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Imponierend – Spätdienst mit der Polizei in Frankenthal

Mit jeder Schicht, die ich bei der Polizei verbringen darf, merke ich, wie wenig ich über den Alltag in diesem Beruf weiß. Mit jedem Mal wächst meine Hochachtung vor diesem Berufsstand noch ein Stückchen an.

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Nach drei Schichten in eher großen Städten war es aus meiner Sicht an der Zeit, es mal mit einer etwas ländlicheren Inspektion zu probieren – etwas, was in einem Bundesland wie Rheinland-Pfalz nicht allzu schwer zu finden ist. (Das ist nicht böse gemeint, ich liebe Rheinland-Pfalz gerade dafür!). Die Polizeiinspektion Frankenthal war so nett, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Zugegebenermaßen geht es noch deutlich ländlicher als Frankenthal. Das lerne ich aber sicherlich auch noch kennen. Jedenfalls gab es schon klare Unterschiede zu Ludwigshafen und Mainz.

Zum Einstieg war es eine Spätschicht, die Nachtschicht kommt aber auch noch dran. Ich mache das ja alles nebenberuflich, und muss deshalb mit meinen Nächten sparsam umgehen.

Es geht damit los, dass die PI Frankenthal eine eigene Leitstelle und einen eigenen Funkkreis hat. In Ludwigshafen und Mainz hört man den Funk sämtlicher Dienststellen der Stadt mit, die Leitstelle befindet sich im jeweiligen Präsidium. Entsprechend war im Funk ununterbrochen etwas los, es war gelegentlich für meine Streifenpartner schwierig, überhaupt durchzukommen. Wenn es nicht ultradringend war, warteten sie, um ihr Anliegen loszuwerden. Hier war zwar auch immer was los, aber für mich als Laiin deutlich übersichtlicher…

Der Dienststellenleiter sowie „meine“ Schicht in Frankenthal begrüßten mich ausgesprochen freundlich. Ich wurde einer Streife zugeordnet, einer Polizistin Ende 20, J., und einem Polizisten Mitte 20, S.

J. und später auch der Dienstgruppenleiter machten sich später ein wenig Sorgen, weil die Schicht „sehr ruhig“ gewesen sei. Sie hätten sich wohl schon ein bisschen gefreut, mir mehr Action bieten zu können. Aus persönlichen Gründen (dazu später) war es mir an diesem Tag durchaus Recht, dass die Einsätze nicht Schlag auf Schlag hereinprasselten. Zudem wollte mir „meine“ Streife eigentlich das ganze Dienstgebiet zeigen. Wir haben nur die Hälfte geschafft – und ein geplantes Fotoshooting in Sachen Body-Cam ging auch ausgesprochen hektisch und mit nicht ganz so tollen Resultaten über die Bühne – soweit zum Thema „ruhig“. Wenn ich daraus hochrechne, was an nicht ruhigen Tagen so los ist, macht mich das schon etwas nachdenklich. Mir war ja schon immer klar, dass jene, die mir permanent davon erzählen, was sich Polizisten angeblich für einen lauen Lenz machen, nicht ganz richtig liegen können, aber an diesem Tag sprang mir das förmlich ins Gesicht.

Gerade mal drei Tage vorher hatte ich bei der Spätschicht der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 hospitiert. Am Tag danach war es in Ludwigshafen genau in der Spätschicht zu einem Angriff auf einen Polizisten gekommen. Er wurde mit einem Messer schwer verletzt. Der Angreifer wurde von einem weiteren Polizisten erschossen. Ich würde lügen, würde ich nicht zugeben, dass mir das auch auf persönlicher Ebene ganz schön nahe gekommen ist. Immerhin durfte ich schon zwei Mal bei der PI Ludwigshafen 1 mitfahren, wurde immer sehr nett empfangen und mir sind dadurch Menschen dort bekannt. Meine Gedanken gehören nach wie vor der PI Ludwigshafen 1.

Natürlich waren die Ereignisse in Ludwigshafen auch Thema in Frankenthal, zumal an diesem Morgen selbst auch noch ein tödlicher Schusswaffengebrauch im Norden von Rheinland-Pfalz hinzugekommen war.

Sicherlich fühlt sich jeder Polizist davon betroffen, ganz besonders im eigenen Bundesland. Jeder weiß in solchen Augenblicken, dass es ihn auch treffen kann und jeder denkt in irgendeiner Form darüber nach, z.B. indem er überlegt, wie er seine Ausrüstung verbessern kann. Diese Vorfälle schwangen den ganzen Tag über mit. Was nicht heißt, dass nicht zwischendurch viel gelacht worden wäre oder dass meine Streife nicht mit voller Konzentration ihre Einsätze abgearbeitet hätte. Aber es war eben da.

Deshalb war der Schichtverlauf aus meiner Sicht nicht der schlechteste. Im Gegenteil.

Nun aber genug der Vorrede.

Nachdem mir eine Polizistin, die derzeit Innendienst macht, netterweise ihre Schussweste auslieh, konnte es losgehen. Das war übrigens ein Unterziehmodell. Nicht sonderlich kleidsam, aber das ist ja auch kein Laufsteg, sondern ich begleite Menschen bei ihrer Arbeit, deren Beruf sekündlich gefährlich werden kann.

Übrigens bei teilweise fast 30 Grad Außentemperatur wurde ich Fan einer Überziehweste. Die kann man mal an der Seite aufmachen, um ein wenig Luft unter sie zu lassen. Das ist mit einer Unterziehweste nicht so gut möglich. Alles hat seine Vor- und seine Nachteile.

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Im Streifenwagen fiel mir als erstes auf, dass die Rückenlehne des Beifahrers deutliche Spuren eines der „Passagiere“ vor mir trug. Der war eindeutig weniger freiwillig als ich hier mitgefahren (worden).

 

Unser erster Einsatz war ein Unfall zwischen einem LKW und einem kleinen Lieferwagen an einer stark befahrenen Straße. Die Unfallaufnahme verlief interkulturell, denn die beiden Fahrer sprachen zwar miteinander italienisch, mit uns aber deutsch und französisch. Da einer der beiden allerdings am allerbesten arabisch sprach, und ein Zeuge diese Sprache auch sehr gut sprechen konnte, kam auch noch diese Sprache hinzu.

Erschreckend übrigens, welch doch recht eigenartiges Verständnis die passierenden Fahrer insbesondere großer und schwerer Fahrzeuge vom „Abbremsen an einer Unfallstelle“ haben. Hätten S. und J. nicht so gut aufgepasst, wäre vermutlich irgendwann mal einer von uns unter die Räder gekommen.

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Im Anschluss wurde die Einsatzlage etwas ruhiger, das heißt aber nicht, dass J. und S. nichts mehr zu tun gehabt hätten. Es gibt so einiges zu tun, auch wenn man nicht durch die Einsatzlage getrieben wird.

Als erstes versuchten wir, eine Gewaltschutzverfügung zuzustellen. Das ist ein Schreiben, in dem der Person mitgeteilt wird, dass sie sich einer anderen Person (im allgemeinen die Ex-Frau oder -Freundin) nicht nähern darf, usw. Der Empfänger war allerdings nicht daheim. Also rückten wir wieder ab.

Anschließend lagen Nachermittlungen zu einem Fahrraddiebstahl an. Das Fahrrad war von einem Bekannten des Besitzers gestohlen gemeldet worden. Also musste der Besitzer befragt werden, ob es sich tatsächlich um sein Fahrrad handelte. Ein entsprechendes Schreiben der Polizei war unbeantwortet geblieben, also wurde er daheim aufgesucht. Wir hatten Glück, er kam gerade nach Hause, als wir vor seiner Tür standen. Er freute sich, dass sich die Polizei darum kümmerte. Da er keine Kaufbelege mehr für das Fahrrad hatte, hatte er sich irrtümlich nicht mehr bei der Polizei gemeldet.

Anschließend galt es, einen Fahrer zu ermitteln. Ein Herr war im punktwürdigen Bereich geblitzt worden und es galt nun herauszufinden, ob der Herr auf dem Foto der Halter des Wagens ist oder wer das Auto sonst gefahren haben könnte.

Als erstes fuhren wir die Wohnadresse des Halters an, waren dort aber erfolglos. Zuerst öffnete niemand, dann war aber doch ein Verwandter daheim. Der war sich nicht sicher, ob er die Person auf dem Bild erkennen würde. Ehrlich gesagt hätte ich persönlich vermutlich einer ähnlichen Situation Skrupel.

Im Anschluss fuhren wir zurück auf die Dienststelle. J. rief den Halter des Fahrzeuges auf seinem Handy an. Der bot freundlicherweise an, direkt zur Dienststelle zu kommen, wo er auch fünf Minuten später erschien. Er identifizierte sich selbst und gab zu, dass er zu schnell unterwegs gewesen war. Dabei war er sehr freundlich.

Im Anschluss daran unternahmen wir einen zweiten Versuch, die Gewaltschutzverfügung zuzustellen. Erfolglos.

Anschließend ging es auf Streife, um mir die Größe des Dienstgebietes zu zeigen. Dabei bekamen wir gleich einen Einsatz in einem der Dörfer der Umgebung Frankenthals, wo eine Ampelanlage ausgefallen sein sollte. Wir durchfuhren zweimal die genannte Straße, konnten aber keine Ampel entdecken. Da zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Anrufe zu dieser Thematik vorlagen, ging es weiter.

In einem der Dörfer, die wir passierten, winkte uns eine Gruppe Kinder zu. Natürlich winkten alle zurück, ich auch.

Wie bereits angedeutet, machte uns die Einsatzlage einen Strich durch die Rechnung. Immerhin kann ich es in Teilen abschätzen. Seht Ihr auf dem Foto Frankenthal? Am Ende des Weges, an dem ich stehe? Nein? Ich auch nicht, zumindest nicht auf dem Bild. Mit bloßem Auge ließ es sich allerdings schon noch erkennen.

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Das Bild konnte ich machen, weil uns beim Bestreifen ein Roller entgegen kam, ein Einsitzer, auf dem aber zwei junge Damen saßen, eine davon ohne Helm.

Die beiden wurden natürlich an den Straßenrand gewinkt.

Nun lese ich ja oft in den Pressemitteilungen von den Extremfällen, in denen Jugendliche austicken und sozusagen Spitzenplätze in der Galerie der Gewalt einnehmen. Diese beiden waren eindeutig ein anderes Kaliber. Beide hatten einen Heidenrespekt vor der Polizei, dem Mädchen ohne Helm zitterten sogar die Hände. Sie fragte eins ums andere Mal: „Was passiert jetzt mit mir?“ und erst gegen Ende des Einsatzes wurde klar, dass sie glaubte, nun einen Eintrag im Führungszeugnis zu haben. Diese Angst konnte S. ihr aber sehr schnell nehmen.

Die Fahrerin versuchte, was ich sehr sympathisch fand, die Schuld allein auf sich zu nehmen, da sie ihre Freundin dazu überredet habe. Da sie ihre Betriebserlaubnis zuhause vergessen hatte, bekam sie eine Mängelkarte. Die andere musste aufgrund ihres sehr jugendlichen Alters damit leben, dass ihre Eltern informiert wurden – und Papa war nicht amüsiert.

Beide versprachen hoch und heilig, den Roller nach Hause zu schieben. Die Wetten im Streifenwagen standen 1:2, also zwei der drei Personen im Wagen glaubten, dass sie das wirklich tun würden. Leider wissen wir nicht, wer diese Wette gewonnen hätte, denn wir konnten das nicht mehr nachprüfen.

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Für das Foto bin ich übrigens kurz um die Ecke hinter eine Hecke gegangen, um die Mädels nicht auch noch damit nervös zu machen, dass sie befürchten mussten, ihr Bild in der Abendzeitung wiederzusehen.

Noch während wir mit den jungen Damen befasst waren, kam der nächste Einsatz herein. In einem Naturschutzgebiet am Rhein gingen die Emotionen hoch, weil eine Dame ihren Hund unangeleint gelassen hatte. Der Kreis bezahlt eine eigene Security-Firma, die sich darum kümmert, dass dies eben nicht passiert. Ich habe selbst einen Hund, ich werde niemals verstehen, wo das Problem ist, den in einem Naturschutzgebiet an die Leine zu legen.

Außerdem, und das war das eigentliche Problem, verscheuchten die Security-Herren die Menschen vom Rheinufer, wegen der Bodenbrüter. Da aber niemand vor Ort genau wusste, wann denn nun Brutzeit ist, waren die Gemüter in dieser Frage recht bewegt. Die betroffene Dame hatte durchaus Unterstützer in dieser Frage gewonnen, sodass sich im Laufe des Einsatzes eine größere Gruppe Menschen um uns sammelte. Übrigens sprachen die alle, soweit ich das als Rheinländerin beurteilen konnte, astreines pfälzisch. Nur um Reflexen vorzubeugen, die manche Leser unserer Präsenzen bei der Wortfolge „größere Gruppe“ oftmals anspringen.

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S. und J. brachten Ruhe in die Sachlage, wieder einmal mit den kommunikativen Fähigkeiten, die ich an unseren Polizisten so schätze. Zudem wollten die Herrschaften der Security-Firma die Personalien der Dame erheben, was diese nicht wollte. Der Polizei hat sie sie dann aber letztlich gegeben.

Schon mitten in diesem Einsatz drangen beunruhigende Nachrichten aus dem Funk an unser Ohr. Ein Vierjähriger war spurlos verschwunden.

Es ist eine Sache, so etwas am Tag danach in den Pressemitteilungen der Polizei zu lesen. Es ist eine ganz andere Sache, wenn man da so steht, bei herrlichstem Wetter in schöner Landschaft, dann im Funk so etwas hört und denkt: „Oh… nein… bitte nicht.“

Alles, was noch raus konnte, wurde schon mal zum Haus der fraglichen Familie geschickt. Es war klar, dass wir, sobald wir im Naturschutzgebiet fertig wären, auch dorthin fahren würden.

Als wir schon im Streifenwagen auf dem Weg waren, kam Entwarnung. Der Junge war gefunden worden. Die Polizei hatte vorsorglich noch mal im Haus der Familie gesucht. Ein Polizist hatte ihn in einem Kleiderschrank unter einem Berg Klamotten gefunden.

Erleichterung! Der Kleine hatte wohl Verstecken gespielt, aber, wie Kinder manchmal so sind, niemanden davon informiert.

Mit der guten Nachricht kam direkt ein neuer Einsatz. Ein ausländischer Spediteur hatte die Polizei davon informiert, dass einer seiner Fahrer einen anderen LKW angefahren habe, aber wegen Einhaltung seiner Liefertermine weitergefahren sei. An dem angefahrenen LKW hatte er einen Zettel mit seinen Daten angebracht. Ein weit verbreiteter Irrtum, dass das ausreichen würde.

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Wir fuhren also an den Unfallort, wo wir erst noch auf den Fahrer des angefahrenen LKW warten mussten. Mitarbeiter der Firma, in der der Unfallfahrer Ladung aufgenommen hatte, gaben meinen beiden Begleitern die notwendigen Informationen über ihn.

Der Schaden am angefahrenen LKW sah wirklich knackig aus, bspw. hing ein Außenspiegel nur noch am Kabel herunter.

Anschließend machten wir den dritten Versuch, die Gewaltschutzverfügung zuzustellen. Wieder niemand daheim. Diese Aufgabe wurde dann später der Nachtschicht übergeben.

Auf dem Weg dahin passierten wir ein Graffito mit dem ebenso dummen wie inhaltsleeren Inhalt „Fuck the police“. Aus meiner Sicht schon immer unintelligenter Unsinn. Je öfter ich diesen Menschen bei der Arbeit zusehe und je mehr ich überblicke, wie vielfältig und anspruchsvoll dieser Beruf ist, desto unnötiger finde ich solche Aussagen. Wenn mir derartige Lektüre aufgezwungen wird, wenn ich gerade aus dem Rückfenster eines Streifenwagens schaue, dann fehlen mir die Worte, um zu beschreiben, wie intelligenzbefreit ich das finde.

Dann ging es noch einmal zur Sache. Wir wurden zu einem Fall von möglicher häuslicher Gewalt, Mutter gegen Sohn, gerufen. Die Anfahrt ging zügig vonstatten. Die Familie fiel aus allen Wolken, als die Polizei vor ihrer Tür stand. J. redete mit der Mutter, S. mit dem Sohn. In getrennten Räumlichkeiten. Eine Freundin der Mutter war auch im Haus. Ja, die Gefühle waren sehr hoch gekocht und Tränen waren geflossen – aber Gewalt war nicht im Spiel gewesen.

FT_8_klein_SchriftDamit neigte sich diese Schicht auch wieder ihrem Ende zu. Das war schneller gegangen als ich gucken konnte. Im Anschluss mussten noch Berichte verfasst werden und damit war auch diese Schicht schon wieder vorbei.

Der Dienstgruppenleiter verabschiedete mich sehr freundlich, u.a. mit den Worten: „Es ja nicht so häufig, dass sich jemand für uns interessiert.“

Darüber habe ich auf der Heimfahrt lange nachgedacht. Ich denke schon, dass viele Menschen sich für die Arbeit der Polizei interessieren, sonst würden Krimis und Polizeiserien nicht so gut laufen. Klar, das hat auch was mit dem Wunsch danach zu tun, dass am Ende einer Geschichte das Gute siegen möge. Dennoch… wäre es nur das, kann man sich auch Fantasy-Serien reinziehen oder anderes, was nach dem Muster „gut besiegt böse“ gestrickt ist. Leider glaube ich auch, dass die Menschen glauben, dass diese Serien angemessene Informationsgrundlagen sind – und dass wir hierzulande eine miserable Lobkultur haben.

Nach wie vor glaube ich, dass verdammt viele Menschen die Arbeit unserer Polizei zu schätzen wissen – sie fallen nur nicht auf, weil nicht jeder so strukturiert ist wie ich und das laut sagt.

Ich sage es an dieser Stelle gerne: Danke, Polizei Frankenthal! Ihr seid klasse!

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Fußballeinsatz in Kaiserslautern

Symbolfoto
Symbolfoto

Nachdem ich Ende 2014 schon einmal bei einem Fußballeinsatz der Polizei Kaiserslautern dabei sein durfte, war es wieder so weit. 2014 habe ich besonders die Pressearbeit dazu ansehen dürfen und hatte mich als kleine Nebenwirkung ein bisschen in den FCK verliebt. Was soll man auch machen, wenn eine Mannschaft gleich mehrere Tore schießt, wenn man gerade mal für wenige Minuten im Stadion ist?

