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Allgemein Polizeiarbeit

Vom Stinkefinger zu einem Einsatz mit fünf Streifenwagen – eine Sommernacht in Neuwied

Nachdem meine Nachtschicht mit Stephan und Stephan letzten Dezember den täglichen Wahnsinn auf Neuwieds Straßen nur sehr unzureichend belegt hatte, wollte Stephan diesen Stunt noch einmal mit mir wiederholen. (Stephan ist mittlerweile in einer anderen Dienststelle.)

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich da nicht lange bitten lasse – und so war es Ende Juni wieder so weit.

Dieses Mal war ich mit Stephan und Sebastian unterwegs.

 

Als erstes passierten wir (ich hatte zu diesem Zeitpunkt Hunger bis unter beide Arme) einen Garten, aus dem verführerische Grilldüfte herüberwehten.

Sebastian: „Soll ich mal fragen, ob die noch zwei übrig haben?“

Ich: „Wieso zwei? Wollt Ihr keins?“

Stephan: „Nee, Sebastian und ich teilen uns eins.“

 

Stephan war an diesem Tag Dienstgruppenleiter, also dauerte es ein wenig, bis es auf die Straße ging.

In dieser Zeit fragte mich allerdings ein Anwärter nach unserem Patch.

Aber gerne doch!

Ihr macht mich immer wieder stolz! wp-monalisa icon

 

Nachdem wir Essen besorgt hatten, ging es auch schon auf Streife.

Da in dieser Nacht in zwei Stadtteilen Neuwieds Kirmes war, begannen wir damit, eine davon zu bestreifen.

Vor einem Getränkestand hielt sich eine Gruppe junger Leute auf. Während wir den Ort des Geschehens langsam passierten, entfuhr Sebastian: „Ich glaub, ich träume.“

Es gefiel einem der jungen Herren, der Besatzung des Streifenwagens zu demonstrieren, dass sein Mittelfinger vollständig intakt und sehr gerade gewachsen war. Eine junge Frau, mutmaßlich seine Freundin, hängte sich förmlich in seinen Arm, um diesen herunter – und damit den Mittelfinger aus dem Bild – zu ziehen. Ohne Erfolg!

Das konnten meine beiden Herren natürlich nicht auf sich sitzen lassen, also hielt Stephan an. Personenkontrolle!

Der Besitzer des gut gewachsenen Mittelfingers erklärt Stephan und mir ein wenig abseits sehr ausführlich, dass wir ihn gerade massiv in seinen Kreisen störten:
„Da will man einfach einen schönen Abend mit seinen Freunden verbringen und dann sowas…“

Nun ja. Wer hat noch mal wem den Mittelfinger gezeigt?

Schließlich, als Stephan darauf so gar nicht mit Einknicken reagieren wollte, klärte er uns auf, dass er doch gar keinen Mittelfinger gezeigt habe. Wir hätten uns verguckt.
„Ich hab mit dem Zeigefinger auf das Polizeiauto gezeigt und dabei gesagt: ‚Das sind die Guten!‘ Fragt das mal meine Freunde.“

Genau das tat Sebastian gerade. Um sicherzugehen, dass die Freunde auch ganz bestimmt das Richtige aussagen, wollte der junge Herr sich auch gleich zu ihnen begeben, was allerdings Stephan nicht wollte.

„Bitte bleiben Sie stehen!“

„Hey! Stehenbleiben!“

Letztlich machte Stephan zwei Schritte um den Delinquenten drumherum und schob ihn zurück an dem Ort, an dem er ihn haben wollte.

„Heeee! Polizeigewalt!“

Ja, sicher…

 

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Freunde des jungen Mannes sagten alle aus, dass er der Polizei den Mittelfinger gezeigt habe. Jede andere Aussage wäre ja auch völlig sinnlos gewesen.

So gewinnt man dann auch eine Anzeige wegen Beleidigung.

 

Bliebe noch der Herr zu erwähnen, der anhand meines Aufzugs erkannte, dass ich irgendwie nicht Polizei bin und sich interessiert erkundigte, was ich da mache. Ich erklärte es ihm kurz, er erkundigte sich dann noch danach, wo der Artikel erscheinen würde. Auch das erklärte ich. Bin gespannt, ob er es lesen wird.

Beim weiteren Bestreifen der Gegend passierten wir eine Gruppe Jugendlicher, von denen einer plötzlich losbrüllte: „Hey, guck mal, die haben einen hinten drin.“

Herrlich! Deswegen mache ich diese Schichtbegleitungen so gerne mit. Mein Sinn für Ironie bekommt immer wieder Futter.

 

Da es im Frühsommer über einen langen Zeitraum zu heiß und zu trocken gewesen war, hatte das Land Rheinland-Pfalz die höchste Waldbrandalarmstufe ausgerufen. Entsprechend war es wenig verwunderlich, dass wir einen Einsatz reinbekamen, bei dem es brannte. Also so richtig, meine ich. Bei der Polizei brennt es ja häufig…

Hier sollte ein Gartenhäuschen in Flammen stehen.

„Feuerwehr ist auch alarmiert.“

Blaulichtfahrt.

Am angegeben Ort wurden wir von einem jungen Mann erwartet, der sich als unser Anrufer herausstellte. Er wies uns direkt ein!

Der Eigentümer des Gartenhäuschens löschte schon das Gartenhaus erfolgreich mit seinem Schlauch. Allerdings kokelte der Hang darunter fröhlich vor sich hin.

Stephan und Sebastian machten sich auf den Weg zu ihm, währenddessen fiel mir die Aufgabe zu, die Feuerwehr einzuweisen.

Die löschte dann auch in Windeseile den glimmenden Hang und kontrollierte mehrfach, ob sie auch alle Glutnester erwischt hatte.

Erst dann war Zeit, sich die Aussage des jungen Mannes anzuhören, der den Notruf abgesetzt hatte. Seine Partnerin und er waren gerade schlafen gegangen, als sie Brandgeruch wahrnahmen. Obwohl ihr Schlafzimmer zur anderen Seite rausgeht, sahen sie den Feuerschein im Fenster des gegenüberliegenden Hauses. Der junge Mann rannte sofort auf die Straße, weckte die betroffenen Nachbarn und rief die 110 und die 112 an. Alles richtig gemacht! Bravo!

 

Kaum bestreiften wir wieder die Gegend, als wir über Funk hörten, dass im Bereich der Nachbar-PI ein Notruf eingegangen war. Ein Mann war dabei gesehen worden, wie er auf einem Volksfest ordentlich dem Alkohol zugesprochen hatte. So weit so gut, allerdings war er mit einem mutmaßlich sehr strammen Alkoholpegel in sein Auto gestiegen und losgefahren. Dabei hatte er noch einen Fußgänger gestreift.

„Wir haben alle Streifen im Einsatz“, hörten wir als nächstes.

Ein Fall für Stephan und Sebastian.

Die nächste Blaulichtfahrt. Und dieses Mal so richtig lang. Direkt zur Wohnadresse des Herrn. Na gut, kurz vorher schaltete Sebastian die Sondersignale ab. Kein Grund, das ganze Wohnviertel aus dem Schlaf zu reißen.

Mittlerweile hatten wir auch das Kfz-Kennzeichen sowie eine Beschreibung des Wagens und des Mannes, den wir suchten. Noch während wir Ausschau nach dem Kfz hielten, kam ein Mann in der entsprechenden Altersklasse um die Ecke gebogen. Zu Fuß!

Ich (leise): „Der passt doch auf die Beschreibung?“

Stephan (laut): „Herr X.?“

Der Mann: „Ja?“

Bingo!

Er wusste auch sofort, was die Polizei von ihm wollte.

Ein Atemalkoholtest ergab einen ziemlich hohen Promillewert, also musste der Herr von uns in den Streifenwagen verladen und zur Polizeiinspektion Straßenhaus zur Blutprobe gefahren werden.

So lernte ich dann auch mal diese Dienststelle kennen.

Es dauerte eine Weile, bis der Arzt eintraf. Herr X. war übrigens von Beginn an freundlich und sehr einsichtig.

„Ich habe diesen Fehler gemacht und keiner sonst.“

Daran sollten sich so einige ein Beispiel nehmen, mit denen die Polizei zu tun bekommt.

Da er sich so kooperativ gezeigt hatte, und wir eh über seinen Wohnort zurück nach Neuwied mussten, nahmen Stephan und Sebastian ihn mit, um ihn bei sich daheim abzusetzen. Sehr nett!

Auf der Fahrt erkundigte sich Herr X. sehr intensiv danach, was nun passieren würde. Stephan klärte ihn auf, soweit er das sagen konnte – schließlich entscheidet das die Staatsanwaltschaft.

 

Ein in Osteuropa zugelassenes Fahrzeug kreuzte unseren Weg. Da war eine Verkehrskontrolle angesagt. Viele Fahrzeughalter lassen ihre Fahrzeuge nämlich nur sehr ungern in Deutschland zu, weil die Kfz-Steuer hierzulande ungleich höher ist als in den meisten Ländern Osteuropas. Allerdings muss, wer in Deutschland seinen Wohnsitz hat, natürlich auch in Deutschland seinen Wagen zulassen.

Und Bingo! Der Halter wohnte seit drei Jahren in Deutschland, der Wagen war seit drei Monaten (!) zugelassen – in Osteuropa. Bei unterstelltem linearen Verlauf der Zeit kann es sich da kaum um ein Vergessen handeln…

Natürlich mopperte der Halter auch gleich herum, dass er nur angehalten worden sei, weil er Ausländer sei.

Nun, eigentlich nicht!

Er war angehalten worden, weil der eine oder andere mit ausländischem Kennzeichen vergisst, sein Kfz hier zuzulassen – so wie er es „vergessen“ hatte.

Ich bin auch schon mal angehalten worden, weil mein Auto alt und dreckig war und somit ins „Raster“ „Drogen am Steuer“ fiel. Man kann dann die eingesetzten Polizisten bepöbeln, man kann aber auch einfach seinen Wagen mal durch die Waschanlage fahren – oder wahlweise korrekt zulassen.

 

Nächster Einsatz: eine Schlägerei. Diese war allerdings nicht existent. Hingegen winkten am uns durchgebenen Ort drei junge Leute den Streifenwagen heran. Beim zweiten Durchfahren der Straße wohlgemerkt. Es stellte sich heraus, dass es sich vielmehr um eine familiäre Auseinandersetzung handelte.

Eine Mutter war nicht einverstanden mit dem Freund ihrer Tochter. Keine günstige Verhandlungsposition für die Mutter, da die Tochter bereits von diesem schwanger war. Diese junge Frau und der besagte Freund waren zwei der drei jungen Leute. Die Wortführerin war eine Freundin der Schwangeren.

Nach allem, was ich den äußerst wirren Angaben, die da auf meine beiden Herren einprasselten, entnehmen konnte, war da auch noch ein rechtsextremer Exfreund im Spiel, mit dem die Mutter wohl gemeinsame Sache mache, weil der neue Freund Ausländer sei.

Jedenfalls fürchtete man nun um die Katzen der Tochter, da sich der Ex und die Mutter nun auf den Weg zur Wohnung der Tochter gemacht hatten. Die sich übrigens im Wohnhaus der Mutter befand.

Von der Polizei wurde nun erwartet, zur Wohnung der Tochter zu fahren, um die Katzen zu retten.

Dies lehnten Stephan und Sebastian ab. Solange keine strafbare Handlung vorliegt, sondern nur Annahmen, kann die Polizei nichts machen. Es lag keine konkrete Gefahr für die Katzen vor. Familienstreitigkeiten sind auch erst einmal nichts, was die Polizei tangiert, so lange keine Straftaten im Raum stehen.

 

An diesem Punkt wollten meine beiden Herren sich an ihre Berichte machen und wir fuhren in die Dienststelle. Dort wurde ich noch einmal intensiv zum Verein und zu meiner Tätigkeit ausgefragt.

 

Schließlich musste die Polizei Neuwied noch einmal alles auf die Straße werfen, was sie hatte.

Häusliche Gewalt.

Wir rückten mit insgesamt fünf Streifenwagen aus.

Weil die Nummerierung der Häuser dort nicht wirklich logisch war, parkten wir etwa 100 Meter weiter. Kein Ding, die rheinland-pfälzische Polizei kann sehr schnell rennen.

Einsatzort war der 5. Stock. Ich traf als Letzte ein. Ich würde ja gern behaupten, dass das nur daran läge, dass ich netterweise den Profis Platz gemacht hätte (was ich getan habe), aber… nun ja… selbst, wenn ich gewollt hätte, wäre ich nicht schnell genug für einen anderen Platz in diesem Rennen gewesen. wp-monalisa icon

Im entsprechenden Stockwerk angekommen, hörte ich schon ein herzhaftes „Durak“ (russisch, in etwa „Vollidiot“) in den Flur schallen.

Damit titulierte der Familienvater, der gerade für zehn Tage der Wohnung verwiesen wurde, seinen Sohn, der die Polizei gerufen hatte. Ansonsten war er aber recht friedlich, so dass eine Streife schon mal wieder abrückte.

Die Polizei wollte einen Alkotest machen. Der Alkomat lag in den Streifenwagen. Fünf Stockwerke tiefer und 100 Meter weiter.

„Gerke…“

Hmpf!

„Ja?“

„Kannst du mal…?“

„Klar.“

Sieh es positiv – so kriegst du um drei Uhr morgens schon vorm Aufstehen den Schrittzähler für den Tag voll…

Als ich wiederkam (ich war gar nicht mal so sehr aus der Puste), hörte ich, wie der Herr meine Begleiter darüber aufklärte, wie übertrieben der ganze Einsatz sei. Das war ja noch nie da gewesen. Das hätte ich ja nun um kein Geld der Welt verpassen wollen.

„In Russland kommt ein Polizist für zehn Leute. Hier kommen zehn Polizisten für einen.“

Nun ja. In Russland ist die Polizei auch ein bisschen anders drauf als hier. Ich persönlich hab ja lieber eine demokratisch legitimierte und rechtsstaatlich verfasste Polizei als eine Ordnungsmacht nach russischem Vorbild.

Letztlich verließ er aber dann die Wohnung.

