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Allgemein Polizistenstimmen Verein

Nach Urteil positives Feedback aus Berlin

Am 11. Februar diesen Jahres wurde in Berlin ein Polizist brutal angegriffen und verletzt. Die Polizei Berlin veröffentlichte dazu die folgende Pressemitteilung:

Berlin: Polizeibeamter bei Einsatz angegriffen und verletzt

In Wittenau musste in der vergangenen Nacht ein Polizist nach einem gewalttätigen Übergriff mit Kopf- und Halswirbelverletzungen seinen Dienst vorzeitig beenden. Gegen 22.40 Uhr wurde die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus in der Invalidensiedlung alarmiert. Hier waren mehrere Personen in Streit geraten und es soll zu einer Körperverletzung und einer Sachbeschädigung gekommen sein. Während die Beamten mit den Beteiligten das Geschehen klärten, griff für die Polizisten unerwartet eine bis dahin unbeteiligte 45-Jährige einen der Beamten an und würgte ihn. Beide fielen zu Boden. In diesem Moment schlug der 18-jährige Sohn der Angreiferin mehrfach mit den Fäusten auf den am Boden liegenden Polizisten ein, bis schließlich weitere Streifenbeamte die Prügelattacke beendeten und ihren Kollegen aus dem Würgegriff befreiten. Bei den Ermittlungen zu den Gründen der Angriffe stellte sich heraus, dass der 18-jährige als Tatverdächtiger der vorangegangenen Straftaten infrage kommt. Hierbei hatte er sich augenscheinlich auch eine Verletzung am Bein zugezogen, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Während der Ermittlungen beleidigte der junge Mann einen der Beamten noch als „Nazi“. Im Anschluss der polizeilichen Beweissicherung konnten die Beteiligten ihren Weg fortsetzen. Die Ermittlungen dauern an.

Natürlich für uns von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. ein ganz klarer Fall für eine Genesungskarte.

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Letzte Woche erreichte uns folgendes Feedback:

„Durch die brutale Attacke war ich insgesamt 10 Wochen krank geschrieben. Kurz danach erhielt ich von eurer Organisation eine Genesungskarte. Schon damals war ich hoch erstaunt und erfreut über diese Organisation und deren Anteilnahme.

Heute war nun der Gerichttermin. Das Urteil nach dem JGG [Jugendgerichtsgesetz, Anm. der Red.]: Verwarnung, 600€ Schmerzensgeld umgehend, 300 € Schadensersatz innerhalb eines halben Jahres, 100 Sozialstunden zum Ausgleich der Justizgeschädigtenkasse, von der ich sofort das Schmerzensgeld erhalte.

Jetzt sage ich offiziell DANKE für eure Karte.

Gruß aus Berlin

René“

 

Danke René, für diese Rückmeldung. Das motiviert uns ja auch. Und danke für Deinen täglichen Einsatz für uns alle.

 

René schrieb übrigens im Nachgang dazu, dass er für sich persönlich mit dem Urteil zufrieden sei, als Polizeibeamter hingegen nicht ganz.

Wir finden das insgesamt für 10 Wochen Krankschreibung auch ein bisschen wenig, aber wenigstens ist überhaupt etwas passiert und es hat Geld gekostet, was vermutlich dem Täter wenigstens ein bisschen weh tun dürfte.

Allgemein Polizeiarbeit

„Ich hätte dich gerne mal bei mir im Streifenwagen.“ – Nachtschicht in Neuwied

„Ich hätte dich gerne mal bei mir im Streifenwagen.“ Ganz klar ein Satz, den man zu mir nur sagen sollte, wenn man das wirklich will. Ich sag nämlich immer ja. wp-monalisa icon

Stephan wollte es wirklich und so mussten wir nur noch einen gemeinsamen Termin finden. An einem Freitagabend im September war es so weit, bewaffnet mit Red Bull trat ich meine Nachtschicht bei der Polizeiinspektion Neuwied an.

Wieder einmal unterschrieb ich diverse Formulare, einmal mehr als Schülerpraktikantin. Zielgruppe der zugehörigen Dienstanweisung: Schülerinnen und Schüler ab der 11. Klasse – passt! wp-monalisa icon

Ich wurde noch kurz der Dienstgruppe vorgestellt, dann ging es schon los. Stephans Streifenpartner Stephan und Stephan mussten gar nicht lange suchen, um den ersten Einsatz zu finden. Wir waren noch keine fünf Minuten unterwegs gewesen, als ein Motorradfahrer genau vor uns bei Rot über die Ampel fuhr.

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Natürlich wurde er sofort aus dem Verkehr gezogen. Die Gesprächsatmosphäre war freundlich, der Fahrer einsichtig. Stephan und Stephan interessierten sich besonders für das Reifenprofil. Dieses wies nämlich so genannte „Angststreifen“ auf – das sind Abnutzungserscheinungen seitlich am Reifen. So seitlich, dass klar ist, dass der Fahrer nahezu im Liegen um die Kurve fährt. Im täglichen Straßenverkehr eher ungern von der Polizei gesehen. Allerdings konnte unser Motorradfahrer den beiden die Sorge nehmen, dass dies Folgen seines ganz normalen Fahrstils seien. Er fuhr nämlich mit der Maschine auch professionelle Rennen und zwar auf dafür vorgesehenen Strecken.

Als er wieder seiner Wege fahren durfte und wir wieder in den Streifenwagen einstiegen, sagte ich:

„Interessant, die ganzen Kinder, die da aufgetaucht sind. Die wirkten ja eher polizeifreundlich.“

Der ganze Einsatz war fasziniert von einigen Kindern aus „sicherer“ Distanz beobachtet worden.

„Heute gucken sie noch, morgen beleidigen sie uns.“

Oha…

Der oben zitierte Satz über unser Publikum hatte Stephans Lippen noch nicht ganz verlassen, als ein weiterer Streifenwagen unseren Weg kreuzte. Übergangslos endete die Äußerung mit:

„Vorsicht! Die Bullen.“

Meine beiden Stephans beherrschen Ironie, Selbstironie und Sarkasmus in Perfektion. Sprachen, die mir auch nicht ganz fremd sind. Legendär der Dialog, der sich schon im Vorfeld der Nachtschicht abgespielt hatte.

Stephan: „Hast du schon einmal eine Blutprobe erlebt?“
Ich: „Nein.“
Stephan: „Dann wird es ja mal Zeit.“
Ich: „Ich war auch noch bei keiner dabei…“

 

Der Nächste, der geradezu um eine Kontrolle bettelte, war der Fahrer eines Autos mit einer roten Nummer. Diese war in einem Nachbarlandkreis ausgestellt worden, was den beiden Stephans schon kurios vorkam. Der Fahrer und seine Beifahrerin waren nämlich nicht in der Richtung dieses Landkreises unterwegs. Entsprechend wurde er auch mit passenden Signalen darauf aufmerksam gemacht

Tatsächlich nutzte der Herr die rote Nummer reichlich regelwidrig. Wie ich bei der Gelegenheit lernte, darf man diese Nummernschilder für exakt drei Arten von Fahrten nutzen: Überführungsfahrten (Käufer aus Landkreis A kauft Auto in Landkreis B, der schnellste Weg von A nach B ist die Überführungsfahrt), Probefahrten (wer kennt sie nicht, die roten Nummern, die Autohäuser anschrauben, wenn man mal Probe fahren will?) und Prüffahrten.

„Ah, aber ich mache doch eine Prüffahrt!“

Hochgezogene Augenbrauen bei beiden Stephans.

„Ich besitze einen Gebrauchtwagenhandel und ich prüfe die Autos ausführlich, bevor ich sie meinen Kunden verkaufe.“

Ah ja…

Der Herr (und ich auch gleich mit) wurde dann aufgeklärt, dass nur spezielle Prüfer diese Prüffahrten durchführen können.

„Aber ich muss doch meine Ware prüfen…“

Manche wissen einfach nicht, wann Schluss ist. Auch durch die mehrfache Wiederholung dieser Aussage änderte sich die Rechtslage nicht. Übrigens auch nicht dadurch, dass der Herr „um die Ecke“ wohnte, womit er sich anschließend aus der Affäre ziehen wollte.

Im Nachbarlandkreis befand sich übrigens sein Geschäft. Ich finde es auch nicht wirklich nachvollziehbar, dass sich meinen beiden Herren irgendwie der Verdacht aufdrängte, dass dies nicht die erste und auch nicht die letzte unsachgemäße Nutzung der roten Nummer gewesen sein dürfte. *Ironie aus*

(Symbolfoto - andere Einsatzörtlichkeit)
(Symbolfoto – andere Einsatzörtlichkeit)

 

Für uns war es nun an der Zeit, eine kleine Zwischenmahlzeit einzuwerfen. Meine Freude und mein Erstaunen hielten sich die Waage, dass tatsächlich die gesamte Dienstgruppe zu einer gemeinsamen Kurzmahlzeit zusammenkam. Das hatte ich noch nie erlebt.

 

Dieser Zustand hielt auch nicht sehr lange an, wir bekamen einen Einsatz wegen einer Körperverletzung rein. Eine Frau hatte den Notruf gewählt, sie gab an, dass ihr Lebensgefährte sie verprügelte.

Meine erste Blaulichtfahrt mit Stephan.

WOW!

Am Einsatzort erwartete uns eine Frau in meinem Alter. Ihr Lebensgefährte war etwa 20 Jahre jünger als sie, was ganz offensichtlich einen Teil des Problems darstellte (Eifersucht auf ihrer Seite). Beide wollten ihre Version der Geschichte loswerden. Jeder Stephan widmete sich einer der beiden Parteien. Ich blieb mit bei der Frau.

Sie entschied sich dafür, den Mann für vier Tage aus der Wohnung zu verweisen. Stephan hatte die entsprechenden Formulare im Streifenwagen liegen lassen. Aber es gab ja eine Praktikantin… wp-monalisa icon Der warf er auch den Autoschlüssel zu.

Also, Leute, merken! Ich kann nicht nur Lichtschalter bedienen, ich kann auch laufen und Formulare tragen. Und Schlüssel fangen.

Kaum war der Formularkrieg nach etwa 30 Minuten beendet, wollte Stephan einen Alkotest machen lassen. Die Atemluft legte das auch nahe.

„Gerke, ich muss dich noch mal schicken…“

„Einen Alkomaten?“

Gut, dass ich den Schlüssel noch hatte. Schwupps, weg war ich.

Ernsthaft. Schickt mich! Ein Dasein als Achslastbeschwerer ist nicht so mein Ding.

Nachdem der Mann seinen Koffer aus dem Nebenzimmer geholt und gepackt hatte sowie seinen Wohnungsschlüssel übergeben hatte, rückten auch wir wieder ab.

„Den schmeißen wir spätestens morgen sowieso wieder raus.“

Gelegentlich habe ich den Eindruck, dieses Gefühl der Vergeblichkeit ist manchmal schwieriger zu ertragen als Respektlosigkeit und Gewalt.

(Symbolfoto - andere Einsatzörtlichkeit)
(Symbolfoto – andere Einsatzörtlichkeit)

 

Der nächste Einsatz war aber nicht vergeblich – ein Radfahrer in der Fußgängerzone gewann eine Verwarnung.

 

Die nächste Blaulichtfahrt (wieder WOW!). Vor dem Kino wurde eine Auseinandersetzung gemeldet. Schon im Anflug wurden wir von zwei Kollegen der beiden Stephans angefunkt: „Hat sich schon erledigt, wir haben das hier im Griff!“

 

Und wieder eine Verkehrskontrolle. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, warum meine Stephans den Wagen herauswinkten. Es dauerte jedenfalls eine ganze Weile, bis der Fahrer endlich auf uns aufmerksam wurde. Als es endlich soweit war, kam ein Einsatz rein. Familienstreit, Handgreiflich. Im Beritt der Nachbar-PI. Also ließ Stephan, der Beifahrer, sein Fenster runter. Der Fahrer unseres soeben gestoppten Fahrzeuges auch.

„Hat sich erledigt!“

Merken, liebe Leser, wenn Euch sowas passiert – Ihr werdet nicht gerade gepflegt hochgenommen, sondern es ist dann was Heftigeres reingekommen. Es schadet dann auch keinesfalls, sich, während der Streifenwagen davonfliegt, Gedanken um den Allgemeinzustand des Kfz oder den eigenen Fahrstil zu machen. wp-monalisa icon

Wieder eine Blaulichtfahrt. Die war so richtig WOW! Die Gesetze der Physik sind dehnbar und es ist erstaunlich, was man mit einem Passat alles machen kann. Wenn man es kann…

 

Am Einsatzort angekommen, erwartete uns schon der neunjährige Sohn der Familie, der die Polizei alarmiert hatte. Meine beiden Stephans teilten sich wieder auf, einer sprach mit der Mutter des Sohnes, einer mit dem Stiefvater. Eine weitere Streife flog ein.

Wieder einmal kam die Familienkatze und bildete weiteres interessiertes Publikum.

Letztlich waren die Emotionen hochgeschlagen, aber keine Straftaten feststellbar. Entzündet hatte sich der Streit an einer Diskussion über Inzest, wie auch immer die Beteiligten auf dieses Thema gekommen sein mochten.

Wir rückten ab.

 

Zurück im Gebiet der PI Neuwied bestreiften wir die Gegend. Nächster Einsatz: Eine Rollerkontrolle. Der junge Mann hatte auch prompt keine Papiere. Allerdings war er nur noch eine Straßenecke von zuhause entfernt. Also folgte ihm der Streifenwagen.

„Warum haben denn seine Hände so gezittert?“

„Ich glaub, der war nur nervös.“

Darauf tippte ich auch. Der junge Mann schien noch nicht allzu oft mit der Polizei zu tun gehabt zu haben, was aus meiner Sicht für ihn sprach.

Er verschwand in der Wohnung und suchte seine Papiere.

Die Mutter des jungen Mannes erschien vollkommen aufgelöst an der Haustür.

„Hat er was angestellt?“

Offensichtlich schien das für ihren Sprössling ungewöhnlich.

„Nein. Wir möchten nur die Papiere für den Roller sehen, und schon sind wir wieder weg.“

Ganz klar eine Familie mit großem Respekt vor der Polizei, denn wirklich beruhigt war sie nicht.

„Ist was mit dem Roller nicht Ordnung?“
„Doch, doch, alles ok. Es geht nur um die Papiere.“

So war es dann auch. Die Papiere waren ok, wir rückten ab.

 

Weiterstreifen. In einem Vorort von Neuwied saß ein junges Mädchen einsam auf einer Treppe.

Streifenwagen Stopp!

„Alles in Ordnung?“
„Ja, ich warte hier nur auf meine Freunde.“
„Alles klar!“
Fand ich ja schon irgendwie nett!

 

Weiterstreifen. Der Neuwieder Zoo liegt dunkel und abgelegen, entsprechend wird er hier und da bestreift, um die lichtscheuen Vertreter unserer Gesellschaft da herauszuhalten.

Wieder in der Innenstadt erspähten die Stephans auf einem Schulhof ein paar Jugendliche, rauchend und umgeben von Flaschen, deren Inhalt nicht gerade wie Gemüsesaft rüberkam.
Also eine Personenkontrolle. Es sollte schon geklärt werden, ob die jungen Leute alle bereits rauchen und Alkohol trinken durften.
Dabei traten die beiden Stephans so locker aber bestimmt auf, dass dies in guter Stimmung und zügig vonstatten ging. Es waren aber auch alle jenseits der Altersgrenze! Da keiner volltrunken wirkte, streiften wir weiter.

(Symbolfoto - andere Einsatzörtlichkeit)
(Symbolfoto – andere Einsatzörtlichkeit)

 

Der nächste Einsatz. Ein Jugendbetreuer eines Heims für Jugendliche hatte den Notruf gewählt, wegen Sachbeschädigung. Bei Eintreffen an der angegebenen Adresse standen mehrere Gruppen junger Menschen am Straßenrand. Sie alle schauten interessiert auf den Streifenwagen, während wir vorbeifuhren. Am Ende der Straße hielt Stephan an, beide Stephans tauschten einen fragenden Blick. Also wenden, und zurück.

Bei einer der Gruppen hielt Stephan auf gut Glück an.

„Haben Sie die Polizei gerufen?“
„Ja, das war ich.“

Ach ja. Manchmal hilft es schon, wenn man sich bemerkbar macht, wenn man den Streifenwagen sieht, den man einbestellt hat. Bei aller Kompetenz, die unsere Polizeibeamten an den Tag legen – Hellsehen wird an bundesdeutschen Polizeischulen nicht gelehrt.

Nun aber zum Einsatzanlass: Zwei junge Männer waren über den Zeitpunkt, an dem sie abends im Heim hätten erscheinen sollen, in Koblenz unterwegs gewesen. Als sie heimkamen, wollten sie essen. Allerdings war die Küche bereits geschlossen und sie hatten sich gewaltsam Zugang zur dieser verschafft.

Für mich nachvollziehbar, dass der Betreuer sofort die Polizei einschaltete. Es war sein erster Nachtdienst. Da sollte man direkt klarmachen, wo die Grenzen liegen.

 

Nächster Einsatz: Ein Anruf wegen Ruhestörung auf einem Oktoberfest. Wir fuhren hin. Wieder einmal konnte ich nichts hören, was ich als Lärm bezeichnet hätte… meine Mitbürger überraschen mich immer wieder.

 

Schließlich kam ein Einsatz rein. Der Notruf war gewählt worden wegen randalierender Jugendlicher am Rhein. Offensichtlich warfen diese Flaschen in den Rhein. Wir fuhren hin.

Am angegeben Ort fanden wir aber niemanden vor. Einige Meter weiter allerdings gingen drei Jugendliche über die Straße. Die beiden Stephans unterzogen sie einer Personenkontrolle. Allerdings konnten sie nicht mit dem „Randalieren“ am Rhein in Verbindung gebracht werden. Also wünschten die beiden ihnen einen schönen Abend und wir fuhren weiter Streife.

 

Nachdem die beiden Stephans noch eine Fahrzeugkontrolle vorgenommen hatten, bestreiften wir eine doch recht unwegsame Ecke von Neuwied. Auf einem Radweg. Unsere Polizeibeamten scheuen wirklich keine Mühen, um für Ordnung zu sorgen. Heute war hier allerdings alles ruhig.

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Ganz im Gegensatz zur Neuwieder Fußgängerzone, in die wir später wieder einbogen. Zwei junge Männer rannten schlagartig los. Stephan gab Gas. Knapp bevor wir sie hatten, entwischten die beiden in eine Passage. Stephan stieg aus und rannte hinterher. Ich blieb im Wagen und Stephan fuhr einmal um den Block.

Um ein Haar hätten wir sie bekommen. Jetzt waren sie wie vom Erdboden verschluckt.

Schade!

 

Anschließend fuhren wir zurück zur Wache. Bis auf uns waren alle Streifen draußen. Stephan war in dieser Nacht Dienstgruppenleiter und musste noch das eine oder andere erledigen.

Plötzlich trat ein Mitbürger auf den Plan, der den Notruf wegen einer Ruhestörung gewählt hatte. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem alle Streifen draußen gewesen waren. Entsprechend hatte er zur Antwort bekommen, dass jetzt sofort niemand geschickt werden könnte, man aber eine Streife schicken würde, sobald es ginge. Weil er wohl eh nicht schlafen konnte, war er zur Polizeidienststelle Neuwied gefahren und hatte festgestellt, dass da jede Menge Streifenwagen davorstehen. Also fuhr er wieder heim und rief dort an – just als Stephan wieder im Hause war.

Er warf der Polizei vor, ihn zu belügen, denn es hätten haufenweise Streifenwagen vor der Dienststelle gestanden.

Ähm… ja…

Noch fahren die aber nicht von alleine…

(Die Anzahl der Streifenwagen vor einer Polizeidienststelle sagt nichts aus über die Anzahl der verfügbaren Polizeibeamten)
(Die Anzahl der Streifenwagen vor einer Polizeidienststelle sagt nichts aus über die Anzahl der verfügbaren Polizeibeamten)

 

Die Nacht bekam einen Hänger. In Neuwied wurde es sehr ruhig, ebenso im Funk. Im Grunde der am schwierigsten zu überstehende Teil, wenn die Nacht sich schon dem Ende zuneigt und alle irgendwie wach bleiben müssen. Auch das sollten Leute erlebt haben, die glauben, die Arbeit unserer Polizeibeamten beurteilen zu müssen. Sich wach zu halten ist nicht immer ganz leicht.

 

Endlich kam wieder ein Einsatz rein. Fußgänger auf der B256, und zwar auf der schicken Hängebrücke, die sich zwischen Neuwied und Andernach über den Rhein spannt.

Da meine beiden Stephans den Besuch (mich) hatten, schnappten sie sich den Einsatz. Mit Blaulicht und Martinshorn ging es los. Auf der anderen Rheinseite angekommen, guckten wir erst mal dumm, denn da war niemand gewesen. Stephan ging massiv vom Gas und zog das Auto in die Kurve, mit der man auf die B9 gelangt. Vorsichtshalber ließen die beiden das Blaulicht noch mal an.

Plötzlich wurde das Blaulicht von einer kleinen weißen Fläche zurückgeworfen. Wir erschreckten uns alle drei. Da hatten wir unseren Fußgänger – einen Meter neben dem Fahrbahnrand.

Stephan zog den Streifenwagen rechts ran. Der andere Stephan stieg aus und begann mit dem Mann zu reden.

Er war in einer Disko gewesen und hatte dort offensichtlich auch bewusstseinsverändernde Substanzen konsumiert. Anschließend hatte er nach Hause gewollt und das auch seinem Navigator im Smartphone so mitgeteilt. Vergessen hatte er das winzige Detail, dass er als Fußgänger und nicht mit dem Auto unterwegs war… und ihm fiel auch so gar nichts daran auf, dass er auf einer Schnellstraße unterwegs war.

Joah…

Da halt auch die Gardinenpredigt nicht viel, die Stephan ihm hielt – da war allein aufgrund des Zustandes keine Einsicht möglich.

Also packten ihn die beiden in den Streifenwagen (ich wieder auf dem Beifahrersitz) und fuhren ihn zur Dienststelle, wo er kurz darauf von seiner Freundin abgeholt wurde.

 

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Damit war auch diese Nacht schon um.

 

Meine beiden Stephans waren ein wenig enttäuscht, weil die Nacht zu ruhig gewesen war im Vergleich zu sonst.

Und ich? Ich habe über acht Seiten mit dieser Nacht vollgekriegt. Wie viele wären es nach einer unruhigen Nacht gewesen?

Wieder einmal haben mich meine Streifenpartner beeindruckt. Ihr macht einfach einen tollen Job bei der Polizei in Deutschland, ich kann mich da nicht oft genug wiederholen.

Danke dafür!

