Diese Worte sagte neulich ein junger Mann zu mir, den ich sehr schätze. Damit meinte er beileibe nicht mich – oh, nein. ![]()
Dieser junge Mann hat es weit gebracht in seinem Leben. Er arbeitet selbstständig in seinem Beruf und das so erfolgreich, dass er definitiv nicht nur als Besserverdiener durchgeht. Sein Auto ist ein ziemlich teures Modell und seine Kleidung vom Feinsten. Und das mit Ende 20.
Was ihn mir so sympathisch macht, ist, dass er sich das alles durch Arbeitseifer und unglaublichen Einsatz selbst erarbeitet hat. Gleichzeitig ist er intelligent und belesen, d. h. er schaut durchaus über den Tellerrand dessen, was er beruflich betreibt.
Er hat ein ganz natürliches Selbstbewusstsein. Er spart sich Ausführungen darüber, was andere angeblich alles für ihn tun müssten. Was er erreicht hat, hat er ganz allein geschafft. Und wenn ihm irgendetwas schiefgeht, hält er sich nicht tagelang damit auf, einen Schuldigen zu suchen, sondern sieht zu, dass er es beim nächsten Mal besser macht.
Es macht Spaß, sich mit ihm zu unterhalten, weil er ein geistig fixes Kerlchen ist, weil er viele Dinge weiß, aber weil er auch in der Lage ist, anzunehmen, wenn jemand anders über irgendein Thema mehr weiß als er. Überheblichkeit ist ihm vollkommen fremd.
Damit kommt er mir sehr entgegen. Ich respektiere Menschen, die mehr wissen als ich. Dann kann ich sogar meine Meinung ändern. Ich tue das sogar gerne – solange der andere seine Auffassung gut begründen kann und mich nicht, wenn ich meine Ansichten nicht sofort über den Haufen werfe, verbal abwertet und beleidigt. Wenn allerdings jemand meint, ich müsse seine Meinung annehmen, schlicht, weil er sich für so toll hält, dann bekommen wir mit Sicherheit Probleme miteinander.
Jedenfalls lebt er in Berlin und wir kamen, nachdem dieser junge Mann mich seit zwei Tagen fortbildete, ins Gespräch über die Polizei.
“Ich kann nicht verstehen, wieso man Polizisten mit Gewalt begegnen muss”, eröffnete er. Außerdem bestätigte er mir, dass ihn noch nie ein Polizist unfreundlich behandelt hätte.
Einmal ist er wohl tatsächlich in eine Drogenkontrolle geraten. Ein Mann seines Auftretens gerät in eine solche Kontrolle? Vermutlich, weil vor dem Gesetz doch alle gleich sind? Wie auch immer, er brachte diese Kontrolle hinter sich und betonte, wie korrekt ihn die Polizeibeamten behandelt hätten. Er hat sich davon nicht im geringsten angegriffen gefühlt.
Vielleicht sollten doch mal so einige in diesem Land dringend ihr Selbstbewusstsein überprüfen? Offenbar trägt ein gesundes Selbstwertgefühl doch stark dazu bei, einen selbst friedlich und entspannt durchs Leben zu führen.
Die neuen blauen Uniformen kommen für ihn “ein bisschen schmuddelig” rüber. Er würde seine Mitarbeiter jedenfalls nicht so herumlaufen lassen. Wegen der Außenwirkung.
Nun habe ich die berliner blauen Uniformen noch nicht gesehen. Ich kenne allerdings die des Landes NRW. Vor einigen Monaten hatte ich eine Unterhaltung mit einem Diensthundeführer. Wenn sein Hund in etwa drei Meter Entfernung an ihm vorbeigeht, klebt die schöne blaue Hose voller Hundehaare. Nun sind Hunde bei der Polizei ja nichts Ungewöhnliches, was in mir den Verdacht aufkommen lässt, dass die Designer der blauen Uniform von NRW nicht wirklich nachgedacht haben.
Auch die Erfinder der blauen Uniform von Baden-Württemberg scheinen praktische Erwägungen außen vor gelassen zu haben, denn von dort kam mir zu Ohren, dass die Tasche ausreißt, sobald man ein Funkgerät darin platziert hat. Sieht natürlich auch nicht so blendend aus.
Bin ich rückwärtsgewandt? Habe ich einen grünen Uniformfetisch? Ich denke nicht, denn über die blaue Uniform der Rheinland-Pfälzer habe ich bisher nichts Negatives vernommen. Ich finde, sie sieht gut aus. Auch aus Niedersachsen habe ich nur Positives gehört. Zwar muss ich immer aufpassen, die Polizisten dort nicht auf englisch anzusprechen, weil mich die Aufmachung schwer an NYPD blue erinnert, aber egal. Hauptsache, das Ding erfüllt seinen Zweck.
Vor dem Hintergrund der berliner Kassenlage und dem, was ich aus NRW und BW weiß, glaube ich allerdings ziemlich unbesehen, dass dort ordentlich am Stoff gespart wurde. Und billiger Stoff sieht meistens auch billig aus. Die Denkungsart, dass man manchmal kurzfristig besser mehr Geld ausgibt, um langfristig zu sparen, ist eher volkswirtschaftlich und damit out. Heutzutage denkt man betriebswirtschaftlich und das heißt in vielen Fällen, nicht weiter als bis zur nächsten Ecke.
