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Allgemein Demo Verein

Am Ende hatte ich feuchte Augen – Demoeinsatz in Remagen – 18.11.2017

Unsere Polizei hat mir an diesem Tag feuchte Augen verschafft. Unsere Polizei, einige Vereinsmitglieder und weitere Unterstützer.

Mehr helfende Hände als sonst hatte ich beim jährlichen Demoeinsatz in Remagen. Darauf und auf die Reaktionen aus den Reihen der Polizei möchte ich den Schwerpunkt dieses Artikels legen. Dem Einsatzanlass möchte ich nur wenige Worte zum Schluss widmen. Einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei Rückhalt zu vermitteln ist als Absage an jede Form des Extremismus deutlich genug.

Mein Einsatz begann, nach dem Einholen der entsprechenden Genehmigungen bei den beiden zuständigen Polizeipräsidenten, mit dem Bestellen der Leckereienspende im Vorfeld. Da wir im Vorjahr zurückgemeldet bekommen hatten, dass der viele Kuchen zusammen mit den Nussecken der Gewerkschaft der Polizei dafür gesorgt hatte, dass der eine oder andere Polizeibeamte sich kurz vorm Zuckerschock befand, wollten wir umdenken. Der Verein heißt schließlich KEINE Gewalt gegen Polizisten e.V.. Also sprachen wir im Verein seit Monaten über Alternativen. Zwei Mitglieder spendeten Geld, damit wir dieses Jahr mit mehr Variationen antreten konnten.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Bäckerei Müller und die Markthalle Remagen für sehr gute Beratung in der Sache. Neben Muffins spendeten wir dieses Mal Laugenkonfekt, Mini-Partystangen und Äpfel. Es kam alles sehr gut an. Zwar haben wir den einen oder anderen Apfel übrig, aber wir üben ja noch. In 20 Jahren haben wir es auf den Apfel und den Muffin genau austariert.wp-monalisa icon

Nach und nach bat ich in der Innenstadt wieder um das Aushängen diverser Plakate. Neben Grund- und Realschule (an dieser Stelle mein besonders herzlicher Dank an die jeweiligen Hausmeister für ihre Unterstützung und natürlich auch an die Schulleitungen) hängten die Kreissparkasse Ahrweiler, die Fahrschule Kühn, die Buchhandlung Hauffe, die Post, die Hubertus-Apotheke, die Graben-Apotheke und die Remagener Markthalle unsere Plakate aus. Um das Aushängen im Schaukasten der Evangelischen Kirche kümmerte sich unsere Schatzmeisterin. Danke auch an das Ordnungsamt für die Genehmigung, Plakate in der Lagerhalle am Bahnhof anzubringen, die ebenalls als Versorgungsstelle für die Bereitschaftspolizei dient.

Zwei Tage vor dem Einsatz machte ich mich daran, die Hundekekse für die Diensthunde zu backen. Unser Schriftführer hatte mir netterweise das notwendige Hackfleisch gekauft. Freitag brachte unser Mitglied Sabine Thumm-Kißling selbst gebackene Muffins – mengenmäßig ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir verteilten diese aber gleichmäßig auf alle Versorgungsstellen, um rüberzubringen, dass die Polizistinnen und Polizisten im Einsatz Sabine wichtig genug sind, sich an den Ofen zu stellen. In der Zeit war ich mit unserem Mitglied Svenja unterwegs, schon einmal Plakate in einigen Versorgungsstellen aufzuhängen und noch letzte Besorgungen zu tätigen.

Die helfenden Hände unseres Schriftführers

Am Einsatztag selbst begann unser Tag um 6:30 Uhr damit, das Auto zu beladen. Dabei halfen der Schriftführer und unser Neumitglied Julia. Um Punkt sieben Uhr fuhren wir vor der Bäckerei vor. Unsere Schatzmeisterin und Nadine stießen dazu. Dadurch waren wir so schnell fertig, dass wir noch ein kleines Frühstück kaufen konnten. So brachten uns später die köstlichen Düfte, die aus den hübschen Geschenkkartons der Bäckerei Müller waberten und die Fensterscheiben beschlagen ließen, nicht ganz so um den Verstand. Unsere Schatzmeisterin fuhr dann erst einmal wieder nach Hause, um mit ihrem Mann zu frühstücken. Für den Rest des Tages blieb sie in Bereitschaft, aber wir konnten ihr einen ruhigen Samstag gönnen.

Wir lagen so gut in der Zeit, dass Nadine, Julia und ich die erste Versorgungsstelle schon bestückt hatten, bevor wir in der Feuerwache um acht Uhr morgens unsere Plakate aufhängen konnten. Zu Nadines und meiner Freude trafen wir dort Polizeibeamte, die uns schon vom Vorjahr kannten. Also brauchten wir gar nicht viel zu erklären und machten uns ans Aufbauen des ersten Tisches.

Im Vordergrund: Sabines selbst gebackene Muffins

Weiter ging es zur Feuerwache. Dort waren schon einige Polizisten und auch Feuerwehrleute emsig am Werk.

Am Streifenwagen ganz links sieht man, wie schattig es war.

Auch hier bekamen wir einen Tisch zur Verfügung gestellt und hängten unsere Plakate aus. Zu meiner Freude begegnete ich dem einen oder anderen, den ich schon mal bei einer Schicht begleiten durfte. Einer der Herren war kürzlich im Einsatz verletzt worden und hatte eine Karte von KGgP bekommen. Er zeigte mir die letzten Narben: „Aber schau mal, kaum noch etwas zu sehen.“

Abgesehen davon machte die Müdigkeit uns ein wenig albern, so dass ich, als wir wieder ins Auto stiegen, das hier vorfand. Danke, Nadine, Du Künstlerin! wp-monalisa icon

Nadine, Du bist echt eine Wolke.

 

Nach einer kurzen Erledigung in der Innenstadt kamen wir noch einmal wieder – ich wusste, dass der Einsatzleiter der Hundeführer kurz an der Feuerwache sein würde. So konnte ich ihm für alle Diensthunde unsere Hundekekse geben. Darauf regierte er mit großer Freude. Hunde sind auch nur Menschen. Und ja, wäre eine Reiterstaffel anwesend, würde Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. auch Möhren spenden.

Nächste Station – Polizeiinspektion. Auch hier lieferten wir einige Leckereien ab – schließlich muss neben dem Großeinsatz auch der normale Dienstbetrieb abgewickelt werden. Da war auch einiges geboten, jedenfalls kam der Wachhabende kaum dazu, ein paar Worte mit mir zu wechseln. Nun blieb nur noch die Lagerhalle am Bahnhof, damit wir unsere letzte Versorgungsstelle der Landespolizei bestücken konnten. Also nix wie los.

Am Bahnhof war es im Vergleich zu sonst deutlich zugeparkter. Offensichtlich waren die Parkverbotsschilder von unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nur sehr eingeschränkt wahrgenommen worden.

Ein Mannschaftswagen der Polizei hatte sich jedoch ein Plätzchen ganz nah an der Lagerhalle gesucht. Um genau zu sein, den Platz, den ich gern gehabt hätte. Also wurde ich mal kurz ein bisschen dreist und rangierte den Wagen mit unserem Kofferraum genau vor den Bug des Mannschaftswagens – das kurzfristig fassungslose Gesicht des Fahrers im Rückspiegel.

Aus beiden Fahrzeugen stiegen alle aus. Schnell hob ich die Kofferraumhaube, um die beiden Beamten mit dem Anblick unserer Leckereien friedlich zu stimmen. Beide lachten.

Der Beifahrer sagte: „Ich meinte bereits zu meinem Kollegen: ‚Pass auf, da geht gleich der Kofferraum auf und da kommt Kuchen raus!‘ So war es dann auch!“

Ich erkannte den Herrn wieder, der schon im Vorjahr die Schlüsselgewalt über die Lagerhalle gehabt hatte. Nachdem wir uns ausgiebig begrüßt hatten, halfen uns die beiden Herren dabei, unsere Gaben in die Lagerhalle zu tragen.

 

Da ich mittlerweile ein dringendes Bedürfnis verspürte, ging ich auf die an die Lagerhalle angeschlossenen Toiletten. Nach Vollendung meiner Erledigung wusch ich mir die Hände.

Seife?

Suchend schweifte mein Blick umher.

Keine Seife!

Zurück zu meinem Ansprechpartner.
„Habt Ihr eigentlich Seife dabei?“

„Nein! Ist da keine?“

„Nein!“

Unfassbar. Das ging gar nicht. Über mehrere Stunden ohne eine Möglichkeit, sich ordentlich die Hände zu waschen – und das in einer Jahreszeit, in der erste Grippe- und Erkältungswellen um sich greifen…

Da unser Termin bei der Bundespolizei erst um elf Uhr stattfinden würde, blieb uns noch Zeit.

„Wir kommen wieder!“

Mit Julia und Nadine fuhr ich zu einem Supermarkt in der Nähe und beschaffte vier Seifenspender und – wo ich schon mal da war – Desinfektionstücher. Auf Vereinskosten. Damit fuhren wir zurück zum Parkplatz und übergaben das an unseren Ansprechpartner.

„Ihr seid der Wahnsinn!“ war seine Reaktion.

Gerne! Aus unserer Sicht das Mindeste.

 

Schließlich fuhren wir los zur Versorgungsstelle der Bundespolizei. Genau vor der Haustür war ein Parkplatz frei. Manchmal muss man auch Glück haben. Ich glaube, die Idee war auch, dass dort für das Versammlungsgeschehen die Parkplätze frei gemacht werden sollten – aber wir standen ja nur zehn Minuten da.

Wir wurden sehr herzlich empfangen. Offenbar machte unsere Spende Freude. Uns freut es jedenfalls, wenn es gemundet hat.

Bildquelle: Bundespolizei

 

Nun wurde es Zeit, das Auto aus der Stadt zu schaffen. Oder sollten wir doch noch mal versuchen, zur ersten Versorgungsstelle zu kommen und noch etwas nachzulegen? Ok, das wollten wir probieren.

Klappte nicht!

Wir liefen auf zwei Straßensperrungen auf und entschieden, das Auto dann doch aus der Stadt zu bringen. Was uns eine interessante Schleichfahrt hinter einem Streifenwagen einbrachte.  wp-monalisa icon Ist ok. Ich mag solche Aussichten. wp-monalisa icon

Julia musste uns wegen anderweitiger Verpflichtungen verlassen, Nadine und ich gingen wieder zurück in die Stadt. Als erstes besuchten wir noch einmal die Bundespolizei – wir hatten doch glatt die Hundekekse für die Hundeführer beim ersten Anlauf nicht abgegeben. Da die Bundespolizei schon heftig im Einsatz und unter Strom stand, versprach uns eine Polizistin, die Hundekekse weiterzugeben.

Danke! Ihr macht mich stolz.

Anschließend liefen Nadine und ich durch die Stadt, von Versorgungsstelle zu Versorgungststelle. Von einigen mir bekannten Polizisten wusste ich, dass sie in diesem Einsatz stehen würden – ich schaffte auch im Laufe des Tages, jedem von ihnen wenigstens die Hand zu schütteln. Das ist mir auch immer sehr wichtig. Von einigen Bekannten wusste ich es nicht – und freute mich über ein Wiedersehen. Wir lernten viele neue Polizeibeamtinnen und -beamten kennen, die sich interessiert nach unserem Verein erkundigten. Und nicht nur Polizeibeamte…

Zu meiner Freude hörten wir mehrfach, dass sich zunehmend Bürgerinnen und Bürger einfach mal so bei der Polizei bedanken. Einige Gesprächspartner hatten den Eindruck, ein gesellschaftlicher Wandel finde statt. Einige führten es auf den islamistischen Terror zurück, der den Bürgern wieder vor Augen führe, was sie an ihrer Polizei haben. Was immer der Grund ist – wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. können diese Entwicklung nur begrüßen.  wp-monalisa iconHoffen wir, dass sie nachhaltig ist.

Abschließend war noch Zeit für ein gemeinsames Gruppenbild mit den Leuten von der GdP, die ihrerseits im Versorgungseinsatz standen und eifrig Nussecken verteilten. Man beachte das schöne rote Auto im Hintergrund. Sagte ich bereits, dass ich auch großer Fan der Feuerwehr bin?