Allgemein

Ein sehr individuelles Schichtmodell – 14 Stunden mit der Polizei in Fürth

Böse Zungen behaupten ja, ich könne nicht entspannen im Urlaub. Begründung: „Du widmest Dich Abzeichentauschaktionen und besuchst Polizeidienststellen.“

Dem muss ich klar widersprechen. Also nicht dem Teil mit den Abzeichen und den Dienststellen – der trifft zu. Aber dem mit der nichtvorhandenen Entspannung. Bekanntlich entspannt man sich, wenn man Spaß hat. Davon habe ich jede Menge, wenn ich Abzeichen tausche und Polizeidienststellen besuche. Für mich ist es eine Wohltat, mich mal einige Wochen am Stück nicht mit den vielfach unsäglichen Kommentaren in den Sozialen Netzwerken und mit einem Verein immer verbundenen Verwaltungstätigkeiten (knicken, lochen, abheften – in dieser Art des Dreikampfes habe ich es als Vereinsvorsitzende zur Olympiareife gebracht) auseinandersetzen zu müssen. Da bin ich auch konsequent. Polizeikontakte als solches finde ich nun aber nicht sonderlich unentspannt. Unentspannt wäre es vermutlich eher, dem komplett aus dem Weg gehen zu wollen. So unterbesetzt ist die Polizei in den Gegenden, in denen ich unterwegs bin, zum Glück noch nicht, dass ich es hinbiegen könnte, sie ohne größere Verrenkungen gar nicht mehr zu Gesicht zu kriegen…

In meinem letzten Sommerurlaub hielt ich mich auch für eine Weile in Fürth auf. Zum dortigen Dienststellenleiter habe ich einen netten Kontakt, der, analog zu dem Kontakt zur Polizei Bremen, durch eine Genesungskarte zustande kam. Vor einigen Jahren bedankte sich der Herr sehr nett für Karten, die seinen Leuten zugingen. Kurz darauf las ich eine Meldung, dass in Fürth ein Einsatzleiter im Rahmen eines Versammlungsgeschehens einen Stein an den unbehelmten Kopf bekommen hat. Das fand ich dann eine Karte wert, auch wenn nichts von schwereren Verletzungen in der Pressemitteilung stand. Es stellte sich heraus, dass es dieses Mal genau diesen Dienststellenleiter erwischt hatte. Wieder nahm er Kontakt zu mir auf und lud mich, sollte ich einmal in Fürth weilen, zu einem Besuch seiner Dienststelle ein. Das nahm ich dann vor zwei Jahren wahr und da mir Mittelfranken gefällt, war ich diesen Sommer wieder da.

Zwar hatte er mir per Mail angekündigt, dass ich auch bei der Fürther Polizei mitfahren dürfe. Bei meinem Auftauchen dort zum abgesprochenen Termin hatte ich aber noch an eine Absprache gedacht. Überraschung, ich durfte ab sofort (11 Uhr morgens) mitfahren. Das nahm ich natürlich gerne an. wp-monalisa icon

 

20160817_133716_klein_schriftMeine erste Streife, Daniel und Myriam, fragten mich – natürlich – erst einmal über den Verein aus. Fürth präsentierte sich zu diesem Zeitpunkt noch recht ruhig, obwohl wir durchaus den einen oder anderen Drogenumschlagsplatz anfuhren.

Wie eigentlich immer wussten meine beiden Streifenpartner nicht, ob sie diese Ruhe gut finden sollten oder lieber nicht. Irgendwie ist ja ein ruhiger Tag auch mal schön, aber irgendwie ist es auch blöd, wenn man Besuch hat und seine Arbeit präsentieren möchte. Wie immer versuchte ich zu erklären, dass ich weiß, was unsere Polizeibeamten leisten, auch wenn mal nicht ein Einsatz nach dem anderen einschlägt… Und ich kam dazu, eine Menge Fotos von grün-weißen Streifenwagen zu machen. Ich bin ja in einem Alter, in dem ich mich noch sehr schnell an das grüne Modell zurückgewöhnen kann.

 

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Apropos Streifenwagen in Bayern. BMW. Wunderbar. Ich gebe zu, in meinem Alter merkt man das schon in den Knien, wenn man öfter ein und aussteigt. Ich fürchte, ich wirkte dabei auch nicht unbedingt elegant. So richtig viel Platz hat man auch nicht. Aber bei einer Einsatzfahrt, bei der doch arg beschleunigt wird – Wahnsinn. Das Ding liegt wie ein Brett auf der Straße. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

dsc01129_klein_schriftHier einmal zu Illustrationszwecken ein Foto eines BMW-Streifenwagens in München, der vor meinem Sightseeing-Bus mit sehr hoher Geschwindigkeit und Sondersignalen um eine Verkehrsinsel herumflog. Man sieht die Fliehkräfte recht gut…

Nachdem ich alle Drogenumschlagplätze und sonstigen Hot Spots gezeigt bekommen hatte, wo heute überall himmlische Ruhe herrschte, fuhren wir einen Treffpunkt der Trinkerszene am Bahnhof an. Dort begegneten wir einem alten Bekannten der Fürther Polizei – ein Herr, der durch aggressives Betteln sein Brot verdient. Ihm wurde ein Platzverweis erteilt. Übrigens sah ich ihn bereits am Tag darauf wieder, als ich am Fürther Bahnhof ausstieg, um einige Briefe zum Postamt zu bringen. Am Treffpunkt der Trinkerszene trafen wir auch einige Herren an, denen ebenfalls ein Platzverweis erteilt wurde. Mit einem der Herren unterhielt sich Daniel länger – sein Gesprächspartner war nämlich ziemlich frisch aus dem Gefängnis entlassen worden. Offenbar fühlte er sich dem Leben außerhalb der Gitter nicht so recht gewachsen, er wollte gerne wieder „einfahren“.

In nördlicher gelegenen Bundesländern (also in allen außer Bayern und Baden-Württemberg) hat die bayerische Polizei den Ruf, recht ruppig vorzugehen. Ich persönlich kann das so nicht bestätigen, ich habe an diesem Tag bei der bayerischen Polizei genau die kommunikativen Fähigkeiten vorgefunden, die ich so schätze, wie in Rheinland-Pfalz und Bremen auch. Nur mit anderem Akzent… wp-monalisa icon Bei diesem Gespräch sah ich sie zum ersten Mal.

Jedenfalls erzählte mir danach Daniel einiges über das, was in deutschen Knästen so vor sich geht. Ich muss zugeben, dass ich seitdem noch klarere Zweifel daran habe, ob eine Gefängnisstrafe den betroffenen Menschen besser machen kann, als zuvor schon. Gut, werden mir manche entgegenhalten – aber er ist immerhin einige Monate / Jahre von der Straße weg und kann der Gesellschaft nicht mehr schaden. Tja… wenn er aber als Kleinkrimineller einfuhr und kommt als voll ausgebildeter Berufskrimineller wieder raus – ob das der Gesellschaft so viel weiterhilft? Ich bin mir da ehrlich nicht so sicher – auch wenn mich für dieses Bekenntnis einige Leserinnen und Leser unserer Internetpräsenzen steinigen werden. Eine bessere Idee habe ich aber auch nicht.

Zumindest aber könnte die eine oder andere Geldstrafe etwas höher ausfallen, damit es auch wirklich mal weh tut.

 

Last but not least hatten wir einen Einsatz wegen eines Verkehrsunfalls. Zwei KfZ waren vor einem Supermarkt ineinander geprallt, eine durch eine Baustelle bedingte Fahrbahnverengung hatte einen Herrn veranlasst, die Spur zu wechseln und eine junge Frau war nicht schnell genug beim Bremsen. Die Stimmung an der Unfallstelle war recht friedlich. Es hatte sich auch ein unbeteiligter Zeuge gefunden. Daniel und Myriam nahmen die Personalien der Beteiligten auf. Der Unfall selbst wurde dann – eine bayerische Spezialität – von der Verkehrspolizei aufgenommen. Diese Polizisten kommen dann ins Spiel, wenn es Verletzte gibt – was sich erstmal wild anhört, in dem Fall aber unblutig blieb, da es sich um Rückenschmerzen durch den Aufprall handelte.

 

Nun war es schon an der Zeit für die Übergabe an die nächste Schicht / Streife. Nun fuhr ich mit Kevin und Max. Diese beiden jungen Männer beschäftigten meine Lachmuskeln sehr intensiv. Selbstverständlich traten sie den Menschen, mit denen sie dienstlich in Kontakt gingen, gegenüber angemessen auf. Auch diese beiden hatten diese kommunikativen Fähigkeiten, die ich so schätze. Aber im Streifenwagen wurde ausgiebig gewitzelt. Mir taten nach meinem persönlichen Schichtende um zwei Uhr nachts die Lachmuskeln weh.

 

Unser erster Einsatz war ebenfalls ein Verkehrsunfall. Auch hier hatte es bei einem Spurwechsel geknallt. Ein älteres Ehepaar war einer Dame mit Kindern im Auto aufgefahren. Die Zeugen, die dankenswerterweise den Notruf betätigt hatten, hatten insgesamt die Unfallfolgen leicht überschätzt, denn nach und nach trudelten einige Blaulichtfahrzeuge der verschiedensten Fakultäten ein.

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Bei einigen Zeuginnen stieg kurzfristig das Aggressionsniveau, als eine weitere Zeugin ihren Eindruck des Unfallhergangs schilderte. Offensichtlich gab es hier Unterschiede in der Wahrnehmung. Allerdings brachten meine beiden Streifenpartner freundlich, aber bestimmt, Ruhe in die Sachlage. Interessanterweise waren die eigentlich Betroffenen viel ruhiger. Nach einer ersten emotionalen Aufwallung noch vor unserem Eintreffen überwog doch das gegenseitige Verständnis für den Schreck, den die Menschen im jeweils anderen Auto erfahren hatten. So geht’s halt auch.

Da hier schmerzende Rücken und Halswirbelsäulen zu beklagen waren, wurde wieder die Verkehrspolizei hinzugezogen.

Für mich erstaunlich übrigens – plötzlich zog ein Herr meinen Blick auf sich, weil er mit einer sehr guten, lichtstarken und auffälligen Kamera auf den Plan trat.

„Presse“, flüsterte mir einer meiner beiden Herren zu.

Spannend, wie schnell sich solche Vorfälle rumsprechen.

 

Nur wenige Kilometer von diesem Einsatzort entfernt, auf der gleichen Straße, wurde der Polizeinotruf erneut gewählt. Eine hilflose Person sollte sich auf einer Bank an einer Bushaltestelle befinden. Da Max und Kevin just die Informationen über die aufgenommenen Personalien an die Verkehrspolizei weitergereicht hatten, bekamen wir den Einsatz. Tatsächlich fanden wir recht schnell unseren Einsatzort. Es handelte sich um die vorletzte Haltestelle einer Buslinie.

Schon aus dem Auto heraus gab es klare Anzeichen dafür, dass hier starker Alkoholkonsum die Ursache sein könnte. Der Mann lag nämlich quer über drei Schalensitzen. Bequem kann das nicht gewesen sein. Offenbar war da das Schmerzempfinden weitestgehend ertränkt worden.

Max und Kevin versuchten, den Mann darauf aufmerksam zu machen, dass vor ihm ein Polizeiauto stand – keine Chance.

Wir stiegen aus.

Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)
Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)

Die These des gesteigerten Konsums harter alkoholischer Getränke erhärtete sich – sie setzte sich sozusagen in unseren Nasenlöchern fest. Es war ein warmer Tag mit um die 25 Grad. Die Sonne schien erbarmungslos in diese Haltestelle, die Glaswände hielten jeden Wind ab. Die Wirkung des Alkohols dürfte das noch gesteigert haben.

Neben dem Mann lagen zwei Tüten.

Während Kevin überprüfte, ob der Mann überhaupt noch Puls hatte, durchsuchte Max die Tüten. In einer befanden sich diverse Flaschen eines preiswerten, aber harten, Schnapses. In der anderen befand sich – Gefriergut. Dieses war natürlich durch das lange Stehen in der Sonne komplett aufgetaut und nach meinem persönlichen Dafürhalten nicht mehr genießbar. Wegnehmen durfte es ihm die Polizei aber nicht.

Kevin rüttelte den Mann wach.

Es lag auf der Hand, dass er wirklich heillos betrunken war. Zudem sprach er nicht sehr gut deutsch, so dass die Konversation sich schwierig gestaltete. Zuerst wollten meine beiden Herren wissen, mit wem sie eigentlich zu tun hatten.

„Wie ist Ihr Name?“

Keine Antwort, leerer Blick.

„Haben Sie einen Ausweis dabei?“

Noch leererer Blick.

„Passport?“

Wildes Kopfschütteln.

„Ich arbeite bei…“

Er nannte uns den Namen seines Arbeitgebers. Ein Arbeitgeber, der mit Tiefkühlprodukten zu tun hatte. Ich konnte die Absurdität der Situation durchaus im Stillen für mich würdigen.
Endlich verstand er aber, dass er seinen Namen sagen sollte.
Er gab uns die Information seines Vornamens.
Kevin hielt ihm sein Notizbuch und einen Stift hin und bedeutete ihm, er solle es aufschreiben. Das tat er auch. Was Alkohol aus einer Schrift machen kann…

Schließlich entlockten sie ihm auch noch seine Adresse und sein Geburtsdatum. Da uns 96 als Geburtsjahr etwas unwahrscheinlich erschien (der Mann war alterstechnisch deutlich näher an mir als an den beiden Polizisten, mit denen ich unterwegs war), handelte es sich hier offensichtlich um einen Zahlendreher.
Hoffentlich der einzige…

Mit diesen spärlichen Angaben konnte Kevin tatsächlich herausfinden, wer er war und wo er wohnte. Er wohnte genau am anderen Ende der Buslinie. Offensichtlich hatte er das kurz vor der Endhaltestelle bemerkt und war ausgestiegen. Allerdings hatte er dann vergessen, die Straßenseite zu wechseln und war alkoholbedingt an der Ausstiegshaltestelle eingeschlafen.

Max und Kevin erklärten ihm sehr geduldig und mehrfach, dass er auf die andere Straßenseite müsse, um seinen Bus nach Hause zu nehmen. Er stand auf und konnte sogar gerade gehen. Ein Alkotest ergab eine gar nicht mal so hohe Alkoholisierung. Deswegen war eigentlich nur noch eine Frage offen:

„Haben Sie eine Fahrkarte?“

Schließlich sollte es nicht passieren, dass er schwarz fuhr – und das noch sozusagen auf Anweisung der Polizei.

„Na klar.“

Er griff sich… in die Unterhose… und holte da eine Brieftasche hervor, die er Kevin in die Hand drückte.

Ich muss zugeben, dass es mir in diesem Moment sehr schwer fiel, meine Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten; sie wollten mit aller Macht entgleisen.

Was war ich dankbar, dass ich das nicht entgegennehmen musste. Ich nehme an, Kevin war heilfroh, dass er noch Handschuhe trug. In dieser Brieftasche fand sich nicht nur eine gültige Fahrkarte, sondern auch ein Ausweis…

Kommunikation mit Alkoholisierten ist nur bedingt effektiv…

Wieder im Streifenwagen – unseren Gesprächspartner mitsamt seinen Tüten und seiner Fahrkarte im richtigen Bus nach Hause wissend – mussten wir erst einmal kräftig lachen. Keinem von uns war der Widerspruch zwischen seinem Arbeitgeber und seinem Umgang mit Tiefkühlkost entgangen.

 

Als nächstes versuchten wir eine Gewaltschutzverfügung an den Bewohner eines Flüchtlingsheims zuzustellen. In diesem Fall handelte es sich um einen Mann, der sich seiner Noch-Ehefrau nicht mehr nähern durfte.

Übrigens gab es in Fürth wohl in diesen Flüchtlingsheimen bislang nicht ein einziges Mal Ausschreitungen gegen die Polizei. Das heißt nicht, dass es solche nirgends gibt. Es heißt aber auch, dass diese Verallgemeinerei hier genau so wenig weiterhilft wie überall… Bei einer Million Menschen liegt auf der Hand, dass nicht nur Gute darunter sind. Aber ebenso sind nicht nur Schlechte darunter. Menschen eben…

Nun hilft es sicher, dass in Fürth in erster Linie Familien untergebracht sind. Dennoch sind diese Verallgemeinerungen vollkommen sinnlos, egal, wen sie betreffen.

Diese Zustellung mussten wir abbrechen, da wir einen Einsatz reinbekamen. Ein räuberischer Diebstahl hatte stattgefunden. Ein Handy war geraubt worden. Der Täter – ein Jugendlicher von 14 Jahren mit einem orangen T-Shirt. Er war einer Zivilstreife, die ihn angehalten hatte, davongefahren. Wir halfen bei der Fahndung. Letztlich trafen wir ihn bei sich zuhause an. Ebenso fand sich das Handy in seinem Besitz.

„Das hat mir der X zur Aufbewahrung gegeben und dann nicht mehr wiederhaben wollen.“

Ein Jugendlicher, der sich freiwillig über einen längeren Zeitraum und über eine größere räumliche Entfernung von seinem Smartphone trennt?

Das erschien mir persönlich höchst unwahrscheinlich.

Da es mittlerweile auch Zeugenaussagen gab, die die Version des Raubopfers belegten, nahmen wir ihn mit auf die Wache. Sein Vater weigerte sich, ihn zu begleiten. Für seinen Geschmack hatte sein Sohn einmal zu oft mit der Polizei zu tun gehabt. Seine Mutter hingegen bestand darauf, bei der anstehenden Vernehmung dabei zu sein.

Bei der Vernehmung durfte ich zeitweise zugegen sein. Ich war beindruckt. Zum einen, wie angebrüht ein 14-Jähriger schon lügen kann. Zum anderen aber war ich sehr positiv beeindruckt von der Vernehmung durch den Jugendsachbearbeiter, der sich keine Sekunde auf der Nase herumtanzen ließ, aber sachlich und freundlich blieb und letztlich die Wahrheit aus dem Jungen herausholte.

 

Da es in Fürth deutlich ruhiger wurde, nahmen sich der Dienstgruppenleiter und einige seiner Leute die Zeit, mich im Wachraum ein wenig auszufragen. Zuerst über den Verein und anschließend, ob ich ebenfalls ein Abendessen wollte und wenn ja, welches. Ja, ich wollte. Einer der Herren unterhielt sich eine Weile mit mir über seine Zeit bei der Bereitschaftspolizei.

Beim gemeinsamen Essen erfuhr ich dann, dass einige der Damen und Herren mit mir am Tisch schon einmal eine Genesungskarte von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erhalten hatten. Eine Information, die ich immer mit gemischten Gefühlen aufnehme. Natürlich freut es mich nicht, wenn Menschen von uns eine Karte bekommen müssen. Schließlich heißt der Verein KEINE Gewalt gegen Polizisten e.V. und nicht MÖGLICHST VIEL Gewalt gegen Polizisten e.V. Andererseits freut es mich immer, dass diese Karten offenbar exakt den Rückhalt ausstrahlen, der auch von uns beabsichtigt ist. Ich habe noch nie die Rückmeldung bekommen, dass das Wissen um Bürger, denen es nicht egal ist, wie mit ihren Polizeibeamtinnen und -beamten umgegangen wird und die ihre Arbeit zu schätzen wissen, nicht gut täte.

Nach dem Essen vertrat Max für eine Weile den Wachhabenden. Da die Nacht für meine Verhältnisse (ich hatte gerade mehrere Wochen in einem Hochalpental mit richtig kalten Nächten hinter mir) sehr warm war, leistete ich ihm eine Weile Gesellschaft, denn dort war es angenehm kühl. Und natürlich waren die Gespräche interessant, die wir führten.

 

Plötzlich wurden wir unterbrochen von einer Frau, die in Tränen aufgelöst ihre 13-jährige Tochter vermisst melden wollte. Es war mittlerweile nach Mitternacht, die Tochter war deutlich überfällig und ging auch nicht an ihr Handy. Max begann schon, das Notwendigste einzuleiten, als plötzlich das Smartphone der Frau klingelte. Die Tochter. Da stand ein Donnerwetter an und ein nicht sonderlich harmonischer Familienabend, aber es war kein Fall für die Polizei. Alle waren erleichtert. Nicht wegen der eingesparten Arbeit, sondern weil Teenager in elterlicher Obhut im Regelfall besser unter sind als irgendwo draußen in der Nacht.

 

Schließlich fuhren wir wieder raus. Zuerst ging es in ein Flüchtlingsheim, um endlich die Gewaltschutzverfügung auszuhändigen. Es ging auf ein Uhr morgens zu, also nicht die klassische Uhrzeit, zu der man Post überbringt. Zuerst war ich auch ein wenig verwundert. Als wir dann vor Ort ankamen, wurde mir einiges klar.

Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)
Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)

So gut wie niemand schlief in diesem Haus. Viele Menschen hielten sich draußen auf. Wir wurden freundlich empfangen, neugierig beäugt. Wir fragten uns zur Zimmernummer des Empfängers des Briefes durch. Dort klopften wir ein Ehepaar im besten Alter aus dem Schlaf. Sie wiesen sich aus. Nicht der gesuchte Mann. Sie beschrieben uns aber mit Händen und Füßen den Weg in einen anderen Gang. Und siehe, auch dort fanden wir die besagte Zimmernummer. Dort klopften wir eine Alleinerziehende aus dem Schlaf. Die Dame konnte auch nicht der Gesuchte sein. Schließlich brachte uns ein Mann zu einem weiteren Zimmer mit der besagten Nummer…

Langer Rede, kurzer Sinn. Die Struktur des Flüchtlingsheims erschloss sich mir nicht wirklich und übersichtlich ist auch anders. Auch dort fanden wir unseren Briefempfänger nicht. Schließlich erbarmte sich eine Frau, die mit ihrem behinderten Sohn in den Gängen spazieren ging, unser, und führte uns zum vierten Zimmer mit dieser Nummer. Dieses war dann das Richtige. Hurra!

Der Herr beteuerte seine Unschuld. Der Punkt ist allerdings, dass es nicht Aufgabe der Polizei ist, über Schuld und Unschuld zu befinden. Hier war ein Schreiben eines Gerichts/einer Staatsanwaltschaft zuzustellen und der Empfang musste quittiert werden. Nachdem ihm meine beiden Streifenpartner die Sorge nehmen konnten, mit seiner Unterschrift unter der Empfangsquittung eine Schuldanerkenntnis zu unterschreiben, leistete er diese auch.

Damit war dieser Einsatz beendet. Mir seien noch ein paar persönliche Worte zu dieser Unterkunft gestattet. Wer solch eine Unterkunft von innen gesehen hat und dann noch ernstlich die Behauptung aufrecht erhalten möchte, die da lautet „Die kriegen alles, und wir nichts.“, der muss dringend mal zum Augenarzt. Das sind Verhältnisse, in denen kein Mensch langfristig leben kann und möchte. Und ja, ich habe schon Wohnungen von Menschen gesehen, die Hartz IV beziehen. Das ist auch sehr weit entfernt von Luxus, aber immer noch besser als das, was ich dort gesehen habe. Die Ärmsten der Armen gegeneinander auszuspielen ist einfach nur sinn- und geschmacklos.