 

Mit diesem denkwürdigen Einsatz endete diese Nacht. Es soll für Neuwied wieder eine untypisch ruhige Nacht gewesen sein. Ich für meinen Teil fand es wie immer sehr spannend, unserer Polizei bei der Arbeit zuzusehen und fand auch nicht, dass meine beiden Herren zu wenig zu tun gehabt hätten. Und was das für Neuwied typische Einsatzaufkommen betrifft – ich gebe nicht auf. Ich komme wieder… wenn ich darf… wp-monalisa icon

 

Im Nachgang dazu teilte Stephan mir einige Tage später mit, dass der junge Mann, der seinen Mittelfinger so schön fand, dass er ihn uns um jeden Preis zur Schau stellen wollte, sich im Nachgang persönlich in der Dienststelle bei Sebastian und Stephan entschuldigt hatte.

„Es gibt doch noch anständige Jungs!“

Erfreulich! Zum Glück!

Allgemein Verein

Danke-Polizei-Tag 2017 – Bilanz

Wie jedes Jahr bin ich beim Schreiben dieser Bilanz am Tag danach genau so glücklich wie ich erschöpft bin. Sehr happy und einfach nur müde. Und einfach nur froh,  dass wir daran arbeiten, diesen Tag in Deutschland einzuführen.

Ich höre und lese sehr oft, dass es dieses Tages nicht bedürfe, weil man doch der Polizei täglich danken könne. Den zweiten Teil des Satzes unterschreibe ich zu 100%. Es gibt einen Polizisten, der hat noch eine Mail, die ich vor vier Jahren seinem Dienststellenleiter geschrieben habe, in der ich mich für einen Routineeinsatz bedankt habe. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Mit Sicherheit war ich nicht die einzige Person in all seinen Dienstjahren, bei der er seine Arbeit gut gemacht hat. Offensichtlich war ich aber die einzige Person in all seinen Dienstjahren, die ihm dafür Danke gesagt hat.

Soweit zum Thema, was man nicht alles könnte…

Wir, also der Verein Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., wollen erreichen, dass es dieses Tages tatsächlich eines Tages nicht mehr bedarf, weil das Bewusstsein dafür geschärft wurde, dass man der Polizei nicht nur danken kann – sondern es auch tut. Gerne auch einmal anlasslos, denn selbst wenn gerade keine Polizeibeamtin oder kein -beamter an uns dienstlich tätig wird, so können wir doch noch weitgehend ruhig schlafen, weil diese Menschen rund um die Uhr ihren Dienst für uns verrichten. Sie geben uns Sicherheit, sie helfen uns, wenn wir Opfer werden, sie schützen die Meinungsfreiheit. Selbst wenn man die Polizei 40 Jahre lang nicht zu Gesicht bekommen hat, wie eine Dame, mit der ich mich neulich unterhalten habe, so zeigt das doch, dass diese Dame in den 40 Jahren die Polizei auch nicht bewusst brauchte. Sie lebte 40 Jahre lang sicher und ohne Opfer zu werden. Warum? Weil viele Männer und Frauen ihre Arbeit tun und uns Sicherheit geben. Diese Dame konnte ich überzeugen. Sie sagte schließlich danke, mit einer Postkarte.

Selbst wenn wir mit diesem Tag nichts erreichen außer den leuchtenden Augen unserer Gesprächspartner, die sich freuen, dass da anlasslos Menschen in ihre Dienststelle kommen, um sich für ihren täglichen Dienst zu bedanken – dann ist das schon sehr viel. Mir persönlich bedeutet diese Freude, die wir damit bereiten, jedenfalls eine ganze Menge. Hier eine Auswahl der Worte, die wir im Zusammenhang mit diesem Tag zu hören bekamen:

„Ich weiß, es ist Danke-Polizei-Tag, aber wir wollen Euch für Eure Arbeit danken.“

„Das gibt Rückhalt, dass es Menschen gibt, die versuchen, diesen Tag zu etablieren.“

„Ich hoffe, dass dieser Tag sich einbürgert. Nicht, weil ich unbedingt ein Danke bräuchte, aber etwas mehr Anerkennung wäre schön.“

„Ich lese immer, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter uns steht – zu sehen war davon bisher sehr wenig.“

„Anlassbezogen kommt schon mal ab und zu ein Danke, aber sehr selten. Anlasslos gar nicht. Das freut uns jetzt sehr.“

 

Der Tag selbst

Auch dieses Jahr war Nadine meine Begleiterin für den Tag selbst (und am Tag davor – dazu komme ich noch). Er begann um acht Uhr bei der Bundespolizeiinspektion in Kaiserslautern. Wir wurden herzlich empfangen und bekamen den ersten Kaffee des Tages. Der tat sehr gut, insbesondere, weil der Morgen kalt und neblig angefangen hatte – da ist so eine Tasse Heißgetränk genau das Richtige.

 

Um neun Uhr ging es weiter mit der Polizeiinspektion Kaiserslautern 2, direkt um die Ecke. Der Tag wurde übrigens ab hier von Frau Walz von der Pressestelle des PP Westpfalz begleitet. An dieser Stelle ein herzlicher Dank für die kontinuierliche Abdeckung unseres Einsatzes auf Twitter und Facebook. Ich bin wirklich froh, dass dadurch so viele Polizistinnen und Polizisten sehen konnten, dass wir uns bedanken, und auch viele Mitbürgerinnen und Mitbürger vielleicht auf diese Idee gekommen sind. Danke!

Die Inspektion befindet sich in einem Gebäude mit dem Polizeipräsidium Westpfalz. Dort stieß ein Journalist der Rheinpfalz zu uns, mit dem wir erst einmal zu einem Informationsgespräch zusammenkamen.

Wir bedankten uns bei den Herren der Schutzpolizei sowie beim Kriminaldauerdienst – repräsentiert von den beiden Herren in Zivil links im Bild unten. Meinem Eindruck nach waren alle, die vor Ort im Dienst waren zuerst ein wenig verwirrt, weil sie es nicht gewohnt waren, anlasslos gedankt zu bekommen. Aber zuguterletzt tauten sie auf, als sie merkten, dass wir das ernst meinen. „Wir sind über diese Wertschätzung und Würdigung sehr froh.“

Nach einem weiteren Kaffee ging es von hier zur Polizeiinspektion Kaiserslautern 1. Auch hier war der Empfang sehr herzlich. Mittlerweile hatte sich der Nebel gehoben und die Sonne strahlte von einem tiefblauen Himmel. Hier stieß ein Team des SWR zu uns und drehte einen sehr schönen Kurzbeitrag (ab 10:36), den ich auch abends im Fernsehen gesehen habe. Übrigens an dieser Stelle ein Dank an den SWR für die Erwähnung des Tages auf Facebook!

Auch hier freuten sich die Anwesenden Polizistinnen und Polizisten über unser Kommen. Ein junger Mann dankte mir im Gespräch für eine Genesungskarte, die er einmal vom Verein bekommen hatte.

Insgesamt stieß die Idee des Tages auf positive Resonanz. Unser Ziel ist ja nicht, dass die Menschen NUR an diesem Tag ihrer Polizei danken, sondern dass sie es irgendwann überhaupt einmal tun. Insgesamt kam bei uns an, dass die Arbeit des Vereins Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. bekannt ist und auch gewürdigt wird. „Es ist toll, dass es diese Initiative gibt, hoffentlich etabliert sich der Tag bundesweit.“

Von diesem Ort, an dem die Sonne in den Herzen lachte, ging es zuerst in eine kleine Kaffee- und Kuchenpause:

 

Von hier ging es zur Autobahnpolizei. Auch dort war der Empfang sehr herzlich und unser Danke wurde positiv aufgenommen. Autobahnpolizisten sind in der Regel bei den Bürgern, mit denen sie zu tun haben, willkommen, da sie in einer helfenden Rolle auftreten. Da hören sie schon hier und da mal ein Danke, aber im Großen und Ganzen wird ihre Anwesenheit als selbstverständlich aufgenommen. Wir haben mal stellvertretend gedankt!

 

Von hier ging es nach Kusel, als Landdienststelle ein gewisser Kontrast zu den Dienststellen in Kaiserslautern. Dort herrschte eine hohe Geschäftigkeit bei unserem Eintreffen, da ein kleiner Demoeinsatz anstand und zudem zwei Parteien dort Wahlkampfveranstaltungen abhielten. Dennoch nahm man sich kurz für uns und unseren Dank Zeit. Der stellvertretende Dienststellenleiter bezeichnete unser Engagement als eindrucksvoll und sagte „Das gibt Rückhalt!“ Das tat uns auch gut. Danke!

 

 

Zuguterletzt ging es nach Zweibrücken. Auch dort wurden wir erst einmal misstrauisch beäugt, dann jedoch auf das Liebenswürdigste empfangen. Ich denke, das Lächeln in den Gesichtern der Herrschaften spricht für sich. „Es geht mir nicht darum, dass mir gedankt würde. Aber es ist schön, die Wertschätzung der Bevölkerung, von der ich in der Zeitung lese, auch mal zu erfahren“, sagte einer der Herren. Damit fasste er sehr gut zusammen, worum es mir mit diesem Tag geht.

 

Von dort ging es dann nach Hause.  Egal, wo in Deutschland ich mich befinde – selbstverständlich besuche ich an diesem Tag noch die Polizeiinspektion Remagen. Das ist ein Muss – keine Frage. Dort waren schon wieder alle im Einsatz, bis auf zwei nette Menschen, von denen einer das Foto von uns machte, während der andere Funk und Telefon bewachte.

 

Unsere Mitglieder:

Netterweise waren auch noch andere Mitglieder aktiv. Unser Mitglied Silvia Gutermuth war in Mönchengladbach unterwegs:

 

 

 

Unsere Mitglieder Steffi Poth und ihr Mann waren bei der Polizei in Braunschweig: „Da saßen sechs oder sieben Polizeibeamte m/w hinterm Tresen… das war sooooo unglaublich COOL! Die waren alle so LIEB (obwohl sie still blieben und nur einer sprach) und ich sah in deren Gesichtern, dass sie sich wirklich gefreut haben, so verhalten es auch immer gewirkt haben mag.“

 

Majonna, Mitglied in Berlin:

 

Ein Neumitglied besuchte zwei Dienststellen:

 

 

 

Unser Mitglied Bea Müller besuchte zwei Dienststellen. Vorgesehen waren fünf, bei dreien traf sie aber niemanden an und steckte die Post in den Briefkasten:

Mannheim-Neckarau:

Mannheim-Käfertal:

 

Weitere Mannheimer Dienststellen:

 

Nichtvereinsmitglieder:

Zu meiner großen Freude sind viele Nichtvereinsmitglieder zur Polizei gegangen, um den Danke-Polizei-Tag zu begehen. So viele, dass es viel zu viel wäre, die alle hier aufzulisten. Deswegen nur beispielhaft dieser Besuch hier:

Mein herzlicher Dank an diese Menschen!

 

Rückmeldungen aus der Polizei:

Eine Rückmeldung aus Sachsen:

„Huhu, ich habe gestern aus der Revierpost eure Karte herausgefischt. Schön, dass ihr an uns gedacht habt!“

 

Eine Rückmeldung aus Norddeutschland:

„Danke für die Karte! Toll das es euch gibt!“

 

Polizei Mannheim auf Twitter und auf Facebook:

 

Polizei Mönchengladbach auf Twitter und auf Facebook:

 

Auch ein Dank von der Wasserschutzpolizei war dabei: „Eure Karte kam an. Vielen dank dafür und für eure Arbeit.“

Insgesamt sind wieder 4.800 Karten auf die Reise gegangen, an alle Polizei- und Zolldienststellen der Republik! Dabei wurde ich von einigen Mitgliedern unterstützt. Danke dafür! Ihr seid großartig!

 

Im Vorfeld:

Einige Tage vor dem Danke-Polizei-Tag wurde schon dieses Plakat an einer von uns, Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. gekauften, Plakatwand angebracht:

Schon letzten Sonntag (10.09.) haben einige Mitglieder von uns die Polizeiinspektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Kreisstadt des Vereinssitzes, besucht. Unglücklicherweise waren auch hier gerade alle im Einsatz, so dass wir zwar unser Foto bekamen, aber niemand mit uns aufs Bild konnte.

 

Mittwoch, den 13.09., war ich zufällig in Linz am Rhein und nutzte die Gelegenheit, mich auch dort für den täglichen Einsatz zu bedanken:

 

Freitag, den 15.09., starteten Nadine und ich gen Süden, weil wir in Kaiserslautern übernachten wollten, um am 16.09. selbst die stressige Autobahnfahrt zu vermeiden, und um schon mal ein wenig Freizeit zu genießen. Da am Weg zu unserer Freizeitgestaltung zwei von mir häufig frequentierte Dienststellen liegen, habe ich mir erlaubt, mich auch dort schon einmal zu bedanken.

PI Ludwigshafen 1:

 

PI Frankenthal:

An dieser Stelle ein herzliches Danke an unser Frankenthaler Mitglied Claudia Berg, dass sie auch dabei war.

Danke auch an den Dienststellenleiter, Thomas Lebkücher, der uns im Zusammenhang mit dem Strohhutfest (das ist ein einmal im Jahr in Frankenthal stattfindendes Volksfest) erzählte, dass dieses Jahr viel mehr Bürger danke gesagt haben als sonst: „Das ist mit ein Verdienst von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ – Ich war an dieser Stelle gerührt und ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz – und ich hatte feuchte Augen.

Anschließend genossen wir in der Tat ein wenig Freizeit und besichtigten das Hambacher Schloss, das 1832 beim Hambacher Fest zu einem der Schauplätze früher Demokratiebewegungen in Deutschland wurde. Aus unserer Sicht ein durchaus passender Programmpunkt, wenn man gerade dabei ist, seiner demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei zu danken.

 

 

Von hier ging es nach einem kleinen Schlenker über Frankreich zur Polizeiinspektion Pirmasens. Die Dienststelle umrundeten wir vier bis fünf Mal. Schließlich rief Nadine verzweifelt dort an, weil wir keinen Parkplatz fanden.

„Parken Sie einfach bei uns im Hof!“

Und schon öffnete sich das Gitter!

Danke!

Wir wurden vom Dienststellenleiter, Herrn Bauer, in Empfang genommen. Nachdem er uns erst noch einmal ein wenig über den Verein und unsere Motivation ausgefragt hat, kamen nach und nach einige seiner Mitarbeiter aus dem Einsatz und gesellten sich zu uns. Das Gespräch wurde sehr offen und ausführlich. Vermutlich würden wir jetzt noch reden, wenn Nadine und ich nicht noch einen Folgetermin in Waldfischbach-Burgalben gehabt hätten. Ich komme aber in jedem Fall noch einmal wieder. Pirmasens scheint mir eine Nachtschicht wert.