Wie immer war ich nebenher auf der Jagd nach Symbolfotos. Dabei musste ich einigen Polizisten die Angst vor meinem großen Objektiv nehmen. Bei mir gelten Persönlichkeitsrechte auch für Polizeibeamte. Wie immer sagte ich am Ende des Einsatzes: „Ich bin kaum zum Fotografieren gekommen!“ Und wie immer waren es am Ende dann doch einige brauchbare Fotos.

Wir schauten auch an der Fachhochschule vorbei, wo wir kurz auf eine liebe Bekannte trafen, die im Remagener Bündnis für Frieden und Demokratie aktiv ist. Auch hier schüttelten wir einige Hände.

Auf dem Weg dahin kamen wir einige hundert Meter entfernt an der Aufzugstrecke einer Gegendemonstration vorbei, pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem eine Lautsprecherdurchsage erklang: „Die Polizisten haben Helme auf. Das finden wir nicht gut.“

Da war ich inhaltlich dabei. Ich finde das auch nicht gut, wenn Polizisten ihre Helme aufsetzen müssen. Das heißt nämlich, dass es dann gewisse Anzeichen dafür gibt, dass sie etwas an den Kopf geworfen bekommen könnten. Aus Spaß tun sie das jedenfalls nicht.

Sie sind nämlich nicht zwingend scharf darauf, ihre Helme aufzusetzen. Es wäre also allseits geholfen, wenn man sich als Demonstrant von denen trennen könnte, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht gewaltlos ausüben können oder wollen.

Stünde jemand so dicht hinter mir, wie der Demonstrant links außen hinter den beiden Polizisten, würde ich mich reichlich körperlich bedrängt fühlen. Auch nicht nett!

Insgesamt verlief der Einsatz friedlich und endete entsprechend früh. Darüber bin ich sehr froh. Der Verein heißt schließlich KEINE Gewalt gegen Polizisten e.V. Früher als gedacht begannen die Beamten mit dem Abbau. Netterweise halfen uns Polizistinnen und Polizisten an allen Versorgungsstellen einfach damit, unsere Materialien vor die Tür zu stellen. So brauchten wir sie letztlich nur noch schnell einzusammeln.

Bevor ich nun zum Ende des Artikels komme, noch einmal eine kleine Ansage für alle, denen meine Absage an Extremismus in jeglicher Form zu subtil war: Ich lehne Rechtsextremismus ab. Jede Form der Menschenverachtung ist mir zutiefst zuwider. Da ich dem rechten Aufzug aber weitestgehend aus dem Weg gegangen bin, sehe ich nicht ein, wieso ich diesen Leuten in diesem Artikel eine Bühne bieten sollte.

Ganz am Schluss fand ich auf einigen übrig gebliebenen Äpfeln folgende Nachricht vor:

 

WOW!

Davon hatte ich echt feuchte Augen! Ihr seid der Hammer. Ihr und unsere Mitglieder, die mich so tatkräftig unterstützt haben. Ich bin immer noch ganz gerührt, wenn ich dieses Bild sehe.

Zum Abschluss trotzdem noch unser Dank – denn es ist ganz an uns Bürgerinnen und Bürgern, Euch für Euren täglichen Einsatz für uns als Gesellschaft zu danken!

 

Und wie immer zum Abschluss die Pressemitteilung der Polizei dazu:

Versammlungsgeschehen in Remagen

Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen und bei der Kreisverwaltung Ahrweiler angemeldet. Aufgabe der Polizei ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizeidirektion Mayen mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Um 11:00 Uhr fand an der „Schwarzen Madonna“, einer kleinen Friedenskapelle in der Nähe der Rheinwiesen, ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Über den Tag verteilt fanden in Remagen und am Rhein-Ahr-Campus eine Vielzahl von verschiedenen Veranstaltungen statt, welche sich gegen die rechte Gesinnung richteten.

Die Anhänger „Rechts“, ca. 200 Personen, trafen sich ab 12.00 Uhr im Bereich des Güterbahnhofs an der B 9. Die Teilnehmer zogen durch verschiedene Straßenzüge der Innenstadt. Nach einer Kundgebung in der Nähe der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort.

Zirka 350 Personen des linken Spektrums suchten heute den Weg nach Remagen. Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen konnte durch die eingesetzten Polizeikräfte verhindert werden.

Pressemitteilung der Polizeidirektion Mayen vom 18.11.2017

Demo Verein

Danke für den Demoeinsatz – dieses Mal ganz deutlich

demo_plakat_final_klein_schrift„Unsere Polizei ist demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich aufgestellt. Unseren Polizeibeamten danke zu sagen ist aus unserer Sicht eine klare Absage an jede Form des Extremismus.“

Dies sagen und schreiben wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. nicht nur regelmäßig, wir meinen es auch so. Deswegen ist es für uns Ehrensache, wenn ein großer Polizeieinsatz am Vereinssitz in Remagen stattfindet, dort vor Ort zu sein und Flagge zu zeigen, für unsere Polizistinnen und Polizisten als Vertreter einer Institution, die auf dem Boden der Verfassung steht. Damit zeigen wir auch Flagge gegen jede Form von Extremismus. Die Polizei schützt bei solchen Einsätzen das Recht auf freie Meinungsäußerung  – auch wenn uns diese Meinung nicht gefällt. Das ist nicht immer leicht und dafür verdienen unsere Polizeibeamtinnen und -beamten unseren Respekt und unseren Rückhalt.

Dieses Jahr hatten wir uns von den Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Koblenz sowie der Bundespolizeidirektion Koblenz eine Kuchenspende für die Einsatzkräfte genehmigen lassen, ebenso wie eine Plakataktion. Beides sollte dazu dienen, den Einsatzkräften klar zu machen, dass sie in Remagen willkommen sind.

In diesem Zusammenhang ein herzliches Dankeschön an McDonalds, die Post, die Kreissparkasse Ahrweiler, Edeka, die Buchhandlung Hauffe, die Remagener Feuerwehr, die Bahn, die Schulleitungen der Grundschule und der Realschule sowie den beiden Hausmeistern und last but not least dem Ordnungsamt der Stadt Remagen für ihre Unterstützung, die mindestens die Erlaubnis für das Aushängen eines Plakates beinhaltete. Diese Unterstützung hat mich in meiner Ansicht bestärkt, dass die meisten Menschen hinter unseren Polizeibeamtinnen und -beamten stehen – nur leider fallen diese viel zu selten auf. Es ist auch ein Ziel von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.,  das zu ändern.

Nachdem ich bereits Freitag drei Mal bei fiesem Regen in Sachen Plakate unterwegs gewesen war, begann für Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. der Demoeinsatz um 7:20 Uhr mit einem Treffen am Bahnhof – Nadine traf ein, um mit mir zusammen den Kuchen abzuholen. Das erwies sich auch als sinnvoll, denn alleine hätte ich nicht gewusst, wie ich solche Kuchenmengen ins Auto schaffen sollte. Wobei viel – wenn hundertschaftenweise Polizistinnen und Polizisten eintreffen, ist es gar nicht so furchtbar viel, sondern ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber die Geste zählt und zudem ist ja jedes Jahr die Gewerkschaft der Polizei mit den Nussecken im Einsatz. Wir wollen den Einsatzkräften schließlich keinen Zuckerschock verpassen, sondern zeigen: „Wir sind froh, dass Ihr hier seid.“

20161112_075738_klein_schriftIn der ersten Versorgungsstation halfen uns zwei Polizisten und eine Polizistin beim Aufbauen. Erst gaben sie uns einen guten Tipp, dann packten sie tatkräftig mit an. Danke dafür! Schon zu dieser frühen Stunde erhielten wir ein erstes Dankeschön. Auch diese drei Polizeibeamten waren ganz klar nicht an solche Ansagen an die Polizei gewöhnt. Es ist wirklich an der Zeit, dass wir Bürger das endlich ändern.

Insgesamt vier Versorgungsstellen der Landes- und eine der Bundespolizei suchten wir auf, um dort unsere Plakate und unseren Kuchen zu hinterlassen. Überall wurden wir freundlich empfangen und man griff uns unter die Arme. Eigentlich wollten wir Danke sagen und doch wurde uns Danke gesagt. Wow!

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An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Bundespolizei für den Tweet über unsere Spende.

Bildquelle: Bundespolizei
Bildquelle: Bundespolizei

Nachdem wir das erledigt hatten, wurde es Zeit, das Auto aus der Innenstadt herauszubekommen, solange es noch ging.

Wieder in der Innenstadt angekommen, begaben wir uns als erstes zum alten Güterbahnhof, um dort mit den in und um ihre Mannschaftswagen auf den Einsatz wartenden Polizeibeamten zu reden. Dabei gab es auch ein herzliches Wiedersehen mit den fleißigen Nusseckenverteilern der Gewerkschaft der Polizei. Nadine und ich bekamen auch eine. Danke dafür! Ich betrachte das als Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit, ebenso wie das Patch, das Marco trägt.

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Gerke Minrath (KGgP), Rolf Pörtner (GdP RLP), Nadine Imo (KGgP) und Marco Christen (GdP) (Bild: Achim Recktenwald)

Irgendwann  wurde es auf der anderen, der Innenstadt zugewandten, Seite des Bahnhofes laut. Lautes Schimpfen und wilde Beleidigungen an die Adresse der bereits eingetroffenen Teilnehmer des rechtsextremistischen Marsches flogen über die Bahnschienen. Dass dazwischen Einsatzkräfte der Bundes- und Landespolizei (und die Gewerkschafter und wir im Gespräch mit den Einsatzkräften) standen, schien nicht weiter zu stören. Bundespolizisten sorgten dafür, dass wieder Ruhe einkehrte.

Um nicht missverstanden zu werden – ich bin die Letzte, die etwas gegen Protest gegen Menschen hat, die ein offensichtliches Problem mit unserer Verfassung haben. Aber eben nach den Spielregeln des Versammlungsrechts und nicht auf Kosten der Einsatzkräfte.

Es dauerte eine Weile, bis der Aufzug sich in Bewegung setzen konnte. In dieser Zeit interessierten sich noch einige der eingesetzten Polizisten für unser Patch. Ganz ehrlich? Ihr macht mich damit echt ein bisschen stolz.

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Nadine und ich sammelten dann noch eine Weile Eindruck vom Demonstrationsgeschehen, dessen Beschreibung ich gleich lieber der Pressestelle der Polizeidirektion Mayen überlasse, denn wir waren ja nur sehr punktuell vor Ort. Ich machte auch wieder eine Menge Bilder, Symbolfotos kann ich immer gut für unsere Arbeit brauchen.

Wir begegneten im Geschehen auch dem Dienststellenleiter der PI Remagen, der sich kurz erkundigte, ob wir unseren Kuchen gut losgeworden seien. Ja, sind wir. Ich habe ihn bei der Gelegenheit gefragt, ob ich auch der Nachtschicht noch eine Palette bringen dürfe, da ja für die Polizei solch ein Einsatzgeschehen nicht schon dann beendet ist, wenn wir Bürgerinnen und Bürger nach Hause gehen. Natürlich stimmte er zu. Die Nachtschicht gehört zum Einsatzgeschehen dazu.

Als ich um kurz nach acht Uhr abends dort eintraf, waren auch bis auf den Wachhabenden alle ausgeflogen. Zwar nicht wegen des Versammlungsgeschehens, aber in einer Samstag-Nacht ist auch sonst viel zu tun.

Was ich leider nicht komplett losgeworden bin, sind die (ebenfalls von den Polizeipräsidenten genehmigten) Hundekekse für die Diensthunde, die ich immer im Vorfeld unter fachkundiger Aufsicht meines eigenen Hundes backe – Diensthunde sind auch Einsatzkräfte. Wir haben einfach nicht alle Diensthundeführer angetroffen. Dafür muss ich mir nächstes Mal eine andere Taktik überlegen. Für dieses Mal können sich die Hundebesitzer im Verein schon mal auf Post in den nächsten Tagen freuen.

Dieser schöne Kerl bspw. kam nicht in den Genuss unsere Kekse. Er sieht zwar recht entspannt aus, war aber gerade beim Arbeiten und wir konnten da schlecht stören.
Dieser schöne Hund bspw. kam nicht in den Genuss unsere Kekse. Er sieht zwar recht entspannt aus, war aber gerade beim Arbeiten und wir konnten da schlecht stören.

