Tag Archives: berlin

Allgemein Demo Presse Verein

Wir basteln uns einen Polizeiskandal – netter Versuch

FStW_Berlin_nachts_kleinEs begann mit einer Pressemitteilung der Berliner Polizei vom 6. Juli 2014:

Polizisten im Görlitzer Park angegriffen – sechs Beamte verletzt
Bei Angriffen aus einer Gruppe von etwa 60 Personen heraus wurden gestern Nachmittag (05.06.2014) sechs Polizisten verletzt. Gegen 17.45 Uhr alarmierten Zeugen die Polizei zum Görlitzer Park, da zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Personen in eine Schlägerei verwickelt waren. Im Park eingetroffen, sahen die Beamten einen 25-jährigen verletzten Mann, der am Ohr stark blutete. Bei der nun folgenden Sachverhaltsklärung mischten sich zunächst mehrere Personen, die kurz zuvor an einer Demonstration von Neukölln nach Kreuzberg teilgenommen hatten, lautstark in die Ermittlungen der Beamten ein. Darüber hinaus stellte sich ein 22-jähriger Mann den Beamten in den Weg und störte sie bei der Sachverhaltsaufklärung. Nachdem die Polizisten ihn vergeblich des Platzes verwiesen hatten und die Behinderungen anhielten, zog ein Beamter den Störenfried zur Seite, woraufhin sich eine Personengruppe von bis zu 60 Personen in das Geschehen einmischte und die Einsatzbeamten attackierte. Aus der Gruppe heraus wurden zwei Fahrräder gegen die Beamten geschleudert, wodurch ein Polizist eine Kopfverletzung erlitt, die später in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Mit Unterstützung weiterer hinzugerufener Polizisten wurde die Personengruppe abgedrängt und zwei Männer im Alter von 32 und 46 Jahren sowie eine 33-jährige Frau festgenommen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung und schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt sechs Beamte wurden bei den Angriffen verletzt.
Hui. Sechs verletzte Polizeibeamte! Übrigens waren es an dem Wochenende in Berlin mindestens 15. Zumindest 15, die ihren Weg in die Pressemitteilungen der Berliner Polizei schafften. Im Rahmen des Demonstrationsgeschehens, das in der oben zitierten Pressemitteilung erwähnt wurde, wurden weitere sieben Polizeibeamte verletzt (vergleiche hier). In der Nacht zum 06.07.2014 wurden in zwei Fällen Polizeibeamte mit Steinen beworfen. Zwei von ihnen wurden von den die Scheiben des Einsatzfahrzeuges durchschlagenden Steinen derart verletzt, dass sie im Krankenhaus ambulant behandelt wurden und vom Dienst abtreten mussten (vergleiche hier).
Ich persönlich war milde erstaunt, als mir bereits gestern Abend ein Youtube-Video übermittelt wurde, auf dem ein Polizeiübergriff zu sehen sein soll, eingestellt von einem gewissen „Optik 5000“. Ort und Zeit des Geschehens passten. Aha! Der Film zur Pressemitteilung.
Da hier mal wieder Persönlichkeitsrechte auf das Übelste missachtet wurden, bette ich das Video nicht in diesen Blog ein. Soviel Zeit muss sein, dem Link zu folgen.
Das Video setzt, wie eigentlich üblich, wenn derartige Vorwürfe im Raum stehen, mitten in der Handlung  ein. Die erste Frage, die sich stellt, ist die, warum der Polizist, dessen Identifizierungsnummer zu Beginn des Filmes so betont wird, bereits bei einem kurzen „Ausweis her“ angelangt ist. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass vorher bereits das eine oder andere passiert sein muss. Schon vor dem Hintergrund dieses Fragezeichens ist eine gewisse Skepsis beim Konsum dieses Videos angebracht.
