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Eine Nichtpolizistin: Und plötzlich wird es persönlich…

Symbolfoto

 

Dies schickte uns eine Leserin:

 

G20-Gipfel für mich als eher linke Person ein Gipfel, den ich negativ sehe.

 

Gerne wäre ich gegen diesen Gipfel auf die Straße, aber da Gewalt für mich einfach nicht hinnehmbar ist, kam es nicht zu dazu. Und es hat sich bestätigt.

 

Und dann bekommst du mit, dass ein Polizist, dem du sehr viel verdankst, oben ist in Hamburg…

Jener, der der dir damals die Hand gegeben hat und gesagt hat: „Ich mach mir ein eigenes Bild!“ (Ich bin kein Unschuldslamm).
Jener, der dir wegen der Gewalt zuhause geholfen hat und dich zum reden gebracht hat.
Der Mensch, der genau weiß, wann er dich wie ansprechen muss.
Die Person, die es immer schafft, ein offenes Ohr zu finden und dir immer mit Rat zu Seite steht.
Der Mensch, der  auch weiß, wie man mir, wenn nötig, Grenzen aufzeigt, aber auch mal den Kollegen die Meinung sagt, wenn es nötig ist.

 

Bis vor kurzem waren es die Rückennummern, die du gekannt hast, und plötzlich sind es mehrere Polizisten, die du kennst, und der Polizist, dem du sehr viel in deinem Leben verdankst.

 

Und ja, ich mach mir Sorgen und zwar viele. Und ja, Angst um solche netten Menschen ist auch dabei.

 

Es ist für mich nicht klar, wie man Meschen so hassen kann.

 

Passt einfach auf euch auf

Allgemein Presse Trauriges

Trauriges von der Tagesschau

Symbol_Handschrift

Auszüge einer Mail, die ich am 26.12.2015 gegen 09:20 Uhr an die Redaktion der Tagesschau schickte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war am 24.12. abends nicht daheim, weil ich unterwegs war…

[Unsere Polizeibeamten sind jene,] die dafür sorgen, dass wir friedlich Weihnachten feiern können und unsere Hauptsorge sein kann, was an Essen auf den Tisch kommt und dass die Geschenke passen. …

An diesem Heiligabend war… ein Polizist im hessischen Herborn gewaltsam getötet worden. …

Gestern Abend erzählte mir ein Bekannter, Polizist, dass der in Herborn im Dienst an uns brutal getötete Polizist in den 20-Uhr-Nachrichten, also der Tagesschau, kein Thema war. Das konnte und wollte ich gar nicht glauben, denn die Tagesschau ist seit Jahren meine Lieblingsnachrichtensendung und von mir sehr hoch geschätzt. Also schaute ich mir diese Folge soeben in Ihrer Mediathek an. Doch tatsächlich….!

Das kann ich nicht verstehen! Wir haben eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei, so transparent wie nie – und wenn ein Mensch, der sich für den Beruf des Polizisten in dieser Polizei und damit für den Dienst an uns allen entschieden hat, in diesem Dienst an uns stirbt, hat die Hauptnachrichtensendung dieser Republik kein Wort für ihn übrig? Das ist, mit Verlaub, empörend.

Hochachtungvoll

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

 

Als Antwort erhielt ich bis jetzt eine Standardantwort:

Sehr geehrter User/Internetnutzer/Zuschauer,

haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail.
Wir bitten um Verständnis, wenn nicht jede einzelne Zuschrift ausführlich und individuell beantwortet werden kann. Aber die Redaktion von ARD-aktuell erreichen täglich viele Hunderte Rückmeldungen der Zuschauer.

Sie können jedoch versichert sein, dass alle Reaktionen der Zuschauer aufmerksam gelesen, ausgewertet und in den Redaktionssitzungen diskutiert werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin gewogen blieben.

Mit freundlichen Grüßen

Zuschauerservice
ARD-aktuell / tagesschau.de
www.tagesschau.de

 

Ich gehe zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr davon aus, da eine tiefschürfendere Reaktion zu erhalten. Meinem in meiner Mail erwähnten Bekannten, der ebenfalls der Tagesschau-Redaktion geschrieben hatte, wurde übrigens individuell geantwortet. Er erhielt die Erklärung, dass über den Tod von Polizisten in der Hauptausgabe der Tagesschau nur berichtet werde, wenn dieser einen terroristischen Hintergrund habe.