Dieses Mal spielte Kaiserslautern an einem Montagabend gegen RB Leipzig und hatte ich die Ehre, die Arbeit der Einsatzleitung aus der Nähe zu sehen. Das mit der Ehre meine ich ernst.

Wieder einmal bin ich beeindruckt. Obwohl mir schon klar war, dass die Organisation eines Einsatzes dieser Art mehr an Arbeit verursacht als ein Kindergeburtstag, hat mich der tatsächliche Aufwand überrascht.

Seit dem 25. April weiß ich, dass ich damit richtiger lag als ich selbst vermutete. Für diesen Teil der Planung muss man nämlich wissen, wie viele Fans beider Lager zum Spiel kommen werden. Entsprechend muss man die Anzahl der eingesetzten Polizeibeamten planen.

Aufgrund meiner Tätigkeit als Vorsitzende von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. werde ich oft und gern als ausgelagerte Beschwerdestelle der Polizei betrachtet und bekomme häufig zu hören, dass „mal wieder übertrieben viel Polizei“ bei Fußballspiel x oder Demo y „aufgelaufen“ sei. Schon immer war meine Antwort darauf: „Nun stell dir vor, du würdest dir da eine blutige Nase holen, weil nicht genug Polizei da war – und dann?“ Ich warte auf den Tag, an dem ich mal höre: „Die Polizei war genau richtig aufgestellt, denn alles blieb ruhig!“ Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Nun ist ja unsere Polizei sehr kompetent, aber Hellsehen kann sie leider nicht. Also muss mit der Informationsgewinnung für die Planung des Personaleinsatzes schon Wochen vorher angefangen werden. Dabei ist die Anzahl der verkauften Tickets nur ein Anhaltspunkt von vielen.

Wie so oft ist es eine winzige Minderheit, die den meisten Aufwand verursacht, nämlich jene „Fans“, die in erster Linie wegen der Möglichkeit kommen, Gewalt zu verüben. Die große Mehrheit will einfach Spaß haben und einen schönen Nachmittag oder Abend verleben.

Diese Minderheit muss allerdings berücksichtigt werden, selbst wenn sie letztlich gar nicht erscheint. Wobei wir wieder bei dem Problem mit dem Hellsehen wären.

Symbolfoto
Symbolfoto

Darüber hinaus sind auch Fanfeind- und -freundschaften zu berücksichtigen. Wenn sich die Fans der beiden Mannschaften überwiegend nicht riechen können, ist eine strikte Trennung sinnvoll. Auch dafür braucht man Polizeibeamte.

Letztlich muss auch flexibel reagiert werden können – wenn nämlich beispielsweise auf einer Einfallstraße, auf der der Bus mit der gegnerischen Mannschaft entlangkommen wird, ein Unfall passiert. Der Bus muss pünktlich im Stadion sein und eine Attacke durch jene eben erwähnte Minderheit auf den Bus darf auch nicht passieren.

Insgesamt sind die Bereitschaftspolizei, Hundeführer, die Motorradstaffel und noch weitere Einheiten im Einsatz.

Während des Spiels (dieses Mal nicht ganz so spektakulär in Sachen geschossene Tore wie beim letzten Mal) wurde es etwas ruhiger. Da blieb auch mal Zeit für ein paar private Worte. Ich erinnere mich daran, wie sich vier Polizeibeamte aller Dienstgrade und Funktionen darüber unterhielten, wie schön es ist, Vater zu werden und dann zu sein. Das war was fürs Herz. Menschen in Uniform eben.

Insgesamt waren die in den Einsatz involvierten Polizistinnen und Polizisten ab 12:30 Uhr mittags im Einsatz. Offizielles Einsatzende wurde gegen 23:30 Uhr ausgerufen. Dies war möglich, weil alles ruhig blieb. Es kann auch anders kommen.

Übrigens macht es mich sehr froh, wenn es ruhig bleibt. Der Verein heißt ja Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. Ich finde es deswegen spannend, der Polizei beim Arbeiten aus allernächster Nähe zusehen zu dürfen, weil mir das hilft, gegen negative Rückmeldungen anzuargumentieren.

Das nächste Mal, wenn mir jemand erzählen will, da sei ein Einsatz „total schlecht gemacht“ gewesen, nur weil er bei seinem Besuch im Stadion mal ein paar Minütchen länger warten musste oder weil er bei demonstrieren nicht genau da langlaufen durfte, wo er wollte, weiß ich Bescheid – natürlich kann es immer mal sein, dass es irgendwo nicht ganz rund läuft. Aber daraus zu konstruieren, dass ein ganzer Einsatz schlecht war, nur weil man selbst minimal in seinen Wünschen beeinträchtigt wurde, geht deutlich zu weit.

In ganz seltenen Fällen gehen sicherlich tatsächlich Einsätze auch mal komplett schief. Dieses Urteil zu fällen bedarf aber sehr vieler Informationen, über die wir Bürger im Regelfall nicht vollständig verfügen. Überlassen wir solche Urteile doch besser den dafür zuständigen Instanzen.

Allen, die daran beteiligt waren, dass ich diese Erfahrung machen durfte, möchte ich herzlich für ihr Vertrauen danken. Und allen Einsatzkräften, die nicht nur an diesem Tag ihren Dienst in Kaiserslautern verrichten – vielen Dank für Ihren täglichen Einsatz!

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Besuch bei der Autobahnpolizei Kaiserslautern

Ende 2011 stellte sich mir ein bayerischer Polizist folgendermaßen vor: „Ja, ich bin bei der Autobahnpolizei. Geradeaus-Polizei. Am Ende der Autobahn muss immer der Einsatzdienst kommen und den Wagen wenden, weil wir keine Kurven fahren können.“

Ok, er meinte das scherzhaft und griff damit Witze auf, die Kollegen anderer Sparten offenbar über seine Zunft machen. Mir war schon klar, dass die Realität vermutlich etwas anders aussieht.

Nun benutze ich nahezu täglich Autobahnen, aber was nun genau die Autobahnpolizei zu tun hat, blieb mir bisher verborgen, auch wenn mir ein österreichischer Autobahnpolizist im Sommerurlaub netterweise einiges erzählt hat. Ich fand, es war einmal an der Zeit, herauszufinden, was die Damen und Herren dort eigentlich machen. Freundlicherweise gab mir die Polizeiautobahnstation Kaiserslautern dazu die Gelegenheit. So gut wie alle wunderten sich ein bisschen über meine Anwesenheit, denn Autobahnpolizisten werden fast nie Opfer von Gewalt, weil sie selten in emotional sehr aufgeheizte oder aggressive Situationen kommen. Das höre ich sehr gerne. Allerdings ist auch Teil meines Themas, dass die Polizei gerne mal unterschätzt wird und in der medialen Berichterstattung eher schlecht wegkommt, weil gute Nachrichten keiner lesen will. Je realistischer mein Einblick in die Arbeit der Polizei wird, desto besser kann ich gegen solche Erscheinungen anargumentieren.

An diesem regnerischen Märztag machte unsere Polizei schon auf der Anfahrt mal wieder den allerbesten Eindruck. Als nämlich am Autobahnkreuz Alzey der nachfolgende PKW ganz offensichtlich in meinen Kofferraum einziehen wollte, überholte uns ein Streifenwagen. Damit hatte sich das ganz schnell erledigt und plötzlich war der Abstand wieder korrekt.

Nach einem sehr freundlichen Empfang durch den Dienststellenleiter zeigten mir zwei ebenfalls sehr freundliche Herren das Pro-Vida-Fahrzeug. Dabei handelt es sich um einen mit Videokameras ausgestatteten Zivilwagen. Auch die beiden Polizisten darin sind in Zivil. Mit den Kameras können Verstöße in Sachen überhöhte Geschwindigkeit, rechts überholen oder zu geringer Abstand beweissicher festgehalten werden. Die Kamera filmt das KFZ, dessen Fahrer einen Verstoß begeht und errechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit des nachfolgenden Polizeiautos über einen gewissen Zeitraum. So kann niemand behaupten, er sei nur mal eben drüber gewesen. Da mir persönlich die Autobahn zunehmend vorkommt wie der Wilde Westen, bin ich eine große Freundin von Kontrolldruck, denn von Einsicht kann bei vielen Rasern kaum die Rede sein. Wäre das ausschließlich über Einsicht machbar, würde niemand rasen, denn dann würden die Bilder von Unfallwracks in den Medien ein- für allemal ausreichen. Das schreibt jemand, der selbst bei angemessenen Witterungs- und Sichtverhältnissen (trockene Fahrbahn, Tageslicht) ganz gerne mal schnell fährt und dafür auch öfter nette Post bekommt.

Nachdem mir die Technik ausführlich erklärt wurde, wurde ich ins Auto gepackt und wir fuhren los. Wie bei meinen beiden Nachtschichten, kam der Hinweis, dass es möglich sei, dass gar nichts passiert, denn „bei so einem Wetter fahren die Leute nicht schnell.“ Das erschien mir plausibel, denn auch ich würde bei derartiger Witterung keinesfalls schneller als 100 fahren und selbst das finde ich schon ein bisschen viel.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – kein ideales Wetter für Bleifüße
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – kein ideales Wetter für Bleifüße

Dennoch fuhren wir los. Trotz der Ankündigung eines meiner beiden Begleiter waren wir noch nicht ganz auf der Autobahn aufgefahren und hatten gerade Geschwindigkeit aufgenommen, als schon das erste Auto an uns vorbeikesselte. Also hinterher. Nicht nur auf der Autobahn war die Dame gute 30 km/h zu schnell, auch nachdem sie auf eine Bundesstraße abgebogen war, ging es da lustig in derselben Preisklasse weiter.

Da blieb nur eines, überholen und davorsetzen:

Eine klare Ansage…
Eine klare Ansage…

Übrigens geht das auch multilingual – was auf einer Autobahn in einem Transitland wie Deutschland und kurz vor der französischen Grenze auch Sinn macht.

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In beiden Fällen wird übrigens die Höflichkeitsform genutzt „Please follow, Veuillez suivre“.

Auf einem Autobahnparkplatz stieg einer der beiden Polizisten aus und erklärte der Dame, warum sie angehalten wurde. Sie war einsichtig, wollte aber gern den Film ansehen. (Hätte ich auch gemacht!). Meine beiden Begleiter schafften eine sehr lockere Atmosphäre, wozu auch gehörte, dass ich mich kurz vorstellte, um Transparenz zu schaffen. Immerhin hatte die Dame niemanden umgebracht, sondern lediglich ihre Tachonadel aus den Augen verloren. „Fehler machen wir alle“, stellte einer der beiden ganz richtig fest.

Als Grund für ihre Unaufmerksamkeit gab die Dame an, dass sie sich so angeregt mit ihrem Mann unterhalten habe – was nach über 20 Ehejahren ja auch eine gute Sache sei. Da kann ich ihr uneingeschränkt Recht geben.

Anschließend fuhren wir noch ein wenig Streife auf der Autobahn. Mir wurde erzählt, was die rückwärtige Kamera, die nach dem Überholvorgang eingeschaltet wird, so alles festhält – bis hin zur SMS am Handy bei Höchstgeschwindigkeit ist alles nur Vorstellbare dabei. Für den Rest der Zeit machten wir niemanden mehr dingfest, der den Witterungs- und Sichtverhältnissen nicht angemessen fuhr.

Im Anschluss daran wurde ich von den beiden netten Herren an zwei weitere nette Herren übergeben. Auf mein nächstes Einsatzfahrzeug war ich schon ein bisschen scharf. Eigentlich bin ich ja der Ansicht, dass essentielle Aufgabe eines Autos ist, mich von A nach B zu bringen und der Rest egal ist. Uneigentlich finde ich diesen Mercedes E300 CDI-T schon optisch sehr schick:

Sehr schickes Auto – und hier blinkt und "arbeitet" es noch nicht mal.
Sehr schickes Auto – und hier blinkt und „arbeitet“ es noch nicht mal.

Auch das Innenleben sollte mir noch gefallen.

„Welche Erwartungen haben Sie denn an die Autobahnpolizei?“ wurde ich gefragt. Ehrlich gesagt hatte ich keine. Womit ich nun wirklich nicht gerechnet habe, war, dass wir, kaum auf die Autobahn aufgefahren, schon den ersten Einsatz hatten. Natürlich sieht man, wenn man privat auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, durchaus den einen oder anderen Einsatzanlass – aber die vielen anderen, die sich zeitgleich abspielen, sieht man nicht. Nun, die sollte ich jetzt kennenlernen…

Der erste Einsatz war ein LKW, der in einer Ausfahrt liegen geblieben war… unglücklicherweise direkt hinter einer Kuppe. Wir konnten ihn wirklich erst im letzten Moment entdecken, weil auch das Warndreieck etwas tief stand.

Also wurde der Streifenwagen deutlich sichtbar vor der Kuppe geparkt, um eine erste Absicherung der Unfallstelle zu schaffen. Dann kam erstmal ein Fußmarsch durch den Regen zu unserem LKW-Fahrer.

Auf dem Balken zwischen den Blaulichtern steht "Gefahr"
Auf dem Balken zwischen den Blaulichtern steht „Gefahr“

Von hinten sah der Streifenwagen übrigens so aus, also im Grunde unübersehbar:

Andere Einsatzörtlichkeit
Andere Einsatzörtlichkeit

Der LKW-Fahrer war erleichtert über das Erscheinen der Polizei. Das ist überhaupt etwas, was die Autobahnpolizei von anderen Sparten unterscheidet – die meisten meiner Mitbürger sind dankbar für den jeweiligen Einsatz, weil die Polizei hier oft in einer helfenden Rolle auftritt. Es gibt wirklich Angenehmeres im Leben als an einer derart schnell befahrenen Straße liegen zu bleiben, wo die wenigsten ihre Bremse zu bedienen wissen. Dieser Aspekt seiner Arbeit bei der Autobahnpolizei ist mit ein Grund, warum einer meiner beiden Begleiter diese Arbeit sehr gern macht, wie er mir sagte. Schließlich hat er seinen Beruf ergriffen, weil er gerne anderen weiterhilft. Wie übrigens fast alle Polizistinnen und Polizisten, mit denen ich bisher sprach.

Die beiden Streifenpartner wechselten sich ab, wer welchen Einsatz bearbeitet. Der andere hatte immer den rückwärtigen Verkehr im Auge. Auch ich versuchte, den nicht zu vergessen, egal, wie interessant es wurde. Schließlich hatte ich weiß Gott bereits genug Meldungen in unsere Internetpräsenzen gesetzt, in denen der nachfolgende Verkehr Autobahnpolizisten von der Autobahn gefegt hatte – mit teilweise verheerenden Folgen.

Nachdem der LKW-Fahrer überredet worden war, seinen LKW etwas besser zu parken (Schritttempo ging noch) und sein Warndreieck etwas weiter oben auf der Kuppe zu positionieren, wurde ihm noch eine polizeieigene Warnbake geliehen, um die Gefahrenstelle insgesamt besser abzusichern. Schließlich legte noch einer „meiner“ Polizisten am Handy des LKW-Fahrers dem zuständigen Service-Dienst nahe, sich doch bitte ein bisschen zu beeilen – der ließ nämlich seit knapp einer Stunde auf sich warten, was im Nieselregen nicht wirklich angenehm für den Fahrer war. Außerdem, das habe ich an dem Tag gelernt, ist das Wichtigste, die Autobahn bzw. überhaupt Gefahrenstellen, so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen, damit diese keine (weiteren) Unfälle generieren.

 

Im Anschluss an diesen Einsatz fuhren wir zu einer Tagesbaustelle. Für Benutzer einer Autobahn ohne polizeilichen Hintergrund ist eine Tagesbaustelle in erster Linie ein nerviges Hindernis. Man stellt sich an, staut sich durch und fährt, sobald das überstanden ist, weiter. Für die Polizei ist eine Tagesbaustelle eine Garantie für mindestens einen Unfall am Tag sowie Staugeschehen.

Deswegen sondierten „meine“ Polizisten, nachdem der LKW-Fahrer abgearbeitet war, die Sachlage an der Tagesbaustelle. Dort baute sich bereits ein Stau auf, an dem wir rechts auf dem Standstreifen (Blaulichtfahrzeuge dürfen das nämlich – aus gutem Grund) vorbeifuhren, um einen ausführlichen Blick zu werfen, damit die Polizei ggf. präventiv tätig werden könnte.

Tagesbaustelle voraus
Tagesbaustelle voraus

Hinter der Tagesbaustelle fuhren wir bis zur nächsten Ausfahrt und wendeten dort und fuhren auf der anderen Fahrbahn zurück, um abzuschätzen, wie lang der Stau ist, damit diese Meldung ins Radio weitergegeben werden kann. Da war sie übrigens bis abends, als ich heimfuhr, in mehrfach aktualisierter Form noch drin, denn der Stau wurde im Laufe des Tages nicht kürzer.

Wieder auf der richtigen Spur, wurde erst einmal dem nachfolgenden Verkehr signalisiert, dass hier ein Stau aufläuft – wieder mehrsprachig.

Ein blinkendes Blaulicht auf dem Dach ist für einige Zeitgenossen kein zwingender Grund, vom Gas zu gehen.
Ein blinkendes Blaulicht auf dem Dach ist für einige Zeitgenossen kein zwingender Grund, vom Gas zu gehen.

 

Bei dieser Gelegenheit erblickten wir weiter vorne in Richtung Tagesbaustelle den einen oder anderen LKW auf dem Standstreifen, dessen Warnblinkanlage angeworfen war. Wir fuhren hin. Ich dachte an eine Panne, aber weit gefehlt. Die Fahrer nutzten die Gelegenheit für ein kleines Päuschen. „Meine“ beiden Polizisten waren da kompromisslos, denn auf dem Standstreifen geht das gar nicht. Der muss frei bleiben für Einsatzfahrzeuge, wenn es wirklich einen schweren Unfall gibt.

Ein junger Mann war tatsächlich mit seinem PKW kurz hinter unserem Streifenwagen liegen geblieben. Er war sehr froh, dass die Polizei zufällig vor Ort war, konnte sie doch einen Pannendienst (passend zu seiner Automobilclub-Karte) aus der Umgebung vermitteln. Die Polizei hat eine Liste mit sämtlichen Pannendiensten der Region, was die Wartezeit für die meisten Menschen erheblich abkürzt. Auch dieser junge Mann fand den Nieselregen nicht so klasse und war froh, weniger Wartezeit vor sich zu haben.

