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Freischaffende Autorin (www.m-gernhardt.de) Bekennende Polizistenfreundin Bekennende Freundin des Grundgesetzes Wossi

Solidarität im Saarland

Heute war ich kurz im Saarland. Was ich da gemacht habe, wird es bald an dieser Stelle zu lesen geben. Aber es hat mich (soweit die Umstände Freude zu lassen) gefreut, dass die Saarländische Polizei mit einem Trauerflor am Streifenwagen fährt. Anlass ist der Unfalltod der jungen Bereitschaftspolizisten in Sachsen am 8. Mai 2013 (wir berichteten hier). Danke dafür!

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Vorsitzende von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. für Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert

Gerke Minrath  freut sich über Anerkennung

Remagen, 19.05.2013, Gerke Minrath, Vorstandsvorsitzende des Vereins Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., ist für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert. Der Einsatz für Polizeibeamte erfährt durch diese Nominierung eine besondere Anerkennung. Gerke Minrath wurde aufgrund ihrer Arbeit für die Bekanntmachung des Problems der steigenden Gewalt gegen Polizeibeamte für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen. Dazu Minrath: “Ich freue mich über die Nominierung, zeigt sie doch, dass die gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas klarer wird. Sollte ich ein Preisgeld gewinnen, wird dieses natürlich der Verein erhalten.” Sie dankt allen Unterstützern, freiwilligen Mitarbeitern und ganz besonders den 64 Mitgliedern des Vereins. Mehr Informationen über die Arbeit von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. sind unter www.kggp.de zu finden.

Der Deutsche Engagementpreis stärkt die Aufmerksamkeit und die Anerkennung für freiwilliges Engagement in Deutschland. Träger des Preises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors sowie von Experten und Wissenschaftlern. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Generali Zukunftsfonds.

Seit 2009 wird der Deutsche Engagementpreis jährlich in den Kategorien Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelperson, Wirtschaft sowie Politik & Verwaltung ausgelobt. Mit der Schwerpunktkategorie „Gemeinsam wirken – mit Kooperationen Brücken bauen“ würdigt der Deutsche Engagementpreis in diesem Jahr insbesondere Kooperationen unterschiedlicher Initiativen, die gemeinsam gesellschaftliche Herausforderungen bewältigen wollen.

Eine Experten-Jury wählt im September die Preisträger und die 15 Finalisten für den Publikumspreis. Den Gewinner des mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreises wählen die Bürgerinnen und Bürger im Oktober unter www.deutscher-engagementpreis.de. Alle Preisträger des Deutschen Engagementpreises werden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 5. Dezember 2013, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, in Berlin bekanntgegeben und ausgezeichnet.

Aktivitäten des Vereins “Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.” im April 2013

Hier nun wie immer die kleine monatliche Zwischenbilanz unserer Vereinsaktivitäten.

Wir haben seit Ende März wieder drei neue Mitglieder dazugewonnen. Herzlich willkommen. Jetzt sind wir 64.

Wir haben insgesamt 25 Euro an Spenden eingenommen, die hier auf unserer Spenderliste aufgeschlüsselt sind. Vielen Dank dem Spender. Wir freuen uns über jede Spende.

Was tun wir nun mit dem Geld, das wir aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen einnehmen?

Nun, wir verfolgen, grob gesagt, zwei Vereinsziele, nämlich die steigende Gewalt gegen Polizeibeamte bekannt zu machen” und “Polizeibeamten Rückhalt zu vermitteln”.

 

Vereinsziel “Bekanntmachen der Problematik”:

Im April 2013 wurden in unserer “Galerie der Gewalt” insgesamt 424 Meldungen über Gewalt gegen Polizeibeamte veröffentlicht. Von diesen Meldungen betreffen drei Gewalt gegen Zollbeamte. Von denen übrigen stammen fünf aus der Schweiz, 20 aus Österreich und zwei aus Luxemburg. Diese Zahlen bedeuten nicht, dass es außerhalb Deutschlands weniger Gewalt gegen Polizeibeamte gibt. Sie bedeuten, dass wir derzeit einfach keine Ressourcen haben, uns außerhalb Deutschlands genau so systematisch umzusehen, wie innerhalb Deutschlands.

Selbst in Deutschland bekommen wir (noch) nicht alle Meldungen.

Allerdings haben uns netterweise neben einigen österreichischen Landespolizeidirektionen auch einige Schweizer Polizeibehörden auf den Presseverteiler genommen. Danke dafür! wp-monalisa icon

Insgesamt 132 dieser Meldungen hatten verletzte Polizeibeamte zum Inhalt.

Das sind natürlich nur die Gewaltakte, die uns bekannt werden, also die Spitze des Eisbergs. Hier und da flutscht uns mal was durch, es wird vieles aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht und manches auch nicht, um das Sicherheitsgefühl des Bürgers nicht zu stören. Last but not least muss auch eine Auswahl getroffen werden, denn vor dem Hintergrund, dass laut der polizeilichen Kriminalstatistik in 2011 ungefähr 53.200 gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte verübt wurden, wird klar, dass das keine Presse leisten kann. Das wären durchschnittlich 146 Übergriffe am Tag und ca. 4.300 im Monat. Schon diese Zahlen zeigen, dass wir nur etwa ein Zehntel des Problems abbilden können.

Wir treten weiter aus dem Internet heraus, wir haben Ende April eine Broschüre mit Argumenten gegen Stammtischparolen, die so über die Polizei im Umlauf sind, in Druck gegeben. Die Broschüre über extremistische Gewalt gegen Polizeibeamte sowie die erste Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift können hier eingesehen werden.

 

Vereinsziel “Rückhalt”:

* Im März 2013 haben wir in 18 Fällen Besserungskarten an schwer, krankenhausreif und dienstunfähig verletzte Polizeibeamte geschickt. Einem italienischen Polizeibeamten, der in Rom eine Kugel in den Rücken bekommen hat, haben wir eine E-Mail auf italienisch geschrieben.

* Wir mussten zu meiner großen Freude KEINE Kondolenzkarten verschicken.