Am 25.12. wurde in der Hauptausgabe thematisiert, dass am 1. Weihnachtstag Vollmond war. Nicht, dass das nicht jeder selbst hätte sehen können, der mal aus dem Fenster geschaut hätte. Am 24.12. war der Andrang vor dem Berliner Dom Bestandteil der Hauptnachrichtensendung. Sehr spannend, insbesondere für die Menschen, die in irgendeiner der doch hier und da vorhandenen anderen Kirchen der Republik einen Sitzplatz haben wollten. Die Menschen IM Andrang vor dem Berliner Dom dürften das auch ohne die Tagesschau bemerkt haben. Das sind also Themen für die Hauptausgabe. Am 21.12.2015 wurde über die „Sportler des Jahres“-Gala in Baden-Baden berichtet. Sicherlich ein interessantes Thema. Aber leisten Polizisten denn weniger für unsere Gesellschaft als Sportler? Ich denke, nein.

Ein Mensch, der im Dienst an uns allen niedergestochen wurde, ist keine Silbe wert, weil ihn die falsche Tätergruppe umgebracht hat. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen….

Nun ist ja Bestandteil der Pressefreiheit, zu berichten, über was man berichten möchte. Es ist aber auch integraler Bestandteil meiner Freiheit, der Tagesschau-Redaktion zu sagen, was sie nicht hören will: in meinen Augen ist diese Nichtberichterstattung einfach nur beschämend.
Nachtrag vom 27.01.2016:

Bereits am 13.01.2016 erhielt ich eine Antwort der Tagesschau-Redaktion. Allerdings war ich in den letzten beiden Wochen zu eingespannt, um mich früher darum zu kümmern.

Antwort der Tagesschau-Redaktion:

Sehr geehrte Frau Minrath-Grunwald,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass wir erst jetzt antworten. Aufgrund der Vielzahl von Zuschriften, die uns derzeit erreichen, war dies leider nicht eher möglich. Der Tod des Polizisten ist furchtbar!
Auch unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Berichtet haben wir unter tagesschau.de. In der 20-Uhr-Ausgabe hat sich die Redaktion entschieden, andere Themen in den Vordergrund zu stellen.
Aufgrund der begrenzten Sendezeit ist die Redaktion jeden Tag gefordert, aus einer Vielzahl von Nachrichten auszuwählen. Mord und Totschlag sind leider in Deutschland an der Tagesordnung.
Einzelne, auch sehr tragische Vorfälle wie etwa der Tod der elfjährigen Janina, die an Silvester erschossen wurde, finden sehr oft nicht in die Berichterstattung der Hauptausgabe der Tagesschau.
Je nach Dimension oder Hintergrund einer Tat entscheidet die Redaktion in jedem konkreten Fall. Ein terroristischer Hintergrund würde zum Beispiel sehr sicher von der 20 Uhr-Ausgabe berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen
Publikumsservice ARD-aktuell

 

Darauf antwortete ich heute Morgen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Antwort. Auch ich entschuldige mich, dass es zu meiner Redaktion etwas länger gedauert hat, aber ich betreibe das Ganze ja ehrenamtlich und hatte auch beruflich genug um die Ohren in den letzten Tagen.

Ich freue mich über Ihre einfühlenden Worte in Hinblick auf den Tod des Polizisten.

Dennoch sehe ich die Sachlage nach wie vor anders als Sie. Es geht aus meiner Sicht nach bei den Meldungen in der Hauptnachrichtensendung der Republik nicht um den Grad an Tragik, den ein Vorfall hat, sondern um den Grad, in dem die Gesamtbevölkerung davon betroffen ist. Deswegen gebe ich Ihnen vollkommen Recht darin, dass der zweifellos sehr tragische Tod der kleinen Janina nicht in der Tagesschau gemeldet werden muss.

