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Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Liebe Medien (Birgit Mücke)

SchreibenLiebe (insbesondere deutsche) Medien,

jetzt schlagt ihr wieder auf die Sicherheitsorgane ein: “Man hätte die Täter (ich nenne sie feige Mörder) doch schon vorher einsperren können, die standen doch auf Fahndungs- und Observationslisten und sogar auf no-fly-Listen.”

Der Ruf nach Vorratsdatenspeicherung wird laut.

Soll jedem, der schon mal in einen derartigen Verdacht geraten ist, ein Polizist an den Gürtel gekettet werden? 
Wie stellt ihr euch das vor?

Guckt ihr eigentlich zu viele Filme und verwechselt das mit der Wirklichkeit?
Das Leben hat kein Drehbuch – und falls doch, ist es nicht jedem bekannt.

Überlegt doch mal, wie lange es gedauert hat, Bin Laden und Sadam Hussein (um nur zwei zu nennen) endgültig dingfest zu machen und wieviele Gräueltaten die in der Fahndungszeit begangen und initiiert haben! Und die hatten mehr als einen Sicherheitsbeamten an den Fersen kleben.

Die Polizisten in Paris haben auch durch die Täter drei Kollegen (für manche sicher enge Freunde) verloren, mussten aber dennoch professionell, besonnen und effektiv weiter arbeiten. In welchem seelischen Zustand waren diese Menschen?

Sie haben großen Mut bewiesen und unter extremen Anspannungen dafür gesorgt, dass es nach Bekanntwerden keine weiteren Opfer dieser Täter gab (zwei verletzte Polizisten sind euch, wenn überhaupt, ja nur eine Randnotiz wert).

Allgemein Trauriges

Auch nach 40 Jahren – unvergessen! 20-jähriger Polizist wurde an Weihnachten 1974 erschossen

Polizeistern_RLPEs ist der Erste Weihnachtsfeiertag im Jahr 1974.

Am Nachmittag dieses 25. Dezember wird die Schutzpolizeiinspektion Brodenbach gegen 15.45 Uhr vom DRK darüber informiert, dass in der Schulstraße in Burgen eine männliche Person Schussverletzungen erlitten habe und der mutmaßliche Täter noch im Haus sei.

Polizeihauptwachtmeister Erwin Hoffmann fuhr mit seinem Streifenpartner sofort zum Einsatzort.

Während sich die Mitarbeiter des DRK um den Verletzten kümmerten, betraten die Beamten das Haus, um nach dem Täter zu suchen.

Sofort eröffnete der 50-jährige Mann das Feuer und traf einen der eingesetzten Polizeibeamten am Kopf. Der schwer verletzte Polizist konnte sich noch aus dem Haus retten.

Der damals 20-jährige Erwin Hoffmann reagierte sofort.

Aus seiner Dienstpistole gab er mehrere Schüsse in Richtung des Täters ab, traf und verletzte ihn.

Trotz dieser Verletzungen gelang es dem 50-jährigen Mann ebenfalls zu schießen. Er traf den Polizisten am Kopf und verletzte ihn tödlich.

Der Täter zündete anschließend das Haus an und erschoss sich mit der Dienstpistole des getöteten Erwin Hoffmann.

Seit Kriegsende sind im Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz insgesamt 19 Polizeibeamte während der Dienstausübung ums Leben gekommen.

Das Polizeipräsidium Koblenz hält alle Verstorbenen in ehrendem Gedenken.

PM des PP Koblenz vom 18.12.2014

Allgemein Verein

Offener Brief an die Redakteurin des SWR-Beitrags “die Story im Ersten: Polizei – Gewalt und Videos – wenn Einsätze aus dem Ruder laufen”

 

SchreibenSehr geehrte Frau Agostini,

mit großem Interesse haben wir Ihre Dokumentation “die Story im Ersten – Polizei, Gewalt und Videos – Wenn Einsätze aus dem Ruder laufen” am 16.12.2014 angesehen.

Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. sehen uns nicht als Polizeiverherrlichungsverein, sondern sind deswegen Fans der bundesdeutschen Polizei, weil sie demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist. Polizeiliches Fehlverhalten sollte unbestritten thematisiert und diskutiert werden.

Zugegebenermaßen hatten wir nach Ansehen des Trailers einige Bauchschmerzen. Letztlich war die Sendung dann im Vergleich zum Trailer neutraler. Dennoch gibt es sehr viele Punkte, an denen die Berichterstattung fairer hätte sein müssen.

Fall Westerburg:

  • In der Sendung wurde angemerkt, es sei nach dem Anfertigen des Videos über vier Wochen nichts passiert, bis sich schließlich die Redaktion der Rhein-Zeitung der Sache angenommen habe. Meines Wissens wurde das Video vor Ablauf dieser vier Wochen weder einer Polizeidienststelle noch einer Staatsanwaltschaft übergeben, folglich den Ermittlungsbehörden keine Chance gelassen, vorher zu ermitteln. Durch die oben genannte Formulierung entsteht der Eindruck einer Kumpanei zwischen Justiz und Polizei, die auf der vorhandenen Faktenlage schlicht nicht festzustellen ist. Dies belegt auch die Aussage des Staatsanwaltes zur Sichtweise seiner Behörde auf diesen Vorfall, die sich deutlich von der der beiden Polizeibeamten unterschied.
  • In der Sendung wurde die Aussage der Beamten, dass der Ladendieb sie angespuckt hat, mittels der Formulierung er “soll die Beamten mehrfach angespuckt haben” in die indirekte Rede gesetzt. Dieses Anspucken ist auch in das längst gefallene Urteil (Geldstrafe auf Bewährung) gegen die Polizeibeamten eingeflossen, kann also als erwiesen gelten. Hingegen wurde die Aussage des Filmenden in Mainz, ein Polizist habe ihn aufgefordert, den Film zu löschen, in direkter Rede wiedergegeben. Dadurch wird suggeriert, dass man Polizeibeamten weniger glauben kann als Nichtpolizisten.
  • Mir erschließt sich im Gesamtzusammenhang des Vorfalles von Westerburg sowie der Gesamtsendung die Aussage von Andreas Jöckel nicht, dass “menschlich… ein übler Nachgeschmack” bleibe, weil es zwei Verhandlungen gab. Die Welt ist nicht schwarz und weiß, es gibt in vielen Strafsachen nicht eine gute Seite und eine böse Seite, sondern eben Fälle, in denen beide Seiten Taten begangen haben, die verhandelt werden müssen. Nichts anderes war hier der Fall.