Man beachte, dass der junge Mann mit der Clownsmaske schon bei 0:20 anfängt zu brüllen. Die Polizisten hatten ihn zu diesem Zeitpunkt gerade mal angefasst. Die Skepsis steigt.
Ab etwa 1:00 sieht man, wie sich immer mehr Umstehende einmischen und die Polizeibeamten bedrängen. Niemand stellt die Frage, die auf der Hand liegt: „Gibt es einen Grund für die Festnahme?“ Alle im Bild sichtbaren Menschen scheinen davon überzeugt zu sein, dass die Polizei nicht im Recht ist. Woher nehmen sie diese Überzeugung?
Bei 2:24 kommt aus dem linken Bildrand ein Fahrrad geflogen. Übrigens ganz wie in der obigen Pressemitteilung der Polizei nachzulesen. Es ist mittlerweile sehr laut geworden, auf die Polizeibeamten wird eingeschrieen und was man an Vokabeln verstehen kann ist nichts, was ich als gewaltfreie Kommunikation bezeichnen würde.
Bei 2:53 legt die junge Frau mit den roten Haaren ein Schauspiel hin, gegen das altgediente Schwalbenkönige wie Maradona und Co. als blasse Waisenknaben erscheinen.
Bei 3:59 trifft die Verstärkung ein, in Schutzkleidung. Bei den am 05.07. in Berlin herrschenden Temperaturen lässt das tief blicken, wie die aufgeheizte Lage eingeschätzt wurde.
Das Video endet mit der Bitte, es an „wichtige Zeugen“, u. a. die Presse weiterzuleiten.
Das ist offensichtlich gelungen. „Die Polizei, dein Feind und Helfer“ schlagzeilt die Zeit (!) in einem Artikel, in dem sie der Polizei ein Problem sowie wachsenden Widerstand aus der Bevölkerung bescheinigt.
Kleines Kuriosum am Rande: In diesem Artikel findet sich der Absatz „Zwar zeigen Umfragen wie der GfK-Vertrauensindex nach wie vor, dass die Institution Polizei ein hohes Ansehen bei mehr als 80 Prozent der Menschen genießt, doch dass diese Zahl leicht sinkt. Und die Polizeigewerkschaften und Vereine wie Keine Gewalt gegen Polizisten beklagen, dass das Klima den Beamten gegenüber feindlicher wird. Doch wenn es in der Bevölkerung tatsächlich wachsenden Widerstand gegen die Polizei gibt, stellt sich die Frage: Was löst ihn aus?“
Ich bin ja geschüttelt und gerührt, dass unser kleiner 91-Mitglieder-Verein mit Institutionen mit 170.000 Mitgliedern (GdP) bzw. 94.000 Mitgliedern (DPolG) in einem Atemzug genannt wird. Danke! Aber der in diesem Absatz konstruierte Gegensatz „Polizeigewerkschaften und Vereine wie Keine Gewalt gegen Polizisten“ und „Bevölkerung“ passt nicht. Wir bestehen nach wie vor überwiegend aus Nichtpolizisten (53%) und bei unserer Gründung waren 11 Nichtpolizisten und ein Polizist. Wir sind ein Verein aus Bürgern für Polizisten, in dem auch Polizisten Mitglied werden können. D.h. wir sind Teil der Bevölkerung. Wir sehen das ein bisschen anders mit dem angeblich wachsenden Widerstand aus der Bevölkerung. Und was das sinkende Vertrauen in die Polizei auslöst – das könnte auch etwas mit der Berichterstattung über derartige Videos zu tun haben. Nicht jeder schaut die sich bis zum Ende an.
Zurück zur Polizeigewalt vor dem Görlitzer Park, die so ausufernd war, dass sechs verletzte Polizisten dabei herauskamen. Die Polizei Berlin hat gestern (07.07.) eine Stellungnahme dazu herausgegeben, die ich unseren Lesern im Wortlaut mitteilen möchte:
„Nach der Veröffentlichung eines Videos im Internet, auf dem die Festnahme eines 22-jährigen Mannes am Görlitzer Park zu sehen ist, möchte die Polizei Berlin folgende Ergänzungen bekanntgeben: 