Der gewaltsame Tod eines Polizisten jedoch betrifft uns alle. Unsere Polizei ist demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst. Noch nie war sie so transparent wie heute. Unsere Polizistinnen und Polizisten halten jeden Tag für uns alle den Kopf hin. Dabei ist es auch vollkommen egal, in welchem Bundesland derjenige seinen Dienst verrichtet. Wenn ich mein Heimatbundesland Rheinland-Pfalz verlasse und nach Hessen fahre, würden eben im Zweifel hessische Polizisten den Kopf für mich hinhalten. Deswegen ist es aus meiner Warte auch vollkommen egal, wer diesen Polizisten tötet. Im Gegenteil betrifft es uns meiner Ansicht nach deutlich mehr, wenn eine Kleinigkeit wie eine Fahrkartenkontrolle so eskaliert, dass jemand erstochen wird, als wenn es einen Terroranschlag gibt. So schrecklich Terroranschläge sind – die Wahrscheinlichkeit, einen solchen selbst mitzuerleben, ist doch eher gering einzuschätzen. Unter anderem übrigens wegen der sehr guten Arbeit unserer Sicherheitskräfte. Auch so gesehen betrifft es uns alle, wenn einer von ihnen im Dienst an uns allen sein Leben lassen muss.

Und wenn ich diesen Maßstab anlege – inwieweit sind wir alle als Gesamtgesellschaft von einer Meldung betroffen? – muss ich mich schon fragen, inwieweit die Meldung, dass der Berliner Dom an Heiligabend gerammelt voll war, Platz fand und der getötete Polizist eben nicht. Ich behaupte mal, dass nicht einmal die Mehrheit der Berliner an diesem Abend im Dom war. Inwiefern ist also die Gesamtgesellschaft davon betroffen?

Ich danke Ihnen jedenfalls, dass Sie mit mir in Dialog getreten sind in dieser Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

Ich distanziere mich an dieser Stelle von jeglichem Versuch, mein Schreiben an die Tagesschau als „Beleg“ für die „Lügenpresse“-These zu benutzen (was wohl hier und da bereits passierte). Man kann punktuell unterschiedlicher Ansicht sein, ohne gleich die gesamte Berichterstattung auf solche Weise in Frage zu stellen und im Rundumschlag zu diffamieren. Ich kritisiere ja auch punktuell einzelne Polizeibeamte, ohne gleich die ganze Polizei als „Bande von korrupten Prügelknaben“ zu bezeichnen – im Gegenteil stehe ich hinter der Polizei. Differenzieren heißt das Zauberwort. Allerdings bin ich nicht gewillt, mich wegen jener, die genau das nicht können, nicht mehr frei zu äußern.

 

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Bürgerstimme: „Der Bürger“ ist auch nur ein Mensch – mit Gefühlen

Die Kommunikationskompetenzen dieses jungen Mannes hier waren einwandfrei. Bei einigen seiner Kollegen kann das schon mal anders sein.
Die Kommunikationskompetenzen dieses jungen Mannes hier waren einwandfrei. Bei einigen seiner Kollegen kann das schon mal anders sein.

Vor etwas über sechs Jahren trat ich an, weil ich die Behandlung unserer Polizeibeamten durch Öffentlichkeit und Berichterstattung in diesem Land als unfair empfand und nach wie vor empfinde. Ich, eine Nichtpolizistin und folglich Teil der dunklen Masse, die gerne mal als „der Bürger“ durch die Gespräche von Polizeibeamten geistert.

Seitdem kämpfe ich gegen die permanente Verallgemeinerung „der Bullen“ an. Ich bemühe mich darum, in anderen Nichtpolizisten ein Gefühl dafür zu wecken, dass es sich bei Polizeibeamten um Individuen handelt. Jeder anders.

Ich rede mir die Lippen fransig und tippe mir die Finger blutig, damit Vorfälle wie der von Hannover nicht verallgemeinert werden und nicht alle Polizisten als böse Schläger angesehen und tituliert werden.

 

Seit Jahren kämpfe ich gegen Extremisten an, die ja auch verallgemeinern bis der Arzt kommt. Ich lebe damit, dass ich pausenlos Beleidigungen und gelegentlich auch mal Drohungen von Linksextremisten einstecken muss. Ich lebe damit, dass Rechtsextremisten sich wahlweise an uns heranwanzen wollen oder ebenfalls beleidigen und bedrohen. Ich lebe damit, dass permanent bei uns verallgemeinert wird, sei es, dass irgendwelche Stammtischparolen über Politiker oder Migranten unsere Präsenzen zieren, sei es, dass irgendeine andere Bevölkerungsgruppe mal wieder dran ist, weil es EIN Vertreter davon mal wieder nicht hingekriegt hat. Was auch immer er nicht hingekriegt hat. Ist auch im Grunde egal. Hauptsache, man kann drüber abledern.