Er war allerdings der einzige tatsächlich „Bedürftige“, mit dem wir zu tun bekamen. Für einige andere Zeitgenossen erwies sich der Standstreifen als recht beliebte Rennstrecke. Nun ist es eine Sache, etwas Verbotenes zu tun, und sich dann schnell beim Anblick des blau blinkenden Polizeifahrzeuges schnell wieder auf der Autobahn einzufädeln. Das macht es zwar nicht besser, im Zweifel den Standstreifen zu verstopfen, zeugt aber immerhin von einer gewissen Kenntnis der StVO. Es ist aber schon arg dreist, bis exakt hinter dieses Polizeifahrzeug zu fahren. „Jetzt übertreibt er’s aber“, sagte einer meiner beiden Begleiter. Insgesamt drei PKW-Fahrer wurden zur Kasse gebeten. Der Standardsatz in solchen Fällen: „Ich mach das sonst nie.“ Na ja, dann musste es sich wohl dieses Mal richtig lohnen, dass man so weit nach vorn fährt…

 

Wir versuchten, den Standstreifen zu verlassen, aber dass ein einschlägig beschriftetes Auto einen Blinker nach links setzt, ist offensichtlich nicht für jeden ein ausreichender Grund, im Stau eine Lücke zu lassen. Deswegen standen wir einige Minuten, die uns schon den nächsten Einsatz bescherten: Einen LKW aus einem unserer Nachbarländer. An einer Metallstange hinten am Auflieger baumelte lustig ein freischwebender Eimer.

Also wurde der Blinker wieder eingezogen, dafür der LKW angehupt und dem Fahrer bedeutet, rechts ranzufahren. Was er auch tat. Er stieg aus und kam um den LKW herum nach hinten.

Einer meiner beiden Begleiter deutete auf den Eimer: „Das geht so nicht, der kann runterfallen.“ Sogar mir als Laiin war klar ersichtlich, dass beim nächsten Mal, wenn ordentlich Gas gegeben werden musste, der Eimer auf der Fahrbahn landen würde. Allmählich erschloss sich mir die eine oder andere Meldung im Radio über die merkwürdigsten Gegenstände auf der Autobahn… mir wurde langsam klar, wie die dahinkamen.

Die Diskussion ging eine Weile hin und her – was bemerkenswert war, denn beide Parteien sprachen keine gemeinsame Sprache. Es war aber offensichtlich, wer was wollte. Der Fahrer wollte seinen Eimer genau da haben, wo er war – und die Polizei wollte ihn genau da eben nicht haben. Die Polizei gewann die Auseinandersetzung – der Eimer wanderte nach vorne hinter eine Klappe. Sicher verschlossen.

 

Kaum auf die Autobahn eingefädelt ereilte uns die erste Unfallmeldung – hinter uns im Stau. Nun musste es wirklich schnell gehen – also so schnell wie möglich zur nächsten Ausfahrt, auf der anderen Seite wieder drauf auf die Autobahn und mit Höchstgeschwindigkeit zurück zur letzten Ausfahrt. Auf der Rückbank dieses Mercedes saß ich so bequem wie auf meiner heimischen Couch, obwohl wir recht flott fuhren. In meinem Wagen fühlt sich zügiges Tempo deutlich anders an.

An der nächsten Ausfahrt wieder wenden und dann kamen wir auch schon zum Unfallort. Zum Glück hatte es keine Verletzten gegeben, nur ein „kleiner“ Auffahrunfall zwischen zwei LKW. Am vorderen LKW war nicht viel passiert, der hintere hatte eine eingebeulte Front. Der Fahrer des vorderen LKW wollte im Grunde von der Polizei nur eine Bestätigung, dass der Unfall aufgenommen wurde, für seine Schadensmeldung, damit war für ihn der Fall erledigt und er fuhr wieder seiner Wege.

Auch das Signal für Unfall erfolgt international.
Auch das Signal für Unfall erfolgt international.

Der Fahrer des hinteren LKW erwies sich als recht schwieriger Zeitgenosse, denn er schien sich gar nicht so sehr dafür zu interessieren, dass vor ihm die Polizei stand, die gerne die Autobahn wieder freihaben wollte. Nach außen hin seelenruhig quasselte er ausgiebig in einer uns dreien unbekannten Sprache in sein Handy – immerhin wohl mit seinem Arbeitgeber – und erst nachdem einer meiner beiden Begleiter sehr vehement wurde, hörte man ab und zu das Wort „Polizei“ heraus. Nach geraumer Zeit dann geruhte er das Handy an einen der beiden Polizisten weiterzureichen, damit jemand, der deutsch sprechen konnte, weiterhilft. Erst dann erfuhren wir, dass der LKW nicht mehr fahrbereit war.

Letztlich konnte dann mit Hilfe des Menschen am anderen Ende des Handys geklärt werden, wer einen Abschleppdienst organisiert. Dann fiel dem Fahrer auf, dass der die Daten des Unfallgegners nicht hatte. Auch hier konnte dem Mann weitergeholfen werden.

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Daten schreibt man bei Regen am besten im Auto ab…

Es wurde noch einmal klargemacht, dass der Standstreifen baldmöglichst zu räumen sei, dann ging es schon weiter, denn mittlerweile war die Meldung reingekommen, dass die an den Fahrer des ersten Pannen-LKW verliehene Warnbake nicht mehr benötigt werde. Also fuhren wir an der Pannenstelle vorbei und sammelten sie wieder ein. Ich war ehrlich verwundert, dass das gar nicht mal so weit weg vom letzten Einsatzort war, denn ich hatte durch das Wenden an den Ausfahrten nachhaltig die Orientierung verloren.

 

Im Grunde war es fast schon Zeit, mich wieder zur Dienststelle zurückzubringen, denn dieses Mal konnte ich erstmalig nicht die ganze Schicht mitfahren, da ich noch einen Termin in Kaiserslautern selbst hatte. Was ich sehr bedauerte und ich hoffe, dass ich das eines Tages noch mal nachholen kann.

Deswegen fuhren wir schon einmal Richtung Dienststelle. Dabei mussten wir feststellen, dass nicht nur der Stau auf der A6 über ein Autobahnkreuz auf eine weitere Autobahn zurückstaute, sondern dass das auch jemand bemerkt hatte, der dann mal ganz unkonventionell über das Grasdreieck zwischen Auf- und Abfahrt wendete, um dem Stau zu entgehen. Blöderweise waren da wir… deswegen endete die Fahrt über die sumpfige Wiese vorrübergehend kurz vorm Asphalt.

Die entsprechende Euro-Summe hatte der junge Mann leider gerade nicht vorrätig. Da er keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, wurde er gebeten, uns zur nächsten Bank zu folgen. Die war ein paar Ortschaften weiter. So lernte der junge Herr (und ich auch) eine weitere Ecke des schönen Rheinland-Pfalz kennen, wo er sein Bußgeld auch brav aus dem Automaten zog und den Polizisten abgab.

Fast geschafft… aber nur fast.
Fast geschafft… aber nur fast.

Damit war mein Aufenthalt (leider) bereits beendet.

Mein sehr guter Eindruck von unserer Polizei wurde mal wieder bestätigt. Nicht nur waren die vier Herren zu mir ausgesprochen höflich, sondern auch zu ihrem jeweiligen Gegenüber. Die Ansagen waren klar, aber es wurde immer deutlich gemacht, dass Fehler passieren können. Sehr sympathisch.

Die im Scherz meines allerersten Autobahnpolizisten anklingenden Vorurteile stimmten auch nicht – die Jungs können sehr wohl wenden. Schließlich hat sich mein Nachmittag offenbar schwerpunktmäßig zwischen zwei Ausfahrten abgespielt.

Ich bin sogar sehr beeindruckt von dieser Arbeit, weil im Grunde in beiden Fällen bereits mit Auffahren auf die Autobahn schon die ersten Einsätze anlagen. Wenn ich mir das Fahrverhalten einiger meiner Mitmenschen auf unseren Autobahnen durch den Kopf gehen lasse, ist das vermutlich immer so.

Die Einsätze am Rande einer Schnellstraße sind auch mit viel Lärm verbunden. Für mich wäre das wirklich hart.

Danke für diesen interessanten Nachmittag! Ihr seid klasse und macht einen tollen Job!

Damit seid Ihr voll mein Thema. Es stört mich unter anderem, dass unseren Polizistinnen und Polizisten mit Gewalt begegnet wird, weil die allermeisten von Euch eine für uns alle sehr wertvolle Arbeit leisten. Ohne Euch würde nur Willkür und das Recht des Stärkeren gelten. Auch auf der Autobahn!

Danke für Euren täglichen Einsatz!

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Nachtschicht 2 – Eine Samstagnacht mit der Mainzer Polizei

Meine bereits beschriebene Sommernachtschicht bei der Polizei in Ludwigshafen hatte mir über Monate einen enormen Motivationsschub für die Vereinsarbeit in Sachen Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. verschafft.

Zudem hatte ich dort Einblicke bekommen, die mein Polizeibild stark verbessert haben, mich aber auch viele Polizeipressemitteilungen und Zeitungsartikel mit ganz anderen Augen lesen lassen.

Deswegen war ich der Ansicht, eine weitere Erfahrung dieser Art könne mir nicht schaden. Im Gegenteil.

Dieses Mal war es eine nicht allzu kalte (fast schon frühlingshafte) Winternacht. Zum Glück. Wieder hatte ich mich nämlich im Vorfeld mit Kopfkino geplagt – in diesem Fall allerdings damit, wie man mich alle drei Minuten mit Blaulicht und Martinshorn zu einer Toilette würde schaffen müssen. Darum, dass ich die Nacht nicht wach überstehen würde, machte ich mir hingegen keine Sorgen mehr. Mein Vertrauen in meinen Adrenalinpegel war in Ludwigshafen aufgebaut und gefestigt worden.

Dieses Mal waren es die Polizistinnen und Polizisten der Polizeiinspektion Mainz 1, die mir neue Einsichten ermöglichten – und neu war es. In jeder Beziehung.

Obwohl ich doch im Kopf genau weiß, wie abwechslungsreich dieser Beruf sein kann, hatte ich mir im Bauch eingebildet, ich wisse zumindest in Teilen Bescheid. So hatte ich mich noch daheim mit 10 (in Worten: zehn) Paar Latexhandschuhen aufmunitioniert, damit ich wieder Lichtschalter würde bedienen können, was das Zeug hält. Dieses Mal gab’s allerdings keine Lichtschalter für mich. Dumm gelaufen… wp-monalisa icon

 

Anders als in Ludwigshafen wurde ich für die ganze Nacht einer einzigen Streife zugeordnet. Das war auch klasse. Anders, aber klasse. Im Sommer war ich durch den Wechsel zwischen den Streifenteams die ganze Nacht draußen gewesen und konnte mir so ein sehr umfassendes erstes Bild von der Vielfalt der anliegenden Einsätze machen. In Mainz hingegen konnte ich auch den Teil der Arbeit sehen, der den meisten meiner Mitbürger vollkommen unklar ist, weil er in Fernsehen und Kino aufgrund des mangelhaften Spannungsbogens nie gezeigt wird – Berichte schreiben.

Überhaupt war meine ganze Grundstimmung anders. Ludwigshafen war mir bis zu dieser Nacht eine gänzlich unbekannte Stadt gewesen. Wenn wir nicht gerade das Postschild passierten, an dem wir immer neue Einsätze fingen, hatte ich im Regelfall keine blasse Ahnung, wo ich mich befand. In Mainz hatte ich zehn Jahre meines Lebens (und zwar sehr gute Jahre) gelebt. Im Regelfall wusste ich genau, wo wir unterwegs waren. Überraschend lediglich, wie sich das Nachtleben von Mainz entwickelt hatte, war es doch zu meiner Zeit sehr… äh… überschaubar gewesen.

 

Auch anders als im Sommer hatte ich mir nach der Nacht nicht sofort Notizen gemacht, deswegen wird dieser Bericht wohl nicht ganz so chronologisch ausfallen.

 

Ein Ausschnitt des Blaulichtmeeres vor der PI Mainz 1 bei meiner Ankunft
Ein Ausschnitt des Blaulichtmeeres vor der PI Mainz 1 bei meiner Ankunft

Meine Ankunft fiel schon auf einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Kurz vor der verabredeten Uhrzeit hatte sich 200 Meter von der Polizeidienststelle entfernt ein Unfall mit Verletzten ereignet, an dem ein Linienbus beteiligt war. Der Busfahrer fuhr Haltestelle genau vor der Inspektion an.

Ich platzte also in diese Unfallaufnahme, die mit dem Schichtwechsel zusammenfiel und von den zuckenden Blaulichtern mehrerer Einsatzfahrzeuge beschienen wurde. In diesem Moment war ich mir fast schon sicher, sofort wieder heimgeschickt zu werden – wofür ich auch vollstes Verständnis gehabt hätte. Die Polizei ist nun mal nicht für mein persönliches Entertainment da.

 

Ich wurde nicht heimgeschickt, sondern in den Sozialraum, wo ich erstmal wartete. Als ein wenig Ruhe einkehrte, begrüßte der Dienstgruppenleiter seine Leute, teilte mit, was aus der Vorschicht an Einsätzen anlag, und gab mir Gelegenheit, mich kurz vorzustellen. Zu meiner Freude konnte ich mich kurzfassen, den Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ kannten nämlich alle.

Wie in Ludwigshafen wurde ich hier auch von dem einen oder anderen schonend darauf vorbereitet, dass es unter Umständen eine langweilige Nacht werden könnte, weil es natürlich keine Garantie auf interessante Einsätze gibt. Das ist dann eben so. Wenn es jemals so sein sollte, dann komme ich auch gerne noch einmal wieder. Ich kann sehr hartnäckig sein.

Ich lernte „meine“ Streife für den Abend kennen: David, ein junger Mann Ende 20, und Marina, eine Polizistin etwa im gleichen Alter. Marina verschwand dann auch sofort wieder, weil sie aufgrund ihrer Sprachkenntnisse für eine Anzeigenaufnahme benötigt wurde. Diese Aufnahme dauerte ein bisschen länger, so dass, nach einer Führung durch die Dienststelle, für mich erstmal ein längerer Aufenthalt im Sozialraum angezeigt war. Dort wurde ich ein wenig von den Anwesenden zwischen den Einsätzen ausgefragt, insbesondere, was mich eigentlich auf die Idee gebracht hat, mich für die Polizei einzusetzen. Ein Thema, zu dem ich doch immer wieder gerne Auskunft gebe… wp-monalisa icon

Nebenbei lief der Fernseher. Insgesamt ließ sich die Nacht recht ruhig an. Mein erstes Highlight war, dass ich an der allgemeinen Pizza-Bestellung beteiligt wurde. Eigentlich war ich zu aufgeregt zum Essen, aber es war eine Beschäftigung.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Exkurs einschieben zum Thema „Teilnahme an Nachtschichten“. Es gibt durchaus die eine oder andere Berufsgruppe, die aus meiner Sicht ein vitales Interesse daran haben sollte. Dazu zähle ich vor allen Dingen Richter und Staatsanwälte, die sich mit Fällen befassen, in denen es um die Bewertung polizeilichen Vorgehens geht. Aber auch Politiker, die Entscheidungen über Personalstärke und Ausstattung treffen oder sich mit der öffentlichen Bewertung von Polizeieinsätzen beschäftigen, sollten sich so eine Nachtschicht mal antun. Am besten nicht nur eine. Last but not least sollten Autoren einschlägiger Krimis bzw. entsprechender Drehbücher sich auf diese Weise weiterbilden, das würde das eine oder andere dämliche Vorurteil vermeiden helfen. Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass bei „Großstadtrevier“ und „Notruf Hafenkante“ immer nur bei Tageslicht gearbeitet wird? Offensichtlich gibt es nachts in Hamburg kein Verbrechen…

WENN sich nun jemand für eine solche Nachtschicht entscheidet, dann sollte er sie aber auch bis zum bitteren Ende durchstehen. Selbst wenn es eine Nacht sein sollte, in der wirklich nicht viel los ist, gibt es ein Gefühl dafür, wie zehrend Schichtdienst sein kann. Außerdem kann man dann beobachten, wie sich Polizisten selbst Arbeit suchen – sehr hilfreich gegen das eine oder andere Vorurteil. Auch wenn es eine Nacht ist, in der eine Menge passiert, geht es doch meistens erst gegen elf Uhr nachts so richtig los.

Hätte ich „meine“ Schicht in dieser Winternacht gegen elf Uhr abends verlassen, hätte ich den Eindruck haben können, dass die Mainzer Polizei ihre Nächte von Samstag auf Sonntag im Sozialraum vor der Glotze verbringen würde, wo sie sich gepflegt die Langeweile vertreibt.

Ein Bild, das weit an den Realitäten vorbeigeht.

 

Endlich war die Anzeigenaufnahme zu Ende gegangen. David, Marina und ich drehten eine erste Runde durch das spätabendliche Mainz, das sich zu diesem Zeitpunkt noch recht ruhig präsentierte. Also wieder zurück in die Wache.

 

Nach einer kleinen Pause (für mich, die beiden anderen schrieben Berichte) ging es wieder hinaus. In einem Juweliergeschäft war der Alarm losgegangen. David erzählte mir von einem Juwelenräuber, den er selbst gestellt hatte, obwohl der ein geschicktes Versteck gewählt hatte. Dieses Mal war es allerdings nur ein Fehlalarm gewesen. Die Geschäftsführerin traf ein, schaltete Lichter und Alarmanlage wieder aus und bedankte sich bei uns. Einsatz Ende!

Von dort ging es mehr oder minder direkt zu einer Bank. Eine „Person ohne festen Wohnsitz“ hatte sich im mollig warmen Vorraum wohnlich eingerichtet. Es handelte sich um eine ältere Dame, die schon eine Weile in Mainz auf der Straße lebt. Ein Mitarbeiter der von der Bank beschäftigten Security-Firma hatte versucht, sie dazu zu bewegen, den Raum zu verlassen, worauf sie ziemlich krawallig reagiert hatte. Also rief er die Polizei zu Hilfe.

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Symbolbild – lässt keine Rückschlüsse auf den Einsatzort zu

David und Marina kannten die Dame und erklärten ihr freundlich, aber bestimmt, dass sie gehen müsse. Sie sah ein, dass sie ihr warmes Plätzchen würde aufgeben müssen, also machte sie sich daran, ihren überraschenderweise nicht unerheblichen Hausrat zusammenzusuchen. Dabei halfen ihr meine beiden Begleiter. Ich überlegte, ob ich auch mit zufassen sollte. Da die Dame aber dem Security-Menschen schon recht aggressiv begegnet war und sie diese beiden Polizisten kannte und ihnen zu vertrauen schien, hielt ich mich lieber zurück.