„Ich möchte mich auf diesem Wege nochmals sehr herzlich für den guten Kuchen und für Ihre Mühe bedanken. Wir finden es wirklich bemerkenswert, dass Sie und die Mitglieder/-innen der KGgP uns so toll unterstützten. Das erleben wir so äußerst selten.“ So schrieb mir im Nachgang einer der eingesetzten Polizisten. Damit fasste er zusammen, was viele seiner Kolleginnen und Kollegen uns mündlich mit auf den Weg gaben. Und wirklich, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger – den Teil mit dem „äußerst selten“ sollten wir endlich mal ändern.

Umfragen zeigen wieder und wieder und wieder, dass die Polizei bei uns Bürgerinnen und Bürgern ein hohes Vertrauen genießt. Warum überlassen wir das Feld der Minderheit, die das anders sieht?

 

 

Versammlungsgeschehen in Remagen

Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen und bei der Kreisverwaltung Ahrweiler angemeldet. Aufgabe der Polizei ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizeidirektion Mayen mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Um 11:00 Uhr fand an der „Schwarzen Madonna“, einer kleinen Friedenskapelle in der Nähe der Rheinwiesen, ein Gottesdienst und eine Versammlung des „Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie“ statt. In der Innenstadt von Remagen wurde ein Bürgerfest zum „Tag der Demokratie“ durchgeführt. Hier hielt der rheinland-pfälzische Innenminister, Herr Roger Lewentz, auf dem Marktplatz eine Rede.

Eine weitere Versammlung fand unter dem Motto „NS Verherrlichung stoppen! Rechtsterrorismus bekämpfen Genug ist Genug“ statt.

Unter dem Motto: „Lauf der Demokratie statt Verdrehung der Geschichte an historischen Orten durch Neonazis!. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ wurde ein Staffellauf im Stadtgebiet Remagen organisiert.

Die Anhänger „Rechts“, ca. 250 Personen, trafen sich ab 12.00 Uhr im Bereich des Güter-bahnhofs an der B 9. Der Demonstrationszug zog gegen 13:15 Uhr durch verschiedene Straßenzüge der Innenstadt an die „Schwarzen Madonna“. Nach einer Kundgebung an der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort.

Zirka 500 Personen des linken Spektrums suchten heute den Weg nach Remagen. Auseinandersetzungen der rechten und linken Gruppen konnte durch die eingesetzten Polizeikräfte verhindert werden. Durch die Versuche den Aufzugsweg zu erreichen und die Kundgebung der „Rechten“ zu stören kam es zwischen der Polizei und Personen des linken Spektrums in einigen Fällen zu Konfrontationen welche ein polizeiliches Einschreiten erforderlich machten. Eine kurzfristige Sitzblockade löste sich nach Ansprache durch die Polizei auf.

(Pressemitteilung der Polizeidirektion Mayen vom 13.11.2016)

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Allgemein Demo

Köln – Nachwehen des Demontrationsgeschehens vom 09. Januar 2016

Symbolfoto
Symbolfoto

Eigentlich wollte ich zu Köln nichts schreiben. Zum einen ist über die Geschehnisse in der Silvesternacht so viel geschrieben worden, dass mir der Hype schon zu groß geworden ist. Hypes sind nicht so mein Ding. Meiner Ansicht nach verursachen sie einen Tunnelblick und man vergisst, an andere Orte zu schauen. Zum anderen war (und bin) ich Gefangene des Jahresabschlusses des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, was eine Menge Arbeit bedeutet, die mir nicht wirklich Spaß macht. Also habe ich eh keine Zeit und wenn ich welche hätte, würde ich sie sicherlich nicht auf einen Beitrag verwenden, mit dem man sich nur eine blutige Nase holen kann – von welcher Seite auch immer. Allerdings habe ich es ein wenig bedauert, dass ich dem Bundesinnenminister bzw. dem Innenminister von NRW keinen Brief schreibe, was ich von ihren unglaublichen Aussagen über die Kölner Polizei halte. Wie kann man als Innenminister so über seine Mitarbeiter reden? Und wer hat gemeinsam mit allen anderen Innenministern und -senatoren dieser Republik die Polizei kurz und klein gespart? Ein peinliches Schauspiel…

Aber gut, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, diese Briefe werde ich noch aufsetzen, auch wenn sie mit Sicherheit in entsprechenden Vorzimmern versanden werden und eine Antwort aus hübschen Standardtextbausteinen (wenn überhaupt) bei mir landen wird. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.

Auch möchte ich nichts dazu schreiben, wer da nun alles aus der Silvesternacht in Köln versucht, politisches Kapital zu schlagen und angebliche Lösungen anbietet. Auch dazu wurde schon alles geschrieben. Ja, mich beunruhigt das auch, was da passiert ist. Ob man dem Problem allerdings mit wildesten Verallgemeinerungen beikommt, wage ich mal zu bezweifeln. Das scheinen aber offenbar viele Menschen zu glauben, was mich nicht weniger beunruhigt als die Vorfälle selbst.

Am 09.01.2016 rief Pegida NRW als Reaktion auf die besagten Vorfälle der Silvesternacht zu einer Demo auf. Ich lasse an dieser Stelle der Polizei Köln das Wort. Obwohl ja derzeit jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, auf die Kölner Polizei zeigt, erscheint mir die Polizei doch als einzig Vertrauen erweckender Protagonist in der seit Samstag losrollenden Geschichte:

„Die Polizei hat am Nachmittag die Versammlung von Pegida NRW nach gewalttätigen Ausschreitungen aufgelöst. Teilnehmer hatten Einsatzkräfte der Polizei mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen. Die Polizei nahm mehrere Personen zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam. Bei den gewaltsamen Übergriffen wurden mehrere Polizistinnen und Polizisten sowie nach derzeitigem Kenntnisstand ein Medienvertreter verletzt. Der freie Journalist wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik eingeliefert.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Versammlung mit circa 1700 Teilnehmern fielen mehrere Personen durch ihr aggressives Verhalten auf. Bei durchgeführten Durchsuchungen wurden unter anderem ein Nothammer, Drogen und mehrere Knallkörper aufgefunden und sichergestellt. Entgegen der ersten Einschätzung von ca. 50 % bestand der weitaus größte Teil der Teilnehmer aus Hooligans.

Ablauf der Pegida-Versammlung

Nach dem Start der Pegida-Kundgebung um 14.02 Uhr setzte sich der Aufzug nach einer Auftaktkundgebung um 15.19 Uhr in Bewegung. Zwischenzeitlich hatte die Polizei in Absprache mit dem Versammlungsanmelder den Weg des Aufzuges geändert. Nur so konnte das polizeiliche Ziel der räumlichen Trennung der Versammlungen Pegida NRW und des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ konsequent umgesetzt werden. Nach ersten Würfen von Knallkörpern gegen die begleitenden Polizeibeamten wurde der Aufzug gestoppt. Aufforderungen den Bewurf mit Knallkörpern zu unterlassen wurden nicht Folge geleistet. Gegen 15.40 Uhr vermummten sich mehrere Personen der Versammlung Pegida NRW auf der Turiner Straße. Daraufhin wurde dem Versammlungsleiter die Auflage erteilt, zum Breslauer Platz zurückzukehren. In der Folge wurden Durchbruchsversuche der Versammlungsteilnehmer mit dem Einsatz von Reizgas unterbunden. Nach wiederholtem Bewurf der Einsatzkräfte mit Glasflaschen setzte die Polizei gegen 16.10 Uhr einen Wasserwerfer ein und löste die Versammlung unmittelbar danach mit Lautsprecherdurchsagen auf.

Ablauf der Versammlung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“

Die Gegenveranstaltung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ verlief ohne Zwischenfälle. Der erste angemeldete Aufzug im Bahnhofsviertel fand nicht statt. Mit Auflösung der Versammlung von Pegida NRW machten sich etwa 400 Teilnehmer der ursprünglich auf 1700 Personen geschätzten Versammlung auf den zweiten angemeldeten Aufzugsweg und beendeten ihre Kundgebung um 17.21 Uhr am Hans-Böckler-Platz.

Hinweis zur Strafverfolgung

Bislang wurden 15 freiheitsentziehende Maßnahmen getroffen. Über die gefertigten Strafanzeigen hinaus wird die Polizei Videos und Fotos vom Einsatzgeschehen auswerten und gegebenenfalls weitere Strafverfahren einleiten.“ (Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Köln vom 09.01.2015, Hervorhebungen durch mich)

 

Und hier noch gleich die Meldung der Bundespolizei dazu:

Die Bundespolizei war heute (09. Januar), anlässlich von zwei Versammlungen, mit einem Großaufgebot im Bereich des Köln Hauptbahnhofs sowie im Ruhrgebiet im Einsatz.

Einsatzkräfte begleiteten seit den Vormittag größere Personengruppen von Teilnehmern beider Versammlungen nach Köln. Bei der Ankunft eines Regionalexpress aus dem Ruhrgebiet, mit 450 PEGIDA Teilnehmern, zündete ein bislang unbekannter Tatverdächtiger Pyrotechnik. Hierdurch wurden zwei Bundespolizisten, die sich im direkten Umfeld aufhielten, durch ein Knalltrauma verletzt und mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.

Bis auf diesen Vorfall verlief die Anreisephase ohne besondere Vorkommnisse. Insgesamt kamen circa 760 PEGIDA Teilnehmer sowie 500 Personen der Gegendemonstration mit Zügen der Deutschen Bahn AG nach Köln.

Im Rahmen der Abreisephase kam es im Bereich eines Zugangs in den Hauptbahnhof (Breslauer Platz) zu Provokationen durch PEGIDA Teilnehmern. Daraufhin räumten Einsatzkräfte der Bundespolizei den Bereich. Nachdem circa 500 rechtsgerichtete Versammlungsteilnehmer einen Regelzug bestiegen hatten, verließ dieser in Begleitung der Bundespolizei den Kölner Hauptbahnhof in Richtung Ruhrgebiet. Beim Ausstieg von rechtsgerichteten Versammlungsteilnehmern in Essen, kam es zu „Rangeleien“ mit anderen Personen. Dabei fiel eine Person, selbstverschuldet, in den Gleisbereich und wurde dadurch leicht verletzt.

Gegen 18:00 Uhr wurde die Bundespolizei über eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Versammlungsteilnehmern, am Bahnhof Köln West, informiert. Nachdem Einsatzkräfte am Haltepunkt eintrafen, konnten keine Personen mehr festgestellt werden.

Im Kölner Hauptbahnhof und auf verschiedenen Bahnsteigen, kam es immer wieder zu gegenseitigen Provokationen von den unterschiedlichen Versammlungsteilnehmern. Gegen gewalttätige Auseinandersetzungen wurde daraufhin konsequent eingeschritten.

Nach derzeitigem Stand (19:30 Uhr) leitete die Bundespolizei Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und Widerstands ein.

Durch das starke Aufgebot von Einsatzkräften der Bundespolizei aus dem gesamten Bundesgebiet konnten größere Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Versammlungsteilnehmern verhindert werden, so der Einsatzleiter der Bundespolizei, Polizeidirektion Oliver Humpert. (Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Köln vom 09.01.2016, Hervorhebungen durch mich)

Halten wir also fest:

Es gab Ausschreitungen während der Demonstration, bei denen Polizistinnen und Polizisten verletzt wurden. Bereits bei der Ankunft benahm sich in einem Zug voller Pegida-Teilnehmer einer so daneben, dass zwei Bundespolizisten ein Knalltrauma zurückbehielten. Gut, der Tatverdächtige konnte bislang nicht ermittelt werden. Es kann natürlich auch ein gewöhnlicher Reisender gewesen sein, der einfach versehentlich mit den Pegida-Leuten in einem Zug gelandet ist. Passiert ja ständig, dass durchschnittliche Bahnpassagiere Pyrotechnik zünden…

Aufgrund der Ausschreitungen wurde die Demonstration aufgelöst.

So weit, so normal. Zumindest wenn man das Weltbild hat, dass kein Polizist die Verpflichtung hat, sich, von wem auch immer, verletzen zu lassen. Ausschreitungen gegen die Polizei sind kein Mittel politischer Meinungskundgabe. Egal, auf welcher Seite des politischen Spektrums diese stattfindet.