Ich lebe damit, dass diverse Initiativen oder unzufriedene Einzelpersonen unsere Präsenzen für eigene Zwecke missbrauchen (versuchsweise), uns kopieren und – auch das gab es schon – Unwahrheiten über uns verbreiten. Nebenbei erledige ich 90% der anfallenden Verwaltungsarbeit, die so ein Verein mit sich bringt.

 

All das nervt. Aber so richtig zermürbend wirken die Botschaften darüber, wie der Bürger angeblich so drauf ist.

Der dämliche Bürger.

Kapiert auch gar nix!

Auf der Präsenz eines Vereins von Bürgern für Polizeibeamte haben solche Sprüche, die da einige Polizeibeamte so kloppen, fast schon Satirecharakter. Wenn es nicht so ernst wäre…

 

Neulich sah ich einen Bundespolizisten, der sich in einer S-Bahn dermaßen hinfläzte, dass er vier Sitze für sich beanspruchte. Dabei trompetete er auch noch dermaßen laut in sein Handy, dass der ganze Waggon davon unterhalten wurde. Sowas von kein Benehmen…

Soll ich jetzt hergehen und auf den Präsenzen der Polizei erklären, dass er halt so ist, der Polizist? Kann sich halt nicht benehmen? Und die anderen vielen Polizeibeamten, mit denen ich schon in einer Bahn saß, die sich bestens benommen haben und die auch schon mal mit Kinderwagen helfen, weil in diesem Land ja sonst keiner mehr den Allerwertesten hochkriegt? Wurscht! Was zählt ist das leuchtende schlechte Beispiel eines Einzelnen!

Zu Recht würde da ein Sturm der Entrüstung seitens der so von mir über einen Kamm geschorenen Polizisten losgehen.

Aber der Bürger, der…

 

Ich suchte neulich dazu das Gespräch mit einem Polizeibeamten, den ich sehr schätze. Ich versuchte zu erklären, dass es sich für mich als Bürger nach über sechs Jahren allmählich zunehmend bescheiden anfühlt, wieder und wieder hingerieben zu bekommen, wie der Bürger so ist.

Er war völlig überrascht und ihm entfuhr: „Aber so ist er doch, der Bürger. Da baut man eine Straßensperre auf, 99 Fahrer schnallen es und *zack*… der hundertste fragt, ob er hier wirklich nicht durch kann.“

Ach so! 99 mal klappt’s also. Und der Hundertste ist der Bürger?

Die anderen 99 waren dann bitte wer?

Bei diesem speziellen Polizeibeamten weiß ich, dass ich nicht gemeint bin. Ihm war gar nicht bewusst, dass ich auch der Bürger bin. Trotzdem hilft dieses Wissen auf Dauer nicht gegen die Zermürbung, die es mit sich bringt, wenn einem dieser Ausdruck ständig um die Ohren geschlagen wird.

 

Neulich passierte mir tatsächlich ein Fahrfehler. Ich wollte in eine Tiefgarage einbiegen. Dort fanden aber Bauarbeiten statt. Das Einfahrtsschild fehlte. Es standen einige Bauschuttcontainer herum und dazwischen wuselten so viele Fußgänger, dass ich den Abstich verpasste. Da hinter mir schon das nächste Fahrzeug fuhr, sah ich nur eine Möglichkeit – in eine Straße einzubiegen, in die nur Taxen, Busse und Dienstfahrzeuge mit besonderer Berechtigung hineindürfen. Damals hatte ich Glück, denn da kein Mitarbeiter einer Ordnungsbehörde etwas sah, fuhr ich einfach auf der anderen Seite wieder heraus. Ich hätte auch jedes Bußgeld anstandslos bezahlt, denn es war ja mein Fehler gewesen. Das ist gar nicht der Punkt. Allerdings stellte sich mir die Frage, ob es zwischen der verpassten Einfahrt und dem verbotenen Handeln noch einen Ausweg gegeben hätte. Vielleicht überraschend für den Bürger, aber ich versuche generell, meine Fehler nicht zu wiederholen. Sogar, wenn sie nicht sanktioniert wurden.