Letztlich ging die Sache aus, wie das Hornberger Schießen. Die Dame verließ vordergründig die Örtlichkeiten, der Herr von der Security und wir rückten ab. Die Tür zum Vorraum war aber nach wie vor offen. Ich denke, es überrascht niemanden, dass später, als wir auf dem Weg zu einem anderen Einsatz dort vorbeiflitzten, die Dame wieder eingezogen war.

Mir blieb mal wieder ein sehr guter Eindruck von den kommunikativen Fähigkeiten unserer Polizeibeamten – beide waren der Frau respektvoll und hilfsbereit begegnet. Ich glaube nicht, dass ich mich allzuweit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass diese beiden Menschen so ziemlich die einzigen gewesen sein dürften, die der Frau an diesem Tag überhaupt Respekt entgegengebracht hatten.

 

An dieser Stelle sei mir ein Exkurs zum Thema Blaulichtfahrten und Freude an denselben erlaubt. In manchen Gesprächen mit meinen Mitbürgern, die nicht so recht verstehen, warum ich mich „ausgerechnet“ für die Polizei einsetze, fällt manchmal als Gegenargument die Formulierung „und dann haben die auch noch Spaß an Blaulichtfahrten!“ Ähm…. Jaaaaa. Habe ich auch. Es ist doch wunderbar, wenn sie zwischen den Einsätzen, die teilweise wirklich knackig sind, Spaß haben. Daran, die Dame aus dem Bankvorraum rauszusetzen, hatten sie jedenfalls keinen. Freude am einen oder anderen Aspekt des Berufs erhält die Dienstfähigkeit. Das sollten wir uns alle wünschen – gerade in der aktuellen Lage.

 

Den Einsatzanlass für diese Blaulichtfahrt erinnere ich gar nicht mehr so deutlich. Eine Schlägerei unter Jugendlichen, die für einen von ihnen im Rettungswagen geendet hatte, oder so etwas. Eine andere Streife kümmerte sich schon vor Ort darum. Wir sollten nur die Eltern eines der Kontrahenten suchen, die schon den Ort des Geschehens verlassen hatten. Ich glaube, sie mussten noch eine Aussage machen. Irgendwann war klar, dass die Eltern bereits bei ihrem Nachwuchs im Krankenhaus waren, damit hatte sich dieser Einsatz erledigt. Weitere Streifenfahrten.

 

Ich lernte eine Kneipe kennen (nur von außen), in die vor einiger Zeit ein Polizist hineingezogen worden war mit dem Ziel, ihn zu verdreschen. (Ich erinnerte mich. Dazu hatte es eine Pressemitteilung gegeben. Der Mann hatte eine Karte von uns bekommen.) Sozusagen Sightseeing für die Vorsitzende von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.

 

Nächster Einsatz: ein Bürger hatte angerufen, dass in einer Straße x drei Jugendliche einen einzelnen Jugendlichen drangsalieren würden. Wir fuhren die ganze Straße und Umgebung ab – ergebnislos.

 

Wir fuhren an zwei jungen Männern vorbei, von denen einer über den Bürgersteig schlingerte wie ein Seemann bei Orkan über Deck. Allerdings war es windstill und Mainz ist auch kein Schiff. Also wendete David kurzentschlossen, um sich das mal näher anzusehen. Aus der Nähe betrachtet sah das nun doch nicht mehr so schlimm aus, der weitgehend nüchterne Begleiter des jungen Mannes brachte ihn gerade nach Hause.

 

Wieder das Kneipenviertel bestreifen. Plötzlich, in einer Einbahnstraße, wildes Geschrei von hinten. Ein junger Mann galoppierte heran. „Da hinten wird eine Freundin von mir von mehreren Typen verfolgt.“ Wildes Gefuchtel in eine unbestimmte Richtung.

„Wo genau?“

„Keine Ahnung. Ich hab die hier am Handy.“ Weiteres Gefuchtel.

„Ok, wir kommen da an die Ecke.“ Klares Deuten von David auf eine Ecke am Ende der Straße in der grob vom jungen Mann angezeigten Richtung. Der junge Mann sprintete los, der Streifenwagen fuhr recht rasant einmal um den Block (wegen der Einbahnstraße).

An der fraglichen Ecke kein junger Mann. Dafür hatte Marina schon mal einen Funkspruch über den Sachverhalt abgesetzt. Im Ergebnis zirkelten mehrere, mindestens drei, Streifenwagen durch die Gegend auf der Suche nach dieser verfolgten „Freundin“. Die einzige junge Dame, die sich hurtig bewegte, rannte ihrem Nachtbus nach – den sie auch noch bekam. Schließlich wieder ergebnisloses Abbrechen der Suche.

Merken, liebe Mitbürger: Auch wenn es unter Stress schwerfällt – angemessene Ortsangaben und das Einhalten von Verabredungen helfen der Polizei beim Helfen. Ich weiß nicht, ob da tatsächlich einer jungen Frau etwas passiert ist (in der Zeitung habe ich nichts gelesen). Im Zweifel hätte es dann geheißen, die Polizei macht nichts. Doch, macht sie. Sie gibt sogar ihr Bestes. Aber sie braucht unsere Hilfe und Mitarbeit dafür!!!

 

Zwischendurch musste der Streifenwagen betankt werden. Am Polizeipräsidium gibt es eine eigene Zapfsäule für die Polizei. Das finde ich ausgesprochen praktisch. Da es zu diesem Zeitpunkt recht ruhig war, entschieden David und Marina, mir kurz die Leitstelle zu zeigen. Ich muss sagen – WOW! Da wurde an nichts gespart und das ist auch gut so. Danke an dieser Stelle den Herren in der Leitstelle für den netten Empfang und die interessanten Auskünfte. Zufällig bekam ich noch live mit, wie eine Dame den Notruf durch Daueranrufe blockierte. Auch etwas, wovon wir Nichtpolizisten uns gar kein Bild machen.

 

Schließlich kam ein Einsatz vor einer Disko rein. Ein junger Mann sollte weitere Gäste anpöbeln. Offenbar war er vom Sicherheitsdienst schon vor die Tür gesetzt worden, wo er dann fröhlich weiterschimpfte. Im Unterschied zu früher ist Mainz durchaus belebt, man hat also eine Menge Auswahl an zu bepöbelnden Passanten.

Als wir eintrafen, war bereits eine weitere Streife vor Ort. Der junge Mann lieferte mir dann eine astreine Show zum Thema „verbale Gewalt gegen Polizisten“. Hier eine kleine Auswahl seiner „Nettigkeiten“:

  • Ihr Scheißbullen.
  • Ich wichs Euch voll.
  • Ich wichs Euch in den Hals.
  • Ihr haltet Euch wohl für was Besseres.
  • Komm doch her, Du toller Polizist.

All das, weil er seinen Namen sagen sollte. Seine Aggression war mit Händen zu greifen, deswegen behielten ihn natürlich alle Polizisten im Auge. Was ihm auch nicht passte.

  • Was glotzt Ihr mich so an, seid Ihr alle schwul oder was?
  • Ihr dürft mich alle nicht angucken, außer der Frau da. (Gemeint war „meine“ Streifenpartnerin)
  • Was seid Ihr bloß für Homos?

Sein ganzes Verhalten deutete darauf hin, dass nicht nur Alkohol im Spiel war. Das wusste er selbst wohl auch ziemlich gut, denn er teilte uns kooperativerweise mit:

  • Ich piss Euch ins Glas. Einen ganzen Eimer voll.

Äußerst irritierend für mich war, dass er mehrfach einen der beiden Polizisten, die als erste am Einsatzort gewesen waren, als „Du fetter Bulle, du“ titulierte. Der Mann war nämlich alles andere als übergewichtig. Entweder meinte er „fett“ in Bezug darauf, dass dieser Polizist der Wortführer in diesem Einsatz war, oder aufgrund der Tatsache, dass er von allen Polizisten der Älteste war, ihm als Chef vorkam. Oder aber er hatte neben Alkohol tatsächlich noch andere Substanzen eingeworfen, die seine visuelle Wahrnehmung störten und das Bild des Menschen, der hauptsächlich mit ihm sprach, auseinanderwabern und später wieder zusammenschnurren ließen. Für diese These spricht auch, dass er im späteren Verlauf sagte: „Du bist doch gar nicht fett.“

Hatte ich in Ludwigshafen teilweise wirklich die Hosen voll gehabt, hatte ich in diesem Moment das Hauptproblem, dass ich mir das Lachen verbeißen musste. Manchmal denke ich, wenn Leute wüssten, wie lächerlich sie zugedröhnt rüberkommen, dann würden sie sich solchen Dreck nicht mehr einwerfen. Oder erst recht, um zu vergessen, wie sie dann rüberkommen. Wer weiß…

Er war in Begleitung dreier junger Männer, denen sein Verhalten sichtlich peinlich war, und die sich mehrfach bei der Polizei entschuldigten. Da ich mich etwas abseits der Polizeibeamten im Hintergrund hielt, war ich Hauptadressatin ihrer Entschuldigungen. Das fand ich auch ganz gut so, denn damit wurde ich von meinem Lachzwang abgelenkt. Schließlich wollte ich nicht der Funken sein, der den Typen auch noch zu körperlicher Gewalt eskalierte. Und wenn ich eines nicht einschätzen kann, dann was in den Köpfen von Leuten vorgeht, die Drogen genommen haben.

Symbolfoto: Es gibt keinen Zusammenhang zur Einsatzörtlichkeit
Symbolfoto: Es gibt keinen Zusammenhang zur Einsatzörtlichkeit

Übrigens drei sehr sympathische junge Männer. Es handelte sich um einen gemeinsamen Abend von Kollegen ein und derselben Firma. Die lebensälteren Kollegen hatten diesen speziellen jungen Mann, um den sich gerade die Polizei kümmerte, nicht dabeihaben wollen. Aus gutem Grund. Die drei jungen Leute, noch echte Idealisten, wollten ihn aber nicht ausschließen und versprachen, sich um ihn zu kümmern. Vermutlich fühlten sie sich gerade nicht besonders gut, dass sie diese Aufgabe nun der Polizei übertragen mussten.

Da unser Krakeeler seine Personalien immer noch nicht rausgeben wollte und seine Kollegen auch nur mit dem Namen aushelfen konnten, musste er mit zur Wache. Der wortführende Polizist hat übrigens gut auf ihn reagiert, wie ich fand. Solange der junge Mann freundlich zu ihm war, blieb er auch freundlich, ansonsten wurde er durchaus verbal recht scharf. Tit for tat heißt das in der Fachsprache. Hätte ich allerdings von dem Einsatz ein Video gemacht und entsprechend geschnitten, hätte ich mir damit durchaus ein Filmchen über verbale Polizeigewalt schnitzen können. Eine Erfahrung, die ich jedem wünsche, der meint, er könne anhand hochgeladener Videos auch nur ansatzweise die Rechtmäßigkeit eines Polizeieinsatzes beurteilen.

 

Noch während der Beleidiger in den Streifenwagen der ersten Streife einstieg, wurden wir angesprochen. „Da an der Ecke randaliert einer.“ Also ging es nahtlos weiter. Die Stimmung war aufgeheizt, als wir eintrafen. Ein Mann gab an, von einer Frau geohrfeigt worden zu sein, was seinen Stolz sehr getroffen hatte. Sie wiederum sagte aus: „Ich habe ihn nicht geohrfeigt, wir sind uns näher gekommen, haben getanzt, ich habe ihm über die Wange gestrichen.“ Er habe dann randaliert, also habe sie ihn aus ihrer Kneipe geworfen. Was er wiederum nicht akzeptiert hatte. Klar war, dass alle etwas getrunken hatten. Es trafen weitere Streifenwagen zur Unterstützung ein, was den Randalierer zu der Äußerung veranlasste: „Acht Polizisten, als wäre ich ein Schwerverbrecher.“

Nun ja, bei Licht betrachtet waren es sechs Polizisten, ein Auszubildender und ich. Aber das konnte er ja nicht wissen.

Nebenbei fragten dann noch Leute nach dem Weg zu einem Parkhaus.

Wieder zwei Punkte, an denen ich merkte, dass wir Nichtpolizisten manchmal Dinge nicht verstehen. Klar kommt es einem einzelnen Menschen viel vor, wenn acht Polizisten seinetwegen auflaufen. Steckt man allerdings in einer Schussweste mit dem aufgedruckten Reizwort „Polizei“, sieht die Sachlage ganz anders aus. Man kommt an einen Ort, hier eine Gaststätte voller Menschen, und weiß nicht, wer sich gegen einen stellen wird. Zumal das nicht der erste Einsatz wäre, bei dem sich gegnerische Parteien verbünden, um der Polizei gemeinsam eins überzubraten. Ich jedenfalls fühlte mich da nicht wirklich als Übermacht.

In so einer Sachlage möchte man dann auch nicht unbedingt Auskunftei für Ortsfremde sein. Trotzdem wurde mit allen angemessen kommuniziert. Wie ich unsere Polizei kenne und schätze. Es gab sogar eine freundliche Antwort für die suchenden Touristen.

Letztlich bekam der Randalierer einen Platzverweis, er wurde mit deutlichen Worten nach Hause geschickt. Er wollte nicht gehen. „Ich muss noch bezahlen. Ich bezahle meine Rechnungen. Immer.“ Es dauerte eine Weile, ihm klar zu machen, dass ein Bekannter das schon übernommen hatte, um die Situation zu entschärfen. Der bot an, ihn heimzufahren. Wir sahen ihn in das entsprechende Auto steigen, welches dann auch losfuhr. Damit hielt ich diesen Einsatz für beendet. Na ja, ich bin halt Laiin, ne?

 

Zuerst aber fuhren wir auf die Wache, weil Marinas Handfunkgerät plötzlich nicht mehr funkte. Es ist ziemlich blöd, im Einsatz den Kontakt zu verlieren, also holten wir Ersatz. Wo wir schon mal da waren, besuchte ich die Toilette, aß noch schnell ein Stück meiner Pizza (ich mag kalte Pizza, wirklich) und lauschte kurz den unfassbar lauten Gesängen des vor der Disko in Gewahrsam genommen Beleidigers. Wenn jemand im Gewahrsam einsitzt, muss regelmäßig nach seinem Befinden geschaut werden. Der Polizist, der sich zu diesem Zeitpunkt mit einem kurzen Blick um seine Sicherheit kümmerte, erntete dafür ein lautes: „Hurensohn“.

 

Symbolfoto: Es gibt keinen Zusammenhang zur Einsatzörtlichkeit
Symbolfoto: Es gibt keinen Zusammenhang zur Einsatzörtlichkeit

Darüber konnte ich mich gar nicht lange aufhalten, denn dann fuhren wir wieder raus, weil unser Randalierer wieder aufgetaucht war, vor exakt der Kneipe, vor der ihm doch die Polizei einen Platzverweis erteilt hatte. Abermals rückten einige Streifenwagen ein, u.a. einer der Autobahnpolizei.

Als wir eintrafen, war er aber schon wieder verschwunden. Wir suchten ihn im mittlerweile sehr nebligen Mainz. Innerlich hatte ich den Einsatz schon abgehakt. Der war doch verschwunden. Ja, ich bin Laiin.

Kurz darauf erblickten wir einen Menschen, der ihm ähnlich sah. Nicht ganz ohne Stolz möchte ich sagen, dass ich seine Kapuzenjacke wieder erkannte. Allerdings, und hier hätte ich versagt, passte für mich die Hose nicht. Dennoch sahen ihn sich „meine“ Polizeibeamten näher an – und siehe, er war’s. Nicht nur war er es, sondern er war auch klar auf dem Weg zu dieser Kneipe und auch nicht mehr sehr weit davon entfernt. Da war Schluss mit lustig. Handschellen, Durchsuchung, Gewahrsam.

Innerlich gratulierte ich mir schon, dass ich nun einen Fußmarsch durch das nächtliche Mainz gewonnen hatte. Offenbar schätzten meine Begleiter die Sachlage jedoch so ein, dass ich auf dem Beifahrersitz mitfahren konnte. Eine sehr richtige Einschätzung, denn wir kamen gut in der Dienststelle an.

 

Dort gab der beleidigende Sänger weiterhin ein künstlerisch eher zweifelhaftes Gratiskonzert. Er johlte immer noch in den höchsten Tönen. Allein die Aussicht auf einen solchen Zellennachbarn wird mich, solange ich klar im Kopf sein werde, davon abhalten, mich jemals so aufzuführen, dass ich in einen polizeilichen Gewahrsam einfahren muss.

 

Nun bekam ich hautnah den Teil mit den Berichten mit. Die Polizei muss ausführlich protokollieren, welche „Effekten“ sie den in Gewahrsam genommenen abnimmt. David notierte alles auf: Brieftasche, wie viel Geld darin war, Ausweise, ein Smartphone, diverse Schmuckstücke, Armbanduhr, eine Quittung über das Handy…

„Moment mal! Aus dem Laden hatten wir neulich schon mal ein Smartphone, das gestohlen gemeldet war“, sagte er zu mir.

Er gab die ID des Smartphones in ein Suchsystem ein. Bingo! Auch dieses Handy war jemandem entwendet worden. Definitiv ein Anlass für weitere Ermittlungen in dieser Richtung.

 

Nebenbei wurde der Krakeeler aus dem Gewahrsam entlassen. Er war volljährig und konnte gegen seinen Willen nicht dabehalten werden. Ihm die Unterschrift unter entsprechende Formulare zu entlocken, hat auch „nur“ eine knappe halbe Stunde gedauert, in der er auch niemanden beleidigte, sondern die Zeit mit reichlich sinnbefreiten Vorträgen anfüllte.

 

Schließlich wurde auch unser Randalierer entlassen, mit der eindringlichen Ermahnung, sich nicht mehr in die Nähe dieser Kneipe zu bewegen. David erklärte ihm, dass sein Handy beschlagnahmt sei, weil es gestohlen gemeldet sei. Er verstand nicht. „Zappzerap“. Ach so! Die Vokabel kannte ich auch noch nicht. Er aber schon.

Ich persönlich hatte angenommen, dass er die frohe Botschaft, dass die Polizei nun auch noch sein Smartphone beschlagnahmt, nicht gerade mit guter Laune aufnehmen würde. Im Gegenteil befürchtete ich einen Aggressivitätsschub. Aber nichts dergleichen. Er nahm das für mich überraschend sehr stoisch auf.

 

Weitere Berichte mussten geschrieben werden. Schließlich fuhren wir gegen fünf Uhr morgens noch einmal (mit einer beschleunigten Anfahrt… YAY) raus.