*  Zudem leisten wir noch in einigen anderen Dingen hier und da ein bisschen Unterstützung an den einen oder anderen Polizeibeamten. Da kann ich an dieser Stelle aber nicht ins Detail gehen.

 

Abschließend sei gesagt, dass die Grenzen zwischen den Zielen fließend sind. Für so manchen Polizeibeamten bedeutet es schon Rückhalt, dass wir das Thema überhaupt aufgreifen. Das wird aus vielen Rückmeldungen deutlich, die man teilweise hier im Gästebuch nachlesen kann.

Natürlich ist das in diesem Beitrag Aufgeführte nicht alles, was wir tun, aber ich bitte in Hinblick auf unsere Tätigkeiten, den hier verlinkten Blogbeitrag zu unserem einjährigen Bestehen zu lesen.

 

Allen Unterstützern, Spendern, und besonders den Mitgliedern herzlichen Dank für Eure Unterstützung!!! wp-monalisa icon

Brief an den DFB

Folgendes Schreiben hat der Vorstand von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. an das Präsidium des DFB geschrieben:

 

“Fan”plakat, das am 23.03. sowohl beim Spiel Hansa-Rostock gegen Darmstadt 98 als auch beim Spiel der 2. Mannschaft des 1. FC Köln gegen Rot-Weiß Essen gezeigt wurde

Sehr geehrte Herren,

wir sind ein eingetragener und gemeinnütziger Verein aus Nichtpolizisten und Polizeibeamten und wenden uns gegen Gewalt gegen Polizeibeamte. Die dabei regelmäßig auch im Rahmen von Fußballeinsätzen stattfindende Gewalt beschäftigt uns natürlich auch.

Mit diesem Plakat (“Wer hoch fliegt fällt auch tief a.c.a.b.”) wurde nun eine letzte Grenze der Menschenverachtung überschritten.

Jedes Wochenende halten Tausende von Polizeibeamten ihren Kopf bei Fußballeinsätzen hin. Ihre Familien und Freunde hoffen, dass sie heil und am Stück wieder nach Hause kommen.

Wir im Verein sind der Ansicht, dass Menschen, die ihren Kopf für die Gesellschaft hinhalten, nicht mit Gewalt begegnet werden sollte. Wir sind teilweise selbst Fußballfans, aber es kann doch nicht sein, dass Wochenende für Wochenende Polizeibeamte beleidigt, bespuckt, angegriffen und teilweise auch verletzt werden, nur weil eine Minderheit der Fußballfans meint, aus einem schönen Sport einen Vorwand für eine Art Krieg machen zu müssen.

Am 21. März starb ein Bundespolizist bei einer Übung, die eben wegen solcher so genannter “Fans” stattgefunden hat (meines Erachtens kann man mit einem derart merkwürdigen Verständnis von sportlicher Fairness eigentlich kein Fußballfan sein).

Es ist unerträglich, dass sich zwei Tage nach diesem Vorfall Angehörige und Kollegen des Verstorbenen auf eine derart geschmacklose Weise öffentlich verhöhnen lassen müssen.

Wir erwarten vom DFB eine deutliche Entschuldigung für diese Vorfälle. Rot-Weiß Essen und Hansa-Rostock haben es vorgemacht, sich bei der Familie des tödlich Verunglückten zu entschuldigen.

Darüber hinaus möchten wir Sie bitten, dem guten Beispiel von Hannover 96 zu folgen und sich dafür einzusetzen, dass endlich die A.C.A.B.-Transparente in deutschen Stadien verboten werden. Es kann doch nicht sein, dass sich gerade jene, die mit ihrem allwochenendlichen Einsatz den Gewinn der Fußballvereine – und damit letztlich auch Ihr Einkommen, meine Herren – sicherstellen, auch noch als Bastarde beleidigen lassen müssen.

Hertha BSC plant ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen des Bundespolizisten Lutz Albrecht. Es wäre doch eine gute Idee, wenn der DFB ebenfalls eine Spende an das von der Bundespolizeistiftung eröffnete Spendenkonto für die Hinterbliebenen überweisen würde. Das kann zwar den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen nicht aufwiegen. Ebenso kann es den Schmerz, dafür auch noch öffentlich verhöhnt zu werden, nicht ausgleichen, aber wenigstens auf dem Weg in die Zukunft helfen. Und es wäre ein klares Zeichen, was der Deutsche Fußballbund von der Aussage A.C.A.B. hält. Vielen Dank dafür im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

 

Nachtrag: Auch im Fußballstadion Zwickau wurde ein Plakat gezeigt. Die Aufschrift: “Bundespolizei: Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund.”

Aktivitäten des Vereins “Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.” im März 2013

Hier nun wie immer die kleine monatliche Zwischenbilanz unserer Vereinsaktivitäten.

Wir haben seit Ende Februar wieder zwölf neue Mitglieder dazugewonnen. Herzlich willkommen. Jetzt sind wir 61.

Wir haben insgesamt 170 Euro an Spenden eingenommen, die hier auf unserer Spenderliste aufgeschlüsselt sind. Zudem haben wir eine Spendenzusage über 500 Euro von der Jungen Gruppe der GdP in Mecklenburg-Vorpommern bekommen (Link). Vielen Dank den Spendern. Wir freuen uns über jede Spende.

Was tun wir nun mit dem Geld, das wir aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen einnehmen?

Nun, wir verfolgen, grob gesagt, zwei Vereinsziele, nämlich die steigende Gewalt gegen Polizeibeamte bekannt zu machen” und “Polizeibeamten Rückhalt zu vermitteln”.

 

Vereinsziel “Bekanntmachen der Problematik”:

Im März 2013 wurden in unserer “Galerie der Gewalt” insgesamt 521 Meldungen über Gewalt gegen Polizeibeamte veröffentlicht. Von diesen Meldungen stammen vier aus der Schweiz und eine aus Österreich. Diese Zahlen bedeuten nicht, dass es außerhalb Deutschlands weniger Gewalt gegen Polizeibeamte gibt. Sie bedeuten, dass wir derzeit einfach keine Ressourcen haben, uns außerhalb Deutschlands genau so systematisch umzusehen, wie innerhalb Deutschlands.