Fall Mainz:

  • Bei diesem Fall vermeintlicher Polizeigewalt handelt es sich um ein juristisch bereits abgeschlossenes Verfahren, bei dem klar durch die Staatsanwaltschaft festgestellt wurde, dass die Polizeibeamten gerechtfertigte Gewalt angewendet hatten. Die Argumentation des Filmenden, er habe “das Gefühl, dass der Polizist ein bisschen außer sich war” ändert daran nichts. Gewalt ist niemals schön anzusehen. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass auch Polizeibeamte ein Recht darauf haben, nach ihrem Dienst gesund nach Hause zu kommen.
  • Teile der Sendung wurden beim Einsatztraining in der Polizeihochschule am Hahn gedreht. Sie hätten sich bspw. von einem der dortigen Einsatztrainer erklären lassen können, wie solche Fälle gehandhabt werden und warum das so ist.
  • Bei diesem Einsatz wurde ein Polizist durch einen Biss in den Finger durch den Einsatzhandschuh hindurch verletzt. Diese Information ist für einen Zuschauer wichtig bei der Beurteilung der Gesamtinformation, wurde aber nicht erwähnt.
  • Eine kritische Anmerkung dazu, dass das Video in den Medien gelandet ist, ohne den Ermittlungsbehörden auch nur die Chance zu Ermittlungen zu geben, fehlt an dieser Stelle völlig.

Fall Neptunbrunnen:

  • Auch hier wurde das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft eingestellt, dem Polizeibeamten wurde Notwehr zugebilligt. Dies vor dem Hintergrund, dass Messerangriffe ab 10 Meter Abstand tödlich verlaufen können.
  • Es ist nachvollziehbar, dass der Anwalt der Angehörigen des Verstorbenen eine andere Sichtweise dazu einnimmt als die Staatsanwaltschaft. Auch macht ihn seine Emotionalität sympathisch. Allerdings ist das Wesen eines Rechtsstaates, dass gerade solche schwierigen Situationen sachlich distanziert mit kühlem Kopf auf der Basis geltenden Rechts angeschaut werden. Es wäre für uns alle fatal, wenn Recht auf der Basis von Sympathie und Antipathie gesprochen würde.
  • Der Hinweis auf die seelische Erkrankung des Erschossenen zeigt die besondere Tragik des Falles auf, nicht jedoch eine besondere Brutalität des betreffenden Polizeibeamten. Man kann die Tatsache, dass unsere Gesamtgesellschaft im Umgang mit diesem (und vielen anderen) psychisch Kranken versagt hat, nicht dahingehend ummünzen, dass sich Polizeibeamten widerstandslos abstechen lassen müssen, sobald der Angreifer psychisch erkrankt ist.

Fall Rosenheim:

  • Wir gehen mit Ihnen konform, dass dies ein Fall ist, der weh tut. Auch uns tut es weh, dass es für diese Menschen so schwer ist, zu ihrem Recht zu kommen. Allerdings muss gesagt werden, dass auch bei diesem Fall wieder in den Raum gestellt wurde, dass Justiz und Polizei unter einer Decke stecken. Dies basiert auf dem entstandenen Eindruck, dass ausschließlich der von den Polizeibeamten angezeigte Widerstand vor Gericht verhandelt wurde. Es bleibt unklar, warum wie im Fall Westerburg, wie in jedem vergleichbaren Fall, die zweite Verhandlung nicht stattfindet.
  • Mir wurde zugetragen, dass die Aufnahmen der drei Familienmitglieder mit Halskrause in den Krankenhausbetten drei Wochen nach dem Vorfall nachgestellt worden sein sollen. Das sollte recherchiert werden, denn es trägt zur Undurchsichtigkeit des Gesamtgeschehens bei.
  • Auch wir haben das Gefühl, dass hier Polizisten nicht rechtmäßig gehandelt haben. Allerdings sind Gefühle keine Basis für juristische Entscheidungen. Es ist dies der Punkt, an dem der Rechtsstaat versagt, weil bei einer solchen Konstellation (Aussage gegen Aussage) die Wahrheit nicht zu finden ist. Dies ist allerdings nicht nur bei Polizeibeamten so, sondern auch bei Fällen, in denen Nichtpolizisten gegen Nichtpolizisten vor Gericht stehen. Das tut weh, aber liegt im Wesen des Rechtsstaates. Es fragt sich aus unserer Sicht, was nun Sie ermächtigt, die Wahrheit kennen zu wollen?

Tobias Singelnstein und Alexander Bosch:

Wir haben die Arbeiten von Singelnstein und Amnesty International gelesen. Es ist in der Tat nachweisbar, dass sehr viele Verfahren gegen Polizeibeamten eingestellt werden. Allerdings manifestiert allein die Eröffnung eines Verfahrens nicht automatisch Schuld. Sonst könnte ich ja meine gesamte Nachbarschaft ins Gefängnis bringen, indem ich eine Anzeige nach der nächsten erstatte.