Was dann am gestrigen Tag über „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ hereinbrach war nicht einmalig, aber es war mehr als entlarvend.

Über sämtliche zur Verfügung stehenden Kanäle wurden wir mit Unterstellungen an die Adresse der Polizei bombardiert. Es begann mit Nachrichten in bester Empörungsrhetorik: „Wir könnt Ihr fordern, dass Polizisten gewaltfrei begegnet wird, wenn diese auch Gewalt verüben?“ (Wir erinnern uns kurz an dieser Stelle, auf welcher Seite die Verletzten zu beklagen sind, aber die haben sich sicher mal wieder selbst verprügelt.)

Wir wurden mit Youtube-Videos förmlich zugepflastert. Hauptsächlich ging es um einen „linken Journalisten“, der im Rücken der Polizeikette einen Böller gezündet haben soll. Das hat dann die böse Polizei einfach so der vollkommen unschuldigen Pegida-Versammlung zugerechnet. Die böse Polizei schützte dann auch noch den bösen „linken“ Journalisten. Woran man nun genau erkennen konnte, dass der Journalist „links“ ist, wissen wohl nur diese Pegida-Anhänger und ihre Apologeten selbst. Ich tippe darauf, dass es sich um das gleiche Phänomen handelt wie bei vielen Linksextremisten, bei denen jeder gleich „rechts“ ist, der ihre Meinung nicht zu 100% teilt. So ist, je nachdem für wessen Gewaltakte gegenüber Polizisten wir kein Verständnis entwickeln möchten, „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ entweder ein „rechter“ Verein oder ein „linker“ Verein. Na, dann stehen wir ja offensichtlich in der Mitte, wo wir auch stehen wollen. Auf der Verfassung.

Ich möchte diesen Youtube-Videos eigentlich kein Forum hier geben. Was ich von selbst zusammengeschnippelten Videos halte, die irgendwer ins Internet hochlädt, wo sie dann von einer Art selbst ernanntem Volksgerichtshof als angeblich unfehlbares Beweismittel für die Verfehlungen der Polizei herhalten müssen, habe ich auch oft genug gesagt – nichts! Dabei ist mir auch piepegal, welcher politischen Grundrichtung der Hochladende angehört: Recht, links oder politisch freischwebender Polizistenhasser. Ich habe genug Polizeieinsätze gesehen, aus denen ich mir, wenn ich sie gefilmt hätte, durch ein paar geschickte Schnitte ein hübsches Video über anlasslose Polizeigewalt hätte schnitzen können.

Erwähnen möchte ich dann aber doch die hier einsehbare UNGESCHNITTENE Fassung, die offensichtlich unter Missachtung jeglichen Urheberrechts von Köln TV übernommen und (sehr schlecht!) zusammengeschnitten wurde. Hier sieht man, wie der Böller, den angeblich der „linke“ Pressevertreter gezündet haben soll, aus der Versammlung geflogen kommt.

Es kommt aber noch besser. In einem Text (hier verlinkt), der in jeden sich bietenden Kommentar auf unserer Facebook-Seite geklebt wird (selbstverständlich unter Missachtung jeglicher Regeln, die wir aufgestellt haben), liest man „Hier muss unbedingt geklärt werden, ob die Polizei selbst Böller warf, um die Veranstaltung zu misskreditieren.“ Na klar. Pyrotechnik gehört bei der Polizei seit Urzeiten zur Standardausrüstung für Demoeinsätze. Insbesondere verletzt man unheimlich gern seine eigenen Kollegen. *Ironie Ende*

Mal ernsthaft. In Zeiten, in denen jeder polizeiliche Darmwind von gefühlten 100 Smartphones gefilmt wird, wäre es reichlich dumm, als Polizist mit Pyrotechnik um sich zu werfen. Wenn man den Job nicht mehr haben will, kann man auch einfach eine Kündigung schreiben.

Dieser Text wird uns auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Postfach oder wider unsere Seitenregeln in Kommentare gelegt, mit der FORDERUNG (!), dazu Stellung zu beziehen. Da wird ein gemeinnütziger Verein, dessen Mitglieder ehrenamtlich neben Beruf und Familie tätig sind, aufgefordert. Nur zur Illustration, welche Vorstellung von Höflichkeit diese Leute haben.

Noch ein paar Highlights aus diesem Text:

„Schon bei der Ankunft wurden wir in einer unfassbaren Art von Polizisten bei Seite gezogen, und uns wurde BEFOHLEN, dass wir unsere Taschen zeigen sollten.“

Auch ich musste schon mal meinen Rucksack öffnen. Das ist vollkommen normal und wenn ihn auch einfach öffnet, wird man auch nicht „beiseite gezogen.“

„Es gab kein freundliches Wort, es wurde nicht im vernünftigen Ton gesprochen.“

Hierzu möchte ich einen der Pegida-Apologeten auf unserer Seite zitieren, der unter einer Meldung über einen dienstunfähig verletzten Polizisten aus Augsburg (keinerlei Zusammenhang zu Pegida) postete: „Aber ihr von keine Gewalt bitte lese sie mal, natürlich scheisse wenn Gewalt gegen die Polizei begangen wird, aber lügen , Vergewaltiger frei lassen, Straftaten vertuschen, selber Böller schmeissen um es auf das voll zu schieben um sein eigenes volk anzugreifen… lassen sie uns freundlich reden…“ Dabei ein Link zu einem der bekannten und beliebten Youtube-Videos.

Fassen wir diesen Kommentar mal zusammen: Da bricht jemand unsere Seitenregeln (Links sind uns via Persönlicher Nachricht zu übersenden, da wir für die Inhalte unserer Seite verantwortlich sind und sie uns deshalb erstmal ansehen wollen), er kommt mit übelsten Unterstellungen um die Ecke, die er auf bekanntlich nicht aussagekräftigen Videos aufbaut und er hat so gar kein Problem damit, das Leid eines bayerischen Polizisten, der nicht das Geringste für Köln kann, für seine Zwecke zu missbrauchen. Von dem Missbrauch unserer Präsenzen mal ganz abgesehen. Davon, dass es nach wie vor nicht die Polizei ist, die über die Rechtsgrundlagen entscheidet (egal wie oft es behauptet wird), auf denen mutmaßliche Täter freigelassen werden, möchte ich hier gar nicht reden. Oder über das wirklich beunruhigende Verständnis von Rechtsstaatlichkeit, dass hier jemand ohne jegliches Verfahren zu wissen glaubt, wer Vergewaltiger ist. Aber wir sollen „freundlich reden“?

Wenn das die Vorstellung dieser Leute von „freundlich“ ist, dann kann ich mir vorstellen, dass die Polizei denen „unfreundlich“ vorkam.

Zurück zu diesem Text:

„Zwischendurch explodierte ein Böller. EIN BÖLLER! EIN EINZIGER!!!“ Ach so. Na, dann macht es ja nichts. Ab der wievielten Wiederholung sind denn Rechtsverletzungen schlimm? Nicht vor der siebten, wie wir in der Folge erfahren: „Kurz danach explodierten weitere Böller. Nicht mehr als 5 oder 6 Stück, schätze ich mal aus meiner Erinnerung.“ An dieser Stelle des Textes also sind die Böller noch völlig harmlos. An anderer Stelle postuliert der Autor, wie weiter oben beschrieben, dass die Polizei die Böller selbst geworfen hat, um die Versammlung auflösen zu können. Was denn nun?

„Obwohl die Polizisten merkten, dass mehrere tausend Mann (nicht 1700, wie die Medien berichteten, aber seht Euch dazu selber die Videos an) auf der Stelle standen, nicht wussten was los war und immer unruhiger wurden, weil nichts passierte und keiner wusste, wann was wie weiter geht, ließen sie auf langer Strecke, gut sichtbar in Front zur Pegida, die Wasserwerfer auffahren.“ Ein altbewährtes Muster von Polizeikritikern. Natürlich handelt die Polizei grundsätzlich unverhältnismäßig und natürlich schätzt die Polizei die Anzahl der Versammlungsteilnehmer grundsätzlich zu niedrig.

„Die Polizei hat in diese Moment eine Panik unter den Leuten provoziert. “ Es ist prinzipiell oberstes Ziel einer Institution, die für Gefahrenabwehr zuständig ist, Massen in Panik zu versetzen. *Ironie Ende* Merkt der Autor eigentlich noch was?

„Wohlgemerkt, die paar von Hogesa waren nicht die Masse. Die Masse der Leute waren gestandene bürgerliche Menschen. Mittlerese Alter. Frauen, ein paar Kinder, Männer.“ Auch ein bewährtes Muster, der Polizei derartige Ungeheuerlichkeiten zu unterstellen. Ich erinnere an den Blockupy-Kessel vom 1. Juni 2013, in dem angeblich auch vollkommen harmlose Menschen von einer bösartigen und entfesselten Polizei festgehalten wurden (ohne dass ein einziger Böller geflogen war, aber das nur am Rande), und der im Nachgang vom Frankfurter Verwaltungsgericht sowie vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof als rechtmäßig festgestellt wurde, da die Polizei die von ihr vermutete Gewaltbereitschaft tatsächlich belegen konnte.

„Von vorne flogen Wasserflaschen auf die Polizisten. Ähmmm, stopp, PET-Flaschen. Keine Glasflaschen. Und Bierdosen.
Also definitiv keine Geschosse, wie Pflastersteine oder andere gefährliche Gegenstände.“ Ach so. Na dann ist das ja keine Gewalt. So eine gefüllte PET-Flasche wiegt ja je nach Größe bloß so um die 500 Gramm bis 2 kg. Macht ja nichts, wenn man so ein Gewicht an den Kopf geworfen bekommt. Und man kann ja auch, wenn ein Wurfgeschoss aus dem Getümmel auf einen zufliegt, genau erkennen, ob es gefüllt ist oder nicht. *Ironie Ende*

„Kurz darauf wurde dann schon mitten in die MEnge Tränengas gsprüht.“ Pfefferspray ist keine sonderlich ungewöhnliche Antwort, wenn Polizisten angegriffen werden. Auch diese Verwechslung von Ursache und Wirkung ist steinalt. Polizisten haben ein Recht, unverletzt nach Hause zu kommen.

„Währenddessen provozierten die Polizisten, in einer so unfassbaren Art und Weise weiter, dass man nur sagen kann, dass es einer Polizei eines Rechtsstaates absolut unwürdig war.“ Wir warten nun vergeblich auf eine Beschreibung des Rechtsbruches, die aber nicht kommt. Stattdessen sattsam aus einem anderen politischen Spektrum bekannte Klagelieder über martialische Ausrüstungsgegenstände und angebliche Einschüchterung.

„Ich verdächtige die Polizei hiermit ganz öffentlich und offiziell, dass sie ein Konfrontationskurs gefahren sind, um Pegida zu schaden.“ Wie neu!

Ganz ehrlich?

Kenn ich alles!

Diese ganzen Anschuldigungen an die Adresse der Polizei, sie sei zu hart vorgegangen, habe ich schon hören müssen, bis mir die Ohren bluten. Die politische Gegenseite garniert das gern mit der Vokabel von der „strukturellen Gewalt“.

Die Unterstellungen an die Adresse der Polizei, dass sie die Versammlung provozieren würde, um einen Grund zum Zuschlagen zu generieren, ist uralt. Am anderen Ende des politischen Spektrums heißt das dann „agents provocateurs“.

Eines ist für mich seit dem 9.1.2016 endgültig gesicherte Erkenntnis – es macht schlicht keinen Unterschied, ob da Linksaußen oder Rechtsaußen demonstriert – die Unterstellungen an die Polizei im Nachgang sind unterschiedslos vorprogrammiert – mit denselben Mitteln: zurechtgeschnibbelte Youtube-Videos, bloß keine Anerkenntnis, dass man selbst vielleicht die eine oder andere versammlungsrechtliche Grundlage missachtet hat (was natürlich immer negiert wird, während auf unseren Online-Präsenzen fröhlich sämtliche Seitenregeln gebrochen werden, was ja schon ALLES zum Thema „Einhaltung von Spielregeln“ sagt), Rechtfertigung von Gewalt gegen Polizisten durch angebliche Gewalt VON Polizisten ohne ein rechtsstaatliches Verfahren abzuwarten (Youtube als neuer Gerichtshof) und so weiter und so fort. Nicht zu vergessen das permanente nervtötende Selbstmitleid gepaart mit massiver Paranoia. Entweder ist der Unterschied kleiner als man annehmen sollte oder aber die hier in Köln demonstrierende Seite hat vom „Gegner“ gelernt… mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (was auch beide Seiten in einer Art Endlosschleife für sich selbst reklamieren) haben solche Unterstellungen in beiden Fällen wenig bis nichts zu tun. Wie sagt eine gute Freundin von mir so schön: „Ich erkenne meine Schweinchen am Gang.“ Oder aber ein anderer Bekannter: „Wenn es sich anfühlt wie Extremismus ist es wahrscheinlich auch welcher.“

Quintessenz für mich: Solange der Polizei regelmäßig von beiden Enden des politischen Spektrums vorgeworfen wird, auf dem anderen Auge blind zu sein, steht sie da, wo sie hingehört!

