Category Archives: Polizistenstimmen

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Weihnachtsengel in Uniform

Am heutigen Morgen, den 22.12.17 kurz nach 6 Uhr, fuhren wir, zwei Streifen des Abschnitt 35, zu „Hilferufen weiblich“.
Alarmiert hatte uns eine Nachbarin des Hauses, welche diese Rufe wahrgenommen hatte.

Wir hörten an der angegebenen Adresse überhaupt nichts. Also hielten wir Rücksprache mit der Anruferin.
Sie konnte uns nicht genau beschreiben, woher das Wimmern und das Schreien wirklich kam.
Aber kurze Zeit später klopfte ein Kollege an eine Tür und Treffer. Wir hatten die vermeintlichen Hilferufe gefunden.
Es öffnete uns eine junge Frau, welche total aufgelöst und verweint war.
Nach einem kurzen Gespräch erfuhren wir auch den Grund.

Sie war maßlos traurig, weil sie ihren Zug in ihre Heimat verpasst hatte und sie Weihnachten nicht mit ihrer Familie feiern konnte.
Eine neue Fahrkarte konnte sie sich nicht leisten.
Im weiteren Gespräch erfuhren wir wohin sie wollte.
Wie es der Zufall so wollte, wollte mein Kollege Rolf am heutigen Tage auch in die Richtung. Er bot ihr also an, sie und ihre Katze mitzunehmen.
(Das hat mich schon richtig gerührt.)
Es wurde also schnell vereinbart, dass sie kurz nach 12 Uhr (da endete unsere Frühschicht) abgeholt wird.
Und so geschah es auch.

Eben gerade, gg. 17.00 Uhr, habe ich die Rückmeldung erhalten, dass Rolf die junge Frau gut an ihren Vater übergeben hat.

Ich bin unheimlich stolz, so einen tollen empathischen Kollegen in meiner Schicht zu haben.
Für mich ist er ein Weihnachtsengel in Uniform.

Danke Rolf. Du bist klasse.

Dirk Heßler

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Polizisten eine Stimme geben: Ihr geht mir auf den Sack – Gedanken zu Kommentaren zu G20

Symbolfoto: Der Verfasser arbeitet nicht bei der abgebildeten Einheit

 

Ich selbst bin Polizeibeamter und war 2013 in Hamburg im Schanzenviertel und auch bei Blockupy eingesetzt, diese Art von Einsätzen ist mir also bekannt, wenn auch nicht in diesem derben Ausmaß. Ich finde es toll, Kommentare zu lesen die „Pro-Polizei“ sind und bin mit den Gedanken bei den Kollegen und Kolleginnen in Hamburg, ich hoffe sie kommen alle gesund nach Hause.

Natürlich gibt es auch Kommentare die sich gegen die Polizei richten, das ist normal und gehört zu einem offenen Diskurs dazu.

Was allerdings überhaupt nicht geht und meinen Kollegen und Kolleginnen, sowie mir massiv gegen den Strich geht, ist die ständige Forderung nach dem Schusswaffengebrauch. Ich denke keiner der Kommentatoren macht sich überhaupt einmal Gedanken darüber welche Folgen das für den jeweiligen Polizisten hat. Von der Gefährdung Unbeteiligter einmal ganz zu schweigen. Wenn diese Menschen wirklich (!!) hinter den Beamten stehen wollen, dann sollen sie diese Forderung bitte unterlassen.

Das nächste Große Thema das mir ebenfalls massiv auf den Sack geht (entschuldigt die Ausdrucksweise) ist die ständige Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr. Was zum Teufel soll die Bundeswehr denn hier ausrichten?? Das ist eine Militäreinheit die für diese Art von Einsatz weder ausgebildet noch ausgerüstet ist. Kein Polizeibeamter möchte, dass die Bundeswehr diese Lage löst. Wie könnte sie auch? Zumal die Voraussetzungen zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren (zurecht) sehr streng angelegt sind.

Mit dieser Forderung wird meinen Kollegen und Kolleginnen der Eindruck vermittelt, sie wären nicht in der Lage ihre Arbeit so auszuführen wie es von ihnen erwartet wird. Durch die Blume werden wir als zu weich, zu labil und einfach zu lasch hingestellt und das lasse ich nicht gelten.

Die Kollegen vor Ort leisten tolle Arbeit und dies soll anerkannt werden, ohne Rufe nach Schusswaffen oder dem Militär.

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Polizisten eine Stimme geben: Offener Brief eines Polizisten: Was macht Ihr mit den Berliner Polizisten?

Liebe Medienwelt!

Ich verstehe sicher ebensowenig von Eurer Arbeit, wie Ihr vom Dienst eines Polizisten.

Gerade Berliner Kollegen sind gebeutelt genug. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder aus Hinterhalten einzelne Beamte angegriffen. Ich möchte in keiner Einsatzhundertschaft meinen Dienst verrichten. Wenig freie Wochenenden, tausende Überstunden, ständig weg von zu Hause. Viele Kollegen aus den Hundertschaften sehen seltenst Frau und Kinder. Die Ehen gehen zu Bruch.

Wofür ein Haus bauen und finanzieren, wenn man mehr im Grukw (=Gruppenkraftwagen, Anm. d. Red.) wohnt, als zu Hause? Wofür zuhause bekocht werden, wenn man doch Verpflegungsbeutel mit gammeligen Schnitzeln im Einsatz bekommt?

Die Polizei ist eh schon die zweite Familie für die meisten. Wenn dann mal der Druck abfällt, dann wird auch mal gefeiert. Das muss man den Beamten doch bitte auch zugestehen.

Falls hier Straftaten begangen werden, so soll und muss hier unbedingt ermittelt werden.  Aber hier hunderte Kollegen über einen Kamm zu scheren, das ist einfach nur FALSCH.