 

Wenige Tage später (ich hatte in einer anderen Tiefgarage geparkt, um nicht zur Wiederholungstäterin zu werden, und passierte die besagte Straße dieses Mal zu Fuß) sah ich genau dort einen Polizisten stehen, der Autofahrer abbüßte, die in diese Straße fuhren. Ich wartete ab, dass der Verkehr nachließ und ging dann zu ihm. Nach einem freundlichen Gruß meinerseits erklärte ich ihm, dass ich eine Frage hätte. Ich machte deutlich, dass diese Frage in keinster Weise seine Bußgeldaktion in Frage stellen sollte, sondern eine reine Interessefrage sei. Dann erkundigte ich mich, nach wie vor freundlich, nach einer legalen Möglichkeit, sobald man die Parkhauseinfahrt verpasst hat, NICHT in die besagte Straße einzubiegen.

Seine Antwort: „Wenn man auch nur halbwegs intelligent ist, dann verpasst man diese Einfahrt nicht!“

 

Joah!

Alles klar!

Danke schön!

 

Ganz ehrlich? Mir fällt kein Grund ein, mich derart zu behandeln. Der Mann kannte mich nicht. Ich habe gewartet, bis keine Autos vorbeifuhren und ich war freundlich. Ich habe ihn von nichts abgehalten und da das Wetter traumhaft war, wurde er auch meinetwegen nicht nass. Warum also war es nötig, mir so zu begegnen? Weil ich der Bürger bin, wahrscheinlich! Der ist nämlich allgemein ein bisschen doof und das hat er mir ja doch recht deutlich zu verstehen gegeben. Wobei ein „bisschen“ doof für seine Meinung von mir da noch weit untertrieben sein dürfte.

 

Und ja, er war tatsächlich Polizist. Ich bin durchaus in der Lage, die Ärmelabzeichen einer Landespolizei von jenen einer lokalen Ordnungsbehörde zu unterscheiden. Auch, wenn ich nur der Bürger bin, bin ich fähig, die Buchstabenfolge „POLIZEI“ ohne irgendwelche Zusätze klar und deutlich zu erkennen. An Ärmelabzeichen sogar ohne Brille. Und er war echt, denn wir haben einen gemeinsamen Bekannten, den ich später am Tag in der Stadt traf und der mir mitteilte, dass sein Bekannter an der besagten Straße im Dienst sei.

 

Nun ist der Mann eine schillernde Ausnahme. Im Allgemeinen kann ich mich über mangelnde Freundlichkeit nicht beklagen. Wirklich nicht! Ich wünschte, alle wären so freundlich, wie es Polizistinnen und Polizisten im Regelfall mir gegenüber sind.

 

Aber ganz ehrlich, liebe Polizistinnen und Polizisten, auf die Nummer mit dem Bürger solltet Ihr mal ein wenig Acht geben, auch wenn Ihr es nicht so meint. Ich weiß, dass Ihr das jetzt nicht gerne lest, weil ich eigentlich für die Produktion von Wertschätzung zuständig bin. Aber es gibt mir leider regelmäßig ein schlechtes Gefühl, wenn ich irgendwelche Aussagen darüber lese, wie der Bürger so drauf ist. Oder denkt wenigstens auf unseren Präsenzen oder im Umgang mit mir daran, dass Euch eine Bürgerin gegenüber sitzt, die genau so wenig der Bürger ist, wie Ihr der Polizist seid. Und die sich zunehmend fragt: „Warum sollte ich für Leute Wertschätzung produzieren, denen ich es eh niemals Recht machen kann, ich, der Bürger?“

 

Kann man als Bürger überhaupt mal was richtig machen? Es fällt mir immer mehr auf, wenn sich Polizeibeamte in irgendeinem Zusammenhang über den Bürger äußern. Mit diesem Unterton, dass er eben ein wenig grundbekloppt ist, der Bürger. Und ich denke mir: „Mensch. Den Fehler habe ich auch schon mal gemacht.“ oder „Das hätte mir auch passieren können.“ Dann muss ich wohl auch ganz schön unterbelichtet sein… Was soll ich als ausgelagerte Beschwerdestelle der Polizei noch dazu sagen, wenn mir jemand vorwirft: „Der Polizist hat mich von oben herab behandelt.“ Da kann ich kaum widersprechen, denn es erscheint mir mittlerweile leider nicht mehr unwahrscheinlich. Schließlich ist der, der mir das erzählt, auch nur der Bürger. Deswegen sage ich auch immer öfter nur noch „Das tut mir leid. Aber sie sind nicht alle so.“

 

Wenn man durch derartige verbale Abgrenzungen betont, dass man eine geschlossene Gesellschaft ist, die sich schlimmstenfalls gegen Angriffe von außen, bestenfalls gegen die geballte Dummheit da draußen, verteidigen muss, dann kann man aber auch nicht erwarten, dass sich die Gegenseite (die sich überwiegend gar nicht mal als Gegenseite betrachtet) vor Wertschätzung kaum noch einkriegt. Oder habt Ihr gerade die Lehrer in der Schule besonders geliebt, die Euch pausenlos mitgeteilt haben, wie dämlich Ihr seid? Eben!