 

Im Anschluss an diesen Einsatz bestreiften wir das nächtliche Fürth. Unter anderem auch einen der Drogenumschlagplätze, an dem ich morgens schon mit Daniel und Myriam gewesen war. Ebenso erfolgreich. Offenbar wirkt meine bloße Anwesenheit abschreckend auf entsprechende Personen. wp-monalisa icon

 

Plötzlich winkten uns drei Jugendliche. Sie waren auf einer Party an der Pegnitz gewesen. Dort war auch Alkohol geflossen. Zwei von ihnen waren volljährig. Netterweise hatten sie einen 17-Jährigen, den seine Freunde allein gelassen hatten, unter ihre Fittiche genommen, obwohl sie ihn kaum kannten. Der Junge war stramm betrunken gewesen und sie hatten sich erboten, ihn nach Hause zu bringen. Zu ihrem Entsetzen war er mitten auf dem Weg durch Fürth zusammengebrochen, nachdem er zuerst hinter einem Baum seine Notdurft verrichtet und sich auch an Beinen und Hose eingekotet und mit Erbrochenem übersäht hatte. Die Erleichterung war groß, als zufällig Freund und Helfer in Gestalt meiner beiden jungen Herren auf den Plan trat.

Sofort steigen die beiden aus. Max überprüfte den Puls des Jungen und suchte nach einem Ausweis. Da die anderen drei gut auf ihn aufgepasst hatten, hatte er noch all seine Habseligkeiten bei sich. Also standen seine Personalien recht schnell fest. Noch schneller stand fest, dass er dringend einen Rettungswagen brauchte, den Kevin auch schon einbestellt hatte.

Nun begann das Warten. Der Junge stöhnte mehrfach laut, was aber beruhigender war als Stille. Gefühlt dauerte es eine Ewigkeit, bis der Rettungswagen eintraf, in Wirklichkeit ging es recht schnell. Die lockere Art meiner Beiden half den Jugendlichen gut über diese Wartezeit hinweg.

Der RTW der Feuerwehr war aus dem benachbarten Nürnberg gekommen, weil die Fürther Rettungswagen offensichtlich samt und sonders im Einsatz waren. Nun ja, es war eine Vollmondnacht! Da kann es auch in einer Nacht mitten in der Woche mal eng werden…

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Die Sanitäter bestätigte die Annahme von Max und Kevin, dass neben Alkohol noch weitere Drogen im Spiel gewesen sein müssen. Die Ausfallerscheinungen waren für Alkohol einfach zu untypisch.

Immerhin würde der Junge das Abenteuer überleben.

Max und Kevin blieb nun der wenig angenehme Part, den Eltern des Jungen die Nachricht zu überbringen, dass ihr Sohn vollgepumpt mit mindestens zwei Drogen in einem Krankenhaus lag und in welchem.

 

Auf dem Weg zur Wohnadresse passierten wir noch einige Partyheimkehrer. Einer von ihnen pinkelte gerade hingebungsvoll gegen ein geparktes Auto. Das konnte natürlich so nicht stehen gelassen werden, also stoppte Max den Wagen. Personenkontrolle!

„Geht das ein bisschen schneller? Wir müssen unseren Bus nach Hause kriegen.“

Irgendwie kann ich mich an diese neuen Töne, die unserer Polizei entgegenschlagen, einfach nicht gewöhnen, egal, in welcher sprachlichen Klangfarbe sie vorgetragen werden. Hört sich für mich in fränkisch kein Stück besser an als in pfälzisch, rheinisch, mainzerisch oder mit norddeutscher Einfärbung.

„Darüber hätten Sie nachdenken sollen, bevor Sie an das Auto uriniert haben.“

Richtige Antwort! Leider ziemlich erfolglos. Wenn uns der junge Wildbiesler nicht so ausführlich und weitestgehend inhaltlich falsch über seine vermeintlichen Rechte und die angeblich nichtvorhandenen Rechte der Polizei „aufgeklärt“ hätte, wäre das mit dem Bus vermutlich auch anders ausgegangen. So dauerte die Personenkontrolle in erster Linie wegen seines Wortschwalles so lange. Alkohol und logisches Denkvermögen schließen einander nachweislich aus.

 

Nun ließ es sich aber nicht länger aufschieben. Die Eltern des 17-jährigen Drogenopfers mussten aufgesucht und informiert werden. Wir parkten vor einem Haus ein, das von außen sehr gepflegt wirkte.

Ich erinnerte mich an den Gesichtsausdruck meiner Mutter, als ich mit 16 von der Polizei nach Hause gebracht worden war, nachdem ich Karneval den letzten Zug verpasst hatte. Darin war schon der pure Schrecken geschrieben gewesen, obwohl ich ja heil und gesund vor ihr stand.

Wenn nun die Polizei weit nach Mitternacht klingelt, während der Sohnemann weder daheim noch in Begleitung der Polizisten ist – wer glaubt schon daran, dass da eine gute Nachricht überbracht wird?

Entsprechend fiel die Reaktion der Eltern aus. In diesem Fall war der Vater schockierter als die Mutter. Es stellte sich nämlich heraus, dass er selbst als Rettungssanitäter arbeitet und seinen Kindern immer von den Drogenopfern erzählt hatte, die er über die Jahre ins Krankenhaus transportiert hatte. In der Hoffnung, damit eine abschreckende Wirkung zu erzielen.

Das hatte wohl leider nicht funktioniert. Er tat mir wirklich leid.

 

Nachdem wir die Eltern verlassen hatten, fuhren wir wieder in Fürth Streife. Dabei sahen wir unsere jugendliche Truppe um den Autourinierer wieder. Offenbar hatten sie tatsächlich ihren Bus verpasst. Na ja, einfach in Zukunft eine Toilette aufsuchen und schon erspart man sich eine Personenkontrolle…

Symbolfoto
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Last but not least kontrollierten Max und Kevin noch einen Radfahrer, der uns um kurz vor drei begegnete. Ein altmodisches Damenrad, das von einem jungen Mann gefahren wurde, kam ihnen eigenartig vor. Er war allerdings nur auf dem Weg zur Arbeit, es handelte sich um das Fahrrad seiner Mutter.

 

Da ich nun schon 14 Stunden im „Einsatz“ war und auch recht müde wurde, machte ich dieses Mal eine Ausnahme von meiner Regel, eine Schicht bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Das sollte ich noch bereuen.

Ich gab meine Schussweste ab. Dieses Mal übrigens wieder ein Modell „Unterziehweste“, deswegen gibt es davon keine Fotos. Steht mir nach wie vor nicht.

Ich bedankte mich bei den Damen und Herren der Dienstgruppe, die gerade in der Dienststelle waren, für die nette Aufnahme. Das wiederhole ich an dieser Stelle gerne noch einmal. Danke! Danke an den Dienststellenleiter. Und danke an Daniel, Myriam, Kevin und Max. Ihr seid alle klasse!

 

Max und Kevin bestreiften die Gegend, in der mein Hotel lag und ließen mich bei der Gelegenheit aus dem Streifenwagen. Noch während ich mich verabschiedete, kam die Rezeptionistin vor die Tür.

„Ist etwas passiert?“

stickered_20160818_025140_klein_schriftNein, zum Glück nicht. Ich hatte nur wieder eine sehr spannende und individuelle Schicht hinter mich gebracht.

Just in diesem Moment bekamen die beiden einen neuen Einsatz herein. Eine Dame hatte den Notruf gewählt. In ihrem Swimming-Pool hielten sich zwei ihr unbekannte Männer auf. Nackt.

Och, Mensch.

Und ich hatte keine Schussweste mehr.

Also blieb mir nur, Kevin und Max bedauernd hinterher zu winken und mich zu ärgern.

Nächstes Mal bleibe ich wieder, bis der Dienstgruppenleiter das Schichtende ausruft. Sowas verpasse ich nicht noch einmal.

 

Allgemein Polizistenstimmen

Fast wie daheim – und doch anders / Wasserstandsmeldung aus meiner zweiten Heimat

Heute vor fünf Tagen: Ich sitze in einem meiner Lieblingscafés an der Place de la République. Eigentlich ist alles wie immer. Alle paar Minuten fliegt ein Polizeiauto, zwischendurch auch mal in zivil, mit Blaulicht und Martinshorn an mir vorbei. Je nach Verkehrslage versuchen sie auch nur, zu fliegen, kommen aber lediglich im Schneckentempo voran.

Einmal sehe ich, wie drei Wagen von Pariser Bürgern über eine rote Ampel fahren, um das Einsatzfahrzeug durchzulassen. Manchmal klappt’s. Sogar in der Stadt des nahezu unendlichen Verkehrschaos.

Manchmal klappt es auch nicht, so wie hier. Leider sieht man auf dem Bild nicht, warum sie nicht auf der Gegenspur überholen konnten. Jedenfalls ging es nicht und nach vorne rührte sich nichts.

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Symbolfoto

Ähnliches spielte sich vor meinen Augen am Arc de Triomphe ab, wo ich dann kurz darauf zwei Polizisten in einem Streifenwagen einen aus deutscher Sicht recht gewagten Spurwechsel über acht Spuren vornehmen sah, beide über das ganze Gesicht grinsend. Vermutlich ein gewisses Amüsement über überforderte Touristen, die sich leichtsinnigerweise in diesen Kreisverkehr gewagt haben. Gewagte Spurwechsel kann man öfter und auch an anderen Stellen beobachten. Wer braucht auch Spuren?

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Symbolfoto

Alles wie immer?

Nicht wirklich.

In der Pariser Polizei, in der französischen Polizei insgesamt, rumort es gewaltig.

Auch wenn es vordergründig nicht erkennbar ist – die Pariser Polizei befindet sich im Bummelstreik. Dienst nach Vorschrift. Sie machen, was sie sollen. Mehr aber auch nicht.

Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, dass an neuralgischen Punkten wie rund um den Eiffelturm keine merkbare Polizeipräsenz vorhanden war. Ja, der Ausnahmezustand wurde heruntergefahren, weil er schlicht auch nicht mehr durchhaltbar war. Aber dennoch gibt es nach wie vor die Bedrohung durch Terror. Die gab es auch schon 2013, lange vor dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Seitdem waren gerade dort immer reihenweise Mannschaftswagen von CRS und Polizei zu finden.

Wie auch immer, mir ist nicht bekannt, dass irgendein Notfall nicht abgearbeitet wurde, insofern hat der Dienst nach Vorschrift (noch) keine allzu negativen Folgen. Ich vermute, dass Verkehrsdelikte einfach gepflegt übersehen werden.

Der Anlass für den Bummelstreik ist die steigende Gewalt gegen Polizisten in Zeiten nahezu unerträglicher Arbeitsbedingungen.

„Nun gut“, werden mir jetzt sicherlich einige entgegenhalten. „Die französische Polizei ist aber auch nicht gerade für Zimperlichkeit bekannt.“ Soll heißen, dass sie schneller und härter zuschlägt als unsere…

Lustigerweise glauben Franzosen genau dasselbe von der deutschen Polizei. Interessant, oder?

Ja, es gibt sie, die französischen Polizisten, die überziehen. Gegen diese wird sofort ein Verfahren der IGPN (Inspection générale de la Police Nationale, Interne Ermittlungsabteilung) eröffnet und natürlich auch ein Strafverfahren. Beispielhaft kann man das nachlesen im Fall des Professors der Sorbonne, der Polizisten beschuldigt, am 22.9.2016 von ihnen bedroht, auf sexueller Basis beleidigt und gewalttätig behandelt worden zu sein. Er hatte zuvor die Festnahme einer Frau am Bahnhof seiner Heimatstadt Saint-Denis (Vorort von Paris) gefilmt. Ebenso läuft ein Verfahren, nachdem ein Student in Rennes im Rahmen einer Demonstration durch ein Gummigeschoss sein Auge verlor. In diesem Fall haben die Eltern des Studenten bei der IGPN Anzeige erstattet. Ende Mai wurde ein Polizist zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem er in Caen einen Demonstranten geschlagen hatte.

Es kursiert hierzulande sogar das Gerücht, dass französische Polizisten sich nach Schusswaffengebräuchen auf Menschen keinem juristischen Verfahren stellen müssten. Das ist nachweislich falsch, wie man nicht nur an diesem Beispiel erkennen kann: In Lille kam es durch zwei Sondereinheiten zu einem Einsatz im Drogenmilieu, bei dem ein Mann durch eine Polizeikugel starb. Im letzten Absatz des hier verlinkten Artikels wird die Einleitung des Verfahrens erwähnt.

Ja, es gibt auch interkulturelle Unterschiede. Zumindest vor 20 Jahren gingen sie bei rot über die Ampel. Macht in Frankreich aber jeder. Die Regel lautet, dass man dann über die Ampel geht, wenn gerade kein Auto kommt. Die Tatsache, dass man als Fußgänger grün hat, bedeutet nämlich nicht zwingend, dass man gefahrlos über die Straße gehen kann. Wer das nicht glaubt, kann ja mal zur Stoßzeit die Champs Elysées in ihrer ganzen Länge vom Arc de Triomphe bis hinunter zur Place Concorde gehen und dabei die vielen kleinen Querstraßen überwinden. Viel Spaß dabei!

Gelegentlich parken sie auch sehr… äh… im Pariser Stil, aber manchmal hat man in Paris auch keine Wahl. Nicht mal vor seiner eigenen Dienststelle.

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Symbolfoto

Nichtsdestotrotz kann für mich kein Zweifel daran bestehen, dass die französische Polizei genau so demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist, wie unsere. Und deshalb gehört der Polizei meiner zweiten Heimat mein Herz nicht minder als der deutschen. Ich würde beiden Polizeien bedenkenlos mein Leben anvertrauen.

Nun ist der Trend ähnlich wie bei uns. Wegen der Terroranschläge der letzten Monate schätze ich die Überstundenlage in Frankreich als noch angespannter ein. Auf die maximale Terrorwarnstufe wurde dann noch die EM draufgepackt. In der ersten Jahreshälfte ging es ununterbrochen rund wegen einer Arbeitsmarktreform, die auf breiten Widerstand in der Bevölkerung stieß und fast täglich Massendemonstrationen auslöste. Seit einigen Tagen sind auch wieder die Ultrakonservativen gegen die Homo-Ehe auf der Straße. Bis jetzt haben sie aber noch nicht ihr Niveau von 2013 erreicht, als sie ganze Straßenzüge gekonnt in Schutt und Asche legten. Viel gekonnter entglasen die Linksaußen auch keine Schaufenster und Bushaltestellen. Ich weiß schon, warum ich keine politische Richtung für besser halte als die andere.

Viele Polizisten kamen über Monate nicht aus den Uniformstiefeln. Nicht erst seit der Terrorbedrohung ist die Polizei mit deutlich zu wenig Personal ausgestattet. Sie arbeiten mit teilweise unsäglichem Material, ich habe da schon Mannschaftswagen gesehen, in denen die Sitzbezüge in Fetzen herunterhingen. Dieser Mannschaftswagen ist noch einer der schöneren:

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Symbolfoto

Obwohl man in der Bevölkerung sehr viele positive Stimmen zur Polizei hört, fühlen sie sich ungeliebt und gehasst, weil auch Frankreichs Lobkultur miserabel ist. In meinem Bekanntenkreis dort höre ich fast nur Lob über die französische Polizei, aber meine Versuche, klarzumachen, dass ich der falsche Adressat für diese Äußerungen bin, schlagen regelmäßig fehl.

Schon letzten Februar hat mir ein Polizist der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité, kasernierte Bereitschaftspolizei), der eigentlich aus Toulouse stammte und dort arbeitete, erzählt, dass er nun seit sechs Monaten in Paris stationiert sei und eigentlich nur noch nach Hause zu seiner Familie wolle. Aber das Schlimmste sei, dass er nur noch beleidigt und beschimpft werde. Als er hörte, dass ich einen Verein gegründet habe, der sich hinter deutsche Polizisten stellt, wollte er schon einen Versetzungsantrag nach Deutschland schreiben. Da Deutschland bei Franzosen, insbesondere bei Südfranzosen, im Allgemeinen als Urlaubsziel nicht die alleroberste Priorität hat, illustriert diese Aussage seine Gefühlslage recht eindrucksvoll.

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Symbolfoto

Seit Monaten werden Frankreichs Polizisten mit unfassbaren Gewaltakten überzogen. Bis jetzt wurden in 2016 wurden im Schnitt monatlich 500 Polizisten verletzt, das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 14%. Insgesamt hat die Police Nationale 150.000 Mitarbeiter, die natürlich nicht alle auf der Straße arbeiten. Ich habe keinen direkten Vergleich, weil mir die Zahlen der verletzten Polizeibeamten bundesweit für diesen Zeitraum nicht vorliegen. Im Prinzip ist es auch wurscht, wo jetzt genau es schlimmer ist. Ich kann in beiden Fällen nachvollziehen, dass für die Betroffenen eine Grenze erreicht ist, und  dass auch die Polizisten in Paris „ras le bol“ haben, also die Schnauze voll. Gestrichen voll.

Ende April 2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 78 Polizisten verletzt.

03.05.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Nantes werden 7 Polizisten verletzt.

18.05.2016: Frankreichweit demonstrierten Polizisten gegen den Hass, der ihnen entgegenschlägt. In Paris wurden durch Gegendemonstranten zwei von ihnen verletzt.

02.07.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Toulouse werden 8 Polizisten verletzt.

14.07.2016: Unter dem Eindruck des Anschlags von Nizza unbemerkt geblieben ist ein Polizist, der in Villiers-le-Bel bei Paris bei einem Einsatz wegen Ausschreitungen und brennenden Autos verletzt wurde.

15.09.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 15 Polizisten und Gendarmen verletzt.

Das sind nur wenige Beispiele, was sich in Frankreich in den letzten Monaten abgespielt hat, ausgewählt nach dem Zufallsprinzip bzw. danach, was Google so auswirft, wenn man entsprechende Suchworte eingibt.

 

Seinen Höhepunkt fand diese Welle der Gewalt am 8. Oktober. In Viry-Châtillon nicht weit von Paris befanden sich zwei Streifenwagen bei der Verkehrsüberwachung an einer Kreuzung. Plötzlich tauchten etwa 15 Leute auf, schlugen die Scheiben der Polizeifahrzeuge ein und warfen Molotow-Cocktails hinein. Sie versuchten, die darin befindlichen Polizisten mit Faustschlägen vom Aussteigen abzuhalten.

Vincent, 28 Jahre alt, adjoint de sécurité (einer der Hilfspolizisten, die im Nachgang zu den Terroranschlägen vom 13. November innerhalb von drei Monaten ausgebildet und eingestellt wurden), erlitt Verbrennungen auf 25% seiner Haut, insbesondere an Gesicht und Händen. Seine Streifenpartnerin Jenny, 38 Jahre alt, brigadiére (in etwa Polizeiobermeisterin), erlitt zu 15% Verbrennungen in Gesicht und Händen. Die beiden Polizeibeamten in dem anderen Auto kamen mit leichten Verletzungen und Schock davon.

Vincent lag bis gestern im künstlichen Koma, er befindet sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung. Im Moment wird davon ausgegangen, dass er in etwa einem Jahr erst wieder dienstfähig sein wird. Jenny konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sie aus dem brennenden Auto herauskam. Beide wurden im Hôpital Saint Louis in Paris behandelt, Vincent befindet sich weiterhin dort.

 

An diesem Punkt war für die Pariser Polizisten Schluss mit lustig. Seit Montag (16.10.) gehen sie nun jede Nacht auf die Straße. Unangemeldet. Sie überraschten damit sogar die Polizeigewerkschaften. Es begann auf den Champs-Elysées. Etwa 500 Polizisten versammelten sich dort, teilweise in Uniform und mit ihren Dienstwagen, um den Verkehr zu stören.

Dienstagmorgen erklärte der Generaldirektor der Police Nationale, dass er entsprechende Verfahren bei der IGPN eingeleitet habe, da er das Verhalten seiner Leute „inakzeptabel“ findet.

In der folgenden Nacht von Dienstag auf Mittwoch versammelten sich wieder um die 500 Polizisten vor dem Krankenhaus, in dem Jenny und Vincent lagen, sangen dort die Marseillaise und zogen weiter zu den Champs-Elysées. Auch in Nizza und Marseille gingen Polizisten auf die Straße. In Evry bei Paris versammelten sich 400 Polizisten vor ihrem Kommissariat.

Mittwochmorgen schafften es diese Polizisten auf das Titelblatt des Figaro. Es kursierte das Gerücht, diese Demonstrationen seien vom Front National, der rechtsextremen Partei, angezettelt worden. Freitag gab das Innenministerium bekannt, dass es für diesen Vorwurf keinerlei Belege gäbe.

Deeskalierend wirkte dieses Gerücht nicht, denn jetzt wurden einige Polizisten noch saurer. Ja, auch in Frankreich versuchen sich Ultrarechte an die Polizei heranzuwanzen und auch in Frankreich fällt ihr süßes Gift bei dem einen oder anderen auf fruchtbaren Boden. Doch auch in Frankreich lässt sich die Mehrheit der Polizisten glücklicherweise nicht einwickeln. Um die Nase voll zu haben, braucht es den FN wahrlich nicht…

Der Innenminister Cazeneuve empfing am Nachmittag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften. Er sagt, dass er nicht in einen Teufelskreis aus Sanktionen eintreten möchte, aber doch an Prinzipien erinnern möchte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag versammelten sich etwa 300 Polizisten an der Place de la République. Anhänger der Antifa versuchten, diese Versammlung zu stören, wurden aber von einer Gendarmerie-Einheit des Platzes verwiesen. Von dort begaben sich die Polizisten wieder zum Hôpital Saint Louis und schließlich zu den Champs-Elysées. Als sie zum Innenministerium gehen wollten, wurden sie von besagter Gendarmerie-Einheit aufgehalten. Wieder fanden sich auch in Nizza und Marseille Polizisten zusammen. Polizisten in Toulon, Tours, Bordeaux, Le Mans, Toulouse, Nancy und Montbéliard taten es ihnen gleich. Einer von ihnen fasste die Situation so zusammen: „Man verspricht uns Autos mit Sicherheitsglas, während wir noch nicht mal Klopapier haben.“

In Paris fuhren Taxifahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Donnerstagmorgen waren diese Demonstrationen Thema auf den Titelseiten von Le Monde und Libération.

Donnerstagabend ging es weiter. In Paris 400 Polizeibeamte am Trocadéro, die sich dann zu den Champs-Elysées bewegten, in Marseille, Grenoble, Colmar (hier auch Feuerwehrleute), Lyon, Reims, Bordeaux, sogar im Überseedépartment Guyane versammeln sich Polizisten in der Hauptstadt Cayenne.

