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Freischaffende Autorin (www.m-gernhardt.de) Bekennende Polizistenfreundin Bekennende Freundin des Grundgesetzes Wossi

Bedrohungslage aus dem Paralleluniversum

„Ich hätte jetzt gern was zum Türaufmachen“, seufzte Markus.

„Du hast doch mich dabei“, sagte Mario.

 

Dieser Kurzdialog ist exemplarisch für die Stimmung des Streifenteams, das mich für die Nachtschicht unter seine Fittiche genommen hatte. Markus und Mario sind erfahrene Polizisten. Sie hatten sich mit einem Witz (Situationskomik, also niedergeschrieben nicht lustig) bei mir eingeführt. Die Nacht begann also mit einem Lacher und das sollte nicht der letzte bleiben.

 

 

Doch zurück zur Haustür eines Mehrfamilienhauses, vor der wir standen.

 

Die Polizei Montabaur hatte einen Anruf aus einem benachbarten Bundesland bekommen. Ein junger Mann hatte sich gemeldet und mitgeteilt, dass sein Freund wiederum von dessen Ex bedroht werde. Der bedrohte Freund wohnte im Zuständigkeitsbereich der Inspektion, bei der ich diese Nachtschicht mitfahren durfte. Entsprechend fuhren meine Herren als erste Streife an die genannte Adresse.

Es war alles ruhig. Nichts wies auf eine Bedrohungslage an. Da man aber nie wissen konnte, hätte Markus gern unauffällig die Haustür geöffnet und vorsichtig dahinter gespäht. Marios Vorschlag war allerdings recht weit von dem entfernt, was man sich unter „unauffällig“ vorstellt.

Letztlich entschieden sich die beiden, einfach bei dem genannten Namen zu klingeln.

Keine Reaktion.

Noch einmal, etwas nachdrücklicher.

„Joah?“ erklang eine müde Frauenstimme.

Irritierter Blickwechsel zwischen den beiden Beamten.

„Polizei, lassen Sie uns bitte herein.“

 

In der Wohnung, die zum Klingelschild mit dem Namen des Bedrohten gehörte, empfing uns eine Frau, die sichtlich schon geschlafen hatte. Die Wohnung strahlte Familienleben aus. Bunt. Ein bisschen unaufgeräumt. Bügelwäsche. Vor allen Dingen – total friedlich.

Von einer Bedrohung keine Spur.

Markus erzählte von dem Anruf, den die Polizei bekommen hatte.
„Ihr Name und Ihre Adresse wurden genannt.“

„Aber hier ist alles ruhig“, sagte die Dame ratlos.

Dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Sie rief einen Jungennamen.

Ein Teenager trat auf den Plan.

Der Blick, mit dem er die Polizei maß, wirkte so betont harmlos, dass ich gar nicht anders konnte als misstrauisch zu werden.

Und richtig …

Nach einigen gewechselten Worten, durch meine Polizisten in sehr eindringlichem Tonfall vorgetragen, gab er zu:
„Na ja, das war ich. Ich hab das meinem Freund geschrieben.“

„Was? Dass du bedroht wirst?“
Seine Mutter war fassungslos.

„Ja, schon.“

Er wollte nicht weiter mit der Sprache heraus. Der Grund dafür war allerdings für die Polizei nicht weiter relevant. Wichtig war, dass sich niemand in Gefahr befand.

Meine These ist, dass er sich interessant machen wollte. Er war nämlich blutjung. Und – wie sich später im Laufe des Gespräches herausstellte, kannte sich das Paar nicht einmal persönlich.

Nun, denn …

 

Im Streifenwagen stellte Mario fest:
„Sensationell. Das war wirklich eine Bedrohungslage aus dem Paralleluniversum.“

 

 

Die beiden waren nicht nur lustig, sie waren auch sehr nett. Nicht nur zum Gast auf der Rückbank, sondern auch zu Kindern und älteren Damen.

 

Unser erster Einsatz war ein Ladendiebstahl in einem Baumarkt, der aber letztlich gar keiner war. Ein Kunde, Kunde 1, hatte eine bereits bezahlte Ware umgetauscht und die neue Ware aus dem Regal genommen. Er lief dann nicht zur Kasse, sondern direkt zum Ausgang, was einen Mitkunden, Kunde 2, misstrauisch machte.

Resultat: Kunde 1 fand sich im Büro der Marktleitung wieder und die Polizei traf auf eine hochgradig aggressive Stimmung. Kunde 2 war noch vor Ort, weil Kunde 1 ihn wegen Verleumdung anzeigen wollte. Der Marktleiter versuchte beiden Seiten klarzumachen, dass doch eigentlich nichts passiert war, schließlich hatte die Kassiererin die Sachlage schon lange aufgeklärt. Kunde 2 war mit dieser Interpretation grundsätzlich durchaus einverstanden, wurde allerdings langsam sauer, weil er die Anzeige in Aussicht hatte.

Das Erscheinen der Polizei wirkte auf beide Seiten höchst deeskalierend und schließlich trennte man sich dann friedlich. Ohne sich verbal oder via Anzeige weiter auf die Füße zu treten.

 

Beim Verlassen des Baumarktes erspähten meine beiden Herren einen kleinen Jungen auf dem Arm seines Vaters, der äußerst fasziniert den Streifenwagen anstarrte. Vollkommen nachvollziehbar, aus meiner Warte. ;-)

Keine Minute später saß der Kleine auf dem Fahrersitz und durfte mal das Blaulicht anwerfen.

Ich weiß schon, warum ich Fan unserer Polizisten bin, die meisten sind einfach zu nett.

 

 

Nach kurzen Ermittlungen wegen eines verlorenen Kennzeichens wurde mir die beste Pizza von Montabaur vorgeführt – und ja, sie ist wirklich sehr lecker.

In diesem Zusammenhang lege ich Wert auf die Feststellung, dass Polizeibeamten keine festgelegten Pausenzeiten haben. Man stelle sich das auch mal vor – eine Streife bei der Festnahme beispielsweise eines Mannes, der eine alte Dame beraubt, also mit Gewalt um ihr Erspartes erleichtert hat.

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr sagt Polizist 1 zu Polizistin 2: „Du, jetzt ist Pause.“
Polizistin 2: „Ach ja. Moment!“
Polizistin 2 zu Räuber: „Setzen Sie sich doch mal bitte auf die Bank da und warten Sie, bis wir fertig sind.“

Diese Berufsgruppe kann nicht einfach zu einer festgeschriebenen Zeit den Stift, bzw. die Handschellen, fallen lassen und eine Pause einlegen.

§ 4 ArbZG (Arbeitszeitgesetz) schreibt vor, dass ein Arbeitnehmer, der zwischen sechs und neun Stunden arbeitet, 30 Minuten Pause machen muss. Dies dient der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Nun wird mir bestimmt wieder jemand entgegenhalten, dass Beamte ja keine Arbeitnehmer seien. Aber Menschen sind sie und müssen ebenfalls ihre Arbeitsfähigkeit erhalten. Also muss bei einer Achtstunden- (oder gar Zwölfstunden)-Schicht Zeit für eine Mahlzeit sein Die wird halt eingenommen, wenn Zeit ist. Manchmal ist auch keine Zeit. Sogar ich, die ich nur ab und an mitfahre, habe schon erlebt, dass Essen einfach nicht drin war. Da bin ich dann morgens erstmal in irgendeinem großen Bahnhof über das Sortiment der nächstbesten Bäckereikette hergefallen.

Hier war es zum Glück anders.

Wenn man also Polizisten voll uniformiert bei der Nahrungsbeschaffung antrifft, ist also ein Anzeichen dafür, dass sie nebenbei, während sie ihren Job machen, sich etwas zu Essen holen – allzeit bereit, selbiges kalt werden zu lassen, wenn ein Einsatz ansteht.

 

„Notruf der Polizei Montabaur.“

Ein Anruf hatte mein Gespräch mit dem Wachhabenden unterbrochen. Eine ältere Dame erkundigte sich, ob die Polizei bei ihr angerufen hätte.

Nein, hatte sie nicht.

Durch gezielte Fragen des Wachhabenden stellte sich heraus, dass die Dame offensichtlich Opfer falscher Polizeibeamte werden sollte – der Anrufer hatte sich als Polizist der benachbarten Polizeiinspektion Straßenhaus ausgegeben. Die Dame wohnt allerdings gar nicht im Dienstgebiet von Straßenhaus, sondern im Gebiet der PI Montabaur. Zum Glück hatte sie Verdacht geschöpft.

Markus und Mario nahmen sich, mich im Schlepptau, der Sache an. Sie wartete bereits auf ihrem Balkon, sichtlich beunruhigt.

„Wir sind jetzt die Echten“, rief Markus ihr beim Aussteigen zu, und nahm damit schon einmal eine Menge Druck aus der Situation. Ihr gelang sogar ein kurzes Lächeln.

Markus und Mario nahmen ihre Aussage auf. Immer in der Hoffnung, dass die die Polizei irgendwann genug Informationen hat, um solchen Betrügern nachhaltig das Handwerk zu legen. Das Hauptaugenmerk der Dame lag allerdings in erster Linie auf ihrer persönlichen Sicherheit.
„Was mache ich denn, wenn die wiederkommen?“

Ein Nachbar war bei ihr und versprach zu bleiben.

Grundsätzlich ist es untypisch für falsche Polizisten, trotzdem anzurücken, wenn sie aufgeflogen sind. Ich kann allerdings die Beunruhigung der Dame sehr gut verstehen. Meinen beiden Herren konnten das auch, und es gelang ihnen, sie zu beruhigen.

 

Wo wir schon mal draußen waren, bekam meine Streife den Einsatz wegen der Bedrohungslage. Von dort ging es zum Streifefahren.

 

Nach einer kurzen Pause in der Dienststelle, weil Markus und Mario ihre Berichte verfassen mussten, wurden sie zu einem Randalierer in einer Kneipe gerufen. Nach weiterem Streifefahren und weiteren Berichten in der Dienststelle kam noch ein Einbruchsalarm rein. Allerdings hatten wir zum Tatort, einem Einfamilienhaus im Grünen, gute 20 Minuten Anfahrt, was der Einbrecher genutzt hatte, um sich davon zu machen.

Schon auf der Anfahrt ging die Sonne auf. Das ist im Westerwald wirklich ein grandioses Schauspiel. Während Markus und Mario sich mit der Spurenlage befassten, wurde ich von Frühlingsgefühlen übermannt. Bei der Rückfahrt in die Dienststelle wurde ich durch die tolle Landschaft im Licht eines Frühlingsmorgens schwer von der Polizeiarbeit abgelenkt. Trotzdem ist mein Fazit: Polizei Montabaur – Ihr seid sensationell!

Das war haarscharf – nicht nur eine Unfallaufnahme im Westerwald – Nachtschicht in Straßenhaus

Endlich! Seit sechs Wochen hatte er den Führerschein. Und heute Abend hatte Papa ihm endlich mal den BMW geliehen. Weil er seine Kumpels mitnehmen wollte.

Hier, im tiefsten Westerwald, ging ohne Auto gar nichts. Und Mamas Kleinwagen war einfach nur peinlich.

Ok, dass es den ganzen Tag geregnet hatte und immer noch regnete, war schon blöd. Dabei war der Sommer sowas von bombastisch gewesen und hatte bis in den September gedauert. Diesen einen Tag hätte der sich auch noch halten dürfen. Aber davon ließen doch er und seine Kumpels sich den Abend nicht versauen. Ein kleiner Wechsel der Location lag aber schon noch an. So gegen Mitternacht war eben ein anderer Club angesagt.

„Fahr mal schneller, die anderen sind schon da.“

„Mann, ich fahr das erste Mal bei Regen.“
Er nahm den Fuß vom Gas.

Eine langgestreckte Kurve. Die rot-weißen Richtungstafeln leuchteten im Scheinwerferlicht auf.

Ein leichtes Schleudern.

„Alter, was tust du?“

Er spürte wie der Wagen unter ihm ausbrach.

„Scheiße.“

Der schwere BMW pflügte über den Straßengraben. Es krachte.

 

„Polizeinotruf der Polizei in Straßenhaus.“

„Ich habe gerade ein Schild umgefahren.“

Zufällig befand ich mich gerade im Wachraum, als dieser Notruf hereinkam. Eine junge Stimme. Seltsam unbeteiligt. So unbeteiligt, dass ich vor meinem inneren Auge ein Bild hatte, wie ich selbst mal vor vielen Jahren ein Schild „umgefahren“ hatte. Auf einer Verkehrsinsel. Es hatte sich schlicht um 90 Grad gedreht, ansonsten war der Sachschaden gleich Null. Trotzdem war ich deutlich nervöser gewesen als der Anrufer sich anhörte.

Wie immer liegt mir die Erlaubnis der abgebildeten Polizisten zur Veröffentlichung vor.

Wenig später fuhren Christian, Alex und ich im Streifenwagen vor. Das Blaulicht reflektierte in einer großen Rauchwolke, mehrere Fahrzeuge standen am Straßenrand, junge Menschen wuselten durcheinander.

Hatte ich irgendetwas an dem Notruf missverstanden?

War doch mehr als nur ein Schild zu Schaden gekommen?

Brannte da etwa ein Unfallfahrzeug?

Und was war das für eine Musik, die da durch den nächtlichen Wald wummerte?

 

Meine beiden Herren schienen ebenso verwundert wie ich. Wir steigen aus. Sofort stieg mir Zigarettengeruch in die Nase.

Damit hatte sich schon einmal die Herkunft des Rauchs geklärt und ich entspannte mich wieder.

„Zuerst mal wird jetzt hier die Musik ausgemacht, bitte.“

Natürlich spricht es für das sonnige Gemüt der jungen Menschen, dass sie das Event, zu dem nun einige von ihnen nicht erscheinen konnten, einfach mal locker an den Unfallort verlegten. Aber wir waren hier nicht auf einer Open-Air-Party, sondern die beiden Beamten hatten zu arbeiten. Man kann sich einfach nur schwer konzentrieren, wenn man rein akustisch in einer Art Freiluftdisko steht.