 

Warum schaut Ihr auf den 100sten, der es mit der Straßensperre nicht hinkriegt, und nennt ihn „den Bürger“? Warum sind die nicht 99 davor „der Bürger“ und die dusselige Nummer 100 ist „der Honk“?

 

Ja, in Deutschland mangelt es sicherlich an einer anständigen Lobkultur. Auch und vor allen Dingen in Behörden. Aber es sind nicht immer nur die anderen. Da kann wohl jeder bei sich anfangen. Vielleicht einfach mal ganz klein – einen Bürger pro Tag suchen, der es halt doch hinkriegt. Und darüber reden. Dann kann man sich ja immer noch über die Deppen austauschen. Und vielleicht auch ein bisschen darauf achten, wem man gerade erzählt, wie Scheiße der Bürger ist… irgendwann haben nämlich auch mal bekennende Polizistenfreunde die Schnauze gestrichen voll davon, mit den Deppen und Polizistenhassern in einem Topf zu landen.

 

Es liegt nicht immer nur am Bürger, wenn die Chemie nicht stimmt. Ich denke, das darf ich als bekennende Polizistenfreundin, die nach sechs Jahren einfach mal mit den Sprüchen über den Bürger mürbe gemacht wurde, sagen. Zur gegenseitigen Wertschätzung gehören zwei Seiten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gerke Minrath (auch DER Bürger)

Allgemein Demo

Stimme des Bürger: Brief einer Garmischer Mutter

Symbolfoto
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Liebe Polizisten und Polizistinnen,

seit Monaten schon sehe ich immer mehr von Euch in meiner Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen. Der G7 Gipfel bringt mehr Polizei in meine Heimat als jemals zuvor.

Ich möchte an dieser Stelle erst einmal danke sagen, dass Ihr bisher wahnsinnig freundlich wart, dass Ihr immer zurück winkt, wenn mein kleiner Sohn Euch begeistert winkt und danke, dass Ihr hier seid um uns zu beschützen, vor gewalttätigen Demonstranten und was sonst noch über den G7 Gipfel kommen mag. Ich hoffe, dass Ihr alle glücklich und gesund heim kommt und dass Ihr die kommenden Tage möglichst stressfrei übersteht! Ich weiß, dass es hart werden wird, für uns alle, für Euch in vorderster Front aber besonders. Ich wünsche Euch deswegen viel Kraft und Stärke, viel Geduld und bitte behaltet im Kopf, egal was man Euch an den Kopf wirft, der größte Teil der Bevölkerung ist froh, dass es Euch gibt und dass Ihr hier seid!

Danke dafür und alles Gute!

Eine Garmischer Mutter

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Stimme des Bürgers: Warum ich Polizisten mag

Heute endlich mal wieder ein Beitrag eines Bürgers, der seine Geschichte mit Polizisten erzählen möchte. An dieser Stelle ein Danke an den Erzähler.

Warum ich Polizisten mag

Es begann damit, dass ich 2004 in Privatinsolvenz gehen musste. Drei Jahre später folgte eine schwere Krankheit, da war ich insgesamt 63 Wochen krank.

Dann passierte im Jahr 2008 das meiner Meinung nach Schlimmste: „Der soziale Bankrott „. Im Klartext: Wohnung weg, Auto weg, Frau weg. Obwohl ich eine Stelle als Busfahrer an einem Flughafen hatte, lief ich Gefahr schlicht und einfach auf der Straße zu landen.

Ich hatte furchtbare Zukunftsangst, denn ich wusste wirklich nicht, wie es weitergehen sollte.

Glücklicherweise vertraute ich mich einem Menschen in meiner Firma an, die dann wiederum mit meinem Personalchef redete. In einer Art Nacht- und Nebelaktion steckten mich die beiden in ein Personalwohnheim in der Nähe des Flughafens, in dem ich mittlerweile auch schon seit 3 Jahren Hausmeister bin.