 

Die Polizeiinspektion in Waldfischbach-Burgalben ist ein recht kleine Dienststelle. Dennoch hielten wir uns da am längsten auf. Der Empfang war sehr freundlich. Ich selbst war ja schon um Ostern herum anlässlich eines Urlaubs in der Pfalz dort gewesen, um den Verein kurz vorzustellen. Dieses Mal war das Willkommen nicht minder herzlich, man hatte uns sogar einen Kuchen besorgt. DANKE!

Wir bekamen die Dienststelle gezeigt, viel über das Dienstgebiet erzählt und machten schon einmal ein Foto. Anschließend, nach dem Schichtwechsel, zeigte uns der Dienstgruppenleiter der Nachtschicht den Gewahrsam, wo wir uns – neben der Toilette einer Zelle – ausführlich unterhielten. Das Gespräch war so spannend, dass wir alle erst im Nachgang merkten, wo wir gestanden hatten.

 

Irgendwann kurz vor dem Tag selbst klappte auch die Plakatwand „um“, d.h. unser Motiv war für eine ganze Weile auf der anderen Seite zu sehen:

 I

Im Nachgang:

Am 19.09. besuchte ich die Polizeiinspektion Neuwied. Dort war schon jemand vor mir gewesen, der einen viel schöneren Dank abgegeben hat als ich, deswegen gibt es nur ein Foto von seinem Kunstwerk. Das Bild wurde übrigens äußerst liebevoll in einer Plastikhülle am Dienstgruppenschrank aufgehängt:

 

Last but not least besuchten unser Mitglied Andrea Eickhoff und ich noch am 22.09. die Polizeiinspektion Adenau – im selben Landkreis wie der Vereinssitz, aber 50 Minuten mit dem Auto von dort entfernt. Danke für den sehr herzlichen Empfang dort.

 

Unsere Schatzmeisterin Erdmute Wittmann besuchte ebenfalls die Polizei Remagen – offenbar zur Frühschicht. Das ist gut, denn Nadine und ich waren zur Spätschicht da – so hatten zwei Schichten etwas davon!

 

Unser Mitglied Susan Walsh-Nass hat folgende Dienststellen besucht: 16.09.: Polizei Kleve, 18.09.: Polizei Geldern, 19.09. Polizei Neukirchen/Vluyn und am 20.09. Polizei Krefeld-Nord.

Unser Mitglied Michaela B. berichtete Folgendes:
Da ich im Vorfeld zu Besuch in anderen Städten war, habe ich auch dort die örtlichen Polizeidienststellen besucht, um anlässlich des bevorstehenden Danke-Polizei-Tages einen Dank auszusprechen.
  • Am 29. August besuchte ich die Wache Nord in Gelsenkirchen. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Danke-Polizei-Karte hatte, habe ich eine von den allgemeinen Karten mitgenommen. Der diensthabende Beamte war über die Existenz eines Vereins wie den KGGP erstaunt und fragte mich nach meinen Beweggründen dafür, mich auf diese Weise zu engagieren.
  • Am 30. August war ich in der Polizeiinspektion Lüdinghausen. Die diensthabenden Beamten waren sehr erfreut über meinen Besuch und darüber, dass sie einen Dank ganz ohne Grund erhalten. Einen Dank bekomme man normalerweise sowieso nie zu hören, aber auch das respektvolle Miteinander habe insgesamt stark nachgelassen, auch in ländlichen Gebieten. Daher sei jede freundliche Geste besonders willkommen.
  • Am 8. September war ich an der Verkehrspolizeiinspektion Würzburg-Biebelried. Die Pforte war jedoch nicht persönlich  besetzt, sodass ich die Karte in den Postkasten geworfen habe.
  • Am 9. September war ich an der Polizeiinspektion in Kitzingen. Dort war man gerade sehr gestresst, nahm sich jedoch trotzdem ein paar Minuten Zeit für mich. Die Überraschung war groß, dass es überhaupt einen Verein wie den KGGP gibt und dann auch noch einen Danke-Polizei-Tag.
  • Am 13. September stieß ich beim Einwerfen der Karten vor der Post auf eine Streife der Wasserschutzpolizei. Auch diesen sprach ich meinen Dank aus und zeigte ihnen die Karten, die ich gleich einwerfen würde. Sie waren sehr erfreut darüber, dass es eine solche Initiative gibt.
  • Am 16. September suchte ich die Wachen in Nürnberg auf.
    • Zuerst besuchte ich die Polizeiinspektion Nürnberg-Süd. Die beiden anwesenden Polizisten waren zuerst etwas skeptisch, gaben mir jedoch Gelegenheit, über die Arbeit des Vereins zu berichten und gaben anschließend auch einige Einblicke in ihre Arbeit. So berichteten sie, dass es zwar oft Beschwerden gäbe, selten aber einmal einen Dank, weshalb man auch etwas erstaunt über meinen Besuch sei. Schließlich dankten sie mir im Namen der Dienststelle und versprachen, die Dankesbotschaft an die gesamte Dienststelle weiterzuleiten.
    • Anschließend machte ich Halt bei der Bereitschaftspolizei. Dem diensthabende Beamten an der Pforte war der KGGP bislang auch noch nicht bekannt. Er freute sich über meinen Dank dafür, diesen Beruf trotz aller Gefahren auszuüben. Bescheiden erwiderte er, dass ja jeder letzlich immer Gefahren ausgesetzt sei, auch zu Hause könne man sich schließlich tödlich verletzen. Auch half er mir mit einem Tesastreifen aus, um ein Foto von der Karte vor dem Dienststellenschild machen zu können. Er erwies sich somit als ein pragmatisch denkender und handelnder Zeitgenosse, somit genau richtig bei der Polizei :) Er informierte auch seinen Vorgesetzten über meinen Besuch, dieser ließ seinen herzlichen Dank an den Verein ausrichten.
    • Danach besuchte ich die Polizeiinspektion Nürnberg-Ost. Die diensthabenden Beamten waren sehr zurückhaltend, da auch sie noch nie etwas vom Verein Keine Gewalt gegen Polizisten oder vom Danke-Polizei-Tag gehört hatten. Nachdem ich über die Hintergründe berichtet hatte, freuten sie sich jedoch, dass es solche Initiativen gibt.
    • Im Anschluss besuchte ich die Polizeiinspektion Nürnberg-West. Die anwesenden Polizisten nahmen mein Anliegen zunächst etwas ungläubig entgegen, zeigten sich dann jedoch sehr interessiert, und ich bekam Gelegenheit, ausführlich über den Verein und seine Arbeit zu berichten.
    • Als nächstes stattete ich der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte einen Besuch ab. Nach einer kurzen Erläuterung  meines Anliegens durfte ich die Glaspforte passieren und den diensthabenden Beamten „Auge in Auge“ für ihre Arbeit danken. Mir wurden viele Fragen gestellt, auch zu meiner persönlichen Motivation, mich für die Polizei zu engagieren. Die mitgebrachte Karte wurde von allen Anwesenden genauestens inspiziert und man versprach, hierfür einen guten Platz in der Dienststelle zu finden.
    • Abschließend schlenderte ich noch über das Nürnberger Altstadtfest, das an diesem Tag von der Polizei Schwabach gesichert wurde. Insgesamt sprach ich dort mit etwa 10 Polizisten, dankte ihnen für ihre Arbeit und überreichte ihnen jeweils eine Karte. Einige dieser Polizisten kannten den Verein bereits, unter anderem, weil sie schon einmal eine Genesungskarte bekommen hatten. Die anderen zeigten sich sehr an den Hintergründen des Vereins interessiert.
An den Dienststellen in Nürnberg habe ich überall auch noch ein von befreundeten Kindern gemaltes und eingerahmtes Bild hinterlassen, was auf positive Resonanz gestoßen ist. Auch der Polizei Schwabach, die auf dem Altstadtfest Nürnberg anwesend war, habe ich ein solches Bild überreicht.
Insgesamt war es eine schöne, aber auch anstrengende Aufgabe, der Polizei einmal einen Dank auszusprechen. Schön war, dass man die Polizisten auf diese Weise positiv überraschen konnte. Anstrengend war, dass man fast immer zunächst auf eine gewisse Skepsis gestoßen ist. Dies zeigt leider, dass eine explizit  positive Haltung gegenüber der Polizei wohl eher die Ausnahme ist. Ich freue mich, wenn ich durch den Verein und den Danke-Polizei-Tag ein wenig dazu beizutragen kann, diese Situation ein wenig zu ändern.
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Unser Mitglied Bea Müller besuchte noch im Nachgang das Revier Schwetzingerstadt:
Bericht unseres Mitglieds Kerstin Wenninger:
Den Anfang machten unsere Dietenheimer Polizisten :-) Sie hatte dieses Jahr viel Zeit für mich und den Verein. Es entstand ein schönes Gespräch und natürlich der Wunsch das mehr Menschen einfach mal DANKE sagen.
Als nächstes besuchte ich die Polizei in Memmingen – ein etwas kürzeres Gespräch mit Vorstellung des Vereins, aber auch alle sehr freundlich und freuten sich über den Besuch – teilweise kennt man uns aus Facebook :-)
Illertissen war nun dran, wobei wir auf später vertröstet wurden da Sie gerade Stress hatten.
In Weißenhorn kannte man uns noch nicht war aber auch erfreut dass mal jemand DANKE sagt :-) auch hier der Wunsch das dies öfter passieren könnte das jemand einfach mal Danke sagt. Desweiteren bemängelte man die Übergriffe auf Beamte da auch dies erst neulich in der Dienststelle Thema war und zwei Beamte bei einer Widerstandshandlung verletzt worden waren.
Als wir in Senden waren wurden wir fast schon übermäßig begrüßt da der Beamte dort KGgP von Facebook kennt. Wir wurden herein gebeten und bekamen zu trinken wärend wir eine informative Unterhaltung führten :-D
Wieder zurück in Illertissen wurden wir etwas kurz empfangen und konnten gerade noch erklären was wir wollten.
Auf Bitte eines Beamten aus Dietenheim fuhren wir den Polizei Posten in Ulm-Wiblingen an wo leider keiner vor Ort war und wir somit mit dem Briefkasten vorlieb nahmen.
In Neu-Ulm war heute wohl auch viel Stress angesagt da es auch hier recht kurz von statten ging.
Als wir nach Ulm wollten stellten wir fest, dass an diesem Tag der Einstein-Marathon stattfindet und ganz Ulm abgeriegelt ist.
Wir kämpften uns wieder zurück und fuhren erstmal nach Laupheim . Dort wurden wir freundlich begrüßt und man freute sich auch hier über unseren Besuch der auch etwas kürzer war.
In Biberach angekommen wurde ich in den Besucherraum gebeten und der Dienststellenleiter kam persönlich zu mir. Ich meinen geübten Spruch gesagt und schon ging es in ein super tolles Gespräch über. Er kennt die Kartenaktion vom letzten Jahr und freut sich im Namen der Kollegen. Er teilte mir mit, dass ich die Kollegen aus Ochsenhausen eher nicht erreichen kann (einsatzbedingt).
Nach einer kurzen Pause fuhren wir wieder zurück nach Ulm ins Polizeipräsidium. Bedingt durch den Marathon war man dort heute auch sehr kurz, aber die Freude war auch hier groß.
Im Anschluss und mit viel Stau verbunden kämpften wir uns zum Bahnhof um die Bundespolizei Ulm zu besuchen. Ein kurzes, freundliches Gespräch war auch hier da es heute sehr stressig bei Ihnen zugeht. Gefreut hat man sich auch hier :-D

Alles in allem gesehen war die Runde sehr erfolgreich und die Gespräche super :-D Im Prinzip wünschen sich alle das selbe – ein besseres Ansehen in unserer Gesellschaft, mehr Bürger die mal eben nur Danke sagen wollen, mehr Respekt und Anerkennung.

Einen Tag später habe ich den Polizeiposten in Ochsenhausen besucht. Ich hatte Glück, denn die Beamten waren da. Es ist wieder ein wunderbares Gespräch entstanden, wobei auch hier die gewaltbereite und respektlose Gesellschaft zu Sprache kam. Auch diese Beamten würden sich mehr Respekt und Anerkennung wünschen. Das war der letzte Besuch dieses Danke Polizei Tages 2017.
Per Post gingen Karten nach Günzburg, Krumbach, Kempten Polizeipräsidium sowie die Bundespolizei, Lindau BUPO Und Polizeiinspektion und Ravensburg.
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Nadine ging im Nachgang auch noch zur Anlaufstelle GABI in Bonn. Die Herrschaften hatten einsatzbedingt wenig Zeit, aber für ein Danke reichte es.

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Was uns stolz macht:

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte teilte die Polizei Rheinland-Pfalz unsere Inhalte auf ihrer Facebook-Seite. DANKE!

Was uns außerdem das Herz erwärmt, ist, wenn wir in eine Dienststelle kommen und sehen auf einer Einsatztasche das:

 

Oder auf einem Ärmel in trauter Zweisamkeit dies hier:

Danke dafür!

 

Fazit:

Unsere Polizistinnen und Polizisten leisten jeden Tag für uns alle hochprofessionelle Arbeit. Zeigen wir ihnen, dass wir sie dafür wertschätzen!!! Sicher, man kann mit einem Danke-Polizei-Tag nicht die Besoldungssituation verbessern, man kann keinen Respekt bei jenen erzwingen, die keinen haben, man kann damit nicht mehr Polizisten herzaubern, man kann damit keinen Rückhalt da erzwingen, wo er fehlt und man kann es sicherlich nicht allen Recht machen. Man kann damit allerdings langfristig das gesellschaftliche Klima dahingehend verändern, dass sich diese Probleme leichter anpacken und vielleicht sogar lösen lassen – wenn man denn am Ball bleibt.

Wenn man es ganz ohne Emotionen betrachten möchte, kann man sich sagen, dass die Beziehung zwischen Bürger und Polizist ein Stück weit eine Arbeitsbeziehung ist, in der der Polizist für den Bürger arbeitet. Professionelle Arbeitgeber loben ihre Mitarbeiter regelmäßig. Professionelle Mitarbeiter wissen Lob anzunehmen. Auf dieser sachlichen Ebene waren wir alle hochprofessionell.

Professionelle Menschen schämen sich auch nicht ihrer Gefühle und deswegen möchte ich damit enden, dass ich immer wieder sehr berührt davon bin, wie viel Freude dieser Tag allen Beteiligten immer wieder macht. Allein dafür werden wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. diesen Tag immer wieder begehen.