Bitte lasst der Polizei doch mal die Wertschätzung zukommen, die sie verdient. Jeden Tag retten Polizisten in Deutschland viele Menschenleben – berichtet wird hierüber nur selten.

Mattes (ein Polizist aus NRW)

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Nach Urteil positives Feedback aus Berlin

Am 11. Februar diesen Jahres wurde in Berlin ein Polizist brutal angegriffen und verletzt. Die Polizei Berlin veröffentlichte dazu die folgende Pressemitteilung:

Berlin: Polizeibeamter bei Einsatz angegriffen und verletzt

In Wittenau musste in der vergangenen Nacht ein Polizist nach einem gewalttätigen Übergriff mit Kopf- und Halswirbelverletzungen seinen Dienst vorzeitig beenden. Gegen 22.40 Uhr wurde die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus in der Invalidensiedlung alarmiert. Hier waren mehrere Personen in Streit geraten und es soll zu einer Körperverletzung und einer Sachbeschädigung gekommen sein. Während die Beamten mit den Beteiligten das Geschehen klärten, griff für die Polizisten unerwartet eine bis dahin unbeteiligte 45-Jährige einen der Beamten an und würgte ihn. Beide fielen zu Boden. In diesem Moment schlug der 18-jährige Sohn der Angreiferin mehrfach mit den Fäusten auf den am Boden liegenden Polizisten ein, bis schließlich weitere Streifenbeamte die Prügelattacke beendeten und ihren Kollegen aus dem Würgegriff befreiten. Bei den Ermittlungen zu den Gründen der Angriffe stellte sich heraus, dass der 18-jährige als Tatverdächtiger der vorangegangenen Straftaten infrage kommt. Hierbei hatte er sich augenscheinlich auch eine Verletzung am Bein zugezogen, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Während der Ermittlungen beleidigte der junge Mann einen der Beamten noch als „Nazi“. Im Anschluss der polizeilichen Beweissicherung konnten die Beteiligten ihren Weg fortsetzen. Die Ermittlungen dauern an.

Natürlich für uns von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. ein ganz klarer Fall für eine Genesungskarte.

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Letzte Woche erreichte uns folgendes Feedback:

„Durch die brutale Attacke war ich insgesamt 10 Wochen krank geschrieben. Kurz danach erhielt ich von eurer Organisation eine Genesungskarte. Schon damals war ich hoch erstaunt und erfreut über diese Organisation und deren Anteilnahme.

Heute war nun der Gerichttermin. Das Urteil nach dem JGG [Jugendgerichtsgesetz, Anm. der Red.]: Verwarnung, 600€ Schmerzensgeld umgehend, 300 € Schadensersatz innerhalb eines halben Jahres, 100 Sozialstunden zum Ausgleich der Justizgeschädigtenkasse, von der ich sofort das Schmerzensgeld erhalte.

Jetzt sage ich offiziell DANKE für eure Karte.

Gruß aus Berlin

René“

 

Danke René, für diese Rückmeldung. Das motiviert uns ja auch. Und danke für Deinen täglichen Einsatz für uns alle.

 

René schrieb übrigens im Nachgang dazu, dass er für sich persönlich mit dem Urteil zufrieden sei, als Polizeibeamter hingegen nicht ganz.

Wir finden das insgesamt für 10 Wochen Krankschreibung auch ein bisschen wenig, aber wenigstens ist überhaupt etwas passiert und es hat Geld gekostet, was vermutlich dem Täter wenigstens ein bisschen weh tun dürfte.

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Fast wie daheim – und doch anders / Wasserstandsmeldung aus meiner zweiten Heimat

Heute vor fünf Tagen: Ich sitze in einem meiner Lieblingscafés an der Place de la République. Eigentlich ist alles wie immer. Alle paar Minuten fliegt ein Polizeiauto, zwischendurch auch mal in zivil, mit Blaulicht und Martinshorn an mir vorbei. Je nach Verkehrslage versuchen sie auch nur, zu fliegen, kommen aber lediglich im Schneckentempo voran.

Einmal sehe ich, wie drei Wagen von Pariser Bürgern über eine rote Ampel fahren, um das Einsatzfahrzeug durchzulassen. Manchmal klappt’s. Sogar in der Stadt des nahezu unendlichen Verkehrschaos.

Manchmal klappt es auch nicht, so wie hier. Leider sieht man auf dem Bild nicht, warum sie nicht auf der Gegenspur überholen konnten. Jedenfalls ging es nicht und nach vorne rührte sich nichts.

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Symbolfoto

Ähnliches spielte sich vor meinen Augen am Arc de Triomphe ab, wo ich dann kurz darauf zwei Polizisten in einem Streifenwagen einen aus deutscher Sicht recht gewagten Spurwechsel über acht Spuren vornehmen sah, beide über das ganze Gesicht grinsend. Vermutlich ein gewisses Amüsement über überforderte Touristen, die sich leichtsinnigerweise in diesen Kreisverkehr gewagt haben. Gewagte Spurwechsel kann man öfter und auch an anderen Stellen beobachten. Wer braucht auch Spuren?

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Symbolfoto

Alles wie immer?

Nicht wirklich.

In der Pariser Polizei, in der französischen Polizei insgesamt, rumort es gewaltig.

Auch wenn es vordergründig nicht erkennbar ist – die Pariser Polizei befindet sich im Bummelstreik. Dienst nach Vorschrift. Sie machen, was sie sollen. Mehr aber auch nicht.

Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, dass an neuralgischen Punkten wie rund um den Eiffelturm keine merkbare Polizeipräsenz vorhanden war. Ja, der Ausnahmezustand wurde heruntergefahren, weil er schlicht auch nicht mehr durchhaltbar war. Aber dennoch gibt es nach wie vor die Bedrohung durch Terror. Die gab es auch schon 2013, lange vor dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Seitdem waren gerade dort immer reihenweise Mannschaftswagen von CRS und Polizei zu finden.