Mit großer Geduld fanden Christian und Alex heraus, wer nun eigentlich etwas zum Unfallgeschehen beitragen konnte. Alle anderen wurden weggeschickt. Da die Party mangels Musik sowieso vorbei war, trollten sich die jungen Leute auch nach und nach widerspruchslos. Teilweise warteten sie, bis die Aussagen und Personalien der Mitfahrer aufgenommen waren, sodass sie diese gleich mitnehmen konnten.

Übrig blieben am Schluss nur noch der Fahrer selbst sowie einer seiner Kumpel. Allmählich erschloss sich mir auch die Ruhe des Fahrers – vor so vielen Kumpels geht das natürlich gar nicht, wegen eines popeligen Straßenschildes die Fassung zu verlieren …

 

„Ich habe meinen Führerschein erst seit sechs Wochen“, teilte uns der junge Fahrer mit. „Das ist meine erste Fahrt bei Regen.“

Das passte durchaus zum Wetter der letzten Wochen und Monate.

„Ich habe gebremst, aber wohl nicht genug und zu spät.“

Er sah sich das Loch genauer an, das das abrasierte Schild in die Motorhaube geschlagen hatte.

Die beiden Polizisten machten Fotos und schauten sich die Unfallstelle genauer an, um aus den Splittern, herumliegenden Autoteilen und den Reifenspuren ein Bild des Unfallhergangs zu gewinnen.

Christian machte den jungen Mann darauf aufmerksam, wie haarscharf die Reifenspuren an einem ausgewachsenen Baum vorbeigeschrammt waren.

Oha.

Das hätte auch ganz anders ausgehen könnten.

Der junge Mann gab sich weiter cool, schon wegen seines Kumpels. Eine Spur blasser und deutlich ruhiger wurden sie allerdings beide.

Im Grunde war die Aufgabe der Polizei hier beendet. Die beiden jungen Männer würden von den Eltern des Fahrers abgeholt, die sich auch um das Abschleppen des Wagens kümmern würden. Fehlte eigentlich nur noch eins:

„Der Wagen kann hier so nicht stehen bleiben“, sagte Christian.

Machte Sinn! Schwarzes unbeleuchtetes Auto in schwarzer Nacht auf unbeleuchteter Straße im Wald. Potentielle Gefahrenstelle!

Christian und Alex schauten sich das Auto noch einmal genauer an.

„Wir versuchen es mal. Fahren Sie das Auto mal bitte in den nächsten Ort auf den Parkplatz vor der Kirche. Das klappt wahrscheinlich noch.“

Es stellte sich heraus, dass wir gerade mal 500 Meter von einer kleinen Ortschaft entfernt waren. Den anderen war das natürlich klar gewesen. Mir nicht.

Der junge Mann und sein Kumpel stiegen ein.

Alex ging einige Meter in Richtung der Ortschaft, da der BMW drehen musste. Er wollte vorbeikommende Autofahrer warnen. In der anderen Richtung warnte ja das nach wie vor flackernde Blaulicht.

Der Fahrer startete den Motor, gab Gas. Mit einem erschöpften Knirschen löste sich der Wagen aus dem Graben. Etwas schleifte über den Asphalt, aber es sah aus, als würde es im Schritttempo gehen.

Ich wandte mich um, um Alex Gesellschaft zu leisten, als es plötzlich einen metallischen Knacks gab. Recht laut.

Ich wandte mich um.

Der BMW spreizte beide Vorderreifen ab.

Das sah nicht gut aus. Soviel sah sogar ich als Laie.

Christian schaute unter den Wagen und diagnostizierte einen Achsbruch.

Das Auto stand quer über der Landstraße.

Upps.

Damit war nun die Straße blockiert.

Als nächstes galt es nun, den Verkehr, bis der Abschlepper kam, umzuleiten. Je einer der beiden postierte sich auf einer der beiden Seiten des Autos. Ich stellte mich dabei neben Alex. Erstaunlich, wie viel um diese Uhrzeit, gegen zwei Uhr morgens, in einem dunklen Wald in einem Mittelgebirge noch los ist. Die Umleitung, die Alex den Fahrers erklärte, würde ich jetzt auch finden, sollte ich sie jemals dort oben brauchen …

Schließlich kam der Abschlepper und auch die Eltern holten ihren Sprössling ab.

Damit war dieser Einsatz beendet.

 

Das war natürlich nicht der einzige Einsatz dieser Nachtschicht. Es begann mit der Sicherstellung eines Portemonnaies, das spielende Kinder im Wald gefunden hatten – die es auch superspannend fand, dass die Polizei erschien.

 

Wir suchten einen Herrn, der aus einem Krankenhaus abgängig war, der schließlich in NRW gefunden werden konnte.

 

Während wir Streife fuhren und die Herren mir das vergleichsweise große Dienstgebiet zeigten, das zum Glück ein großes Stück Autobahn hat, die wir auch mehrfach benutzten, kam ein Einsatz wegen einer Schlägerei auf einer Kirmes rein. Blaulichtfahrt! Auf der Kirmes – keine Schlägerei.

 

Schließlich noch ein „Vermisstenfall“, der eigentlich keiner war, weil die Eltern durchaus wussten, mit wem die junge Dame unterwegs war … (die näheren Infos sind mir entfallen …)

 

Alles in allem eine wetterbedingt eher ruhige Nacht (so ziemlich die einzige Regennacht im Frühherbst des Jahres 2018), aber ausreichend um zu sehen, dass da eine der vergleichsweise kleineren Polizeiinspektionen von Rheinland-Pfalz in einem großen Dienstgebiet sehr gute Arbeit leistet. Danke dafür!

Der Ex-Polizist und mehr …

„Wer hat Sie denn zum Polizeihauptkommissar gemacht? Sie sind ja eine Niete.“

Innerlich zuckte ich zusammen, äußerlich blieb ich möglichst unbewegt. Die in harschem Ton vorgebrachte Liebesbekundung galt meinem heutigen Streifenpartner, Thomas. Er, in der Tat Polizeihauptkommissar, und drei Polizistinnen und Polizisten, Kommissare, standen um einen älteren Herrn herum. Er trug einen Jogginganzug und Badelatschen. Ohne Socken. Ich wunderte mich ein Bisschen, wieso ihm nicht kalt war. Okay, für einen richtigen Winter war es mit etwa 10 Grad deutlich zu warm, aber immerhin hatten wir Ende Dezember.

„Bei mir wären Sie jedenfalls nicht befördert worden, Sie können ja gar nichts“, feuerte er die nächste Salve ab.

Auch Thomas und seine Kollegen blieben unbewegt.

Die Wormser Polizei war gerufen worden, weil der Herr in seinem Altersheim herumrandaliert hatte. Den Beschreibungen nach war ein Flur abgeräumt und eine Mitarbeiterin von Ort als „Schlampe“ tituliert worden. Offensichtlich war von einer Beruhigung seines erhitzten Gemütes nicht auszugehen, also rief das Altersheim einen Rettungswagen, um ihn in die Rheinhessen-Fachklinik nach Alzey zu bringen. Dort gibt es eine Abteilung, die auf Fälle wie ihn spezialisiert ist.

Allerdings war die Besatzung des RTW auch nicht besser empfangen worden als meine Begleiter, also kam die Polizei zum Helfen.

„Das ist nicht mehr mein Land“, tönte der ältere Herr weiter.

Das konnte ich mir sehr gut vorstellen, denn er litt an Alzheimer. Eine Bekannte von mir hatte Alzheimer und ich erinnere mich sehr gut daran, wie sie es anfänglich noch schaffte, den Schein zu wahren und enorme geistige Anstrengungen unternahm, um nicht aufzufallen, oder Erinnerungslücken zu umschiffen. Irgendwann gelang ihr das aber nicht mehr. So fragte sie mich sehr oft, wie mir denn der Ruhestand so gefalle – ein Zustand, von dem ich noch viele Jahre entfernt bin und damals erst recht war. Sie sah dann an meinem Gesichtsausdruck, dass etwas an ihren Worten nicht stimmte und ruderte wild zurück. Sie wirkte oft sehr müde, denn es muss einerseits sehr anstrengend sein, vor den anderen so zu tun, als sei alles in Ordnung. Auf der anderen Seite ist es sicherlich schrecklich, wenn man in seinen lichten Momenten mitbekommt, wie die geistigen Kräfte nach und nach verfallen.

Ich persönlich hätte damit auch allergrößte innere Schwierigkeiten und deswegen schwanke ich, wenn ich mit Alzheimerkranken zu tun habe, immer zwischen großem Mitgefühl mit den Kranken selbst und nicht minder großem Mitgefühl mit dem Umfeld dieser Menschen, die sich oft die unglaublichsten Dinge anhören müssen. Oder eben mit Einsatzkräften, über die sich eine Kaskade übelster Beleidigungen ergießt.

Dieser Mann hier war in seinem früheren Leben Polizist gewesen, sogar in einer Führungsposition. Es ist schon ein Unterschied, ob man selbst Menschen führt und für diese Gesellschaft antritt – oder ob man nun von anderen gesagt bekommt, wo es lang geht und sich den Regeln eines Altersheimes unterwirft. Wo man wegen seiner Krankheit auch nicht mehr allzu viel für die Gesellschaft leisten kann. Natürlich ist das für ihn nicht „sein Land“. Wäre es für mich auch nicht. Rein vom Krankheitsbild her gesprochen.

Insofern konnte ich seine Aggressionen schon nachvollziehen. Was natürlich keinesfalls heißt, dass ich in irgendeiner Weise seine Tiraden, die sich gegen meine Begleiter und das Rettungspersonal richteten, gut hieß, oder deren Maßnahmen anzweifelte. Wenn jemand in dem Zustand herumrandaliert, gefährdet er sich selbst und andere.

Thomas fackelte gar nicht lange und dirigierte ihn sanft in den Rettungswagen. Natürlich stieg er zu und begleitete zusammen mit einem Sanitäter die Fahrt. Dessen junge Kollegin, die auch dabei war, fuhr.

„Möchtest du auf den Beifahrersitz?“

Dieses von Carina, Thomas Streifenpartnerin, gemachte Angebot, nahm ich natürlich an.

„Ich bin sehr froh, dass Thomas dabei war. Ich glaube, uns als Polizeikommissare hätte er weniger ernst genommen“, mutmaßte Carina. Da mochte sie Recht haben.

Übrigens das erste Mal in all den Jahren, dass diese Amtsbezeichnungen überhaupt eine Rolle spielten im Gespräch mit dem Streifenteam, das mich dabei hatte. Natürlich war das in diesem Fall der besonderen Situation des Herrn geschuldet.

Die Fahrt dauerte etwa 20 Minuten. Thomas sagte später, er und der Sanitäter seien die ganze Fahrt weiter durchbeleidigt worden.

„Wir haben irgendwann gar nicht mehr hingehört, sondern uns einfach unterhalten.“

Nachvollziehbar, denn selbst wenn man ganz genau weiß, dass der Mensch, der einem ununterbrochen Unverschämtheiten an den Kopf wirft, nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, ist solch ein Dauerbombardement nur schwer auszuhalten.

Die Einweisung in die gerontopsychiatrische Abteilung, also die Abteilung, die für die psychiatrische Behandlung älterer Menschen zuständig ist, vollzog sich recht problemlos. Zumindest ab dem Zeitpunkt, an dem der Mann erst einmal verstand, dass in dem Raum, der er bitte betreten sollte, deshalb kein Bett stand, weil er erst einmal aufgenommen werden musste, also Papierkram zu erledigen war, bevor er schlafen gehen konnte.

Die Besatzungen des RTW und des Streifenwagens verließen gleichzeitig die Klinik.

„Eine scheußliche Krankheit“, stellte der durchbeleidigte Retter fest. Da mussten wir ihm Recht geben. Alle.

Ein Einsatz, der nachdenklich macht. Vor wenigen Jahrzehnten machte dieser Mann genau das, was nun Thomas und Carina machten.

Wo wir alle wohl im Alter landen werden?

 

Ein weiterer Einsatz wurde auch in Alzey losgetreten. Junge Leute riefen bei der benachbarten Polizeiinspektion Alzey an, dass einer ihrer Freunde alkoholisiert in ein Auto gestiegen sei und nicht davon abzubringen gewesen sei. Da die Halteranschrift des Wagens im Bereich der PI Worms lag, fuhren die Alzeyer hinterher und die Wormser, um genau zu sein, Thomas und Carina mit mir als Achslastbeschwerer, zur Halteranschrift.

Wir näherten uns der Adresse bereits, als aus einer Nebenstraße vor uns ein Wagen auf die Straße schoss. Er schlingerte leicht, fuhr dann aber geradeaus weiter.

Thomas gab Gas, um aufzuschließen.

„Das ist er“, vermeldete ich, auf meiner Rückbank vom Jagdfieber gepackt. Das KFZ-Kennzeichen stimmte.

Also wurde der Fahrer herausgewinkt. Tatsächlich handelte es sich um den gesuchten jungen Mann – mit einer spannenden Alkoholfahne.

Also ab zur Dienststelle zur Blutprobe.

Seinen Führerschein hatte er übrigens gerade mal ein halbes Jahr. Da er bereits in Kaiserslautern im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln aufgefallen war (übrigens vor der berühmten Diskothek „Nachtschicht“, vor der ich auch schon Einsätze miterleben durfte), dürfte sich das wohl erledigt haben. Hoffe ich wenigstens. Ich überlebe nämlich meine Abstecher in den Straßenverkehr ganz gerne …

Wieder zog ich auf den Beifahrersitz, da Carina sich mit dem jungen Herrn auf die Rückbank setzte. Wir waren noch nicht angefahren, als dieser schon sein Handy zückte und mit seiner Freundin telefonierte. Diese schien ihm einige Vorhaltungen zu machen, was sie mir grundsätzlich erst einmal sympathisch machte. Unter dem Einfluss bewusstseinseintrübender Substanzen Auto zu fahren geht einfach gar nicht. Später erfuhr ich dann allerdings, dass sie wohl zuerst mit im Wagen gesessen hatte, dann aber schnell daheim abgeliefert worden war – aus welchem kühlen Grund auch immer. Da war es dann aus mit meiner Sympathie.