 

 

 

 

Allgemein

Eine ungewöhnliche Spätschicht in Remagen

„Eine Freitagsnachmittagsspätschicht in Remagen, das musst du dir echt mal geben. Das ist die Hölle. Da kommst du nicht mal zum Essen.“

Ok…

Da ich das nicht nur einmal gehört hatte, sondern mehrfach, und das auch nicht nur aus Remagen, gehe ich davon aus, dass Freitagnachmittage wirklich übel sind.

Es sei denn natürlich, ich habe mich für einen solchen angemeldet.

„Mein“ Streifenteam, Daniel und Rebecca, nahm mich freundlich auf, der Rest der Schicht auch. Daniel hat bei mir persönlich schon recht lange einen Stein im Brett, denn er war einer der ersten, die sich regelmäßig für den Einsatz von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. bedankten. Zum ersten Mal tat er das nach Weihnachten 2010, als wir noch nicht einmal Verein waren und ich Heiligabend einfach mal in Remagen der Polizei „Frohe Weihnachten“ gewünscht habe. Das mache ich seit 2009 jedes Jahr – und ich finde, auch das sollten mehr Leute tun. Einfach mal jenen Menschen ein frohes Fest wünschen, die dafür sorgen, dass wir sicher feiern. Aber das ist ein anderes Thema…

 

Nachdem Daniel und Rebecca ihren Papierkram fertig hatten, ging es schon auf die Straße. Streife fahren.

 

Wir mussten gar nicht lange streifen, schon zwei Orte weiter flog uns ein leerer Plastiksack von der Ladefläche eines LKW entgegen.

Verkehrskontrolle.

„Sonst mach ich das nie, dass ich meine Ladung nicht gut sichere.“

Verwarnung.

 

Danach bestreiften wir die Gegend sehr ausgiebig.

 

Nächste Verkehrskontrolle. Der Fahrer kam Daniel bekannt vor. Wenn, dann hatte er diverse Fahrten unter Betäubungsmitteln im Register. Das Ganze entpuppte sich allerdings als Verwechslung.

Keine Verwarnung.

 

In die Dienststelle, etwas essen.

 

Ein Unfall an einer Tankstelle, ein paar Orte weiter. Also eine Unfallaufnahme. Beide Seiten waren im Grunde schon einig, freundlich und einsichtig. (Auch mal schön, übrigens!). Die Polizei wurde eigentlich nur gebraucht, weil eines der beteiligten Fahrzeuge ein Firmenwagen war und entsprechend eine Anzeigenaufnahme für die Versicherung benötigt wurde.

Wie üblich ging Daniel ein paar Meter zur Seite, um die Beteiligten abzufragen. Ich schaute derzeit Rebecca zu, wie sie die beiden Fahrer dazu aufforderte, gegenseitig Personalien zu tauschen.

Plötzlich, mitten in die Routine, platzte Daniel herein:

„Wir müssen das hier abbrechen!“

Gesagt, getan. Die Fahrer wurden darüber aufgeklärt, dass wir abrücken müssen.

Zum Glück waren alle Daten notiert, als Daniel den Streifenwagen auf die Straße lenkte und durchstartete, während Rebecca Blaulicht und Martinshorn anwarf.

Ich glaube, ich werde niemals aufhören, diese Blaulichtfahrten aufregend zu finden. Und mich mehr oder weniger im Stillen über meine Mitbürger zu ärgern. Ok, ich kriege auch schweißnasse Hände, wenn von hinten ein Blaulicht ranfliegt, aber irgendwie bekomme ich das Auto doch aus dem Weg bugsiert, das ich gerade fahre.

„Wo fahren wir eigentlich hin?“ wollte ich dann doch wissen.

„Da wurde gemeldet, dass möglicherweise eine Tankstelle überfallen wird.“

Daniel nannte einen Ort, gute 11 km von unserer Tankstelle entfernt.

Oha… und… ach du Sch***!

Meine Hände wurden feucht und ich merkte, wie ich schneller atmete.

Wenn das jetzt wirklich ein Überfall ist – was mach ich denn da? Da steh ich doch nur im Weg rum. Ok, ich könnte im Auto bleiben! Aber Autos sind nicht kugelfest.

Ich hatte schon bei den Einsatztrainern des Polizeipräsidiums Südhessen gezeigt bekommen, was Schusswaffen aller Kaliber bei einer Volvo-Tür anrichten können. Sich hinter einem Passat in Sicherheit vor scharfen Schüssen zu bringen funktioniert ganz klar nur im Fernsehen.

Ich brauch ein neues Ehrenamt, SOFORT!

Das Heck des Wagens rutschte unter mir nach rechts, es ging in einer Kurve den Berg hinauf.

Festhalten.

Aussteigen ging sowieso nicht mehr.

Also einfach keine Zeit für Angst nehmen und darauf achten, was meine beiden Begleiter tun.

Daniel trieb den Streifenwagen den Berg hoch. Rebecca hielt den Funkkontakt mit den anderen.

„Wir kommen von…“

Sie nannte die Straße, die wir entlangrasten.

Auch die Autobahnpolizei meldete sich zu Wort, ebenfalls auf dem Weg zur Tankstelle.

Die Spannung stieg.

Zumal diese Blaulichtfahrt über 11 km kurvenreiche Bergstraße schon verdammt beeindruckend war.

Wir passierten das Ortsschild, mittlerweile geräuschlos.

Schlagartig wurde mir schlecht.

Entspannt bleiben. Die sagen mir schon, was ich tun soll.

Eine Tankstelle kam ins Blickfeld.

Ok, die kann es schon mal nicht sein, sonst hätte die Frau da Besseres zu tun, als zwischen den Zapfsäulen zu fegen…

Daniel fuhr auf die Tanke auf.

Hääääääääää?

Ich warf einen schnellen Blick durch die Scheiben. Im Verkaufsraum zwei entspannt wirkende Personen, eine noch entspannt wirkendere Person kam auf uns zu.

Ganz klar kein Überfall.

Tief durchatmen.

Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Schultern sich äußerst schmerzhaft verkrampft hatten.

 

Letztlich stellte sich alles als ganz harmlos heraus. Ein Nachbar hatte einen Wagen gesehen, der zweimal langsam an der Tankstelle vorbei gefahren war. Dann hatte er gesehen, wie eine der Damen, die dort arbeiten, hektisch Leute weitergeschickt hatte. Also schloss er auf einen Überfall und alarmierte die Polizei.

Beruhigend, so aufmerksame Nachbarn – und das meine ich ernst.

Allerdings wurden die Leute deswegen weitergeschickt, weil das Kassensystem ausgefallen war.

Ich persönlich war ziemlich froh, dass nichts an der Sache dran gewesen war.

 

Wo die Polizei aber schon mal da war, hatte der Pächter auch gleich eine Bitte – ein Stammkunde hatte vergessen zu bezahlen. Außer dem Kfz-Kennzeichen hatte er von ihm keine Daten. Er wollte ihn einfach nur freundlich ans Bezahlen erinnern.

Das war für die Polizei nun eine der leichtesten Übungen.

 

„Wenn die Dame da nicht so seelenruhig gefegt hätte, wäre ich übrigens nicht mitten auf die Tankstelle aufgefahren“, sagte Daniel zu mir, als wir wieder zum Auto gingen. Ich mit immer noch ziemlich weichen Knien und leichtem Schwindelgefühl im Kopf.

Du – schon ok. Ihr wisst schon, was Ihr macht.

Symbolfoto

Wo wir schon da oben weit oberhalb der Rheinschiene waren, sollten wir auch gleich mal in einem der nächsten Orte in der Wohnung einer Frau nach ihrem Freund sehen. Dieser war nämlich nach einer heftigen Auseinandersetzung verschwunden und hatte mit Selbstmord gedroht. Übrigens nicht zum ersten Mal. Während die Frau unten in Remagen in der Polizeidienststelle war, hätte es ja sein können, dass er wieder in die Wohnung zurückgekehrt war. War er aber nicht.

 

Zurück zu unseren Verkehrskontrollen. Ein Fahrer ohne Gurt.

„Ich fahre Pizza aus.“

Bezug?

Das schienen sich auch Daniel und Rebecca zu fragen, denn sie wirkten beide nicht so, als hätte diese Begründung sie überzeugt.

„Ich kenne mich nicht aus.“

Ach so? Und da hilft es dann, keinen Gurt zu tragen? Vielleicht wäre der Kauf eines Navis da zielführender?

Angesichts dieser unendlichen Einsicht hat er sich seine Verwarnung wirklich redlich verdient.

 

Nach einer weiteren kurzen Zwischenlandung in der Dienststelle für die zu schreibenden Berichte ging es noch einmal auf Streife.

Als erstes ging es um eine Fahrerermittlung. Eine Dame war in Hessen geblitzt worden, aber die Post war nicht an die bekannte Adresse zustellbar.

Dabei bekamen wir mit einer Menge netter Leute zu tun, die wirklich freundlich zu „meinen“ beiden Beamten waren (weiter so!), uns aber nicht wirklich weiterhelfen konnten.

 

Letztlich gewann noch jemand eine Verkehrskontrolle, da sein Bremslicht defekt war und auch er nicht verstanden hatte, dass der Sicherheitsgurt nicht nur zur Zierde am Auto hängt.

Damit war diese Spätschicht schon rum.

 

„Das war die ruhigste Spätschicht an einem Freitagnachmittag, an die ich mich erinnern kann.“

Darüber waren sich Rebecca und Daniel einig.
„Willst du nicht öfters kommen?“

Och, wenn Ihr so fragt… aber gerne doch!

 

Auch wenn die Schicht vergleichsweise ruhig verlaufen ist, so zeigte sie doch ganz klar, wie die Lage in Sekundenschnelle umschlagen kann. Soeben steht man noch tiefenentspannt (sogar ich fühlte mich bereits milde routiniert) neben einer Unfallaufnahme an einer Tankstelle, bei der alle sehr nett zueinander sind. Keine zwei Atemzüge später schleudert man auf der Rückbank eines Streifenwagens einen Berg hoch und fragt sich, wo man sich demnächst am günstigsten vorm Kugelhagel versteckt.

Abgesehen davon, dass ich mutmaße, dass bei einem Verdacht auf einen Tankstellenüberfall in Großstädten mindestens zehn Streifenwagen losjagen würden.

Wer hat, der hat…

 

Anfügen möchte ich noch die Worte einer Freundin, der ich diese Anekdote gerade eben, vor der ersten Veröffentlichung, erzählt habe: „Was man in dem Beruf für einen Mut braucht!“

Recht hat sie!

Und ja, sie ist schon Mitglied bei Keine Gewalt gegen Polizisten e. V.

 

Zurück zu „meinen“ Remagenern:

Auch wenn es „ruhig“ war – keine Frage – Ihr macht einen sehr tollen Job in Remagen. Danke!

Allgemein Danke-Polizei-Tag Verein

„Danke-Polizei-Tag“ am 16. September 2017

Polizistinnen und Polizisten: „Menschen im Dienst für Menschen“

Der „Danke-Polizei-Tag“ findet 2017 – der angelsächsischen Tradition folgend – am Samstag, 16. September, statt. An diesem „“Say thank you to a police officer day“ sind Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, „ihre“ Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten auf den Dienststellen aufzusuchen und ihnen für deren Einsatz zu danken.

Einen „Danke-Polizei-Tag“ hat die Vorsitzende des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, Gerke Minrath-Grunwald, vor drei Jahren erstmals initiiert. In den Jahren 2015 und 2016 folgten weitere Aktionen in den Bereichen der Polizeipräsidien in Mainz und Rheinpfalz. Und dieses Jahr wird dieser besondere Tag beim Polizeipräsidium Westpfalz stattfinden. Auftakt dazu war die heutige Pressekonferenz in Kaiserslautern, an dem der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz teilgenommen hat, der Schirmherr des „Danke-Polizei-Tages“ ist, sowie der Behördenleiten des Polizeipräsidiums Westpfalz, Michael Denne, sowie die Vereinsvorsitzende Gerke Minrath-Grunwald.

Polizeipräsident Michael Denne machte in seinem Statement deutlich, dass die allermeisten den Polizeiberuf gewählt hätten, weil sie anderen Menschen helfen wollen. Polizistinnen und Polizisten seien Menschen im Dienst für Menschen, stellte er heraus. Dass sie dabei respektlos behandelt, beleidigt oder manchmal schwer verletzt werden, könne nicht hingenommen werden. „In den Polizeiuniformen stecken Menschen – Frauen und Männer mit Gefühlen und Verletzlichkeit!“, konstatierte er.

Seit Jahren stellt die Polizei bundesweit und landesweit einen permanenten Anstieg von Gewaltdelikten unterschiedlichster Art und Weise gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten fest. Auch in der Westpfalz ist die Anzahl der Straftaten gegen Polizeikräfte in den letzten Jahren gestiegen.

Mit dem „Danke-Polizei-Tag“ könne man gut ein Signal gegen die steigende Respektlosigkeit und die zunehmende Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten setzen, das sei seine Überzeugung, so der Polizeichef. Dieser Tag sei eine tolle Sache: Bürgerinnen und Bürger könnten auf diesem Wege mit ihrer Polizei ins Gespräch kommen und die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte erhielten ein Dankeschön, ein Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit. Michael Denne bedankte sich herzlich für das Engagement der Initiatorin, Gerke Minrath-Grunwald, und allen Mitgliedern ihres Vereins.

Innenminister Roger Lewentz, Schirmherr des „Danke-Polizei-Tages“ 2017, stellte heraus, dass man den Einsatz der Vorsitzenden des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. gar nicht hoch genug einschätzen könne. Ein großes Dankeschön richtete er an alle, die die Zielsetzung des Vereins mittragen.

„Ich freue mich, wenn Bürgerinnen und Bürger hinter unserer Polizei stehen!“, so der Minister. Der größte Teil der Bevölkerung habe Vertrauen in die Polizei und stehe hinter ihr. Sie sei nicht der Fußabstreifer der Nation. Seit Jahren sei eine konstant hohe Zahl von Angriffen auf Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte auch in Rheinland-Pfalz zu beklagen: In 2016 seien insgesamt 2.421 Straftaten registriert worden, darunter 1.398 Gewaltdelikte, wie Körperverletzungen oder Widerstände sowie 1.023 Beleidigungen. Dies bedeute eine Steigerung von beinahe 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um unsere Polizistinnen und Polizisten besser zu schützen, seien Investitionen getätigt worden, und zwar in die polizeiliche Schutzausstattung sowie in Aus- und Fortbildung. Beispielhaft nannte Roger Lewentz den landesweiten Einsatz von Bodycams oder die Beschaffung von Titanhelmen.