Selbst in Deutschland bekommen wir (noch) nicht alle Meldungen.

Allerdings haben uns netterweise einige österreichische Landespolizeidirektionen auf den Presseverteiler genommen. Danke dafür! wp-monalisa icon

Insgesamt 113 dieser Meldungen hatten verletzte Polizeibeamte zum Inhalt.

Ein kurzes Update zu dem Fall der zwei ermordeten Polizisten in Paris: Der dritte Polizist, Frédéric Kremer, 54 Jahre alt, hat sich so weit von seinen Verletzungen erholt, dass er seine Reha antreten konnte.

Das sind natürlich nur die Gewaltakte, die uns bekannt werden, also die Spitze des Eisbergs. Hier und da flutscht uns mal was durch, es wird vieles aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht und manches auch nicht, um das Sicherheitsgefühl des Bürgers nicht zu stören. Last but not least muss auch eine Auswahl getroffen werden, denn vor dem Hintergrund, dass laut der polizeilichen Kriminalstatistik in 2011 ungefähr 53.200 gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte verübt wurden, wird klar, dass das keine Presse leisten kann. Das wären durchschnittlich 146 Übergriffe am Tag und ca. 4.300 im Monat. Schon diese Zahlen zeigen, dass wir nur etwa ein Zehntel des Problems abbilden können.

Wir treten weiter aus dem Internet heraus, wir haben Ende März eine Broschüre über politisch motivierte Gewalt gegen Polizeibeamte in Druck gegeben sowie auch die erste Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift.

 

Vereinsziel “Rückhalt”:

* Im März 2013 haben wir in 21 Fällen Besserungskarten an schwer, krankenhausreif und dienstunfähig verletzte Polizeibeamte geschickt.

* In einem Fall mussten wir leider Kondolenzkarten verschicken, nämlich im Falle des tödlich verunglückten Bundespolizei-Piloten bei dem Flugunfall im Olympiastadion in Berlin.

* Wir haben in der Folge dem DFB einen Brief geschrieben, weil sich in diversen Fußballstadien (Ostseestadion, Rot-Weiß Essen und Zwickau) Transparente fanden, in denen der verstorbene Bundespolizist verhöhnt wurde. Unterschrieben waren diese Machwerke mit A.C.A.B. Wir sind der Meinung, der DFB solle sich davon deutlich distanzieren.

* Zudem leisten wir noch in einigen anderen Dingen hier und da ein bisschen Unterstützung an den einen oder anderen Polizeibeamten. Da kann ich an dieser Stelle aber nicht ins Detail gehen.

 

Abschließend sei gesagt, dass die Grenzen zwischen den Zielen fließend sind. Für so manchen Polizeibeamten bedeutet es schon Rückhalt, dass wir das Thema überhaupt aufgreifen. Das wird aus vielen Rückmeldungen deutlich, die man teilweise hier im Gästebuch nachlesen kann.

Natürlich ist das in diesem Beitrag Aufgeführte nicht alles, was wir tun, aber ich bitte in Hinblick auf unsere Tätigkeiten, den hier verlinkten Blogbeitrag zu unserem einjährigen Bestehen zu lesen.

 

Allen Unterstützern, Spendern, und besonders den Mitgliedern herzlichen Dank für Eure Unterstützung!!! wp-monalisa icon

Flugunfall Olympiastadion – Spendenaufruf der Bundespolizei-Stiftung

Am 21. März 2013 wurde bei einem tragischen Unfall während einer Großübung im Bereich des Berliner Olympiastadions ein Pilot der Bundespolizei-Fliegerstaffel Blumberg tödlich verletzt.

Das Mitgefühl und die übermittelten Beileidsbekundungen zeigen uns noch immer, wie schmerzlich der Verlust eines besonderen Menschen auch über die Grenzen des Polizeiflugdienstes wahrgenommen wird.

Viele Kolleginnen und Kollegen, aber auch Freunde und Unterstützer der Bundespolizei, warfen dabei auch die Fragen nach finanzieller Hilfe für die Familie auf, die wir nunmehr im Rahmen eines Spendenaufrufes beantworten möchten.

Die Spenden sind zweckgebunden und sollen den insgesamt vier Kindern auf ihrem weiteren Lebensweg Unterstützung geben.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für alle Zuwendungen bedanken, die Sie an folgende Bankverbindung überweisen können:

Bundespolizei-Stiftung

Konto-Nummer 683 680 bei der Sparda Bank West eG (BLZ 370 605 90)

Kennwort “Flugunfall Olympiastadion”

Informationen finden Sie auch unter www.bundespolizeistiftung.de bzw. www.bundespolizei.de

 

Eine Spendenbescheinigung kann angefordert werden bei der
Bundespolizei-Stiftung, Alt Moabit 101D, 10559 Berlin, Telefon:
030/186812719, Ansprechpartner: Frau Lübke-Thomas, E-Mail:
bhpr@bmi.bund.de

Quelle: PM der Bundespolizeistiftung (über BPOLP Potsdam) vom 26.03.2013

Fremdbloggen: nessi6688: Vereinsmeierei

Hier beschreibt eines unserer Mitglieder in ihrem Blog, warum sie Vereinsmitglied geworden ist – wofür ich ihr ganz herzlich danke!!!!

http://nessi6688.wordpress.com/2013/03/18/vereinsmeierei/

Ich musste teilweise grinsen. Hätte mir jemand vor fünf Jahren gesagt, dass ich einen Verein gründe… ich hätte ihn für leise verrückt gehalten. Aber der Vereinszweck ist mir das allemal wert!

Heule, heule Gänschen? – Da heult der Statistiker!