Wieder fuhren die Taixfahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Freitagmorgen waren sie nicht mehr Titelthema der Presse, was sich schlagartig änderte, nachdem der Staatspräsident zusagte, Montag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften zu empfangen.

Der Generaldirektor der Polizei, Jean-Marc Falcone, äußerte, dass er sich die Frage nach seinem Rücktritt nicht stelle, er habe nicht schlecht gearbeitet.

In der Nacht auf Samstag versammelten sich 200 bis 300 Polizisten vor Notre Dame, von wo aus sie zum Rathaus der Stadt Paris zogen. Wieder taten es ihnen Polizisten in anderen Städten gleich.

In der Nacht auf Sonntag (heute) versammelten sich Polizisten auf der Place de la République und zogen von dort zum Hôpital Saint Louis, wo sie riefen „Vincent! On est là!“ (Vincent, wir sind da!).

Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht und was bei der ganzen Sache herauskommen wird.

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Um hier nicht missverstanden zu werden – das hier ist kein Aufruf an deutsche Polizisten, es ihren französischen Kollegen gleichzutun. Zum einen kenne ich mich viel zu wenig im Beamtenrecht aus, um beurteilen zu können, ob das rechtlich überhaupt möglich wäre und wie die Risiken für den einzelnen Beamten dabei sind. Zum anderen denke ich nicht, dass das unser Job als Verein von Bürgern, die hinter ihren Polizeibeamten stehen, ist, darüber zu befinden, ob und wann Polizisten so etwas tun sollten. Das müssen sie schon selbst entscheiden, oder die Gewerkschaften.

Zudem lässt sich meiner Meinung nach die Situation in Frankreich aus vielen Gründen nicht 1:1 auf die hiesige übertragen.

Ich habe lediglich die Situation beschrieben, wie sie sich in Frankreich für mich in der vergangenen Woche darstellte.

Übertragbar ist, dass hoffentlich in beiden Ländern bald flächendeckend die Erkenntnis Oberhand gewinnt, dass die Gewalt gegen Polizisten selbst das Problem ist und nicht die Menschen, die über diese Gewalt sprechen. Denn was die Polizeien beider Länder gemeinsam haben – sie stehen unter massivem Druck und repräsentieren gleichzeitig die Werte ihres jeweiligen Staates. Ein Staat, der etwas auf seine Werte hält, sollte also auch jene, die diese repräsentieren, angemessen ausstatten und sich klar und deutlich hinter sie stellen.

Übertragbar ist aber auch, dass wir Bürger nicht immer nur mit dem Finger auf andere (den ominösen Staat, die Regierung, die Justiz, die Politik…. Liste beliebig erweiterbar) zu zeigen brauchen, sondern dass jeder von uns bei sich selbst anfangen kann.

Erst vorgestern sagte ein französischer Polizist zu mir „Merci. Merci du fond de mon coeur.“ (Aus meinem tiefsten Herzen Danke.) nachdem ich ihm von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erzählt hatte. Und das, obwohl er als Franzose gar nichts davon hat, weil wir nicht einmal genug Hände und Spenden haben, um die Sachlage in Deutschland zu wuppen. Ich antwortet ihm: „Merci à vous pour votre service.“ (Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz.) Seine beiden Kollegen und er strahlten im Kreis.

paris_polizist_klein_schriftSie wirken hart, die Pariser Polizisten. So hart, dass sogar ich als stramme halbfranzösische Polizistenfreundin mir selbst Mut machen muss, sie anzusprechen. Noch nicht einmal wurde ich jedoch unhöflich behandelt. Im Gegenteil, sobald sie verstehen, dass ich ihnen einfach nur mal danke sagen möchte, können sie eine Herzlichkeit an den Tag legen, die mich persönlich immer wieder von den Socken haut. Manche probieren sogar äußerst charmant akzentuiert ihr deutsch an mir aus. Was, wenn man weiß, wie die meisten Franzosen es im Regelfall mit Fremdsprachen halten, ein Zeichen äußerster Wertschätzung darstellt.

Das kann übrigens jeder von uns tun: Danke sagen. Dafür muss man nicht mal bis Paris fahren und französisch beherrschen.  Auch unsere bundesdeutschen Polizisten hören sehr gerne einen ernst gemeinten Dank. Ihre Reaktionen sind ebenfalls oft Herz erwärmend. Sagen wir es ihnen also so oft es irgend geht.  Am besten auch mal außerhalb der Sozialen Netzwerke. Ich jedenfalls habe für mich entschieden, weniger Zeit mit den Unerfreulichkeiten in den Sozialen Netzwerken zu verbringen und stattdessen noch häufiger Polizisten im realen Leben Danke zu sagen.

Danke! Danke für Euren täglichen Einsatz! Ich bin froh, dass es Euch gibt. Überall, wo ich zuhause bin.

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Allgemein Danke-Polizei-Tag Verein

Danke-Polizei-Tag 2016 – Bilanz

Dieses Jahr unterstützte uns freundlicherweise das Polizeipräsidium Rheinpfalz, und dort insbesondere die Pressestelle, bei der Ausrichtung des Danke-Polizei-Tages. An dieser Stelle ein herzliches Danke für die tolle Unterstützung!

Aus organisatorischen Gründen mussten wir dieses Jahr vom dritten Samstag im September, an dem der „Say-thank-you-to-a-police-officer-day“ stattfindet, auf den 8. Oktober ausweichen. Allerdings kann man aus unserer Sicht nicht oft genug der Polizei danke sagen, deswegen hat im schlimmsten Fall irgendeine Polizeidienststelle zwei Mal danke gesagt bekommen. Das haben die Damen und Herren da auch verdammt verdient.

Der offiziell sichtbare Teil des Danke-Polizei-Tages begann am 4. Oktober mit der Pressekonferenz. Zuerst stellte Polizeipräsident Thomas Ebling das Thema der Gewalt gegen Polizisten in seinem Präsidiumsbezirk vor. Anschließend berichtete der Polizeikommissar Christian Weingärnter der Polizeiinspektion Germersheim über einen Angriff, dem er ausgesetzt war und der mehrere Tage Dienstunfähigkeit zur Folge hatte. Ich war ein wenig aufgeregt, deswegen erinnere ich keine Einzelheiten, nur, dass es mir bei seinem Bericht kalt den Rücken runterlief.

(An dieser Stelle der Pressekonferenz ging es gerade um den Schusswaffengebrauch in Ludwigshafen, daher die ernsten Gesichter, Bildquelle: PP Rheinpfalz)
(An dieser Stelle der Pressekonferenz ging es gerade um den Schusswaffengebrauch in Ludwigshafen, daher die ernsten Gesichter, Bildquelle: PP Rheinpfalz)

Innenminister Lewentz beleuchtete die Situation in Rheinland-Pfalz, nachdem er sich netterweise bei dem jungen Polizisten nach seinem aktuellen Befinden erkundigt hatte.

Nach ihm stellte ich den Verein vor, seine Ziele, seine Aktivitäten. Ein besonderer Schwerpunkt galt dem Danke-Polizei-Tag.

Zum Abschluss führten Einsatztrainer eine Standardsituation vor, die eskalierte.

Zwei junge Männer ziehen pöbelnd durch die Stadt, eine Streife hält sie auf und will eine Personenkontrolle durchführen. Einer der beiden geht auf den Polizisten los, der andere beleidigt die Polizistin u.a. mit „Fotze“ (was noch zu den harmloseren Dingen gehört, die mir so zu Ohren kamen, wenn ich die Polizei begleiten durfte). Der Angreifer des Polizisten wird zu Boden gebracht, plötzlich versetzt ihm der Polizist einige gezielte Schläge, um ihn außer Gefecht zu setzen.

Oha? Warum das?

Erst im Nachgang wird klar, dass der Angreifer den Polizisten gebissen hat. Unmerklich. So unmerklich, dass man es auf dem Video, das ich davon gedreht habe, nicht erkennen kann, weil ich den falschen Winkel hatte.

Soweit zur Beweiskraft von Amateurvideos über Polizeigewalt, die durchs Netz vagabundieren. Auch eine Form von Gewalt gegen Polizisten, nach meinem Dafürhalten. Eine gute Auswahl des Szenarios.

 

Endlich war es dann soweit, der Samstag, 8.10.2016, unser Danke-Polizei-Tag, war angebrochen.

Um halb sieben trafen Nadine und ich uns und fuhren los Richtung Ludwigshafen, wo wir um neun Uhr in der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 erwartet wurden. Wer mich kennt und regelmäßig meine Artikel liest, weiß, dass diese Dienststelle einen besonderen Platz in meinem Herzen hat – neben meiner Heimatdienststelle.

Dort war es für Ludwigshafener Verhältnisse noch sehr ruhig, so dass wir (unter Unterbrechungen) in den Sozialraum geführt wurden, ein junger Polizist kochte uns einen Kaffee (also mir, Nadine bekam einen Tee). Wir bekamen eine Führung in der Führungsleitzentrale – also dahin, von wo „meine“ Streifen immer ihre Aufträge bekommen. Last but not least trafen wir auch den Kriminaldauerdienst. Das sind jene Menschen, die den Beritt des gesamten Polizeipräsidiums abdecken, sobald es um Verbrechen gegen den Menschen geht. Bei meiner Nachtschicht in Frankenthal waren zwei von ihnen in der Wohnung der verstorbenen Frau erschienen. Gekommen waren sie damals von einem Toten, der von einem Hochhaus gestürzt war. Ganz klar auch Polizisten, die ein Danke verdienen für ihren Einsatz. Insgesamt waren am 8. Oktober drei Beamte beim KDD im Dienst.

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Die Postkarten, die Nadine übergibt, sind Postkarten, die wir am Verkehrspräventionstag schon einmal eingesammelt hatten. Darauf haben sich schon mal einige Ludwigshafener Bürger bei ihrer Polizei bedankt und wir haben die Zustellung übernommen! Die Karten hängen jetzt an der Pinnwand im Sozialraum. Ich wünsche mir, dass noch einige Bürger nachgezogen haben.

Der Zeitplan war eng, und schwupps, schon waren wir auf dem Weg nach Neustadt an der Weinstraße.

Unfassbarerweise wurden etwa 30 Minuten, als wir aus der PI LU1 aus der Tür rauswaren, Beamte dieser Inspektion beleidigt. Was soll ich dazu noch sagen? Diese drei Leute hatten ganz klar keine Ahnung vom Danke-Polizei-Tag. Umso wichtiger, dass jene, die hinter unserer Polizei stehen, das auch gelegentlich zum Ausdruck bringen.

 

Drei Wormser im Alter von 27-29 Jahren beschäftigten die Beamten der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 am Samstag über einen längeren Zeitraum.

Zunächst fielen die beiden Männer und die 29-jährige Frau auf, nachdem sie gegen 10.30 Uhr in eine Körperverletzung am Rathausplatz verwickelt waren. Alle drei waren unkooperativ und alkoholisiert, den beiden Männern musste sogar die Ingewahrsamnahme erklärt werden. Nachdem die junge Frau einem Platzverweis nicht nachkam, durfte auch sie die Beamten zur Dienststelle begleiten. Hier beleidigte sie die Beamten mehrfach und spuckte ihnen vor die Füße. Bei einer Personendurchsuchung wurde bei ihr schließlich Heroin aufgefunden.

Nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen wurden die drei Personen gegen 11.45 Uhr auf freien Fuß entlassen.

Um 12.40 Uhr gingen die drei den Fahrer einer Straßenbahn am Berliner Platz an, indem sie ihn bedrohten, beleidigten und bespuckten. Erneut wurden alle drei Personen Gast der Polizeiinspektion. Nach Rücksprache mit dem Bereitschaftsrichter durften sie die Gastfreundschaft der Polizei bis 16.30 Uhr genießen.

(Pressemitteilung des PP Rheinpfalz vom 09.10.2016)

 

Zurück zum erfreulichen Teil. Auch in Neustadt wurden wir sehr freundlich empfangen.

Ab hier war bei jedem Termin mindesteins ein Pressevertreter dabei (Metropolnews, Rheinpfalz, SWR, Pfalzradio…) und ich bin begeistert. Die Herrschaften waren allesamt sehr freundlich. Bis jetzt bin ich auch sehr angetan von den Veröffentlichungen zu dem Thema. Danke!

Wie man auf diesem Bild gut erkennen kann, hat unser einfaches Danke für den täglichen Schutz auch den Neustädter Polizisten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

(Fotograf: Holger Knecht)
(Fotograf: Holger Knecht)

Von hier ging es weiter nach Landau und somit für mich in Gebiete, in denen ich noch nie gewesen war. Schöne Gegend übrigens, und das meine ich ernst. Ich denke, der Ecke werde ich mich privat noch einmal näher widmen.

Die Polizeiinspektion Landau ist in einem wunderschönen alten Gebäude untergebracht. Ich bin beeindruckt.

(Fotograf: Uwe Kühn)
(Fotograf: Uwe Kühn)

Hier kamen wir pünktlich zum Schichtwechsel an, sodass wir möglichst viele Polizeibeamte erreichen konnten. Uwe Kühn nahm sich unser an. Der Dienststellenleiter, Herr Berens, bat mich, kurz den Verein vorzustellen. Ich wurde gefragt, wie ich eigentlich dazu gekommen bin, mich überhaupt diesem Thema zu widmen. Beides Themen, zu denen ich mittlerweile in jeder beliebigen Länge referieren kann, wenn man mich nachts aus dem Schlaf rüttelt. Also kein Ding… ;-) Auch Nadine gab ihre Beweggründe zum Besten, sich im Verein zu engagieren. Zwei der anwesenden Polizeibeamten outeten sich als Empfänger jeweils einer Genesungspostkarte. Freut mich, dass diese Freude gemacht haben. Das ist das Ziel!

 

Und schon wieder ging es weiter nach Bad Bergzabern. Hier machte sich allmählich bemerkbar, dass der samstägliche Einsatzwahnsinn losging. Als wir ankamen, fuhr gerade ein Streifenwagen mit Blaulicht los. Da es sich um eine ländliche Dienststelle handelt, schwante mir schon, dass hier nicht so viele Gesprächspartner vor Ort sein würden wie bisher. Tatsächlich wurden für das Foto noch zwei Herren aus der Vorschicht gebeten, da diese Schicht komplett im Einsatz war und der Wachhabende schlecht Telefon und Funk im Stich lassen konnte.

(Fotograf: Uwe Kühn)
(Fotograf: Uwe Kühn)

Anschließend sprachen der letzte übrige Mohikaner, Herr Bollinger, Herr Kühn und wir bei einem Kaffee noch ein wenig miteinander, denn wir hatten einiges gemeinsam – wir alle sind Frankreichfans. Da traf es sich, dass wir gerade mal sieben Kilometer von Frankreich entfernt waren. Ein Glück für die bundesdeutsche Polizei, dass sie einen ganz ähnlichen Stellenwert auf meiner Prioritätenliste hat wie Frankreich. Es gab durchaus eine gewisse Versuchung, diese sieben Kilometer auch noch hinter mich zu bringen.

 

Nach einem kurzen Snack begaben wir uns zur Bundespolizeiabteilung Bad Bergzabern. Zwar fiel der angekündigte Termin dort aus, aber wir wollten wenigstens grüßen. Vielleicht hatte ja der eine oder andere im Einsatz einen Blick auf Twitter.

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(Fotograf: Uwe Kühn)

 

Nun zurück zum offiziellen Programm. Obwohl ich mich einmal tatsächlich verfuhr (falsch herum am Autobahnkreuz die Autobahn gewechselt) waren wir sogar einige Minuten zu früh in Grünstadt.

Mittlerweile war es fast 16:00 Uhr, d.h. auch hier war das Haus mehr oder weniger verwaist, da die einzige (!) Streife im Einsatz war. Der Wachhabende hatte kurz Zeit, sich über ein Danke zu freuen, was er auch tat. Netterweise war aber auch der stellvertretende Dienststellenleiter, Herr Merkel, vor Ort, der sich viel Zeit für uns nahm. Dabei erfuhren wir u.a., dass bereits eine weitere Bürgerin vor Ort gewesen war, und sich bedankt hatte.

Das Foto machte letztlich die freundliche Reporterin von der Rheinpfalz.

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Auch in Grünstadt hatte es vor einigen Monaten einen tödlichen Schusswaffengebrauch gegeben. Es war Herrn Merkel anzumerken, dass ihm das immer noch in den Knochen steckte. „Das hat damals die gesamte Dienststelle lahmgelegt.“

 

Von hier ging es weiter nach Frankenthal. Nachdem ich dort zwei Schichten mitfahren durfte, wollte ich mir diesen Besuch nicht nehmen lassen. Damit war die Polizeiinspektion Frankenthal ordentlich verwöhnt worden, denn eines unserer Mitglieder war morgens schon dagewesen (dazu später). Nichts anderes haben die Leute dort verdient.

Am frühen Samstagabend steppte dort allerdings der Bär, sodass wir in aller Eile ein Foto hinbekamen. Dennoch freuten sich die Damen und Herren über unser Danke. Das sieht man ja auch an den Patches. Ihr macht uns stolz!

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Hier endete nun der „offizielle“ Teil. Inoffiziell haben wir natürlich mit einem Vereinssitz im nördlichen Rheinland-Pfalz auch „im Norden“ noch einiges zu tun gehabt.

Eigentlich hatten wir noch spontan eine Dienststelle in Koblenz besuchen wollen, aber wir waren mittlerweile so müde, dass wir schon albern wurden und entschieden, das erstmal ausfallen zu lassen.

Wo wir allerdings anhielten, war in Andernach, wo wir mitten in eine schnelle Abendmahlzeit platzten, man sich netterweise aber trotzdem Zeit für uns nahm. Das liegt sowas von am Weg, das wäre schon unhöflich, daran vorbeizufahren. Auch da war die Einsatzlage eher hektisch (Samstagabend zwischen acht und neun Uhr), aber zumindest konnten wir unser Danke loswerden und trotz allem hatte ich den Eindruck, dass die Damen und Herren unseren anlasslosen Dank nicht schlecht fanden.

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Natürlich war es mir ein Anliegen, am Danke-Polizei-Tag selbst noch in meiner Heimatdienststelle meinen Dank überbringen zu können. Netterweise kam Nadine auch hier noch mit, obwohl wir mittlerweile fast zu keiner vernünftigen Aussage mehr fähig waren. Zu meiner Freude waren teilweise Polizisten dort im Dienst, die ich noch aus meiner Nachtschicht kannte.

Im Laufe des Tages war eine Dame dort gewesen, um sich für das sichere Leben in der Nachbarschaft der Polizeiinspektion zu bedanken. Das las mir der Wachhabende vor, allerdings ohne den Namen der Betreffenden zu nennen. Unsere Polizei weiß eben, was Datenschutz ist. Ich weiß trotzdem, wer es war (dazu später).

Ich gab den Brief einer lieben Bekannten ab, Michaela Knieps, in dem sie sich für den Einsatz der Polizei bedankt. Auch dieser Brief machte Freude, denn er kam ganz klar von außerhalb des Vereins. Ich sage ja immer – die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter unserer Polizei. Die Lobkultur ist nur hundsmiserabel hierzulande.

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Damit war der 8. Oktober für mich beendet.

 

Allerdings waren unsere Mitglieder sehr fleißig. Ich zähle die Aktivitäten unserer Mitglieder in alphabetischer Reihenfolge des Vornamens auf.

 

Unser Mitglied Claudia H-U aus Nordrhein-Westfalen besuchte das Polizeikommissariat Bückeburg, um sich für den Einsatz zu bedanken. Danke, Claudi!

 

Unser Mitglied Dani war dieses Mal in Hennigsdorf unterwegs. Danke Dani!

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Unsere Schatzmeisterin Erdmute Wittmann war die Dame, die sich für die Sicherheit in der Nachbarschaft der Polizei bedankt hatte. Danke dafür, Erdmute, so hatten nämlich zwei Schichten das Vergnügen.

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Unser Mitglied Ilija Matijevac hat die Polizeiinspektion Frankenthal morgens gegen zehn Uhr besucht. Er schrieb mir dazu: „Ich wurde sehr freundlich empfangen und bekam Kaffee und auch eine Führung durch die Polizeiwache.“

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Ich freue mich, dass auch in Frankenthal zwei Schichten das Glück hatten. Und übrigens – ich mag das Sweatshirt! wp-monalisa icon

 

Unser Mitglied Kerstin aus Dietenheim war am 8. Oktober und am 10. Oktober im Grenzbereich zwischen Baden-Württemberg und Bayern unterwegs. Ihre Erfahrungen fasst sie so zusammen:

„Als wir hinein kamen schaute man uns erst etwas skeptisch an bis wir sagten was wir wollten
aber dann…. ein Lächeln in allen Gesichtern :-)
Die Damen und Herren beider Dienststellen haben sich waaaahnsinnig gefreut :-)
Das motiviert echt zu sehen was man mit einem Besuch erreichen kann.“

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Neben dem Polizeipräsidium Ulm besuchte sie auch die Polizeiinspektion Illertissen, die Polizeiposten Dietenheim und Schwendi (leider war niemand dort, deswegen landete die Karte im Briefkasten), das Polizeirevier Laupheim und das Bundespolizeirevier Ulm. Danke Kerstin! Klasse! Und ich mag Deine Tasche!

 

Unser Neumitglied Michaela, die sich im Anschluss an den Danke-Polizei-Tag entschloss, bei uns einzutreten, besuchte in Nürnberg einige Dienststellen, nämlich die Polizeiinspektion Nürnberg-West sowie Nürnberg-Ost. Schon am 17.09. hatte sie in Bochum in Polizeiwachen Mitte, West, Ost und Südost besucht, sowie die Dienststelle der Autobahnpolizei in Hofstede (bei Bochum). Sag ich doch, dass man beide Tage nutzen kann… ;-) Danke, Michaela, für Deinen Einsatz!

 

Unser Mitglied Nadine Imo besuchte tatsächlich noch abends gegen elf nach unserer Megatour die Polizeiwache Bonn-Ramersdorf, um dort für den täglichen Einsatz zu danken. Nachdem der wachhabende Polizist wohl zuerst etwas misstrauisch war, taute er recht schnell auf, nachdem er verstand, dass es tatsächlich nur um das Danke ging. Da Nadine ihre Müdigkeit wohl deutlich anzumerken war, bekam sie noch die Empfehlung mit, sich gut auszuruhen. Vor dem Hintergrund des Einsatzes macht das auch nichts, dass kein Foto dabei rumkam. ;-) Danke, Nadine, für das tapfere Durchhalten.

 

Damit nicht genug, am 10.10. besuchte dann Nadine noch schnell die Gemeinsame Anlaufstelle Bonn-Innenstadt, die von Polizei und Ordnungsamt besetzt ist. Da diese keinen Briefkasten mehr hat, kam unsere Post immer zurück. Diese wurde dieses Jahr dann eben von Nadine persönlich ausgeliefert. Auch dort erinnerte man sich an Genesungskarten des Vereins. Alle haben sich über den netten Besuch gefreut. Auch dafür danke, Nadine!