Allgemein Verein

Remagen, 21.11.2015 – Danke für Euren Einsatz

Als gemeinnütziger Verein von Bürgern für Polizeibeamte mit Sitz in Remagen haben wir es uns auch dieses Jahr nicht nehmen lassen, den Polizistinnen und Polizisten, die an unserem Vereinssitz anlässlich diverser Versammlungen im Einsatz waren, unseren Rückhalt zu zeigen. Um kurz nach neun Uhr morgens begann unser Tag und er endete gegen 18 Uhr.

Unser Motiv für den Einsatz in 2015:

Danke_Demo_2015_klein_Schriftzug

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die „Models“, die sich auf diesem Bild vom letzten Jahr wiedererkannt haben. wp-monalisa icon

Wie in den Jahren zuvor waren wir mit der Gewerkschaft der Polizei im Versorgungseinsatz. Die Gewerkschafter gaben Nussecken heraus, wir die Visitenkarten mit dem Dankeschön der Bürger in unserem Verein an die anwesenden Polizeibeamten.

An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, wie ein junger Polizist sagte: „Die Karte vom letzten Jahr haben wir seit einem Jahr an unserem Sichtschutz hängen. Sowas freut einfach.“ Danke für diese Motivation. Manchmal, wenn man ehrenamtlich tätig ist, durchläuft man Durststrecken, während derer man einfach keine Lust mehr hat. Wenn dann solche Rückmeldungen kommen, weiß man wieder, wofür man das macht.

In diesem Zusammenhang bliebe noch der Polizist zu erwähnen, der unseren Verein kannte, weil ein Kollege von ihm mal eine Karte von uns bekommen hat. Wir schreiben ja Genesungskarten an schwer, krankenhausreif und dienstunfähig verletzte Polizeibeamte sowie an Polizeibeamte, die wirklich harte Einsätze hinter sich bringen mussten. Auch hier freuen wir uns, dass diese Karte einen positiven Eindruck hinterlassen hat.

Am Bahnhof trennten wir uns von einem Teil unserer Begleiter von der GdP, außer Achim Recktenwald, der mit uns zu Fuß weitermachte:

Von links nach rechts: Gerke Minrath und Nadine Imo (Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.), Achim Recktenwald, Marco Christen und Rolf Pörtner (Gewerkschaft der Polizei)
Von links nach rechts: Gerke Minrath und Nadine Imo (Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.), Achim Recktenwald, Marco Christen und Rolf Pörtner (Gewerkschaft der Polizei)

Uns war wichtig, mit den saarländischen sowie wenigstens einigen Bundespolizisten ins Gespräch zu kommen. Sie sollten Remagen in guter Erinnerung behalten.

Natürlich sollten auch „unsere“ Polizisten, die zur Remagener und den umgebenden Polizeiinspektionen gehören und immer für uns da sind, nicht zu kurz kommen, mal wieder ein Dankeschön zu hören. Zumal ich selbst Ohren- und Augenzeugin wurde, wie ihnen einige meiner Mitbürger nicht sonderlich freundlich begegneten. Bei allem Verständnis dafür, dass Remagen im Ausnahmezustand war und deshalb Einschränkungen in Kauf zu nehmen waren – es wird doch wohl bitte möglich sein, dieses einmal im Jahr mit ausreichender Contenance zur Kenntnis zu nehmen und nicht ausgerechnet jenen dumm zu kommen, die uns Bürgerinnen und Bürgern dabei behilflich sind, mit den Einschränkungen fertig zu werden.

Aber es geht auch anders: Bereits am Morgen auf dem Weg in unseren Einsatz trafen wir ein mir bekannte Dame, die allen Polizeibeamten, denen sie auf dem Weg zum Einkaufen und zurück in ihre Wohnung begegnete, dankte. Klasse! Das ist die richtige Einstellung zu jenen, die uns Sicherheit gewähren.

An nahezu jeder Straßenkreuzung stand eine Streife, die weiterhalf.
An nahezu jeder Straßenkreuzung stand eine Streife, die weiterhalf.

Zum Einsatzanlass erteile ich der Pressestelle des Polizeipräsidiums Koblenz das Wort:

„Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute, 21. November 2015, zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen.

Aufgabe der Polizei war und ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Demonstrations- bzw. Versammlungsfreiheit der jeweiligen Teilnehmer zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizei mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Drei Aufzüge, zwei Kundgebungen und ein Spendenlauf gegen den rechten Aufzug waren bei der zuständigen Versammlungsbehörde, der Kreisverwaltung Ahrweiler, angemeldet. Zudem fand in der Innenstadt von Remagen ein Bürgerfest statt zum „Tag der Demokratie“, an dem Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilnahm und eine Ansprache hielt. Insgesamt demonstrierten so rund 1000 Menschen gegen das rechte Spektrum.

Ab 12.00 Uhr trafen sich etwa 120 Personen dieses Spektrums, im Bereich des Güterbahnhofs an der B 9. Deren Demonstrationszug zog ab 14.30 Uhr durch verschiedene Straßenzüge der Innenstadt bis zur „Schwarzen Madonna“. Nach einer Kundgebung an der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort um 17.20 Uhr.

Einige Aktivsten des linken Lagers hatten die Aufzugsstrecke der Rechten an mehreren Stellen blockiert. Dort, wo der Aufzug nicht an der Blockade vorbeigeführt werden konnte, wurden die auf der Straße sitzenden Demonstranten, nachdem sie die Fahrbahn auch auf mehrfache Aufforderung nicht räumten, von der Polizei wegtragen. Zudem versuchten Personen des linken Spektrums immer wieder gewaltsam auf die Versammlung der Rechten einzuwirken. Dies musste von den eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten verhindert werden.

Durch ein flexibles und ständig an der Lage angepasstes polizeiliches Einsatzkonzept konnten aber größere Störungen, sowohl für die Kundgebungen und die Aufzüge, als auch im Bereich des Straßenverkehrs rund um und in Remagen so gering wie möglich gehalten werden.“

Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. betrachten ein Eintreten für unsere demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei als klare Absage an jede Form von Extremismus. 

Aus diesem Grund beteiligte sich auch eines unserer Mitglieder, Gerhard Horstmann, mit einem kleinen Stand am vom Bündnis für Frieden organisierten Bürgerfest in der Innenstadt. Danke dafür!

Allgemein Demo

Prügel, die keine waren (Blockupy)

Symbolfoto
Symbolfoto

Warum mir Gewalt gegen Polizisten stinkt dürfte den meisten Lesern mittlerweile bekannt sein.

Was mir auch stinkt, ist, wenn Gewalttäter im Nachgang ihre Taten rechtfertigen, weil eigentlich nicht sie die Täter seien, sondern das ominöse System. Das ist sehr praktisch. Wenn das „System“ den Stein aufhebt oder den Streifenwagen mit Menschen darin anzündet, dann ist man ja nicht selbst derjenige, der den Tod oder schwere Verletzungen anderer billigend in Kauf nimmt.

Auch die nur sehr zögerliche, wenn überhaupt, Distanzierung anderer, friedlicher „System“gegner von derartigen Gewaltakten, stinkt mir. Da scheint ein vordergründig gemeinsames Ziel wichtiger zu sein als die körperliche Unversehrtheit von Mitmenschen. Schade!

Und am allermeisten stinkt mir, wenn im Nachgang die Geschichte umgeschrieben werden soll, weil eigentlich nämlich gar nicht gewaltbereite „Systemgegner“ Gewalt gegen Polizisten verübt haben, sondern Polizisten gewalttätig waren. Ach so?

Festgemacht wird das Ganze u.a. an einer in vielen Fotos festgehaltenen Szene, die sich derzeit auch in der Presse einer großen Beliebtheit erfreut. Zwei sachsen-anhaltische Bereitschaftspolizisten führen eine Frau, der Blut durch das Gesicht läuft. Hinter ihnen weitere Polizisten. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich die entsprechenden Bilder nur verlinken.

 

Frankfurter Allgemein, 18.03.2015 (Mittwoch, also der Tag des Geschehens selbst):

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/blockupy/linke-krawalle-in-frankfurt-nur-noch-blinder-hass-13491675/blockupy-2015-zur-eroeffnung-13490879.html

Die gesamte Fotostrecke stand unter dem Titel „Linke Krawalle in Frankfurt – nur noch blinder Hass“ und es gab keine Bildunterschriften. So gesehen ließ zu diesem Zeitpunkt das Foto, so erschreckend es auf den ersten Blick auch sein mag, unterschiedliche Interpretationen zu.

 

Handelsblatt, 18.03.2015:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/proteste-gegen-ezb-politik-blockupy-sorgt-fuer-chaos-in-frankfurt/11519998.html#item19

Die Fotostrecke war durchaus polizeifreundlich intendiert. Die Bildunterschrift lautet “ Polizisten führen Demonstranten ab – Auch mehrere Blockupy-Aktivisten wurden bei den Ausschreitungen verletzt“. Vordergründig ist das neutral formuliert, lässt aber doch die Frage aufkommen: Wie wurde eigentlich diese Demonstrantin verletzt?

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 23.03.2015 (man beachte, wir sind hier einige Tage weiter – am Montag, der den Ausschreitungen folgte)

http://www.rnz.de/politik/hintergrund_artikel,-Blockupy-Aktivisten-kritisieren-die-Polizei-_arid,85100.html

Die Bilder der Fotostrecke wechseln automatisch. In der Minivorschau unter der Fotostrecke kann man durch Anklicken auswählen, welches Bild angesehen werden soll. Ganz links haben wir „unsere“ Szene.

Im Gesamtzusammenhang des Artikels mit der Bildunterschrift „Angeblich habe die Polizei bei den EZB-Proteste in Frankfurt „bürgerkriegsähnliche Zustände herbeigeführt““ kommt da schon der Verdacht auf, die abgebildeten Polizisten könnten für das Blut verantwortlich sein, dass der Frau in Strömen über das Gesicht läuft.

 

Ein Ausriss aus einer Boulevardzeitung, nicht zu datieren

http://www.hart-brasilientexte.de/wp-content/uploads/2015/03/Frankfurt152.jpg

Hier wird dann jegliche Zurückhaltung und Recherche zu Gunsten billigster Effekthascherei aufgegeben. Bei solchen Bildausschnitten kann man dann auch gerne mal den intellektuellen Habitus aufgeben, der einem eigentlich verbietet, sich der Lektüre von Zeitungen mit großen Buchstaben hinzugeben.

 

Tatsächlich wird diesen sachsen-anhaltischen Polizisten vorgeworfen, sie hätten diese Frau verprügelt, bevor sie sie brutal abführten. Diese Vorwürfe sind in diversen Bildkommentaren zu finden und einem Augenzeugen zufolge wurden sie bereits vor Ort mit diesen Vorhaltungen konfrontiert.

 

Weit gefehlt!

 

Dem mir vorliegenden Augenzeugenbericht zufolge, wurde diese sachsen-anhaltische Polizeieinheit mit einem Steinhagel eingedeckt. Die Frau auf dem Bild warf eifrig mit. Schließlich bekam sie einen Stein der eigenen Leute ins Gesicht. Friendly fire sozusagen. Die Polizisten halfen ihr auf und brachten sie aus der Schusslinie. Natürlich war sie durch den Steinwurf benommen. Entsprechend fest mussten die Polizisten zugreifen, damit sie nicht stürzt. Insofern führen sie sie zwar ab, denn sie wollten wegen der von ihr ausgehenden Steinwürfe auch ihre Personalien feststellen. Gleichzeitig stützen sie sie ab. Von „brutalem Abführen“ kann jedenfalls keine Rede sein.