Am 24.02.2013 erschien in der Online-Ausgabe der FAS ein Artikel mit dem ominösen Titel “Gewalt gegen Polizisten – Heule, heule Gänschen”. Bei den Polizistenhassern, die sämtliche Foren unseres Vereins heimsuchen, stieß dieser Beitrag auf allerhöchste Begeisterung und wird jetzt gern anstelle eines Kommentars verlinkt in der Hoffnung, damit die mangels Argumenten nicht immer überragende Qualität der eigenen Kommentare zu erhöhen.

In diesem, übrigens hier verlinkten, Artikel erklärt die Autorin in recht polemischer Weise allen, die die steigende Gewalt gegen Polizisten beklagen, dass sie irgendwelchen Tricksereien der “plärrenden Polizeilobby” aufgesessen sind. Um uns unsere Dummheit vor Augen zu führen, zitiert sie sogar Zahlen. Vielleicht hätte sie im Statistik-Unterricht etwas besser aufpassen sollen…

In Absprache und mit Unterstützung des Vorstandes von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. habe ich der Dame in einem ausführlichen Brief geschrieben, um ihr wenigstens ein paar ihrer Denkfehler darzulegen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die wichtigsten Passagen daraus:

Als erstes habe ich mich auf eine Behauptung zur menschlichen Psychologie gestürzt:

Zuerst einmal möchte ich auf Ihre Ausführungen zu der Thematik, wie man erkennt, wenn einer jammert, eingehen. Sie schreiben: “Woran merkt man, dass einer nicht leidet, sondern jammert? Ganz einfach: Man muss es ihm nur auf den Kopf zusagen. Du jammerst! Die Reaktion ist immer die gleiche. Wut.” Psychologisch ist das eine ausgesprochen grenzwertige Theorie, die Sie da aufstellen. Vielmehr ist es doch so, dass Menschen mit Zorn reagieren, deren berechtigte Anliegen man dermaßen gefühlskalt abbügelt.

Mich würde interessieren, wie Ihrer Ansicht nach ein Polizeibeamter sein Leiden nachweisen soll. Soll er sich vielleicht die Dienstwaffe an die Schläfe setzen und durchziehen oder wäre das dann auch nur ein Beweis seines Daseins als Weichei?

Anschließen habe ich auf die Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KfN), sowie Erhebungen einzelner Bundesländer (bspw. Freistaat Bayern) verwiesen, die genau das belegen, was der Polizeiwissenschafteler Raphael Behr bestreitet, den sich Frau Haupt als Kronzeugen auserkoren hat.

Zur Kritik der Dame an der freien Heilfürsorge hatte ich auch einiges zu sagen:

Was die freie Heilfürsorge betrifft, die Sie als “Privileg” betrachten, so sei Ihnen folgendes gesagt:

Polizeibeamte haben mir einmal das Leben gerettet. Mir ist durchaus bewusst, dass einer oder beide Polizeibeamten ihr Leben hätten lassen können, wäre der Angreifer gefährlicher gewesen. Zumindest aber haben sie ihre körperliche Unversehrtheit aufs Spiel gesetzt. Für mich. Gekostet hat mich der Einsatz nichts.

Ein weiteres Mal haben mich Polizeibeamte aus einer Demonstration gezerrt, die eskalierte. Ich habe sie gebeten, mich da wegzubringen, weil ich mit der sinnlosen Gewalt, die Demonstranten für den Frieden da ausübten, nichts zu tun haben wollte. Auch das kostete mich nichts – weder der Schutz, den ich als Demonstrantin durch die Polizei genoss, noch ihre Rettungsmaßnahmen.

Ich könnte Ihnen eine ganze Reihe weiterer Ereignisse aufzählen, in denen Polizeibeamte sich als Freunde und Helfer für mich erwiesen haben.

Jeder von uns kommt in den Genuss dieser Dienstleistung und das auch noch vollkommen kostenlos. Sie übrigens auch. Ist es da nicht das Mindeste, dass der Staat, also wir alle, für Verletzungen und Krankheiten aufkommen, die sich Menschen im Dienst an uns zuziehen? Sollte vor dem Hintergrund dessen, dass diese Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit für uns da sind, da wirklich kleinlicher Neid auf vordergründige Privilegien eine Rolle spielen? Wenn es offenbar schon nicht möglich ist, diesen Polizeibeamten mit einem Minimum an Anstand entgegenzutreten und ihnen stattdessen lapidar “Jammern” vorzuwerfen.

Dann kam ich zum Thema Statistik:

Sie führen Zahlen des BKA an. “Seit 2009, das zeigt die Statistik des Bundeskriminalamtes, sinkt der „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. Im Bericht über das Jahr 2011 steht: „Die Zahl der Fälle von Widerstandshandlungen gegen die Staatsgewalt war – wie bereits im Jahr 2010 – auch 2011 rückläufig.“ Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl um 2,3 Prozent auf 22.839 Fälle zurückgegangen.” Da haben Sie durchaus korrekt zitiert. Leider ist es nur die Hälfte der Wahrheit. Sie haben nämlich fundamental wichtige Zahlen vergessen. So wie Sie das darstellen, kann man auch behaupten, die Durchschnittstemperaturen lägen in Deutschland bei 20 Grad… wenn man das Winterhalbjahr mal eben locker unter den Tisch fallen lässt.

Dieser Rückgang ist nämlich eine Folge der Neuorganisation der Polizeilichen Kriminalstatistik ist. Früher sind oft Widerstände, mit denen eine (versuchte oder vollendete) Körperverletzung des Beamten einherging, in der Widerstandsstatistik geblieben, da man Körperverletzungsdelikte nicht getrennt für Polizeibeamte ausweisen konnte. Um also überhaupt die Gewalt gegen Polizeibeamte messen zu können, beließ man diese Fälle vielfach bei den Widerständen. Dies ist seit 2010 anders. Seitdem werden Körperverletzungsdelikte auch getrennt für Polizeibeamte ausgewiesen. Nach den neuen Regeln der PKS wird bei einem Widerstand mit Körperverletzung ausschließlich das mit höherer Strafe bewehrte Delikt erfasst – also die Körperverletzung. Um Doppelerfassungen zu vermeiden, fällt der Widerstand weg. Wirklich seriöse Aussagen lassen sich also nur dann treffen, wenn Widerstands- und Körperverletzungsdelikte gegen Polizeibeamte zusammengerechnet werden. Insofern ist Ihre Schlussfolgerung unhaltbar.