Netterweise traf ich bei der Gelegenheit die Polizeiärztin wieder, die ich auch schon einmal in Ludwigshafen 1 getroffen hatte.

 

Dieses sollte der letzte Einsatz der Nacht gewesen sein. Natürlich war das nicht alles. Ziemlich zu Beginn der Nacht fuhr uns ein Wagen mit defektem Rücklicht vor die Nase und gewann eine Verkehrskontrolle. Kein Verbandskasten, keine Warnweste und kein Führerschein am Fahrer kamen noch hinzu. Alles spielte sich sehr freundlich und zugewandt ab.

Eigentlich waren wir zu diesem Zeitpunkt auf Objektschutzstreife gewesen, denn auch Worms hat einige sensible Liegenschaften, die als besonders gefährdet gelten.

Zwischendurch waren wir in der Dienststelle, als ein junger Mann belegen wollte, dass er die auf einer Mängelkarte einer anderen Polizeidienststelle in einem anderen Bundesland aufgeführten Mängel an seinem Fahrzeug beseitigt hatte. Er bekam seinen Stempel und konnte damit dann pünktlich zu Weihnachten seine Karte loswerden.

Dann wurden wir auf den Weihnachtsmarkt gerufen, der zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war. Offenbar ist es in Worms notwendig, diesen Weihnachtsmarkt auch nach Schließung der Hütten über Nacht zu bewachen. Es gibt offensichtlich die kulturell beflissenen Wormser, die sich um die Nibelungenfestspiele kümmern – und die anderen …

Jedenfalls hatte es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Herren gegeben. Der eine beschuldigte den anderen, ihm fünf Euro gestohlen zu haben. Der andere beschuldigte den einen sowie Angehörige des Sicherheitsdienstes, ihn geschlagen zu haben. Interessanterweise war er vollkommen unversehrt. Die fünf Euro waren allerdings auch nicht zu finden. Eine Anzeige wegen Diebstahls und eine Anzeige wegen Körperverletzung wurden aufgenommen – letzteres angesichts seines einwandfreien körperlichen Zustandes nicht ohne Hinweis auf die Folgen einer falschen Beschuldigung.

In einem kleinen Ort, etwa eine Viertelstunde Fahrzeit von Worms, klingelte ein Betrunkener an einer Tür. Bei unserem Eintreffen war er allerdings nicht mehr zu sehen. Als wir gerade wieder Richtung Worms fahren wollten, kam ein Anruf wegen eines Einbruchsalarms in einer Spielhalle. Diese wurde von zwei Streifen umrundet – ohne Ergebnis.

 

Traurig war der Einsatz, den andere Streifenteams hatten – es hatte einen Unfall gegeben, bei dem eine alte Dame angefahren und schwer verletzt wurde. Als ich die Dienststelle morgens verließ, rang sie noch mit ihrem Leben. Ich weiß nicht, was aus ihr wurde. Ich weiß allerdings, dass der Vorfall keinen der Polizeibeamten unberührt ließ.

 

Eine ereignisreiche Nachtschicht ging zu Ende.

Danke, Thomas und Carina. Danke, Polizei Worms. Ihr seid klasse!

Wasserschutzpolizei – was machen die eigentlich?

„Die sind ja wohl total tiefenentspannt“, stellte ein Bekannter fest, nachdem er mir von einem Erlebnis mit der Berliner Wasserschutzpolizei erzählt hatte.

Mag sein.

Wenn man damit meint, dass die Wasserschutzpolizei fast nie durch die Einsatzlage getrieben wird und ihr auch so gut wie keine Gewalt entgegenschlägt (zum Glück!) dann ist das wohl korrekt.

Wenn man damit meint dass die Damen und Herren bei der Wasserschutzpolizei nichts schaffen – wenn man davon absieht, dass sie bei bestem Wetter auf landschaftlich schönen Gewässern herumschippern – dann liegt man mit dieser Einschätzung natürlich meilenweit daneben.

Dazu sollte man wissen, dass beispielsweise eine umfassende Kontrolle eines Frachtschiffs zwei bis drei Stunden dauern kann. Besetzung, Sozialvorschriften, Ladung, Gefahrgutvorschriften, Technik usw.)

Zwei Beamte sind auf dem Schiff. Dieses geht natürlich nicht vor Anker, sondern fährt weiter. Da steht Zeitdruck dahinter, es geht um Geld, nicht nur, wenn die Schiffe kaum noch Ladung aufnehmen können, weil es nicht regnen will und die Flüsse Niedrigwasser haben.

Ein dritter Polizeibeamter folgt also mit dem Polizeiboot, damit seine Kollegen nach beendeter Kontrolle wieder umsteigen können.

Drei Beamte und ein Boot sind also über Stunden gebunden und rein statistisch war es dann nur ein einziger Einsatz. So kann man schon mal rein rechnerisch auf solche falschen Annahmen kommen wie mein Bekannter weiter oben.

Um zur Wasserschutzpolizei zu kommen, muss man zuerst eine Polizeiausbildung absolvieren, danach kommt noch mal zwei Jahre Ausbildung. Bis zum Bootsführerschein. „Ich habe also sozusagen zwei Berufe“, sagte einer der Herren zu mir. Danach braucht man ein weiteres Jahr Fahrtzeit, um das Behördenpatent zu erwerben, das einen letztlich zum „kompletten Wasserschutzpolizisten“ macht.

Boot fahren sieht übrigens einfach aus, ist es aber nicht! Ein nicht unwesentlicher Teil des Bootes liegt unter Wasser. Fahren auf Sicht fällt also aus. Man fährt mit Echolot. Für mich ziemlich komplex …

Nicht nur deshalb fand ich meinen Besuch bei der Wasserschutzpolizei Koblenz sehr spannend und beeindruckend. Auch wenn wir uns nur wenig vorstellen können, was die Wasserschutzpolizei macht – da sind kompetente Leute unterwegs, die einen Job machen.

Ich wünsche Euch immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Viele gute Gespräche – Demoeinsatz in Remagen – 17.11.2018

Alle Jahre wieder … Das ist mittlerweile die gängige Begrüßungsformel, mit der nicht nur wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. begrüßt werden, sondern unter der wir auch unseren Beitrag zum Demoeinsatz planen. Natürlich wie immer mit Genehmigung der Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Koblenz und der Bundespolizeidirektion Koblenz.

Anlass ist, auch alle Jahre wieder, ein rechtsextremistischer Aufmarsch sowie die Gegenveranstaltungen, unter denen ich besonders den Tag der Demokratie des Bündnis für Frieden und Demokratie in Remagen hervorheben möchte.

Zwar sind die Voraussetzungen für uns jedes Jahr ein Bisschen anders (an welchen Stellen sammeln sich Polizeibeamte, wo sind Versorgungsstellen, wann treffen wir wo wen an, wer von Keine Gewalt gegen Polizei e.V. unterstützt), aber manches bleibt eben auch immer gleich.

So hängte ich dieses Mal am Tag vorher die Plakate allein auf, wurde aber von beiden Hausmeistern, sowohl der Grund- als auch der Integrierten Gesamtschule, unterstützt. Abends half mir der Schriftführer, schon einmal einen Teil unserer Spende in der Remagener Markthalle abzuholen.

Unser Tag begann um 04:00 Uhr, denn um 05:45 Uhr traf Julia bei mir ein. Wir beluden das Auto, dieses Mal auch mit einem schicken Tapeziertisch, da wir wussten, dass eine von uns bisher immer genutzte Versorgungsstelle wegfallen würde. Da wir aber nicht wussten, wie viele Polizisten sich wie lange an diesem Ort würden aufhalten müssen, wollten wir gerüstet sein, dort im Falle eines Falles eine Freiluftversorgung aufzubauen. Das Wetter versprach ja, trocken zu bleiben.

Um 06:30 Uhr holten wir bei der Bäckerei Müller den zweiten Teil unserer Spende ab.

Polizeisterne

Julia hatte einen traumhaften Schokoladenkuchen mitgebracht und ich steuerte wie immer Hundekekse für die Diensthunde bei sowie Polizeisterne.

Von dort fuhren wir als erstes zu Polizeiinspektion, denn dort ist ja die Tür immer offen, und hinterlegten bereits den ersten Teil unserer Spende.

Auf dem Weg zur IGS stellten wir nicht nur fest, dass es ein traumhafter Herbstmorgen war, der wunderbare Fotomotive bot, sondern dass auch neben der Schwarzen Madonna ein einsamer Streifenwagen im Nebel stand mit zwei mutmaßlich frierenden Polizisten darin.

Da parkten wir doch mal spontan ein paar Meter weiter ein und brachten schon mal einen Teil unserer Spende persönlich an den Mann.

„Passt gut, wir hatten noch kein Frühstück“.

Dann bauten wir in der IGS einen ersten Tisch auf. Ab zur Feuerwehr. An der Feuerwehr stießen erst wir auf die Helfer der Gewerkschaft der Polizei, dann stieß spontan Michaela zu uns, ebenfalls mit vier Kuchen bewaffnet. Wow!

Gewerkschaft der Polizei und Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. – Polizisten und Bürger ziehen an einem Strang

 

Michaela Knieps,, Julia Reinhardt und Gerke Minrath (alle von KGgP) in Kommunikation mit der Kommunikation. ;-)

Nun ging es mit zwei Wagen zuerst zum Parkplatz am Bahnhof, wo wir zwar kurz auf unseren Ansprechpartner von den Vorjahren trafen, der aber auch nicht so recht wusste, wie dieses Jahr zu verfahren sein könnte. Also schoben wir die Entscheidung hinaus, brachten noch einmal einiges zur IGS und dann zur Bundespolizei im Jugendbahnhof.

Ein letzter Versuch auf dem Parkplatz, wieder ergebnislos. Also ein letztes Mal zur IGS, immer schön vom einen Ende der Stadt zum anderen, und dort dann den Rest abgeliefert.

Michaela musste sich an diesem Punkt, ich zitiere, „vom ordnungsgemäßen Zustand meiner Familie“ überzeugen, also verließ sie uns an dieser Stelle.

Wir sahen zu, dass wir nun das Auto loswurden, denn wenn erstmal die Aufzüge laufen, ist kein Durchkommen mehr. Schließlich ist Sinn der ganzen Übung die Gewährleistung der freien Meinungsäußerung. Entgegen anderslautender Gerüchte schützt nämlich die Polizei keine besondere Meinung, sondern das Recht auf freie Äußerung derselben.

Zu Fuß kamen wir wieder zurück in die Innenstadt und besuchten zuerst noch einmal die Bundespolizei im Jugendbahnhof.

Bildquelle: Bundespolizei

Von dort spazierten wir wieder zur IGS. Unterwegs trafen wir immer wieder bekannte und für uns neue Gesichter aus den Reihen der Polizei. Entsprechend dauerten die Gespräche länger als sonst. Im Foyer der IGS und später bei der Feuerwehr bekamen wir auch noch ein paar Heißgetränke gespendet. Da der Einsatz insgesamt recht friedlich verlief, war er auch schnell zuende und wir konnten mit Hilfe des Schriftführers unsere Siebensachen einsammeln. Dabei wurde ich zufällig Zeugin, wie unglaublich schnell unsere Freiwillige Feuerwehr Remagen ist, wenn sie alarmiert wird. Wow! Ihr seid mit ein Grund, warum ich ruhig schlafen kann.

Den Rest des Abends ließ ich dann auf unserer Couch ausklingen.

Danke allen Unterstützern! Ihr seid klasse!

Und natürlich danke allen Einsatzkräften.

Wie üblich kommt zum Abschuss die Polizei selbst zu Wort:

Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen und bei der Kreisverwaltung Ahrweiler angemeldet. Aufgabe der Polizei ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizeidirektion Mayen mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Über den Tag verteilt fanden in Remagen und am Rhein-Ahr-Campus eine Vielzahl von verschiedenen Veranstaltungen statt, welche sich gegen die rechte Gesinnung richteten.

Im Bereich der Bahnunterführung am Bahnhof Remagen kam es zu einer Blockade durch Aktivisten des linken Spektrums. Diese wurde aufgelöst.

Die Anhänger „Rechts“, rund 130 Personen, trafen sich ab 12.00 Uhr im Bereich des Güterbahnhofs an der B 9. Telefonisch ging eine Bombendrohung gegen diesen Aufzug bei der Polizei Remagen ein. Vor diesem Hintergrund wurden Teile der Aufzugsstrecke von der Versammlungsbehörde in Abstimmung mit der Polizei kurzfristig umgelegt. Durch die notwendige Streckenumlegung entstanden auf der B9 Verkehrsstörungen. Die Ermittlungen in Bezug auf die Bombendrohung wurden sofort aufgenommen und dauern zurzeit an. Der Täter muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Nach einer Kundgebung in der Nähe der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort ohne weitere Zwischenfälle.

Zirka 250 Personen des linken Spektrums suchten heute den Weg nach Remagen. Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen konnte durch die eingesetzten Polizeikräfte verhindert werden.

(Pressemitteilung der Polizeidirektion Mayen vom 17.11.2018)

 

„Polizeigewalt: Kaum Schutz für Opfer“ – Mein Kommentar zum Monitor-Beitrag vom 15.11.2018

Zum besseren Verständnis des Kommentars empfiehlt es sich, sich die Sendung anzusehen. Hier ist der Link zur Mediathek:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/polizeigewalt-106.html

Die Polizei ist eine von Menschen gemachte Institution, also nicht perfekt. Entsprechend gibt es Einzelfälle von inkorrektem Verhalten. Diesen sollte auch nachgegangen werden. Das nennt sich dann Rechtsstaat. Soweit bin ich beim Monitor-Team.