Wie auch immer, mir ist nicht bekannt, dass irgendein Notfall nicht abgearbeitet wurde, insofern hat der Dienst nach Vorschrift (noch) keine allzu negativen Folgen. Ich vermute, dass Verkehrsdelikte einfach gepflegt übersehen werden.

Der Anlass für den Bummelstreik ist die steigende Gewalt gegen Polizisten in Zeiten nahezu unerträglicher Arbeitsbedingungen.

„Nun gut“, werden mir jetzt sicherlich einige entgegenhalten. „Die französische Polizei ist aber auch nicht gerade für Zimperlichkeit bekannt.“ Soll heißen, dass sie schneller und härter zuschlägt als unsere…

Lustigerweise glauben Franzosen genau dasselbe von der deutschen Polizei. Interessant, oder?

Ja, es gibt sie, die französischen Polizisten, die überziehen. Gegen diese wird sofort ein Verfahren der IGPN (Inspection générale de la Police Nationale, Interne Ermittlungsabteilung) eröffnet und natürlich auch ein Strafverfahren. Beispielhaft kann man das nachlesen im Fall des Professors der Sorbonne, der Polizisten beschuldigt, am 22.9.2016 von ihnen bedroht, auf sexueller Basis beleidigt und gewalttätig behandelt worden zu sein. Er hatte zuvor die Festnahme einer Frau am Bahnhof seiner Heimatstadt Saint-Denis (Vorort von Paris) gefilmt. Ebenso läuft ein Verfahren, nachdem ein Student in Rennes im Rahmen einer Demonstration durch ein Gummigeschoss sein Auge verlor. In diesem Fall haben die Eltern des Studenten bei der IGPN Anzeige erstattet. Ende Mai wurde ein Polizist zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem er in Caen einen Demonstranten geschlagen hatte.

Es kursiert hierzulande sogar das Gerücht, dass französische Polizisten sich nach Schusswaffengebräuchen auf Menschen keinem juristischen Verfahren stellen müssten. Das ist nachweislich falsch, wie man nicht nur an diesem Beispiel erkennen kann: In Lille kam es durch zwei Sondereinheiten zu einem Einsatz im Drogenmilieu, bei dem ein Mann durch eine Polizeikugel starb. Im letzten Absatz des hier verlinkten Artikels wird die Einleitung des Verfahrens erwähnt.

Ja, es gibt auch interkulturelle Unterschiede. Zumindest vor 20 Jahren gingen sie bei rot über die Ampel. Macht in Frankreich aber jeder. Die Regel lautet, dass man dann über die Ampel geht, wenn gerade kein Auto kommt. Die Tatsache, dass man als Fußgänger grün hat, bedeutet nämlich nicht zwingend, dass man gefahrlos über die Straße gehen kann. Wer das nicht glaubt, kann ja mal zur Stoßzeit die Champs Elysées in ihrer ganzen Länge vom Arc de Triomphe bis hinunter zur Place Concorde gehen und dabei die vielen kleinen Querstraßen überwinden. Viel Spaß dabei!

Gelegentlich parken sie auch sehr… äh… im Pariser Stil, aber manchmal hat man in Paris auch keine Wahl. Nicht mal vor seiner eigenen Dienststelle.

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Symbolfoto

Nichtsdestotrotz kann für mich kein Zweifel daran bestehen, dass die französische Polizei genau so demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist, wie unsere. Und deshalb gehört der Polizei meiner zweiten Heimat mein Herz nicht minder als der deutschen. Ich würde beiden Polizeien bedenkenlos mein Leben anvertrauen.

Nun ist der Trend ähnlich wie bei uns. Wegen der Terroranschläge der letzten Monate schätze ich die Überstundenlage in Frankreich als noch angespannter ein. Auf die maximale Terrorwarnstufe wurde dann noch die EM draufgepackt. In der ersten Jahreshälfte ging es ununterbrochen rund wegen einer Arbeitsmarktreform, die auf breiten Widerstand in der Bevölkerung stieß und fast täglich Massendemonstrationen auslöste. Seit einigen Tagen sind auch wieder die Ultrakonservativen gegen die Homo-Ehe auf der Straße. Bis jetzt haben sie aber noch nicht ihr Niveau von 2013 erreicht, als sie ganze Straßenzüge gekonnt in Schutt und Asche legten. Viel gekonnter entglasen die Linksaußen auch keine Schaufenster und Bushaltestellen. Ich weiß schon, warum ich keine politische Richtung für besser halte als die andere.

Viele Polizisten kamen über Monate nicht aus den Uniformstiefeln. Nicht erst seit der Terrorbedrohung ist die Polizei mit deutlich zu wenig Personal ausgestattet. Sie arbeiten mit teilweise unsäglichem Material, ich habe da schon Mannschaftswagen gesehen, in denen die Sitzbezüge in Fetzen herunterhingen. Dieser Mannschaftswagen ist noch einer der schöneren:

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Symbolfoto

Obwohl man in der Bevölkerung sehr viele positive Stimmen zur Polizei hört, fühlen sie sich ungeliebt und gehasst, weil auch Frankreichs Lobkultur miserabel ist. In meinem Bekanntenkreis dort höre ich fast nur Lob über die französische Polizei, aber meine Versuche, klarzumachen, dass ich der falsche Adressat für diese Äußerungen bin, schlagen regelmäßig fehl.

Schon letzten Februar hat mir ein Polizist der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité, kasernierte Bereitschaftspolizei), der eigentlich aus Toulouse stammte und dort arbeitete, erzählt, dass er nun seit sechs Monaten in Paris stationiert sei und eigentlich nur noch nach Hause zu seiner Familie wolle. Aber das Schlimmste sei, dass er nur noch beleidigt und beschimpft werde. Als er hörte, dass ich einen Verein gegründet habe, der sich hinter deutsche Polizisten stellt, wollte er schon einen Versetzungsantrag nach Deutschland schreiben. Da Deutschland bei Franzosen, insbesondere bei Südfranzosen, im Allgemeinen als Urlaubsziel nicht die alleroberste Priorität hat, illustriert diese Aussage seine Gefühlslage recht eindrucksvoll.