Die von Alexander Bosch zitierte Zahl von 2000 Anzeigen im Jahr sagt wenig aus, da auch gegen Polizeibeamte unberechtigte Anzeigen erstattet werden.

Diesen 2000 Anzeigen stehen übrigens 59.044 gewalttätige Übergriffe gegen Polizeibeamte gegenüber, darunter versuchter Mord, versuchter Totschlag und gefährliche und schwere Körperverletzungen. Darin sind nicht enthalten die Beleidigungen, die den Schwerpunkt der in Ihrem Beitrag erwähnten Aggressionen gegen Polizeibeamte bilden. Das sind im Schnitt 162 Übergriffe gegen Polizeibeamte am Tag. Es wäre Ausdruck tatsächlicher Neutralität gewesen, diese zu erwähnen.

Das Problem an den Untersuchungen von Singelnstein ist der fehlende Referenzwert. Ab wieviel Nichteinstellungen wird keine Kumpanei zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei mehr angenommen? Erst ab 100%?

Es fehlt schlicht der Vergleichswert. Entweder müsste man ein vergleichbares Delikt bei Nichtpolizisten in Hinblick auf die Anzahl der Verfahrenseinstellungen untersuchen. Das scheitert schon daran, dass es dies nicht gibt, denn kein Nichtpolizist ist Träger der polizeilichen Amtsautorität, die eine Körperverletzung im AMT überhaupt möglich macht. Oder man müsste vergleichbare europäische Nachbarländer dahingegend untersuchen, bspw. Österreich, die Schweiz oder Frankreich. Allerdings stehen da durchaus ähnliche Vorwürfe im Raum, so dass auch das nicht viel bringen würde.

Interessant wäre aber doch in diesem Zusammenhang wenigstens die Zahl gewesen, wie viele Verfahren in der Gesamtbevölkerung eingestellt werden und wie viele es vor Gericht schaffen. Erst wenn da ein signifikanter Unterschied besteht, ist diese Zahl wenigstens bedingt aussagekräftig. Wobei Nichtpolizisten seltener Opfer von Racheanzeigen werden dürften, weil es, wie Rafael Behr so korrekt bemerkte, eben die Polizisten sind, die dann auf den Plan treten, wenn gesellschaftliche Konventionen versagen, und dann unliebsame Grenzen setzen.

Ohne jeden Referenzwert jedoch suggeriert die Zahl der Verfahren, die in einer Gerichtsverhandlung münden, lediglich die nach wie vor unbewiesene Behauptung, Polizeibeamten würden juristisch besser gestellt als Normalbürger.

 Kommentare in den Social Networks:

In den von Ihnen eingeblendeten Kommentaren in den Social Networks, die Sie als “Diskussion” bezeichnen, finden sich Vokabeln wie “ACAB” oder “Nazipack”. Eine Distanzierung von derartiger Wortwahl wäre in einem neutralen Beitrag angemessen gewesen.

Fall Köln-Eigelstein:

Die Erwähnung dieses Falls hat mich gefreut. Ich halte Klaus Berendes für einen sehr guten Mann. Wir können nichts weniger ertragen als Polizisten, die Kollegen, die polizeiliches Fehlverhalten anzeigen, anfeinden. Dies schadet der Polizei, die wir achten und wollen.

Allerdings widerlegt der Fall aus meiner Sicht den Grundtenor der Sendung. Klaus Berendes war Polizist. Was ist denn mit seinem Corpsgeist?

In Bremen haben ebenfalls Polizeibeamte einen Kollegen angezeigt. Eine einfache Internetrecherche ergibt eine Menge Urteile, die gegen Polizeibeamte gefallen sind.

Abschließend möchten wir sagen, dass aus unserer Sicht nichts dagegen einzuwenden ist, dass Polizeieinsätze mitgefilmt werden, was ja, wie der Fall Kevin Schümann zeigt, durchaus sinnvoll sein kann. Es ist allerdings eine ganze Menge dagegen einzuwenden, diese Videos dann entsprechend zusammenzuschneiden und ins Internet zur allgemeinen Verurteilung von Polizeibeamten öffentlich zu stellen. Solche Aufnahmen gehören in die Hände einer Ermittlungsbehörde, nämlich einer Staatsanwaltschaft, wie es ja im Fall Schümann auch geschah.

Auch wurde durch den Beitragsabschluss, in dem alle Fälle im gleichen Kontext genannt wurden, suggeriert, dass sie alle gleichermaßen zweifelhaft seien und als Beispiele für ein generelles Polizeiversagen gelten können, was definitiv nicht der Fall ist.

Neutral betrachtet kann man unserer Polizei vertrauen. Und das tun wir.

Mit freundlichen Grüßen

 

Der Brief ist vom 18.12, Frau Agostini sollte Gelegenheit bekommen,  ihn erst zu lesen.

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Manchmal läuft’s

Symbolfoto, das keinen Rückschluss darauf zulässt, in welchem Bundesland diese Geschichte spielt
Symbolfoto, das keinen Rückschluss darauf zulässt, in welchem Bundesland diese Geschichte spielt

Im Mai diesen Jahres, morgens gegen drei Uhr, wurden mein Kollege und ich zu einem Kellereinbruch in Magdeburg gerufen. Wir stellten den Streifenwagen auf einem Parkplatz ab, der zum Haus des Anrufers gehörte. Als wir ausstiegen, stellen wir als erstes fest, dass der Anrufer und Anzeigenerstatter stark alkoholisiert war. Entsprechend war eine Sachverhaltsaufnahme vor Ort nur sehr schwer möglich, da er aufgrund des Alkoholisierungsgrades kaum klare Worte äußern konnte. Dennoch haben wir die Anzeige aufgenommen.