 

Ein weiteres Beispiel für Ihren schon fahrlässig zu nennenden Umgang mit Zahlen stellt der Abschnitt “Ein anderes „Phänomen“ zeigt allerdings der Lagebericht des Landeskriminalamtes von Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2010. Bei „höchstens“ 0,1 Prozent aller Einsätze kam es zu Gewaltandrohung, versuchter Gewalt oder Gewalt gegen Polizisten. Schwer verletzt wurden bei insgesamt 4.040.768 Einsätzen – 13 Polizisten.” Da haben Sie ausnahmsweise Recht daran getan, das Wort Phänomen in Anführungsstriche zu setzen. Es ist angemessen, seine Leser darauf einzustimmen, dass es sich hierbei um nichts dergleichen handelt, denn es ist schlicht eine Irreführung. Abgesehen davon, dass diese 13 Polizisten exakt 13 zu viel sind (von einem Bedauern bei Ihnen lese ich leider nichts, schade!), ist Ihnen sicherlich die “Eigensicherung” ein Begriff. Im Unterschied zu echten Weicheiern genießen Polizeibeamte eine fundierte Ausbildung in Selbstverteidigung, tragen ca. seit 2000 Schutzwesten und werden auf diesem Gebiet auch immer wieder weitergebildet. (Letzteres vermutlich, weil der Job so lau ist und es in Zeiten immer leerer werdender Kassen üblich ist, Geld für vollkommen überflüssige Maßnahmen rauszuhauen.)

Vor diesem Hintergrund ist es geradezu zynisch, die Gewalt gegen Polizeibeamte auf die Schwerverletzten zusammenzudampfen. Ich stelle einmal ein paar Zahlen dagegen. Im Jahre 2011 gab es insgesamt 53.379 gewalttätige Übergriffe gegen Polizeibeamte. Es kam bundesweit zu 8.831 Fällen von vollendeter Körperverletzung zum Nachteil von Polizeibeamten, davon handelte es sich bei 1.651 Fällen um schwere und gefährliche Körperverletzung (§§ 224,226,231 StGB) und bei 7.180 Fällen um (vorsätzliche leichte) Körperverletzung gemäß § 223 StGB. Die Versuche lasse ich jetzt mal weg. Nun ist NRW da nicht extra ausgewiesen, aber wenn ich die vollendeten schweren und gefährlichen Körperverletzungen vereinfachend mal durch 16 teile (Anzahl der Bundesländer), komme ich ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass NRW wegen seiner höchsten Bevölkerungszahl auch die meisten Polizeibeamten(und deswegen vermutlich noch deutlich mehr schwer verletzte Polizeibeamte) auf 103 Fälle mit schwer verletzten Polizeibeamten auf das Jahr 2011. Also entweder war die Steigerung von 2010 nach 2011 ganz schön gewaltig oder die Informationen im Lagebericht wurden missverstanden. Die von mir zitierten Zahlen lassen sich übrigens samt und sonders in der PKS des Bundesinnenministeriums von 2011 belegen.

Per 30.06.2011 gab es in der Bundesrepublik 255.984 Polizeibeamte (Quelle: Statistisches Bundesamt). Gehe ich vereinfachend davon aus, dass erstens jeder Fall nur einen Polizeibeamten erwischt hat (was nicht korrekt ist, denn sie sind im Regelfall mindestens zu zweit unterwegs) und es zweitens jedes Mal einen anderen erwischt hat, so kommt man zu folgenden Ergebnissen: 21% aller Polizeibeamten wurden in 2011 Opfer von Gewalt. Zeigen Sie mir eine Berufsgruppe in Deutschland, die einem derart hohen Risiko ausgesetzt ist, mit Gewalt konfrontiert zu werden. Abgesehen von Soldaten, aber da Deutschland kein Kriegsgebiet ist, halte ich hier die Vergleichbarkeit für eher gering. Dass vergleichsweise wenige Polizeibeamte durch diese Übergriffe verletzt wurden, ist Folge der immer besser werdenden Eigensicherung und nicht der Tatsache, dass wir Bürger alle so harmlos wären wie Sie es gerne hätten, Frau Haupt.

Abschließend habe ich noch eine Informationsbroschüre des Vereins beigelegt, in der wir einige Zahlen zusammengestellt hatten.

Gegen Polizeikritik ist nichts einzuwenden. Wenn man das nicht dürfte, gäbe es Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. nicht. Zumindest nicht in der aktuellen Form und mit mir als Vorsitzender. Aber bitte seriös und unter Beachtung aller Fakten. So wie in diesem Artikel von Frau Haupt in einer Art “Steinbruchexegese” Informationen zusammengesammelt wurden, die irgendwie in den Kram passten, beschleicht einen doch der Eindruck, dass es hier nicht um seriöse Polizeikritik ging, sondern um das Werfen mit Dreck in der Hoffnung, dass etwas hängenbleibt.

Nachtrag vom 09.03.2013

Übrigens stören nicht nur wir uns an diesem Artikel. Auch die GdP hat sich entsprechend dazu geäußert. Da ich persönlich eine große Sympathie für Menschen hege, die sich für andere einsetzen – und das tut die Mehrheit der Gewerkschafter – freue ich mich sehr, dass ich die Erlaubnis bekommen habe, den Brief auch zu veröffentlichen. Zum Öffnen klicken Sie bitte auf den Link.

Brief GdP FAS

 

Aktivitäten des Vereins ‘Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.’ im Februar 2013

Dieser Monat war insgesamt etwas ruhiger, was u.a. damit zu tun hatte, dass einige Mitglieder, auch ich, beruflich recht beansprucht waren.