Das veröffentlichte Video zeigt nur einen Ausschnitt der Ereignisse vom vergangenen Samstag, 5. Juli 2014. Vorausgegangen war ein Polizeieinsatz anlässlich einer Schlägerei am Görlitzer Park, bei der ein 25-jähriger Mann schwer am Ohr verletzt worden war. Die alarmierten Polizisten kümmerten sich zunächst um den Verletzten und alarmierten die Berliner Feuerwehr. In der weiteren Folge nahmen die Beamten die Personalien des jungen Mannes auf und versuchten nun, den Sachverhalt aufzuklären und die Täter der gefährlichen Körperverletzung zu ermitteln. Hierbei wurden die Polizisten hartnäckig gestört. Der in dem Video zu sehende Mann, ein 22-Jähriger, behinderte die Beamten mehrfach bei ihrer Arbeit und verhinderte, dass die Beteiligten der Schlägerei ermittelt werden. Der Abgebildete erhielt nun einen Platzverweis, dem er nicht nachkam, so dass er weggeführt werden musste. Nachdem sich der Einsatzbeamte nun dem mittlerweile im Rettungswagen sitzenden Verletzten zugewandt hatte, ging der 22-Jährige erneut auf die Beamten zu. Hier beginnt die Videoaufnahme. 
Ein Polizist wollte die Personalien des jungen Mannes feststellen, um ihm dann einen so genannten qualifizierten Platzverweis auszusprechen. Hier widersetzte sich der auf dem Video zu sehende Mann und versuchte sich zu entfernen, so dass er von den Einsatzbeamten festgehalten werden musste und zu Boden gebracht wurde. Der Mann versuchte sich der Personalienfeststellung zu entziehen, indem er sich auf seine Arme legte und damit verhinderte, dass die Beamten ihn zur Identitätsfeststellung zu einem Polizeifahrzeug führen konnten. 
Sowohl während der veröffentlichten Videosequenz als auch danach kam es zu gewalttätigen Angriffen gegen die Polizisten, die in dem Filmausschnitt nicht zu sehen sind und die Beamten vor so große Probleme stellten, dass weitere Polizisten zur Unterstützung verständigt werden mussten. Weiterhin ist in den Sequenzen nicht zu erkennen, dass ein 46-jähriger Mann und eine 23-jährige Frau versucht hatten, den 22-Jährigen zu befreien. Ein Polizist erlitt bei den Attacken eine Gehirnerschütterung und musste in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden. Einem weiteren Beamten wurde in die Hand gebissen. Darüber hinaus setzte ein bislang Unbekannter Reizgas gegen die Beamten ein. Insgesamt sechs Einsatzbeamte wurden bei den Angriffen verletzt.“
Damit dürfte alles gesagt sein. Zumindest sollte jetzt klar sein, dass es mindestens zwei Meinungen dazu gibt und der Polizei zumindest, wie vor Gericht, zubilligen, eine andere Sichtweise zu haben. Im Zweifel also für den Angeklagten.
Dazu die Zeit in einem nachträglich eingefügten Absatz: „Zu der Behandlung des 22-Jährigen äußert sie sich nicht.“
Nun ja. Wer Augen hat zu sehen, der sehe.
Übrigen wüsste ich nur zu gern, warum folgende „Vorfälle“, die in Berlin stattgefunden haben, offenbar kein Skandal sind:
Aber schon klar, dass ist das, was wahrscheinlich wieder unter dem Stichwort „Aufrechnung“ unter den Tisch gekehrt wird.
Abschließend noch mein herzlicher Dank den den Kriminalreporter der Berliner Zeitung, der heute Morgen mit dem Kommentar „Was das Video der Festnahme nicht zeigt“ das Video als das entlarvt, was es ist. „Es gibt Videos im Netz, die polizeiliches Fehlverhalten sehr genau dokumentieren und zu Disziplinarverfahren führten. Dieser Film aber ist kaum mehr als Propaganda.“ Abgesehen von den essentiellen Szenen, die überhaupt zu diesem Einsatz führten, fehlt auch die eine oder andere Gewalttat gegen Polizeibeamte. Es „zeigt auch nicht, dass der Beamte, der den Ausweis des 22-Jährigen sehen wollte, am Schluss von oben bis unten bespuckt war.“
Allgemein