Ich bin sogar beim Redaktionsteam, dass der Vorfall aus Wuppertal mit den in der Sendung präsentierten Informationen nicht gut für die Polizei rüberkommt. Mich würde allerdings schon interessieren, WARUM es diesen Platzverweis überhaupt gab. Das könnte ja doch einiges an der Beurteilung der Sachlage ändern.

Unabhängig davon ist diese Sendung ein Konglomerat aus Vermutungen, Unterstellungen, Einseitigkeit und fehlenden Informationen.

So zum Beispiel durften wir Zuschauer auch nie erfahren, aus welchem Grund die Duisburger Polizei wollte, dass Herr Kara wegfährt und zwar sofort und nicht erst, wenn er in Ruhe fertig gemacht hat. Hingegen finde ich persönlich es durchaus nachvollziehbar, Pfefferspray einzusetzen, wenn man in einem engen Treppenaufgang derart bedrängt wird, wie die Duisburger Beamten. Der Polizist, der Herrn Kara gegen den Kopf getreten hat, wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Dass er gegen seinen Strafbefehl Einspruch eingelegt hat, ist genau so sein gutes Recht wie es das gute Recht von Herrn Kara ist. Es ist das gute Recht eines jeden von uns, Einspruch gegen Strafbefehle einzulegen und wenn ein Polizist das tut, ist das eine völlig andere Baustelle, als wenn die Staatsanwaltschaft ein Verfahren einstellt. Im Zusammenhang damit wäre es auch nett gewesen zu erfahren, dass der Polizist nach wie vor vom Dienst suspendiert ist. Oder passt das nicht in die Nettobotschaft der Sendung?

Zu dem Herrn, der vor der Nürnberger Berufsschule ein Fahrrad in die sich vorwärts bewegenden Polizisten geschoben hat: Haben Sie schon einmal, während Sie sich dynamisch nach vorne bewegt haben, ein Fahrrad in die Beine geschoben bekommen? Offensichtlich nicht, sonst wüssten sie, welche üblen Verletzungen man damit hervorrufen kann. Es hat nicht das Geringste damit zu tun, ob jemand sonst ein Gewalttäter ist oder nicht. Diese Aktion war Gewalt und Menschen hätten dabei verletzt werden können. Insofern verstehe ich nicht, was an den von der zuständigen Staatsanwaltschaft aufgezählten Straftatbeständen falsch sein soll.

Ich jedenfalls werde mich weiterhin auf jede Demo begeben, die mir gefällt, ohne Angst vor der Polizei.

Die Straftatbestände „Widerstand“ und „tätlicher Angriff auf Polizeibeamte“ werden nicht trennscharf benutzt, auch das ist keine seriöse Berichterstattung. So wird der Eindruck suggeriert, dass diese Straftatbestände austauschbar seien, was sie nicht sind. Es gab übrigens auch schon erste Urteile wegen des Straftatbestandes „tätlicher Angriff auf Polizeibeamte“. So verurteilte bspw. das Amtsgericht Leonberg einen 31-Jährigen, der einen Rettungssanitäter und einen Polizisten angriff wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 60 Euro (Quelle: Leonberger Kreiszeitung vom 10.06.2018). Durch einfache Nutzung einer Suchmaschine findet man x weitere Urteile, wo von Haftstrafen nicht die leiseste Rede ist. Siehe dazu auch §47, Absatz 2 StGB.

Auch die ewige Leier mit der Anzahl der Strafverfahren, die eingestellt werden, wird durch kontinuierliche Wiederholung nicht sinnvoller.

Diese Zahlen sagen für sich genommen erstmal nicht das Geringste aus.

Zum einen fehlt die Vergleichsgröße. Solange man nicht weiß, wie viele Strafverfahren gegen Nichtpolizisten wegen vergleichbarer Tatvorwürfe eingestellt werden, haben die Zahlen keine Aussagekraft. Da es keinen Straftatbestand gibt, der sich mit Körperverletzung im Amt vergleichen lässt, kann man mit diesen Zahlen schlicht nichts anfangen. Man könnte sie ggf. mit Zahlen anderer europäischer Länder vergleichen, wobei auch dann die Aussagekraft deutlich geschmälert sein dürfte.

Übrigens gehe ich mal ganz stark davon aus, dass bspw. in Russland kaum Anzeigen gegen Polizisten erstattet werden dürften. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das bedeutet, dass es dort weniger Polizeigewalt gibt als hier.

Ein Strafverfahren ist ergebnisoffen und kein Beweis für Schuld. Sonst könnte ich ja jeden Missliebigen mit einer Anzeige ins Gefängnis bringen. Auch das nennt sich dann Rechtsstaat.

Mir sind noch einiges Dinge mehr aufgefallen, die in dem Beitrag mehr als diskussionswürdig waren. Aber ich belasse es aus Zeitgründen mal hierbei. Es geht mir auch nicht darum, dass man die Polizei nicht kritisieren sollte. Ich bin ja gerade deshalb Fan unserer Polizei, weil sie demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist und man sie eben kritisieren darf. Aber doch bitte mit vernünftigen und sachlichen Argumenten. Rechtsgrundlagen werden da von mir auch immer wieder gerne genommen.

Ich jedenfalls würde weiterhin jeder der 17 Polizeien in der Bundesrepublik Deutschland bedingungslos mein Leben anvertrauen.

Eine Gedenkstätte für im Dienst getötete Polizeibeamtinnen und -beamten

Schon seit längerem wünsche ich mir eine Art Denkmal für im Dienst an uns als Gesellschaft ums Leben gekommene Polizeibeamtinnen und -beamten. Umso mehr berührte es mich, als die Einladung zur Einweihung einer solchen in meinen Briefkasten flatterte – zur Einweihung der „Gedenkstätte für die im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten des Landes Rheinland-Pfalz“ an der Hochschule der Polizei in Büchenbeuren. Nicht nur die Einweihung fand dort statt, auch die Gedenkstätte wurde vor dem Tagungszentrum dort errichtet.

So fuhr ich denn heute Morgen bei – für Novemberverhältnisse – bestem Sonnenscheinwetter in den Hunsrück. Je näher ich Büchenbeuren kam, desto grauer und nieseliger wurde das Wetter. Wie schade …

Nachdem ich von freundlichen Polizeianwärterinnen und -anwärtern eingewiesen worden war, stellte ich im Tagungszentrum der Hochschule fest, dass es eine sehr große Veranstaltung werden würde. Das war auch gut so. Selbstverständlich waren viele Angehörige der Polizisten, um die es hier gehen würde, gekommen. Ebenso einige Mitglieder des Landtages, Vertreter der Landesregierung, hochrangige Vertreter benachbarter Polizeien – hier seien beispielhaft die Bundespolizei, die Polizei Nordrhein-Westfalen, die Polizei des Saarlandes sowie die luxemburgische Polizei genannt, und der Landesbranddirektor (oberster Feuerwehrmann von RLP). Natürlich waren auch viele Polizistinnen und Polizisten aus Rheinland-Pfalz vor Ort und nicht zuletzt die Personalvertreter und Vertreter der Polizeigewerkschaften. Passend zum Motto, unter dem die Veranstaltung stand: „Einnerung ist eine Form der Begegnung“ (Khalil Gibran).

Nach einer Begrüßung durch den Leiter der Hochschule, Friedel Durben, sowie einer Ansprache des Inspekteurs der Polizei, Jürgen Schmitt, sprach auch Innenminister Roger Lewentz.

„Jedes einzelne Schicksal, jede einzelne Geschichte ist tragisch und berührt Angehörige, Freunde und Bekannte, aber auch die Polizeibeamtinnen und -beamten, die einen Kollegen verloren haben. Die Hochschule der Polizei hat zusammen mit den Polizeibehörden keine Mühen gescheut, Angehörige und enge Kolleginnen und Kollegen der Verstorbenen zu ermitteln. Dabei kam es zu sehr denkwürdigen und intensiven Gesprächen und Begegnungen, die deutlich machten, wie präsent die Erinnerungen von teilweise Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen bei vielen Betroffenen an dieses einschneidende Erlebnis nach wie vor sind“,  so der Minister.

Untermalt wurde das Programm durch das Blechbläserensembles des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz. Gespielt wurde u. a. das Ave Verum von Mozart sowie das Adagio in d-moll von Allesandro Marcello. Ich erwähne das, weil die Auswahl der Stücke die Feierlichkeit des Anlasses nicht nur betonte, sondern auch zur Schönheit beigetragen hat.

Auch Hubertus Kesselheim, Polizeiseelsorger, kam zu Wort. Als greifbaren Beleg für die Arbeit, die die Studierenden in die Aufarbeitung der Einzelschicksale der betreffenden Beamten unternommen haben, hielt er einen von drei dicken Leitz-Ordnern hoch.

Zwei Studierende der Hochschule berichteten eindrucksvoll davon, wie ihnen die Beschäftigung damit unter die Haut gegangen war. „Wir gehen nun anders an unseren Dienst heran, achtsamer mit uns selbst“, sagte sinngemäß eine der beiden. Anschließend meldete sich eine Polizeibeamtin zu Wort. Sie war in einer Doppelrolle vor Ort, denn auch Ihr Vater gehört zu den Menschen, derer hier gedacht wurde und weiterhin werden wird. Schließlich sprach der Polizist, der am 17.03.2010 mit Manuel Kopper im Einsatz war, dem SEK-Beamten, der in Anhausen im Dienst erschossen wurde. In sachlichen Worten schilderte er den Einsatz und den Tod seines Kollegen. Sachlich, aber die Emotionen vibrierten bei jedem Wort mit.

Nachdem die Anwärterinnen und Anwärter den Saal verließen, um sich schon einmal zu einem Ehrenspalier aufzustellen, folgten alle Anwesenden. Ein evangelischer und ein katholischer Polizeiseelsorger, Reinhard Behnke und Hubertus Kesselheim, erbaten einen Segen für die auf der Gedenkstätte erwähnten Polizisten. Die Feier selbst war offenbar schon gesegnet, denn es wurde tatsächlich für die Minuten, die wir draußen standen, kurz sonnig.

 

Nach der Kranzniederlegung durch den Innenminister wurde jeder der 45 im Dienst an uns Bürgerinnen und Bürger verstorbenen Polizeibeamten beim Namen genannt. Nur das. Kein Dienstgrad, keine Dienststelle. Nur der Mensch. Für jeden Namen legten die angehenden Polizistinnen und Polizisten eine weiße Rose vor der Basaltsäule mit den Gedenkplaketten nieder. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Vielen Angehören war die Emotion anzumerken. Es machte mir Gänsehaut, den einen oder anderen gestandenen Polizisten dabei zu sehen, wie er mehr oder minder heimlich eine Träne verdrückte.

Einige der Namen kannte ich. So hatte bspw. eine Dienststelle, in der ich hier und da zu Gast war,  im Wartebereich für Bürgerinnen und Bürger mit Fotos an ihre im Dienst ums Leben gekommenen Polizisten erinnert. Leider sind diese Bilder mittlerweile in einen anderen Raum gewandert, was ich persönlich sehr schade finde. Meiner Ansicht nach sollten wir Bürgerinnen und Bürger ruhig damit konfrontiert werden, was Menschen, die diesen Beruf ergreifen, riskieren. Immerhin sind sie Tag und Nacht unterwegs – für uns.

Beim Empfang im Anschluss an die feierlich Einweihung waren sich alle, mit denen ich ins Gespräch kam, einig – es war eine würdige Veranstaltung gewesen.

Zugegebenermaßen hatte auch ich im Vorfeld hier und da den Gedanken, dass ein öffentlicherer Ort wünschenswert gewesen wäre. Allerdings gibt es sehr viele gute Gründe, die für diesen Standort sprechen. Jede Polizistin und jeder Polizist in Rheinland-Pfalz kommt im Laufe seines Dienstlebens daran vorbei – zuerst während seiner Ausbildung und dann immer wieder bei Fort- und Weiterbildungen. Die Gedenkstätte ist nach dem gleichen Motto von Khalil Gibran angelegt, unter dem auch die Einweihung stand. Entsprechend ist auch sie ein Ort der Begegnung. Zehn kleine Basaltsteine sind um die Stele gruppiert, laden ein zu verweilen, zu gedenken, sich auszutauschen – eben sich zu erinnern und sich zu begegnen. Zudem ist sie hier geschützt vor der Minderheit von Menschen, die wohl leider ohne jeden Respekt nicht mit der Wimper zucken würden, sich an dieser Stätte zu vergehen.

Mir gefällt sie sehr gut, diese Gedenkstätte. Danke dafür. Danke für die Wertschätzung, die damit jene Menschen erfahren, die im Dienst an uns ihr Leben lassen mussten. Danke auch für die Wertschätzung, die damit jene erfahren, die mit diesen Menschen eng verbunden waren. Danke auch für die Wertschätzung, die letztlich jene erfahren, die tagtäglich für uns zum Dienst gehen. Wertschätzung. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Es freut mich sehr, dass ich bei der Einweihung dabei sein durfte. Es war mir eine Ehre und eine persönliche Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir, dass die freien Stellen auf der Stele auch frei bleiben werden.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal Roger Lewentz zitieren, der heute sagte: „Vor allem die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber unseren Beamtinnen und Beamten erfüllt mich mit Sorge. Lassen sie uns dies, gerade auch im Blick auf diese Gedenkfeier, als eine bleibende gesellschaftliche Aufgabe ansehen.“ Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. sind dabei.