Blaulichtfahrt spiegelt sich im Schaufenster, Blaulicht wirft Licht in die andere Richtung
Blaulichtfahrt spiegelt sich im Schaufenster, Blaulicht wirft Licht in die andere Richtung

 

Blaulichtfahrt spiegelt sich im Schaufenster, Blaulicht wirft Licht ins Fenster – bei der Beurteilung der Bildqualität muss man in Rechnung stellen, dass Smartphonekameras bei solchen Geschwindigkeiten dann doch überfordert sind – und außerdem musste ich mich ja auch noch festhalten
Blaulichtfahrt spiegelt sich im Schaufenster, Blaulicht wirft Licht ins Fenster – bei der Beurteilung der Bildqualität muss man in Rechnung stellen, dass Smartphonekameras bei solchen Geschwindigkeiten dann doch überfordert sind – und außerdem musste ich mich ja auch noch festhalten

Vor einem Club war es zu einer Körperverletzung gekommen. Zumindest hatte das der Anrufer am Notruf gesagt. Vor dem Club fand sich auch tatsächlich ein junger Mann, dessen Nase einen blutigen Höcker hatte. Autsch!

Zwei weitere Streifen waren vor Ort. Eine Streife kümmerte sich um den jungen Mann, der als Täter bezeichnet worden war. Eine weitere Streife befragte Zeugen. David und Marina kümmerten sich um das Opfer. Der wollte keine Anzeige erstatten. „Ich bin ein sozialer Mensch.“ Als er merkte, dass ihm ein Stück Zahn abhanden gekommen war, wurde er in seinem Entschluss dann doch schwankend. Zahnersatz ist teuer. Einer seiner Kumpels, ein Student, der mir gerade mal bis zum Kinn ging, befand den ganzen Polizeieinsatz mehrfach als Kindergarten. Stimmt auch irgendwie, vollkommen übertrieben, wegen eines Notrufes und einer Körperverletzung so einen Aufriss zu machen. Argh!

Und dann passierte es. So oft schon hatte man mir davon erzählt. Endlich sollte ich einen Mythos live und in Farbe präsentiert bekommen. Die Rede ist von IHM, dem Jurastudenten! Zumindest stellte sich der dritte im Bunde, der sich ungefragt einmengte, als solcher vor. Angeblich war er sogar schon weiter, er hatte seiner Aussage nach das zweite Staatsexamen in der Tasche. Deswegen wusste er auch ganz genau, dass der Einsatz unverhältnismäßig war und dass die Polizei da nichts mehr verloren hat, sobald der Geschädigte keine Anzeige erstatten möchte.

Wenn er wirklich das zweite Staatsexamen in Jura hat, dann hat entweder die Qualität der Uni Mainz in den letzten 20 Jahren erheblich nachgelassen oder er hat in Sachen Strafrecht massiv auf Lücke gelernt. Sollte in solchen Kreisen nicht der §163 StPO bekannt sein, der da besagt, dass die Polizei bei einem Anfangsverdacht auf eine Straftat ermitteln MUSS – der definitiv durch den Notruf und die blutige Nase vorlag? Sie KANN das gar nicht einstellen, das kann nur die Staatsanwaltschaft.

Jedenfalls musste ich mir ziemlich mühsam das Lachen verkneifen. Klasse! Ein Klischee! Und es lebte. Es stand vor mir. Es redete.

Ich fürchte, dieses Mal war ich ziemlich schlecht darin, meine Belustigung zu verbergen, denn sein Kumpel fragte mich in ziemlich überheblichen Tonfall: „Ist wohl Ihr erster Tag in dem Job?“ Ich verzichtete auf eine Aufklärung darüber, dass es immerhin mein ZWEITER Tag war und bejahte. Darauf er: „Und? Wie finden Sie es?“ Darauf konnte es nur eine Antwort geben: „Na, total super natürlich.“

 

Das war jedenfalls nicht gelogen. Wieder einmal hatte ich eine sehr spannende Nacht erlebt. Mein Respekt für unsere Polizistinnen und Polizisten ist noch einmal massiv angestiegen. Insbesondere die kommunikativen Fähigkeiten der Beamten beeindrucken mich wieder und wieder. Mit jeder Nachtschicht kann ich weniger verstehen, warum kommunikative Fähigkeiten auf unserer Facebook-Seite vielfach so schlecht geredet werden. Im Ernstfall sollten Polizisten sich natürlich schlagkräftig zur Wehr setzen können, um sich selbst oder andere zu retten. Aber warum sollten sie so eine beeindruckende Fähigkeit, wie die zur Kommunikation nicht nutzen, solange es geht? Vermutlich schätzen auch nur jene diese Fähigkeit gering, die sie nicht haben…

Außerdem habe ich mich zu jeder Sekunde in dieser Nacht sicher gefühlt. Mir war zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass mich immer jemand im Auge hatte, David und Marina, aber auch die anderen, die jeweils vor Ort waren.

David und Marina kann ich gar nicht oft genug danken – für die herzliche Aufnahme und für das Vertrauen in mich, dass ich keinen Blödsinn anstellen würde. Aber auch die anderen aus der Schicht haben mich herzlich aufgenommen. Ausnahmslos. Danke!

 

Selbst wenn es keinen einzigen Einsatz gegeben hätte, hätte mich allein schon das Fahren im Streifenwagen durch Mainz beeindruckt. Nicht nur, weil mein inneres Kind immer wieder Fahrten in blau-weißen Autos mit Blaulicht auf dem Dach höchst vergnüglich findet, sondern auch, weil es interessant ist, die Reaktionen der Menschen auf den Streifenwagen zu beobachten. Die meisten haben uns ignoriert. Manche haben uns angelächelt (die sind dann vermutlich ähnlich drauf wie ich). Manche haben uns den Daumen nach unten gezeigt. Manche haben uns bepöbelt.

Seitdem überlege ich mir, welche Möglichkeit gibt, Polizeistreifen mein Wohlwollen mitzuteilen, wenn sie mir über den Weg fahren. Vielleicht sollte „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ eine unmissverständliche Geste einführen. Oder ich schaffe mir ein Schild an, auf dem steht „Danke für Euren Einsatz!“ Aber bis ich das aus der Tasche gefummelt habe, ist die Streife auch schon vorbei. Ich denke, ich probiere es mit einem freundlichen Winken.

 

Allgemein Verein

Hier stehen wir, wir können nicht anders…

Symbol_HandschriftLiebe Leserinnen und Leser unserer Präsenzen,

ich möchte kurz die letzten beiden Gelegenheiten zur Kenntnis geben, bei denen wir übelst bepöbelt wurden. Nicht, um die permanent unterirdischer werdende Qualität vieler Diskussionen in den sozialen Netzwerken zu bejammern, das haben schon andere vor uns getan und es hat ja auch nichts geholfen. Nein, wir möchten Euch damit etwas in Erinnerung rufen:

Fall 1: Im Ausgangspost des fraglichen Facebook-Threads ging es um die Compact-Ausgabe mit dem Konterfei von Frau Petry auf dem Cover, die in einem Polizeifahrzeug sehr ungeschickt positioniert wurde. Unserer Meinung nach wurde damit die Neutralität verletzt, die die Polizei an den Tag legen muss. Erwartungsgemäß kamen in dem Thread sehr unterschiedliche Ansichten zum Tragen. Eine Person bezeichnete dann uns, Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., als „feige“ und „vorverurteilend“. „Auf wessen Seite steht Ihr eigentlich?“ wurden wir abschließend gefragt.

Fall 2: Schauplatzwechsel zu Twitter. Die Wellen schlagen hoch um ein qualitativ höchst schlechtes Video über einen Polizeieinsatz in Kaiserslautern. Wir verweigern uns, auf Fingerschnipp über die eingesetzten Polizisten herzufallen, zumal die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern sich sehr schnell sehr weit aus dem Fenster gehängt hat und keinen Anlass sieht, gegen die eingesetzten Polizisten ein Verfahren zu eröffnen. Ein Nutzer nennt uns „blindwütig“ und „armselig“.

Merkt Ihr selbst, liebe Leser, ne?

Deswegen noch einmal zur Erinnerung an alle, was wir seit 2009, schon lange vor der Vereinsgründung, gebetsmühlenartig wiederholen:

  1. Wir stehen hinter unseren Polizeibeamten.
  2. Wir stehen aber nicht hinter ihnen, weil sie Polizisten sind, sondern weil sie Polizisten einer besonderen Polizei sind – einer Polizei, die demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich aufgestellt ist.
  3. Wir sind kein Polizeiverherrlichungsverein.

Die Polizei ist eine aus Menschen gemachte Institution. Menschen sind nicht perfekt. Folgerichtig kann diese Institution nicht perfekt sein und die einzelnen Menschen darin auch nicht.

Wir stehen hinter unserer Polizei, weil sie eine tolle Arbeit macht, für die man nicht genug danken kann. Was wir im übrigen täglich tun. Aber wir stehen da eben auch, weil man sie kritisieren darf. Zu wahrer Freundschaft gehören Kritik und Widerspruch. Deswegen werden wir uns weiterhin herausnehmen, einzelne Polizeibeamten und ggf. auch eine ganze Behörde zu kritisieren, wo wir es für notwendig erachten. Auch das Bezeichnen von Polizistinnen und Polizisten, die Missstände in ihrem beruflichen Umfeld aufdecken, als „Anscheißbeamte“, stellt aus unserer Sicht Gewalt gegen Polizisten dar. An dem Tag, an dem ich die deutsche Polizei nicht mehr sachlich kritisieren darf, stehe ich für mein Amt nicht mehr zur Verfügung und wahrscheinlich auch nicht mehr für diese Republik.

Wir werden uns aber weiterhin verweigern, auf der Basis von irgendwelchen Videos, die Hinz und Kunz ins Netz stellen und auf denen sie Polizeigewalt zu erkennen glauben, pflichtschuldigst in den Empörungsmodus zu verfallen. Wir weigern uns, verbal auf Menschen in Uniform einzuschlagen, die möglicherweise juristisch gerechtfertigte Gewalt anwenden. Die Polizei macht die Drecksarbeit für diese Gesellschaft. Es liegt auf der Hand, dass man beim Verrichten von Drecksarbeit eben nicht immer aussieht wie beim Balletttanzen, sondern dass es unschön werden kann. Es ist uns als Mitgliedern dieser Gesellschaft auch verdammt noch mal zuzumuten, das zu kapieren. Ebenfalls ist uns als denkenden Menschen zuzumuten, zu begreifen, was Sinn und Zweck der Gewaltenteilung ist und dass Soziale Netzwerke nicht Bestandteil der Judikative sind.

Für die, die nicht differenzieren können: das heißt jetzt NICHT, dass wir IMMER von der Unschuld der Polizisten ausgehen. Wir gehen aber weiterhin von der Annahme aus, dass die überwiegende Mehrheit (ich sage gerne 98% von ihnen) einen tollen Job machen. Und wir kennen den Grundsatz „in dubio pro reo“ und warten den Ausgang eines Verfahrens ab. Wir sind nicht die Judikative (und die vielen Hobbyrichter im WWW auch nicht, auch wenn sie das nicht in ihre Köpfe kriegen wollen).

Wem das alles als Weltbild zu komplex ist, der möge sich bitte von uns verabschieden. Es gibt ganz wunderbare Seiten, auf denen Polizisten niemals angezweifelt werden. Für die andere Seite gibt es tolle Präsenzen für stramme Polizistenhasser diversester Geschmacksrichtungen. Ob sie sich linksaußen, rechtsaußen, im Umfeld von Fußballvereinen oder sonstwie zu ihrem Weltbild zusammengerottet haben. Da werdet Ihr viele offene Ohren für Eure angeblichen Beweise finden. Die fragen auch nicht nach Hintergrundinformationen, nerven nicht damit rum, was möglicherweise vor der fraglichen Videosequenz passiert ist und sind auch nicht so abgefahren, dass sie nach der Gesetzeslage fragen. Da gibt es ganz viele Leute, die auf Euer Zeichen hin Schaum vorm Mund entwickeln und vorverurteilen, was das Zeugs hält.

Spart Euch Eure Zeit, in der Ihr das bei und mit uns versucht.

Zu unserem Weltbild gehört aber auch die Akzeptanz von Eigenverantwortung. Es steht jedem frei, sich über unsere Vereinsziele zu informieren und die Diskussionsregeln auf der Facebook-Seite nachzulesen. Wer das nicht tut und einfach mal wild seinen Frust in unsere Kommentarspalten kotzt und dabei andere per Rundumschlag bepöbelt, der darf hinterher nicht klagen, wenn ihm entsprechender Gegenwind entgegenschlägt, der ihn möglicherweise irgendwann von unseren Präsenzen herunterweht.

Unser Verein hat sich über Jahre gebildet. Wir reden viel miteinander und unsere Ziele und unser Weltbild haben sich über viele Jahre gefestigt. Wer meint, Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. mit einer (gerne auch anonymen) Pöbelei in irgendeinem sozialen Netzwerk in eine Kursänderung zwingen zu können, der ist auf dem Holzweg. Ein Blick ins Vereinsrecht, wer uns Vorschriften über unsere Öffentlichkeitsarbeit machen darf, kann da sehr erhellen. Wie so oft gilt auch hier: Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung – und erspart eine Menge Arbeit.

Allgemein Polizeiarbeit

Nachtschicht – eine Samstagnacht mit der Polizei in Ludwigshafen

Seit ich meine Arbeit für keine Gewalt gegen Polizisten e. V. aufgenommen habe, habe ich mir gewünscht, mal eine Nachtschicht mitzumachen. In einer tropischen Julinacht war es dann soweit. Freundlicherweise gab mir die Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 diese Möglichkeit.

Auf meiner Reise nach Ludwigshafen wurde mir dann doch ein wenig mulmig. Was, wenn ich die Nacht nicht durchhalten würde? Kopfkino: zwei kräftige Herren ziehen mich aus dem Streifenwagen, werfen mich über ihre Schulter, legen mich in den Gewahrsam und wecken mich pünktlich zu Dienstschluss mit der Rechnung – vielleicht auch einem Kaffee. Und was, wenn ich als nutzloser Achslastbeschwerer betrachtet würde? Oder mich am Ende auch noch als Gefahr herausstellen würde? Denn dass ich im Einsatz auch nur ansatzweise hilfreich sein könnte, wagte ich mir als blutige Laiin nicht einmal vorzustellen. Nerven wollte ich aber auch niemanden.

Angst um meine eigene körperliche Unversehrtheit hatte ich übrigens zu keinem Zeitpunkt. Weder im Vorfeld noch während der Nacht. Mein Leben wurde bereits von Polizisten gerettet. Ich weiß, sie würden es immer wieder tun.

Vor der Nachtschicht
Vor der Nachtschicht

Der Dienstgruppenleiter versorgte mich mit einem sehr freundlichen Empfang, mit einer Schussweste und der Information, dass sich seine Leute auf mich freuen würden. Meine Anwesenheit nahm ihnen offenbar das Gefühl, gänzlich unbemerkt von der Gesellschaft derselben Nacht für Nacht den Allerwertesten zu retten. Es war angedacht, insgesamt vier Streifenteams mit mir rauszuschicken, jedes zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Mein zweites Streifenteam kam dann von 23:00 Uhr bis 4:00 Uhr gar nicht mehr in die Dienststelle vor lauter Einsätzen… soweit dazu.

Das Funkgerät ist nur Fake… sozusagen ein Accessoire für das Foto direkt vom Laufsteg
Das Funkgerät ist nur Fake… sozusagen ein Accessoire für das Foto direkt vom Laufsteg

Übrigens trug der Dienstgruppenleiter vergleichsweise langes Haar und einen interessanten Bart. Ohne seine Uniform würden ihn die meisten Menschen wahrscheinlich gar nicht als Polizisten erkennen oder gar vermuten. Was meine Meinung dazu bestätigt, dass in den Uniformen Menschen stecken – und zwar höchst individuelle.

 

Die Polizisten dieser Inspektion sind überwiegend sehr, sehr jung. Übrigens waren alle Streifenteams gemischt.

 

Mit meinem ersten Streifenteam landete ich direkt in einem sozialen Brennpunkt Ludwigshafens. Schon als wir eintrafen, wurde mir klar, dass ich nun etwas zu sehen bekommen würde, von dessen Existenz der größte Teil unserer Gesellschaft nichts weiß und wahrscheinlich auch nichts wissen will. Schon das Gerümpel auf dem Hof, den wir überqueren mussten, machte klar, dass wir hier nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren. Die junge Polizistin instruierte mich, auf keinen Fall ohne Handschuhe irgendetwas anzufassen. Beim Betreten des Treppenhauses schlug mir ein Geruch entgegen, von dem mir fast schlecht wurde. Der junge Polizist sagte: „Normalerweise stinkt es hier echt übel. Heute ist die Luft hier ja richtig frisch.“ Oha…

Auf unserem Weg in eines der oberen Stockwerke begegneten wir einem älteren Herrn, dessen heftige Alkoholfahne mir fast den Atem raubte. Er wünschte uns viel Spaß, was ich in diesem Moment nicht als unfreundlich empfand.

Am Einsatzort empfing uns eine sehr aggressive Stimmung. Es hatte eine Auseinandersetzung unter Nachbarn gegeben. Ich bewunderte meine beiden Begleiter, die sehr ruhig und bestimmt klar machten, dass sie mit jedem sprechen würden. Nacheinander!

Zuerst sprachen sie mit der Frau, die mit ihrer Tochter in einer winzigen Einraumwohnung lebte. Diese Wohnung wirkte sehr ordentlich. Sie sagte aus, sie habe den Flur putzen wollen, dann habe der Nachbar einen Müllsack im Flur umgetreten. Ein Wort ergab das andere, die tropische Hitze tat ihren Teil dazu, die Sachlage eskalierte. Schließlich holte sie aus ihrer Küche ein Messer, ihrer Aussage nach hatte der Nachbar sie vor ihrer Wohnungstür bedroht. Dieser habe dann die Wohnungstür mit voller Wucht zugetreten, ihr Knöchel war in die zuschlagende Tür geraten, dabei habe sie sich verletzt. Da die Wohnung mit vier Menschen (Frau, Tochter, zwei Polizeibeamten) brechend voll war, stand ich im Flur, und versuchte, nicht im Weg zu sein. Was sich schwierig gestaltete, denn auch der Nachbar wollte seine Aussage loswerden. Deswegen leistete er der Anweisung, in seiner Wohnung zu warten, keinerlei Folge, sondern tauchte regelmäßig an der Wohnungstür der Frau – in meinem Rücken – auf und schrie herum.

Ich muss zugeben, dass ich hier die Hosen wirklich voll hatte. Ich hatte keine Sekunde Zweifel, dass meine beiden Begleiter mich heil aus der Sache rausbringen würden, aber ich hatte in diesem Moment das dringende Gefühl, eine Belastung zu sein, und die beiden Beamten in Gefahr zu bringen.