Gerke Minrath-Grunwald stellte ihren Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ vor, der zurzeit 130 Mitglieder zähle. Genau zwei Ziele verfolge ihr Verein: „Gewalt gegen Polizei: Wir wollen, dass darüber gesprochen wird! Und außerdem wollen wir den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten Rückhalt geben.“, erklärte die Vorsitzende die hehren Ziele.

Einblicke in den Polizeialltag, insbesondere im Umgang mit Gewalt gegen Polizeikräfte, hatten der Leiter der Polizeiinspektion 1 in Kaiserslautern, Polizeirat Thorsten Mayer, und Polizeioberkommissar Ben Witthaus, ein erfahrener Polizist im Wechselschichtdienst, der seit Jahren in der Kaiserslauterer Altstadt unterwegs ist, geben können. Dabei wurde herausgestellt, dass der Faktor ALKOHOL eine zentrale Rolle bei der Gewaltbereitschaft und -ausübung spiele. Die Gesprächsrunde mit den beiden Polizeibeamten führte die Leiterin der Pressestelle, Kriminalhauptkommissarin Angela Walz.

Bildquelle: PP Westpfalz

Am Ende der Pressekonferenz waren sich alle einig: Ein großartiges Engagement im Ehrenamt, das gar nicht hoch genug geschätzt werden kann, so wie es Innenminister Roger Lewentz heute treffend formulierte.

PM des PP Westpfalz vom 01.09.2017

Allgemein Polizeiarbeit

Junge Männer und ihre Späße – hier: Bereitschaftspolizei Hessen

Es begann vorgestern. Im Internet kursierten Hinweise auf ein Video, auf dem zwei Polizisten ein Schmählied über einen Bundesligaspieler sängen, der bei RB Leipzig spielt.

Ich fand das Video recht schnell und muss sagen, dass ich mehr erwartet hatte. Nachdem ich zuerst hochgradig empörte Postings dazu gelesen hatte, hätte ich erwartet, dass das öffentlich und im Einsatz passiert sei. Am besten noch beim Einsatz in Sachen RB Leipzig. Stattdessen einfach zwei junge Männer in einer Dienststelle der Bereitschaftspolizei – wir, also die Mitglieder von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., die sich dazu austauschten, vermuteten anhand des im Video nur verwischt erkennbaren Ärmelabzeichens Hessen, was sich mittlerweile bestätigt hat. Gut, sie greifen verbal gewaltig in die allerunterste Schublade, indem sie einen nicht sonderlich abwechslungsreichen Satz wiederholen, in dem sie auf den Beruf der Mutter des jungen Mannes anspielen. Aus meiner Sicht eine der dämlicheren Beleidigungen – so redet man einfach nicht über Menschen. Dann nimmt einer von ihnen ein entsprechendes Trikot aus dem Schrank, es wird damit in der Luft herumgewedelt (der Gesang wird dabei fortgesetzt), man amüsiert sich königlich, am Ende spuckt einer der beiden auf das Trikot.

Um nicht missverstanden zu werden – ich finde das als Aktion insgesamt ziemlich dämlich. Mein Humor ist das echt nicht.

Mir ist auch klar, dass das die betroffene Polizei in eine dumme Situation bringt. Eigentlich die Polizei insgesamt, denn für die meisten Menschen ist da, wo Polizei draufsteht, auch Polizei drin. Selbst wo nicht Polizei drauf steht, passiert das oft genug – die Leser unserer Facebook-Seite, die glauben, wir seien die Polizei, sind Legion. Ein nicht-hessisches Landeswappen wird also keinen, der wegen dieses Videos auf Krawall gebürstet ist, davon abhalten, seinen Unmut über irgendwelche greifbaren Polizisten auszuschütten.

Die Polizei hat neutral zu sein, und sie hat oftmals bei Fußballeinsätzen eine Rolle inne, in der sich sämtliche Aggressionen auf sie fokussieren – insbesondere bei Risikospielen. Es gibt nun einmal eine Kategorie so genannter „Fans“, für die entsprechende Spiele ein willkommener Anlass für eine Art Minikrieg sind. Und wenn der Gegner nicht greifbar ist, weil die Polizei dazwischen steht, dann geht man eben auf die Polizei los. In einem derart aufgeheizten Klima kann die Polizei wirklich keinen zusätzlichen Ärger wegen eines solchen Unsinns brauchen.

Entsprechend nachvollziehbar ist für mich auch die Reaktion der hessischen Polizei, die nicht lange auf sich warten ließ:

Am Sonntagnachmittag erlangte das Hessische Bereitschaftspolizeipräsidium Kenntnis über ein YouTube-Video, welches Polizeibeamte in einem Spindraum zeigt, die ein Schmählied über einen Spieler des Bundesligisten RB Leipzig singen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand entstand das Video in einer Räumlichkeit der Hessischen Bereitschaftspolizei.

Das in dem Video zu sehende Verhalten der Beamten widerstrebt dienstlichen Grundsätzen. Gegen die Beamten werden Disziplinarverfahren eingeleitet.

Das Hessische Bereitschaftspolizeipräsidium missbilligt das Verhalten der Beamten ausdrücklich. Die Behördenleitung hat bereits Kontakt zu Ulrich Wolter, Vorstand des RB Leipzig aufgenommen und sich ausdrücklich entschuldigt. Ulrich Wolter sicherte zu, dies auch an den betroffenen Spieler weiterzugeben.

(Pressemitteilung des Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums vom 21.08.2017)

 

Seitens der Polizei geht also alles seinen Gang. Der Spieler selbst und alle seine Fans erhalten Satisfaktion. Wobei ich an dieser Stelle schon mal anmerken möchte, dass auch Fußballstadien nicht unbedingt Orte sind, an denen man gemeinhin intellektuell hochwertiges und pazifistisches Liedgut zu hören bekommt – im Gegenteil findet sich ein Video, wo eine ganze Fankurve genau diesen Satz skandiert.

In Bezug auf unsere beiden jungen Herren von der hessischen Bereitschaftspolizei möchte ich noch einige Dinge zu bedenken geben.

Für mich sieht dieses Video aus, als handele es sich um einen internen Spaß. Und ganz ehrlich – intern können die Damen und Herren bei der Bereitschaftspolizei (egal bei welcher) aus meiner Sicht ihre Späßchen treiben, solange sie wollen und solange der Dienst davon nicht beeinträchtigt wird. (Bevor wieder die Goldwaagen ausgepackt werden – Spaß ungleich Straftat!) Ich weiß, dass Bereitschaftspolizisten einen sehr anspruchsvollen Job machen, und sie machen ihn gut. Dafür wird ihnen viel zu selten gedankt. Deswegen an dieser Stelle mal wieder ein Dank an die Bereitschaftspolizisten. Ihr seid klasse! Danke für Euren Einsatz!

Junge Männer machen Späßchen, die ich persönlich ziemlich oft ziemlich unwitzig finde. Na und? Solange sie mich damit verschonen, ist mir das echt wurscht.

Die heutige junge Generation ist auch aus irgendeinem mir ein wenig schleierhaftem Grund der Ansicht, sie müsse auch derartige Lebensäußerungen grundsätzlich filmen. Warum auch nicht?

Problematisch wird das Ganze eigentlich erst an dem Punkt, den dem es öffentlich wird, denn hier kommt die Wohlverhaltenspflicht von Beamten ins Spiel. Und ja, diese existiert, auch wenn das gerne vom einen oder anderen in Abrede gestellt wird.

Für mich stellen sich an dieser Stelle allerdings Fragen:

Wer hat das Video eigentlich hochgeladen? Einer der beiden Beteiligten? Dann war es Absicht, das Video hochzuladen und dann würde ich sagen, ist es schon in Ordnung, denen auf die Finger zu hauen.

Wenn das Video von keinem der beiden hochgeladen wurde – wer war es dann? Ein Kollege, der glaubte, das sei lustig und nicht nachgedacht hat? Oder ein „Kollege“, der den beiden so richtig Ärger machen wollte? Oder ein vermeintlicher Freund? Der vielleicht auch nur zeigen wollte, wie „cool“ sein Kumpel bei der Polizei ist und dabei auch nicht von der Tapete bis zur Wand gedacht hat? Sollte dann nicht vor allen Dingen der, der dann aus einem internen Späßchen eine öffentliche Aktion gestrickt hat, Ärger bekommen? Hat das auch nicht etwas mit einer Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes zu tun (§ 201 StGB) oder zumindest mit „Recht am eigenen Bild“?  Ich hoffe doch sehr, dass auch dieser Aspekt genau angesehen wird.

Wie dem auch sei – mir zeigt das vor allen Dingen eines:

Diese jungen Menschen tragen allein durch die Aufschrift „Polizei“ auf ihrer Arbeitskleidung eine enorme Verantwortung (denn seien wir ehrlich – ein ähnliches Video über zwei Metzgergesellen würde keinen Menschen anheben, außer vielleicht dem betroffenen Spieler, das Ganze würde in einem Strafverfahren geklärt und fertig). Sie waren unbedacht und leichtfertig im Umgang mit Neuen Medien mit dem Resultat, dass ihr Arbeitgeber Ärger hat, sie mit ihrem Arbeitgeber und eine Menge Kollegen Ärger mit vergrätzten Fans des fraglichen Spielers. Nicht zu vergessen, die polizeifreundlichen Vereine von Bürgern für Polizisten, die für die Polizei gehalten werden und zu einem Statement genötigt werden sollen, so wie es uns vorgestern passiert ist. wp-monalisa icon

Ob der Upload der Datei auch lediglich leichtfertig erfolgte, wird sich sicherlich herausstellen. Die beiden jungen Männer werden in jedem Fall merken, dass das Internet nichts vergisst und sie dieses Video viele Jahre lang verfolgen wird.

Viele junge Menschen sind unbedarft im Umgang mit diesen Medien. Ich kann da nur um Milde bitten und darum, den jungen Menschen in den Polizeischulen noch einmal ganz klar zu machen, was es bedeutet, wenn ein solches Video öffentlich geht – falls das nicht schon geschieht.

Mir sind mehr Polizeibeamte bekannt als genug, die mit einem Video über angebliche Polizeigewalt auf Youtube gelandet sind. Ich weiß, wie es ihnen damit ging und teilweise immer noch geht. Die entsprechenden Verfahren können hundertmal die Unschuld der beteiligten Beamten bewiesen haben – irgendein Troll gräbt das Video wieder aus und wieder geht der Zirkus von vorne los, Reduziert auf diesen einen Einsatz, der einfach nicht schön aussieht, und keinen interessiert mehr, dass man über Jahre hinweg Tag für Tag für Tag einen einwandfreien Job gemacht hat und Menschen geholfen hat… das ist nicht schön. Es ist schlimm genug, dass solche Dinge von außen an die Polizei herangetragen werden. Es ist wirklich nicht nötig, dass sich junge Polizisten nun selbst auf diese Weise ins Aus setzen.

Liebe junge Polizistinnen und Polizisten – denkt dreimal nach, WAS Ihr filmt und wenn ja, mit WEM Ihr das Werk dann teilt.

Allgemein Schusswaffengebrauch Trauriges Verein

Forderungen nach Respekt und Schusswaffengebräuchen – in einem Atemzug?

Aus gegebenem Anlass hier noch einmal eine Erläuterung, für WEN wir unsere Arbeit machen – sei es auf Facebook, auf Twitter oder sei es der Löwenanteil unserer Arbeit außerhalb der sozialen Netzwerke (aka Realität).

In allererster Linie machen wir das hier, um jenen Polizistinnen und Polizisten, die Gewalt erleben mussten, Rückhalt aus der Bevöökerung zu signalisieren.

Darüber hinaus geben wir auch gerne Rückhalt an Polizeibeamte generell – für die fantastische Arbeit, die sie für uns alle tun.

Last but not least können sich auch unsere Vereinsmitglieder auf unseren Internetpräsenzen informieren, was so im Verein läuft.

Die erste genannte Gruppe ist jedoch prioritär – der Name des Vereins gibt da auch einen gewissen Hinweis. Entsprechend interessieren uns vorrangig deren Gefühle.

Ein Mensch (oder mehrere) wurde im Dienst an uns als Gesamtgesellschaft verletzt. Eine Organisation, die sich gegründet hat, um in solchen Fällen Rückhalt zu geben, hat eine Facebook-Seite / einen Twitter-Account. Auf diese schaut dieser Mensch dann… und muss zur Kenntnis nehmen, dass dort fröhlich mehr oder minder berufene Menschen ausführlich darlegen (zum Glück ist Twitter durch die Begrenzung auf 140 Zeichen da nicht ganz so intensiv, aber gruselig genug), was er alles falsch gemacht haben soll. Menschen, die bei dem Einsatz nicht einmal dabei waren und in nicht wenigen Fällen ganz eindeutig keine blasse Ahnung von Polizeiarbeit haben. Aber Hauptsache, mal einem Opfer von Gewalt öffentlich deutlich machen, dass es selbst einfach zu doof war.

Am besten packt dann noch mindestens ein Schlauberger (allerdings ist auch hier eine steigende Tendenz erkennbar) eine Forderung nach einem Schusswaffengebrauch hinzu, mit einem Hinweis darauf, dass es anders ja wohl nicht mehr ginge.

Früher hatten wir häufig das Problem, dass nach Schusswaffengebräuchen den Polizisten erklärt wurde, was sie stattdessen  hätten tun sollen (von Leuten, die keinen Fatz mehr Ahnung hatten als jene, die heute bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach einem Schusswaffengebrauch schreien), um das zu vermeiden. Heute ist es umgekehrt.

Geht es eigentlich noch? Wo leben solche Menschen eigentlich? Im Fernsehen, in irgendwelchen Actionserien, wo irgendwelche Typen (deren Sozialkompetenz mir vielfach äußerst fragwürdig erscheint) reihenweise Leute umnieten ohne einen Hauch von Gewissensbissen zu verspüren?

Leute, werdet mal erwachsen. Die Realität ist eine andere. Ein Schusswaffengebrauch gegen einen Menschen ist kein Spaziergang. Manche der Betroffenen gehen danach durch ein wahres Martyrium.