Wir haben seit Ende Januar wieder sechs neue Mitglieder dazugewonnen. Herzlich willkommen. Jetzt sind wir 49. Dieser Trend sollte möglichst anhalten. Aus diesem Grund haben wir hier auf unserer Homepage ein Online-Formular entwickelt, mit dem der Eintritt mit etwas weniger Aufwand für angehende Mitglieder verbunden ist. Das 50. Mitglied wird für das Jahr 2013 von seinen Beiträgen befreit. Eine Mitgliedschaft ist übrigens ab 50 Cent im Monat zu haben. Das macht gerade mal sechs Euro im Jahr. Es geht natürlich auch mehr, aber wir setzen da lieber auf Freiwilligkeit. Je mehr wir werden, desto lauter werden wir auch und desto schwerer wird es, uns zu überhören.

Im Februar 2013 gab es keine einzige Spende für uns. Schade! Damit findet auch niemand einen Platz auf unserer Spenderliste.  Wer uns unterstützen möchte, dem sei gesagt, dass wir auch ein Paypal-Konto haben. Wir freuen uns über jede Spende.

Was treiben wir nun mit dem Geld, das wir aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen einnehmen?

Nun, wir verfolgen, grob gesagt, zwei Vereinsziele, nämlich die steigende Gewalt gegen Polizeibeamte bekannt zu machen” und “Polizeibeamten Rückhalt zu vermitteln”.

Vereinsziel “Bekanntmachen der Problematik”:

Im Januar 2013 wurden in unserer “Galerie der Gewalt” insgesamt 390 Meldungen über Gewalt gegen Polizeibeamte veröffentlicht. Von diesen Meldungen stammen sechs aus der Schweiz, eine aus Österreich, vier aus Luxemburg und eine aus Frankreich. Diese Zahlen bedeuten nicht, dass es außerhalb Deutschlands weniger Gewalt gegen Polizeibeamte gibt. Sie bedeuten, dass wir derzeit einfach keine Ressourcen haben, uns außerhalb Deutschlands genau so systematisch umzusehen, wie innerhalb Deutschlands. Selbst in Deutschland bekommen wir (noch) nicht alle Meldungen.

Insgesamt 120 dieser Meldungen hatten verletzte Polizeibeamte zum Inhalt. Eine Meldung, die aus Frankreich, hatte zwei ermordete Polizeibeamte (Boris Voelckel, 32 Jahre alt, sowie Cyril Genest, 40 Jahre alt) zum Inhalt, die bei einer Verfolgungsjagd auf dem inneren Autobahnring um Paris von dem Verfolgten absichtlich gerammt wurden und sofort verstarben. Der dritte Polizist, Frédéric Kremer, 54 Jahre alt, liegt mit schweren Verletzungen im Koma und kämpft nach wie vor um sein Leben, obwohl sich erste Besserungen abzuzeichnen scheinen.

Das sind natürlich nur die Gewaltakte, die uns bekannt werden, also die Spitze des Eisbergs. Hier und da flutscht uns mal was durch, es wird vieles aus ermittlungstaktischen Gründen nicht veröffentlicht und manches auch nicht, um das Sicherheitsgefühl des Bürgers nicht zu stören. Last but not least muss auch eine Auswahl getroffen werden, denn vor dem Hintergrund, dass laut der polizeilichen Kriminalstatistik in 2011 ungefähr 53.200 gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte verübt wurden, wird klar, dass das keine Presse leisten kann. Das wären durchschnittlich 146 Übergriffe am Tag und ca. 4.300 im Monat. Schon diese Zahlen zeigen, dass wir nur etwa ein Zehntel des Problems abbilden können.

Vereinsziel “Rückhalt”:

* Im Februar 2013 haben wir in acht Fällen Besserungskarten an schwer, krankenhausreif und dienstunfähig verletzte Polizeibeamte geschickt.

* In einem Fall mussten wir leider Kondolenzkarten verschicken, nämlich im Falle der beiden ermordeten Polizeibeamten in Paris. Bei Todesfällen, in denen die Polizeibeamten durch Gewalteinwirkung zu Tode kommen und die in einer Demokratie stattfinden, verschicken wir auch außerhalb des deutschsprachigen Raums Beileidskarten – sofern wir der Sprache des Zielgebietes mächtig sind.

* Wir haben zwei Briefe geschrieben, in denen wir der Ansicht waren, dass Pressedarstellungen nicht angemessen waren. Der erste Brief ging an die Redaktion von Freelens, da ein für Freelens tätiger Autor im hier verlinkten Artikel ganz offensichtlich vergessen hatte, wer nach der Gewaltenteilung für Durchsuchungsbeschlüsse zuständig ist. Darauf erhielten wir keine Antwort.

Der zweite Brief ging erst am 28.2. raus an Frau Haupt, die für die FAS diesen Artikel hier geschrieben hat. Auszüge daraus werden auch demnächst hier im Blog veröffentlicht. Eine Kopie des Schreibens ging auch an ihre Redaktion.

* Zudem leisten wir noch in einigen anderen Dingen hier und da ein bisschen Unterstützung an den einen oder anderen Polizeibeamten. Da kann ich an dieser Stelle aus Gründen des Vertrauens nicht ins Detail gehen.

Abschließend sei gesagt, dass die Grenzen zwischen den Zielen fließend sind. Für so manchen Polizeibeamten bedeutet es schon Rückhalt, dass wir das Thema überhaupt aufgreifen. Das wird aus vielen Rückmeldungen deutlich, die man teilweise hier im Gästebuch nachlesen kann.

Natürlich ist das in diesem Beitrag Aufgeführte nicht alles, was wir tun, aber ich bitte in Hinblick auf unsere Tätigkeiten, den hier verlinkten Blogbeitrag zu unserem einjährigen Bestehen zu lesen.

Allen Unterstützern, angehenden Spendern, die sich jetzt sicher nicht mehr zurückhalten können, und besonders den Mitgliedern wp-monalisa iconlichen Dank für Eure Unterstützung!!!

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Ins Wasser mit ihnen!!!