Schließlich hatte sich die Dame einigermaßen beruhigt, unter anderem, weil ihr ein Rettungswagen gerufen worden war. So konnten sich die beiden dem lauten Nachbarn zuwenden. Mit einem einzigen Satz holte ihn die junge Polizistin runter, und er wurde schlagartig kooperativ. Allerdings wollte er uns nicht in seine Wohnung lassen. Der winzige Einblick, den ich um die Ecke erhaschen konnte, sprach auch Bände warum. Da die Lichtanlage im Treppenhaus mit einer Zeitschaltuhr versehen war, ging regelmäßig das Licht aus. Also betätigte ich mich als Lichteinschalterin, um nicht allzu sehr im Weg zu sein.

Letztlich ließ sich vor Ort nicht klären, wer nun die Wahrheit sagt und wer nicht. Aber die Polizei hat Ruhe in die Sachlage gebracht, und offensichtlich hielten sich beide an den Rat, sich für den Rest der Nacht aus dem Weg zu gehen.

 

Im Anschluss an diesen Einsatz fuhren wir noch ein wenig Streife durch das abendliche Ludwigshafen. Die beiden Polizeibeamten suchten hier unter anderem das Gespräch mit Menschen, denen sie auf der Straße begegneten. Diese Gespräche liefen alle freundlich und kooperativ ab. Gegen 23:00 Uhr fuhren wir dann zurück zur Dienststelle, damit ich dem nächsten Streifenteam übergeben werden konnte.

 

Der erste Einsatz mit Streifenteam Nummer 2 hätte harmloser nicht sein können. Ein Bürger hatte ein Nummernschild gefunden, das von einem Auto abgefallen war. Die Polizei hatte den Halter ermittelt, und wir brachten das Nummernschild zu der angegebenen Adresse. Die Familie freute sich. Noch während wir noch mit den Leuten sprachen kam eine Frau vorbei. Sie hatte ihr Kind an der Hand. Sie lächelte uns sonnig an, und dankte der Polizei. WOW! Mehr davon, liebe Mitbürger. Mehr davon.

 

Schon auf dem Weg dahin hatte mein neuer Fahrer vorsichtig abgeklopft, wie ich wohl zu Einsatzfahrten stehen würde. Offensichtlich machte er sich ein wenig Sorgen, ich könnte auf meiner Rückbank Angst kriegen, wenn es mal schnell gehen musste. Seine Kollegin verstärkte das mit: „Dabei müssen wir schon mal ein wenig um die Kurven driften.“

Nun, eines war mir schon vorher klar: wenn es mal schnell gehen muss, dann fährt die Polizei auch schnell. Im Unterschied zu irgendwelchen sich selbst überschätzenden Jungspunden können Polizisten das aber auch. Deswegen muss ich zugeben, dass ich eher gespannt war. Ich fragte: „Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich heute Nacht noch in den Genuss einer solchen Fahrt komme?“ Die Antwort war ein wenig ernüchternd, man wisse es nicht genau.

 

Noch während ich meinem Erstaunen über die Freundlichkeit meiner Mitbürger, die an diesem ersten Einsatz beteiligt waren, nachgab, kam eine Meldung rein über eine weitere Auseinandersetzung zwischen Nachbarn. Am anderen Ende des Dienstgebietes. Blaulicht und Martinshorn wurden angeworfen, und wir rasten durch die Nacht. Ich muss zugeben, dass ich das ziemlich spannend fand. Zwischendurch wurde ich gefragt: „Alles in Ordnung da hinten?“ „Ja, ich habe Spaß.“

Es ist relativ schwierig, bei einer Blaulichtfahrt Fotos aus dem Fenster zu machen. Erstens muss man sich festhalten und zweitens zuckt es…
Es ist relativ schwierig, bei einer Blaulichtfahrt Fotos aus dem Fenster zu machen. Erstens muss man sich festhalten und zweitens zuckt es…

Dieses Mal mussten wir nur in den dritten Stock rennen. Und wir rannten, denn eine Streife war bereits vor Ort, und die Dame, um die es ging, war bekannt dafür, gerne mal mit Messern herumzufuchteln. Zu meiner freudigen Überraschung trafen wir „meine“ erste Streife der Nacht. Auch dieses Treppenhaus roch mehr als gewöhnungsbedürftig. Der Nachbar, der Opfer ihres Angriffs geworden war, empfing uns in Unterhose. Nicht gerade der Aufzug, in dem meine Bekannten die Polizei erwarten. Er weinte. Er war sichtlich mit den Nerven am Ende, denn die Frau war nicht zum ersten Mal auf ihn losgegangen. Beeindruckendes Zeugnis davon war seine Wohnungstür, die sie ihm im Laufe der Vorwoche aus den Angeln getreten hatte, und die immer noch neben der Türzarge stand. Einen Grund dafür gab es nicht, die Frau hat einfach ein schweres psychisches Problem, verursacht durch jahrelangen Substanzmissbrauch. Meine Begleiter beruhigten den Mann, und sagten sie würden sich ihm baldmöglichst widmen.

Die Frau selbst war splitterfasernackt, die Wohnung war in einem unbeschreiblichen Zustand. Es war völlig klar, dass sie in keiner Weise Herrin ihres Verstandes war und das nicht erst seit diesem Tag. Das Messer wurde gefunden, ihr abgenommen und sichergestellt. Aufgrund des Vorfalles mit dem Nachbarn war klar, dass sie die Nacht in der Psychiatrie verbringen sollte. Dazu hatte sie aber keine Lust. Dennoch wurde ein Rettungswagen gerufen, ebenso wie der kommunale Vollzugsdienst. Da in einer tropischen Nacht für beide Institutionen genauso Hochkonjunktur herrscht wie für die Polizei, begann nun eine schwer zu ertragende Zeit des Wartens. Wir alle fünf wurden durchbeleidigt, auf das Übelste. Die Lieblingsvokabel der Dame war „Fotze“ und das bekam auch jeder geschlechtsunabhängig mehrfach zu hören. Die beiden männlichen Polizisten wurden mehrfach mit „schwule Arschfickerfotze“ beschimpft. Dagegen mutete „Du bist ein Nichts!“ vergleichsweise harmlos an. Auch der Rest ihres interessanten Vokabulars war sehr farbenfroh. Nun war ich in der komfortablen Situation, nur Zuschauerin zu sein. Ich fand das alles in erster Linie hochgradig spannend. Für die Polizeibeamten, die sich regelmäßig in dieser Wohnung aufhalten müssen, und sich auch regelmäßig diese Tiraden anhören dürfen, war das alles nicht so einfach. Es war ihnen anzumerken, dass ihnen das irgendwann an die Substanz ging. Sie konnten der Sachlage allerdings nicht aus dem Weg gehen, denn es bestand die Gefahr, dass die Frau sich etwas antat. Als sie dann auch noch anfing, um sich zu spucken, wurde es wirklich eklig.

Die Wartezeit zog sich. Die Anspannung wuchs. Die Beleidigungen prasselten quasi ohne Ende auf uns ein, ein Nachbar, der sich als „unbeteiligter Zeuge“ bezeichnete, missachtete permanent die Anweisung der Polizei, in seiner Wohnung zu warten, und last not least musste auch noch auf mich aufgepasst werden. Denn in einer Frage hatte die Dame einen sehr klaren Sinn, sie hatte sofort gemerkt, dass ich definitiv das schwächste Glied im Raum war und versuchte mehrfach, in meine Richtung zu kommen. Ich hielt mich lieber im Hintergrund, und machte das einzige, was ich konnte – das Licht regelmäßig wieder einschalten.

Schließlich passierte, was Polizisten vielfach Kritik in der Öffentlichkeit einbringt. Der erste von ihnen musste lachen. Es war weiß Gott kein fröhliches Lachen, und es lag auch keinerlei Arroganz darin. Allen im Raum war klar, dass diese Frau im Grunde ein bemitleidenswertes Geschöpf ist. Aber irgendwann muss die Anspannung einfach raus. Ich wünsche jedem meiner Mitbürger, der sich über das Foto eines Polizeibeamten empört, der am Einsatzort lacht, eine solche Erfahrung. Zumindest jenen Mitbürgern, die offensichtlich bar jeglichen Einfühlungsvermögens sind. Ich selbst musste übrigens irgendwann auch lachen. Man steinige mich!

Endlich traf der Rettungsdienst ein. Es war sogar möglich, die Dame zu überreden, sich zu bekleiden, bevor sie den Rettungswagen bestieg. „Mein“ aktueller Streifenpartner fuhr mit. Ich fuhr mit der Polizistin im Streifenwagen hinter dem Rettungswagen her. Wenigstens konnte ich da helfen, indem ich auf Anweisung ein paar Knöpfchen drückte, weil Streifenwagen fahren und funken nicht ganz einfach ist. Dabei hatte ich die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl, denn der Beamte war ja deswegen im Rettungswagen, weil die Frau jederzeit wieder austicken konnte. Das tat sie aber nicht. In der Klinik wurde sie sehr freundlich aufgenommen, und sie schien sich dort wohl zu fühlen. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass sie dort auf Dauer bleiben wird. Wäre ich ihr Nachbar, würde ich die Flucht ergreifen und umziehen.

 

Meine Begleiter überlegten nun, noch ein wenig Streife zu fahren, um mir auf dem Rückweg zur Dienststelle das eine oder andere von Ludwigshafen zeigen zu können. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn es wurde eine private Verfolgungsjagd „allererster Kajüte“ (O-Ton Leitstelle) zwischen zwei Autos gemeldet. Auch in diesem Fall war bekannt, dass die Beteiligten durchaus gewalttätig werden können und einer der beiden sogar im Besitz einer Waffe ist. Wieder einmal flogen wir ans andere Ende des Dienstgebietes mit zuckenden Blaulicht und eingeschalteten Martinshorn. „Alles in Ordnung da hinten?“ „Ja, ich habe Spaß.“

Eine erste Streife war schon am Einsatzort, als wir eintrafen. Wir kamen von der anderen Seite, somit war ein Teilnehmer der Verfolgungsjagd von zwei Seiten eingekreist. Weitere Streifen flogen herbei, sodass die ganze Straße irgendwann ein Meer aus Blaulichtern beherbergte. Das sieht ganz schön beeindruckend aus. Leider habe ich mich nicht getraut, ein Foto zu machen. Auch hier zeigten sich alle Polizeibeamten ruhig und besonnen. Wieder schafften sie es, rein mit den Mittel der Sprache die Aggressionen zu senken. Schließlich wurde eines der Autos sogar sichergestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch zwei Streifen vor Ort.

Mir taten allmählich die Füße weh, die Schussweste ging mir ganz schön in mein altes Kreuz, und heiß war mir auch. So eine Schussweste ist nicht wirklich atmungsaktiv, und darunter war ich klatschnass. Bohrendes Hungergefühl machte sich in mir breit. In meinem Rucksack in der Dienststelle hatte ich sogar was zu essen dabei. Aber der war ziemlich weit weg. Eine solche Erfahrung wäre auch für jeden meiner Mitbürger hilfreich, der sofort Schnappatmung bekommt, wenn er Polizisten beim Einkaufen eines schnellen Essens sieht. Und man komme mir nicht mit dem mitgebrachten Pausenbrot um die Ecke. Bei der Hitze wäre das nach spätestens zwei Stunden im Streifenwagen nicht mehr genießbar gewesen – und Zeit zum Essen wäre auch nicht gewesen.

In Ermangelung eines Treppenhauses konnte ich hier übrigens Taschenlampen halten, um das Ausfüllen diverser Formulare zu erleichtern.

 

Zum Thema Formular ein kleiner Exkurs: man kann durchaus geteilter Meinung darüber sein, inwieweit es Sinn macht, alles bis ins kleinste Detail zu dokumentieren. Sicherlich ist es wichtig, um Einsätze nachvollziehen zu können, die Nachermittlungen zur Folge haben, oder aus denen gar ein Verfahren resultiert. Immerhin müssen alle, die das nachbearbeiten müssen, auf Informationen der Polizeibeamten zurückgreifen können, die als erste vor Ort waren. Ob es allerdings so sinnvoll ist, dass nach dem Löschen eines Feuers mit dem streifenwageneigenen Feuerlöscher das Ausfüllen der Formulare länger dauert als das Löschen dieses Feuers, lasse ich mal dahingestellt. So ein bisschen Vertrauen in den Mitarbeiter, was die Nutzung von Verschleißteilen betrifft – und als solches möchte ich einen Feuerlöscher jetzt doch mal bezeichnen – kann aus meiner Sicht keineswegs schaden.

 

Eigentlich war es nun an der Zeit, wieder zur Dienststelle zu fahren, denn eigentlich hätte ich schon vor geraumer Zeit „meiner“ Nachfolgestreife übergeben werden sollen. Nicht weit von der Dienststelle, an einem Postschild, das ich in dieser Nacht noch häufiger zu sehen bekommen sollte, erreichte uns jedoch ein Funkspruch, dass sich offensichtlich zwei Leute unberechtigt auf einem leerstehenden Firmengelände aufhalten würden. Übrigens am anderen Ende des Dienstgebietes, allerdings waren die Straßen mittlerweile so leer, dass nur noch ein bisschen Blaulicht nötig war. Die Fahrt war trotzdem recht rasant, denn es galt, möglichst schnell möglichst viele Polizisten vor Ort zu bekommen. „Alles in Ordnung da hinten?“ „Ja, ich habe Spaß.“

Nach einer intensiven Absuche des Geländes, auch mit der Hilfe eines Diensthundes, stellte sich heraus, dass wohl niemand mehr vor Ort war. Also rückten wir wieder ab, Richtung Dienststelle. Zu diesem Zeitpunkt hatte man mir schon erklärt, dass das Verfassen der Einsatzberichte mindestens so viel Zeit beanspruchen würde, wie die Zeit die man mit dem Einsatz selbst verbracht hatte. Ein Blick auf die Uhr belehrte mich, dass „meine“ aktuelle Streife es jetzt schon kaum pünktlich in den Feierabend schaffen würde. Ich denke ich brauche nicht dazu zu sagen, dass wir etwa auf Höhe des Postschildes einen Einsatz reinbekamen, weil ein Mann seine Frau verprügelte. Wieder einmal flogen wir mit Blaulicht durch die Nacht. „Alles in Ordnung da hinten?“ „Ja, ich habe Spaß.“

Am Einsatzort angekommen, klingelten wir in der angegebenen Wohnung. Tatsächlich wurde der Türöffner des Mehrparteienmiethauses betätigt. Allerdings war die Tür von innen abgeschlossen. Also klingelten wir mehrfach. Die Information, dass jemand die Tür mit einem Schlüssel öffnen müsse, gaben wir insgesamt fünfmal durch. Beim fünften Mal zeigte „mein“ aktueller Streifenpartner zum ersten Mal Nerven und schob die nicht unberechtigte Frage hinterher: „Wollen Sie uns verarschen?“

Das wirkte. Keine Minute später schloss man uns auf. Tatsächlich zeigte die Frau Spuren von körperlicher Gewalt, auch in der Wohnung sah es wild aus. Die Frau entschied sich dafür, dass die Polizei den Mann zehn Tage aus der Wohnung verweisen sollte. Dies erforderte einiges an Papierkram, der wiederum erforderte, dass die Lichtanlage im Treppenhaus regelmäßig wieder eingeschaltet werden musste. Mein Job! ;-)

Der Mann war nicht unkooperativ, aber als er letztlich mit einem gepackten Koffer gehen musste, zeigte er doch Gefühle und weinte. Nicht gerade, wie man sich als Ottilie Normalverbraucherin den typischen Schläger vorstellt. Auch Schläger sind Menschen und so wurde er auch behandelt, ohne sein Tun damit auch nur im Ansatz zu entschuldigen. Das ist, was mich am meisten beeindruckt hat – wie jeder menschlich behandelt wurde. Auch Leute, bei denen wir „Normalbürger“ vorsichtshalber den Bürgersteig wechseln würden.

Auch die geprügelte Frau war am Ende. Spätestens hier wurde mir klar, dass nicht nur ein Einsatz den nächsten jagen kann, und dass jeder Einsatz anders ist und wie schnell diese Menschen in Uniform im Kopf umschalten müssen, sondern dass eben auch oft menschliche Schicksale dranhängen, die man nicht zu nah an sich ranlassen sollte. Eindrucksvoll übrigens auch hier, wie nett „meine“ beiden Streifenpartner sich mit der Frau über ihre Katze unterhielten. Das wirkte nicht nur beruhigend auf sie, sondern zeigte auch echtes menschliches Interesse.

 

Nächster Versuch, zurück zur Dienststelle zu kommen. Wir schafften es sogar hinter das Postschild, der Streifenwagen war schon vor der Dienststelle eingeparkt, als der nächste Einsatz kam. Vor einem Museum sollte eine verdächtige Gestalt herumlungern. Also wieder auf die Straße. Wir umrundeten das Museum mehrfach, aber dort war kein Mensch zu sehen.

 

Nächster Versuch, zurück zur Dienststelle zu kommen. Etwa auf Höhe des Postschildes kam ein Funkspruch durch, dass am Rheinstrand ein Feuer entzündet worden sei. Auch hier war schon eine Streife vor Ort, als wir eintrafen. Letztlich waren es nur zwei junge Männer, die die heiße Nacht genießen wollten, ein Weinchen trinken wollten, und sich eben ein bisschen Lagerfeuerromantik gönnen wollten. Keiner der Polizisten hat das nicht verstanden. Dennoch müssen bestehende Gesetze durchgesetzt werden. Die beiden jungen Herren waren aber auch sehr kooperativ, sie hatten einfach nicht gewusst, dass das verboten war. Sie begannen mit Hilfe der Polizisten das Feuer zu löschen. Mit Rheinwasser. Was nach meinen Informationen über Formulare in Sachen Feuerlöscherbenutzung eine allseits sehr zufriedenstellende Lösung der Sache gewesen sein dürfte.

 

Um 4:00 Uhr morgens betraten wir die Dienststelle, die wir nach Plan gegen 1:00 Uhr hätten erreichen sollen. Ich sagte meinem Kaffee, den ich mir um 11:00 Uhr eingegossen hatte, freundlich Hallo und trank ihn kalt. Hauptsache Koffein.

 

„Meine“ beiden Streifenpartner machten sich sofort an ihre Berichte. Der Dienstgruppenleiter nahm sich ein wenig Zeit mit mir zu reden, dann schickte er mich mit einer weiteren Streife wieder raus. Eine noch im Bau befindliche Erstaufnahmeeinrichtung musste regelmäßig bestreift werden und zwar per Fußstreife. Es wäre nicht das erste (im Bau befindliche) Heim dieser Art, das von irgendwelchen Menschen verachtenden Tätern abgefackelt würde. Also umrundeten wir das Heim. Dabei erfuhr ich, dass sich „meine“ jetzige Streifenpartnerin in der Flüchtlingshilfe engagiert. Alles Menschen in Uniform, jeder auf seine Art.