Dann wurde der Geschädigte aber unverschämt. Zuerst wollte er, dass wir nicht vorhandene Spuren sichern sollten. Und dann sollten wir ihm gefälligst ein neues Schloss besorgen. Wir beendeten höflich den Einsatz.

Damit war der Herr alles andere als zufrieden. Kurzerhand klappte er einen Poller zur Zufahrt des Parkplatzes hoch. Mehrmalige Aufforderungen, uns den Weg freizumachen, schlugen fehl. Irgendwann verschwand er einfach.

Wir mussten Kollegen mit einem Pollerschlüssel anfordern. Eine halbe Stunde später haben die uns dann “befreit”. Eine Anzeige wegen Nötigung folgte.

Im Dezember fand die Gerichtsverhandlung statt. Urteil: 90 Tagessätze à 75 Euro, also 6.750 Euro insgesamt. Für mich ein Fingerzeig der sehr guten Richterin! Eine positive Überraschung!

Allgemein

Polizisten für Obachlose e. V.

Bereits seit April 2013 hörte ich bei Berlinbesuchen von dem Berliner Verein “Polizisten für Obachlose e. V.” “Die sind super”, sagte einmal ein junger Bundespolizist zu mir. Seitdem war ich neugierig.

Dann wurde es doch Februar 2014, bis ich endlich in Berlin den aktuellen Vorsitzenden dieses Vereins, Kersten Müller-Beyer, kennenlernen und mit meinen Fragen dazu bombardieren konnte.

Die Geschichte dieses Vereins begann im Jahre 1999 mit einem Anruf. Eine Polizeibeamtin der Berliner Polizei, die dann später die erste Vorsitzende werden sollte, wurde informiert, dass ein Herr lag drei Tage lang in einer Bushaltestelle. Bei Eintreffen der Polizei reagierte er zuerst ablehnend: “Lasst mich in Ruhe! Ich habe genug!” Eigentlich nur ein Beispiel von vielen für die Hilflosigkeit, der sich viele Polizeibeamte im dienstlichen Alltag ausgeliefert fühlen, weil sie nicht in der Lage sind, diesen Leuten zu helfen! Immerhin handelt es sich dabei in Berlin mittlerweile um über 10.000 Menschen.

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Uneigentlich eine Initialzündung. Man WOLLTE helfen. Die Polizistin und ein Kollege sammelten intern bei der Polizei Kleidung für diesen Herrn, sowie andere Obdachlose. Eine erste Idee war, diese bei der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo auszugeben, das wurde aber abgelehnt. Also stellte man sich dort am Bahnhof in einen Durchgang. Mittlerweile stellt die Bahnhofsmission ihre Räumlichkeiten für Ausgaben zur Verfügung.

Nach zwei Jahren inoffizieller Arbeit erfolgte 2001 die Vereinsgründung. Derzeit besteht der Verein aus sieben Mitgliedern. Fünf davon arbeiten bei der Bundes- bzw. der Landespolizei, hinzu kommen ein Rentner und eine Ordnungsbeamtin.

Bild_1_KMB“Polizisten für Obdachlose e.V.” verfügt über Sammelcontainer am Berliner Hauptbahnhof, am Ostbahnhof, im Bundespolizeirevier vom Bahnhof Zoo sowie in der Bundespolizeidirektion in der Schnellerstraße. Unterstützt wird er sowohl von der Bundespolizeidirektion Berlin, die die Nutzung von Dienst-Kfz für den Transport der Sachspenden zur Ausgabestelle gestattet, als auch vom Polizeipräsidenten in Berlin, der Räumlichkeiten in der Direktion 4 für die Lagerung der Sachspenden zur Verfügung stellt.

Die Sachspenden darin werden gesammelt, gelagert und sortiert. Einmal die Woche findet eine Ausgabe statt. Im Sommer ist es etwas ruhiger, weil die Menschen weniger frieren.

Die Reaktionen der Leute, die zu den Ausgaben erscheinen, beschreibt Kersten Müller-Beyer als durchweg positiv. “Man erfährt teilweise bewegende Geschichten”, sagt er – und ich konnte es ihm in diesem Augenblick ansehen, wie ihn diese Schicksale anrühren. “Man sieht sich gegenseitig als Mensch.”

00000027Obwohl der Verein “Polizisten für Obdachlose e.V.” von Frank Zander unterstützt wird, der einmal jährlich ein Gänseessen mit Obdachlosen organisiert, werden immer wieder Spenden benötigt, besonders jetzt in der kalten Jahreszeit.

Gebraucht wird Kleidung, allerdings nur Herrenbekleidung. Besonders dringlich sind Hosen, vor allen Dingen strapazierfähige Jeans. Außerdem sind Schlafsäcke bzw. Wärmematten dringend notwendig, sowie Hygieneartikel.

Wer diesem großartigen Verein etwas spenden möchte, kann seine Sachspenden an Herrn Kersten Müller-Beyer, Bundespolizeiinspektion Berlin Ostbahnhof, Am Ostbahnhof 1, 10243 Berlin schicken. Weiter Informationen finden sich unter http://www.pfo-berlin.de. Weitere Informationen, wie bspw. eine Spendenkontonnummer, können unter info@pfo-berlin.de erfragt werden.