 

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Weitere Links zum Thema

Pressemitteilung des Ministerium des Innern und für Sport vom 02.11.2018

ODMP-Seite Manuel Kopper

 Mein Artikel über das Denkmal der Exekutive in Wien von 2014

Beitrag in SWR aktuell vom 02.11.2018

So war der Danke-Polizei-Tag 2018

Da ich diesen Artikel unter hohem Zeitdruck schreibe, spare ich mir einfach viele Worte und greife mal wieder in weiten Teilen auf meine Veröffentlichungen aus den Sozialen Netzwerken auf.

Nadine Augst, Mitglied von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., und ich starteten am Freitag, 14.09.2018, um sieben Uhr morgens in Koblenz. Von dort ging es an der Mosel entlang nach Brodenbach.

Dann ging es auch schon los mit der Polizeiwache Brodenbach:

Weiter mit einem Antrittsbesuch bei der Polizeiinspektion Cochem. Wenn schon an der Mosel, dann auch endlich mal diese beiden Dienststellen des Polizeipräsidiums Koblenz kennen lernen, wozu ich bislang noch keine Gelegenheit gehabt hatte.

Von dort ging es in den Bereich des Polizeipräsidiums Trier, unseres diesjährigen Patenpräsidiums. Zuerst nach Zell. Auf dem Weg dahin kamen wir schon in den ersten netten Stau des Tages.

Ich wunderte mich schon die ganze Zeit, warum Zell zu einem anderen Präsidium gehört als Cochem, da der Landkreis Cochem-Zell heißt. Ich wurde aufgeklärt, dass die Polizeiinspektion Zell auch mal zum Präsidiumsbezirk Koblenz gehört hatte, aber eine Polizeireform da eine entsprechende Änderung gebracht hat.

Von Zell fuhren wir zur Polizeiwache Traben-Trarbach, wo wir fürstlich mit Pflaumenkuchen bewirtet wurden. Das traf  sich gut, denn unser Plan, in Brodenbach zu frühstücken, war an den Öffnungszeiten der Cafés dort gescheitert.

Von Traben-Trarbach ging es dann nach Bernkastel-Kues. Auch hier wurden wir liebenswürdig empfangen.

Von dort brachte uns die Stellvertretende Dienststellenleiterin auf den kürzesten Weg nach Schweich, unserer letzten Station. In der Polizeiinspektion bekamen wir noch einmal leckere Teilchen.

Wo wir schon mal in Schweich waren, ließen wir natürlich auch die Autobahnpolizeistation nicht aus.

Den Abend verbrachten wir in Trier, was ebenso wie der Rest der Moselregion, wirklich sehenswert ist.

Nach einer ruhigen Nacht begann unser Tag um halb acht Morgens bei der Bundespolizeiinspektion Trier. Ok, um genau zu sein, begann er um sieben Uhr in einem Schnellrestaurant mit einem Frühstück.

Von hier ging es dann weiter zur Polizeiinspektion Trier, in der ja schon im Vorfeld die Pressekonferenz zum Danke-Polizei-Tag 2018 stattgefunden hatte (siehe hier).

Schon vor uns war jemand dagewesen und hatte offensichtlich Süßigkeiten abgegeben. Das brachte die Damen und Herren da in Verdrückung, denn sie dürfen nichts annehmen. Während wir vor Ort waren, kam auch ein amerikanischer Militärpolizist mit seinen Kindern vorbei, um seinen deutschen Kollegen zu danken. Er erzählte, dass ich den Vereinigten Staaten für den Say-thank-you-to-a-police-officer-day und die herumliegende Woche dieses Verbot, Süßes anzunehmen, aufgehoben wird. Macht aus meiner Sicht Sinn, da es offensichtlich heutzutage wenigen Menschen vermittelbar zu sein scheint, wie wertvoll ein Danke sein kann, auch wenn nichts Materielles dabei ist. Geld regiert halt die Welt.

Von hier ging es ins hübsche Saarburg – und ich lernte mal wieder dazu, dass die Saar auch in Teilen durch Rheinland-Pfalz fließt. Landschaftlich übrigens auch toll.

Über die Hunsrückhöhenstraße (auch sehr schön) erreichten wir Hermeskeil.

Der Herr in Uniform ist übrigens der Dienststellenleiter von Hermeskeil, der mich später noch einmal auf dem Handy anrief, um mir mit allen Zeichen der Erleichterung mitzuteilen, dass der Vermisste wiedergefunden worden war. Und weiter ging es nach Bitburg. Und ja, die Eifel ist wirklich schön. Übrigens dachte ich eigentlich immer, ich würde der Polizei Trier folgen. Da hab ich wohl mal den falschen Knopf gedrückt. Jetzt folge ich ihr wieder. wp-monalisa icon

Und weiter nach Prüm, wo wir ebenfalls wieder mit Kuchen verpflegt wurden:

Und last but not least als letzte Station im Bereich unseres Patenpolizeipräsidiums – die Polizeiinspektion Daun:

Nun enterten wir wieder den Bezirk unseres Heimatpräsidiums Koblenz und arbeiteten uns mehr oder minder an der Ahr entlang nach Hause:

PI Adenau:

PI Bad Neuenahr-Ahrweiler:

PI Remagen:

Überall wurden wir nach unseren Motiven befragt, uns für die Polizei zu engagieren. Und ebenso ergaben sich überall gute und interessante Gespräche. Wiederkehrende Motive waren Personalknappheit, fehlender Rückhalt aus der Politik, sinkender Respekt und die immer häufiger werdenden Einsätze mit Personen, die psychische Probleme haben und auf einer rationalen Ebene nicht mehr zu erreichen sind. Aus meiner persönlichen Sicht wird da mal wieder ein gesamtgesellschaftliches Problem auf den Polizeibeamten abgeladen, anstatt es zu lösen. Zum Dank dafür könnte man dann doch ruhig etwas mehr Respekt und Rückhalt vermitteln.

Bei all dem schlug uns aber auch immer wieder hoher Idealismus und eine große Liebe zu diesem Beruf entgegen.

Für mich persönlich übrigens sehr interessant die Erfahrungen aus Trier, wo der Taser als Einsatzmittel getestet worden ist, der nun flächendeckend in Rheinland-Pfalz eingeführt werden soll. Offensichtlich reichte in Trier nach wenigen Anwendungen allein das Androhen der Anwendung aus, einen Aggressor zu beruhigen.

Nadine besuchte noch an diesem Abend die Polizeiwache in Bonn-Ramersdorf. Ich hingegen  machte eine Pause bis zum 17. September, als ich bei der PI Neuwied vorbeikam:

Aber auch und vor allem unsere Mitglieder waren sehr fleißig:

Erdmute Wittmann, Schatzmeisterin a.D.:

Unser Berliner Mitglied Majonnchen hat nicht nur im Internet zu einem Danke-Besuch aufgerufen, sondern war selbst in zwei Abschnitten:

Majonna bei Abschnitt 65 und 56:

 

Unsere Mitglieder Claudia Berg und Ilija Matijevac waren bei der Polizeiinspektion Frankenthal unterwegs:

Sie waren zu unterschiedlichen Zeiten dort, entsprechend hatte Ilija Pech – alle waren im Einsatz. Ähnlich war es uns ja auch gegangen. Schönes T-Shirt übrigens, Ilija.

Stefanie und Alex Poth waren in Braunschweig unterwegs:

Unser Mitglied Gitti Rief besuchte die Polizeiinspektion Lindenberg im Allgäu sowie das Polizeirevier Wangen im Allgäu.

Unser Mitglied Christiane Wimmer besuchte das Polizeikommissariat Syke (oben) sowie die Polizeistation Bruchhausen-Vilsen (unten):

Unser Mitglied Antje Fath besuchte mit ihrer Tochter die Polizeiinspektion Diez:

Unser Mitglied Susan Walsh-Nass besuchte die Polizeiwachen Krefeld-Uerdingen sowie Krefeld-Nord:

Unser Mitglied Julia Reinhardt war in Köln bei der Polizeiwache Rodenkirchen sowie bei der Polizeiwachse Stolkgasse:

An dieser Stelle möchte ich ganz besonders dem Verein OASE e.V. in Mittweida danken, die dieses Jahr für uns große Teile der Postkartenaktion an insgesamt 3.700 Dienststellen von Polizei und Zoll übernommen haben:

Ebenso danke an Jennifer und Birgit Ruck, die die Verschickungsaktion ebenfalls unterstützt haben:

Auch möchte in allen Nichtmitgliedern danken, die am Danke-Polizei-Tag teilgenommen haben. Das würde hier ausufern, wenn ich sie alle aufzählen würde, aber in jedem Fall danke ich Euch/Ihnen herzlich für die Unterstützung unseres Anliegens, unseren Beamtinnen und Beamten einer demokratisch legitimierten und rechtstaatlich verfassten Polizei durch ein kleines und einfaches Danke etwas sehr wertvolles zu vermitteln – den Rückhalt aus der demokratischen Mitte.

Einem Nichtmitglied möchte ich aber ein paar Zeilen widmen – um genau zu sein, möchte ich eine Pressemitteilung der Hochschule der Polizei vom 14.09.2018 zitieren:

Am 15. September veranstaltet der Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ in der Großregion Trier den jährlich stattfindenden Danke-Polizei-Tag. An diesem Tag werden, neben Plakat- und Postkartenaktionen, in persönlichen Besuchen Anerkennung und Dank für die geleistete Polizeiarbeit ausgedrückt. Der Bürgermeister der Ortsgemeinde Büchenbeuren, Herr Guido Scherer, hatte sich daher kurzerhand dazu entschlossen, am 14. September mit Bürgerinnen und Bürgern die Hochschule der Polizei sowie die Polizeiwache Hahn zu besuchen und sich vor Ort für die geleistete Arbeit zu bedanken.

Gegen 13:00 Uhr traf Herr Scherer gemeinsam mit Gemeinderat Dr. Jürgen Alpers am Polizeicampus ein. Von der Hochschule der Polizei waren neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch Studierende anwesend. Nach einer kurzen Begrüßung durch Direktor Friedel Durben informierten sich die interessierten Besucher in lockerer Atmosphäre über den Arbeitsalltag der Hochschule und die Aus- und Fortbildung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz. Direktor Durben freute sich über den Besuch: „Gerade als Bürgerpolizei ist es ein tolles Gefühl, wenn unsere Arbeit von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern anerkannt und wertgeschätzt wird“.

Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto ging es dann für die Besuchergruppe weiter zur Polizeiwache Hahn. Dort stand neben der Begrüßung durch den Leiter, Polizeihauptkommissar Frank Adam und einer Vorstellung der Dienststelle, auch eine Terminalbesichtigung am Flughafen Hahn mit einem Streifenteam auf dem Plan. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeiwache bedankte sich Herr Scherer für die tolle Arbeit und das Engagement. „Unsere Polizistinnen und Polizisten setzen sich täglich für unseren Schutz ein, dafür muss man auch mal Danke sagen!“, so Bürgermeister Scherer.

Danke, Herr Scherer, für das Danke.

Zum Abschluss noch einige Reaktionen aus der Welt der Polizei auf unsere Aktionen:

Abschließend möchte ich einen Polizisten zitieren, den ich persönlich sehr schätze, der mir schrieb: „Danke für den Danke-Polizei-Tag!“

Gerne! Dieses Danke ist hochverdient.

Einmal wollte ich aufgeben … – Meine Danke-Polizei Radtour 2018

Früher Abend. Da stand ich nun auf einem Berggipfel, mitten im Nichts. Um mich herum Schotter, Windräder, die sich nicht mal drehten, weil die Luft einfach nur stand, eine sogar ganz schöne Aussicht, nur leider nicht auf Bad Kreuznach, wo ich in einer Viertelstunde einen Termin hatte.

Die Sonne prügelte buchstäblich auf mich ein. Die Schottersteine strahlten Hitze ab, mir lief der Schweiß in Strömen. Meine Augen brannten, mein Kopf schmerzte, ich war verdammt müde.

Wie war ich bloß hier hingeraten?

Und warum tat ich mir das an?

Ich setzte mich neben mein Fahrrad und heulte.

 

 

Angefangen hatte alles im Frühjahr, als mir die Idee kam, eines meiner Hobbys mit meinem Ehrenamt zu verbinden. Einfach mal eine Radtour durch das schöne Rheinland-Pfalz, um der Polizei Danke zu sagen. Danke für den täglichen Einsatz.

Der Verein, Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. würde etwas davon haben, nämlich zum einen ein bisschen Publicity. Vielleicht würde auch der eine oder andere Mitbürger animiert, sich zumindest zum Danke-Polizei-Tag am 15.09.2018 in seine Polizeidienststelle zu begeben, um sich für den Einsatz des vergangenen Jahres zu bedanken. Und die Polizei hätte auch etwas davon, wenn zunehmend Mitbürgern klar wird, dass man in Polizeidienststellen nicht gefressen wird. Im Gegenteil.

Und ich hätte eine Menge Spaß, denn Radfahren ist eine meiner Leidenschaften. Es ist schließlich nicht verboten, beim Ehrenamt Spaß zu haben. Abgesehen davon, dass ich von der Radtour am Rhein schon seit fast 30 Jahren träumte und irgendwann muss man es dann auch mal machen.

Also meldete ich das mal mit Hilfe der Pressestellen der Polizei RLP an.

 

Ingesamt verbrachte ich 697,08 km sowie 46 Stunden, 25 Minuten und 31 Sekunden im Sattel; meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 15 km/h. Das Ganze an Tagen, an denen bereits morgens um acht Uhr die Temperatur schon bei 28 Grad lag. Der „heißeste“ Moment war vermutlich der Augenblick, an dem ich auf einem dunkel asphaltierten Radweg fuhr und mein Thermometer mir 45 Grad anzeigte.

 

Trotz dreier „Hänger“ war es eine supertolle Tour.

 

Für mich persönlich nehme ich mit, dass ich ein Bisschen stolz auf mich bin, weil ich das überhaupt geschafft habe, bei dieser Hitze die 700 km hinter mich zu bringen. Außerdem ist Rheinland-Pfalz ein wunderschönes Bundesland und ich habe wirklich Glück, dass ich hier wohnen darf.