Wer sowas leichtfertig fordert, verübt Gewalt gegen Polizisten – in einer sehr heftigen Weise.

Aber das ist diesen Leuten wohl egal. Man selbst muss es ja nicht machen. Hauptsache, mal wieder irgendwas in eine Kommentarspalte gekotzt…

Abgesehen davon, dass die betroffenen Beamten kompetent genug sind, sowas selbst zu entscheiden. Wenn sie sich gegen die Ultima Ratio, das letzte Mittel, entschieden haben, dann haben sie sich dagegen entschieden. Und das ist dann, verdammt noch mal, zu respektieren.

Ich kann jedenfalls nur noch müde lächeln, wenn da jemand „Respekt“ einfordert, der selbst auf diese Weise Respektlosigkeit demonstriert – gegenüber den Polizisten, die er auf derartige Weise belehrt, denen er eine derartige Entscheidung aufzwingen will und letztlich auch gegenüber dem Gewaltmonopol, um das er sich vorgeblich solche Sorgen macht.

Für diese Menschen noch ein Rat, bevor sie blockiert werden: Fangt mal bei Euch selbst an mit dem Respekt!

Das gilt übrigens auch für sämtliche Pöbeleien an UNSERE Adresse im Zusammenhang mit diesem Post. Es hat auch etwas mit Respekt zu tun, sich zu informieren, was eine Institution eigentlich will, der man das Leben erklärt – und für uns steht das Gewaltmonopol genau so wenig zur Disposition wie die Tatsache, dass die Polizistinnen und Polizisten, für die wir das tun, bei uns an erster Stelle stehen.

 

Allgemein

Eine Nichtpolizistin: Und plötzlich wird es persönlich…

Symbolfoto

 

Dies schickte uns eine Leserin:

 

G20-Gipfel für mich als eher linke Person ein Gipfel, den ich negativ sehe.

 

Gerne wäre ich gegen diesen Gipfel auf die Straße, aber da Gewalt für mich einfach nicht hinnehmbar ist, kam es nicht zu dazu. Und es hat sich bestätigt.

 

Und dann bekommst du mit, dass ein Polizist, dem du sehr viel verdankst, oben ist in Hamburg…

Jener, der der dir damals die Hand gegeben hat und gesagt hat: „Ich mach mir ein eigenes Bild!“ (Ich bin kein Unschuldslamm).
Jener, der dir wegen der Gewalt zuhause geholfen hat und dich zum reden gebracht hat.
Der Mensch, der genau weiß, wann er dich wie ansprechen muss.
Die Person, die es immer schafft, ein offenes Ohr zu finden und dir immer mit Rat zu Seite steht.
Der Mensch, der  auch weiß, wie man mir, wenn nötig, Grenzen aufzeigt, aber auch mal den Kollegen die Meinung sagt, wenn es nötig ist.

 

Bis vor kurzem waren es die Rückennummern, die du gekannt hast, und plötzlich sind es mehrere Polizisten, die du kennst, und der Polizist, dem du sehr viel in deinem Leben verdankst.

 

Und ja, ich mach mir Sorgen und zwar viele. Und ja, Angst um solche netten Menschen ist auch dabei.

 

Es ist für mich nicht klar, wie man Meschen so hassen kann.

 

Passt einfach auf euch auf

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Ihr geht mir auf den Sack – Gedanken zu Kommentaren zu G20

Symbolfoto: Der Verfasser arbeitet nicht bei der abgebildeten Einheit

 

Ich selbst bin Polizeibeamter und war 2013 in Hamburg im Schanzenviertel und auch bei Blockupy eingesetzt, diese Art von Einsätzen ist mir also bekannt, wenn auch nicht in diesem derben Ausmaß. Ich finde es toll, Kommentare zu lesen die „Pro-Polizei“ sind und bin mit den Gedanken bei den Kollegen und Kolleginnen in Hamburg, ich hoffe sie kommen alle gesund nach Hause.

Natürlich gibt es auch Kommentare die sich gegen die Polizei richten, das ist normal und gehört zu einem offenen Diskurs dazu.

Was allerdings überhaupt nicht geht und meinen Kollegen und Kolleginnen, sowie mir massiv gegen den Strich geht, ist die ständige Forderung nach dem Schusswaffengebrauch. Ich denke keiner der Kommentatoren macht sich überhaupt einmal Gedanken darüber welche Folgen das für den jeweiligen Polizisten hat. Von der Gefährdung Unbeteiligter einmal ganz zu schweigen. Wenn diese Menschen wirklich (!!) hinter den Beamten stehen wollen, dann sollen sie diese Forderung bitte unterlassen.

Das nächste Große Thema das mir ebenfalls massiv auf den Sack geht (entschuldigt die Ausdrucksweise) ist die ständige Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr. Was zum Teufel soll die Bundeswehr denn hier ausrichten?? Das ist eine Militäreinheit die für diese Art von Einsatz weder ausgebildet noch ausgerüstet ist. Kein Polizeibeamter möchte, dass die Bundeswehr diese Lage löst. Wie könnte sie auch? Zumal die Voraussetzungen zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren (zurecht) sehr streng angelegt sind.

Mit dieser Forderung wird meinen Kollegen und Kolleginnen der Eindruck vermittelt, sie wären nicht in der Lage ihre Arbeit so auszuführen wie es von ihnen erwartet wird. Durch die Blume werden wir als zu weich, zu labil und einfach zu lasch hingestellt und das lasse ich nicht gelten.

Die Kollegen vor Ort leisten tolle Arbeit und dies soll anerkannt werden, ohne Rufe nach Schusswaffen oder dem Militär.

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Die Nachtschicht, die tierisch schön anfing und dann… – Nachtschicht in Frankenthal

Es begann damit, dass ich schon wieder zu spät kam. Dieses Mal hatte die Bahn das allerdings ganz allein geschafft, ohne Personen im Gleis.

Die Polizei Frankenthal hatte zu Beginn der Nacht eine Streife zur Verstärkung nach Speyer entsandt. Entsprechend viel war für die übrigen Beamten zu tun und entsprechend kam ich im Laufe der Nacht fast nicht zum twittern.

Thomas holte mich am Bahnhof ab, der passenderweise am Weg zu einem Einsatzort lag, an dem schon Edu und Lukas warteten. Kurze Begrüßung, dann widmeten wir uns alle dem anstehenden Einsatz: ein hilfloses Lebewesen!

Die drei Polizisten umstellten es. Da es kein allzu großes Lebewesen war, half ich beim Umstellen. Zugreifen wollte ich allerdings nicht, denn es war scharf bewaffnet und ich besitze nach wie vor keine schnittfesten Handschuhe.

Schließlich, in einem günstigen Moment, packte Lukas zu.

Zum Dank wurde er erstmal ordentlich in den Finger gebissen. Zum Glück und dank seiner Handschuhe tat es aber nur weh, keine weiteren Verletzungen. Lukas gewann… unter heftigem Widerstand und unter Verlust seines Handschuhs, den das Wesen keinesfalls mehr hergeben wollte.

Gewalt gegen Polizisten vor meinen Augen… und ich konnte dem Täter nicht einmal böse sein. So ein niedliches Kerlchen…

Hintergrund ist, dass der Polizei ein flugunfähiger Papagei gemeldet worden war. Da sich die Tierrettung gerade in der Südpfalz befand und die Polizei zufällig gerade Zeit hatte, hat sie den Fall übernommen. Tatsächlich konnte der kleine Kerl nicht fliegen.

Transportiert wurde er in einem leeren Kopierpapierkarton. Sag noch einer, unsere Polizisten seien nicht praktisch veranlagt.

Den Handschuh hat er übrigens tatsächlich wieder rausgerückt. Allerdings erst nach einer Fahrt im Karton auf meinem Schoß.

Schließlich kam der kommunale Vollzugsdienst in die Dienststelle, um den Gast abzuholen und in ein Tierheim zu bringen.

Es handelt sich bei diesem hübschen Tierchen um einen Halsbandsittich, die teilweise tatsächlich in Deutschland mittlerweile heimisch geworden sind. Es ist also sowohl möglich, dass er jemandem entflohen ist, oder dass er tatsächlich in freier Wildbahn lebt. Wie auch immer, flugunfähig in einer Hecke kann er in keinem Fall lange überleben.

 

In der Dienststelle wurde mir dann erstmal eine Schussweste organisiert – die auch vor meiner Abfahrt nach Hause irgendjemand wieder weggeräumt hatte – noch mit dem Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.-Patch drauf und dem Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.-Kuli drin. Ich hoffe, dem Eigentümer hat’s gefallen. 😉 Danke dafür!

Thomas hatte in seiner Freizeit beim Surfen im Internet einen Post gefunden, in dem ein Frankenthaler Facebook-Nutzer den Diebstahl seines Fahrrads beklagte – garniert mit einem Foto dieses Fahrrads. Bei Thomas hatte es sofort Klick gemacht – im Keller der Polizeiinspektion befand sich ein Fundfahrrad, das dem Gesuchten glich. Also bat er seine Kollegin Julia doch mal bitte schnell die Rahmennummer des Fundfahrrades mit der im Internet abgebildeten Nummer zu vergleichen.

Strike!

„Bitte melden Sie sich bei der Polizei. Ihr Fahrrad kann gegen einen Eigentumsnachweis ausgehändigt werden.“

Dieser Brief würde noch im Laufe der Nacht zugestellt werden.

 

Vorher kam aber noch ein Notruf rein – ein Vogel würde auf einer Garage sitzen und laut schreien. Hm…

Also sprangen Edu, Lukas und ich in ein Auto und los ging es. Am angegeben Ort eingetroffen, hörten wir tatsächlich lautes Schreien. Allerdings war der besagte Vogel umgezogen – auf eine Kirche.

„Da klettere ich jetzt aber nicht hoch“, fasste einer meiner beiden jungen Herren exakt zusammen, was ich dazu dachte.

Sehr vernünftig, der junge Mann!

„Ja, ich denke, wir können dann abrücken“, sagte Lukas.

„Ja, aber…“, warf ich ein…

Da war doch was?

„Aber?“

„Von da kommen auch solche Rufe. Oder?“

Ich zeigte in den kleinen Park gegenüber.

Oder war das ein Echo?

Wir querten die Straße. Meine beiden Herren, im Unterschied zu mir vollständig ausgestattet, also auch mit Taschenlampen, suchten ein Gebüsch ab. Ich lief einen Parkweg entlang, weitestgehend unbeleuchtet, und schwankte zwischen Erleichterung, die Polizei in meiner unmittelbaren Nähe zu wissen, und dem Unwohlsein, selbige gerade möglicherweise für nichts zu beschäftigen. Allerdings hatte ich mich auf mein feines Gehör immer verlassen können.

Unschlüssig blieb ich stehen. Neben einem Baumstumpf. Zumindest sah es im Dunkeln so aus.

Ich drehte mich um. Hatte mich wohl doch verhört.

Plötzlich…

Hilfe!

Der Baumstumpf zuckte.

Halluzinationen?

Ich nehm doch gar keine Drogen…

Der Baumstumpf zuckte noch einmal.

„Hier“, rief ich. Einen Tacken zu laut. Ein bisschen erschrocken war ich durchaus.

Meine beiden Herren eilten herbei. Im Kegel ihrer Taschenlampen entpuppte sich der Baumstumpf als kleine Eule, die uns verschreckt anstarrte.

Aaaaawwwww….

Während ich meine Muttergefühle bändigte, holte einer der beiden Herren den nächsten Kopierpapierkarton aus dem Streifenwagen.

Da Lukas bereits Übung erworben hatte, fiel ihm die Ehre zu, die kleine Eule in den Karton zu komplimentieren. Auch sie gewann eine Fahrt auf meinem Schoss zur Dienststelle, wo das Ordnungsamt für eine fliegende Übergabe auf uns wartete. Dieses Mal ohne einen Handschuh als Beute.

Übrigens war es eine junge Waldohreule.

Ich nehme an, die Eule auf der Kirche war die Mutter gewesen. Für einen Augenblick überkamen mich Zweifel, ob es richtig gewesen war, die Kleine mitzunehmen. Andererseits – wie soll die Mutter ihr Baby großziehen, wenn es auf einer Rasenfläche in einem vielbesuchten Park sitzt? Das kann nicht gut gehen. Nicht in einer Gesellschaft, in der das Mitgefühl mit anderen Lebewesen derart rapide absinkt wie in unserer…

Ich dachte schon, es würde eine Nacht der Tiere werden. Als nächstes wurden Edu, Lukas und ich aber zu einem Fahrzeug geschickt, das Anwohnern verdächtig vorkam.

Ich glaube, wir alle dachten zuerst daran, dass da eine Wohngegend zwecks eines späteren Einbruchs ausbaldowert werden sollte. Also nichts wie hin.

Tatsächlich stand da ein Auto, darin ein wartender Mann. Ich kann den Finger nicht drauflegen, aber irgend etwas daran war komisch. Das witterten auch die beiden jungen Männer, mit denen ich unterwegs war.

Der Mann wies sich aus. Gegen ihn lag nichts vor. Nach einigem Herumgedruckse ließ er uns dann wissen:

„Wissen Sie, ich warte hier sozusagen privat. Meine Frau sollte davon nichts wissen.“

Oha.

Sofort unterzog ich unseren Streifenwagen einer genauen Musterung, in dem verzweifelten Versuch, meine Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten. Jetzt bloß nicht Lachen. Es klappte!

Später, bei der Rückfahrt in die Dienststelle, stellte sich heraus, dass wir alle drei sehr unterschiedliche Vorstellungen hatten, auf wen nun genau der Mann gewartet hatte. Es wurden eine Prostituierte, eine Frau aus der Nachbarschaft, die ihrem Partner fremdgeht, sowie ein Mann aus der Nachbarschaft ins Spiel gebracht. Mutmaßlich lag die Wahrheit noch einmal woanders – womit der Wunsch des Mannes nach Diskretion in jeder Hinsicht erfüllt sein dürfte. Nicht mal die Polizei weiß, was er nun genau da gemacht hatte. Klar war nur, dass es ihm äußerst unangenehm war, darauf angesprochen zu werden.

 

In der Dienststelle war mittlerweile die Streife, die in Speyer ausgeholfen hatte, wieder eingetroffen, Tim und Marvin.