 

Auf diesem (lustigerweise ganz und gar nicht polizeifreundlich intendierten) Video findet sich der Beweis dafür, dass die sachsen-anhaltischen Polizeibeamten diese Frau nicht geschlagen haben.

Hier der Link zum Video (ich bitte um Verständnis, dass ich es nicht einbinden möchte):

https://www.youtube.com/watch?v=EDUPqcslkUg&feature=youtu.be

 

Ab 4:40 sieht man die fragliche Einheit im Einsatz. Die Polizisten laufen in eine Zone-30-Straße. Aus dieser Straße heraus wurden sie laut Augenzeugenbericht mit Steinwürfen eingedeckt.

Ab 5:00 sieht man eine Gruppe Polizisten und eine auf dem Bürgersteig am Boden liegende Person. Zwei der Polizisten knien neben der Frau. Ein Polizist steht dahinter. Links im Bild laufen weitere Polizisten dieser Einheit durchs Bild. Der Polizist mit der Aufschrift ST 113 beugt sich zu der Person. Man hört deutlich, wie sein Schlagstock über den Asphalt klappert, weil er ihn eben so hält, dass der Mensch am Boden ihn nicht abbekommt.

Irgendwann sieht man, dass es ich um die Frau von den weiter oben verlinkten Fotos handelt.

Bei 5:05 sieht man, wie ein Polizist der Persönlichkeitsrechte der Verletzten schützen will. Das wiederum wird mit einem in sehr patzigen Tonfall vorgetragenen „Ich bin von der Presse“ quittiert. Bei 05:16 stellt der aggressive Pressevertreter fest: „Ja, die ist verletzt.“

Ein Polizist antwortet: „Sie kriegt ja auch gleich einen Rettungssanitäter.“

Meinem Augenzeugen zufolge traf dieser auch unverzüglich bei der Frau ein.

(Es gehört nicht zum Thema der verletzten Frau, aber davon, lieber „Presse“vertreter, dass man aggressiv herumbrüllt, man sei von der Presse, stört man immer noch eine Amtshandlung. Hier wird doch sehr deutlich, wie bereits zu diesem Zeitpunkt versucht wird, den eingesetzten Polizeibeamten alles Erdenkliche unterzuschieben. Auch sein „Das geht auch anders!“ (5:40) zeigt eindeutig ein ganz übles Unverständnis von Ursache und Wirkung. Er stört die Amtshandlung, er lässt die Beamten durch aggressives Gebrüll nicht zu Wort kommen und als sich dann einer Gehör verschafft, indem er ihn übertönt, ist natürlich auch das wieder falsch.)

Leider setzt die Videosequenz hier aus. Aber man sieht ziemlich deutlich, dass die Polizisten die Frau nicht verprügelt haben. Selbst für die eine Sekunde, die man nicht sieht, muss man feststellen: Bei der Menge an Kameraleuten, die die Polizisten beim Hineinlaufen in diese Straße begleiten, würde es von dieser Szene formatfüllende Aufnahmen geben. Warum es die nicht gibt, hat ja mein Augenzeuge klar gemacht. Weil es keine Schläge an die Adresse dieser Frau gab.

Nachdem die Polizisten, die diese Frau nachweislich nicht verprügelt hatten, ihr aufgeholfen hatten, führten sie sie meinem Augenzeugen zufolge in einen nahe gelegenen Netto-Markt, um aus dem Getümmel herauszukommen. Dort wurden sie sofort von anwesenden Einkäufern bedrängt. Es fielen Sätze wie: „Warum verprügelt die Polizei eine hilflose Frau?“ oder auch „Polizisten prügeln immer ohne Grund – sogar ältere Frauen.“ Warum auch nicht ohne Hintergrundinfos erstmal Beschuldigungen raushauen, wenn sie doch so schön ins eigene Weltbild passen?

Da es im Netto folglich definitiv nicht ruhiger war als draußen, entschieden die Polizeibeamten, die Frau zu ihrem Einsatzfahrzeug zu bringen. Sie bestellten den Rettungswagen, den sie bereits angefordert hatten, dorthin. Die dazu abgehenden Funksprüche müssten eigentlich auch durch andere Umstehende gehört worden sein.

Schämt Euch, Polizeikritiker vor Ort, dass Ihr solche Dinge verschweigt! Schämt Euch, dass es Euch nicht interessierte, dass diese Menschen in Uniform einer von Euch halfen und Ihr sie sogar dabei noch bedrängt und gestört habt. Da muss man dann schon fragen dürfen – worum geht es Euch eigentlich?

Niemand will Polizeibeamten, die überziehen. Auch ich nicht. Das habe ich oft genug deutlich gemacht – auch wenn manche das gerne überlesen. Aber bevor man uneingeschränkt Vorwürfen glaubt bzw. diese selbst erhebt, sollte man hinterfragen und überprüfen. Es bleibt dabei: Nicht die Polizei hat in Frankfurt gezündelt. Der friedliche Teil der Blockupy-Demonstranten täte besser daran, sich endlich klar und deutlich von diesen Eskalationen zu distanzieren, anstatt die Geschichte nachträglich umzuschreiben.

 

Glücklicherweise beteiligen sich dieses Mal deutlich weniger Presseerzeugnisse daran als sonst. Offenbar wurde dieses Mal nicht nur für mich eine Grenze überschritten – und das gibt Hoffnung!

 

 

Allgemein Demo

Das hatten wir alles schon viel schlimmer – in grauer Vorzeit

Symbolfoto
Symbolfoto

Mir sagte einmal ein Polizist, den ich sehr schätze, dass Herr Behr ein netter Mensch sei, der im Grunde dasselbe wolle wie ich – keine Gewalt gegen Polizisten.

Mein damaliger Gesprächspartner ist mittlerweile in Pension und hat eine gestandene Polizistenkarriere hinter sich: Bereitschaftspolizei, Wechselschichtdienst, Führungsaufgaben. Also durchaus jemand, der weiß, was auf der Straße los ist. Wir sind auch einmal kräftig aneinandergeraten. Vielleicht schätze ich ihn gerade deswegen so hoch.

Weil ich nun diesem Polizisten vor seinem Hintergrund insgesamt eine hohe Urteilskraft zutraue, versuche ich seit diesem Gespräch die Äußerungen des Herrn Behr mit anderen Augen zu sehen.

Ich scheitere regelmäßig grandios!

Es ist mir bislang nicht gelungen, auch nur ein einziges Interview o.ä. zu finden, das ich nicht irgendwie beleidigend für Polizeibeamte empfände. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber offenbar habe ich da einen echt blinden Fleck.

Sein neuestes Interview in der Zeit vom 18.03.2015 (hier) empfinde ich da sogar noch vergleichsweise harmlos. Aber ich war ja auch nicht in Frankfurt, wurde nicht mit Steinen und anderem Wurfmaterial eingedeckt und mir wurden auch nicht die Arbeitsmittel unterm Hintern weg abgefackelt.

Dabei geht es mir auch nicht um unterschiedliche Meinungen. Herrn Behrs Ausfälle gegen die Gewerkschaften buche ich für mich darunter ab, dass man in einer Demokratie aushalten muss, wenn unterschiedliche Meinungen existieren. Auch werden wir uns in Sachen Kennzeichnungspflicht niemals einig werden. Ist aber auch wurscht. Müssen wir auch nicht. Ich halte Arbeitnehmervertretungen für einen essentiellen Bestandteil der Demokratie und bin mir sicher, dass Polizeigewerkschafter immer noch dichter am alltäglichen Erleben der Menschen, die sie vertreten, sind, als ein Wissenschaftler. Mit Verlaub. Bei aller Hochachtung, die ich für Wissenschaftler hege. In Sachen Kennzeichnungspflicht sind wir uns nicht mal innerhalb des Vereins einig. Auch gut!

Aber wieso muss man, wenn man doch keine Gewalt gegen Polizisten möchte, diese Menschen dann noch in öffentlichen Interviews herunterputzen und unter Druck setzen? Wieso muss man jenen in die Hände spielen, die jetzt schon wieder fleißig die Geschichte umschreiben und die Mär von der gewalttätigen Polizei verbreiten, indem man sich direkt nach derartigen Geschehnissen mit ungerechtfertigter Gewalt durch Polizeibeamte befasst. Das sind Verhaltensweisen, die sich mir einfach nicht erschließen. Für mich passt da was nicht zusammen.

Da wird durch Herrn Behr ein Vergleich gezogen zwischen dem 18.03.2015 und den Auseinandersetzungen um die Startbahn West und deswegen könnte man nicht sagen, noch nie sei es so schlimm gewesen.

Vielleicht lese ich die falschen Verlautbarungen. Aber das sagt doch auch keiner. Und dass der Mittwoch von Frankfurt seit diesem damaligen Höhepunkt eine neue Steigerung der Gewalt ist, das muss man doch wohl zugeben.

Herr Behr ist ja nun nicht mehr der Jüngste, er ist Baujahr 1958. Selbst ich, um einiges jünger, bin nicht mehr so ganz taufrisch. An die Konflikte um die Startbahn West kann ich mich nur undeutlich erinnern. Ich war damals ein Kind / eine Jugendliche und an Politik nur sehr marginal interessiert.

Das Durchschnittsalter der Polizeibeamten, die am Mittwoch in Frankfurt Dienst taten, lag mit Sicherheit deutlich unter meinem Alter. Für die meisten dieser jungen Menschen ist schon der Mauerfall tiefste Vergangenheit. Die DDR ist für sie irgendwie fast schon Steinzeit. Und denen wollen Sie damit um die Ecke kommen, dass in den 80ern doch alles viel schlimmer war? Hallo? Da dürften viele der Mittwoch im Einsatz befindlichen Beamten noch nicht mal in Planung gewesen sein. Ähnliches dürfte auch für die meisten der Gewalttäter gelten.

Ob das für einen fühlenden Menschen nun wirklich so einen immensen qualitativen Unterschied macht, ob er nun mit Zwillen und Stahlnägeln beschossen wird, oder mit Steinen beworfen oder ob das Polizeiauto, in dem er sitzt, in Brand gesetzt wird, bevor er rauskommt, das lasse ich mal dahingestellt. Das überlasse ich der persönlichen Empathiefähigkeit eines jeden.

Ja, 1987 starben Polizeibeamte bei den Auseinandersetzungen um die Startbahn West. Aber es fand wenigstens dann eine Distanzierung der friedlichen Gegner davon statt, eine DEUTLICHE Distanzierung. Diese fehlt heutzutage völlig. Insofern ist es in der Tat schlimmer.

Herr Behr beklagt die „Entmenschlichung“ der Demonstranten, die seiner Ansicht nach durch den Terminus „Mob aus ganz Europa“ geschieht. Herr Behr, hier verkürzen Sie aber ganz gewaltig. Sogar Blockupy-Demonstranten selbst haben u.a. auf unseren Präsenzen beschrieben, dass die Gewalttäter aus ganz Europa anreisten. In den Verlautbarungen, die ich gelesen habe, wurde ganz klar unterschieden zwischen Gewalttätern und friedlichen Demonstranten. Soviel IQ dürfen Sie Ihren früheren Kollegen dann aber schon zutrauen, dass sie unterscheiden können zwischen einem Menschen, der sie mit Steinen bewirft und einem echten „Kapitalismus“kritiker, der sich auf dem Boden des Versammlungsrechtes bewegt. Wenn überhaupt jemand dazu beiträgt, Demonstranten zu entmenschlichen, dann jene, die Straftäter in diesem Zusammenhang weiterhin ungebrochen als „Aktivisten“, „Demonstranten“ und „Widerständler“ bezeichnen und somit schwere Sachbeschädigung, versuchte und vollendete Körperverletzung sowie versuchten Totschlag in einen Topf werfen mit friedlichen Nutzern des vornehmsten Rechtes, das das deutsche Grundgesetz bereithält.