 

Last but not least besuchte unser Mitglied Stefanie Poth wieder ihre örtliche Polizeidienststelle. Diese ist allerdings nicht mehr in Hildesheim, sondern das Polizeikommissariat Braunschweig-Süd. Sie schrieb dazu:

„Der Polizeibeamte vor Ort kannte weder ‚diesen Tag‘ (fragte da auch etwas genauer nach), noch viel weniger war er es gewohnt, dass jemand mal NIX wollte, außer DANKE zu sagen! ‚Das kommt wirklich selten vor. GANZ selten…‘, sagte er.“

Danke, Steffi, das war klasse!

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Wie weiter oben schon angedeutet, wäre noch die eine oder andere Dienststelle im Dunstkreis des Vereinssitzes hinten runtergefallen, wenn nicht das eine oder andere Mitglied und ich auf andere Termine ausgewichen wären.

Wir haben schon am 6.10. angefangen.

In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde ich begleitet von unserem Mitglied Sabine Thumm-Kißling. Das Foto machte ein Polizeikommissaranwärter. Übrigens war auch dort die Einsatzlage hektisch, schon bei unserem Eintreffen preschte ein Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn vom Hof und im Funk war hörbar was los. Deswegen blieb niemand außer dem Dienststellenleiter, Herrn Engel, um sich für das Foto zur Verfügung zu stellen. Danke dafür! Gefreut haben sich die paar, die noch vor Ort waren, jedenfalls über unseren Besuch!

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Später am Tag besuchten unser Mitglied Andrea Eickhoff und ich die Polizeiinspektion in Adenau. Auch dort wurden wir nett empfangen, uns wurde ein Kaffee angeboten. Allerdings war auch dort die Einsatzlage hektisch, dennoch war klar, dass die Herren (es waren in der Tat nur Herren vor Ort!) sich über unseren Besuch freuten.

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Am 10. Oktober dann besuchte ich die Polizeiinspektion Neuwied, wo ich kürzlich erst eine Nachtschicht hinter mich gebracht hatte. Da traf es sich, dass „meine“ Schicht im Dienst war, ebenso wie ein Trupp Bereitschaftspolizisten, der dort zum Sondereinsatz eingeteilt war. So kam das Danke bei noch mehr Beamten an als geplant. Manchmal muss man einfach Glück haben. An diesem Tag waren die Polizisten recht fotoscheu. Deswegen muss ich reichen.

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Von dort fuhr ich nach Koblenz, wo ich mich morgens schon in der Pressestelle des Präsidiums angemeldet hatte, denn ich finde, die Mitarbeiter dort haben auch ein Danke für ihre Unterstützung verdient. Die beiden Anwesenden, eine Dame und ein Herr, haben sich auch sehr gefreut.

Wo ich dann schon mal da war, wurde ich kurz zum Polizeipräsidenten einbestellt, der mir noch eine Antwort auf einen Brief „schuldete“. Danke dafür, dass ich so umstandslos und spontan meine Antwort bekam. Schließlich begleitete mich der Pressesprecher in die Polizeiinspektion Koblenz 1, unten im Polizeipräsidium, wo mich der Dienstgruppenleiter anstarrte wie eine Erscheinung, nachdem ich vorgebracht hatte, was ich zum Thema „Danke-Polizei-Tag“ zu sagen hatte. „Jetzt bin ich total geflasht“, meinte er, und nahm sich spontan die Zeit, sich mit mir bei einem Glas Wasser ein paar Minuten zu unterhalten, soweit die Einsatzlage das zuließ. Offensichtlich sind freundliche Dankesworte keine Geräusche, die man in dieser Inspektion allzu oft zu hören bekommt.

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Last but not least ging es dann zur Polizeiinspektion Linz, wo wieder Zeit für einen kurzen Kaffee war. Fotoscheu war man dort auch. Entweder bin ich blind, oder es gibt kein Inspektionsschild. Aber einen schönen Briefkasten, den gibt es…

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Abschließend bliebe noch zu erwähnen, dass wir uns dieses Jahr zwei Großplakate leisten konnten, die jeweils an einer der beiden Hauptstrecken, an denen die Streifenwagen der Polizei Remagen zum Einsatz fahren, positioniert waren. Vielleicht kriegen wir das ja eines Tages rheinland-pfalz- oder gar bundesweit hin.

 

 

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Last but not least ein kleiner Blick hinter die Kulissen:

Der Danke-Polizei-Tag fängt für den Vorstand, insbesondere für mich, spätestens im Mai an. Um genau zu sein, habe ich eben (11. Oktober) das erste Telefonat für den Danke-Polizei-Tag 2017 geführt. Ich hatte mindestens fünf Sitzungen in Ludwigshafen. Sehr effiziente Sitzungen und meistens gönnte ich mir danach auch eine Schicht mit der PI LU1, aber dennoch… ganz schön viel Fahrerei.

Da wir zu wenige sind, um alle Dienststellen zu besuchen, schicken wir an alle Dienststellen bundesweit Postkarten. Das sind etwa 3.700 Stück. Allein diese mit einer Briefmarke (insgesamt mindestens 1.600 Euro, de facto aber mehr, da wir an die Bereitschaftspolizeieinheiten mehrere Karten in einem Umschlag geschickt haben) und einem Adressaufkleber zu versehen, dauert insgesamt 15 Zeitstunden. In diesem Zusammenhang ein dickes Danke an Dani und Dirk in Berlin, die insgesamt etwa 400 Postkarten (alle Dienststellen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) sowie an Jenny und Biggi, die insgesamt etwa 450 Postkarten (Hessen) übernommen haben. Meine Kollegin und Vereinsmitglied S. hat mit mir zusammen Niedersachsen und Thüringen „erledigt“. An dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an meinen Kollegen F., der, als er eine Wartezeit überbrücken musste, kurzerhand die Postkarten nach Sachsen mit Briefmarken versehen hat, obwohl er nicht mal Mitglied ist.

Alles, was noch übrig war, erledigten unser Mitglied U. und ich an einem schönen Samstag.

 

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(450 Postkarten für Hessen, in etwa so dürfte der Berliner Stapel auch ausgesehen haben.)
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(Ein Teil der 2.900 Postkarten für den Rest der Republik)
(So sieht es aus, wenn man 2.900 Briefmarken und weitere Aufkleber abgezogen hat…)
(So sieht es aus, wenn man 2.900 Briefmarken und weitere Aufkleber abgezogen hat…)

 

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(Gute Nutzung unserer Karten durch Kerstin!)

Das war die Bilanz zum Danke-Polizei-Tag 2016. Er war klasse!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Auf dass wir nächstes Jahr wieder viel Freude schenken (und haben!) werden.

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Besser spät als nie – eine Nachtschicht bei der Polizei in Remagen

So mancher wundert sich vielleicht, warum ich mich für Nachtschichten in diversen Städten (nicht nur) von Rheinland-Pfalz herumgetrieben habe, aber ausgerechnet nie in meiner Heimatdienststelle.

Na ja, ein bisschen stand ich mir da selbst im Weg, denn ich hatte immer die Befürchtung, bei jemandem auf der Matte stehen zu müssen, den ich kenne.

Irgendwann stellte ich im Gespräch mit dem Dienststellenleiter fest, dass ich auch einfach im Streifenwagen bleiben könnte, sollte im Funk ein mir bekannter Name fallen.

Nachdem ich dann auch Bedenken des Dienststellenleiters ausräumen könnte (Zitat: „Ich fürchte, Sie könnten sich in Remagen langweilen, nachdem Sie schon in Ludwigshafen und Mainz dabei waren.“) fehlte ja nur noch die Terminfindung.

Nun ist mir meine Heimatdienststelle wichtig genug, dass ich diese Nachtschicht, nachdem allseits sämtliche Befürchtungen zerstreut waren, unbedingt noch vor meinem Urlaub einlegen wollte. So stand ziemlich schnell eine Nacht von Freitag auf Samstag – und das, obwohl in derselben Woche eine Nachtschicht in Ludwigshafen stattgefunden hatte. Also für mich, für die Ludwigshafener Polizei findet da jede Nacht eine statt… Ich muss zugeben, dass das ein ganz schöner Schlauch war, aber andererseits kann ich jetzt noch besser nachfühlen, wie es einem gehen kann, wenn man sich zweimal die Woche eine Nacht um die Ohren schlägt. Alle Achtung! Ich habe einige Tage gebraucht, meinen Rhythmus wieder zu normalisieren.

Und, um es gleich vorweg zu sagen – ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Dafür war viel zu viel los.

Ich war ziemlich aufgeregt, als ich eintraf, weil mich die Nachtschicht in Ludwigshafen weitgehend an meine Grenzen gebracht hatte. Das lag nun nicht an den Leuten in Ludwigshafen – im Gegenteil. Körperlich war ich an einem Limit angekommen und ich hatte die Befürchtung, dass das in dieser Nacht nicht unbedingt besser werden würde. Also versuchte ich, ein wenig vorzuschlafen.

Wie immer wurde ich sehr freundlich empfangen und mit einer Schussweste versorgt. Dann wurde ich als erstes darüber aufgeklärt, dass nur drei Polizisten an Bord seien sowie eine Auszubildende. Mein Angebot, die Sache auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben, wurde aber abgelehnt. „Später wird das auch nicht besser.“
Ach so. Na, dann…

20160716_055059_klein_schriftEs kam Verstärkung von einer benachbarten Polizeidienststelle, wo ein Polizist „zu viel“ zur Verfügung stand – soweit man von „zu viel“ sprechen möchte, wenn dort fünf statt sechs zum Dienst antraten. Somit konnten dann immerhin zwei Streifenwagen besetzt werden – eine etwas andere Hausnummer als in Mainz oder Ludwigshafen. Sogar eine ganz andere Hausnummer als in Frankenthal. Mir schwante, dass mir hier wohl kaum der Satz entgegenschallen würde, wie übertrieben es doch sei, mit einer ganzen Phalanx Polizisten am Einsatzort zu erscheinen.

Mein Streifenteam bestand aus Alex, einem jungen Polizisten, sowie Marc, der schon einiges an beruflicher Erfahrung gesammelt hatte. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, übrigens. Beide mussten noch ein paar Berichte zu ihrer letzten Schicht verfassen. In der Zeit hielt ich mich im Sozialraum auf, wo ich mit einigen Polizisten der Vorschicht ins Gespräch kam.

Manchmal mache ich mir ja Sorgen, dass ich die Leute nerven würde, aber ich bin eigentlich immer auf einen enormen Mitteilungsbedarf gestoßen. Vielleicht sollten sich mal jene, die in den Parlamenten und Ministerien über die Rahmenbedingungen von Polizeiarbeit entscheiden, diesem Gesprächsbedarf stellen. Natürlich ändert das nichts daran, dass man in der Politik immer auch finanziell eingeschränkt ist, da in einem Gemeinwesen vielerlei Interessen verfolgt und bezahlt werden müssen. Aber vielleicht ändert es doch etwas daran, mit welcher Vehemenz man finanzielle Mittel fordert für jene, die da tagtäglich für uns den Kopf hinhalten.

Nachdem Alex und Marc ihre Berichte soweit erledigt hatten, bestreiften wir das Dienstgebiet. Das heißt, wir versuchten es. Wieder einmal sollte es mir nicht gelingen, das gesamte Dienstgebiet in einer Schicht zu Gesicht zu bekommen.

Auch in Remagen wurde ich darüber aufgeklärt, dass der Platz für Freiwillige im Streifenwagen hinter dem Fahrer sei. Im Funk war der Funkverkehr der gesamten Direktion zu hören, was aber immer noch deutlich ruhiger war als der Funk in Mainz oder Ludwigshafen.

Alex fragte mich, was mich interessieren würde. Da ich in der Gegend aufgewachsen bin, lautete die Antwort ziemlich unspezifisch „alles“. „Alles“ ist natürlich eher schwierig zu liefern, also schob ich nach: „Macht einfach eure Arbeit wie immer, ich bin wie ein Praktikant am ersten Tag, mich interessiert ausnahmslos, was ihr macht.“

Nach der Verwarnung eines Radfahrers mit einem Handy am Ohr (bei dem im Unterschied zu dem in Ludwigshafen allerdings keine verbotenen Waffen beschlagnahmt werden mussten), drehten wir zu meiner Überraschung eine kleine Runde über den Parkplatz hinter einem Schulzentrum. Eine dieser Schulen habe ich vor sehr langer Zeit selbst besucht. Damals war der Schulhof noch nicht eingezäunt gewesen. Ich frage mich, wer mit so einem Zaun vor wem geschützt werden soll.

Auf dem Parkplatz fand sich auch ein nicht wirklich dekorativer Müllhaufen. Alex sprach einige Jugendliche in der Nähe darauf an. Diese Befragung brachte leider auch nichts Genaueres ans Licht.

Weiter ging es in ein ehemaliges Gewerbegebiet. Vor 30 Jahren hatte sich dort ein großes Einkaufszentrum befunden – damals nicht unbeliebt bei den regionalen Teenies. Vor nicht ganz zehn Jahren ging der letzte Supermarkt. Heutzutage ein wunderbares Gelände für die eher lichtscheuen Mitglieder unserer Gesellschaft. Bis auf ein abgestelltes Fahrzeug, in das Alex auch hineinleuchtete, war zu diesem Zeitpunkt dort alles ruhig.

Gerade wollten wir weiter in Richtung Niederzissen fahren, als ein Funkspruch durchkam. Der Wachhabende bat uns an einen Bahnhof, einige Ortschaften weiter im Norden, zu fahren. Ein Bürger hatte zwei merkwürdige Fahrzeuge dort stehen sehen. Gesagt, getan. Eine Überprüfung der Kfz-Kennzeichen ergab allerdings, dass sie einfach zu einem Handwerksbetrieb gehörten.

Wo wir schon einmal in der Gegend waren, bestreiften wir Schrebergärten, in die hier und da schon einmal eingebrochen worden war. Von da hat man einen sehr schönen Blick auf das Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen.

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Wieder auf der Bundesstraße entdeckten meine beiden Begleiter ein Fahrzeug an einer geschlossenen Tankstelle. Sie fuhren hin. Das Kennzeichen stammte aus dem hohen Norden dieser Republik. Am Steuer eine Dame, die offensichtlich nicht genau wusste, wo sie war. Das Navi hatte widersprüchliche Informationen geliefert (DAS kenne ich…). Eine kurze Wegbeschreibung und schon war sie wieder auf dem richtigen Weg.

Nächster Versuch, ans andere Ende des Dienstgebietes zu kommen. Wieder wurde dieses Unterfangen von einem Funkspruch unterbrochen. „Am Bahnhof in x wurde eine abgängige Minderjährige gesichtet. Fahrt da mal hin.“

Blaulicht! Ohne Martinshorn. Platz machten die Leute trotzdem. Manchmal klappt’s.

Wir zirkelten durch die gesamte Gegend rund um den Bahnhof. Die Minderjährige machte dem Adjektiv „abgängig“ alle Ehre, sie war und blieb wie vom Erdboden verschluckt.

Nachdem wir geraume Zeit gesucht hatten, fuhren wir in die Dienststelle, damit meine beiden Herren schon mal die ersten Berichte der Nacht schreiben konnten.

20160716_012726_klein_schriftDiese Zeit nutzte ich für ein kurzes Gespräch mit dem Dienstgruppenleiter. Da er gleichzeitig Wachhabender war, Anrufe entgegennahm (sowohl über die Amts- als auch über die Notrufleitung) und den Funk bediente, wurden wir ziemlich oft unterbrochen. Bei meiner Nachtschicht in Ludwigshafen, eine Woche vorher, hatten das zwei Leute gemacht. Und die hatten schon alle Hände voll zu tun gehabt. Immerhin gab mir das die Zeit, wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, dass auf der Mappe der Dienstgruppe unser Abzeichen prangt. Ein Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit, das mich sehr gefreut und berührt hat.

Letztlich beendet wurde unser Kurzdialog in Etappen durch den Anruf eines Herrn, der im Nahverkehrszug von Köln nach Mainz seinen Rucksack vergessen hatte, darin befindlich ein teures Tablet. Wir fuhren zum Bahnhof. In Remagen haben diese Züge immer einen etwas längeren Aufenthalt, weil ein Zugteil abgekoppelt wird. Das gab uns die Zeit, den Zug zu durchsuchen. Dabei konnte ich sogar mal helfen, denn nach herrenlosen Rucksäcken schauen kann ich auch. Ich möchte fast sagen, dass ich auf herrenlose Gepäckstücke in öffentlichen Verkehrsmitteln regelrecht konditioniert bin, denn ich lebte während der 90er Jahre in Paris, das schon damals von einer Terrorwelle erschüttert wurde. Gegen die aktuelle mutete diese aber vergleichsweise harmlos an.

Wenig verwunderlich – der Rucksack war verschwunden. Auch eine Rückfrage bei den Zugbegleitern und dem Herrn von der Security an Bord half da nicht weiter.

Zurück zur Dienststelle. Weiter ging es mit den Berichten. Oder besser mit dem Versuch, denn kaum waren wir drinnen, kam auch ein Anruf über eine Ruhestörung rein. Also wieder raus mit uns.

Die Musik in der betroffenen Kneipe war übrigens voll nach meinem Geschmack. Aber nichtsdestotrotz zu laut. Die Herrschaften waren auch einsichtig und drehten den Regler leise.

Als wir wieder im Streifenwagen Platz genommen hatten, entschieden Alex und Marc, noch einmal ein wenig Streife zu fahren. Auf der Bundesstraße ereilte uns dann ein Einsatz in einem Ort, zu dem wir etwa 10 Minuten Fahrzeit hatten, über kurvige, teilweise reicht steile, Straßen. Besonders im Winter stelle ich mir das apart vor.

Zwei junge Männer hatten den Notruf gewählt, weil sie beim Autofahren fast einen weiteren jungen Mann überfahren hätten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der noch mitten auf der Straße (hinter einer Kurve, also äußerst ungünstig) gesessen, war aber nicht wirklich ansprechbar gewesen.

Bei unserem Eintreffen fanden wir den Ort des Geschehens sehr schnell, denn die beiden Helfer hatten sich Leuchtwesten angezogen und winkten uns. Die Unfallstelle war sehr professionell abgesichert. Der Junge, mittlerweile ohne Bewusstsein, lag in der stabilen Seitenlage. Einer der beiden Helfer trug eine Weste vom THW, daher wahrscheinlich sein profimäßiges Vorgehen am Ort.

Alex kümmerte sich sofort um den Jungen, von dem nichts zu hören war außer regelmäßigem Stöhnen. Was allen einen ersten Schrecken einjagte, war eine dunkle Flüssigkeit, mit der sein Gesicht und Teile des Fahrrads bespritzt waren. Diese stellte sich aber heraus als – Ketchup.

Aus seinem Rucksack (den er falsch herum auf dem Rücken getragen hatte) waren Handy, Zigaretten und eine Brille herausgepurzelt. Ein Portemonnaie oder Papiere waren nicht zu finden.

Marc befragte die beiden Ersthelfer. Sie kannten den Betroffenen leider auch nicht. Schließlich rang Alex dem nicht verschlüsselten Handy eine Information ab, die weiterhalf, der Junge konnte identifiziert werden.

Nun warteten wir auf den Rettungswagen. Der war auch recht schnell. Gefühlt zog sich die Zeit dennoch wie Kaugummi. Klar, der Junge hatte einen stabilen Puls und eine regelmäßige Atmung. Aber er reagierte eben nicht auf Ansprache. Zudem hatte er sich eingenässt, wer wusste also schon so genau, wie lange er stabil bleiben würde?

Weder Alex noch Marc sagten etwas, aber eine gewisse Anspannung war ihnen durchaus anzumerken. Auch ich war innerlich ziemlich nervös. Sowas sollte wirklich jeder mal erlebt haben, der sich darüber beschwert, wenn ein Vertreter der Blaulichtfraktion ihn nicht mit ausgesuchter Höflichkeit am Gaffen hindern will.

20160716_024249_klein_schriftDie Besatzung des RTW übernahm sofort den jungen Mann. Er kam sehr schnell in ausreichendem Maße zu Bewusstsein, um im Rettungswagen herumzupöbeln. Nach Einschätzung des Sanitäters war er auch nicht ganz so bewusstlos gewesen, wie es uns erschienen war. Hervorgerufen hatte sein Befinden jedenfalls der Konsum von Kräutermischungen, auch bekannt unter Legal Highs. Da hatte er ja noch Glück gehabt, dass er nur in merkwürdigen Zustand auf dieser Straße aufgefunden worden war und dank der – um es mal nett zu sagen – doch recht gemäßigten Temperiertheit dieses Sommers eine leichte Unterkühlung davongetragen hatte. Es sind schon Menschen an diesem Dreckszeug gestorben.

Kaum war der Rettungswagen eingetroffen, konnten auch die beiden Ersthelfer den Einsatzort verlassen. Marc sagte ihnen: “Ihr wart super!“ Stimmt! Das waren sie. Ich finde es klasse, dass er ihnen das gesagt hat.

Die RTW-Besatzung teilte uns noch mit, in welches Krankenhaus sie den jungen Mann bringen würden, dann fuhren sie ab. Wir suchten den Vater des Jungen auf, um ihm mitzuteilen, wo er seinen Sohn finden würde. Der machte sich auch sofort auf ins Krankenhaus. Was auch nötig war, denn das nächste, was wir von der Sache hörten, war, dass der Sohn im Krankenhaus randalierte.

Damit sollte er nicht allein bleiben. Kaum auf dem Rückweg zur Dienststelle, kam ein Funkspruch herein, dass jemand im Krankenhaus von Remagen randaliere.

Hier merkte ich nun den ersten massiven Unterschied zu meinen bisherigen Dienststellen. Gut, die Anfahrtswege waren etwas länger und Blaulicht, das auf Bäumen im Wald reflektiert, sieht auch sehr speziell aus. Aber das sind Kleinigkeiten. Zufällig hatte ich dem Funk entnommen, dass unsere zweite Streife sich an einem Ort befand, zu dem ich von Remagen aus bei optimalen Verkehrs-, Sicht- und Witterungsverhältnissen etwa eine halbe Stunde fahre. Nun haben die Herrschaften von der Polizei Blaulichter auf ihren Autos, die helfen aber auch nicht gegen Rehe in dunkler Nacht auf Kreisstraßen quer durch den Wald…

Zum ersten Mal bekam ich eine klare Ansage, wohin ich nicht folgen solle und wohin ich mich in Sicherheit bringen könnte, sollte die Sachlage eskalieren. Bisher waren immer genug Leute vor Ort gewesen, dass sich einer der Polizisten darum hätte kümmern können…

Als wir eintrafen war die Sachlage eigentlich recht ruhig, außer dass der des Randalierens Beschuldigte sich auf der Intensivstation aufhielt – wo eigentlich niemand etwas verloren hat, außer Ärzten, Pflegekräften und Patienten. Er legte seine Sicht der Dinge dar – ein Arzt habe seinen besten Freund falsch behandelt. Eine Diskussion, auf die sich Alex und Marc gar nicht einließen. Der betreffende Arzt übrigens auch nicht. Fakt ist, dass in einem Krankenhaus, wie der Name schon sagt, kranke Menschen untergebracht sind, die Ruhe brauchen. Fakt ist auch, dass der Zugang zu einer Intensivstation allgemein beschränkt ist. Last but not least haben die Ärzte dort das Hausrecht. Diese Sachlage brachten beide dem Herrn vor, in sachlichem und ruhigen Tonfall. Damit ließ er sich schon einmal bewegen, sich in den Warteraum zu begeben. Dort warteten noch ein weiterer Mann und eine Frau. Beide gaben an, mit dem in Frage stehenden Patienten befreundet zu sein.