Allgemein Demo Verein

Wir danken für den Demoeinsatz – Remagen, 22.11.2014

Alljährlich hat die Stadt Remagen das außerordentlich zweifelhafte Vergnügen, Gastgeber eines Neonazi-Aufmarsches sein zu dürfen. Vielfältige Initiativen wehren sich dagegen, u.a. durch ein Stadtfest in Verbindung mit einem Tag der Demokratie, den das Bündnis für Frieden und Demokratie Remagen ausrichtet.

Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. vertreten den Standpunkt, dass ein deutliches Bekenntnis zu einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei eine klare Absage an jede Form des Extremismus darstellt. Deswegen beteiligten wir uns dieses Jahr wieder am Versorgungseinsatz der GdP (Gewerkschaft der Polizei), bei dem Polizeibeamten der Einsatz mit Nussecken versüßt wurde.

Um viertel nach neun holte ich eine Mitstreiterin, Nadine, am Bahnhof ab. Nette Bundespolizisten ließen meinen Mann noch schnell über einen so gut wie gesperrten Parkplatz fahren, damit ich pünktlich sein konnte. Das erste Danke des Tages! wp-monalisa icon

Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer...
Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer…

Auf dem Weg zur Feuerwache stieß unser dritter Mitstreiter, Gerhard, zu uns. In der Feuerwache, wir waren um einiges zu früh, warteten schon einige Polizisten auf ihren Einsatz oder fuhren noch ein schnelles Frühstück ein. Die Aufschrift “KGgP” auf unseren Westen erregte Neugier. “Was ist das denn für ein Verein?” hörten wir, also klärte Nadine ein bisschen auf und reichte die ersten Vistitenkarten heraus, auf deren einer Seite unser Dank prangte, auf der anderen Seite die Koordinaten des Vereins sowie unser Motto “Menschenrechte gelten auch für Polizeibeamte”.

Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz
Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz

Dieses Motto animierte dann auch einen Polizisten dazu, das Gespräch mit mir zu suchen. Er stellte fest, dass er für sein Empfinden seine Menschenrechte abgegeben habe. “Zumindest fühle ich mich selten behandelt wie ein Mensch.” Ich sagte: “Bei uns haben Sie Ihre Rechte nicht abgegeben.” Daraufhin sagte er: “Ich weiß.”

Solche Erlebnisse motivieren mich auch – und es sollte nicht das letzte gewesen sein.

Ein netter junger Mann von der Kommunikationseinheit beruhigte uns auch, dass unsere blauen Westen mit der silbernen Aufschrift keinerlei Amtsanmaßung wären, eine kleine Sorge, die Nadine mit sich herumgetragen hatte und nun los war.

Pünktlich um zehn kamen unsere Mitstreiter von der GdP, Ralf Pörtner und Gerhard Wagner. Schnell konnten wir damit loslegen, die Nussecken der GdP zu verteilen. Dieses Jahr hatten wir uns etwas Besonderes ausgedacht und auch Hundekekse für die Diensthunde dabei. Darüber freuten sich die Hundeführer sichtlich. Und erst die Hunde… einer sprang seinem Herrchen, kaum dass der das Tütchen mit den Keksen in der Hand hatte, aus dem Stand bis an die erhobene Hand. Das war allerdings ein sehr junger Hund. Und sehr hübsch…

Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf's Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP)
Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf’s Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP))

Eine Hundeführerin verfütterte den ersten Keks noch in unserer Anwesenheit.

Yummi!
Yummi!

Von hier ging es zur BFE-Einheit (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit). Zwei der Polizeibeamten konnten sich noch aus dem Vorjahr an uns erinnern. Wer genau hinsieht, kann sie auf diesem Foto wiedererkennen. Und immer gab es zu der Nussecke der GdP unser Dankekärtchen dazu.

Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))
Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))

Nach einer Bereitschaftspolizeieinheit aus Mainz wurde auch die MKÜ (Mobile Kontroll- und Überwachungseinheit) der Bundespolizei Koblenz nicht vergessen.

MKÜ
MKÜ

Last but not least vergaßen wir auch nicht die Unterstützungskräfte aus Bayern, das USK (Unterstützungskommando) Dachau, die einen sehr weiten Weg gekommen waren.

Bayern in Norddeutschland... ;-)  Na ja, ok. Fast...
Bayern in Norddeutschland… ;-)
Na ja, ok. Fast…

Natürlich freuten sich alle über etwas Süßes, und wir hörten auch immer wieder sehr nette Reaktion auf unser Danke. “Oh, wie schön. Die hänge ich mir an meine Pinnwand.” “Das gab es ja noch nie.” “Das finde ich ja toll.” Leider ist es eher unüblich, dass Bürgerinnen und Bürger sich bei der Polizei für ihren Einsatz bedanken. Das sollte dringend anders werden.

Da blieben noch die drei Gendarmen aus Straßburg zu erwähnen, die wir am Bahnhof trafen. Offenbar ein Informationsbesuch bei der Polizei des Nachbarn. Die freuten sich auch, als ich ihnen ein fröhliches “Bonjour” entgegenschmetterte und sie von den GdPlern je eine Nussecke in die Hand gedrückt bekamen. Nach einer in meinem eingerosteten Französisch etwas holperigen Erklärung, wer die GdP ist (was nicht leicht ist, wenn man die Vokabel für “Gewerkschaft” vergessen hat) und welche Inhaltsstoffe eine Nussecke hat, kam ich natürlich auf die Bedeutung der Buchstaben KGgP zu sprechen. Die Tatsache, dass wir ein Verein von Bürgern sind, die sich gegen Gewalt gegen Polizisten wenden, entlockte einem Gendarm ein: “Il faudrait ça en France aussi.” – “So etwas bräuchte es in Frankreich auch.” Am Ende verabschiedeten sich alle auf deutsch – merci, Messieurs. Zu schade, dass keine Zeit mehr für ein Foto war.