Es ist übrigens in vielen Bundesländern schon lange nicht mehr der Fall, dass Bereitschaftspolizisten durch die Bank jene sind, die im ersten Jahr nach der Ausbildung unterwegs sind. Das kann sein, muss aber nicht. Mir sind auch durchaus Bereitschaftspolizisten bekannt, die das nun seit 10 Jahren machen, oder Polizisten, die nach einer Zeit im Wechselschichtdienst wieder zur Bereitschaftspolizei gehen. Diese Menschen also durch die Bank als überforderte und schlecht ausgebildete Pulverfässer darzustellen, geht in meinen Augen gar nicht. Abgesehen davon, dass es auch weit an der tatsächlichen Qualität der Ausbildung vorbeigeht. Solche Äußerungen am gleichen Tag zu tätigen, an dem in Frankfurt / Main heftigste Angriffe auf Polizisten stattgefunden hatten, zeugt von keinerlei Empathie. Traurig, wenn man bedenkt, dass Herr Behr in diesem Interview von „verletzten Polizistenseelen“ spricht. Damit, Salz in die Wunden dieser verletzten Seelen zu streuen, hat er offenbar kein großes Problem.

Bedenklich, dass es an einem Tag wie diesem dann auch noch um „entgrenzte Gewalt in ihren Reihen“, also den Reihen der Polizei, geht. Sicher, niemand will überreagierende Gewalttäter in den Reihen der Polizei. Wirklich niemand! Und wenn man welche hat, muss man sie entfernen. Ob man dieses Thema allerdings Menschen hinreiben muss, die das erlebt haben, was Polizeibeamte am 18. März in Frankfurt/Main im Einsatz erlebten, weiß ich auch nicht. Das ist für diese Menschen schlicht ein Schlag ins Gesicht.

Immerhin kamen die BFE-Einheiten gut weg. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

Was den Rest betrifft, so muss ich sagen, dass entweder der von mir so hochgeschätzte Polizist eine andere Definition von „nett“ hat als ich – oder aber dass Herr Behr seine Nettigkeit in Bezug auf seine ehemaligen Kollegen sehr gut zu verbergen weiß. Fragt sich nur, warum.

Allgemein Demo Verein

Wir danken für den Demoeinsatz – Ludwigshafen, 08.02.2015

Als ich Ende Januar 2015 den Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. dem Ludwigshafener Polizeipräsidenten Jürgen Schmitt vorstellte, erfuhr ich vom Demonstrationseinsatz am 08. Februar in Ludwigshafen.

Spontan entschieden wir, als Verein dort präsent zu sein, um den Polizeibeamten im Einsatz danke zu sagen und wie auch in Remagen unsere Danke-Kärtchen zu verteilen. Da die Polizei auf dem Boden der Verfassung steht, ist ein Einsatz für die Polizei definitiv ein Einsatz gegen jede Form von Extremismus. Netterweise bekamen wir von Herrn Schmitt die Erlaubnis. Danke!

Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz
Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz

Einige Personalräte der Gewerkschaft der Polizei nahmen uns unter ihre Fittiche und schon ging es los.

 

Bei der Gegenkundgebung des bürgerlichen Spektrums auf dem Theaterplatz trafen wir den Polizeirpräsidenten. (von links nach rechts: Gerke Minrath, KGgP, Udo Fremgen, GdP, Isabel Sorg, GdP, Nadine Imo, KGgP, Jürgen Schmitt, Polizeipräsident, Ralf Seiler, GdP, Siegmar Schäfer, GdP, Michael Harm, GdP)
Bei der Gegenkundgebung des bürgerlichen Spektrums auf dem Theaterplatz trafen wir den Polizeipräsidenten. (von links nach rechts: Gerke Minrath, KGgP, Udo Fremgen, GdP, Isabel Sorg, GdP, Nadine Imo, KGgP, Jürgen Schmitt, Polizeipräsident, Ralf Seiler, GdP, Siegmar Schäfer, GdP, Michael Harm, GdP)

Das Demonstrationsgeschehen selbst kann ich auch nicht besser zusammenfassen als die Polizei (siehe im Anhang an diesen Beitrag), also beschränke ich mich auf einige Anekdoten. Vorab möchte ich aber zwei Vorfälle nicht unerwähnt lassen, die im Zusammenhang mit dem Versammlungsgeschehen passierten. Wir befanden uns zu den fraglichen Zeitpunkten an anderem Ort, diese Infos lassen sich aber aus den Pressemitteilungen der Polizei im Anhang entnehmen:

Aus einem Aufzug lösten sich etwa 200 Linksautonome, um eine rechtsorientierte Versammlung zu stören. Eine Polizeikette wurde überrannt, einem Streifenwagen wurden die Scheiben eingeschlagen, unter den Streifenwagen wurde ein Bengalo geworfen, sodass der Eindruck enstand, der Streifenwagen würde brennen. Die drei Polizeibeamten in dem Streifenwagen konnten sich aus diesem retten. Sicherlich eine schockierende Erfahrung.

Am späten Nachmittag / frühen Abend befanden sich Angehörige des rechten Spektrums in Ludwigshafen in einer Gaststätte. Polizeibeamte vor dieser Gaststätte wurden aus diesen Besuchern heraus angegriffen, ein Polizeibeamter wurde verletzt. Gute Besserung!

Nun zurück zu unserem Einsatz.

Wie kommen wir hier nach Ludwigshafen?

IMG_6704_kleinVerabredet waren wir mit den Herren von der GdP in Ludwigshafen im Polizeipräsidium. Nadine und ich reisten über Mannheim an. Auch dort fand sich am Hauptbahnhof ein großes Polizeiaufgebot, gemischt aus Bereitschaftspolizei der Bundespolizei und des Landes Baden-Württemberg. Weil ich mir wirklich unsicher war, fragte ich einen der baden-württembergischen Polizisten, ob wir problemlos den Zug nach Ludwigshafen nehmen könnten. Er bejahte das und fügte hinzu: „Sie können aber auch mit dem Aufzug gehen, der gleich losgeht.“ Ich bedankte mich für die Information und sagte dann: „Wir haben einen Termin im Polizeipräsidium, deswegen würde uns der Aufzug nicht wirklich weiterhelfen.“ Er starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren, sagte dann aber: „Jedenfalls können Sie mit der Bahn problemlos nach Ludwigshafen fahren.“

Zum Abschied drückte ich ihm noch unser Danke-Kärtchen in die Hand. Ich hoffe, er weiß jetzt, dass wir wirklich einen Termin im klassischen Sinne im Polizeipräsidium hatten und unser Plan nicht war, derart aufzufallen, dass wir dort den Gewahrsam von innen sehen…

Gewalt gegen Polizisten e.V.

Das ist nur ein Polizist aus der Kette. Aber bei mir haben halt auch Polizeibeamte ein Persönlichkeitsrecht, deswegen sieht man nur ihn.
Das ist nur ein Polizist aus der Kette. Aber bei mir haben halt auch Polizeibeamte ein Persönlichkeitsrecht, deswegen sieht man nur ihn.

Wir waren schon eine Weile beim Dankesagen auf dem Weg durch die Reihen. Ich hinkte etwas hinter unseren Begleitern her, weil ich mal wieder meiner Blaulichtfotosucht frönen musste, und stand plötzlich vor einer Polizeikette. Nicht die riesigste des Tages, aber immerhin etwa zehn Polizisten. Einer von ihnen schaute mich scharf an und fragte sehr freundlich: „Machen Sie Witze?“

Ich (erstaunt): „Wieso?“

Er: „Gewalt gegen Polizisten e. V.?“

Oha! Blöd, wenn der Kragen der Jacke über der Beschriftung der Leuchtweste hängt. Blöd, wenn ausgerechnet der Teil des Vereinsnamens verdeckt wird, der die beim Gegenüber ankommende Botschaft um 180 Grad dreht.

Ich klappte also meinen Kragen beiseite und ließ den kompletten Vereinsnamen wirken. Dann erklärte ich, dass wir eigentlich vor Ort seien, um Polizeibeamten für ihren Einsatz zu danken. Da freute er sich dann doch.

 

Die sind richtig süß…

Nadine und ich standen an einer Polizeiabsperrung, hinter der Polizei. (Ist ja auch ein passender Standort für einen polizeifreundlichen Verein). Wir ließen ein wenig die Atmosphäre eines so großen Einsatzes auf uns wirken. Die offizielle Kundgebung auf der anderen Seite der Absperrung war bereits beendet. Dennoch liefen ab und an ein paar Demonstranten vorbei, von denen einige den Polizeibeamten hasserfüllte Blicke zuwarfen.

Die fragliche Polizeikette, allerdings zu einem anderen Zeitpunkt.
Die fragliche Polizeikette, allerdings zu einem anderen Zeitpunkt.

Das animierte Nadine zu der Bemerkung: „Die sind doch ganz lieb? Ich verstehe nicht, wieso man die schlagen muss.“

Ein junger Polizist wandte sich völlig verwirrt zu ihr um: „Wer ist lieb?“

Nadine: „Na, Sie. Ich würde nie auf Sie losgehen.“

Und zack, hatte er ein Kärtchen mit unserem Dank in der Hand. Manchmal klappt’s dann doch ganz unerwartet.

 

Das fehlt mir noch in meiner Kollektion

Das Foto, das mir noch fehlte in meiner Kollektion... ;-)
Das Foto, das mir noch fehlte in meiner Kollektion… ;-)

Ich hatte auch Gelegenheit, mein Sammlung von Fotos von Ärmelabzeichen zu erweitern, die immer wieder als Symbolfotos für entsprechende Postings dienen können. Diverse Polizisten erlaubten mir, ihres abzulichten. So kamen die Abzeichen der Bereitschaftspolizei der Bundespolizei, von Baden-Württemberg und des Saarlandes dazu. Es gibt sogar ein Ärmelabzeichen mit der Aufschrift „Personalrat der Polizei“.

Plötzlich ging ein Polizist mit einem Ärmelabzeichen „TEE RP“ (Technische Einsatz Einheit Rheinland-Pfalz) an mir vorbei. Ich sprach ihn an mit den Worten: „Ooooh. Das fehlt mir noch in meiner Kollektion.“

„Nee, das kann ich Ihnen aber nicht geben“, sagte er und griff an seinen Ärmel. „Ich hab nur eins.“

Merke: Wenn die Sammlergier in den eigenen Augen leuchtet, sollte man sich klar ausdrücken, WAS genau man sammelt. Gut, ich hätte das Original auch genommen… aber zuerst einmal wollte ich nur ein Foto.

 

Hungrige Polizisten

Bei einer Polizeikette nutzte allerdings unser ganzer Charme nichts. Die Mehrheit der Damen und Herren wollte unseren Dank nicht und die Blicke, die sie mir zuwarfen beim Ablehnen, waren auch nicht gerade freundlich. Ich prüfte meinen Kragen. Saß. Daran konnte es nicht liegen. Irgendwann gab ich auf – ich kann auch manchmal ein Seelchen sein. Während ich mir noch den Kopf zerbrach, was denn nun ich falsch gemacht hatte, erfuhr ich von einem Polizisten, der unseren Verein kannte, dass die Damen und Herren seit morgens nichts gegessen hatten. Dabei war es etwa vier Uhr nachmittags.

Da konnte ich dann innerhalb eines Wimpernschlags Verständnis entwickeln. Wenn ich hungrig bin, bin ich auch der unausstehlichste Mensch westlich von Suez.

 

Persönlich bin ich nicht nur wegen des Vereinszwecks bei solchen Einsätzen dabei, sondern auch, weil ich dabei so viel lerne. Dieses Mal blieben insbesondere drei Dinge hängen:

  • Die Einsatzbelastung wird derzeit nicht weniger.
  • Die angeblichen Prügelpolizisten waren sogar dann ausgesucht höflich, als sie noch dachten, ich sei Mitglied bei „Gewalt gegen Polizisten e. V.“.
  • Sie werden so oft verarscht, dass es manchen von ihnen schwer fällt, freundliche Gesten zu akzeptieren. Es wird dringend Zeit, dass mehr Bürger sich zu solchen Gesten aufraffen. Bürgerinnen und Bürger, die sich das für sich vorstellen können, sind jederzeit bei uns im Verein willkommen.

 

Allen, die wir nicht erreichen konnten: DANKE für Euren Einsatz – in Ludwigshafen und an jedem anderen Ort, jeden Tag aufs Neue!

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Anhang:

Zwei Pressemeldungen der Polizei zum Einsatzverlauf:

Das polizeiliche Konzept zur Lagebewältigung ging auf. Die Trennung der Gruppierungen ist gelungen.