Da sie erst einmal friedlich schienen, sprachen Alex und Marc noch einmal mit dem Krankenhauspersonal. Die waren sich aber einig, dass sie Angst hätten, würden diese Leute im Krankenhaus bleiben. Das warf ein bezeichnendes Licht darauf, was sich vor Eintreffen der Polizei abgespielt hatte. Also mussten meine beiden Herren einen Platzverweis erteilen.

Das war der Moment, an dem ich zurückblieb – in der Nähe eines Fluchtweges, der mir zuvor angezeigt worden war. Alex und Marc gingen zurück in den Warteraum.

Was sich in dieser Zeit in meinem Kopf abspielte, war zuerst einmal eine Mischung aus Mathematik und Erdkunde. Ich weiß, wo die nächsten Dienststellen liegen (Bad Neuenahr, Andernach, Linz und Bonn), ich weiß ungefähr, wie lange man fährt und ich weiß ungefähr, wie die Dienstgebiete aussehen. Linz, auf dem anderen Ufer des Rheins und ohne Brücke in unmittelbarer Nähe, kann man dabei schon mal vergessen, solange die Polizei nicht über Amphibienfahrzeuge verfügt. Selbst wenn die Rheinfähre noch fährt, verzögert sie die Anfahrt viel zu sehr. Wäre Verstärkung nötig, hätte diese aus Bad Neuenahr oder Bonn frühestens in 15 Minuten eintreffen können. Immer vorausgesetzt, eine Streife wäre überhaupt frei und in der Nähe gewesen.

Mit Verlaub ein Scheiß-Gefühl. Kann ich jedem nur empfehlen, der meint, es würde ausreichen, unsere Polizei „auf Kante zu nähen“ oder der sich hier im Polizeistaat wähnt. Genau so stelle ich mir einen Polizeistaat vor…

In diesem Fall reichte es aus. Alle ließen sich von Alex und Marc nach draußen begleiten und rückten ab. Ich nehme an, auch hier waren die von mir so geschätzten kommunikativen Fähigkeiten der Polizei zum Einsatz gekommen, denn alle Beteiligten wirkten friedlich und entspannt. Gut, dass so viele unserer Polizisten diese Fähigkeit haben. Aber was wäre gewesen, wenn dieser Randalierer anders drauf gewesen wäre? Randvoll mit Drogen, hochaggressiv? Mit Worten nicht mehr zu erreichen? Wenn sich die anderen gegen die Polizei solidarisiert hätten?

Dieser Einsatz hätte auch ganz anders ausgehen können. Wären nur ein oder zwei Parameter anders gewesen, hätte dieser Einsatz in der Presse und auf Youtube landen und meine beiden Polizisten mit unfairen Kommentaren öffentlich abgeschlachtet werden können. Und ich hätte nicht mal ein Video für die Staatsanwaltschaft davon drehen können, wie es wirklich gewesen war, weil ich nicht im Weg sein wollte.

Ganz ehrlich, liebe Verantwortliche – nicht nur die aktuelle Terrorgefahr ist ein klarer Grund für mehr Personal.

Da auch für die neu hinzugekommenen Einsätze Berichte verfasst werden mussten, ging es wieder zurück in die Dienststelle.

Der Wachhabende war mit seinen Anrufen und Funksprüchen ausgelastet, also ging ich in den Sozialraum und warf den Fernseher an. Ich hatte nicht einmal Zeit, eine Entscheidung zu treffen, welches Nachtprogramm ich wohl sehen wollte, als Alex mich schon wieder zum Einsatz rief. In einem Zug, der auch in Remagen anhielt, sollte es zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Männern gekommen sein.

Wissende Leser werden sich jetzt fragen, ob Züge und Bahnhöfe nicht ganz klar Gebiet der Bundespolizei sind. Noch wissendere Leser wissen aber auch, wie es personell bei der Bundespolizei so aussieht. Da bleiben ländliche Bahnhöfe schon mal auf der Strecke. Tja… so sieht es halt aus im Polizeistaat.

20160716_044135_klein_schriftNun aber zum Einsatz: Wir erwischten die Herren pünktlich zur Einfahrt des Zuges. Die Situation stellte sich folgendermaßen dar – ein Mann hatte im Abteil ausländerfeindliche Parolen von sich gegeben, ein anderer hatte sich davon beleidigt gefühlt. Gegenseitige Anzeigen wurden aufgenommen, ein Alkotest beim Verantwortlichen für die Parolen gemacht und damit war auch dieser Einsatz beendet. Obwohl auch hier zuerst offene Aggressionen vorlagen, haben Alex und Marc da wieder sehr gut Ruhe reingebracht. Fand ich klasse! Mit diesem Vorfall kann sich nun die Judikative befassen.

Als nächstes wurden wir zu einer Ruhestörung geschickt. Dies sollte auch der letzte Einsatz dieser Nacht werden, dafür war er sehr ausgiebig. Die Anfahrt fand über eine der schönsten Ecken unserer Gegend statt. Davon hatte ich auch richtig was, denn es wurde allmählich hell. So ein Sonnenaufgang in den östlichen Eifelausläufern hat schon etwas Romantisches.

Die Landschaft hier ist recht hügelig, Flachländer sprechen von bergig, den Bewohnern der Alpen allerdings ringen diese Erhebungen nur ein müdes Lächeln ab. Jedenfalls ist die eine oder andere Ortslage am Hang gebaut. So auch diese. Der Anrufer wohnte eindeutig ziemlich weit oben. Seinen Erklärungen nach musste sich die Lärmquelle im unteren Bereich der Ansiedlung befinden. Diesen suchten wir ausgiebig ab und fanden – nichts. Nun ist unsere Polizei sehr verantwortungsbewusst. Deshalb fragten meine Beiden noch einmal den Wachhabenden nach der Adresse des Anrufers. Vielleicht konnten wir von dort herausfinden, wo der Lärm herkam. Aber auch da, Fehlanzeige. Obwohl… wenn man sich sehr viel Mühe gab und die wie wahnsinnig singenden Vögel mal zeitgleich einen Wimpernschlag lang Luft holten, dann konnte man tatsächlich etwas hören. Nur woher? Das ist nämlich auch so ein Problem an hügeligen Gegenden, der Schall wird hin und her geworfen und ein menschliches Ohr ist da leicht mal überfordert.

Also fuhren wir wieder nach unten. Aber auch dort war nichts zu finden. Wir umrundeten und durchfuhren den Ort mehrfach. Stiegen aus. Lauschten. Nichts. Wenn man von fulminantem Vogelgezwitscher mal absah. Ich drehte sogar Videos davon, weil ich als lärmempfindliche Person es beeindruckend fand, dass ich NICHTS hörte.

Mittlerweile hatte der Anrufer noch einmal auf der Wache angerufen und dem Wachhabenden mitgeteilt, dass wir schon mehrfach am besagten Haus, aus dem es schalle, vorbeigefahren seien. Wir hätten sogar davor gestanden.

Ähm…ja.

Also noch einmal nach oben und eifriges Lauschen. Es war für uns einfach nicht zu lokalisieren.

Insgesamt waren wir fast eine Stunde dort unterwegs, bevor wir aufgaben. Diese Stunde war auch nur leistbar, weil zufällig gerade sonst nichts im strafbaren Bereich anlag.

„Die Polizei macht nichts.“

An diesen Spruch musste ich im Laufe dieses Einsatzes sehr oft denken. Doch! Sie macht! Sie sucht, wenn die Einsatzlage es zulässt, auch mal eine Stunde lang einen Ruhestörer. Dass sie dabei in diesem speziellen Fall erfolglos war, liegt nicht nur an ihr. Manchmal wäre eine Adresse, eine gute Ortsbeschreibung oder ein persönliches Auftauchen am Streifenwagen dann doch hilfreich, um diesem ans Ziel zu helfen.

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Damit war auch diese Schicht schon wieder vorbei. Sie war genau so schnell umgegangen wie eine Schicht in der Großstadt. Mein Respekt vor meiner eigenen Polizeidienststelle vor Ort ist stark angewachsen. Ich fühle mich in den besten Händen. Allerdings wäre ich dankbar, wenn es ein paar Hände mehr sein könnten!

Danke für diesen Einblick! Ihr seid klasse und macht einen tollen Job! Danke dafür!

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Allgemein Danke-Polizei-Tag Verein

Und wofür sind SIE Ihrer Polizei dankbar? – Danke-Polizei-Tag am 8. Oktober 2016

entwurf_plakat_2016_final_klein_schriftAm 8. Oktober 2016 findet zum dritten Mal der Danke-Polizei-Tag statt, den der Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. fest in Deutschland einführen möchte. Die Schirmherrschaft dafür hat Innenminister Roger Lewentz übernommen. Vorbild dafür ist der „Say thank you to a police officer day“ im angelsächsischen Raum.

Die Idee, dass Bürger einmal im Jahr in ihre Polizeistationen gehen, um sich für den Schutz des vergangenen Jahres zu bedanken, gefiel Gerke Minrath, der Vorsitzenden von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. von Anfang an. „Wir haben eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei, die sehr gute Arbeit für uns als Gesellschaft leistet. Im Grunde kann man dafür täglich danken. Dies einmal im Jahr zu tun ist eine schöne Geste“, erläutert Minrath das Ziel des Vereins, ein Gegengewicht zur steigenden Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit, die unseren Polizeibeamten entgegenschlagen, zu setzen.

„Umfragen ergeben immer wieder, welch hohes Ansehen die Polizei in der Bevölkerung genießt. Es wäre schön, wenn wir Bürgerinnen und Bürger das am 8. Oktober möglichst zahlreich den Polizistinnen und Polizisten unserer örtlichen Polizeistation auch mal persönlich sagen würden“, wünscht sich Minrath.

Allgemein Polizeiarbeit

Limitierte Kräfte – eine Nachtschicht in Ludwigshafen

Nach fast einem Jahr war es wieder so weit. Eine Nachtschicht in Ludwigshafen. Ursprünglich hatte ich sie an eine recht spät anberaumte Sitzung im Polizeipräsidium wegen des Danke-Polizei-Tages anhängen wollen. Diese Sitzung war mittlerweile verlegt worden. Aber ich fand es blöd, diese Nachtschicht abzusagen.

Dazu muss ich sagen, dass ich in den Wochen vorher beruflich und in Sachen Verein ganz schön rotiert bin und eigentlich aus dem letzten Loch pfiff. Uneigentlich gebe ich das aber sehr ungern zu und hatte mir deshalb in den Kopf gesetzt, auch diese Nachtschicht mitzufahren. Ich sollte es nicht bereuen, es war spannend wie immer. Aber danach wusste ich, wie sich Erschöpfung auf einem für mich ganz neuen Niveau anfühlt.

Schon auf der Hinfahrt wäre ich in einem dank der Hitze völlig überheizten Zug fast eingeschlafen und ich konnte nur hoffen, dass genügend Kaffee und Red Bull mich irgendwie bei Bewusstsein halten würden. (Ja, gesunde Ernährung ist anders. Ich weiß. Mach ich aber auch nicht jede Nacht so.)

Meine Schussweste lag schon für mich bereit, und ich lernte gleich mein erstes Streifenteam kennen, zwei junge Männer, K. und C. Wobei ich K. schon von einer Spätschicht Anfang Mai kannte. Es war mir eine Freude, wieder mit ihm zu fahren. Unser erster Einsatz schlug auch schon direkt ein, es sollten sich Jugendliche unberechtigt auf dem Hof einer Kindertagesstätte aufhalten. Wie immer steig ich mit aus – und versagte gleich beim ersten Anlauf dabei, über ein hüfthohes Tor drüberzukommen. Normalerweise schaffe ich das, obwohl ich die 40 schon drei / vier Tage hinter mir gelassen habe. An diesem Abend aber nicht. Ach herrje… wie peinlich. Ein erstes Anzeichen dafür, dass ich nicht wirklich fit war in dieser Nacht.

Die beiden Herren fanden nichts und waren sehr schnell wieder da. In der Gegend gab es noch eine zweite KiTa. Auch die wurde angefahren. Dieses Mal war der Zaun über mannshoch. Großartig!

20160708_205333_srNun dachte ich, wenn ich schon allein da rumstehe, wäre der ideale Zeitpunkt für ein Selfie vor einem schicken Streifenwagen. Vorsichtig schaute ich mich um. Schließlich ist mein Ziel nicht, mich, während ich einschlägig mit POLIZEI beschriftet bin und entsprechend für die Polizei gehalten werden dürfte, öffentlich zum Deppen zu machen. Solche Leute würde ich jedenfalls nicht im Streifenwagen mitnehmen. Die Luft erschien rein, und ich kreuzte die Straße. Just in diesem Moment kam ein VW-Bulli mit norddeutschem Kennzeichen um die Ecke.

„Entschuldigen Sie, bitte!“

Oha…

„Ja?“

„Können Sie mir sagen, wo…“

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, was die Dame genau von der Polizei wissen wollte. Ich wusste nur: „Mist! Die denkt jetzt, ich bin kompetent. Dabei habe ich keine Ahnung.“

Ich atmete einmal tief durch, lächelte freundlich und sagte: „Ich bin keine Polizistin, ich bin nur Praktikantin. Die beiden Herren, die sich auskennen, sind aber sofort wieder hier.“
Das waren sie auch. Die beiden konnten der Dame weiterhelfen und nachdem mein Adrenalin-Pegel wieder weit genug gesunken war, wurde mir klar, dass das eigentlich eine sehr schöne Szene gewesen war. Offenbar vertrauen sehr viele Bürger der Polizei. Mit denen kommen Polizisten halt sehr selten in Berührung, denn sie fallen nicht auf – wenn sie sich nicht gerade in einer ihnen unbekannten Ecke der Republik verfahren.

dsc00400_srWir bestreiften für eine Weile Ludwigshafen. Irgendwann kreuzten wir den Berliner Platz. An diesem Freitag-Abend war dort Stadtfest. Deswegen zeigten dort Polizisten eine starke Präsenz.

Abgesehen davon präsentierte sich Ludwigshafen friedlich, bis ich nach Einbruch der Dunkelheit an die nächste Streife übergeben wurde.

Wieder handelte es sich um zwei Herren, M. und M. Da später noch ein M. ins Spiel kommt, für die Ms also Initialen. Aktuell fuhr ich mit MT und MH.

Unser erster Einsatz war ein Einbruch. Irgendwie war über den Notruf rübergekommen, dass der Täter noch im Haus sei. Also rückten insgesamt drei Streifen ein. MH machte mir eine klare Ansage, wie ich mich zu verhalten und wo ich mich aufzuhalten habe. Damit hatte er auch verdammt Recht, denn ganz ehrlich – so ein Haus zu umstellen, ist schon unheimlich, wenn man keine Ahnung von dem Beruf hat.

„Nicht der Täter ist im Haus, sondern der Sohn des Hauses!“

Dies brachte MT sehr schnell in Erfahrung. Entwarnung!

Uff!

Im Haus empfingen uns der besagte Sohn und ein Verwandter.

Der Sohn hatte mit einem Kumpel in seinem Zimmer an der Playstation gespielt. Es war eine warme Sommernacht, also stand im Wohnzimmer die Balkontür offen. Der Rollladen war unten gewesen, auf Ritze, damit ein wenig nicht ganz so warme Luft zirkulieren konnte. Irgendwann hatte der Kumpel Durst bekommen. Er ging in die Wohnküche, um sich etwas zu trinken aus dem Kühlschrank zu holen. Da sah er es. Jemand hatte den Rollladen hochgeschoben, eine große Vase drunter gestellt und war im Wohnzimmer unterwegs gewesen. Schubladen standen auf und waren sichtlich durchwühlt. Er alarmierte seinen Freund, dieser seinen Onkel, der wiederum die Polizei.

Leider konnte uns der Sohn nicht sagen, was genau fehlte. Plötzlich platzte er heraus: „Die Autoschlüssel fehlen.“ Es ging um zwei Fahrzeuge eines deutlich gehobenen Preisniveaus. So in der Lamborghini-Preisklasse.

Oha!!!

Ein Telefonat seines Onkels mit der Mutter ergab allerdings, dass einer der Wagen in der Werkstatt war und die Mutter mit dem anderen unterwegs war. Also auch hier Entwarnung.
Da weiterhin unklar war, was nun genau fehlte (ich persönlich vermute, der Täter ist zu früh gestört worden), stellten MH und MT die Vase als möglichen Spurenträger sicher und wir rückten ab.
Dieser Einbruch ging mir lange nicht aus dem Kopf. Man muss schon ganz schön kaltblütig sein, einzubrechen, wenn Leute daheim sind. Was wäre wohl passiert, wenn der junge Mann dem Einbrecher in die Arme gelaufen wäre? Mir will ja nicht in den Kopf, dass wir genügend Polizeibeamten hätten, wenn solche Einbrüche gehäuft stattfinden. Wenn ich ehrlich bin, ist das eine Entwicklung, die mir nicht behagt. Ich möchte nicht, dass sich jemand in meinem höchstpersönlichen Lebensbereich aufhält, selbst wenn er nichts zum Klauen findet.
Kaum hatten wir die Vase im Streifenwagen verladen, kam ein Funkspruch, dass wir zu einer weiteren KiTa fahren sollten, jemand hatte über den Notruf eine verdächtige Wahrnehmung gemeldet. Also nichts wie los.

20160708_233809_srWir landeten hinter einem weiteren Streifenwagen mit dem gleichen Fahrtziel. Ursprünglich hatte ich dieses Bild, weil verwackelt, nicht für diesen Artikel verwenden wollen. Da ich aber zwischen dieser Nachtschicht und dem Schreiben des Artikels eine Nachtschicht in Remagen mitfuhr, erscheint mir das Foto trotz seiner mangelhaften Qualität bemerkenswert. Offenbar kann man auf einer ländlichen Dienststelle nur davon träumen, zu einem derartigen Einsatz mit mehr als einer Streife hinzufahren. Ja, definitiv! Wir leben im Polizeistaat. Man möge mir diese kleine Aufwallung von Sarkasmus vergeben.

Vor Ort wartete bereits eine weitere Streife (wie sich später herausstellen sollte, mein letztes Streifenteam für  die Nacht). Also waren wir wieder mit drei Funkwagen am Einsatzort. Einige Polizisten kletterten über den Zaun (Dazu musste erst einmal der jugendliche Hinweisgeber überredet werden zu verraten, wo das geht. Der junge Mann zierte sich ein wenig, diese Kenntnisse den Polizisten vor ihm zu gestehen.). Zwei Polizisten und ich warteten vor dem Zaun. Auch diese Absuche verlief ergebnislos.

Also zurück in den Streifenwagen und streifen. Bis schließlich ein Funkspruch eintraf, dass der kommunale Vollzugsdienst bei einem Einsatz wegen Ruhestörung Unterstützung brauchte. Offensichtlich waren die Ruhestörer nicht einsichtig und zudem in der Überzahl.

20160709_004353_srAlso nix wie hin. Mit drei Streifen rückten wir ein. Vor Ort waren sechs Leute vom Ordnungsamt mit der Kontrolle der Personalien von circa 50 Leuten beschäftigt. Es handelte sich um Frauen und Männer, unter letzteren einige sehr große und kräftige Typen. Sie sprachen laut und aufgebracht miteinander – auf französisch. Meine zweite Muttersprache. Also spitzte ich die Ohren, ansonsten hielt ich mich im Hintergrund und versuchte, nicht im Weg herumzustehen und einen ebenso ausdruckslosen Gesichtsausdruck aufzusetzen, wie die Polizisten neben und vor mir.
Irgendwann fiel recht häufig hintereinander das Wort „Police“, in sehr unfreundlichem Tonfall. Keiner meiner Begleiter ließ sich etwas anmerken. Ich persönlich würde jedoch reichlich nervös werden, wenn sich Leute in einer mir unbekannten Sprache in erbostem Tonfall eindeutig über mich unterhalten würden. Da ich nicht wusste, wie es um die Französisch-Kenntnisse meiner Begleiter bestellt war, lieferte ich dem jungen Mann neben mir, den ich noch von einer meiner Spätschichten kannte, leise eine Übersetzung: „Sie sagen, dass sie das vollkommen übertrieben finden, dass wir hier mit acht Polizisten erscheinen, obwohl sie nichts gemacht haben. Das Übliche eben, nur auf französisch.“

Meinem Eindruck nach kam das ganz gut an. Also spitzte ich weiter die Ohren, aber mehr, als dem Unmut Luft zu machen, passierte da nicht mehr.

Übrigens waren wir auch hier nur sechs ausgelernte Polizisten, ein Azubi und ich als Ahnungslose.

Endlich war die Personenkontrolle beendet und die Herren vom kommunalen Vollzugsdienst erteilten allen Kontrollierten einen Platzverweis, dem sie auch nachkamen.

20160709_022028_srVon hier ging es wieder in die Dienststelle. Da die übrigen Streifen, die draußen waren, in Einsätzen gebunden waren, konnte ich MT und MH beim Spurensichern an der Vase aus unserem Einbruchsfall Gesellschaft leisten. Ich finde das ja immer wieder mördermäßig spannend. Leider verlief die Spurensuche wenig erfolgreich, keine frischen Fingerabdrücke waren zu finden. Vielleicht bringt das kriminaltechnische Labor, an das die Vase verschickt wurde, da mehr zu Tage.

Damit waren wir noch nicht ganz fertig, als auch schon der nächste Einsatz reinkam – in Büroräumen war ein Einbruchsalarm losgegangen. Es dauerte eine Weile, bis wir das besagte Gebäude gefunden hatten, denn der Weg dorthin war nicht einfach. Aber wir schafften es. MT und MH suchten alles ab. MH kletterte dafür sogar auf ein Baugerüst. Wir konnten allerdings keine Einbruchsspuren finden.

Also rückten wir wieder ab.

20160709_041120_srWir waren noch nicht allzu lange in der Dienststelle (immerhin war die Vase schon auf den Postweg zum Labor gebracht), als wir noch einmal zum selben Einsatzort gerufen wurden. Dieses Mal war jemand mit einem Schlüssel da. MT und MH betraten als erste die Räume.