Was hat das nun mit “Keine Gewalt gegen Polizisten” zu tun? Nun, Fakt ist, dass Respekt eine ziemlich vielschichtige Angelegenheit ist. Ja, und ich nenne es Respekt, obwohl dieser Begriff mindestens so out ist wie volkswirtschaftliches Denken.
Respekt wurde in der deutschen Sprache in den letzten Jahren ordentlich pervertiert. Respekt hat nichts mit blindem Gehorsam zu tun, sondern damit, dass man sein Gegenüber wertschätzt und dass man ihm gegenüber aufmerksam ist. Respekt ist das Gegenteil von Missachtung.
Ehrlich gesagt ist Respekt das, was ich jedem meiner Mitmenschen als erstes entgegenbringe – was in meinen Augen nicht das Geringste mit Unterwürfigkeit zu tun hat. Wenn sich herausstellt, dass man mir nicht mit dem gleichen Respekt begegnet, kann es schon mal passieren, dass man in meiner Achtung sinkt. Manchmal so schnell, dass man den Aufschlag hören kann.
Nun stehe ich mit dieser Auffassung weitgehend allein da. Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass man sich Respekt erstmal verdienen müsse. Meiner Beobachtung nach wird diese Auffassung umso vehementer vertreten, je weniger derjenige bislang selbst auf die Reihe bekommen hat. Da kann sich dann jeder selbst seine Gedanken zu machen…
Fakt ist, dass Menschen eher geneigt sind, jemanden zu respektieren, der sauber und ordentlich auftritt, als jemanden, der “irgendwie schmuddelig” rüberkommt. Das läuft im tiefsten Unterbewusstsein ab und selbst sehr reflektierte Menschen können das nur schwer abschalten. Es hat einen Grund, dass Banken grandios damit gescheitert sind, ihrer jugendlichen Klientel einen Berater mit Punkfrisur, coolen Klamotten und Ring durch die Nase vorzusetzen. Die Zielgruppe hat ihr Geld dann doch lieber zu den Anzugträgern von der Konkurrenz gebracht.
Fakt ist auch, dass Menschen sich das Draufschlagen eher überlegen, wenn derjenige schon Respekt einflößend rüberkommt. Zumal es nicht gerade die reflektierten Typen sind, die zur Gewalt greifen.
Wenn also beispielsweise eine rheinland-pfälzische Polizeistreife vorfährt und zwei Menschen in gut sitzenden und gut aussehenden Uniformen aus einem Passat aussteigen, dem man ansieht, dass er notfalls einige PS auf den Asphalt bringen kann, dann empfindet so ein Unterbewusstsein durchaus Respekt. Ich lasse jetzt mal Situationen weg, in denen das Unterbewusstsein durch diverse Drogen und Alkohol in trauter Gemeinschaft mit dem Bewusstsein ins Nirwana gebeamt wurde. Oder Situationen, in denen einem das Testosteron befiehlt, vor seinen Freunden nicht als Weichei rüberzukommen, weswegen man sich von den Scheißuniformträgern nichts sagen lassen will.
Mein junger Gesprächspartner teilte mir mit, dass Berliner Polizeistreifen mittlerweile in kleinen Corsas vorfahren. Da steigen also zwei “irgendwie schmuddelig” rüberkommende Leute aus einem Auto aus, das irgendwie klein und niedlich ist.
“Och, wie süß!”
Das ist, was mein junger Bekannter dann denkt.
Er möchte so nicht an Polizei denken. Er möchte, wenn er selbst in Not ist, dass da Leute kommen, die seinen Widersachern Respekt einflößen und nicht Leute, bei deren Anblick die bösen Jungs maximal Gefahr laufen, sich eine Bauchmuskelzerrung zuzuziehen – vom Totlachen.
Auch ich möchte so nicht an Polizei denken. Aus dem gleichen Grund. Und weil ich befürchte, dass ein derartiges Auftreten nicht gerade hilft, Gewalt gegen Polizisten abzustellen. Es schlägt sich deutlich leichter, wenn man den, den man schlägt, von vorneherein nicht ernst nimmt.
Meiner Ansicht nach tut der Berliner Senat seinen Polizisten damit keinen Gefallen. Kassenlage hin oder her. Und ob ein Corsa so viel billiger ist als die Folgekosten einer üblen Körperverletzung, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist wohl wieder zu volkswirtschaftlich gedacht.
Aber auch die Innenminister anderer Bundesländer sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob sie nicht lieber ein paar Euro drauflegen wollen, um die Sache optisch wieder ein wenig anzuheben. Es gibt einfach zu viele Idioten, die nicht in der Lage sind, von der Kleidung eines Menschen zu abstrahieren. Ordnungshüter mit Hundehaaren auf der Hose oder ausgerissenen Taschen, also zerlumpte Ordnungshüter können nicht beeindrucken. Und schon gar nicht, wenn man bei ihrem Anblick denkt:
“Och, wie süß!”





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