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Symbolfoto

Seit Monaten werden Frankreichs Polizisten mit unfassbaren Gewaltakten überzogen. Bis jetzt wurden in 2016 wurden im Schnitt monatlich 500 Polizisten verletzt, das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 14%. Insgesamt hat die Police Nationale 150.000 Mitarbeiter, die natürlich nicht alle auf der Straße arbeiten. Ich habe keinen direkten Vergleich, weil mir die Zahlen der verletzten Polizeibeamten bundesweit für diesen Zeitraum nicht vorliegen. Im Prinzip ist es auch wurscht, wo jetzt genau es schlimmer ist. Ich kann in beiden Fällen nachvollziehen, dass für die Betroffenen eine Grenze erreicht ist, und  dass auch die Polizisten in Paris „ras le bol“ haben, also die Schnauze voll. Gestrichen voll.

Ende April 2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 78 Polizisten verletzt.

03.05.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Nantes werden 7 Polizisten verletzt.

18.05.2016: Frankreichweit demonstrierten Polizisten gegen den Hass, der ihnen entgegenschlägt. In Paris wurden durch Gegendemonstranten zwei von ihnen verletzt.

02.07.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Toulouse werden 8 Polizisten verletzt.

14.07.2016: Unter dem Eindruck des Anschlags von Nizza unbemerkt geblieben ist ein Polizist, der in Villiers-le-Bel bei Paris bei einem Einsatz wegen Ausschreitungen und brennenden Autos verletzt wurde.

15.09.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 15 Polizisten und Gendarmen verletzt.

Das sind nur wenige Beispiele, was sich in Frankreich in den letzten Monaten abgespielt hat, ausgewählt nach dem Zufallsprinzip bzw. danach, was Google so auswirft, wenn man entsprechende Suchworte eingibt.

 

Seinen Höhepunkt fand diese Welle der Gewalt am 8. Oktober. In Viry-Châtillon nicht weit von Paris befanden sich zwei Streifenwagen bei der Verkehrsüberwachung an einer Kreuzung. Plötzlich tauchten etwa 15 Leute auf, schlugen die Scheiben der Polizeifahrzeuge ein und warfen Molotow-Cocktails hinein. Sie versuchten, die darin befindlichen Polizisten mit Faustschlägen vom Aussteigen abzuhalten.

Vincent, 28 Jahre alt, adjoint de sécurité (einer der Hilfspolizisten, die im Nachgang zu den Terroranschlägen vom 13. November innerhalb von drei Monaten ausgebildet und eingestellt wurden), erlitt Verbrennungen auf 25% seiner Haut, insbesondere an Gesicht und Händen. Seine Streifenpartnerin Jenny, 38 Jahre alt, brigadiére (in etwa Polizeiobermeisterin), erlitt zu 15% Verbrennungen in Gesicht und Händen. Die beiden Polizeibeamten in dem anderen Auto kamen mit leichten Verletzungen und Schock davon.

Vincent lag bis gestern im künstlichen Koma, er befindet sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung. Im Moment wird davon ausgegangen, dass er in etwa einem Jahr erst wieder dienstfähig sein wird. Jenny konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sie aus dem brennenden Auto herauskam. Beide wurden im Hôpital Saint Louis in Paris behandelt, Vincent befindet sich weiterhin dort.

 

An diesem Punkt war für die Pariser Polizisten Schluss mit lustig. Seit Montag (16.10.) gehen sie nun jede Nacht auf die Straße. Unangemeldet. Sie überraschten damit sogar die Polizeigewerkschaften. Es begann auf den Champs-Elysées. Etwa 500 Polizisten versammelten sich dort, teilweise in Uniform und mit ihren Dienstwagen, um den Verkehr zu stören.

Dienstagmorgen erklärte der Generaldirektor der Police Nationale, dass er entsprechende Verfahren bei der IGPN eingeleitet habe, da er das Verhalten seiner Leute „inakzeptabel“ findet.

In der folgenden Nacht von Dienstag auf Mittwoch versammelten sich wieder um die 500 Polizisten vor dem Krankenhaus, in dem Jenny und Vincent lagen, sangen dort die Marseillaise und zogen weiter zu den Champs-Elysées. Auch in Nizza und Marseille gingen Polizisten auf die Straße. In Evry bei Paris versammelten sich 400 Polizisten vor ihrem Kommissariat.

Mittwochmorgen schafften es diese Polizisten auf das Titelblatt des Figaro. Es kursierte das Gerücht, diese Demonstrationen seien vom Front National, der rechtsextremen Partei, angezettelt worden. Freitag gab das Innenministerium bekannt, dass es für diesen Vorwurf keinerlei Belege gäbe.