Übrigens war ich im Laufe der vorhergehenden Woche in Hessen gewesen, wo ich u.a. mit einem Einsatztrainer zu tun hatte, der mir auch gleich zwei, drei Dinge erklärt hatte. Natürlich macht mich das nicht zu einer Person, die berufen wäre, Polizeieinsätze auch nur im Ansatz zu beurteilen – aber etwas, was mir der Einsatztrainer aus Hessen erklärt hatte, sah ich hier wieder. Vielleicht liest er es ja und es freut ihn, wenn auch Ludwigshafen nicht in seinem Zuständigkeitsbereich liegt. Vielleicht freut es aber auch den einen oder anderen Einsatztrainer aus Rheinland-Pfalz. Läuft bei Euch!

Übrigens verlief auch dies ergebnislos – keine Einbruchspuren, nichts fehlte. Was auch immer die Alarmanlage ausgelöst hatte – ein Einbrecher war es nicht gewesen. Also zurück in die Dienststelle.

Nach Überwindung eines mittelschweren Formtiefs meinerseits unter Zuhilfenahme einer Tasse Kaffees nahm mich die nächste Streife auf, ein junger Mann, MS, und eine junge Frau, N..

20160709_014630_srZuerst wurde Ludwigshafen noch ein wenig bestreift. Doch plötzlich wurden wir über Funk gebeten, zum Bahnhof Mitte zu fahren. Dort sollten sich junge Leute im Gleis (!) aufhalten, Reisende mit Schotter bewerfen und bepöbeln. Nix wie los! Da war höchste Eile geboten, denn da konnte jede Sekunde ein Zug kommen. Tote Jugendliche und eine Menge traumatisierter Menschen, beim Lokführer angefangen, über die Einsatzkräfte, bis hin zu zufällig Anwesenden, standen auf dem Spiel.

Der Streifenwagen wurde mehr oder minder vor der Rolltreppe geparkt und wir galoppierten auf den Bahnsteig. Da konnte sogar ich mithalten. War ja kein Zaun im Weg.
Resultat: Entwarnung! Die Übeltäter waren schon weg. Wir fanden sie leider auch nicht mehr. Aber aus meiner persönlichen Sicht ist das Wichtigste, dass das oben beschriebene Szenario sich nicht in der Realität abgespielt hatte.

Dafür fanden wir eine Gruppe Jugendlicher, auf die die Beschreibung passte und deren deutlich erkennbarer Alkoholisierungsgrad durchaus vermuten ließ, dass ihnen solche Aktivitäten, wie die beschriebenen, vielleicht nicht so ganz fern lägen. Eine Personenkontrolle erschien schon allein wegen des mutmaßlichen Alkoholpegels angebracht.

Selten übrigens wurde meine Geduld so sehr strapaziert wie bei dieser Kontrolle. Das lag mitnichten daran, dass der Azubi das machte, im Gegenteil. Ich mag Azubis, und bin, egal um welchen Beruf es sich handelt, da immer sehr mütterlich geduldig. Vielmehr „unterhielt“ uns alle einer der Kontrollierten mit einem nicht enden wollenden Wortschwall. Inhaltlich war das Ganze nicht wirklich spannend. Im Grunde nichts weiter Schlimmes, nur war ich ja schon auf dem Weg zur Schicht vollkommen ausgepumpt gewesen und merkte an diesem Punkt sehr deutlich, dass ich eindeutig zu wenig Reserven hatte, um das Ganze innerlich ausgeglichen und leise amüsiert zur Kenntnis zu nehmen. Zum Glück war ich ja nur Zuschauerin. Und zum Glück war ich nicht Hauptadressatin seines Diskurses, dieses zweifelhafte Vergnügen hatte N.

„Darf ich Sie etwas fragen?“ erkundigte er sich auf dem Höhepunkt seiner Rede bei N.

„Wenn es eine sinnvolle Frage ist?“

„Das ist total sinnvoll. Es ist etwas Humanes.“

Na, da war ich aber mal gespannt.

N. schwieg, was er sichtlich als Einladung auffasste:

„Woran liegt es eigentlich, dass alle Polizistinnen so bildhübsch sind?“

N. fand, dass das nichts zur Sache tue (womit sie Recht hat). Er hingegen fraß sich an dieser Thematik fest und philosophierte, ob das wohl mit der Uniform zusammen hinge. Dann verlor er irgendwie den Faden, was nicht weiter verwundert. Hätte er pusten müssen, hätte sich die Nadel der Anzeige um den rechten Anschlag gewickelt. Ok, hätte sie nicht, aber nur, weil die Geräte digitale Anzeigen haben.

Irgendwann fragte er uns dann, ob wir wohl Frau X. kennten, eine Polizistin einer Dienststelle in der Nähe. „Die ist auch so bildhübsch und die hat vielleicht schöne Augen, kann ich ihnen sagen.“

Innerlich musste ich an dieser Stelle dann doch grinsen. Nicht nur, weil ich Frau X. tatsächlich kenne. Trotzdem war ich froh, hier nichts arbeiten zu müssen, sondern einfach nur zu gucken.
Das war dann auch der letzte Einsatz für diese Nacht. Es war während der Kontrolle wieder hell geworden und nach ein wenig Streife fahren ging es zurück in die Dienststelle.

Da war es dann endgültig aus mit mir. Obwohl eine Schicht reinkam, die ich schon kannte, und einige Angehörige meiner Nachtschicht, wie C. mir ausrichtete, auf dem Hof zusammen eine rauchten und sich wohl noch gerne mit mir unterhalten hätten, ging plötzlich gar nichts mehr. Ich konnte mich nur noch höflich verabschieden. Offensichtlich sah ich auch ziemlich platt aus, denn der Dienstgruppenleiter der Frühschicht besorgte mir eine Mitfahrgelegenheit zum Bahnhof. An dieser Stelle danke dafür. Die konnte ich auch nur noch draußen abwarten, denn wenn ich nicht ganz schnell frische Luft bekommen hätte, wäre mir richtig schlecht geworden.

Deswegen an dieser Stelle ein dickes Danke. Ihr wart alle toll und ich hätte wirklich gern mit Euch im Hof gequatscht. Aber mein Gehirn war im Generalstreik. Ich hab ja nicht mal kapiert, dass da in der Frühe ein Polizist am Funk war, mit dem ich schon mal Streife gefahren war. Diese Info verarbeitete mein Gehirn erst zwei Tage später. Unfassbar! So ein Mist! Ich hätte gern grüßen lassen.
Sollte ich noch einmal die Gelegenheit bekommen (von mir aus immer gerne) werde ich zusehen, dass ich vorher deutlich mehr Schlaf bekomme.

Danke für Euren Einsatz – und danke dafür, dass unser Plakat schon bei Euch hing.

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Allgemein Polizeiarbeit

Folgen einer Genesungskarte – Nachtschicht in Bremen

Eines Tages erhielt ich einen Brief. Aus Bremen. Einen sehr netten Brief eines (aus meiner Warte) jungen Polizisten, der sich für eine Genesungskarte bedankte.

Zur Erinnerung – unser Verein schickt seit Jahren regelmäßig Genesungskarten an schwer, krankenhausreif und dienstunfähig verletzte Polizistinnen und Polizisten. Natürlich nur, wenn diese in den Pressemitteilungen ihrer Behörde auftauchen oder proaktiv von Vorgesetzten oder Sozialberatern angefragt werden, was mittlerweile auch schon passiert. Viele wissen bereits, dass Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. der Begriff Datenschutz nicht unbekannt ist. In Rheinland-Pfalz schicken wir Karten an alle verletzten Polizeibeamten, da der Vereinssitz in diesem schönen Bundesland liegt.

Ab und zu kommen da sehr nette Dankschreiben. Leider schaffe ich es zeitlich nicht, diese alle zu beantworten, aber ich gebe mir Mühe. Und sie tun mir wirklich gut, denn bei allem Spaß, den ich an der Sache habe, ist es doch viel Arbeit.

Jedenfalls kam da dieser schöne Brief aus dem hohen Norden, der leichtsinnigerweise mit dem Satz endete: „Wenn Sie mal in Bremen sind, dann besuchen Sie mich doch mal auf meiner Dienststelle.“

Joah. Sowas lass ich mir nicht zweimal schreiben, schon gar nicht, wenn ich tatsächlich in kürzester Zeit einen Aufenthalt in der Nähe plane. Also besuchte ich bei meinem nächsten Besuch in Bremen Peter, so heißt er nämlich, mal kurz auf seiner Dienststelle.

peter

 

Übrigens war das der Tag, an dem in Brüssel der Terroranschlag auf den Flughafen stattfand.

Eigentlich sollte ich nur ganz kurz mal gucken und dann von einem lieben Bekannten zum Kaffee abgeholt werden. Der allerdings hatte sich morgens noch eine Kampfsporteinheit gegeben, die seinem Rücken nicht wirklich bekommen war – und fiel aus. Bis das endgültig klar war, verbrachte ich eine gute Zeit in der Dienststelle, schnackte mal hier und dort mit den Leuten. Plötzlich kam das Gespräch auf meine Nachtschichten in Ludwigshafen und Mainz. (Die in Frankenthal hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden.)

„Sowas geht hier bestimmt auch“, meinte Peter. „Ich schau mal.“
20160611_191656_blogEs ging. Das Lustige ist – die Zugverbindungen zwischen meinem Wohnort und Bremen sind so gut, dass ich auch nicht später ins Bett kam als nach einer Nachtschicht in der Pfalz. Läuft!

Bereits auf der Hinfahrt hatte ich Bezug zur Polizei. Nachdem ich nämlich die Genesungskarten für die Verletzten der letzten Woche fertig hatte, stand der Zug erst einmal für eine Weile am Bahnhof von Diepholz herum, weil sich eine Person in den Gleisen aufhielt. Ein Einsatz der niedersächsischen Polizei. Ich gebe zu, dass mich das etwas nervös gemacht hat.

Trotz allem schaffte es der IC, soweit pünktlich einzutreffen, dass Peter mich noch abholen konnte.
20160611_220547_kleinIn der Dienststelle brannte bereits die Luft, weil ein Einsatz den nächsten jagte. Also wurde ich zwischen zwei Telefonaten kurz begrüßt, dann bekam ich schon mal eine Schussweste (bis hierher definitiv das schickste Modell, sorry, liebe Polizei RLP; bei Euch mag ich aber den Aufdruck „POLIZEI“ lieber…), die auch gleich von Peter angemessen verziert wurde. Ich fragte, ob ich die Verzierung erweitern dürfe, was auch in Ordnung war. Also hatte ich jetzt eine in jeder Hinsicht eindeutige Kennzeichnung.

Natürlich musste ich auch hier wieder eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Davon kenne ich nun mittlerweile einige, ich lese die auch immer sehr interessiert durch. Diese hier war aber bis jetzt die Schmeichelhafteste. Ich weiß, ich hab mich gut gehalten, aber soooo gut?

 

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Nach dieser Verjüngungskur konnte es also gleich losgehen. Ich lernte Peters Partner für diese Nacht kenne, Yannik.
20160611_224859_blogZuerst wurde noch der Streifenwagen gepackt. Ein rheinland-pfälzischer Polizist hatte mir im Vorfeld noch aufgetragen, darauf zu achten, was in Bremen anders ist als in RLP. Es fängt damit an, dass der Streifenwagen, obwohl auch ein Passat, nicht ganz so vollgeladen ist – ich konnte durch die Heckscheibe hinaussehen. Ich kam allerdings nicht dazu, zu hinterfragen, warum das so ist. Da müsste ich mal bei Gelegenheit jeweils eine Packliste bekommen und diese vergleichen. Das habe ich für das nächste Mal auf dem Zettel.

Unser erster Einsatz war, einen Elfjährigen nach Hause zu fahren. Das hört sich nun nicht sonderlich spektakulär an. Für mich war es das aber. Der junge Mann hatte nämlich ein Handy gestohlen und versucht, es am Bahnhof zu verkaufen. Dabei war er erwischt worden. Der Diebstahl selbst hatte in einer Moschee stattgefunden.

Ich weiß, die meisten Polizisten ziehen nur noch die Augenbrauen hoch, wenn mich Dinge völlig aus den Latschen hauen – aber mal ernsthaft: ein Elfjähriger, der in einem Gotteshaus klaut… das finde ich schon heftig.

Entsprechend war ich ein wenig sprachlos und schweigsam, auf meinem Sitz hinter dem Fahrer. Meine beiden Begleiter hingegen sprachen sehr nett mit dem Jungen. Sie erinnerten mich dabei ein wenig an die beiden Polizisten, die mich Karneval nach Hause gefahren hatten, als ich 16 war, und damit einen der Grundsteine für mein positives Polizeibild gelegt hatten. Der Kleine war allerdings nur mäßig gesprächig.

Auf unser Klingeln waren nur die Mutter und einige Brüder daheim. Meinem Eindruck nach war die Mutter ziemlich unbegeistert von dieser Aktion ihres Jüngsten – insbesondere von dem Teil mit der Moschee. Ich nehme an, der Abend war bei dieser Familie nicht mehr allzu harmonisch.
20160612_005316_blogWir hingegen mussten weiter, denn es wurde eine Schlägerei gemeldet. Peter warf Blaulicht und Martinshorn an und Yannik den Motor. Nun hatte ich ja schon öfters die eine oder andere Blaulichtfahrt, aber selten hatte ich mich dabei so in Abrahams Schoß gefühlt wie bei Yannik.

Falls einer meiner anderen Fahrer das hier liest – Ihr wart alle super! Echt! Ich hatte bei keinem von Euch Angst, sonst hätte ich was gesagt. Ihr wart alle umsichtig. Ich fand es aufregend und hatte Spaß. Ihr wart durch die Bank toll! Ist schwer zu erklären, was bei Yannik anders war.

Kurz vor Ankunft stellte Peter Musik und Lichtshow wieder ab, vermutlich, um nicht möglicherweise hochschlagende Aggressionen noch zu verstärken.

Am Einsatzort angekommen präsentierte sich uns eine sehr ruhige Bremer Straße. Nichts. Eine weitere Streife, zivil, zirkelte ebenfalls durch die Gegend.

Yannik fragte durch das Fenster einen Herrn vor einer Shisha-Bar, ob ihm etwas aufgefallen sei.

„Nein, hier ist gar nichts los.“

Aha!

Ein Gruppe Männer überquerte die Straße, zwei junge Männer blieben auf ihrer Straßenseite stehen. Wir stiegen aus. Peter legte sich einen beeindruckenden Schlagstock an. Offenbar nicht der erste Einsatz der beiden, bei dem vordergründig himmlischer Frieden herrschte.

Peter und Yannik fragten einen der beiden jungen Männer, ob er etwas von einer Schlägerei wüsste.

„Nein, hier ist gar nichts passiert.“

Die Zivilstreife nahm sich der Gruppe an. Nach allem, was ich hören konnte, bestätigten die, dass alles ruhig sei.

Ich habe keine Ahnung, aus welchem Anlass heraus, aber plötzlich gab einer der beiden Männer zu, was genau sich hier abspielte.

Protagonisten: zwei Großfamilien, beide nahöstlicher Herkunft.

Die Tochter von Familie X sollte am folgenden Tag gegen ihren Willen verheiratet werden, im Heimatland der Familie. Sie war damit nicht einverstanden und ergriff die Flucht – gemeinsam mit einem Mitglied der Familie Y, dem Bruder des jungen Mannes, der plötzlich gesprächig wurde. Der konnte seinen Bruder aber auch nicht erreichen, sowohl sein Handy als auch das der ehemaligen zukünftigen Braut waren ausgeschaltet.

Solche Entführungen machen eine junge Frau „unbrauchbar“ für die Eheschließung, auch wenn, wie in diesem Fall, laut dem Bruder der Entführer und die Braut gar nicht miteinander intim sind. Für die Familie X bringt das einen Haufen Probleme mit der Familie des Bräutigams mit sich, also wollten sie das Mädchen wiederhaben. Diese Forderung stellten der Vater, zwei seiner Söhne und zwei weitere, etwas entferntere, Familienmitglieder.

Dazu muss man sagen, dass das Mädchen über 18 war, also aus Sicht der Polizei, wenn sie freiwillig mit dem jungen Herrn Y unterwegs war, in dieser Hinsicht kein Handlungsbedarf bestand. Es gestaltete sich allerdings etwas schwierig, die Tatsache der Volljährigkeit herauszufinden, da Herr X das Geburtsdatum seiner Tochter nicht kannte.

Für Familie Y bedeutet das auch eine Menge Ärger, denn sie muss in ihrer Gesamtheit für so etwas geradestehen. Oder, um es mit den Worten unseres Informanten zu sagen: „Hieraus kann alles werden – von einer Geldforderung im fünfstelligen Bereich bis hin zu einer Schießerei.“

Mittlerweile waren auch weitere Streifen- und Mannschaftswagen der Polizei eingerückt und demonstrierten Präsenz. Mich persönlich beruhigte das auch ziemlich in dieser Situation.

Die Personalien der anwesenden Mitglieder der Familie X und Y wurden erhoben. Die Ys wohnten auch in der Straße, in der wir uns aufhielten, die Mitglieder der Familie X erhielten für die Nacht einen Platzverweis. Tatsächlich stiegen sie in ihre Wagen und fuhren ab.

Peter und Yannik entschieden, noch eine Weile die Gegend zu bestreifen, um zu sehen, ob sich die Xs an den Platzverweis hielten. Als wir gerade einsteigen wollten, traten die Eltern Y auf den Plan und verliehen ihrer Besorgnis Ausdruck. Sie hatten deutlich Angst vor den Xs.

Schließlich gingen sie in ihre Wohnung. Tatsächlich zirkelten wir für eine Weile noch durch die Umgebung des Einsatzortes. Die anderen Polizeikräfte waren nach und nach abgerückt. Vordergründig tat sich nichts mehr. Das muss aber nichts bedeuten. Schließlich waren ja wohl die betont harmlos vorgetragenen Aussagen „Hier ist nichts los“ vom Einsatzbeginn im Lichte dessen, was sich im Nachgang herausstellte, mit nichts anderem als „Haltet euch raus“ zu übersetzen. Da aber nun mal unsere Polizei eigenwilligerweise den Rechtsstaat tatsächlich überall durchzusetzen wünscht, wo er gilt, kann man ihr das schlecht direkt sagen und versucht dann eben, sie am Nasenring durch die Manege zu führen.

Anschließend fuhren wir auch noch mal bei Familie X vorbei. Drei der uns bereits bekannten Herren standen vor der Tür. Peter wiederholte noch einmal die Ansage an die drei, sich vom Wohnsitz der Ys fernzuhalten, dann fuhren wir in die Dienststelle.

 

Auf dem Weg dahin bekamen wir noch einen schnellen Einsatz wegen einer Ruhestörung herein. Zuerst suchten wir die Dame auf, die die Polizei angerufen hatte. Das dauerte ein wenig, denn sie wohnte in einem sehr neuen Viertel von Bremen und auch nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stein des Anstoßes, den wir auf dem Weg zu ihr passierten. Als wir endlich an der angegebenen Adresse (teilweise mit Hilfe meines Navigators im Smartphone – ich freue mich immer, wenn ich nützlich sein kann) aus dem Auto gestiegen waren, hörten wir… so gut wie nichts. Zwischen ihr und der Kneipe befanden sich mehrere Häuserreihen. Hm. Die Dame versicherte uns, dass der Lärm nahezu unerträglich sei. Offensichtlich bin ich nicht im Ansatz so lärmempfindlich wie ich dachte.

Anschließend fuhren wir noch einmal zu der Kneipe. Der Verantwortliche versprach Peter, ordnungsgemäß in fünf Minuten zu schließen (es war fünf vor eins). Peter notierte seine Personalien. Damit war der Einsatz auch erledigt.
20160611_224935_blogIn der Dienststelle wurde es richtig lustig, denn nun musste das Familiendrama zu einem Bericht zusammengefasst werden, der auch dem übergeordneten Lagezentrum so bald wie möglich zugänglich gemacht werden musste. Schließlich stand immer noch jede Folge von „Geldforderung“ bis „Schießerei“ im Raum und im letzteren Fall ist es günstig, wenn die Polizei Bescheid weiß. Für jede beteiligte Person und jedes beteiligte Fahrzeug muss erst einmal ein eigenes Datenblatt eröffnet werden. Es liegt auf der Hand, dass das bei zwei Großfamilien schon mal das eine oder andere Datenblatt mehr werden kann. Nachdem das erledigt war, musste dazu ein Bericht geschrieben werden, was um zwei Uhr morgens nicht unbedingt die einfachste Sache ist. Auch hier konnte ich mich ein bisschen nützlich machen, indem ich am Ende noch mal Korrektur las. Bei anderen finde ich Tippfehler ja immer sehr gut.
20160612_024859_blogVor allen Dingen jedoch hilft es dabei, in Ruhe gelassen zu werden, also machte ich ein paar Symbolfotos für KGgP. Danach bin ich immer auf der Suche.

 

Nachdem dieser Bericht in trockenen Tüchern und an alle Stellen versandt war, ging es wieder raus auf die Straße. Als nächstes bekamen wir wieder eine Ruhestörung rein. Dafür mussten wir ganz schön weit rausfahren. Ich wusste gar nicht, dass Bremen so ländliche Stadtteile hat. Sehr schön dort, hat mir gut gefallen.

Dieses Mal brauchten wir ein wenig länger, um die Lärmquelle auszumachen, es handelte sich um eine Grillfete. Die Herrschaften sahen nur, dass wir in einem blau-weißen Auto aufkreuzten und bevor einer meiner beiden Begleiter irgendetwas sagen konnte, wurde die Musik noch leiser gedreht. Wir wurden sehr freundlich begrüßt. Geht doch, liebe Mitbürger!

Yannik fand das sehr erstaunlich, diese Herangehensweise durch meine Mitbürger scheint in Bremen nicht an der Tagesordnung zu sein. Schade eigentlich, denn das Drehen am Lautstärkeregler ist so einfach!

Dennoch muss ich sagen, dass allein die Tatsache, dass wir so lange brauchten, die Fete ausfindig zu machen, in mir Fragen aufwirft. Vor vielen Monaten sagte mal ein Polizist sehr entnervt zu mir: „Manchen Leuten sollte man die 110 aus dem Telefon ausbauen – gerade bei angeblichen Ruhestörungen.“ Damals hatte ich noch ein ganz schlechtes Gewissen, denn auch ich hatte ja schon hier und da Freund und Helfer bemüht. Nach dieser Nacht in Bremen und der in Frankenthal fühle ich mich aber rehabilitiert. Das war echt Krach gewesen…

 

Nun wurde die Nacht für Bremer Verhältnisse sehr, sehr ruhig. Das ist aber gar nicht schlimm, denn so konnten wir ein arg einbruchsgefährdetes Viertel bestreifen.