An dieser Stelle trennten sich die Wege von GdP und KGgP, denn die GdPler wollten unter anderem noch nach Bad Neuenahr, wir waren hingegen eher nach Remagen orientiert. Dort besuchten wir das Stadtfest, und u.a. den gemeinsam Stand von DGB und GdP, an dem auch unsere Infomaterialien auslagen. Danke dafür!

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Erste Reihe: Christian Günter, Sabrina Kunz, Nadine Imo und Gerhard Horstmann

Schließlich wanderten Nadine und ich noch durch Remagen; dabei trafen wir eine Menge freundlicher Polizisten. Schließlich wurden wir an einer Versorgungsstation von zwei sehr netten Polizeibeamten zu fröhlichem Auftauen in einem warmen Raum und einem strammen Kaffee eingeladen. Danke!

Anschließend gaben wir noch unseren Dank in der Polizeiinspektion Remagen ab. Dann wurde uns definitiv zu kalt und wir gingen nach Hause.

Allen, die gestern in Remagen im Einsatz waren und die wir nicht erreicht haben, und natürlich auch allen, die an anderen Orten im deutschsprachigen Raum im Einsatz waren, an dieser Stelle nochmal ein Danke. Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle.

Nadine und ich waren uns einig, dass wir einen tollen Tag gehabt hatten. Wir hatten viele gute Gespräche, viel gelacht (mit zwei Westerwäldern im Auto schmeißt man sich fast pausenlos weg vor Lachen), gute Gesellschaft und viel Bewegung an der frischen Luft bekommen. Für mich persönlich kann ich diesen Tag auch als ganz enormen Motivationsschub verbuchen. So ganz nebenbei konnte ich auch meine persönliche Kollektion von Fotos von Polizeifahrzeugen erweitern.

Heli der Polizei RLP
Heli der Polizei RLP

Und wir hatten vielen Polizeibeamten unser Danke übermitteln können. Das war die Hauptsache!

Einziger Wehrmutstropfen – ein Polizeibeamter wurde durch einen Steinwurf aus den Reihen der Gegendemonstranten verletzt. An dieser Stelle unsere herzlichsten Genesungswünsche. Es macht mich traurig, dass so etwas ausgerechnet am Vereinssitz passieren musste.

Bliebe noch der junge Mann zu erwähnen, der weder Polizeibeamter noch Mitglied der GdP ist, und sich nur zu nahe am  GdP-Stand in der Innenstadt aufhielt. Der junge Mann, der dafür angespuckt wurde.

So lange solche Dinge geschehen, braucht es Keine Gewalt gegen Polizisten e. V.

Allgemein

Verspätetes Danke

Symbolfoto
Symbolfoto

Vor wenigen Tagen kam ich aus beruflichen Gründen an der Autobahnausfahrt vorbei, die zur Autobahnpolizei Ludwigshafen führt. Das erinnerte mich daran, wie mir die Mitarbeiter, insbesondere einer, dieser Dienststelle im Sommer 2013 mal weitergeholfen hatten. Damals war es ganz untergegangen, mich dafür zu bedanken. Dann eben jetzt.

Damals war ich auf dem Weg nach Zürich. Am Rasthof Wonnegau hielt ich an. Toilette. Kaffee. Wie ich wieder auf die A61 auffuhr, wurde plötzlich der Bildschirm meines Navis schwarz. So ein Mist!

Nun traute ich mir durchaus zu, die Schweiz auch ohne Navi zu finden. Nötigenfalls in der Schweiz auch noch Zürich. Aber in Zürich meine Zieladresse? Schwierig bis hoffnungslos!

Also fuhr ich den nächsten Parkplatz an und versuchte mich in Reanimation. Mehrfaches An- und Ausschalten. Fehlanzeige! Navi blieb tot. Vielleicht würde ein Reset helfen. Zwar hatte ich, ganz Frau, meinen halben Hausstand dabei. Blöderweise aber nichts, was spitz genug gewesen wäre, es in mein Navi einzuführen, um den Reset-Knopf zu erreichen. Und nun?

Ich erinnerte mich, dass ich soeben noch auf der Autobahn ein Schild gesehen hatte: “Polizei 5 km”. Also fuhr ich wieder auf die Autobahn und dann diesem Schild nach, das mich zur Autobahnpolizei Ludwigshafen führte.

Ich klingelte.

“Ja, bitte?”

Ich schilderte mein Problem.

Ein kurzes, rauschendes Schweigen.

“Ich wollte fragen, ob Sie mir eine Büroklammer leihen könnten. Für einen Reset. Und falls das nicht klappt, mir den Weg zu einem Geschäft beschreiben könnten, wo ich ein neues Navi kaufen kann.”

Kurze Stille. Dann: “Es kommt jemand raus.” In der Stimme schwang definitiv ein breites Grinsen mit. Es sei ihnen gegönnt.

Tatsächlich kam ein junger Kommissar vor die Polizeistation und überreichte mir als erstes eine Büroklammer. Nach einigen Wiederbelebungsversuchen musste ich einsehen, dass dieses Navi sein Leben endgültig ausgehaucht hatte. Also folgte eine Wegbeschreibung zu einem entsprechenden Geschäft. Die war super! Mein Vertrauen in die Polizei war mal wieder voll gerechtfertigt gewesen.

Übrigens hat auch der Verkäufer sich erst einmal darin versucht, das alte Navi zu reparieren, bevor er mir ein neues verkaufte. Auch eine Berufsgruppe, die man nicht über einen Kamm scheren sollte.