Einziger Kritikpunkt sind die Radwege, die teilweise in einem desolaten Zustand sind bzw. in einer Weise um Ortschaften herumgeführt werden, die das Gefühl aufkommen lässt, dass Radtouristen nicht wirklich erwünscht sind. Ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass der ökologische Fußabdruck eines Radfahrers nahezu bei Null liegen dürfte. Meiner Meinung nach hätte dieses schöne Bundesland da eine Menge Potential, weitere Touristen anzuziehen. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal das Radwegenetz im Elsass ansehen, das ich in dieser Hinsicht als vorbildlich ansehe.

 

Für Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erhoffe ich mir, dass die Öffentlichkeitswirkung durch Presseartikel und die Begleitung in den Sozialen Medien durch mich und teilweise auch die Polizei ausreichte, uns ein Bisschen bekannter zu machen. In diesem Zusammenhang ein besonderer Dank an den General-Anzeiger, die Rhein-Zeitung, Antenne Mainz und TV Mittelrhein für die tolle Berichterstattung. Das eine oder andere neue Mitglied wäre ganz schön.

Zusätzlich hoffe ich, dass unser Vereinszweck dahingehend unterstützt wurde, dass nicht nur ich Rückhalt in Form eines netten Dankes an die Polizei vermittelt habe, sondern andere Menschen nachziehen und mal über nette Worte in Umfrageergebnissen hinaus ihr Lob direkt und explizit an Polizistinnen und Polizisten richten.

 

Für die Polizei hoffe ich, dass rüberkam, dass sie eine Bürgerpolizei ist, jederzeit bereit, in Dialog mit dem Bürger zu treten. Man wird in Polizeidienststellen im Regelfall freundlich und zuvorkommend behandelt, vor allen Dingen, wenn man kommt, um etwas Nettes zu sagen.

 

Zum Abschluss nun noch einige Danksagungen. Danke an eine Menge Menschen, die mich auf ihre Art alle ein wenig durch die Tour getragen haben:

 

  • Danke für die herzlichen Empfänge in den Polizeidienststellen, in denen ich mindestens Wasser, häufig aber mehr, bekam. Zumal ich nicht immer nach Rosen geduftet haben dürfte, auch wenn ich jeden Morgen unter der Dusche stand.
  • Danke für die Eskorten durch die ITler, die GdPler, die Fahrradstreife, Nori von der DPolG und letztlich auch durch die Abende, an denen mein Mann mich durch Anwesenheit unterstützte.
  • Danke für die kleinen und großen Geschenke, wie Müsliriegel, Magnesium, Einladungen zu Übernachtungen, und regelmäßiges Mutmachen, sei es real oder auch virtuell.
  • Danke!

 

Mehr Details habe ich in den Anhang gesetzt. Ich hatte erst überlegt, für jeden Tag einen Blogbeitrag draus zu machen, aber ich möchte mit dem Thema jetzt auch mal fertig werden. Damit nicht jeder alles lesen muss, sondern sich gezielt, das was ihn interessiert, heraussuchen kann, habe ich das Ganze chronologisch nach Tagen sortiert. Zu Beginn eines jeden Tages erfolgen Grunddaten, dann kommen Bilder von den Dienststellenbesuchen, dann Anmerkungen zum Thema „Radfahren“ und last but not least persönliche Bemerkungen und das Bild / die Bilder des Tages. Denn, ich kann es nicht oft genug sagen, Rheinland-Pfalz ist schön.

 

Wer wissen will, wie die Sache auf dem Gipfel zwischen den Windrädern ausging – das war der 31.07.2018.

 

Montag, 23.07.2018

Strecke: Von Remagen bis Brey (PI Remagen – PI Andernach – WSP Andernach – PI Koblenz 2 – PI Koblenz 1 – Campingplatz in Brey)

Tageskilometer: 71,11

Insgesamt gefahrene Kilometer: 71,11

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Ich bin überwiegend dem Rheinradweg gefolgt, der für mein Empfinden recht gut ausgeschildert ist. Allerdings bin ich insbesondere aus dem Elsass und Norddeutschland ein wenig verwöhnt, wo es autobahnartige Radwege aus feinem Asphalt gibt, auf denen man schnell vorankommt. Der Rheinradweg besteht bereits auf dieser Etappe an einigen Stellen aus Schotterpiste (wenigstens feiner Schotter, aber Fahren über 15 km/h sollte man lassen, man muss das Ganze ja im Zweifel zum Stehen bringen, ohne beim Bremsen wegzurutschen), aus „Hoppelasphalt“ (Wurzeln, die den Asphalt hochdrücken, und weitere Verwerfungen) und, ab Koblenz, zu meiner äußersten Erbauung aus Kopfsteinpflaster. Auf letzterem fahre ich jedenfalls mit voll beladenem Rad maximal 10 km/h, um das Rad nicht komplett zu demolieren. Mal ganz abgesehen von den Glasscherben, die gerne mal in den Ritzen lauern. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich bis zum letzten Tag keine Panne hatte. Einen Ersatzschlauch dabei zu haben ist dennoch ein kluger Schachzug.

Insgesamt zeichnete sich bereits an diesem Tag ab, dass man sich als Radtouristin in den wenigsten Gegenden dieses schönen Bundeslandes gewollt fühlt, im Gegenteil hat man oft das Gefühl, dass da irgendein Weg, den sonst keiner will, dann eben für die Radfahrer bereitgestellt wird. Oder dass da jemand mit der Planung betraut wurde, der selbst niemals Rad fährt.

Koblenz Innenstadt nehme ich davon mal aus, da wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht, wie man diesem städtebaulichen Konzept noch Radwege abringen sollte, ohne für Fußgänger und Autofahrer Chaos zu produzieren.

Jedenfalls führten die Wegverhältnisse dazu, dass ich trotz großzügiger Planung (die von Google-Maps vorgeschlagenen Zeiten hatte ich mindestens verdoppelt, meistens deutlich mehr) bereits zwischen Andernach und der Polizeiinspektion Koblenz 2 in Zeitnot geriet und deshalb durch ein ausgesprochen romantisches Gewerbegebiet abkürzte.

 

Persönliches: Ehrlich gesagt war ich, als ich morgens meine Packtaschen einer nicht ganz billigen Marke fertig machte und als erstes direkt mal die Schnalle einer Tasche riss, nicht mehr so sicher, ob das alles eine so gute Idee von mir gewesen war. Ein Gefühl, das mich schon nicht mehr losgelassen hatte, seit ich in der Vorwoche bei schlappen 25 Grad an der Nordsee (Trainingslager – flach, aber viel Wind und das immer nur von vorne) den Wetterbericht für Rheinland-Pfalz zur Kenntnis genommen hatte, der von einer „Monsterhitzewelle“ sprach.

Nun bin ich nicht nur mit einer unfassbaren Sturheit gesegnet (andere betrachten es häufig als Fluch), sondern hatte auch diverse Termine festgezurrt. Also nix wie los.

Dank der Schnalle, die ich durch ein Stück Gartendraht ersetzte, kam ich bei der Polizeiinspektion Remagen direkt mal zu spät an. Allerdings hatte ich meine Etappen recht großzügig kalkuliert, so dass ich nach einigen launigen Worten („Wenn du dann total abgezehrt wieder hier ankommst, haben wir auch ein Glas Wasser für dich.“ – „Sauerstoffzelt wäre dann nett.“) ohne große Hektik weiterfahren konnte und außer bei der Wasserschutzpolizei in Andernach überall pünktlich eintraf. Es ist schon eine Kunst, sich auf den zwei Kilometern zwischen Polizei und Wasserschutzpolizei zu verfahren … und ich beherrsche sie.

In jeder Dienststelle wurde ich sehr freundlich empfangen, und erstmal ein Bisschen bedauert, weil ich mir die Hitzewelle ausgesucht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hieß es allerdings noch, dass Mittwoch der heißeste Tag werden sollte. Das erschien mir absehbar.

Am späten Nachmittag kam ich dann in Brey an und schlug mein Zelt an einer ruhigen Ecke des Campingplatzes auf. Dank der Trockenheit der letzten Wochen hatte ich Schwierigkeiten, die Erdnägel in den Boden zu bekommen, um das Zelt abzuspannen. Mit etwas Mühe schaffte ich es aber, sie knapp unter der Grasnarbe entlangzuführen. Betreut wird der Campingplatz von einer sehr netten Dame. Man hat einen tollen Blick auf die Marksburg. Er liegt direkt neben der Bahnstrecke und ich stellte im Laufe der Nacht fest, dass nachts durchaus der eine oder andere Güterzug diese Strecke benutzt. Dennoch war dies der einzige Campingplatz auf der Tour, auf dem ich mich traute, mein Handy in den Waschräumen zum Laden liegen zu lassen – zwischen vier und sechs Uhr morgens.

Mein Mann brachte mir Ersatzschnallen und eine Handyhalterung vorbei und leistete mir noch ein Bisschen Gesellschaft. Dann war ich wirklich erstmal allein.

 

Pic(s) of the day:

Die Marksburg in der Abendsonne

 

Dienstag, 24.07.2018

Strecke: Von Brey bis Bingen (Campingplatz Brey – PI Boppard – PI Bingen – Campingplatz Bingen)

Tageskilometer: 58,48

Insgesamt gefahrene Kilometer: 129,59

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Von Brey nach Boppard führt der Rheinradweg teilweise über Kopfsteinpflaster, was aus den bereits für den 23.07. beschriebenen Gründen wirklich hässlich ist. Glücklicherweise hatte ich die Anfahrtszeit sehr großzügig berechnet, eigentlich in Hoffnung auf ein gemütliches Frühstück in Boppard.

Zwischen Boppard und Bingen ist der Rheinradweg sehr gut befahrbar. Zwar führt er bis Bacharach direkt an der Bundesstraße 9 entlang und es gibt sehr wenig Schatten (das Tal wird dort recht eng), aber man hat eine wunderbare Aussicht auf den Weltkulturerbeteil des oberen Mittelrheintals.

Ab Bacharach führt der Weg wieder weg von der Bundesstraße, an einigen auch durchaus genutzten Rheinstränden vorbei und es gibt viel Schatten.

Auf den gesamten 40 km kann man sehr gut Strecke machen. Hier war es eher die Tatsache, dass ich mir in Boppard nach dem Dienststellenbesuch noch ein Frühstück gekauft hatte, die dazu führte, dass ich exakt pünktlich in Bingen ankam.

 

Persönliches: Kurz hinter Boppard arbeitete sich gegen 11 Uhr morgens von hinten ein Herr auf einem Rennrad an mich heran, 66 Jahre alt, wie ich später erfuhr, und machte mir ein Kompliment, dass ich mit dem vielen Gepäck mit gut 20 km/h unterwegs war. Ich begann gerade mich sportlich zu fühlen, als er mir fröhlich erzählte, dass er morgens um sieben in der Nähe von Bingen losgefahren sein, in Boppard gemütlich sein Frühstück zu sich genommen habe und nun auf dem Rückweg sei. Kurz vor Bingen wollte er nochmal rechts ins Gebirge abbiegen, um da sein Mittagessen einzufahren.

Sprachs, gab Kette und verschwand am Horizont.

Ähm … ja.

In Boppard und Bingen wurde ich jeweils sehr nett empfangen. In Boppard bekam ich Muffins (selbst gemacht) und in Bingen Kuchen kredenzt. Zudem lernte ich in Bingen den Dienststellenleiter kennen, der sich immer und ohne Ausnahme für alle Genesungskarten bedankt, die wir nach Bingen schicken – und das sind leider nicht wenige. Außerdem schenkte mir ein junger Polizist, der ebenfalls sehr gerne Rad fährt, wenn auch in einer ganz anderen Liga als ich, ein paar Tütchen hochdosiertes Magnesium und gab mir den Tipp mit auf den Weg, mich mit Müsliriegeln auszustatten. Das machte ich auch und beides sollte sich noch als sehr wertvoll erweisen.

In Bingen überkam mich dann abends auf dem Campingplatz ein erstklassiger Salzjieper sodass ich froh war, dass der Campingplatz eine Pommesbude hatte.

Die Nacht wurde noch recht „intim“, da so viele Radwanderer auf der Zeltwiese eintrudelten, dass die Zelte mit einem Abstand von 10 cm nebeneinander standen. Was mir aber eine nette Unterhaltung mit einem französischen Lehrer einbrachte, der mir einige gute Tipps für meine nächsten Frankreich-Aufenthalte mitgab. Das Baskenland soll extrem sehenswert und klimatisch sehr angenehm sein.

 

Pic(s) of the day:

Rheinpfalz zu Kaub im Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“

Mittwoch, 25.07.2018

Strecke: Von Bingen bis Mainz (Campingplatz Bingen – Ingelheim – Mainz via Lerchenberg)

Tageskilometer: 42,35

Insgesamt gefahrene Kilometer: 171,95

 

Besuchte Dienststellen: vier (geplant waren fünf)

 

Radfahren: Direkt hinter dem Campingplatz am Rhein passiert man die Überreste der Hindenburg-Brücke, die analog zur Remagener Ludendorff-Brücke im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Rheinradweg wird dort sehr schlecht befahrbar, es handelt sich um einen Schotterweg (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Schotter ist für Radfahrer einfach nur schlecht) durch ein Naturschutzgebiet, das wirklich sehenswert ist. Man sieht dort u.a. jede Menge Störche und ich fragte mich kurz, was ich eigentlich immer im Elsass suche. ;-)

Dennoch war absehbar, dass mein Zeitplan mir völlig entgleiten würde, deswegen war ich froh, als ich einen Weggabelung fand, an der ein kurzer Weg und ein langer Weg nach Ingelheim ausgeschildert waren. Ich nahm dann den kurzen Weg und kam mal wieder gerade so pünktlich bei der Polizei an. Der Preis dafür war ein Weg durch ein eher wenig idyllisches Gewerbegebiet.