Deeskalierend wirkte dieses Gerücht nicht, denn jetzt wurden einige Polizisten noch saurer. Ja, auch in Frankreich versuchen sich Ultrarechte an die Polizei heranzuwanzen und auch in Frankreich fällt ihr süßes Gift bei dem einen oder anderen auf fruchtbaren Boden. Doch auch in Frankreich lässt sich die Mehrheit der Polizisten glücklicherweise nicht einwickeln. Um die Nase voll zu haben, braucht es den FN wahrlich nicht…

Der Innenminister Cazeneuve empfing am Nachmittag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften. Er sagt, dass er nicht in einen Teufelskreis aus Sanktionen eintreten möchte, aber doch an Prinzipien erinnern möchte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag versammelten sich etwa 300 Polizisten an der Place de la République. Anhänger der Antifa versuchten, diese Versammlung zu stören, wurden aber von einer Gendarmerie-Einheit des Platzes verwiesen. Von dort begaben sich die Polizisten wieder zum Hôpital Saint Louis und schließlich zu den Champs-Elysées. Als sie zum Innenministerium gehen wollten, wurden sie von besagter Gendarmerie-Einheit aufgehalten. Wieder fanden sich auch in Nizza und Marseille Polizisten zusammen. Polizisten in Toulon, Tours, Bordeaux, Le Mans, Toulouse, Nancy und Montbéliard taten es ihnen gleich. Einer von ihnen fasste die Situation so zusammen: „Man verspricht uns Autos mit Sicherheitsglas, während wir noch nicht mal Klopapier haben.“

In Paris fuhren Taxifahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Donnerstagmorgen waren diese Demonstrationen Thema auf den Titelseiten von Le Monde und Libération.

Donnerstagabend ging es weiter. In Paris 400 Polizeibeamte am Trocadéro, die sich dann zu den Champs-Elysées bewegten, in Marseille, Grenoble, Colmar (hier auch Feuerwehrleute), Lyon, Reims, Bordeaux, sogar im Überseedépartment Guyane versammeln sich Polizisten in der Hauptstadt Cayenne.

Wieder fuhren die Taixfahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Freitagmorgen waren sie nicht mehr Titelthema der Presse, was sich schlagartig änderte, nachdem der Staatspräsident zusagte, Montag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften zu empfangen.

Der Generaldirektor der Polizei, Jean-Marc Falcone, äußerte, dass er sich die Frage nach seinem Rücktritt nicht stelle, er habe nicht schlecht gearbeitet.

In der Nacht auf Samstag versammelten sich 200 bis 300 Polizisten vor Notre Dame, von wo aus sie zum Rathaus der Stadt Paris zogen. Wieder taten es ihnen Polizisten in anderen Städten gleich.

In der Nacht auf Sonntag (heute) versammelten sich Polizisten auf der Place de la République und zogen von dort zum Hôpital Saint Louis, wo sie riefen „Vincent! On est là!“ (Vincent, wir sind da!).

Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht und was bei der ganzen Sache herauskommen wird.

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Um hier nicht missverstanden zu werden – das hier ist kein Aufruf an deutsche Polizisten, es ihren französischen Kollegen gleichzutun. Zum einen kenne ich mich viel zu wenig im Beamtenrecht aus, um beurteilen zu können, ob das rechtlich überhaupt möglich wäre und wie die Risiken für den einzelnen Beamten dabei sind. Zum anderen denke ich nicht, dass das unser Job als Verein von Bürgern, die hinter ihren Polizeibeamten stehen, ist, darüber zu befinden, ob und wann Polizisten so etwas tun sollten. Das müssen sie schon selbst entscheiden, oder die Gewerkschaften.

Zudem lässt sich meiner Meinung nach die Situation in Frankreich aus vielen Gründen nicht 1:1 auf die hiesige übertragen.

Ich habe lediglich die Situation beschrieben, wie sie sich in Frankreich für mich in der vergangenen Woche darstellte.

Übertragbar ist, dass hoffentlich in beiden Ländern bald flächendeckend die Erkenntnis Oberhand gewinnt, dass die Gewalt gegen Polizisten selbst das Problem ist und nicht die Menschen, die über diese Gewalt sprechen. Denn was die Polizeien beider Länder gemeinsam haben – sie stehen unter massivem Druck und repräsentieren gleichzeitig die Werte ihres jeweiligen Staates. Ein Staat, der etwas auf seine Werte hält, sollte also auch jene, die diese repräsentieren, angemessen ausstatten und sich klar und deutlich hinter sie stellen.

Übertragbar ist aber auch, dass wir Bürger nicht immer nur mit dem Finger auf andere (den ominösen Staat, die Regierung, die Justiz, die Politik…. Liste beliebig erweiterbar) zu zeigen brauchen, sondern dass jeder von uns bei sich selbst anfangen kann.

Erst vorgestern sagte ein französischer Polizist zu mir „Merci. Merci du fond de mon coeur.“ (Aus meinem tiefsten Herzen Danke.) nachdem ich ihm von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erzählt hatte. Und das, obwohl er als Franzose gar nichts davon hat, weil wir nicht einmal genug Hände und Spenden haben, um die Sachlage in Deutschland zu wuppen. Ich antwortet ihm: „Merci à vous pour votre service.“ (Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz.) Seine beiden Kollegen und er strahlten im Kreis.

paris_polizist_klein_schriftSie wirken hart, die Pariser Polizisten. So hart, dass sogar ich als stramme halbfranzösische Polizistenfreundin mir selbst Mut machen muss, sie anzusprechen. Noch nicht einmal wurde ich jedoch unhöflich behandelt. Im Gegenteil, sobald sie verstehen, dass ich ihnen einfach nur mal danke sagen möchte, können sie eine Herzlichkeit an den Tag legen, die mich persönlich immer wieder von den Socken haut. Manche probieren sogar äußerst charmant akzentuiert ihr deutsch an mir aus. Was, wenn man weiß, wie die meisten Franzosen es im Regelfall mit Fremdsprachen halten, ein Zeichen äußerster Wertschätzung darstellt.

Das kann übrigens jeder von uns tun: Danke sagen. Dafür muss man nicht mal bis Paris fahren und französisch beherrschen.  Auch unsere bundesdeutschen Polizisten hören sehr gerne einen ernst gemeinten Dank. Ihre Reaktionen sind ebenfalls oft Herz erwärmend. Sagen wir es ihnen also so oft es irgend geht.  Am besten auch mal außerhalb der Sozialen Netzwerke. Ich jedenfalls habe für mich entschieden, weniger Zeit mit den Unerfreulichkeiten in den Sozialen Netzwerken zu verbringen und stattdessen noch häufiger Polizisten im realen Leben Danke zu sagen.