Mit dem neuen Navi schaffte ich es dann nach Zürich. Irgendwie tat sich da dann so viel, u.a. schafften es sowohl Kantons- als auch Stadtpolizei Zürich einen sehr guten Eindruck zu hinterlassen, dass ich völlig vergaß, mich bei der Autobahnpolizei Ludwigshafen zu bedanken. Vor Ort tat ich das natürlich schon mündlich. Das Schriftliche hole ich hiermit nach.

P.S.: Für mich ist es eigentlich kein Thema. Mein Eindruck von dem jungen Polizisten war sehr, sehr gut, und damit hat sich der Fall für mich. Für mich ist ein Mensch ein Mensch. Aber da es auf unseren Präsenzen, insbesondere auf Facebook, uns zunehmend als Thema aufgezwungen wird, möchte ich an dieser Stelle dazu sagen, dass dieser junge Polizist einen Migrationshintergrund hat. Aus meiner Sicht kann die Polizei Rheinland-Pfalz froh sein, ihn zu haben.

Allgemein Verein

Leserbrief: Danke an Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. und die Polizei

SchreibenLieber Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.,

ich bin kein Polizist, und ich möchte einfach mal Danke sagen. Danke, dass ihr unserer Polizei den Rücken stärkt! Wir ganz normalen Bürger stehen der momentanen Situation in Deutschland ziemlich ohnmächtig gegenüber, und wissen nicht wie wir unserer Polizei helfen können. Ich persönlich lese die Meldungen auf FB und die machen mich traurig. Aber eine Idee, wie der Bürger unseren Polizisten den Rücken stärken kann? Hab ich nicht.

Ich arbeite beruflich oft mit der Polizei zusammen. Da lerne ich super Menschen kennen, die einen unglaublich schweren Beruf ausüben.

Liebe Polizistinnen und Polizisten,

der große Teil der Bürger, die ihr beschützt, danken euch für eure aufopferungsvolle Arbeit. Danke, dass ihr kommt und eingreift wenn ich Hilfe brauche. Danke, dass ihr versucht unser Leben sicherer zu machen. Dass ihr hilflosen Menschen helft, oft Geduld beweist, oder bei Unfällen einfach nur da seid.
Danke, dass ihr Euren Kopf für uns alle hinhaltet und kriminelle außer Gefecht setzt, um uns zu schützen!
Ich weiß nicht, wie ihr das alles im Moment aushaltet! Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft!
Alles Gute für euch und eure Familien. Danke, dass ihr mir immer freundlich gegenüber tretet. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen mit euch gemacht. Selbst wenn ich mich mal falsch verhalten habe. Danke dafür!

Und wenn euch in HH mal irgendein Passant sagt: danke, dass Sie Polizist sind, dann habt ihr mich auch kennengelernt….


Alles Gute!!!

Allgemein Polizistenstimmen

Autorenlesung: Ich musste sie töten (Gerhard Starke)

Gerhard Starke
Gerhard Starke

Am Donnerstag, 23.10.204, fand um 20 Uhr abends eine Autorenlesung in Hauffes Buchsalon in Remagen statt. Der Kriminalhauptkommissar a.D. Gerhard Starke las aus seinem zweiten Buch “Ich musste sie töten.”

Ich hatte seine Bücher bereits letzten April verschlungen. Nicht nur, weil ich ein Interesse für Polizeiarbeit habe, sondern auch, weil Gerhard Starke in seinen Büchern über Fälle schreibt, die er in seiner aktiven Zeit als Mordermittler im Polizeipräsidium Koblenz bearbeitet hat. Übrigens hat dieses Präsidium in Sachen Mord seit Jahren eine Aufklärungsquote von 96 bis 98%.
Natürlich bewegten mich die Geschichten mehr als üblich, weil sie in der Gegend stattfanden, in der ich zuhause bin.
Es war, obwohl ich die Handlung kannte, ein besonderes Erlebnis, sie von Starke selbst dargelegt zu bekommen. Nicht nur, weil er der Autor ist. Nein, weil er sie erlebt hat. Weil er all diese unvorstellbaren Dinge gesehen hat und weil sie ihn immer noch berühren. Weil er, wie ich finde, gemeinsam mit seinen Kollegen, der Menschheit einen Dienst erwiesen hat, die Täter hinter Schloss und Riegel zu bringen. Und, so ganz nebenbei, weil er, wie eine junge Bekannte zu mir sagte, eine Stimme hat, mit der man auch Hörbücher machen könnte. Das stimmt.
Natürlich kam in Remagen auch der Vierfachmord zur Sprache, der in diesem beschaulichen Städtchen 1999 stattgefunden hatte – direkt gegenüber des örtlichen Krankenhauses. Er geht mir besonders nahe, weil er den Ort betrifft, in dem sich der Vereinssitz befindet und in dem sich unsere Heimat-Polizeidienststelle befindet. Unvorstellbar, was die Streifenbeamten, die als erste am Tatort gewesen waren, sehen nussten. Auch diese Menschen haben Bilder im Kopf, die sie niemals wieder loswerden.
Als Starke darüber informierte, dass Zurwehme, der Mann, der diese Morde auf seinem Gewissen hat, bereits in der U-Haft in Koblenz so um die 20 Heiratsangebote von Frauen bekommen hat, ging ein Raunen durch den Saal. Das haute mich auch um. Nun glaube ich schon lange nicht mehr an den Unsinn, dass Frauen die besseren Menschen wären. Aber solche Dinge sind mir derart unverständlich, dass mein Gehirn an solchen Stellen komplett in Streik tritt. Vielleicht ist das auch ganz gut so.
Natürlich kam die Frage auf, wie man es aushalten kann, einen derartigen Beruf 34 Jahre lang auszuüben. Gerhard Starke hat in diesen 34 Jahren, wie er sagte, über 400 Leichen gesehen. Er hat versucht, zu erklären, dass man diese Bilder einerseits nie los wird. Andererseits denkt man nicht rund um die Uhr dran.
Meiner persönlichen Ansicht nach, glaube ich auch, dass man sich einerseits ein Stück weit an all das Schreckliche gewöhnen kann. In sehr geringem Ausmaß kann ich das vielleicht mit meinem Engagement für KGgP vergleichen. Als wir anfingen, ging mir jeder Gewaltakt, über den ich las, unter die Haut. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Da muss es schon sehr dicke kommen, um mich wirklich tief zu berühren. Das heißt nicht, dass mir diese verletzten Polizeibeamten egal sind oder das Problem der Gewalt gegen Polizeibeamte mich mittlerweile kalt lässt. Im Gegenteil! Aber ich komme besser mit der Brutalität aus zweiter Hand klar. Und das ist auch gut so, denn sonst könnte ich KGgP nicht mehr machen.
Übrigens äußert sich diese Gewöhnung auch darin, dass mir Krimis zunehmend flach vorkommen. Das verstärkte sich noch durch Lektüre der Polizei-Poeten. Wenn man Krimis nicht mehr spannend findet, dann können die Bücher von Gerhard Starke wirklich weiterhelfen. ;-)
Zudem hatte Gerhard Starke, wie er sagte, sehr viel Freude daran, diese ganzen Puzzleteile zusammenzufügen, die zur Lösung eines Falles beitragen. Das steht nicht unbedingt in Widerspruch zu der Tatsache, dass einen Menschen bestimmte Bilder nie wieder loslassen. Es hat auch nichts mit Kaltschnäuzigkeit zu tun. Es ist einfach Ausdruck der Tatsache, dass Menschen ziemlich komplexe Lebewesen sind und dass das Leben an sich auch eine recht komplexe Angelegenheit ist. Wir haben alle endlos viele Facetten und passen in bestimmte Schubladen einfach nicht hinein.