Och, wie süß

Diese Worte sagte neulich ein junger Mann zu mir, den ich sehr schätze. Damit meinte er beileibe nicht mich – oh, nein.

Dieser junge Mann hat es weit gebracht in seinem Leben. Er arbeitet selbstständig in seinem Beruf und das so erfolgreich, dass er definitiv nicht nur als Besserverdiener durchgeht. Sein Auto ist ein ziemlich teures Modell und seine Kleidung vom Feinsten. Und das mit Ende 20.

Was ihn mir so sympathisch macht, ist, dass er sich das alles durch Arbeitseifer und unglaublichen Einsatz selbst erarbeitet hat. Gleichzeitig ist er intelligent und belesen, d. h. er schaut durchaus über den Tellerrand dessen, was er beruflich betreibt.

Er hat ein ganz natürliches Selbstbewusstsein. Er spart sich Ausführungen darüber, was andere angeblich alles für ihn tun müssten. Was er erreicht hat, hat er ganz allein geschafft. Und wenn ihm irgendetwas schiefgeht, hält er sich nicht tagelang damit auf, einen Schuldigen zu suchen, sondern sieht zu, dass er es beim nächsten Mal besser macht.

Es macht Spaß, sich mit ihm zu unterhalten, weil er ein geistig fixes Kerlchen ist, weil er viele Dinge weiß, aber weil er auch in der Lage ist, anzunehmen, wenn jemand anders über irgendein Thema mehr weiß als er. Überheblichkeit ist ihm vollkommen fremd.

Damit kommt er mir sehr entgegen. Ich respektiere Menschen, die mehr wissen als ich. Dann kann ich sogar meine Meinung ändern. Ich tue das sogar gerne – solange der andere seine Auffassung gut begründen kann und mich nicht, wenn ich meine Ansichten nicht sofort über den Haufen werfe, verbal abwertet und beleidigt. Wenn allerdings jemand meint, ich müsse seine Meinung annehmen, schlicht, weil er sich für so toll hält, dann bekommen wir mit Sicherheit Probleme miteinander.

Jedenfalls lebt er in Berlin und wir kamen, nachdem dieser junge Mann mich seit zwei Tagen fortbildete, ins Gespräch über die Polizei.

„Ich kann nicht verstehen, wieso man Polizisten mit Gewalt begegnen muss“, eröffnete er. Außerdem bestätigte er mir, dass ihn noch nie ein Polizist unfreundlich behandelt hätte.

Einmal ist er wohl tatsächlich in eine Drogenkontrolle geraten. Ein Mann seines Auftretens gerät in eine solche Kontrolle? Vermutlich, weil vor dem Gesetz doch alle gleich sind? Wie auch immer, er brachte diese Kontrolle hinter sich und betonte, wie korrekt ihn die Polizeibeamten behandelt hätten. Er hat sich davon nicht im geringsten angegriffen gefühlt.

Vielleicht sollten doch mal so einige in diesem Land dringend ihr Selbstbewusstsein überprüfen? Offenbar trägt ein gesundes Selbstwertgefühl doch stark dazu bei, einen selbst friedlich und entspannt durchs Leben zu führen.

Die neuen blauen Uniformen kommen für ihn „ein bisschen schmuddelig“ rüber. Er würde seine Mitarbeiter jedenfalls nicht so herumlaufen lassen. Wegen der Außenwirkung.

Nun habe ich die berliner blauen Uniformen noch nicht gesehen. Ich kenne allerdings die des Landes NRW. Vor einigen Monaten hatte ich eine Unterhaltung mit einem Diensthundeführer. Wenn sein Hund in etwa drei Meter Entfernung an ihm vorbeigeht, klebt die schöne blaue Hose voller Hundehaare. Nun sind Hunde bei der Polizei ja nichts Ungewöhnliches, was in mir den Verdacht aufkommen lässt, dass die Designer der blauen Uniform von NRW nicht wirklich nachgedacht haben.

Auch die Erfinder der blauen Uniform von Baden-Württemberg scheinen praktische Erwägungen außen vor gelassen zu haben, denn von dort kam mir zu Ohren, dass die Tasche ausreißt, sobald man ein Funkgerät darin platziert hat. Sieht natürlich auch nicht so blendend aus.

Bin ich rückwärtsgewandt? Habe ich einen grünen Uniformfetisch? Ich denke nicht, denn über die blaue Uniform der Rheinland-Pfälzer habe ich bisher nichts Negatives vernommen. Ich finde, sie sieht gut aus. Auch aus Niedersachsen habe ich nur Positives gehört. Zwar muss ich immer aufpassen, die Polizisten dort nicht auf englisch anzusprechen, weil mich die Aufmachung schwer an NYPD blue erinnert, aber egal. Hauptsache, das Ding erfüllt seinen Zweck.

Vor dem Hintergrund der berliner Kassenlage und dem, was ich aus NRW und BW weiß, glaube ich allerdings ziemlich unbesehen, dass dort ordentlich am Stoff gespart wurde. Und billiger Stoff sieht meistens auch billig aus. Die Denkungsart, dass man manchmal kurzfristig besser mehr Geld ausgibt, um langfristig zu sparen, ist eher volkswirtschaftlich und damit out. Heutzutage denkt man betriebswirtschaftlich und das heißt in vielen Fällen, nicht weiter als bis zur nächsten Ecke.

Was hat das nun mit „Keine Gewalt gegen Polizisten“ zu tun? Nun, Fakt ist, dass Respekt eine ziemlich vielschichtige Angelegenheit ist. Ja, und ich nenne es Respekt, obwohl dieser Begriff mindestens so out ist wie volkswirtschaftliches Denken.