Ist es nicht toll, im Jahre 2013 in einem Land zu leben, das einen funktionierenden Rechtsstaat sein eigen nennt? Hier kann man nicht vom Mob geteert, gefedert, durchs Dorf getrieben und im Anschluss an diese Demütigung gelyncht werden. Schade nämlich, wenn’s nach solchen Aktionen den Falschen erwischt hatte. Deswegen haben wir die Wahrheitsfindung an entsprechende Ermittlungsbehörden abgegeben.

Mittlerweile jedoch sind wir alle so blendend informiert, dass wir diese Behörden im Grunde getrost wieder einsparen könnten. Würde auch schneller gehen. Was brauchen die auch immer so ewig? Lesen die keine Zeitung?

Da sieht man doch, was wichtig ist. Beispielsweise, was die bayerische Polizei für ein Haufen ist. Wie der Bajuware halt so ist, ne? Haut mal gerne drauf. Kennt man ja. Polizisten sind sowieso ausnahmslos Schläger. In Kombination kann das ja nicht gut gehen. Mich wundert schon, dass ich damals, als ich für ein paar Tage in München war, nicht halb tot geprügelt worden bin, als ich in meiner grenzenlosen Naivität wagte, eine Polizeistreife nach dem Weg zu fragen. Die müssen irgendwie ihren sozialen Tag gehabt haben, ich habe nämlich eine sehr gute Wegbeschreibung bekommen und hatte in meiner damaligen Ahnungslosigkeit das Gefühl, mit freundlichen Menschen zu tun gehabt zu haben.

Der jüngste Fall aus dem Freistaat betrifft einen Münchner Polizisten.

Es begann am 20.01.2013, als gegen 15:20 Uhr eine 23-jährige Frau telefonisch die Polizei über einen Beziehungsstreit mit ihrem Ex-Freund verständigte. Dieser soll sie zuvor bedroht und geschlagen haben. Zur Klärung des Sachverhaltes wurden beide Personen zur Polizeiinspektion 21 (Au) gefahren.

Die Frau rastete während der Fahrt sowie auf der Polizeiinspektion– nach Angaben der eingesetzten Polizeibeamten vermutlich unter Drogeneinfluss stehend – aus und musste deshalb gefesselt werden.

Ich zitiere im Folgenden aus der Pressemitteilung vom 05.02.2013: “Auf der Polizeiinspektion wurden ihr die Handfesseln abgenommen, worauf sie sofort wieder begann, um sich zu treten. Nachdem ihr die Handfesseln wieder angelegt wurden, spuckte sie einem Beamten ins Gesicht. Nach Angaben des eingesetzten Polizeibeamten versuchte sie anschließend mit dem Kopf nach ihm zu stoßen. Um sich davor zu schützen, versetzte er ihr einen Faustschlag gegen den Kopf.

Die 23-Jährige wurde wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zur Anzeige gebracht. Im Rahmen der Anzeigenerstattung wurde bereits der Fauststoß des Polizeibeamten gegen den Kopf der Frau dokumentiert.

Zur Klärung des Drogenkonsums der 23-Jährigen, der von ihr vor Ort auch eingeräumt wurde, sollte eine Blutentnahme durchgeführt werden. Diese wurde zwar von der Staatsanwaltschaft beantragt, aber vom diensthabenden Richter abgelehnt. Mit einer freiwilligen Blutentnahme war die 23-Jährige nicht einverstanden.

Nach Hinzuziehung eines Notarztes wurde die junge Frau in ein Krankenhaus verbracht. Die Beamten fertigten von den Verletzungen Lichtbilder.

Am 25.01.2013 erstattete ihr Rechtsanwalt fernmündlich beim Polizeipräsidium München Anzeige, da seine Mandantin im gefesselten Zustand zwei Faustschläge ins Gesicht erhalten habe.

Zur Klärung des Sachverhaltes wurden entsprechende Ermittlungen eingeleitet.

Die 23-Jährige wurde noch am selben Tag im Beisein ihres Rechtsanwalts vom Dezernat für Amtsdelikte als Zeugin einvernommen.

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen wird zu klären sein, ob die vom Beamten angenommene Notwehrsituation vorlag.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft München I vorgelegt.”

Interessant dazu die erste mediale Reaktion, die mir zur Kenntnis kam. Ich zitiere was am 05.02.2013, dem Erscheinungstag exakt dieser Pressemitteilung, auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks [1] zu lesen war: “Vorwürfe gegen PolizeiBeamter in München soll Frau geschlagen haben: In München gibt es möglicherweise einen erneuten Fall von Polizeigewalt. In einem Polizeirevier in der Au soll ein Polizist einer 23-jährigen Frau ins Gesicht geschlagen und sie schwer verletzt haben.”

Eine doch recht erstaunliche Formulierung. Es ist zwar durchaus korrekt, dass es möglicherweise einen Fall von Polizeigewalt gibt. Es ist aber genauso korrekt, dass es möglicherweise einen Fall von falschen Verdächtigungen geben könnte. Interessant, für welche Formulierung sich da zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden wurde…

Die sonst in Sachen Polizei eher gemäßigte Welt schlagzeilte am 20.02.2013 mit dem Worten “Polizeigewalt –Münchner Prügel-Opfer geht an die Öffentlichkeit” und machte damit deutlich, wessen Variante ihr glaubwürdiger erschien.

Der Faustschlag selbst steht übrigens in keiner Weise zur Debatte. Den hat der Polizeibeamte von Anfang an zugegeben. Im Raum steht eigentlich nur die Frage, ob der Beamte sich objektiv in der Notwehrsituation befand, in der er sich subjektiv glaubte. Das wird uns das Ermittlungsergebnis zeigen.

Genau, wie das Bauchgefühl des betreffenden Polizisten kein Kriterium für einen Freispruch sein darf, darf aber auch das Bauchgefühl der interessierten Öffentlichkeit nicht die Grundlage für eine Verurteilung darstellen.