 

Auf dem Rückweg zur Dienststelle passierten wir noch die örtliche Diskomeile, die normalerweise für das höchste Einsatzaufkommen sorgt. Nicht jedoch in dieser Nacht. Vielleicht, weil es für Disko einfach zu heiß war.

 

Wir fuhren zurück in die Dienststelle, ich half noch mit, zum Schichtwechsel die Spülmaschine einzuräumen, und dann war diese Nacht auch schon vorbei. Schneller als ich gucken konnte.

Guten Morgen, Ludwigshafen, tschüss, liebe Polizei!
Guten Morgen, Ludwigshafen, tschüss, liebe Polizei!

Mir ist noch wichtig anzumerken, dass zu keinem Zeitpunkt auch nur ein einziger Polizeibeamter zu seiner Waffe gegriffen hat oder auch nur Lust demonstriert hatte, zu seiner Waffe zu greifen. Kein einziger zeigte Interesse daran, zur körperlichen Gewalt zu greifen. Im Gegenteil legten sie alle beeindruckende Fähigkeiten an den Tag, nicht wirklich tiefenentspannten Menschen mit Worten die Aggressionen zu nehmen und Spannung aus ziemlich geladenen Situationen zu holen. Ich habe lebhaft das Bild vor Augen, wie eine gar nicht mal so hochgewachsene Polizistin einem hochaggressiven Kleiderschrank klarmachte, dass die permanente Wiederholung der Vokabel „Hurensohn“ an die Adresse seines Kontrahenten nicht wirklich zu einer gemeinsamen Lösung beitrüge – zumal die Mutter des anderen eine derartige Beleidigung wohl kaum verdiene. Tatsächlich konnte man förmlich sehen, wie die Luft aus seinem aufgepumpten Ego wich und er „normal“ wurde. Falls nicht die Polizei Ludwigshafen aus propagandistischen Gründen ihre brutalen Schläger für diese eine Nacht versteckt hatte und mir nur ihre besten Leute präsentiert hat – was ich persönlich nicht glaube, denn dafür wirkten die Leute zu eingespielt aufeinander – kann so einiges an Vorurteilen über unsere Polizeibeamten nicht stimmen.

 

Bevor ich in diese Nachtschicht ging, hatte ich eine Phase, in der ich einen Motivationshänger hatte. Mein Polizeibild war aus verschiedenen Gründen ein wenig angeschlagen gewesen. Diese Erfahrung hat es wiederhergestellt. Diese jungen Menschen haben meinen allergrößten Respekt!!! Ihnen ist zu verdanken, dass meine Wertschätzung unserer Einsatzkräfte sich innerhalb einer Nacht vervielfacht hat. Danke dafür!

 

 

Allgemein Demo

Köln – Nachwehen des Demontrationsgeschehens vom 09. Januar 2016

Symbolfoto
Symbolfoto

Eigentlich wollte ich zu Köln nichts schreiben. Zum einen ist über die Geschehnisse in der Silvesternacht so viel geschrieben worden, dass mir der Hype schon zu groß geworden ist. Hypes sind nicht so mein Ding. Meiner Ansicht nach verursachen sie einen Tunnelblick und man vergisst, an andere Orte zu schauen. Zum anderen war (und bin) ich Gefangene des Jahresabschlusses des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, was eine Menge Arbeit bedeutet, die mir nicht wirklich Spaß macht. Also habe ich eh keine Zeit und wenn ich welche hätte, würde ich sie sicherlich nicht auf einen Beitrag verwenden, mit dem man sich nur eine blutige Nase holen kann – von welcher Seite auch immer. Allerdings habe ich es ein wenig bedauert, dass ich dem Bundesinnenminister bzw. dem Innenminister von NRW keinen Brief schreibe, was ich von ihren unglaublichen Aussagen über die Kölner Polizei halte. Wie kann man als Innenminister so über seine Mitarbeiter reden? Und wer hat gemeinsam mit allen anderen Innenministern und -senatoren dieser Republik die Polizei kurz und klein gespart? Ein peinliches Schauspiel…

Aber gut, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, diese Briefe werde ich noch aufsetzen, auch wenn sie mit Sicherheit in entsprechenden Vorzimmern versanden werden und eine Antwort aus hübschen Standardtextbausteinen (wenn überhaupt) bei mir landen wird. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.

Auch möchte ich nichts dazu schreiben, wer da nun alles aus der Silvesternacht in Köln versucht, politisches Kapital zu schlagen und angebliche Lösungen anbietet. Auch dazu wurde schon alles geschrieben. Ja, mich beunruhigt das auch, was da passiert ist. Ob man dem Problem allerdings mit wildesten Verallgemeinerungen beikommt, wage ich mal zu bezweifeln. Das scheinen aber offenbar viele Menschen zu glauben, was mich nicht weniger beunruhigt als die Vorfälle selbst.

Am 09.01.2016 rief Pegida NRW als Reaktion auf die besagten Vorfälle der Silvesternacht zu einer Demo auf. Ich lasse an dieser Stelle der Polizei Köln das Wort. Obwohl ja derzeit jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, auf die Kölner Polizei zeigt, erscheint mir die Polizei doch als einzig Vertrauen erweckender Protagonist in der seit Samstag losrollenden Geschichte:

„Die Polizei hat am Nachmittag die Versammlung von Pegida NRW nach gewalttätigen Ausschreitungen aufgelöst. Teilnehmer hatten Einsatzkräfte der Polizei mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen. Die Polizei nahm mehrere Personen zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam. Bei den gewaltsamen Übergriffen wurden mehrere Polizistinnen und Polizisten sowie nach derzeitigem Kenntnisstand ein Medienvertreter verletzt. Der freie Journalist wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik eingeliefert.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Versammlung mit circa 1700 Teilnehmern fielen mehrere Personen durch ihr aggressives Verhalten auf. Bei durchgeführten Durchsuchungen wurden unter anderem ein Nothammer, Drogen und mehrere Knallkörper aufgefunden und sichergestellt. Entgegen der ersten Einschätzung von ca. 50 % bestand der weitaus größte Teil der Teilnehmer aus Hooligans.

Ablauf der Pegida-Versammlung

Nach dem Start der Pegida-Kundgebung um 14.02 Uhr setzte sich der Aufzug nach einer Auftaktkundgebung um 15.19 Uhr in Bewegung. Zwischenzeitlich hatte die Polizei in Absprache mit dem Versammlungsanmelder den Weg des Aufzuges geändert. Nur so konnte das polizeiliche Ziel der räumlichen Trennung der Versammlungen Pegida NRW und des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ konsequent umgesetzt werden. Nach ersten Würfen von Knallkörpern gegen die begleitenden Polizeibeamten wurde der Aufzug gestoppt. Aufforderungen den Bewurf mit Knallkörpern zu unterlassen wurden nicht Folge geleistet. Gegen 15.40 Uhr vermummten sich mehrere Personen der Versammlung Pegida NRW auf der Turiner Straße. Daraufhin wurde dem Versammlungsleiter die Auflage erteilt, zum Breslauer Platz zurückzukehren. In der Folge wurden Durchbruchsversuche der Versammlungsteilnehmer mit dem Einsatz von Reizgas unterbunden. Nach wiederholtem Bewurf der Einsatzkräfte mit Glasflaschen setzte die Polizei gegen 16.10 Uhr einen Wasserwerfer ein und löste die Versammlung unmittelbar danach mit Lautsprecherdurchsagen auf.

Ablauf der Versammlung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“

Die Gegenveranstaltung des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ verlief ohne Zwischenfälle. Der erste angemeldete Aufzug im Bahnhofsviertel fand nicht statt. Mit Auflösung der Versammlung von Pegida NRW machten sich etwa 400 Teilnehmer der ursprünglich auf 1700 Personen geschätzten Versammlung auf den zweiten angemeldeten Aufzugsweg und beendeten ihre Kundgebung um 17.21 Uhr am Hans-Böckler-Platz.

Hinweis zur Strafverfolgung

Bislang wurden 15 freiheitsentziehende Maßnahmen getroffen. Über die gefertigten Strafanzeigen hinaus wird die Polizei Videos und Fotos vom Einsatzgeschehen auswerten und gegebenenfalls weitere Strafverfahren einleiten.“ (Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Köln vom 09.01.2015, Hervorhebungen durch mich)

 

Und hier noch gleich die Meldung der Bundespolizei dazu:

Die Bundespolizei war heute (09. Januar), anlässlich von zwei Versammlungen, mit einem Großaufgebot im Bereich des Köln Hauptbahnhofs sowie im Ruhrgebiet im Einsatz.

Einsatzkräfte begleiteten seit den Vormittag größere Personengruppen von Teilnehmern beider Versammlungen nach Köln. Bei der Ankunft eines Regionalexpress aus dem Ruhrgebiet, mit 450 PEGIDA Teilnehmern, zündete ein bislang unbekannter Tatverdächtiger Pyrotechnik. Hierdurch wurden zwei Bundespolizisten, die sich im direkten Umfeld aufhielten, durch ein Knalltrauma verletzt und mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.

Bis auf diesen Vorfall verlief die Anreisephase ohne besondere Vorkommnisse. Insgesamt kamen circa 760 PEGIDA Teilnehmer sowie 500 Personen der Gegendemonstration mit Zügen der Deutschen Bahn AG nach Köln.

Im Rahmen der Abreisephase kam es im Bereich eines Zugangs in den Hauptbahnhof (Breslauer Platz) zu Provokationen durch PEGIDA Teilnehmern. Daraufhin räumten Einsatzkräfte der Bundespolizei den Bereich. Nachdem circa 500 rechtsgerichtete Versammlungsteilnehmer einen Regelzug bestiegen hatten, verließ dieser in Begleitung der Bundespolizei den Kölner Hauptbahnhof in Richtung Ruhrgebiet. Beim Ausstieg von rechtsgerichteten Versammlungsteilnehmern in Essen, kam es zu „Rangeleien“ mit anderen Personen. Dabei fiel eine Person, selbstverschuldet, in den Gleisbereich und wurde dadurch leicht verletzt.

Gegen 18:00 Uhr wurde die Bundespolizei über eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Versammlungsteilnehmern, am Bahnhof Köln West, informiert. Nachdem Einsatzkräfte am Haltepunkt eintrafen, konnten keine Personen mehr festgestellt werden.

Im Kölner Hauptbahnhof und auf verschiedenen Bahnsteigen, kam es immer wieder zu gegenseitigen Provokationen von den unterschiedlichen Versammlungsteilnehmern. Gegen gewalttätige Auseinandersetzungen wurde daraufhin konsequent eingeschritten.

Nach derzeitigem Stand (19:30 Uhr) leitete die Bundespolizei Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und Widerstands ein.

Durch das starke Aufgebot von Einsatzkräften der Bundespolizei aus dem gesamten Bundesgebiet konnten größere Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Versammlungsteilnehmern verhindert werden, so der Einsatzleiter der Bundespolizei, Polizeidirektion Oliver Humpert. (Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion Köln vom 09.01.2016, Hervorhebungen durch mich)

Halten wir also fest:

Es gab Ausschreitungen während der Demonstration, bei denen Polizistinnen und Polizisten verletzt wurden. Bereits bei der Ankunft benahm sich in einem Zug voller Pegida-Teilnehmer einer so daneben, dass zwei Bundespolizisten ein Knalltrauma zurückbehielten. Gut, der Tatverdächtige konnte bislang nicht ermittelt werden. Es kann natürlich auch ein gewöhnlicher Reisender gewesen sein, der einfach versehentlich mit den Pegida-Leuten in einem Zug gelandet ist. Passiert ja ständig, dass durchschnittliche Bahnpassagiere Pyrotechnik zünden…

Aufgrund der Ausschreitungen wurde die Demonstration aufgelöst.

So weit, so normal. Zumindest wenn man das Weltbild hat, dass kein Polizist die Verpflichtung hat, sich, von wem auch immer, verletzen zu lassen. Ausschreitungen gegen die Polizei sind kein Mittel politischer Meinungskundgabe. Egal, auf welcher Seite des politischen Spektrums diese stattfindet.

Was dann am gestrigen Tag über „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ hereinbrach war nicht einmalig, aber es war mehr als entlarvend.

Über sämtliche zur Verfügung stehenden Kanäle wurden wir mit Unterstellungen an die Adresse der Polizei bombardiert. Es begann mit Nachrichten in bester Empörungsrhetorik: „Wir könnt Ihr fordern, dass Polizisten gewaltfrei begegnet wird, wenn diese auch Gewalt verüben?“ (Wir erinnern uns kurz an dieser Stelle, auf welcher Seite die Verletzten zu beklagen sind, aber die haben sich sicher mal wieder selbst verprügelt.)

Wir wurden mit Youtube-Videos förmlich zugepflastert. Hauptsächlich ging es um einen „linken Journalisten“, der im Rücken der Polizeikette einen Böller gezündet haben soll. Das hat dann die böse Polizei einfach so der vollkommen unschuldigen Pegida-Versammlung zugerechnet. Die böse Polizei schützte dann auch noch den bösen „linken“ Journalisten. Woran man nun genau erkennen konnte, dass der Journalist „links“ ist, wissen wohl nur diese Pegida-Anhänger und ihre Apologeten selbst. Ich tippe darauf, dass es sich um das gleiche Phänomen handelt wie bei vielen Linksextremisten, bei denen jeder gleich „rechts“ ist, der ihre Meinung nicht zu 100% teilt. So ist, je nachdem für wessen Gewaltakte gegenüber Polizisten wir kein Verständnis entwickeln möchten, „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ entweder ein „rechter“ Verein oder ein „linker“ Verein. Na, dann stehen wir ja offensichtlich in der Mitte, wo wir auch stehen wollen. Auf der Verfassung.

Ich möchte diesen Youtube-Videos eigentlich kein Forum hier geben. Was ich von selbst zusammengeschnippelten Videos halte, die irgendwer ins Internet hochlädt, wo sie dann von einer Art selbst ernanntem Volksgerichtshof als angeblich unfehlbares Beweismittel für die Verfehlungen der Polizei herhalten müssen, habe ich auch oft genug gesagt – nichts! Dabei ist mir auch piepegal, welcher politischen Grundrichtung der Hochladende angehört: Recht, links oder politisch freischwebender Polizistenhasser. Ich habe genug Polizeieinsätze gesehen, aus denen ich mir, wenn ich sie gefilmt hätte, durch ein paar geschickte Schnitte ein hübsches Video über anlasslose Polizeigewalt hätte schnitzen können.

Erwähnen möchte ich dann aber doch die hier einsehbare UNGESCHNITTENE Fassung, die offensichtlich unter Missachtung jeglichen Urheberrechts von Köln TV übernommen und (sehr schlecht!) zusammengeschnitten wurde. Hier sieht man, wie der Böller, den angeblich der „linke“ Pressevertreter gezündet haben soll, aus der Versammlung geflogen kommt.

Es kommt aber noch besser. In einem Text (hier verlinkt), der in jeden sich bietenden Kommentar auf unserer Facebook-Seite geklebt wird (selbstverständlich unter Missachtung jeglicher Regeln, die wir aufgestellt haben), liest man „Hier muss unbedingt geklärt werden, ob die Polizei selbst Böller warf, um die Veranstaltung zu misskreditieren.“ Na klar. Pyrotechnik gehört bei der Polizei seit Urzeiten zur Standardausrüstung für Demoeinsätze. Insbesondere verletzt man unheimlich gern seine eigenen Kollegen. *Ironie Ende*

Mal ernsthaft. In Zeiten, in denen jeder polizeiliche Darmwind von gefühlten 100 Smartphones gefilmt wird, wäre es reichlich dumm, als Polizist mit Pyrotechnik um sich zu werfen. Wenn man den Job nicht mehr haben will, kann man auch einfach eine Kündigung schreiben.

Dieser Text wird uns auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Postfach oder wider unsere Seitenregeln in Kommentare gelegt, mit der FORDERUNG (!), dazu Stellung zu beziehen. Da wird ein gemeinnütziger Verein, dessen Mitglieder ehrenamtlich neben Beruf und Familie tätig sind, aufgefordert. Nur zur Illustration, welche Vorstellung von Höflichkeit diese Leute haben.

Noch ein paar Highlights aus diesem Text:

„Schon bei der Ankunft wurden wir in einer unfassbaren Art von Polizisten bei Seite gezogen, und uns wurde BEFOHLEN, dass wir unsere Taschen zeigen sollten.“

Auch ich musste schon mal meinen Rucksack öffnen. Das ist vollkommen normal und wenn ihn auch einfach öffnet, wird man auch nicht „beiseite gezogen.“

„Es gab kein freundliches Wort, es wurde nicht im vernünftigen Ton gesprochen.“

Hierzu möchte ich einen der Pegida-Apologeten auf unserer Seite zitieren, der unter einer Meldung über einen dienstunfähig verletzten Polizisten aus Augsburg (keinerlei Zusammenhang zu Pegida) postete: „Aber ihr von keine Gewalt bitte lese sie mal, natürlich scheisse wenn Gewalt gegen die Polizei begangen wird, aber lügen , Vergewaltiger frei lassen, Straftaten vertuschen, selber Böller schmeissen um es auf das voll zu schieben um sein eigenes volk anzugreifen… lassen sie uns freundlich reden…“ Dabei ein Link zu einem der bekannten und beliebten Youtube-Videos.

Fassen wir diesen Kommentar mal zusammen: Da bricht jemand unsere Seitenregeln (Links sind uns via Persönlicher Nachricht zu übersenden, da wir für die Inhalte unserer Seite verantwortlich sind und sie uns deshalb erstmal ansehen wollen), er kommt mit übelsten Unterstellungen um die Ecke, die er auf bekanntlich nicht aussagekräftigen Videos aufbaut und er hat so gar kein Problem damit, das Leid eines bayerischen Polizisten, der nicht das Geringste für Köln kann, für seine Zwecke zu missbrauchen. Von dem Missbrauch unserer Präsenzen mal ganz abgesehen. Davon, dass es nach wie vor nicht die Polizei ist, die über die Rechtsgrundlagen entscheidet (egal wie oft es behauptet wird), auf denen mutmaßliche Täter freigelassen werden, möchte ich hier gar nicht reden. Oder über das wirklich beunruhigende Verständnis von Rechtsstaatlichkeit, dass hier jemand ohne jegliches Verfahren zu wissen glaubt, wer Vergewaltiger ist. Aber wir sollen „freundlich reden“?