Lukas begrüßte Tim mit einem fröhlichen:

„Also wir haben schon zwei Vögel eingefangen, und ihr?“

„Wir haben einen Einbrecher gefangen.“

 

„Römerberg-Heiligenstein- 13.05.2017, 19:55 Uhr: Durch einen aufmerksamen Zeugen wurde der Speyerer Polizei mitgeteilt, dass gerade mehrere Personen versuchen, in ein Einfamilienhaus in der Straße Im Gässel einzubrechen. Die Örtlichkeit wurde umgehend mit starken Polizeikräften aufgesucht. Bei Eintreffen der Polizei flüchtete ein Täter zunächst über mehrere Gärten. Im Rahmen der Fahndung wurden dieser sowie ein weiterer Tatverdächtiger im Nahbereich mit völlig durchnässter Kleidung im strömenden Regen festgenommen. An der Terrassentür des Einfamilienhauses wurden im Rahmen der Spurensicherung mehrere Hebelmarken festgestellt. Bei den Festgenommenen handelt es sich um zwei Männer im Alter von 20 und 22 Jahren mit festem Wohnsitz in Germersheim.“ (Pressemitteilung der PI Frankenthal vom 14.05.2017)

Super gemacht, übrigens! Danke!

 

Für den nächsten Einsatz fuhr ich bei Tim und Marvin mit. Ein abgängiger Jugendlicher war deutlich zu spät in seiner Unterbringung eingetroffen. Ein Heim, das auf schwer erziehbare Jugendliche spezialisiert ist.

Hier war nun ein erzieherisches Gespräch mit der Polizei gefragt.

Tim: „Und? Wo warst du?“

Jugendlicher: „Bei einem Freund.“

„Was hast du da gemacht?“

„Darf ich nicht sagen.“

„Und auf den hörst du?“

Offensichtlich tat er das, denn das Gespräch erwies sich als wenig zielführend. Immerhin scheint es wenigstens insofern gewirkt zu haben, dass die Polizei im Laufe dieser Nacht nicht noch einmal wiederkommen musste – was Tim ihm unmissverständlich in Aussicht stellte, sollte er nicht ab sofort den Anweisungen seiner Erzieherinnen Folge leisten.

 

Noch während ich dabei war, mir in meinem Notizbuch diesen Einsatz in Stichworten festzuhalten, brachte Tim plötzlich den Wagen zum Stehen.

Hm?

„Kleinniedesheim – In der Nacht von Samstag auf Sonntag, um 00:20 Uhr wurde ein 29-jähriger Pkw-Fahrer aus dem Landkreis Alzey in Kleinniedesheim einer Verkehrskontrolle unterzogen. Bei dem 29-Jährigen konnte Alkoholgeruch in der Atemluft festgestellt werden. Ein vor Ort freiwilliger durchgeführter Atemalkoholtest ergab eine Atemalkoholkonzentration von 0,53 Promille. Mit dem Pkw-Fahrer wurde auf der Polizeidienststelle ein gerichtsverwertbarer Atemalkoholtest durchgeführt. Dieser ergab eine Atemalkoholkonzentration von 0,27 mg/L. Da bei dem 29-Jährigen mehr als 0,25 mg/L Alkohol in der Atemluft festgestellt werden konnte, wurde gegen den unter Alkoholeinfluss stehenden Fahrzeugführer ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheitsfahrt gem. §24a StVG eingeleitet. Gegen ihn kann Geldbuße bis zu EUR 3000,- verhängt werden.
Der Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln stellt eine Hauptunfallursache dar. Wer berauscht fährt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere.Wir wollen, dass Sie sicher leben – Ihre Polizei Frankenthal.“ (Pressemitteilung der PI Frankenthal vom 14.05.2017

Später in der Dienststelle fragte ich nach:

„Wie hat der sich eigentlich für die Kontrolle qualifiziert? Das habe ich gar nicht mitgekriegt.“

„Zu schnell gefahren. Quasi auf zwei Reifen um die Kurve.“

Oha…

Allerdings war der Herr einsichtig, was in meinen Augen für ihn spricht.

 

Nächster Einsatz: Tim, Marvin und ich machten uns auf den Weg, um den zu Beginn der Nachtschicht verfassten Brief an den Mann, der sein Fahrrad vermisste, zuzustellen. Natürlich, weit nach Mitternacht, war der Plan nicht, dort zu klingeln, sondern ihn einzuwerfen.

Die Anfahrt wurde bereits wenige hundert Meter von der Dienststelle entfernt unterbrochen:

„Frankenthal – In der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 01:35 Uhr wurde die Polizei zunächst zu einer Ruhestörung an der Andreas-Albert-Schule in Frankenthal gerufen. Auf der Anfahrt konnten die Verursacher der Ruhestörung grölend in der Johann-Klein-Straße festgestellt und kontrolliert werden. Es handelte sich um fünf Heranwachsende aus Frankenthal und Heßheim. Durch eine weitere Polizeistreife konnte in der Nähe ein beschädigtes Fahrrad aufgefunden werden. Die Heranwachsenden gaben zwar zu das Fahrrad über die Straße geschoben und dort hingeworfen zu haben, jedoch hätten sie es nicht beschädigt. Gegen die Heranwachsenden wird nun wegen Sachbeschädigung ermittelt. Der Eigentümer des beschädigten Fahrrades konnte nicht ermittelt werden. Das Fahrrad wurde zunächst sichergestellt. (Pressemitteilung der PI Frankenthal vom 27.05.2017)

Während sich Lukas und Edu um die drei Herren kümmerten, suchten wir das zerstörte Fahrrad – und wurden fündig.

Nach erfolgter Personenkontrolle der drei Verdächtigen gesellten sich Edu und Lukas zu uns, um die gewonnenen Informationen auszutauschen.

Während dieses Gespräches machte ich wieder einige kleine Beobachtungen. Beispielsweise ein KFZ, dessen Fahrer sichtlich in die Straße einbiegen wollte, in der wir gerade standen. Sogar der Blinker war gesetzt. Blinker einziehen! Vollbremsung! Abdrehen!

Da hat wohl jemand eine ganz andere Einstellung zu Blaulichtaufläufen als ich…

Ebenso passierte uns eine auffällige Person. Ein Mann, der trotz der mäßigen Temperaturen Flipflops trug – und ein Fahrrad schob. Nun halte ich persönlich Flipflops nicht für optimale Radfahrkleidung… aber erstens sind sie nicht verboten und zweitens fuhr er ja nicht.

Schließlich kam auch Thomas – mit einem Transporter. Anders ließ sich das Fahrrad mit der beeindruckenden Acht im Hinterrad nicht mehr zur Dienststelle befördern.

 

Während Thomas noch mit Lukas und Edu Informationen austauschte, machten Tim, Marvin und ich uns auf den Weg, endlich den Brief zuzustellen. Dieses Mal kamen wir exakt 200 Meter weiter, denn:

„Frankenthal – Am Sonntagmorgen gegen 02:00 Uhr konnte in der Albertstraße ein Fahrradfahrer kontrolliert werden, der erheblich unter Alkoholeinfluss sein Fahrzeug führte. Der 40-jährige Fahrradfahrer aus Frankenthal fuhr zuvor in Schlangenlinien, weshalb er einer Kontrolle unterzogen wurde. Ein freiwilliger Atemalkoholtest bestätigte den Verdacht. Der Fahrradfahrer hatte eine Atemalkoholkonzentration von 2,4 Promille.
Gegen den 40-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr gemäß § 316 StGB eingeleitet und eine Blutprobe entnommen. In den letzten Tagen und Wochen fallen immer wieder Fahrradfahrer mit hohen Alkoholwerten auf, welche sich der Folgen nicht bewusst sind. Nach derzeitig geltender Rechtsprechung gilt ein Fahrradfahrer ab einem Alkoholwert von 1,6 Promille als absolut fahruntüchtig und macht sich nach § 316 StGB strafbar. Bereits mit einem Alkoholwert zwischen 0,3 Promille und 1,59 Promille ist eine Strafbarkeit nach § 316 StGB möglich, wenn eine „relative Fahruntüchtigkeit“ vorliegt. Ein Fahrzeugführer ist, im Gegensatz zu der „absoluten Fahruntüchtigkeit“ ab 1,6 Promille, „relativ Fahruntüchtig“ wenn zu der Alkoholisierung eine sogenannte Ausfallerscheinung, wie z.B. das Fahren in Schlangenlinien oder die Verursachung eines Verkehrsunfalls hinzukommt.
Eine Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Fahrerlaubnisbehörde ist auch dann möglich, wenn ein Führerscheininhaber alkoholisiert mit einem nicht führerschein-pflichtigen Fahrzeug, z.B. einem Fahrrad, am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt und sich hieraus Hinweise auf eine Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen ergeben.“ (Pressemitteilung der PI Frankenthal vom 14.05.2017

Muss ich gesondert erwähnen, dass es der Herr von eben mit den Flipflops war? Und dass er seine Schlangenlinien unter Ausnutzung der gesamten Fahrbahnbreite vor dem Streifenwagen zog? Übrigens gerade mal 100 Meter von seiner Haustür entfernt, wie wir später feststellten, als wir mit ihm seine Papiere holten, die er nicht dabeihatte.

Keine sonderlich schlaue Idee, wissend, dass die Polizei mit zwei bis drei Fahrzeugen in der gleichen Straße steht…

Thomas war mit seinem Transporter noch gar nicht zurück zur Dienststelle gekommen und gesellte sich zu uns.

Tim und Thomas versuchten, den Mann zu überzeugen, sein Fahrrad an einem Zaun anzuschließen, damit es nicht gestohlen werden könnte. Allerdings war er deutlich zu betrunken, um dem Ansinnen der beiden folgen zu können. Als er es dann endlich verstand, stellte sich heraus, dass er gar keinen Schlüssel für das Schloss hatte. Übrigens ein Schloss, das nicht wirklich weiterhelfen würde… aber lassen wir das.

Letztlich entschied Thomas, das Fahrrad ebenfalls in den Transporter zu laden, damit es bei der Polizei sicher untergebracht werden kann. Meine Versuche, ihm dabei zu helfen, waren nicht wirklich effizient – aber lustig.

Letztlich packten Tim und Marvin den Mann in unseren Streifenwagen, mich auf den Vordersitz und mit einem Umweg über seinen Wohnsitz wegen der Papiere ging es zurück in die Dienststelle. Es sei dabei nur am Rande bemerkt, dass ich allein vom Einatmen der Luft im Wagen vor dem Herrn schon gefährlich nahe an einen eigenen Alkoholrausch herankam.

 

Kaum in der Dienststelle angelangt, schlug schon der nächste Einsatz ein. Da Tim bereits angefangen hatte, sich um unseren Betrunkenen zu kümmern, fuhr Thomas mit Marvin (und mir auf dem Rücksitz) raus. Lukas und Edu kamen ebenfalls zum Einsatzort.

Es ging um einen Randalierer vor einer Bar, der vor dieser bereits zu Boden gebracht worden sein sollte.

Oha!

Tatsächlich befand sich bei unserem Eintreffen ein ziemlich kräftig aussehender Mann auf dem Boden. Seine Aggressionen waren mit Händen zu greifen. Der Fairness halber darf hier allerdings nicht verschwiegen werden, dass ihm ein anderer Mann verbal heftigst an die Wäsche ging und ihn auf das Übelste provozierte. Mir wird sich wohl nie erschließen, warum man noch Hohn und Spott über jemandem ausgießen muss, den man bereits körperlich besiegt hat.

Meine vier Herren brachten erst einmal Ruhe in die Lage, Marvin hielt den aggressiven Herrn erst einmal weiter unten. Auch wurden ihm Handschellen angelegt, damit die Lage nicht weiter eskalierte. Zeitgleich wurde seinem Gegner deutlich gemacht, dass er sich jetzt auch zurückzuhalten habe.

Ich stand mit dem Rücken zum Streifenwagen, beobachtete, und versuchte ansonsten nicht im Weg zu sein.

Nachdem Ruhe eingekehrt war und es möglich war, herauszufinden, wer nun wer war und was genau passiert war, stellte sich die Sachlage folgendermaßen dar:

Die Frau des Mannes, der gerade am Boden gehalten wurde, hatte sich mit ihren Freundinnen einen schönen Abend in der Bar machen wollen. Wie es heutzutage so üblich ist, wurde innerhalb dieser Bar über Soziale Netzwerke kommuniziert (warum auch sich persönlich ansprechen, das wäre doch zu einfach?) und die Frau wurde vom Sohn des Inhabers gefragt, wie es ihr denn in der Bar gefiele. Ich habe gesehen, was da geschrieben wurde, aus meiner Sicht vollkommen harmlos.

Dem aggressiven Herrn hingegen erschien dies jedoch als eine äußerst unbotmäßige Annäherung an seine Dame – und er wurde sehr laut. Mindestens!

Daraufhin warfen ihn der Sohn des Inhabers und einige andere junge Herren raus, brachten ihn zu Boden und bombardierten ihn dort mit entsprechenden Äußerungen. In diese Situation kam dann die Polizei.

 

Nachdem sich zuerst der Sohn des Inhabers der Polizei gegenüber derart grenzwertig benahm, dass er nach erfolgter Zeugenaussage und Angabe der Personalien einen Platzverweis durch Thomas in das Innere der Bar gewann, wandten sich meine Herren nun dem knieenden Randalierer zu. Der sich seinerseits derart aggressiv gebärdete, dass erstmal nicht daran zu denken war, ihn aufstehen zu lassen, oder ihm gar die Handschellen abzunehmen. Genau dies wollte er aber und in völliger Verkennung seiner Verhandlungsposition teilte er auf die Frage nach seinem Namen mit:

„Das sage ich euch erst, wenn Ihr mich losmacht.“

Da er dabei blieb, sich aber seine Brieftasche sehr deutlich in seiner Jackentasche abmalte, nahm Lukas diese an sich. Dies tat er, indem er in die Jackentasche griff, die Brieftasche entnahm, aufklappte, den Ausweis entnahm und diesen Thomas reichte. Der notierte die Personalien, gab Lukas den Ausweis zurück. Lukas steckte diesen wieder in die Brieftasche, die er bis dahin lediglich in seiner Hand gehalten hatte, klappte sie zu und beugte sich zu unserem netten Herrn. Er verstaute die Brieftasche sorgfältig in der Jackentasche und zog nicht minder sorgfältig den Reißverschluss mit seinen dann komplett leeren Händen wieder zu.

Offenbar erkannte der Mann, dass weitere Versuche, der Polizei seinen Willen aufzuzwingen, misslingen würden, und gab schließlich seine Version der Geschehnisse zum Besten. Die sich weitgehend mit der Version des Betreibersohnes deckten.