Danke! Danke für Euren täglichen Einsatz! Ich bin froh, dass es Euch gibt. Überall, wo ich zuhause bin.

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Allgemein Danke-Polizei-Tag Polizistenstimmen Verein

Polizisten eine Stimme geben: Unerwarteter Dank

Plakatentwurf_2015_FINAL_klein_SchriftzugHallo liebes KGgP-Team,

 

hiermit möchte ich Euch mal eine etwas andere Nachricht übermitteln.

Heute machten ich (22) und ein Kollege (ebenfalls 22) eine U-Bahn Kontrolle im Untergrund der Stadt, in der ich meinen Dienst verrichte.

Plötzlich wurde ich von einer unbekannten älteren Frau angesprochen. Innerlich erwartete ich ein bisschen die normalerweise üblichen Kommentare wie „Habt ihr nichts besser zu tun als hier rumzustehen?“. Aber wir wurden überrascht.

Die Frau, die wie sich im Gespräch herausstellte, schwerbehindert war, wollte sich bei uns beiden bedanken. Sie findet es wunderbar und herzergreifend, dass es immer noch so viele junge Kollegen gibt, die tagtäglich ihre Uniform anziehen, für sie den Kopf hinhalten und für sie da sind.

Und dies, obwohl es mittlerweile an der Tagesordnung ist, dass die Polizei in den Medien schlecht und wir als „die Bösen“ dargestellt werden.

Die Frau war während ihrer Worte beinahe den Tränen nahe. Fast ähnlich ging es mir und meinem Kollegen. Wohl mit feuerrotem Kopf rangen wir nach Worten und bedankten uns wiederum bei der Frau. Ein wunderbares Gespräch.

Mir ist das in meiner bisher kurzen Dienstzeit noch nicht passiert, dass sich jemand bei mir bedankt hat. Wahnsinn, was solche Worte emotional bei einem bewirken können. So ging es für meinen Kollegen und mich freudestrahlend, von Kopf bis Fuß, wieder an der Oberfläche. Solch ein Erlebnis gibt so unglaublich Kraft für kommende Einsätze! Ich kann nur jedem Kollegen wünschen, dass ein Bürger solche Worte finden und diese einmal zu ihm sagt. Wahnsinn!

Viele Grüße

Euer Christian

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Polizisten eine Stimme geben: Der letzte Einsatz!

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Kurz vor 2 Uhr morgens.
Über Funk kommt der Einsatz: „Hilferufe weiblich, Straße X, Sonder-/Wegerechte zugelassen“.

Wir melden uns an und kommen zeitgleich mit einem anderen Wagen an.

Dann geht alles ganz schnell. Aus dem Hof wird gerufen: „Hier liegt eine Person auf dem Boden, eine zweite hängt noch im 3. Obergeschoss am Fensterbrett.“

Ich renne zum Auto und hole den Verbandskasten.
Aus dem Hof weitere Rufe. „Die zweite Person ist auch abgestürzt.“

Sofort werden über Funk Notärzte und Rettungswagen angefordert. Das passierte alles in wenigen Sekunden.

Ich greife auch die Beatmungsmaske und renne in den Hof.
Dort liegen ein Mann und eine Frau.
Eine große Blutlache ist zu sehen.
Ich ziehe mir die Handschuhe an und kümmere mich um die Frau.
Keine Atmung, kein Puls.

Ich fange an zu reanimieren.
Fordere nebenbei die anderen Kollegen auf, den Mann umzudrehen.
Er liegt auf dem Bauch. Als er gedreht wird, röchelt er noch.

Ich mache weiter die Herzdruckmassage.
Aus dem Mund kommt bei jedem Druck Blut. Ich merke, wie weich der Brustkorb ist und denke, da muss alles kaputt sein.
Als der Mann aufhört zu röcheln, wird auch er reanimiert.
Ein Kollege fängt an, die Frau zu beatmen.
Alles passiert bei mir irgendwie automatisch.

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis die Feuerwehr und der Notarzt eintreffen.
Ich pumpe einfach weiter.

Der erste Sanitäter löst den Kollegen bei dem Mann ab.
Ich will nicht abgelöst werden. Warum, weiß ich auch nicht.

Nach ca. 15 Minuten fragt ein Kollege nochmal, ob er mich ablösen soll.
Diesmal nehme ich das Angebot an.
15 lange Minuten. Kniend im Blut.
Immer mehr Feuerwehr und der zweite Notarzt treffen ein.

Die Reanimation geht unaufhörlich weiter. Ich weiß nicht mehr wie lange.

Ich verlasse den Hof, um mich ein wenig rauszunehmen.

Leider verstarben beide Personen unter unseren Händen. Sie waren uns von diversen Einsätzen bekannt. Gerade einen Tag zuvor waren wir dort gewesen. Eine wechselseitige Körperverletzung zwischen dem Mann und einer Person von der Straße.

Dieses musste ich einfach nach dem Einsatz niederschreiben, um die Bilder zu verarbeiten, die die Seele eines Polizeibeamten nach solchen Diensten belastet. Auch wir sind Menschen, kommen aber im Vergleich zum normalen Bürger sehr oft in Situationen, aus denen wir nicht einfach weglaufen können, sondern uns stellen müssen.

Das erwartet nämlich der Bürger von uns.

Ich wünsche wirklich jedem, dass ihm solche Situationen erspart bleiben.

(Eine Polizistenseele, die seit knapp 30 Jahren mitleidet.)

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Polizisten eine Stimme geben: Ein knackiges Urteil?

Justitia
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Hallo Admin-Team von KGgP,

 

da Ihr öfters mal Urteile postet, möchte ich Euch gern ein Urteil mitteilen, das ich und Kollegen neulich erleben mussten.