Last but not least glaube ich, dass es auch beim Verarbeiten schrecklicher Dinge hilft, wenn man weiß, dass die eigene Arbeit sinnvoll ist. Wenn man in seiner Arbeit Sinn sieht, kann man vermulich sehr, sehr viel aushalten. Und ich kann mir vorstellen, dass ein Mordermittler seine Arbeit als sehr sinnvoll empfinden kann – und das absolut zu Recht.

In meinen Augen gibt es fast keine Arbeit innerhalb der Polizei, die nicht sinnvoll ist – auch wenn die Damen und Herren das viel zu selten von uns zurückgemeldet bekommen. Ihre Arbeit ist so unendlich essentiell für uns alle. Dafür gebührt ihnen ein dickes Danke. Jetzt danke ich aber erst einmal Gerhard Starke für diesen interessanten und berührenden Einblick in seine Arbeit.

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Grillabend in Euskirchen (Wolfram Welsch)

Wolli_ShirtIch stamme aus Euskirchen. Aus einem Gefühl der Heimatverbundenheit heraus gründete ich vor gut eineinhalb Jahren bei Facebook die Gruppe “Wir aus EU”, wobei EU das Kfz-Kennzeichen von Euskirchen darstellt. Das ist so eine Art Stammtisch, nur dass es im Internet stattfindet und man das Ganze im Grunde vom heimischen Sofa aus abwickeln kann. Schnell reichte uns das aber nicht mehr aus, also führten wir einen echten Stammtisch ein.

Bei monatlichen Treffen tauschten wir Informationen aus. Wir waren uns einig, dass die Teilnahme am echten Stammtisch einen Euro Teilnahmegebühr kostet. Den Inhalt dieser Sammeldose wollten wir dann irgendwann einem guten Zweck zukommen lassen.

Schließlich entschieden wir, ein Grillfest für Wohnungslose auszurichten. In der Mitgliederschar fanden sich dann Spender für Grillfleisch und Getränke. Insgesamt fanden sich 50 Wohnungslose ein, die nicht nur gesättigt wurden, sondern sich auch freuten, einen ganz normalen Grillabend verbringen zu können anstatt auf der Suche nach Mitteln zum Überleben zu sein.

Der Inhalt der Sammeldose, ca. 600 Euro, wurde der Caritas überreicht.

Wolfram Welsch übergibt dem Bereichsleiter der Caritas, Herrn Becker, den Umschlag mit dem gesammelten Geld (Bildquelle: privat)
Wolfram Welsch übergibt dem Bereichsleiter der Caritas, Herrn Becker, den Umschlag mit dem gesammelten Geld (Bildquelle: privat)

Allerdings war es eine zweckgebundende Spende. Auf unseren Wunsch hin wurde ein neuer PC angeschafft, der die Wohnungslosen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützt. Auch das eigentliche Grillfest war ein voller Erfolg und fand am 4. Juli 2014 statt.

Wolfram Welsch und Frans Jacobs, Mitglieder der Gruppe "Wir in Eu" (Bildquelle: privat)
Wolfram Welsch und Frans Jacobs, Mitglieder der Gruppe “Wir in Eu” (Bildquelle: privat)

Anschließend sahen wir uns gemeinsam das WM-Viertelfinal-Spiel der Deutschen gegen Frankreich an. Das deutsche Tor, das ein weiterer Schritt auf dem Weg zum vierten Weltmeisterschaftstitel war, rundete den Abend in erfreulicher Weise ab.

(Anm. der Red. Die Wohnungslosen mochten keine Bilder von sich veröffentlicht haben, das muss man dann respektieren.)