Da sein Alkoholisierungsgrad für die Staatsanwaltschaft interessant sein dürfte, durfte er auch einen Alkotest machen. Er pustete 1,2 Promille.

Letztlich erteilte Thomas ihm ebenfalls einen Platzverweis. Er trollte sich auch, seine Frau und seinen Stiefsohn im Schlepptau.

 

Kaum in der Dienststelle angelangt, wurden wir schon wieder hinausgerufen. Der Notruf war insgesamt ziemlich unverständlich abgegeben worden. Wir wussten nur – Geld war verschwunden und es hatte etwas mit dem Einsatz vor der Bar zu tun.

Erster Gedanke: Den Betreibern der Bar ist nun aufgefallen, dass auch Geld abhandengekommen ist.

Auch die Ortsangabe war undeutlich gewesen. Thomas konnte sie allerdings aufgrund seiner langen Erfahrung korrekt einordnen, nachdem wir zuerst vor der Bar kreuzten, wo eindeutig niemand auf uns wartete. In der Tat, die Anrufer winkten uns dann am von Thomas vermuteten Ort.

Zu meiner Überraschung handelte es sich um den Randalierer von eben.

Wir steigen aus.

„Als ich in die Shisha-Bar rein bin, hatte ich insgesamt 2.000 Euro im Portemonnaie. Jetzt sind es nur noch 300.“

Mit einer vorwurfsvollen Geste hielt er uns sein offenes Portemonnaie unter die Nase.

„Wollen Sie eine Anzeige erstatten?“

Thomas versuchte, das Ganze logisch zu gestalten. Warum sollte man auch sonst die Polizei mit dem Thema beschäftigen?

„Nein, ich habe das Portemonnaie in der Shisha-Bar gar nicht rausgeholt.“

Häääää?

„Was wollen Sie uns damit sagen?“

Gute Frage, Thomas. Und deutlich sinnvoller als mein „Häääää?“. Mein eigenes Hirn verweigerte sich allerdings strikt dem Verständnis dessen, was da an Andeutung in der Luft hing.

„Nur die Polizei hat das Portemonnaie herausgeholt“, sagte er.

Das meint der jetzt nicht ernst?

„Ja, um ihre Papiere herauszuholen.“

„Vorher waren aber 2.000 Euro drin und jetzt nur noch 300. Wo sind die 1.700 Euro?“

„Das weiß ich nicht“, sagte Thomas, den ich gerade für seine Ruhe und Sachlichkeit uneingeschränkt bewunderte. Ich kochte innerlich über. „Der Kollege hat lediglich Ihren Ausweis herausgeholt, mehr nicht.“

„Wo sind die 1.700 Euro?“

„Vielleicht haben Sie sie ausgegeben? Oder verlegt? Sie sind ja nicht mehr ganz nüchtern“, schlug Thomas vor, immer noch sehr ruhig.

Nicht mehr ganz nüchtern war ziemlich geschmeichelt. Um 1.700 Euro vertrunken zu haben, war er allerdings deutlich zu orientiert. Allerdings hätte das auch sonst einiges erklärt…

Unser Gegenüber beharrte darauf, seinen Punkt zu machen.

„Die Polizei hat mein Portemonnaie gehabt. Vorher waren 2.000 Euro drin. Jetzt nur noch 300 Euro. Was soll ich denken? Wo sind die 1.700 Euro?“

Nun war bei Thomas definitiv Schluss mit lustig.

„Vier Polizisten und sie“ – Thomas zeigte auf mich und ich nickte bekräftigend – „haben genau gesehen, dass der Kollege außer Ihrem Ausweis nichts aus dem Portemonnaie genommen hat. Ich schlage vor, Sie hören sofort mit Ihren Unterstellungen auf.“

„Wo sind die 1.700 Euro? Wollen Sie morgen alle feiern gehen, ja?“

Glaubt der das wirklich oder ist der einfach nur unfassbar dreist?

„Wir nehmen Ihre Aussagen diesbezüglich zu unseren Akten“, teilte Thomas ruhig mit.

Wow!

“ Die Polizei hat mein Portemonnaie gehabt. Vorher waren 2.000 Euro drin. Jetzt nur noch 300 Euro. Was soll ich denken? Wo sind die 1.700 Euro?“

Thomas wurde vehement.

„Wir nehmen Ihre Äußerungen auf. Wie gesagt, vier Polizeibeamte und eine Zeugin haben genau gesehen, was Ihrem Portemonnaie entnommen wurde. Und jetzt gehen Sie und wir fahren zurück in die Dienststelle.“

„Ach, na und? Dann suche ich mir eben 18 Zeugen und die sagen dann alle, dass ihr das Geld gestohlen habt.“

Vor meinem Blick waberten allmählich rote Rauchschwaden herum.

Was bist du eigentlich für ein Mensch?

Wir rückten ab. Die Türen des Streifenwagens fielen zu, Thomas startete den Motor.

„Ich glaub, mein Hamster bohnert“, stieß ich hervor – mit nicht zu knapp Schaum vorm Mund.

Immer, wenn ich denke, ich habe nun alles gesehen in meinen Nachtschichten, schaffen es immer noch Leute, mit neuen Varianten an unfassbaren Unverschämtheiten um die Ecke zu kommen.

„Ärgere dich nicht. Sowas passiert. Ist normal.“

Normal?

Unterstellungen und falsche Verdächtigungen sind aus meiner Sicht mit das Widerlichste, was man anderen Menschen antun kann. Und sowas ist normal?

Ich denke, ich habe noch sehr viel zu lernen darüber, was Polizisten in ihrem Dienst an uns so alles begegnet. Und wir Bürger, die wir hinter unserer Polizei stehen, sollten noch viel häufiger und viel lauter unseren Standpunkt verkünden – damit solche Menschen sich nicht auch noch von der Gesamtgesellschaft bestätigt fühlen.

Tröstlich, dass neben der Tatsache, dass seine unfassbaren Unterstellungen zu den Akten genommen wurden, auch eine Anzeige an ihn herausging.

Nicht minder erfreulich, dass zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels meine Begleiter von jeglichem Verdacht befreit wurden: Die Frau hat mittlerweile eingeräumt, dass sie das Geld zu Beginn des Abends an sich genommen hatte, um es in Sicherheit zu bringen.

 

Gegen diese Szene mutet es fast schon harmlos an, was meine Begleiter dann beim nächsten Einsatz zu hören bekamen. Wieder kam ein Anruf rein wegen einiger Randalierer, die auch schon einiges zerstört hatten.

Lukas und Edu fuhren zu diesem Einsatz, mit mir hinten drin. Wir wussten, dass die Randale in Bahnhofsnähe stattfand. Entsprechend kreuzten wir dort recht langsam mit dem Streifenwagen. Da ich hinten links nur in eine einzige Richtung sehr gute Aussicht habe, spähte ich auch in diese Richtung. Hinten links…

Wir passierten einen Parkplatz. Auf diesem ein ganzes Auto. In dessen Nähe stand ein einzelner junger Mann, offensichtlich in sein Smartphone vertieft. Auch meine beiden Begleiter nahmen ihn wahr. Empfanden ihn offenbar als harmlos. Ich auch. Wir suchten ja insgesamt fünf Jugendliche.

Moment mal…

Schlagartig war ich hellwach.

„Da versteckt sich einer hinter dem Auto da.“

„Wo?“

„Das Auto da auf dem Parkplatz.“

Ich zeigte in die angegebene Richtung.

Lukas wendete den Streifenwagen schlagartig und fuhr auf den Parkplatz auf. Tatsächlich spritzen zwei junge Männer hinter dem Auto hervor.

Fürs nächste Mal übrigens ein kleiner Tipp: Wenn da nur ein einziges Auto steht, ist es erstens ziemlich sinnvoll, sich immer auf der dem Streifenwagen abgewandten Seite dieses Autos aufzuhalten. Und zweitens ist es sinnvoll, seinen Rucksack abzunehmen, der über die Motorhaube ragt.

Ich halte ja wenig davon, der Jugend von heute nachzusagen, sie sei schlimmer oder dümmer als wir damals. Allerdings tippe ich darauf, dass das in meinem Freundeskreis zumindest jenen nicht passiert wäre, die eifrig Karl May gelesen haben. Effizient verstecken lernt man da nämlich. 😉

Lukas und Edu erkannten sozusagen alte Bekannte – nämlich drei von den Jugendlichen, mit denen sie schon im Zusammenhang mit dem weiter oben erwähnten zerstörten Fahrrad zu tun hatten.

Natürlich waren sie alle drei unbegeistert davon, einer erneuten Kontrolle unterzogen zu werden. Das ist aus meiner Sicht sogar nachvollziehbar, egal, ob sie nun die waren, die wir suchten, oder nicht. Waren sie die aktuell gesuchten Randalierer, dann drohte ihnen noch mehr juristisches Ungemach als sowieso schon. Waren sie dieses Mal tatsächlich unschuldig, dann ist verständlich, dass sie von einer erneuten Personenkontrolle nicht erbaut waren.

Dennoch gestaltete sich diese Kontrolle in einem insgesamt durchaus angemessenen Tonfall. Tatsächlich hatten sie bis gerade eben noch zwei Kumpels dabeigehabt, die allerdings gerade für die Beschaffung von Fast-Food unterwegs waren. Die beiden, die hinter dem Wagen gekauert hatten, gaben als Begründung dafür an, dass sie keine Lust auf eine weitere Kontrolle gehabt hätten.

Nun ja, für mein Empfinden waren sie selbst an dem Punkt, an dem ihnen klar war, dass die Idee nur bedingt gut gewesen war.

Plötzlich – Auftritt eines vierten jungen Mannes, der schon mal aus dem Fast-Food-Restaurant zurückkehrte. Schlagartig schlug die Atmosphäre deutlich um.

Auf die Frage eines meiner beiden Begleiter, was er hier mache, antwortet er mit:

„Das geht dich gar nichts an, Alter.“

Ah ja. Duzen und ‚Alter‘. Lukas machte ihn darauf aufmerksam, dass diese Form der Ansprache nicht angemessen ist.

Daraufhin ließ Mr. Wichtig den ganzen blühenden Unsinn vom Stapel, der mir mittlerweile nach gerade mal zehn bis zwölf Praktika einerseits schon aus den Ohren rauskommt, mich andererseits aber immer wieder auf eine gewisse Art fasziniert. Ich weiß zunehmend die endlose Geduld unsere Polizeibeamten zu schätzen, die sich diese Dinge pausenlos anhören. Ich lasse die Details mal weg, sage nur so viel, dass das gesammelte Repertoire des Polizeikritikers darin seinen Platz hatte: „überzogen“, „ich kenne meine Rechte“, „übertrieben“, „hast mir gar nichts zu sagen“… ich konnte innerlich gar nicht so oft ‚Bingo!‘ schreien, wie er die Kästchen meines inneren Polizeikritiker-Bullshit-Bingos in atemberaubender Geschwindigkeit füllte.

Höhepunkt seines Wortschwalls war der Satz:

„Der Abend gehört jetzt uns, also ab mit euch.“

Ähm, wie bitte?

 

Im Nachgang musste ich mir erstmal mit diesem Tweet Luft machen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Freundin von dem reflexartigen Geschrei nach hören Strafen bin, weil ich diese nicht für ein Allheilmittel halte. Aber irgendeine Reaktion auf ein derartiges Benehmen fände ich durchaus angemessen.

Es gibt sicherlich Menschen, die man über Einsicht erreicht. Es gibt aber auch Menschen, bei denen solche Versuche fehlschlagen und denen man einfach Grenzen setzen muss, bevor sie völlig aus dem Ruder laufen. Aus meiner Sicht wäre eine Geldbuße für derartiges Verhalten anzudenken. Noch sinnvoller fände ich, wenn man als Gegenleistung dafür, dass man Polizisten in solch unsäglichem Tonfall vollgetextet hat, mal die Streifenwagen polieren dürfte. Das finde ich persönlich nicht demütigend. Im Gegenteil erachte ich das als ebenso sinnvoll wie Sozialstunden.

Solch ein Verhalten unbeantwortet zu lassen, schadet meines Erachtens auch dem jungen Menschen, der es an den Tag legt. Möglicherweise finden ihn seine Kumpels total toll und megacool. Potentielle Vorgesetzte und Kollegen werden das wohl anders sehen. Eine bürgerliche Existenz in einem gut bezahlten Beruf kann er jedenfalls mit derartigen Sozialkompetenzen nachhaltig vergessen.

 

Dies war dann auch schon der letzte Einsatz der Nacht. Danke für die tolle Nachtschicht und die spannenden Einblicke. Ihr seid ein tolles Team und leistet tolle Arbeit. Danke für die supernette Aufnahme!

Und danke für die schöne Nachlese morgens im Sozialraum!

Allgemein Polizistenstimmen

Polizisten eine Stimme geben: Offener Brief eines Polizisten: Was macht Ihr mit den Berliner Polizisten?

Liebe Medienwelt!

Ich verstehe sicher ebensowenig von Eurer Arbeit, wie Ihr vom Dienst eines Polizisten.

Gerade Berliner Kollegen sind gebeutelt genug. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder aus Hinterhalten einzelne Beamte angegriffen. Ich möchte in keiner Einsatzhundertschaft meinen Dienst verrichten. Wenig freie Wochenenden, tausende Überstunden, ständig weg von zu Hause. Viele Kollegen aus den Hundertschaften sehen seltenst Frau und Kinder. Die Ehen gehen zu Bruch.

Wofür ein Haus bauen und finanzieren, wenn man mehr im Grukw (=Gruppenkraftwagen, Anm. d. Red.) wohnt, als zu Hause? Wofür zuhause bekocht werden, wenn man doch Verpflegungsbeutel mit gammeligen Schnitzeln im Einsatz bekommt?

Die Polizei ist eh schon die zweite Familie für die meisten. Wenn dann mal der Druck abfällt, dann wird auch mal gefeiert. Das muss man den Beamten doch bitte auch zugestehen.

Falls hier Straftaten begangen werden, so soll und muss hier unbedingt ermittelt werden.  Aber hier hunderte Kollegen über einen Kamm zu scheren, das ist einfach nur FALSCH.

Bitte lasst der Polizei doch mal die Wertschätzung zukommen, die sie verdient. Jeden Tag retten Polizisten in Deutschland viele Menschenleben – berichtet wird hierüber nur selten.

Mattes (ein Polizist aus NRW)