Wir wurden zu einem Einsatz gerufen, weil es vor einer Diskothek zu einer Körperverletzung gekommen war. Bei der Fahndung nach den Tätern stießen wir auf eine Gruppe, auf die die uns vorliegende Beschreibung passte. Also kontrollierten wir sie.

Ein 19-Jähriger, der Teil dieser Gruppe war, führte zwei Gramm Marihuana mit sich.

Bei der Kontrolle beleidigte er uns die ganze Zeit durch. Unter anderem beleidigte er mich als „ekelhafter dummer schwarzer Afghane“. Er ist übrigens Türke, ich bin blond und sehe ziemlich deutsch aus. Soweit zu dieser Beleidigung. Weiter fielen Wörter wie „Fotzkopf“ und „Hure“. Auch seinen Mittelfinger bekamen wir ausgiebig zu sehen.

Er ist uns seit 2010 bekannt: Drogen, Diebstahl, Körperverletzungen sowie Beleidigungen. Mit der Körperverletzung, zu der wir hier gerufen worden waren, hatte er allerdings nichts zu tun. Die Beleidigungen zeigten wir allerdings an.

Vor wenigen Tagen fiel das Urteil. Seine Ansagen an uns gingen als vier tatmehrheitliche Beleidigungen in das Urteil ein. Das ist schon außergewöhnlich, denn normalerweise werden unterschiedliche Beleidigungen tateinheitlich aufgefasst, also wird nur eine Tat verhandelt. Hier wurden also vier Taten verhandelt, was auf ein strengeres Urteil schließen ließ. Obwohl seine Schuld bewiesen war und obwohl auch die zwei Gramm Marihuana in das Strafmaß einbezogen wurde, wurde er zu fünf Monaten Betreuung durch die Jugendgerichtshilfe und einer Teilnahme an einem Programm zum Thema „Umgang mit Alkohol“ verurteilt.

Er darf seinen Führerschein machen, die Kosten des Verfahrens übernimmt der Staat.

Übrigens hatte der junge Mann keine Entschuldigung für uns übrig. Meine jüngeren Kollegen sind mit Wut und Zorn aus dem Gericht gegangen. Aber so ist es halt.

 

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Polizisten eine Stimme geben: Ich bin Polizeibeamter – seit fast 30 Jahren

Symbolfoto
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Ich bin Polizeibeamter in Berlin, seit fast 30 Jahren.

Nach meinen dienstlichen Verwendungen in den geschlossenen Einheiten versehe ich nun bereits seit vielen Jahren meinen Dienst auf einem Abschnitt. Ich bin Vater eines fast 4-Jahre alten Sohnes, meine Frau ist ebenfalls Kollegin.

Dass Berlin schon immer ein „heißes Pflaster“ war, ist und war mir immer bewusst. Leider ist Berlin aber nicht nur schöner, aufregender oder auch ärmer geworden; nein, Berlin ist in den letzten Jahren, ganz besonders für die Polizei, gefährlicher geworden. LEBENSGEFÄHRLICH!

Aber es interessiert keinen!

Es vergeht kein Tag, keine Nacht, in der die Polizei nicht Opfer von Beleidigungen, Anfeindungen, körperlichen Übergriffen ist. Polizeifahrzeuge werden mit Steinen beworfen, angezündet. Dabei interessiert es die „Verbrecher“ nicht im Geringsten, dass sie in solchen Fällen mit dem Leben der Kollegen spielen.

Aber das überrascht ja nicht. Wie oft muss man den Satz dieser (linken) Gruppen hören: „Nur ein toter Bulle ist ein guter Bulle!“ Es macht keinen Spaß mehr, Polizist zu sein!

„Dein Freund und Helfer“, eine Werbeparole aus den 80er-Jahren, möchten wir gerne sein, für unser Gegenüber sind wir das schon lange nicht mehr!

Was in Frankfurt die letzte Woche passiert ist, ist in Friedrichshain jede Woche an der Tagesordnung – angegriffene Polizeibeamte und zerstörte Fahrzeuge. Das lässt mich langsam deprimieren. Ich kann gegen diesen Zustand aber auch nichts machen. Der Stachel sitzt zu tief, weil auch die Rückendeckung fehlt.

Politiker melden sich nach Krawallen kurz zu Wort, verurteilen die Übergriffe auf die Staatsgewalt, um dann schnell wieder unterzutauchen. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass diese linke Gewalt nicht „hochgespult“ werden darf. Aber sie ist da! Es gibt in unserem Land nun mal rechte und linke Gewalt! Beides muss bekämpft werden, denn beides ist schlimm!

Aber es fällt einem Politiker anscheinend leichter, den Steinwurf gegen ein Wohnheim als barbarisches Verbrechen zu verurteilen als den Steinwurf gegen einen fahrenden Funkwagen gleichzustellen!

Herr Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linken, hatte zu Wochenbeginn in einem Interview gesagt, dass die linke Gewalt nicht so schlimm ist wie die rechte. Wo ist der Unterschied, lieber Herr Gysi? Auf beiden Seiten sollen Menschen angegriffen werden. Sie sollen verletzt werden. Ihnen soll Angst gemacht werden. Nur ein toter Bulle…!

Ich habe langsam die Schnauze voll, immer und immer wieder meinen Kopf hinzuhalten. Ich fordere von allen Verantwortlichen mehr Rückendeckung und Anerkennung für meinen Beruf! Dies vermisse ich! Es wird sich auch nach diesen Zeilen nichts ändern. Aber zumindest konnte ich meinen Frust von der Seele schreiben, bevor ich diese Wut noch in mich rein fresse und/oder unbeteiligte Bürger davon etwas abbekommen. Es wird in jedem Polizistenhaushalt weiter gehen… Frauen werden ihre Männer (oder umgekehrt) an der Haustür verabschieden. Die Worte sind dabei immer die gleichen: „Pass auf dich auf, du hast eine Familie, die dich wieder gesund zu Hause haben will!“ Aber die Hemmschwelle sinkt und sinkt.