Von Ingelheim zur Polizeiinspektion Mainz 3 ließ ich mich von meinem Navi leiten, das mich einen wirklich schönen Weg durch einen Weinberg und später an den McCully-Baracks, einer us-amerikanischen Liegenschaft, vorbei führte.

Ebenso überließ ich dem Navi, mich zur Polizeiinspektion Mainz 2 zu leiten. Von dort wurde ich zum Altstadtrevier (Mainz 1) eskortiert und von dort musste ich nur noch selbst in die Stadt finden, wo ein Studienfreund mich und das Rad in sein Auto lud.

 

Persönliches: In Ingelheim fiel mir beim Absteigen vom Fahrrad siedend heiß ein, dass ich im Urlaub vorher so ausgespannt hatte, dass ich zwar in den Polizeipräsidien Koblenz und Rheinpfalz angerufen hatte, dass ich tatsächlich losfahre, aber das aus irgendeinem Grund in Mainz total verschwitzt hatte. Und seit dem Vorabend war ich ja schon im Bereich des PP Mainz. Dennoch empfingen mich der Dienststellenleiter und sein Stellvertreter mit Salzbrezeln. Offenbar gibt es zwischen Bingen und Ingelheim eine Telefonleitung und unsere Polizei ist flexibel. Dennoch bat ich um Erlaubnis, mal eben in Mainz meine verantwortlichen Ansprechpartner anrufen zu dürfen, was ich dann auch tat.

War mein Tag schon dank des Schotterradweges milde unter Zeitdruck geraten, so lief er mir jetzt vollends aus dem Ruder. Ich kann noch nichtmal jemandem die Schuld dafür geben, denn ich hatte einfach gemeint, weil ich zehn Jahre meines Lebens in Mainz gelebt hatte, wüsste ich ausreichend Bescheid, um die Wege zwischen den Dienststellen nicht ganz so großzügig kalkulieren zu müssen.

Ich Depp!

Noch in Ingelheim wurde mir bewusst gemacht, dass der Lerchenberg deshalb so heißt, weil er ein Berg ist. Und oben drauf liegt die Polizeiinspektion Mainz 3.

Super!

Ich gab da hoch ganz schön Kette und rollte mit hängender Zunge dort ein – mit 10 Minuten Verspätung. Das ging ja noch!

Schlimm war, dass ich die Wasserschutzpolizei Mainz dann erstmal verschieben musste, was doppelt peinlich war, da dort auch eine junge Dame der Gewerkschaft der Polizei wartete, die mich mit dem Rad zur Polizeiinspektion Mainz 2 im Präsidium eskortieren wollte.

Mit der Wasserschutzpolizei machte ich aus, meinen Besuch auf den späten Nachmittag zu verlegen, aber leider fiel auch das aus, weil sie einen Einsatz hereinbekamen.

Also direkt nach Mainz 2, wo ich erstmal ein Kaltgetränk in die Hand gedrückt bekam. Und gleich noch eins hinterher. Ein Gespräch mit dem Polizeipräsidenten schloss sich an, weitere Gespräche, u.a. eines mit einer Polizistin, die gerade vor Kurzem im Einsatz verletzt worden war, und schließlich bekam ich eine Eskorte zur PI Mainz 1, und zwar durch die Fahrradstreife. Das war sehr lustig. Ich weiß nicht, was die Leute sich dachten, die manchmal starrten. Aber ich hatte meinen Spaß.

Von der Inspektion Mainz 1 ging es sozusagen in Freizeit. Ich testete eine sehr gute Eisdiele am Rhein. Dabei wurde ich nochmal von der Fahrradstreife angesprochen, was mir im Nachgang eine Bürgerbeschwerde einbrachte, dass sich offensichtlich nur noch um Radfahrer gekümmert werde, und Autofahrer dürften angeblich machen, was sie wollten.

Später wurde ich noch von einem sehr unangenehmen Radfahrer bepöbelt, der offensichtlich der Ansicht war, seine Umwelt müsse erahnen, was er will und er jeglicher Pflicht zur Kommunikation mit anderen enthoben sei. Damit liegt er ja voll im Zeitgeist – immer mehr Menschen meinen, andere müssten sich nach ihren Bedürfnissen richten, sie selbst hingegen seien pflichtenlos. Die Hinwendung der Mainzer Polizei zu den Radfahrern scheint also durchaus Gründe zu haben.

Nach dem Eis schlenderte ich durch mein liebes Mainz (nach 15 Jahren fühle ich mich dort immer noch daheim) und traf mich dann mit einem Studienfreund zum mexikanischen Essen (mutmaßlich etwa 3.000 Kalorien).

Die Nacht verbrachte ich bei ihm und seiner Frau im Gästezimmer, einem Kellergeschossraum. Herrlich kühl!

 

Pic(s) of the day:

Sonnenaufgang bei Bingen – Nebeneffekt der Überfüllung des Campingplatzes: ich musste früh raus, um zu duschen und meinen Zeitplan einzuhalten

 

 

Donnerstag, 26.07.2018

Strecke: Von Mainz bis Bechtheim (Wohnsitz meines Studienfreundes in Mainz-Gonsenheim, Bereitschaftspolizei in Mainz-Hechtsheim, Oppenheim, Worms, Bechtheim)

Tageskilometer: 86,27

Insgesamt gefahrene Kilometer: 258,23

 

Besuchte Dienststellen: drei

 

 

Radfahren: In Mainz selbst half ich mir wieder mit Google-Maps weiter. In Großstädten insgesamt eine sehr gute Lösung. Auf dem Land dann nicht so sehr, wie sich einige Tage später erweisen sollte.

Bis Oppenheim hatte ich Begleiter, die sich auch um den Weg gekümmert haben, denen ich also einfach nur hinterherradeln musste. Es scheint allerdings so zu sein, als sei der Weg direkt am Rhein entlang ebenfalls ein Schotterweg mit vielen Schlaglöchern, deswegen wählten meine Begleiter einen Weg durch die Weinberge.

Von Oppenheim nach Worms gibt es einen sehr guten Radweg, nigelnagelneu ausgebaut. Er besteht aus diesem dunklen, feinen Asphalt, auf dem das Rad quasi von selbst rollt. Um allerdings von der Polizeiinspektion Oppenheim dahin zu gelangen, bin ich eine ganze Weile über einen Flutschutzdamm geradelt, dessen Krone aus einem – na, wer errät es – richtig, einem Schotterweg bestand. Entsprechend kam ich wieder nur im Schneckentempo voran. Außerdem interviewte mich noch Antenne Mainz.

Da dies ein wirklich heißer Tag war (das Thermometer im Tacho zeigte auf dem dunklen Asphaltweg über 45 Grad an) und es auf der ganzen Strecke genau EINEN Baum gibt, der Schatten auf den Weg wirft, schaffte ich es trotz Superasphalt nicht mehr, den Zeitverlust aufzuholen und kam eine halbe Stunde zu spät in Worms an. Der Baum steht übrigens in Hamm am Rhein, darunter steht eine Bank für Mitfahrer.

Worms selbst ist für Radfahrer ein Alptraum. Ich weiß nicht, wer sich ein Radwegekonzept ausdenkt, bei dem Radwege unmittelbar vor dem Kreisverkehr enden und quasi den Autos vor den Kühler springen. Glücklicherweise war ich vorgewarnt.

Von Worms nach Bechtheim nutzte ich dann wieder Google-Maps.

 

Persönliches: Nach einem guten Frühstück (Danke an meinen Studienfreund und seine Frau!) fuhr ich los zum Polizeipräsidium ELT, unter dessen Dach sich die Bereitschaftspolizei, die Wasserschutzpolizei und einige Einheiten für Technik und Beschaffung befinden. Ach ja, und die Spezialeinheiten.

Dort bekam ich erst einmal einen Eiskaffee kredenzt, was eine sehr gute Idee war, denn es war schon um halb neun Uhr morgens heiß. Ich bekam die Möglichkeit, dem Polizeipräsidenten, sowie einigen Vertetern der 1. Einsatzhundertschaft und weiteren Menschen den Verein und seine Ziele vorzustellen.

Plötzlich hieß es: „Sie müssen sich beeilen, am Tor wartet Ihre Eskorte.“

Vor meinem inneren Auge stieg das Bild von jungen, durchtrainierten Bereitschaftspolizistinnen und –polizisten auf, die mit mindestens 50 km/h am Horizont verschwinden würden. Und ich dann mit hängender Zunge hinterher …

Ach herrje …

Vorsichtig wandte ich ein: „Ich hoffe, die sind nicht so sehr enttäuscht. Ich fahre eine Durchschnittsgeschwindigkeit von … 15 km/h.“

Dazu einer der Herren: „Keine Sorge. Wir schicken nicht das SEK, wir schicken die IT-Abteilung.“

Übrigens waren das dann durchaus sportliche Menschen, die mich auch netterweise mit Flüssigkeit und leckeren Schoko-Banane-Müsliriegeln versorgten.

In Oppenheim bekam ich sehr nette Fahrradtipps von einem der Herren, die in der PI arbeiten. Darüber hinaus wurde ich Zeugin, wie ernstlich jemand den Notruf anrief, weil er seine Fernbedienung verlegt hatte. Ohne weitere Kommentierung meinerseits an dieser Stelle.

In Worms testete ich eine Eisdiele, die qualititiv mit der in Mainz durchaus mithalten konnte. Dort kostete die Kugel dann aber nur 1 Euro. In Mainz zahlt man den Hauptstadtzuschlag.

Die Nacht verbrachte ich in Bechtheim auf einem Weingut, das den Eltern eines Bekannten gehört. Ich bedauerte ein wenig, dass ich dort dem Wein entsagen musste, aber nach dem Tag hätte mich Alkohol so nachhaltig aus dem Leben geschossen, dass gar nichts mehr gegangen wäre und ich vermutlich auch den Tag danach nicht mehr geschafft hätte.

Pic(s) of the day:

Radweg bei Nierstein zwischen Mainz und Oppenheim
Herrnsheimer Schloss bei Worms

 

 

Freitag, 27.07.2018

Strecke: Von Bechtheim bis Limburgerhof (Bechtheim – Frankenthal – PI Ludwigshafen 2 – PI Ludwigshafen 1 – Wasserschutzpolizei Ludwigshafen)

Tageskilometer: 51,47

Insgesamt gefahrene Kilometer: 309,71

 

Besuchte Dienststellen: vier

 

 

 

Radfahren: Da mir die über 80 km des Vortages noch in den Knochen steckten sowie die heiße Nacht, machte ich es an diesem Tag möglichst kurz und scherte mich nicht um offizielle Radwege. Google Maps leitete mich nach der Maßgabe „so schnell wie möglich“ durch die Straßen zwischen den Besuchen.

 

Persönliches:

Nach einem guten Frühstück auf dem Weingut (herzlichen Dank dafür) schaute ich mir erst einmal auf Empfehlung des Herrn in Oppenheim die Basilika von Bechtheim an. Von innen und außen sehr empfehlenswert. Dann machte ich mich auf den Rückweg nach Worms  (übrigens auch sehr sehenswert), traf wieder auf den „genialen“ Radweg, der sich unmittelbar vorm Kreisverkehr in Nichts auflöst, überlebte und überquerte hinter Worms die Grenze zur Pfalz.

Da ich deutlich zu früh in Frankenthal war, kehrte ich in einem Schnellrestaurant ein und leistete mir einen Eiskaffee. Als ich dann los zur Polizei wollte, fand ich meinen Fahrradschlüssel nicht mehr. Dreimal grub ich mein gesamtes Gepäck um, dann fragte ich im Schnellrestaurant danach. An dieser Stelle ein Lob an die Dame, die mich erstmal eine Beschreibung des Schlüsselanhängers abliefern ließ. Ich würde nämlich nicht wollen, dass jeder mit meinem Fahrrad davonfährt.

Entsprechend kam ich erfolgreich ein paar Minuten zu spät. Vor Ort war schon unser Mitglied Claudia Berg, was mich auch sehr gefreut hat.

Nach dem Fototermin ging es weiter nach Ludwigshafen. Für mich ja weitestgehend etwas ganz Neues, Ludwigshafen mal  nicht bei Nacht zu sehen. Lustigerweise fand ich später den Weg zur PI LU 1 deshalb besonders schnell, weil ich einige Einsatzorte wiedererkannte.

Der stellvertretende Dienststellenleiter von Ludwigshafen 2, ebenfalls begeisterter Radfahrer, gab mir eine Menge Tipps für die weitere Tour.

In Ludwigshafen 1 empfing mich ein ehemaliger Streifenpartner. Das hat mich auch gefreut, da ich ja immer einen sehr guten Eindruck von den Damen und Herren habe, die mich als Achslastbeschwerer dabei haben.

Bei der Wasserschutzpolizei waren fast alle ausgeflogen (Einsatz), aber ich durfte mich eine Dreiviertelstunde im klimatisierten Wachraum aufhalten. Dabei entspann sich eine Unterhaltung über Hunde. Manchmal haben eben auch Polizisten und die Vorsitzende eines polizeifreundlichen Vereins keine Lust, sich über ernste Themen zu unterhalten – schon gar nicht bei derartigen Temperaturen.

Als meine Augen in der angenehm kühlen Umgebung mehrmals zufielen, beschloss ich dann doch, weiter zu meiner nächsten Unterkunft zu fahren. Eine Diensthundeführerin und ihr Lebensgefährte hatten mir für die Nacht ihre Couch angeboten.

Zwischen der Wasserschutzpolizei und Limburgerhof gab es einen schönen Radweg. Leider wurde er gerade restauriert. Man konnte trotzdem durch, allerdings war der Asphalt durch extrem groben – na, was wohl – je, genau, Schotter ersetzt worden.