Wenn das die Vorstellung dieser Leute von „freundlich“ ist, dann kann ich mir vorstellen, dass die Polizei denen „unfreundlich“ vorkam.

Zurück zu diesem Text:

„Zwischendurch explodierte ein Böller. EIN BÖLLER! EIN EINZIGER!!!“ Ach so. Na, dann macht es ja nichts. Ab der wievielten Wiederholung sind denn Rechtsverletzungen schlimm? Nicht vor der siebten, wie wir in der Folge erfahren: „Kurz danach explodierten weitere Böller. Nicht mehr als 5 oder 6 Stück, schätze ich mal aus meiner Erinnerung.“ An dieser Stelle des Textes also sind die Böller noch völlig harmlos. An anderer Stelle postuliert der Autor, wie weiter oben beschrieben, dass die Polizei die Böller selbst geworfen hat, um die Versammlung auflösen zu können. Was denn nun?

„Obwohl die Polizisten merkten, dass mehrere tausend Mann (nicht 1700, wie die Medien berichteten, aber seht Euch dazu selber die Videos an) auf der Stelle standen, nicht wussten was los war und immer unruhiger wurden, weil nichts passierte und keiner wusste, wann was wie weiter geht, ließen sie auf langer Strecke, gut sichtbar in Front zur Pegida, die Wasserwerfer auffahren.“ Ein altbewährtes Muster von Polizeikritikern. Natürlich handelt die Polizei grundsätzlich unverhältnismäßig und natürlich schätzt die Polizei die Anzahl der Versammlungsteilnehmer grundsätzlich zu niedrig.

„Die Polizei hat in diese Moment eine Panik unter den Leuten provoziert. “ Es ist prinzipiell oberstes Ziel einer Institution, die für Gefahrenabwehr zuständig ist, Massen in Panik zu versetzen. *Ironie Ende* Merkt der Autor eigentlich noch was?

„Wohlgemerkt, die paar von Hogesa waren nicht die Masse. Die Masse der Leute waren gestandene bürgerliche Menschen. Mittlerese Alter. Frauen, ein paar Kinder, Männer.“ Auch ein bewährtes Muster, der Polizei derartige Ungeheuerlichkeiten zu unterstellen. Ich erinnere an den Blockupy-Kessel vom 1. Juni 2013, in dem angeblich auch vollkommen harmlose Menschen von einer bösartigen und entfesselten Polizei festgehalten wurden (ohne dass ein einziger Böller geflogen war, aber das nur am Rande), und der im Nachgang vom Frankfurter Verwaltungsgericht sowie vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof als rechtmäßig festgestellt wurde, da die Polizei die von ihr vermutete Gewaltbereitschaft tatsächlich belegen konnte.

„Von vorne flogen Wasserflaschen auf die Polizisten. Ähmmm, stopp, PET-Flaschen. Keine Glasflaschen. Und Bierdosen.
Also definitiv keine Geschosse, wie Pflastersteine oder andere gefährliche Gegenstände.“ Ach so. Na dann ist das ja keine Gewalt. So eine gefüllte PET-Flasche wiegt ja je nach Größe bloß so um die 500 Gramm bis 2 kg. Macht ja nichts, wenn man so ein Gewicht an den Kopf geworfen bekommt. Und man kann ja auch, wenn ein Wurfgeschoss aus dem Getümmel auf einen zufliegt, genau erkennen, ob es gefüllt ist oder nicht. *Ironie Ende*

„Kurz darauf wurde dann schon mitten in die MEnge Tränengas gsprüht.“ Pfefferspray ist keine sonderlich ungewöhnliche Antwort, wenn Polizisten angegriffen werden. Auch diese Verwechslung von Ursache und Wirkung ist steinalt. Polizisten haben ein Recht, unverletzt nach Hause zu kommen.

„Währenddessen provozierten die Polizisten, in einer so unfassbaren Art und Weise weiter, dass man nur sagen kann, dass es einer Polizei eines Rechtsstaates absolut unwürdig war.“ Wir warten nun vergeblich auf eine Beschreibung des Rechtsbruches, die aber nicht kommt. Stattdessen sattsam aus einem anderen politischen Spektrum bekannte Klagelieder über martialische Ausrüstungsgegenstände und angebliche Einschüchterung.

„Ich verdächtige die Polizei hiermit ganz öffentlich und offiziell, dass sie ein Konfrontationskurs gefahren sind, um Pegida zu schaden.“ Wie neu!

Ganz ehrlich?

Kenn ich alles!

Diese ganzen Anschuldigungen an die Adresse der Polizei, sie sei zu hart vorgegangen, habe ich schon hören müssen, bis mir die Ohren bluten. Die politische Gegenseite garniert das gern mit der Vokabel von der „strukturellen Gewalt“.

Die Unterstellungen an die Adresse der Polizei, dass sie die Versammlung provozieren würde, um einen Grund zum Zuschlagen zu generieren, ist uralt. Am anderen Ende des politischen Spektrums heißt das dann „agents provocateurs“.

Eines ist für mich seit dem 9.1.2016 endgültig gesicherte Erkenntnis – es macht schlicht keinen Unterschied, ob da Linksaußen oder Rechtsaußen demonstriert – die Unterstellungen an die Polizei im Nachgang sind unterschiedslos vorprogrammiert – mit denselben Mitteln: zurechtgeschnibbelte Youtube-Videos, bloß keine Anerkenntnis, dass man selbst vielleicht die eine oder andere versammlungsrechtliche Grundlage missachtet hat (was natürlich immer negiert wird, während auf unseren Online-Präsenzen fröhlich sämtliche Seitenregeln gebrochen werden, was ja schon ALLES zum Thema „Einhaltung von Spielregeln“ sagt), Rechtfertigung von Gewalt gegen Polizisten durch angebliche Gewalt VON Polizisten ohne ein rechtsstaatliches Verfahren abzuwarten (Youtube als neuer Gerichtshof) und so weiter und so fort. Nicht zu vergessen das permanente nervtötende Selbstmitleid gepaart mit massiver Paranoia. Entweder ist der Unterschied kleiner als man annehmen sollte oder aber die hier in Köln demonstrierende Seite hat vom „Gegner“ gelernt… mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (was auch beide Seiten in einer Art Endlosschleife für sich selbst reklamieren) haben solche Unterstellungen in beiden Fällen wenig bis nichts zu tun. Wie sagt eine gute Freundin von mir so schön: „Ich erkenne meine Schweinchen am Gang.“ Oder aber ein anderer Bekannter: „Wenn es sich anfühlt wie Extremismus ist es wahrscheinlich auch welcher.“

Quintessenz für mich: Solange der Polizei regelmäßig von beiden Enden des politischen Spektrums vorgeworfen wird, auf dem anderen Auge blind zu sein, steht sie da, wo sie hingehört!

Allgemein Presse Trauriges

Trauriges von der Tagesschau

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Auszüge einer Mail, die ich am 26.12.2015 gegen 09:20 Uhr an die Redaktion der Tagesschau schickte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war am 24.12. abends nicht daheim, weil ich unterwegs war…

[Unsere Polizeibeamten sind jene,] die dafür sorgen, dass wir friedlich Weihnachten feiern können und unsere Hauptsorge sein kann, was an Essen auf den Tisch kommt und dass die Geschenke passen. …

An diesem Heiligabend war… ein Polizist im hessischen Herborn gewaltsam getötet worden. …

Gestern Abend erzählte mir ein Bekannter, Polizist, dass der in Herborn im Dienst an uns brutal getötete Polizist in den 20-Uhr-Nachrichten, also der Tagesschau, kein Thema war. Das konnte und wollte ich gar nicht glauben, denn die Tagesschau ist seit Jahren meine Lieblingsnachrichtensendung und von mir sehr hoch geschätzt. Also schaute ich mir diese Folge soeben in Ihrer Mediathek an. Doch tatsächlich….!

Das kann ich nicht verstehen! Wir haben eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei, so transparent wie nie – und wenn ein Mensch, der sich für den Beruf des Polizisten in dieser Polizei und damit für den Dienst an uns allen entschieden hat, in diesem Dienst an uns stirbt, hat die Hauptnachrichtensendung dieser Republik kein Wort für ihn übrig? Das ist, mit Verlaub, empörend.

Hochachtungvoll

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

 

Als Antwort erhielt ich bis jetzt eine Standardantwort:

Sehr geehrter User/Internetnutzer/Zuschauer,

haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail.
Wir bitten um Verständnis, wenn nicht jede einzelne Zuschrift ausführlich und individuell beantwortet werden kann. Aber die Redaktion von ARD-aktuell erreichen täglich viele Hunderte Rückmeldungen der Zuschauer.

Sie können jedoch versichert sein, dass alle Reaktionen der Zuschauer aufmerksam gelesen, ausgewertet und in den Redaktionssitzungen diskutiert werden.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin gewogen blieben.

Mit freundlichen Grüßen

Zuschauerservice
ARD-aktuell / tagesschau.de
www.tagesschau.de

 

Ich gehe zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr davon aus, da eine tiefschürfendere Reaktion zu erhalten. Meinem in meiner Mail erwähnten Bekannten, der ebenfalls der Tagesschau-Redaktion geschrieben hatte, wurde übrigens individuell geantwortet. Er erhielt die Erklärung, dass über den Tod von Polizisten in der Hauptausgabe der Tagesschau nur berichtet werde, wenn dieser einen terroristischen Hintergrund habe.

Am 25.12. wurde in der Hauptausgabe thematisiert, dass am 1. Weihnachtstag Vollmond war. Nicht, dass das nicht jeder selbst hätte sehen können, der mal aus dem Fenster geschaut hätte. Am 24.12. war der Andrang vor dem Berliner Dom Bestandteil der Hauptnachrichtensendung. Sehr spannend, insbesondere für die Menschen, die in irgendeiner der doch hier und da vorhandenen anderen Kirchen der Republik einen Sitzplatz haben wollten. Die Menschen IM Andrang vor dem Berliner Dom dürften das auch ohne die Tagesschau bemerkt haben. Das sind also Themen für die Hauptausgabe. Am 21.12.2015 wurde über die „Sportler des Jahres“-Gala in Baden-Baden berichtet. Sicherlich ein interessantes Thema. Aber leisten Polizisten denn weniger für unsere Gesellschaft als Sportler? Ich denke, nein.

Ein Mensch, der im Dienst an uns allen niedergestochen wurde, ist keine Silbe wert, weil ihn die falsche Tätergruppe umgebracht hat. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen….

Nun ist ja Bestandteil der Pressefreiheit, zu berichten, über was man berichten möchte. Es ist aber auch integraler Bestandteil meiner Freiheit, der Tagesschau-Redaktion zu sagen, was sie nicht hören will: in meinen Augen ist diese Nichtberichterstattung einfach nur beschämend.
Nachtrag vom 27.01.2016:

Bereits am 13.01.2016 erhielt ich eine Antwort der Tagesschau-Redaktion. Allerdings war ich in den letzten beiden Wochen zu eingespannt, um mich früher darum zu kümmern.

Antwort der Tagesschau-Redaktion:

Sehr geehrte Frau Minrath-Grunwald,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass wir erst jetzt antworten. Aufgrund der Vielzahl von Zuschriften, die uns derzeit erreichen, war dies leider nicht eher möglich. Der Tod des Polizisten ist furchtbar!
Auch unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Berichtet haben wir unter tagesschau.de. In der 20-Uhr-Ausgabe hat sich die Redaktion entschieden, andere Themen in den Vordergrund zu stellen.
Aufgrund der begrenzten Sendezeit ist die Redaktion jeden Tag gefordert, aus einer Vielzahl von Nachrichten auszuwählen. Mord und Totschlag sind leider in Deutschland an der Tagesordnung.
Einzelne, auch sehr tragische Vorfälle wie etwa der Tod der elfjährigen Janina, die an Silvester erschossen wurde, finden sehr oft nicht in die Berichterstattung der Hauptausgabe der Tagesschau.
Je nach Dimension oder Hintergrund einer Tat entscheidet die Redaktion in jedem konkreten Fall. Ein terroristischer Hintergrund würde zum Beispiel sehr sicher von der 20 Uhr-Ausgabe berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen
Publikumsservice ARD-aktuell

 

Darauf antwortete ich heute Morgen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Antwort. Auch ich entschuldige mich, dass es zu meiner Redaktion etwas länger gedauert hat, aber ich betreibe das Ganze ja ehrenamtlich und hatte auch beruflich genug um die Ohren in den letzten Tagen.

Ich freue mich über Ihre einfühlenden Worte in Hinblick auf den Tod des Polizisten.

Dennoch sehe ich die Sachlage nach wie vor anders als Sie. Es geht aus meiner Sicht nach bei den Meldungen in der Hauptnachrichtensendung der Republik nicht um den Grad an Tragik, den ein Vorfall hat, sondern um den Grad, in dem die Gesamtbevölkerung davon betroffen ist. Deswegen gebe ich Ihnen vollkommen Recht darin, dass der zweifellos sehr tragische Tod der kleinen Janina nicht in der Tagesschau gemeldet werden muss.

Der gewaltsame Tod eines Polizisten jedoch betrifft uns alle. Unsere Polizei ist demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst. Noch nie war sie so transparent wie heute. Unsere Polizistinnen und Polizisten halten jeden Tag für uns alle den Kopf hin. Dabei ist es auch vollkommen egal, in welchem Bundesland derjenige seinen Dienst verrichtet. Wenn ich mein Heimatbundesland Rheinland-Pfalz verlasse und nach Hessen fahre, würden eben im Zweifel hessische Polizisten den Kopf für mich hinhalten. Deswegen ist es aus meiner Warte auch vollkommen egal, wer diesen Polizisten tötet. Im Gegenteil betrifft es uns meiner Ansicht nach deutlich mehr, wenn eine Kleinigkeit wie eine Fahrkartenkontrolle so eskaliert, dass jemand erstochen wird, als wenn es einen Terroranschlag gibt. So schrecklich Terroranschläge sind – die Wahrscheinlichkeit, einen solchen selbst mitzuerleben, ist doch eher gering einzuschätzen. Unter anderem übrigens wegen der sehr guten Arbeit unserer Sicherheitskräfte. Auch so gesehen betrifft es uns alle, wenn einer von ihnen im Dienst an uns allen sein Leben lassen muss.

Und wenn ich diesen Maßstab anlege – inwieweit sind wir alle als Gesamtgesellschaft von einer Meldung betroffen? – muss ich mich schon fragen, inwieweit die Meldung, dass der Berliner Dom an Heiligabend gerammelt voll war, Platz fand und der getötete Polizist eben nicht. Ich behaupte mal, dass nicht einmal die Mehrheit der Berliner an diesem Abend im Dom war. Inwiefern ist also die Gesamtgesellschaft davon betroffen?

Ich danke Ihnen jedenfalls, dass Sie mit mir in Dialog getreten sind in dieser Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Frau Gerke Minrath-Grunwald
Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.
Vorsitzende, Öffentlichkeitsarbeit
www.kggp.de

Ich distanziere mich an dieser Stelle von jeglichem Versuch, mein Schreiben an die Tagesschau als „Beleg“ für die „Lügenpresse“-These zu benutzen (was wohl hier und da bereits passierte). Man kann punktuell unterschiedlicher Ansicht sein, ohne gleich die gesamte Berichterstattung auf solche Weise in Frage zu stellen und im Rundumschlag zu diffamieren. Ich kritisiere ja auch punktuell einzelne Polizeibeamte, ohne gleich die ganze Polizei als „Bande von korrupten Prügelknaben“ zu bezeichnen – im Gegenteil stehe ich hinter der Polizei. Differenzieren heißt das Zauberwort. Allerdings bin ich nicht gewillt, mich wegen jener, die genau das nicht können, nicht mehr frei zu äußern.

 

Allgemein Trauriges Verein

Die Polizei Hessen trauert um ihren getöteten Kollegen Christoph R. – Spendenkonto eingerichtet

Polizeistern-HessenDie Polizei Hessen trauert um ihren getöteten Kollegen Christoph R.

Durch eine unfassbare Tat starb er am frühen Morgen des 24.12.2015.

Speziell für die Hinterbliebenen des getöteten Christoph R. wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

Die Kontodaten:

Personalrat beim PP Mittelhessen
Volksbank Mittelhessen
IBAN: DE86513900000116208504
BIC:   VBMHDE5F

Verwendungszweck: Herborn

Weitere Informationen finden Sie hier.

Wer bereits auf das ebenfalls von uns hier beworbene Konto der Markus-Paul-Stiftung gespendet hat, braucht sich aber keine Sorgen um seine Spende zu machen. Das ist eine absolut seriöse Stiftung. Das Geld wird in jedem Fall dort ankommen, wo es hinsoll.  Wir bewerben beide Konten, denn wir hoffen, dass so möglichst viel bei der Familie ankommt, wenn ihnen schon niemand mehr ihren Angehörigen zurückbringen kann.

Allgemein Trauriges Verein

Spendenaufruf zu Gunsten der Angehörigen des in Herborn getöteten und des dort schwer verletzten Polizeibeamten

Polizeistern-HessenLiebe Leserinnen und Leser,

ich wünsche Euch frohe Weihnachten.

An Heiligabend wurde im hessischen Herborn ein Polizist bei einem Messerangriff getötet, ein anderer schwer verletzt (siehe hier). Für die Angehörigen des einen und den anderen wurde nun von der Markus-Paul-Stiftung in Baden-Württemberg ein Spendenkonto eingerichtet.

Die Markus-Paul-Stiftung ist eine Stiftung, die nach dem gewaltsamen Tod des Diensthundeführers Markus Paul eingerichtet wurde. Es ist also gesichert, dass das Geld da ankommt, wo es hinsoll.

Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. wird in jedem Fall spenden, aber vielleicht möchte ja der eine oder andere von Euch auch privat spenden. Ich möchte das beispielsweise.

Hier die Daten des Spendenkontos sowie ein Link zur entsprechenden Seite der Stiftung:

Bankverbindung für Spenden:

Volksbank Kurpfalz H+G

Kto-Nr. 0079867004, BLZ: 67290100

IBAN: DE61 6729 0100 0079 8670 04

BIC: GENODE61HD3

Verwendungszweck: „Spende Herborn“

Alle Spenden, die unter diesem Verwendungszweck eingehen, werden wir unverzüglich den Familien der Kollegen übergeben.

http://www.markus-paul-stiftung.de/aktuelles.html

An dieser Stelle wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2016.

Mit den besten Grüßen aus dem Vorstand des Vereins Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.,

Gerke Minrath