Meine Motivation auch, während meine Angst steigt, dass mir im Dienst mal was Schwerwiegendes passiert. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, Herr Gysi und Kollegen…!

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Polizisten eine Stimme geben: Was ist mit mir los? Ich dachte immer ich bin stark!

Symbolfoto
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Es ist noch gar nicht so lange her. Es war eine Nachtschicht, die super lief. Wir (meine Streifenpartnerin und ich) hatten eine Menge Spaß in dieser Nacht. Wir haben gelacht, haben uns klasse Musik reingezogen und den Dienst genossen.

 

Und dann kam dieser vorletzte Einsatz.

 

Wir waren bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt. Häusliche Gewalt heißt es, wenn es zu Straftaten innerhalb einer Beziehung kommt. Der Lebensgefährte hatte seine Freundin leicht gewürgt. Nichts besonderes in meinem Bereich. Das ist eigentlich Tagesordnung. Ich ging zum Fahrzeug um ein Atem-Alkohol-Messgerät zu holen.

 

Als ich nun am Kofferraum stand kam jemand vorbei und beleidigte mich ohne Grund. Er war sehr aggressiv und mit Unterstützung konnte ich dann seine Personalien feststellen und er bekam seine verdiente Anzeige.

 

Allerdings war schon zu diesem Zeitpunkt etwas anders. Ich regte mich sehr stark darüber auf, dass mich jemand beleidigt, ohne dass ich überhaupt etwas mit ihm zu tun hatte. Es gab keinen vernünftigen Grund für sein Tun.

Ich stand fast immer über diesen Sachen. Einen Einsatz, ob ich Funkwagen war oder der Einsatzleiter, schüttelte ich einfach so aus dem Ärmel. Es gab nichts, was ich während meiner gut 25 Jahren Dienst, nur auf diesem Abschnitt, noch nicht erlebt habe.

 

Nach der Ablösung fuhr ich nach Hause und schlief erst mal.

 

Allerdings war die Nacht früh zu Ende. Meine Frau, die sich von mir getrennt hat, wollte vorbeikommen. Die Trennung ist frisch und schmerzt.

 

Als sie wieder weg war telefonierte ich mit einer mittlerweile sehr guten Freundin. Sie gibt mir sehr viel Halt in dieser schweren Zeit. Wir redeten über Gott und die Welt. Und ich erzählte ihr auch von meinem Erlebnis in der Nacht. Immer wieder kamen mir die Tränen. Ich hatte es einfach nicht im Griff, nicht zu heulen. Sie legte mir nahe zum Arzt zu gehen. Sie sagte: „Du hast ein Burnout!“

 

Es war wieder mal ein langes Gespräch. Ich ließ mich überreden. Zwischendurch meldete ich mich auf meiner Dienststelle krank. Ich hatte ja eigentlich wieder Frühschicht nach dem Nachtdienst.

 

Und es war der richtige Weg.

 

Ich ging also zum Arzt und wollte ihm in Ruhe von meinen Symptomen erzählen.

Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit, innere Leere und fehlende Erholungsphasen auf Grund des Dienstes und natürlich die Trennung.

 

Aber so weit kam ich gar nicht.

 

Ich setzte mich beim Arzt hin, wollte anfangen zu erzählen und fing an zu heulen. Unter Heulen erzählte ich ihm, was mit mir los ist.

 

Mein Arzt wusste sofort was mit mir passiert war. Seine Diagnose: anfängliche Depressionen. Schlicht und einfach im Volksmund gesagt „Burnout“. Er schrieb mich gleich mehrere Wochen krank. Er gab mir den Rat alles zu machen, was mir Spaß macht und mein Leben zu genießen. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Ich werde es langsam angehen lassen. Ich muss mich erst einmal wieder selber finden.

 

Ich weiß noch nicht, ob ich aus dieser Situation selber wieder herauskomme oder ich mir noch psychische Hilfe holen muss.

 

Ich weiß nicht wie lange ich noch krank sein werde. Das ist mir auch egal. Ich war nie krank. Höchstens mal eine Erkältung oder eine OP. Aber ich habe geschaut, dass ich schnell wieder arbeiten bin, damit die Kollegen nicht so belastet sind.

 

Eines weiß ich aber:

Ich will raus aus der Depression. Ich will wieder ein normales Leben führen. Ich will wieder Spaß haben

 

Das kann nicht der Sinn des Lebens sein, sich für seinen Dienstherrn aufzuopfern. Ich habe mir auch vorgenommen ruhiger zu treten, wenn ich wieder im Dienst bin. Ob ich schaffe weiß ich jetzt auch noch nicht.

 

Auch wenn ich das hier anonym schreibe, weiß ich doch, dass mich hier einige erkennen werden. Aus meinem Kollegenkreis, Bekanntenkreis und Freundeskreis.

 

Das ist mir aber egal. Ihr sollt wissen, was mit mir los ist. Ich bin immer offen mit allem umgegangen.

 

Ich möchte, dass Euch so etwas nicht passiert, so wie es mir passiert ist.

 

Hört auf euren Körper und vor allem auf eure Seele.

 

Tretet kürzer und lasst Euch gegebenenfalls helfen.

 

Eines noch.

 

Ich möchte mich bei den drei Personen bedanken, die für mich da sind. An erster Stelle meine liebe Telefonfreundin. Du hast stets ein offenes Ohr für mich. Danke! Meine Streifenpartnerin, die ich auch immer telefonisch und auch persönlich mit meinen Problemen belästigen kann. Danke! Und meine gute Freundin hier. Sie weiß schon wen ich meine. Danke!

 

Also passt gut auf Euch auf und hört auf euren Körper und auf eure Seele.

(Der Autor des Textes ist dem Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. persönlich bekannt.)