Respekt wurde in der deutschen Sprache in den letzten Jahren ordentlich pervertiert. Respekt hat nichts mit blindem Gehorsam zu tun, sondern damit, dass man sein Gegenüber wertschätzt und dass man ihm gegenüber aufmerksam ist. Respekt ist das Gegenteil von Missachtung.

Ehrlich gesagt ist Respekt das, was ich jedem meiner Mitmenschen als erstes entgegenbringe – was in meinen Augen nicht das Geringste mit Unterwürfigkeit zu tun hat. Wenn sich herausstellt, dass man mir nicht mit dem gleichen Respekt begegnet, kann es schon mal passieren, dass man in meiner Achtung sinkt. Manchmal so schnell, dass man den Aufschlag hören kann.

Nun stehe ich mit dieser Auffassung weitgehend allein da. Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass man sich Respekt erstmal verdienen müsse. Meiner Beobachtung nach wird diese Auffassung umso vehementer vertreten, je weniger derjenige bislang selbst auf die Reihe bekommen hat. Da kann sich dann jeder selbst seine Gedanken zu machen…

Fakt ist, dass Menschen eher geneigt sind, jemanden zu respektieren, der sauber und ordentlich auftritt, als jemanden, der „irgendwie schmuddelig“ rüberkommt. Das läuft im tiefsten Unterbewusstsein ab und selbst sehr reflektierte Menschen können das nur schwer abschalten. Es hat einen Grund, dass Banken grandios damit gescheitert sind, ihrer jugendlichen Klientel einen Berater mit Punkfrisur, coolen Klamotten und Ring durch die Nase vorzusetzen. Die Zielgruppe hat ihr Geld dann doch lieber zu den Anzugträgern von der Konkurrenz gebracht.

Fakt ist auch, dass Menschen sich das Draufschlagen eher überlegen, wenn derjenige schon Respekt einflößend rüberkommt. Zumal es nicht gerade die reflektierten Typen sind, die zur Gewalt greifen.

Wenn also beispielsweise eine rheinland-pfälzische Polizeistreife vorfährt und zwei Menschen in gut sitzenden und gut aussehenden Uniformen aus einem Passat aussteigen, dem man ansieht, dass er notfalls einige PS auf den Asphalt bringen kann, dann empfindet so ein Unterbewusstsein durchaus Respekt. Ich lasse jetzt mal Situationen weg, in denen das Unterbewusstsein durch diverse Drogen und Alkohol in trauter Gemeinschaft mit dem Bewusstsein ins Nirwana gebeamt wurde. Oder Situationen, in denen einem das Testosteron befiehlt, vor seinen Freunden nicht als Weichei rüberzukommen, weswegen man sich von den Scheißuniformträgern nichts sagen lassen will.

Mein junger Gesprächspartner teilte mir mit, dass Berliner Polizeistreifen mittlerweile in kleinen Corsas vorfahren. Da steigen also zwei „irgendwie schmuddelig“ rüberkommende Leute aus einem Auto aus, das irgendwie klein und niedlich ist.

„Och, wie süß!“

Das ist, was mein junger Bekannter dann denkt.

Er möchte so nicht an Polizei denken. Er möchte, wenn er selbst in Not ist, dass da Leute kommen, die seinen Widersachern Respekt einflößen und nicht Leute, bei deren Anblick die bösen Jungs maximal Gefahr laufen, sich eine Bauchmuskelzerrung zuzuziehen – vom Totlachen.

Auch ich möchte so nicht an Polizei denken. Aus dem gleichen Grund. Und weil ich befürchte, dass ein derartiges Auftreten nicht gerade hilft, Gewalt gegen Polizisten abzustellen. Es schlägt sich deutlich leichter, wenn man den, den man schlägt, von vorneherein nicht ernst nimmt.

Meiner Ansicht nach tut der Berliner Senat seinen Polizisten damit keinen Gefallen. Kassenlage hin oder her. Und ob ein Corsa so viel billiger ist als die Folgekosten einer üblen Körperverletzung, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist wohl wieder zu volkswirtschaftlich gedacht.

Aber auch die Innenminister anderer Bundesländer sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob sie nicht lieber ein paar Euro drauflegen wollen, um die Sache optisch wieder ein wenig anzuheben. Es gibt einfach zu viele Idioten, die nicht in der Lage sind, von der Kleidung eines Menschen zu abstrahieren. Ordnungshüter mit Hundehaaren auf der Hose oder ausgerissenen Taschen, also zerlumpte Ordnungshüter können nicht beeindrucken. Und schon gar nicht, wenn man bei ihrem Anblick denkt:

„Och, wie süß!“