt und der Polizei zumindest, wie vor Gericht, zubilligen, eine andere Sichtweise zu haben. Im Zweifel also für den Angeklagten.
Dazu die Zeit in einem nachträglich eingefügten Absatz: „Zu der Behandlung des 22-Jährigen äußert sie sich nicht.“
Nun ja. Wer Augen hat zu sehen, der sehe.
Übrigen wüsste ich nur zu gern, warum folgende „Vorfälle“, die in Berlin stattgefunden haben, offenbar kein Skandal sind:
Aber schon klar, dass ist das, was wahrscheinlich wieder unter dem Stichwort „Aufrechnung“ unter den Tisch gekehrt wird.
Abschließend noch mein herzlicher Dank den den Kriminalreporter der Berliner Zeitung, der heute Morgen mit dem Kommentar „Was das Video der Festnahme nicht zeigt“ das Video als das entlarvt, was es ist. „Es gibt Videos im Netz, die polizeiliches Fehlverhalten sehr genau dokumentieren und zu Disziplinarverfahren führten. Dieser Film aber ist kaum mehr als Propaganda.“ Abgesehen von den essentiellen Szenen, die überhaupt zu diesem Einsatz führten, fehlt auch die eine oder andere Gewalttat gegen Polizeibeamte. Es „zeigt auch nicht, dass der Beamte, der den Ausweis des 22-Jährigen sehen wollte, am Schluss von oben bis unten bespuckt war.“
Allgemein Österreich Verein

Denkmal der Exekutive

Neulich war ich für ein paar Tage in Wien. Nicht nur für Menschen, die als Teenager die größten Fans westlich von Suez der Sissi-Reihe waren, ist diese Stadt interessant. Es gibt viel zu sehen, es gibt viel Schönes, Auffälliges und manchmal auch Bombastisches zu sehen.

Beinahe übersieht man zwei schwarze Blöcke aus schwarzem Stahl. Um genau zu sein hat mich ein Wiener Polizist darauf aufmerksam gemacht.

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Im Ensemble des Heldentores (links ausschnittsweise im Bild) und des Komplexes der neuen Hofburg sowie den beiden Museen vor der Hofburg (hier im Bild das kunsthistorische Museum), fallen diese beiden schlichten Blöcke wirklich kaum auf.

Dieses schlichte Denkmal, mitten auf dem Heldenplatz, ist den Polizisten und Gendarmen gewidmet, die seit 1945 in Österreich ihr Leben gelassen haben.

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Es steht auf einer Fläche aus leeren Betonplatten. Davor ist in den Boden eingelassen:

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Es wurde 2002 enthüllt. Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 345 Polizisten und Gendarmen im Dienst am Bürger gestorben. (1) Bei der Enthüllung sagte der damalige Bundespräsident Thomas Klestil (ÖVP): „.. sie sind für uns alle, für Österreich, gestorben. Ich meine daher, dass es an der Zeit war, für diese Beamten ein sichtbares Zeichen zu setzen – ein Ehrenmal, das Ihren Kameraden wie auch den Hinterbliebenen, Freunden und allen Menschen zeigt, dass Österreich sie nicht vergessen hat. Jeder Tod ist für sich gesehen eine Tragödie – Leid, das nicht messbar ist: Für Ehepartner, Kinder, Eltern, Freunde und Kameraden.“ (2)

Warum hat Deutschland so etwas nicht? Und bitte, man möge mir die Antwort ersparen, dass dies so sei, weil Polizei Ländersache sei. Als habe das irgendetwas damit zu tun, dass da Menschen für uns als Gesellschaft Risiken eingehen. Mir ist das ehrlich gesagt vollkommen wurscht, ob mir ein Bayer, ein Rheinland-Pfälzer oder ein Mensch aus Mecklenburg-Vorpommern weiterhilft, wenn ich die Hilfe der Polizei brauche. Und es ist ja nun nicht so, als sei ein Hesse in Nordrhein-Westfalen nicht berechtigt, polizeiliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.  Was solch ein Denkmal betrifft, genügt es schlichtweg ein Interesse daran zu haben, sich mit einem deutlich sichtbaren Zeichen hinter unsere Polizeibeamten zu stellen. Hinter jene Menschen, die unsere demokratisch verfasste und rechtsstaatlich legitimierte Polizei bilden. Die beste Polizei, die es je auf deutschem Boden gab, weil sie, entgegen anderslautender Behauptungen, keine Diktaturpolizei ist.

Es muss ja nichts Großes sein. Wie man in Wien eindrucksvoll sehen kann. Mir persönlich würde das sehr gut gefallen.

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(1) http://www.viennatouristguide.at/Ring/Denkmal_Bild/z_exekutive.htm

(2) http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Denkmale/Exekutive-Denkmal

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