An unseren Appell, sich friedlich zu versammeln, haben  sich leider nicht alle Teilnehmer gehalten. 
Aus dem von Mannheim kommenden Aufzug mit dem Ziel Theaterplatz in Ludwigshafen lösten sich ca. 200 Linksautonome und  stürmten in Richtung Hauptbahnhof. Hierbei wurden Absperrungen und eingesetzte Kräfte der Polizei überrannt.
An einem Streifenwagen der Polizei wurden die Scheiben eingeschlagen und ein „Bengalo“ unter das Fahrzeug geworfen. Von außen entstand der Eindruck, dass das Polizeifahrzeug brennt.
Die drei Polizeibeamten konnten sich aus dem Fahrzeug retten.
Sie wurden ärztlich und seelsorgerisch betreut, konnten aber im Anschluss weiter Dienst verrichten.

Die Versammlung „GsD“ am Hauptbahnhof besuchten ca. 500 Teilnehmer.
25 Personen hatten Pflastersteine aufgenommen und mitgeführt.
An sie wurden Platzverweise erteilt.
Aus dem Bereich der linksautonomen Teilnehmer, die in Richtung Hauptbahnhof liefen, wurden Straftaten begangen.
Gegen 45 Personen wurde wegen des  Überrennens der Polizeiabsperrung, dem Angriff auf Streifenwagen und Polizeikräfte wegen besonders schwerem Landfriedensbruchs ermittelt.

Zudem wurden Sachbeschädigungen, zwei Verstöße gegen das Waffengesetz und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz wegen des Mitführens von verbotenen Gegenständen und dem Abrennen von Bengalos, begangen.

Bei der Festnahme der Personen kam es weiterhin zu Widerstandshandlungen.

Insgesamt wurden 131 Personen in Gewahrsam genommen.
12 Jugendliche wurden nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nach Abschluss der strafprozessualen Maßnahmen entlassen. 

Bei den restlichen Festgenommenen wurde durch einen Richter der Gewahrsam bis in die Abendstunden angeordnet.

Momentan halten sich noch 50 – 60 Personen des rechten Spektrums in einer Gaststätte in der Innenstadt auf.
Ebenso Kleingruppen verteilt im Stadtgebiet.

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 08.02.2015

 

Nachdem die Kundgebung von „Gemeinsam stark Deutschland“ am Hauptbahnhof beendet war, entfernten sich die Teilnehmer in Kleingruppen vom Veranstaltungsort.
Dabei kam es vereinzelt zu Konfrontationen „rechter“ und „linker“ Gruppierungen.

Gegen 17.40 Uhr wurden Polizeibeamte vor einer Gaststätte in der Innenstadt angegriffen. Dabei erlitt ein Polizist ein Hämatom durch einen Schlag auf den Kopf.
Die Angreifer wurden festgehalten. Von ihnen und den weiteren Besuchern der Gaststätte wurden die Personalien festgestellt. Anschließend erhielten alle einen Platzverweis.
Diese Personen waren der rechten Szene zuzuordnen.

Vorläufige Bilanz
Insgesamt wurden 160 Personen in Gewahrsam genommen.
Mehr als 100 Personen wurden Platzverweise erteilt.
Über 30 Gegenstände wurden sichergestellt. Dabei handelte es sich unter anderem um Messer, Pfefferspray und Pyrotechnik.
Deutlich über 100 Strafanzeigen, vorzugsweise linksmotivierter Straftraften, müssen bearbeitet werden.

Folgen bei der Polizei
Ein Polizeibeamter wurde durch einen Schlag auf den Kopf verletzt.
Vier Fahrzeuge der Polizei wurden beschädigt: an einem Streifenwagen entstand ein Schaden durch das Zünden eines Bengalos und eine Scheibe wurde eingeschlagen; ein Streifenwagen wurde zerkratzt und die Spiegel eines Polizeimotorrades und eines Transportwagens beschädigt.

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz vom 09.02.2015

Allgemein Demo Verein

Wir danken für den Demoeinsatz – Remagen, 22.11.2014

Alljährlich hat die Stadt Remagen das außerordentlich zweifelhafte Vergnügen, Gastgeber eines Neonazi-Aufmarsches sein zu dürfen. Vielfältige Initiativen wehren sich dagegen, u.a. durch ein Stadtfest in Verbindung mit einem Tag der Demokratie, den das Bündnis für Frieden und Demokratie Remagen ausrichtet.

Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. vertreten den Standpunkt, dass ein deutliches Bekenntnis zu einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei eine klare Absage an jede Form des Extremismus darstellt. Deswegen beteiligten wir uns dieses Jahr wieder am Versorgungseinsatz der GdP (Gewerkschaft der Polizei), bei dem Polizeibeamten der Einsatz mit Nussecken versüßt wurde.

Um viertel nach neun holte ich eine Mitstreiterin, Nadine, am Bahnhof ab. Nette Bundespolizisten ließen meinen Mann noch schnell über einen so gut wie gesperrten Parkplatz fahren, damit ich pünktlich sein konnte. Das erste Danke des Tages! wp-monalisa icon

Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer...
Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer…

Auf dem Weg zur Feuerwache stieß unser dritter Mitstreiter, Gerhard, zu uns. In der Feuerwache, wir waren um einiges zu früh, warteten schon einige Polizisten auf ihren Einsatz oder fuhren noch ein schnelles Frühstück ein. Die Aufschrift „KGgP“ auf unseren Westen erregte Neugier. „Was ist das denn für ein Verein?“ hörten wir, also klärte Nadine ein bisschen auf und reichte die ersten Vistitenkarten heraus, auf deren einer Seite unser Dank prangte, auf der anderen Seite die Koordinaten des Vereins sowie unser Motto „Menschenrechte gelten auch für Polizeibeamte“.

Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz
Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz

Dieses Motto animierte dann auch einen Polizisten dazu, das Gespräch mit mir zu suchen. Er stellte fest, dass er für sein Empfinden seine Menschenrechte abgegeben habe. „Zumindest fühle ich mich selten behandelt wie ein Mensch.“ Ich sagte: „Bei uns haben Sie Ihre Rechte nicht abgegeben.“ Daraufhin sagte er: „Ich weiß.“

Solche Erlebnisse motivieren mich auch – und es sollte nicht das letzte gewesen sein.

Ein netter junger Mann von der Kommunikationseinheit beruhigte uns auch, dass unsere blauen Westen mit der silbernen Aufschrift keinerlei Amtsanmaßung wären, eine kleine Sorge, die Nadine mit sich herumgetragen hatte und nun los war.

Pünktlich um zehn kamen unsere Mitstreiter von der GdP, Ralf Pörtner und Gerhard Wagner. Schnell konnten wir damit loslegen, die Nussecken der GdP zu verteilen. Dieses Jahr hatten wir uns etwas Besonderes ausgedacht und auch Hundekekse für die Diensthunde dabei. Darüber freuten sich die Hundeführer sichtlich. Und erst die Hunde… einer sprang seinem Herrchen, kaum dass der das Tütchen mit den Keksen in der Hand hatte, aus dem Stand bis an die erhobene Hand. Das war allerdings ein sehr junger Hund. Und sehr hübsch…

Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf's Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP)
Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf’s Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP))

Eine Hundeführerin verfütterte den ersten Keks noch in unserer Anwesenheit.

Yummi!
Yummi!

Von hier ging es zur BFE-Einheit (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit). Zwei der Polizeibeamten konnten sich noch aus dem Vorjahr an uns erinnern. Wer genau hinsieht, kann sie auf diesem Foto wiedererkennen. Und immer gab es zu der Nussecke der GdP unser Dankekärtchen dazu.

Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))
Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))

Nach einer Bereitschaftspolizeieinheit aus Mainz wurde auch die MKÜ (Mobile Kontroll- und Überwachungseinheit) der Bundespolizei Koblenz nicht vergessen.

MKÜ
MKÜ

Last but not least vergaßen wir auch nicht die Unterstützungskräfte aus Bayern, das USK (Unterstützungskommando) Dachau, die einen sehr weiten Weg gekommen waren.

Bayern in Norddeutschland... ;-)  Na ja, ok. Fast...
Bayern in Norddeutschland… ;-)
Na ja, ok. Fast…

Natürlich freuten sich alle über etwas Süßes, und wir hörten auch immer wieder sehr nette Reaktion auf unser Danke. „Oh, wie schön. Die hänge ich mir an meine Pinnwand.“ „Das gab es ja noch nie.“ „Das finde ich ja toll.“ Leider ist es eher unüblich, dass Bürgerinnen und Bürger sich bei der Polizei für ihren Einsatz bedanken. Das sollte dringend anders werden.

Da blieben noch die drei Gendarmen aus Straßburg zu erwähnen, die wir am Bahnhof trafen. Offenbar ein Informationsbesuch bei der Polizei des Nachbarn. Die freuten sich auch, als ich ihnen ein fröhliches „Bonjour“ entgegenschmetterte und sie von den GdPlern je eine Nussecke in die Hand gedrückt bekamen. Nach einer in meinem eingerosteten Französisch etwas holperigen Erklärung, wer die GdP ist (was nicht leicht ist, wenn man die Vokabel für „Gewerkschaft“ vergessen hat) und welche Inhaltsstoffe eine Nussecke hat, kam ich natürlich auf die Bedeutung der Buchstaben KGgP zu sprechen. Die Tatsache, dass wir ein Verein von Bürgern sind, die sich gegen Gewalt gegen Polizisten wenden, entlockte einem Gendarm ein: „Il faudrait ça en France aussi.“ – „So etwas bräuchte es in Frankreich auch.“ Am Ende verabschiedeten sich alle auf deutsch – merci, Messieurs. Zu schade, dass keine Zeit mehr für ein Foto war.

An dieser Stelle trennten sich die Wege von GdP und KGgP, denn die GdPler wollten unter anderem noch nach Bad Neuenahr, wir waren hingegen eher nach Remagen orientiert. Dort besuchten wir das Stadtfest, und u.a. den gemeinsam Stand von DGB und GdP, an dem auch unsere Infomaterialien auslagen. Danke dafür!

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Erste Reihe: Christian Günter, Sabrina Kunz, Nadine Imo und Gerhard Horstmann

Schließlich wanderten Nadine und ich noch durch Remagen; dabei trafen wir eine Menge freundlicher Polizisten. Schließlich wurden wir an einer Versorgungsstation von zwei sehr netten Polizeibeamten zu fröhlichem Auftauen in einem warmen Raum und einem strammen Kaffee eingeladen. Danke!

Anschließend gaben wir noch unseren Dank in der Polizeiinspektion Remagen ab. Dann wurde uns definitiv zu kalt und wir gingen nach Hause.

Allen, die gestern in Remagen im Einsatz waren und die wir nicht erreicht haben, und natürlich auch allen, die an anderen Orten im deutschsprachigen Raum im Einsatz waren, an dieser Stelle nochmal ein Danke. Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle.

Nadine und ich waren uns einig, dass wir einen tollen Tag gehabt hatten. Wir hatten viele gute Gespräche, viel gelacht (mit zwei Westerwäldern im Auto schmeißt man sich fast pausenlos weg vor Lachen), gute Gesellschaft und viel Bewegung an der frischen Luft bekommen. Für mich persönlich kann ich diesen Tag auch als ganz enormen Motivationsschub verbuchen. So ganz nebenbei konnte ich auch meine persönliche Kollektion von Fotos von Polizeifahrzeugen erweitern.

Heli der Polizei RLP
Heli der Polizei RLP

Und wir hatten vielen Polizeibeamten unser Danke übermitteln können. Das war die Hauptsache!

Einziger Wehrmutstropfen – ein Polizeibeamter wurde durch einen Steinwurf aus den Reihen der Gegendemonstranten verletzt. An dieser Stelle unsere herzlichsten Genesungswünsche. Es macht mich traurig, dass so etwas ausgerechnet am Vereinssitz passieren musste.

Bliebe noch der junge Mann zu erwähnen, der weder Polizeibeamter noch Mitglied der GdP ist, und sich nur zu nahe am  GdP-Stand in der Innenstadt aufhielt. Der junge Mann, der dafür angespuckt wurde.

So lange solche Dinge geschehen, braucht es Keine Gewalt gegen Polizisten e. V.