Die erste Begegnung

Ich kam gerade von der Frühschicht, als mir an der Eingangstür mir drei Polizisten begeneten. Ein kurzes Hallo und das war’s auch schon. Einer der Drei schaute mich für mein Gefühl ein bisschen grimmig und herablassend an. Und ich dachte: „Mein Gott, wo bist du denn jetzt gelandet?“

Einen Tag später klopfte es am meiner Tür. Als ich öffnete, stand da der Polizist, der mich am Vorabend so komisch angesehen hatte. Er trug Uniform, denn die Bundespolizei hatte gerade Schichtwechsel gehabt und er Feierabend. „Ich heiße übrigens Harry“, stellte er sich kurz vor. (Natürlich habe ich den Namen geändert.) Er fragte, ob er mit seinen beiden anderen Kollegen kurz vorbeikommen könne, ich sagte einfach nur: „Klar doch…“

Als die drei dann in meinem Zimmer waren, stellte ich mich vor und erwählte, wo ich arbeite.

Sie sahen mich verwundert an und fragten: “ Und dann hier?“ Ich sagte: „Ja, das ist nicht so einfach zu erklären“. Ich legte ihnen einen Ordner, der mit „Insolvenz“ beschriftet war, auf den Tisch, und sagte: „Lest das und dann kann jeder von euch selber entscheiden ob er was mit mir zu tun haben will oder nicht.“

Die Drei lasen eine Weile in dem Ordner, dann standen sie auf und sagten nur: „Tschüss und noch eine guten Tag.“

Ich dachte: „Toll , das war’s wohl…“

Ein paar Tage später, ich war im Dienst, klopfte es an meine Fahrerscheibe. Da stand Harry und fragte: „He, wann hast du Feierabend?“ – „Um 22 Uhr.“
Harry erwiderte: „Kann ich noch mal vorbeikommen? Ich muss mit dir reden.“ – „Klar! Komm einfach.“

Dann kam er auch. Ich stand ihm offen Rede und Antwort und beschönigte nichts, auch mein eigenes Verschulden nicht. Harry hörte sehr aufmerksam zu, äußerte sich aber nicht dazu. Schließlich sage er: „Ok, danke.“ und ging wieder für ein paar Tage weg.

Als er gegangen war, dachte ich: „Typisch Polizei, erst alles wissen wollen und dann einfach nur weg sein. Nach dem Motto, was geht mich das an.“
Das war ein aber ein grundlegender Irrtum. Denn was was dann kam, hätte ich mir in meiner Fantasie überhaupt nicht vorstellen können und schon gar nicht von Polizisten.

Harry musste gemerkt haben, dass ich kein Jammermensch bin, sondern meine Situation so akzeptierte, wie sie eben war. Ich bin von Natur aus ein Kämpfer und gebe nicht auf, auch wenn ich ab und zu mal stehen bleibe, gehe ich dann weiter.

Seit zweieinhalb Jahren stehen die Jungs von der Polizei mir mit Rat und Tat zur Seite. Das sind keine Dummschwätzer oder Schönredner, sondern Realisten. Wenn es mal wieder ganz eng wurde, weil so ein Insolvenzverfahren alles andere ist als ein Zuckerschlecken, dann kauften sie mir sogar hin und wieder etwas zu Essen. Ich habe nie um Hilfe gebeten, sie taten es einfach. Wobei ich mich im Stillen immer wieder frage: „Warum tun die das ?“

Ehrlich, ich weiß es bis heute nicht…

Ich weiß nur, dass die Jungs mich regelrecht durch die Restlaufzeit des Verfahrens gepeitscht haben. Immer wenn ich am Boden lag stand Harry da und sagte: „Hey komm, steh auf! Du schaffst das schon.“ Was aber niemand von uns auf Anhieb merkte – es entstand eine wunderbare und innige Freundschaft.

Wenn wir heute zeitgleich im Dienst sind, sie als Polizisten und ich als Busfahrer, dann halten wir gegenseitig immer Ausschau, ob man sich nicht rein zufällig sieht. Wir sehen uns immer, und dann wird ohne Worte ein Treffen im Wohnheim abgemacht.

Das war jetzt die Geschichte, wie ich allmählich Polizisten auch als Menschen kennelernte.

Ich werde nie vergessen wie mir die Jungs von der Polizei geholfen haben.

Im Oktober 2011 habe ich übrigens mein Insolvenzverfahren erfolgreich beendet. Das war vielleicht eine tolle Party mit den Jungs.