 
20160612_035340_blogKaum aus diesem Viertel herausgekommen, preschte uns ein schwarzer BMW vor den Kühler. Um genau zu sein nahm der Wagen eine Kurve mit quietschenden Reifen. Dagegen sind die Jungs und Mädels auf dem Nürburgring echt langsam. Also wendete Peter den Streifenwagen und wir fuhren hinterher. Der BMW stand mittlerweile in der Auffahrt eines Einfamilienhauses, ausgestiegen waren zwei junge Männer Anfang 20. Die beiden zeigten sich nicht erbaut von der Kontrolle, waren aber nüchtern und hatten auch einen Führerschein. Es war halt das Phänomen „junger Mann plus gut motorisiertes cooles Auto“ (was man landläufig so „cool“ nennt, für mich ist ein Auto ja erst dann wirklich „cool“, wenn es Blaulichter auf dem Dach hat). Da muss man dann auch geschwindigkeitstechnisch einen auf dicke Hose machen. Peters Aussage „Wir haben uns einfach Sorgen um Sie gemacht, wegen Ihres Fahrstils“ wurde nicht mit Einsicht begegnet. „Macht das nicht jeder so?“ wurden wir gefragt.

Nein, zum Glück nicht. Sage ich jetzt hier. Im Einsatz pflege ich den Mund und mich rauszuhalten. Übrigens kriege ich selbst mal gerne Knöllchen für meinen Gasfuß, ich rede hier also durchaus aus der Warte einer Person, die gerne schnell fährt. Aber es gibt einfach Grenzen und die sind dann erreicht, wenn Mitmenschen gefährdet werden. Da kann man noch froh sein, wenn man das nur mit Euro bezahlt und nicht mit lebenslänglichen Gewissensbissen.

 

Kaum wieder im Streifenwagen kam uns der nächste Pappenheimer entgegen, dieses Mal mit einem sehr schwächelnden Scheinwerfer. Auch das ein ausreichender Grund für eine Verkehrskontrolle.

Auch hier war ansonsten alles in Ordnung und das mit dem Scheinwerfer klärte sich auch auf. Was zwei unterschiedliche Birnenmarken in den beiden Frontscheinwerfern so auslösen können…

 

Also wieder ab auf Streife. Dabei kamen wir an einer Disco vorbei, vor der sich eine Menge junger Leute aufhielten. Einige davon aßen einen Döner. Dazu muss ich sagen, dass mir leider aufgrund der Verspätung meines Zuges mein Abendessen durch die Lappen gegangen war und ich außer einem Eis aus den Beständen der Dienststelle (auf Peters Kosten – Danke dafür!) nichts bekommen hatte. So richtig bemerkt hatte ich meinen Hunger allerdings nicht, dafür war die Nacht zu interessant gewesen. Als mir allerdings dieser Dönerduft in die Nase stieg, erwachte der Neanderthaler in mir. Ich musste mich buchstäblich im Geiste mit Handschellen an den Streifenwagen fesseln, um nicht auszusteigen, und einem der jungen Leute das Essen aus der Hand zu reißen. Deswegen bekam ich auch nur am Rande mit, wie Peter die jungen Leute bat, ihre lang ausgestreckten Beine von der Straße zu nehmen. Was Sinn macht, denn wenn mal nicht die Polizei kommt, sondern jemand, der meint, dass alle fahren wie die Henker, wenn nur das Auto „cool“ ist, dann sind die Haxen ab.

 

Dann fiel im Funk das Wort „Notruf“ gekoppelt mit dem Namen der Straße, in der wir den Einsatz wegen der Schlägerei, die keine gewesen war, gehabt hatten. Der Vorfall, bei dem auch noch eine Schießerei durchaus eine Option war. Ich bekam auf meinem Rücksitz schon leichte Schnappatmung, als dann als drittes die Vokabel „Ölspur“ fiel. Manchmal ist unspektakulär auch spektakulär schön!
20160612_041236_blogWir machten uns also auf die Suche und fanden erst einmal – NICHTS. Zumindest nicht an der beschriebenen Stelle. Also fuhren wir ans Ende der Straße, um auf einer weiteren Querstraße zu drehen, da sahen wir sie. Holla, die Waldfee! Das war keine Ölspur, das war die Mutter aller Ölspuren. Sie zog sich etwa einen halben Meter breit diese Straße entlang. Wir stiegen aus und nahmen auch gleich eine Nase voll Duft Marke „raffiniertes Erdöl“.

Wir folgten ihr mit dem Wagen ans eine Ende, wo wir auch den Verursacher fanden – einen LKW. Bei Licht betrachtet, war es auch keine Ölspur, sondern eine Dieselspur. Offensichtlich war der Tank Leck geschlagen. Und hier, an dieser Stelle, war es dann nicht mehr weitergangen. Irgendwann ist Ende mit leerem Tank…

Wieder stiegen wir aus. Es stank wie an einer explodierten Tankstelle. Ein netter Mensch, der in einer nahegelegenen Firma arbeitete, stellte eine Wanne unter den tropfenden Lastwagen und streute schon einmal einen Teil des Diesels ab.

Peter notierte das KfZ-Kennzeichen des fraglichen LKW. Der Fahrer würde dann zu ermitteln sein.

Interessehalber folgten wir der Spur zurück. Sie war sage und schreibe um die fünf Kilometer lang. Auf Straßen, auf denen man schneller fahren durfte, wurde sie dünner, teilweise fast nicht mehr zu sehen. Dafür fand sich an der einen oder anderen Ampel jeweils eine riesige Pfütze.

Noch während wie der Spur folgten verständigte Yannik eine Firma, die für Umweltsanierung zuständig ist. Derart viel Diesel in der freien Natur ist für die Umwelt schädlich, also muss es weg. Zumal ja in diesem Fall klar war, wer es bezahlen würde. Offenbar machte dieses Unternehmen sich auch sofort an die Arbeit, denn nachdem wir von einem Schlenker über den Parkplatz eines Fastfood-Restaurants zurückkamen, war sie in Teilen schon gereinigt worden. Daumen hoch!

 

Damit war auch diese Nacht zuende. Ich bekam in der Dienststelle die einmalige Gelegenheit, an sichergestelltem THC (vulgo: Gras) zu schnuppern und stellte fest, dass ich den Geruch ganz gut kannte. Das hatte ich recht oft in meinem Studentenwohnheim in Paris gerochen. Himmel, war ich damals naiv. 1991 war ich auf Bitten der Polizei Zeugin bei einer Wohnungsdurchsuchung nach Drogen, die auch aufgefunden wurden. Auf meine Frage an einen der Polizisten, ob meine Wohnung nicht auch durchsucht werden müsse, da ich ja mit der Dame zusammen in ihrer Wohnung gewesen sei und überhaupt, schaute er mich nur ungläubig an und sagte: „Drogen? Sie? Wollen Sie mich verarschen?“ An diesem Sommermorgen in Bremen wurde mir klar, was er gemeint hatte. Na ja, auch nicht zwingend das Schlechteste im Leben, wenn man solche Gerüche nicht zuordnen kann… zumindest wurde mir auch nie davon angeboten. Vermutlich strahlte ich damals schon aus, dass ich die Police Nationale damit beschäftigen würde…

Dann fuhr Peter mich schnell zum Bahnhof, wo ich endlich Essen einfahren konnte.

Und wieder war es schneller gegangen als ich gucken konnte. Ich habe mir sagen lassen, dass es für Bremer Verhältnisse eine sehr ruhige Nacht gewesen war. Das macht nichts, denn erstens weiß ich, dass ruhige Nächte in Bremen nicht der Standard sind, und zweitens heißt das, dass ich nochmal wiederkommen muss. Und drittens kann ich mich nur immer wieder wiederholen – ich bin so drauf, dass ich es selbst dann spannend fände, wenn ich nur die liebe lange Nacht im Streifenwagen durch die Gegend geschaukelt würde.
stickered_20160612_065535Ein dickes Danke an die Bremer Polizei, dass ich diesen Einblick bekommen durfte, an Peters und Yanniks Dienstgruppe und natürlich ganz besonders an Yannik und Peter. Ihr seid klasse! Bleibt so!

Allgemein Polizeiarbeit

Ich kann es nicht lassen – noch ’ne Spätschicht Ludwigshafen 1

Wieder einmal hatte ich eine Sitzung im Ludwigshafener Polizeipräsidium. Diese war mal wieder sehr lohnend, aber dennoch wollte ich die weite Anfahrt sinnvoll nutzen, indem ich eine Spätschicht mitfahre.

lu_1_2_1Nachdem ich in meine heutige Leihschussweste geschlüpft war, wurde ich an mein erstes Streifenteam, Karl und Chrissi, übergeben. Es ging auch direkt gut los: In einem großen Einkaufszentrum war dem Sicherheitsdienst ein Ladendieb aufgefallen.

Wir parkten am vorderen Ende des Einkaufszentrums. Um zum Einsatzort zu gelangen, mussten wir es einmal der Länge nach durchqueren. Nun passiert es mir als Frau ja durchaus öfters, in einem Einkaufszentrum unterwegs zu sein. Ich konnte auch nicht verhindern, dass meine Blicke gelegentlich zu den Auslagen in den Schaufenstern rechts und links von mir abschweiften. Gleichzeitig habe ich mittlerweile einen gewissen Gewöhnungseffekt erreicht, dass ich mit voll uniformierten Polizisten unterwegs bin. Insofern fühlte sich die Situation für mich eigentlich nicht weiter ungewöhnlich an. Für andere Menschen ist der Anblick der Polizei in einem Einkaufszentrum aber noch etwas sehr Ungewöhnliches – entsprechend wurden wir angestarrt. Ein eigentümliches Gefühl.

Doch zurück zu unserem Ladendieb. Sicherheitsdienst, Geschäftsführer und Angestellte eines der Geschäfte vor Ort hatten ihn bereits ins Separé am anderen Ende des Ladens geführt. Auch hier wurden wir bei der Durchquerung des Geschäftes sehr neugierig beäugt. Noch nie war mir das so aufgefallen wie dieses Mal.

Der Herr vom Sicherheitsdienst informierte uns, dass der junge Mann bereits in anderen Geschäften mehrfach versucht hatte, sich mit diversen Gütern zu versorgen. Kleidung, Lebensmittel usw.

Karl durchsuchte seinen Rucksack, Chrissi nahm die Aussagen und Personalien der Angestellten und des Herrn vom Sicherheitsdienst auf. Schließlich fragte Karl den jungen Mann nach seinen Papieren. Die Verständigung gestaltete sich schwierig, da keine gemeinsame Sprachbasis vorhanden war. „No german“, erklärte er uns. Das Wort „Passport“ verstand er nach mehrfacher Wiederholung und zeigte die Kopie eines Schriftstücks, das Asylbewerber im laufenden Verfahren bekommen. Polizeilich gemeldet war er laut dieser Kopie in Trier. Nun ist eine Kopie nicht wirklich als Ausweisdokument zu gebrauchen. Deswegen musste er uns, wie jeder Mensch, der sich nicht ausweisen kann, zur Identitätsfeststellung auf die Dienststelle begleiten.

Symbolfoto
Symbolfoto

Interessanterweise wurden wir auf dem Rückweg zum Streifenwagen deutlich weniger angestarrt als vorher – obwohl wir doch nun mit einem Festgenommen zwischen Karl und Chrissi für meinen Geschmack deutlich mehr „Drama“ boten als zuvor, als wir einfach nur durch die Einkaufsstraßen liefen. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass nun klar war, warum die Polizei vor Ort war. Vor dem Hintergrund der Nachrichten der letzten Monate aus Paris und Brüssel sind Polizisten, für denen Anwesenheit Menschen den Grund nicht sofort erkennen, möglicherweise beunruhigend.

Auf dem Weg zum Streifenwagen, im Streifenwagen und in der Dienststelle fragte der junge Mann mehrfach: „May I smoke?“ Das Konzept von Nichtrauchergebäuden schien ihm für mein Gefühl unbekannt zu sein. Das Konzept, dass man sich mit einem einmaligen „Nein“ zufriedengeben könnte, aber auch. Und bevor jetzt gleich wieder jemand seine Vorurteile bestätigt sieht – die Nichtakzeptanz von klaren Grenzen ist ein nationalitätenübergreifendes Problem.

Auf der Dienststelle konnte seine Identität recht schnell festgestellt werden. Eine Abfrage im System ergab, dass dies nicht sein erstes Zusammentreffen mit der rheinland-pfälzischen Polizei war, allerdings sein erstes in Ludwigshafen. Die anderen hatten im Raum Trier stattgefunden und meistens war der Anlass ein vorangegangener Ladendiebstahl gewesen.

Da nun geklärt war, mit wem wir es zu tun hatten, durfte er wieder gehen und dann endlich auch vor der Tür eine rauchen.

 

lu_1_2_6Zeit für den Wechsel zur nächsten Streife.

Jetzt fuhr ich mit Kai und Vanessa. Ermittlungsarbeit musste erledigt werden. Ein junger Mann war deutlich zu schnell geblitzt worden – in einem auf ein Unternehmen angemeldeten Fahrzeug. Also musste in dem Unternehmen nachgefragt werden, ob der junge Mann auf dem Bild dort bekannt ist. Schließlich sollte das Bußgeld korrekt zugeordnet werden.

Der junge Mann war dort bekannt. Wir bekamen seine Daten. Offensichtlich war auch diese Geschwindigkeitsüberschreitung kein Einzelfall. Man hatte sich auch nicht im Guten getrennt.

Anschließend bestreiften wir Ludwigshafen. Plötzlich rannte ein junger Mann auf den Streifenwagen zu: „Können Sie mir helfen?“ Natürlich! Wer, wenn nicht die Polizei. Er brauchte eine Wegbeschreibung zu einer städtischen Behörde. Die bekam er auch.

lu_1_2_4Auf dem Weg zurück in die Dienststelle fiel meiner Streife ein junger Mann auf, der beim Fahren mit dem Handy telefonierte. Dieses Mal bemerkte sogar ich es, denn er fuhr Fahrrad. Etwas sagte meinen beiden Begleitern, dass hier eine ausführlichere Kontrolle sinnvoll sein könnte. Der junge Mann wirkte dabei auch insgesamt recht entspannt, er bat lediglich um einen Anruf bei seiner Lebensgefährtin, um seine Verspätung anzukündigen.

Kai und Vanessa hatten Recht gehabt – sie fanden im Rucksack des Herrn ein Einhandmesser, was eine verbotene Waffe darstellt. Diese wurde entsprechend beschlagnahmt, um sie der Waffenbehörde weiterzuleiten. Diese entscheidet dann auch darüber, ob der junge Mann sie wiederbekommt. Auch das nahm er stoisch auf.

 

In der Dienststelle wurde ich an Karl und Chrissi zurück übergeben. Als erstes ging es wieder zum Einkaufszentrum, in dem mittlerweile einige Ladenbesitzer ihre Strafanträge gegen unseren Ladendieb ausgefüllt hatten. Diese wurden von uns abgeholt.

lu_1_2_5Auf dem Weg zurück zum Streifenwagen (wieder einmal quer durch die Galerie), bemerkten wir einige Jugendliche, die sich recht grenzwertig benahmen. Ihr Bewegungsmuster war, vorsichtig ausgedrückt, etwas erratisch und sie lachten. Als dann einer in einem der Läden herumgröhlte, war Schluss mit lustig. Karl machte eine klare Ansage, dass man sich so nicht benehmen muss. Natürlich wurde das vordergründig weggelacht (Gruppendruck und so…), aber es wirkte immerhin soweit, dass das Verhalten von da ab tatsächlich als „normal“ durchgehen konnte.

Kaum im Streifenwagen zurück, erhielten wir einen Einsatz wegen mutmaßlicher häuslicher Gewalt. Nachbarn hatten wegen einer lautstarken Auseinandersetzung die Polizei alarmiert. Am Einsatzort stieß gleichzeitig mit uns eine weitere Streife dazu. Einer der beiden Herren war mit einer Bodycam ausgestattet.

Symbolfoto
Symbolfoto

In der angegeben Wohnung hielt sich ein Paar auf. Die Frau schwor, nicht geschlagen worden zu sein. Der Mann erklärte ebenfalls, die Frau nicht geschlagen zu haben. Er machte uns allerdings darauf aufmerksam, dass die Züchtigung von Frauen in seiner Heimat üblich sei. Ihm wurde mitgeteilt, dass das dennoch in unserem Rechtssystem nicht vorgesehen sei. Da die Frau darauf beharrte, dass nichts vorgefallen sei und auch keine Spuren von körperlicher Gewalt aufwies, rückten wir wieder ab.

In der Wohnung befand sich auch ein kleines Mädchen, vielleicht drei oder vier Jahre alt. Zuerst wirkte sie sichtlich verschreckt, ob nun aufgrund vorhergehender Ereignisse oder wegen des Polizeiaufgebots in der Wohnung (oder beidem), weiß ich nicht. Einer der beiden Polizisten, die später zu uns gestoßen waren, versuchte, ihr die Angst zu nehmen, indem er über die ganze Zeit Späßchen mit dem Kind machte. Alles über Augenkontakt quer durch die Wohnung, denn gleichzeitig mussten er und sein Kollege ja Karl absichern. Das war so niedlich. Da war es wieder, was ich an unseren Ordnungshütern so schätze. In den Uniformen stecken Menschen.

 

Und schon wieder war es Zeit für die Übergabe an Kai und Vanessa. Der erste Einsatz war auch schon da. Eine Frau war von ihrem Nachbarn im Treppenhaus gegen ihren Willen geküsst worden. Entsprechend verzweifelt war sie. Zum Glück für sie war ihr Freund bei ihr. Kai und Vanessa beruhigten sie soweit, dass sie eine Personenbeschreibung abliefern konnte und uns sagen konnte, wo der Mann wohnt.

Meine beiden Begleiter befragten eine weitere Nachbarin im Haus, die uns den Namen des jungen Mannes nennen konnte. Zusätzlich lieferte sie uns die Information, dass er mit seiner Mutter in dieser Wohnung lebe, diese jedoch derzeit im Urlaub im Ausland sei.

Auf Kais Klopfen und Klingeln an seiner Wohnungstür, teilweise sehr vehement, kam keine Reaktion. Also suchten wir zu Fuß nach ihm in der näheren Umgebung. Immerhin sollte auch er zu der Sache befragt werden. Erfolglos. Vanessa und Kai entschieden, den Fall der Nachtschicht zu übergeben. Innerlich hakte ich den Einsatz schon ab. Wie so oft bereits sollte ich mich irren, denn kaum saßen wir wieder im Streifenwagen, tauchte ein Mann auf, auf den die Beschreibung passte. Er winkte dem Streifenwagen. Vanessa stoppte sofort. Wir stiegen aus.

Er: „Helfen Sie mir!“
Kai: „Wie ist denn Ihr Name?“
Er: „Helfen Sie mir, bitte. Meine Nachbarin hat meine Mutter entführt.“
Kai: „Sagen Sie mir Ihren Namen, dann helfen wir Ihnen.“

Er stellte sich vor und tatsächlich – er war der Gesuchte. Vanessa und Kai wollten sichergehen und fragten ihn nach seinen Papieren. Diese seien in der Wohnung. Also entschieden die beiden, ihn in den Streifenwagen zu laden und zur Wohnung zu fahren. Ich stieg um nach vorne und Kai nahm neben ihm auf der Rückbank Platz.

Aufgrund der eigenwilligen Verkehrsführung in dieser Gegend von Ludwigshafen mussten wir für die 300 Meter über einen Kilometer um den Block fahren. Nach gerade mal 100 Metern äußerte er: „Ich muss kotzen.“

Na prima.

Das sind genau die Ansagen, von denen man träumt, wenn man auf dem Beifahrersitz eines Autos sitzt. Meine Fantasie startete sofort mit ansprechenden Bildern von dem, was mir da alles in den Nacken spritzen würde. Schon zu meiner Kindheit war der Geruch von Erbrochenem in einem geschlossenen Auto etwas, wo ich nur noch danebenbrechen konnte. Das wäre ja ein netter Dank an die Polizei Ludwigshafen, besonders jedoch an diese beiden, wenn ich mich nun auch noch in den Streifenwagen übergeben würde. Das war ein sehr langer Kilometer für mich.

Zum Glück schaffte unser Tatverdächtiger es, die 1.000 Meter Fahrt zu überstehen, ohne seinen Mageninhalt zu verlieren. Vor dem Haus trat ein Bekannter von ihm auf den Plan, der sich anbot zu vermitteln. Das lehnten meine Begleiter im ersten Anlauf ab, baten ihn aber, in der Nähe zu bleiben.

In der Wohnung konfrontierte Kai ihn mit den Aussagen der Nachbarin. Er stritt alles ab, erklärte, er sei gerade erst von der Arbeit gekommen. Aber die Nachbarin hielte seine Mutter gefangen. Insgesamt wurde das Gespräch sekündlich diffuser. Schließlich holten Vanessa und Kai seinen Bekannten hinzu, der mitteilte, dass er in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet. Seine Attacke auf die Frau war also nicht böse gemeint gewesen, er konnte nichts dafür. Schließlich zogen die beiden gemeinsam ab.

lu_1_2_7Kai und Vanessa gingen noch einmal zu der Frau, die Opfer des Übergriffs geworden war und teilten ihr die Ergebnisse der Recherche mit. Sie sagten ihr auch, dass er sie vermutlich nicht noch einmal gezielt bedrängen würde. Sie ließ sich davon nicht beruhigen, was ich nachvollziehbar finde.

Mir persönlich ging der Fall ziemlich unter die Haut. Ich hatte in meinem engsten persönlichen Umfeld einen ähnlich gelagerten Fall, in dem eine junge Frau Opfer von Übergriffen eines jungen Mannes wurde, der sie zweimal zusammenschlug. Die Polizei war in dem Fall machtlos, da auch er aufgrund seiner geistigen Behinderung nicht für seine Taten verantwortlich war. Das ist auch einerseits richtig so. Andererseits ist es natürlich für die Opfer solcher Übergriffe nur ein schwacher Trost, dass derjenige sie nicht persönlich meinte, sondern andere Auslöser dahintersteckten.

Nun bestreiften wir noch ein wenig Ludwigshafen, dann ging es wieder zurück in die Dienststelle.

 

Diese Schichten gehen immer wahnsinnig schnell herum.

stickered_20160608_194724_klein_schriftMeine Begleiter hatten samt und sonders, wie so oft, Sorge, dass mir langweilig gewesen sein könnte. Nein, ist mir nicht. Ich bin wie ein Praktikant am ersten Tag, ich finde restlos alles spannend. Und ehrlich gesagt bin ich mittlerweile in einem Alter, in dem es mir zwar Spaß macht, wenn es ab und ab rund geht, aber ich bin für Tage, die „nur“ normal interessant sind, auch ganz dankbar.

Und dass Ihr viel zu tun habt und einen tollen Job macht, das weiß ich auch, wenn mal nicht ein Einsatz nach dem nächsten einschlägt.

Danke an die PI Ludwigshafen 1, dass ich immer wieder dabei sein darf.