Die Wortmeldungen des Polizeipräsidiums München in der Angelegenheit sind wohltuend sachlich. Selbst derart sachliche Meldungen kann man aber noch missinterpretieren. So sah man sich am 16.02.2013 zu der Pressemitteilung genötigt, dass der Polizeipräsident “zu keinem Zeitpunkt den Faustschlag des Beamten in der Polizeiinspektion Au als konsequent bewertet [hat]. Vielmehr hat er ausschließlich die Sichtweise des betreffenden Beamten geschildert. Gleichzeitig hat er ausdrücklich erklärt, dass die Bewertung des Faustschlages allein der Staatsanwaltschaft vorbehalten bleibt.”

Ja, da hat er Recht, der Herr Polizeipräsident. So sieht es aus in einem Rechtsstaat. Und das von einem dieser rustikalen Bayern, der zu allem Überfluss auch noch für die Polizei arbeitet…

Leider kommt man in heutiger Zeit mit Sachlichkeit kaum an gegen die wirklich schrecklichen Bilder der Frau, die diesen Faustschlag eingesteckt hat. Ja, sie tut mir leid. Wirklich. Aber mal eine dumme Frage: Hatte sie die Polizei nicht gerufen wegen eines Beziehungsstreites und weil ihr Ex-Freund sie unter anderem geschlagen hatte? Was ja mittels der Aufnahme des Notrufes zu belegen sein dürfte. Woher wissen eigentlich die ganzen Hobbystaatsanwälte an den Bildschirmen der Republik, dass diese Verletzungen ausschließlich von dem Polizeibeamten stammen? Aus meiner Sicht haben wir hier einen Fall von Aussage gegen Aussage…

Sie sagt, sie hätte zwei Fausthiebe bekommen. Der Polizeibeamte spricht von einem. Wieder diese lästige Konstellation, bei der man eigentlich nicht wissen kann, wer denn nun die Wahrheit spricht.

Anstatt diesbezüglich auf die Ergebnisse eines ordnungsgemäßen Verfahrens zu warten, wissen eine Menge medial umfassend informierter Menschen ausreichend Bescheid, um den Polizeibeamten schuldig sprechen zu können. Besonders gut gefiel mir in dem Zusammenhang die Aussage einer Dame, sie könne Menschen im Gesicht ansehen, ob diese lügen oder nicht. Eine Fähigkeit, nach der sich nicht nur Richter alle zehn Finger ablecken dürften. Sie “weiß” jedenfalls, dass die 23-Jährige die Wahrheit spricht und findet deswegen Menschen “nicht in Ordnung”, die da auf das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Vorgangs warten wollen. Schade, dass der Polizeibeamte da strategisch geringfügig im Nachteil ist, weil er sich eben nicht vor eine Kamera stellen kann. Mich würde schon interessieren, was die Dame machen würde, falls seine schönen Augen auch nicht lügen können.

Ich fröne da lieber weiter der “Einseitigkeit”. Einseitig ist nämlich nach neuester Lesart nicht, wer einem Polizeibeamten auf der Basis doch arg bruchstückhafter Informationen und ohne ihn anzuhören, Schuld attestiert. Einseitig ist, wer auf die Unschuldsvermutung verweist und ein faires Verfahren abwarten möchte. Etwas, auf das jeder ein Recht hat und auch haben sollte. Ein Recht, das jedem Räuber, jedem Vergewaltiger und jedem Serienmörder zusteht. Vielleicht sollte man es dann auch einem Polizeibeamten zubilligen.

Ich habe diesen Polizisten mit keinem Wort für unschuldig erklärt, was in meinen Augen wirklich einseitig wäre. Das steht mir überhaupt nicht zu. Ich will das auch gar nicht, denn ich war nicht dabei und habe nicht die leiseste Ahnung, was in dieser Polizeidienststelle wirklich vorgefallen ist. Aber ich höre mir gern beide Seiten an, bevor ich ein Urteil fälle. Und ich hätte gern alle Infos. Da ich die nicht kriegen kann, muss ich mich auf die zuständigen Behörden verlassen. Wenn das einseitig ist, bitte sehr. Lieber einseitig als Hexenjägerin.

Ja, ich nenne das mittlerweile Hexenjagd.

Es widert mich an, wie gegen diesen Mann gehetzt wird, bevor die Dinge klar liegen. Es widert mich an, wie ein Faustschlag, dessen Umstände nur die Beteiligten und Anwesenden kennen und niemand sonst, ein ganzes Polizistenleben entwerten kann. Auch dieser Polizeibeamte hat seinen Kopf für uns alle hingehalten. Und noch mehr widert es mich an, dass am 21. Februar unter einem Post für einen verletzten Polizisten in Facebook plötzlich kein einziger Genesungswunsch zu finden war, obwohl sonst immer vier bis fünf dort auftauchen. Zum Ausgleich hinterließ dort jemand einen reichlich Menschen verachtenden Spruch. Dieser verletzte Polizist verrichtet übrigens seinen Dienst ebenfalls in München. Honi soit qui mal y pense.

Alles klar! Scheißt doch einfach auf die Unschuldsvermutung und irgendwelche Staatsanwälte und Richter. Die kosten eh nur Geld und nerven mit ihrem Beharren auf Informationen, Spuren, Beweisen und hast du nicht gesehen. Wer braucht das bitte?

Es gab eine Zeit, in der man der Hexerei beschuldigte Menschen ins Wasser warf. Überlebten sie, waren sie mit dem Teufel im Bunde. Ihre Unschuld konnten sie nur beweisen, indem sie ertranken.

Ins Wasser mit angeklagten Polizeibeamten!!! Wenn die ihre 15 kg Schutzkleidung anlegen, dürfte es auch kein Problem mit dem Nachweis der Unschuld geben.

Das wäre auch gut für die Staatsfinanzen, denn langfristig fördert das den Stellenabbau. Und noch besser – wir Bürger können endlich das äußerst anstrengende Denken und Hinterfragen final einstellen. Und den Nachweis über Schuld und Unschuld einer extrem vertrauenswürdigen Instanz anvertrauen – den höheren Mächten.



[1] Folgt man mittlerweile der URL, so erscheint eine ganz andere Überschrift.