Nachdem es ursprünglich geheißen hatte, dass der Mittwoch der heißeste Tag der Hitzewelle sein sollte, war dann der Donnerstag nominiert worden und aktuell war der Freitag Kandidat für den heißesten Tag. Die Luft stand, wenn man von den Aufwinden von der Schotterpiste aus absah, die sich anfühlten, als würde mir einer von unten einen Fön unter die Kleidung halten.

Von einer Sekunde auf die andere wurde mir zum ersten Mal richtig schlecht. Ich setzte mich unter eine Brücke im Ludwigshafener Stil (besprayt, u.a. mit einem freundlichen ACAB, vermüllt und es roch nach Fäkalien – aber es gab Schatten) und fuhr erstmal einen Müsliriegel und ein bisschen hochdosiertes Magnesium ein.

Nach einigen Minuten ging es wieder und ich kam gut in Limburgerhof an. Dort beschaffte ich mir erstmal in einer Apotheke eine Großpackung dieser Magenesiumsticks und nahm täglich zwei davon ein. Mir wurde nie wieder schlecht auf der Radtour.

Abends grillten meine Gastgeber und nachdem Nori (die Hundeführerin) zum Dienst ging, ging ich sofort schlafen.

Lustigerweise wachte ich gegen zehn Uhr kurz auf, um festzustellen, dass ich den Blutmond aus dem Bett sehen konnte. Danach schlief ich aber wieder wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Basilika St. Lambertus zu Bechtheim

 

Samstag, 28.07.2018

Strecke: Von Limburgerhof bis Rülzheim (Limburgerhof – Schifferstadt – Speyer – Germersheim – Campingplatz Rülzheim)

Tageskilometer: 55,09

Insgesamt gefahrene Kilometer: 364,81

 

Besuchte Dienststellen: drei

Radfahren: An diesem Tag begleitete mich Nori von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Entsprechend musste ich mir über Radwege nicht so viele Gedanken machen. Was mir aber vom Rheinradweg zwischen Speyer und Germersheim im Gedächtnis blieb, war, dass er auch ziemlich gut ausgeschildert war und optisch dem Teilstück zwischen Oppenheim und Worms ziemlich ähnlich war. Links der Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume. Ab und an ein Blick auf einen Altrheinarm. Allerdings jede Menge Störche. Da hatte ich Herzchen in den Augen.

 

Persönliches: Der Tag begann mit einem kurzen Regenguss, für den allerdings meine Rainlegs ausreichten.

Abgesehen davon, dass Nori und ich gut miteinander konnten und viel zu reden hatten, war es ganz gut, dass ich an diesem Tag nicht allein war. Ich war mittlerweile ziemlich müde und ich glaube, alleine hätte ich meinen inneren Schweinehund an dem Tag nicht überwunden. Außerdem hätte ich alleine niemals in Speyer das tolle Frühstückscafé entdeckt. Auch sonst hätte Speyer deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Abends warteten mein Mann und mein Hund auf dem Campingplatz im großen Zelt auf mich, was mich noch einmal zusätzlich motivierte und mein Heimweh beseitigte.

Der Campingplatz in Rülzheim stach in erster Linie dadurch hervor, dass die existierende Platzordnung in keiner Weise durchgesetzt wurde, sodass nicht wie vorgesehen um 22 Uhr wenigstens halbwegs Ruhe herrschte (soweit das bei der Überfüllung Zeltwand an Zeltwand möglich gewesen wäre), sondern bis vier Uhr morgens Kinderdisco herrschte. Genau das, was man braucht, wenn man sowieso gerade nicht mehr so richtig Lust hat.

 

Pic(s) of the day:

Irgendwo zwischen Limburgerhof und Schifferstadt – auch da musste ich durch
Speyer: Adenauerpark

 

 

Sonntag, 29.07.2018

Strecke: Von Rülzheim bis Bad Bergzabern (Campingplatz Rülzheim – Wörth – Bad Bergzabern)

Tageskilometer: 52,12

Insgesamt gefahrene Kilometer: 417,24

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Da ich mich wieder selbst kümmern musste, hatte ich schon am Abend auf dem Weg zum Campingplatz Ausschau nach Schildern zum Rheinradweg gehalten. Rülzheim liegt ja etwas zurückgesetzt auf einer Höhe. Ich suchte mir einen kleinen Umweg aus, um möglichst dicht an Germersheim wieder an den Rhein zu stoßen, was sich letztlich als sinnlos erwies, da ich von Hördt dann doch wieder in die andere Richtung nach Kuhhardt geschickt wurde.

Von da kam ich dann tatsächlich wieder auf den Radweg, wo man wie gehabt links den Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume und ab und an einen Blick auf Altrheinarme hat. Aber gut befahrbar.

Neben einigen Störchen (sagte ich, dass ich Störche liebe?) bekam ich eine zusätzliche Eskorte von etwa einer Million Mücken.

In Wörth verließ ich nun den Rhein für einige Tage. Dort traf ich auf einen Polizisten, der in Bad Bergzabern wohnt und tagtäglich mit dem Rad nach Wörth und zurück fährt. Er konnte mir eine sehr schöne Strecke durch den Bienwald an der Grenze zu Frankreich bis Kandel (einfach den gelben Schildern folgen) und von dort über die Weinberge nach Bad Bergzabern (ab hier wieder den typischen weißen Schildern mit grüner Aufschrift folgen) empfehlen.

In Bad Bergzabern hatte ich erstmal genug und ersparte mir die 11 km mit jeder Menge Höhenmetern zum Campingplatz, mein Mann sammelte mich dort ein und fuhr mich hoch.

 

Persönliches: Zuerst seien die beiden Jogger erwähnt, die mich offensichtlich schon am Vorabend durch Hördt radeln gesehen hatten und mich darauf ansprachen. Das fand ich ganz lustig, ich glaube, ich würde sowas nicht registrieren.

Der Empfang in der Polizeiinspektion Wörth war sehr herzlich. Das freute mich sehr, denn ich musste wirklich meine gesamte innere Kraft aufbringen, auch wirklich nach Wörth abzubiegen und nicht den Rheinradweg durch in mein geliebtes Elsass in meinem ebenso geliebten Frankreich durchzupreschen. Aber gut, auch die Polizei hat einen großen Platz in meinem Herzen.

Durch Kandel radelte ich mit gemischten Gefühlen. Eigentlich eine völlig normale Kleinstadt, die derzeit schwer für politische Stimmungsmache missbraucht wird und das auf dem Rücken einer Familie, der mit das Schlimmste passiert ist, was einer Familie passieren kann. Angesichts des Graffito, was mir quasi dort als erstes ins Gesicht sprang, geht diese Stimmungsmache wohl von mehr als einer Seite aus. Ansonsten kam es mir dort recht unspektakulär vor, ich hatte aber auch nicht wirklich viel Zeit.

Die Strecke von dort nach Bad Bergzabern ist landschaftlich wirklich toll. Das kombiniert mit der Tatsache, dass der ausgewiesene Radweg mal wieder aus Schotter (hurra!) bestand, sorgte dafür, dass ich leider eine halbe Stunde zu spät in Bad Bergzabern eintraf.

Dort waren auch alle (also die einzige Streife) zu einem Einsatz ausgeflogen, entsprechend gestaltete sich mein Besuch sehr kurz.

Der Naturfreundecampingplatz Bethhof ist einfach klasse. Der erste Campingplatz auf der Tour, wo auch der Zeltplatz mit viel Liebe angerichtet war und vor allen Dingen mit vielen Schatten spendenden Bäumen. Und es war RUHIG. Entsprechend war ich bereits gegen 19 Uhr eingeschlafen.

Auf dem Campingplatz würde ich auch mal einen Urlaub verbringen.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft zwischen Kandel und Bad Bergzabern

 

Montag, 30.07.2018

Strecke: Von Bad Bergzabern bis Wachenheim (Bad Bergzabern – Landau – Neustadt/Weinstraße – Wachenheim)

Tageskilometer: 56,01

Insgesamt gefahrene Kilometer: 473,25

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Ab hier arbeitete ich mit Google-Maps. Da die tatsächlich über das Wochenende erfolgte Abkühlung zum einen minimal und zum anderen bereits wieder auf dem Rückzug war, traf ich erst einmal die Entscheidung, anstatt die Panoramaroute auf den Höhen eine Route unten herum zu nehmen mit weniger Steigung. Die Ausläufer des Pfälzer Waldes sind auch von unten nett anzusehen.

An den meisten Stellen deckte sich allerdings das, was Google-Maps so meinte mit den offiziellen Radrouten, sodass ich einfach diesen Schildern folgte.

Von Landau bis Neustadt/Weinstraße begleitete mich noch einmal Nori. Auch da folgten wir weitgehend der offiziellen Beschilderung auf der unteren Route.

 

Persönliches: Da ich dank der ruhigen Nacht ziemlich ausgeruht war und zudem noch Gesellschaft hatte, verlief der Tag ziemlich angenehm.

Abends in Wachenheim stellte ich auf dem Campingplatz fest, dass der Boden von der langen Trockenheit derart hart war, dass ich die Erdnägel nicht rein kriegte und das Überzelt einfach so über das Unterzelt warf. Ich hatte Glück, es regnete nicht.

Der Campingplatz liegt hinter der Burg Wachtenberg, also hatte man eine tolle Aussicht.

 

Pic(s) of the day:

Landau Innenstadt

 

Dienstag, 31.07.2018

Strecke: Von Wachenheim bis Bad Münster am Stein (Campingplatz Wachenheim – Bad Dürkheim/Weinstraße – Grünstadt – Kirchheimbolanden – Alzey – Bad Kreuznach – Campingplatz Bad Münster am Stein)

Tageskilometer: 71,63

Insgesamt gefahrene Kilometer: 544,89

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

Radfahren: Von Wachenheim nach Bad Dürkheim war noch alles im grünen Bereich. War aber ja auch nur 3,4 km.

Von Bad Dürkheim nach Grünstadt gibt es einen ausgewiesenen Radweg. Leider verlor ich hier und da die Beschilderung aus den Augen, sodass ich irgendwann massiv unter Zeitdruck geriet. Hier leistete Google-Maps wirklich gute Dienste, um mich zurück auf den Radweg zu bringen.

Der endete irgendwann in einer Senke. Der einzige Weg, der nach Grünstadt zu führen schien, befand sich hinter einer starken Steigung und auf dem Weg stand ein Bagger quer.

An dieser Stelle Danke an den netten Herrn aus Grünstadt, der meine Ratlosigkeit bemerkte und mich nach mitnahm nach Grünstadt – einfach an den Baggern vorbei. Da wäre ein nettes Hinweisschild hilfreich gewesen.

Da ich insgesamt etwa 95 Kilometer vor mir hatte, und merkte, dass ich nicht gut drauf war, bat ich die Grünstädter Polizei um Hilfe, mir einen Transit nach Kirchheimbolanden zu besorgen.

Von dort nach Alzey gibt es theoretisch einen ausgeschilderten Radweg, dem ich auch folgte. Wie schon vorher auf dem Weg nach Grünstadt verlor sich aber irgendwann die Beschilderung und ich wusste nicht weiter. Glüclicherweise fand ich mit Hilfe von Google-Maps eine Landstraße nach Alzey und folgte dieser. Ok, die Autofahren hassten mich, aber ich war schnell und damit pünktlich vor Ort.

Der Dienststellenleiter der PI Alzey bereitete mich darauf vor, dass es keine Radwege gebe und man am besten die Landstraßen nach Bad Kreuznach fährt. Ich hätte auf ihn hören sollen, überließ allerdings nach meinen guten Erfahrungen mit Google-Maps dem Handy die Führung. Mit dem Erfolg, dass ich zweimal in die Irre geführt wurde. Beim ersten Mal stellte ich dann das Navi auf „Auto“ um, hatte dann allerdings das Problem, dass es mich auf die Autobahn führen wollte. Meine Landkarte half mir da auch nicht wirklich, weil ich keine große Ahnung hatte, wo ich war.

Also radelte ich in der Hoffnung, in etwa in Richtung Bad Kreuznach unterwegs zu sein, ein bisschen drauflos.

Als ich dann wieder Google-Maps die Führung übernehmen ließ, landete ich in dem eingangs beschriebenen Windpark.

Für mich das Fazit daraus: Rheinhessen entweder nur noch, indem ich mich über Landstraßen von Ort zu Ort taste; die Orte suche ich mir dann vorher auf der Landkarte raus. Oder aber ich fahre dort Auto.

In jedem Fall sollte man, wenn man die Zeit dazu hat, aus dieser Etappe zwei machen.

 

Persönliches: Der Tag war für mich, nach einem sehr guten Anfang in Bad Dürkheim, der Schlimmste Tag der Tour. Zuerst ließ ich in Grünstadt eine Menge von mir hoch geschätzter Menschen über eine halbe Stunde auf mich warten. Dann war es zwar einerseits eine Erleichterung, einen Transfer nach Kirchheimbolanden zu bekommen, aber ein bisschen enttäuscht von mir selbst war ich schon. Zwar lief es dann nach Alzey ziemlich gut, aber der Weg nach Bad Kreuznach brachte mich wirklich an eine körperliche und psychische Grenze.

Als ich in dem Windpark in der glühenden Hitze auf dem spitzen Schotter unter den regungslosen Windrädern neben meinen Fahrrad saß und heulte, war ich echt fertig mit der Welt. Ich stellte mir vor, wie man in zehn Jahren meine mumifizierte Leiche neben dem Rad finden würde.

„Nutzt ja nix“, sagte ich mir selbst, raffte mich auf, fuhr einen Müsliriegel mit viel Schokolade ein, und schob das Fahrrad weiter durch die Schotterwüste. Irgendwann erreichte ich einen Asphaltweg, ließ den herunterrollen und rief die Bad Kreuznacher Polizei an.

Die Dame am Telefon beschrieb mir einen Weg über Land- und Kreisstraßen, dem ich auch folgte. Dabei hatte ich noch drei knackige Steigungen zu überwinden. Da dies auch körperlich nicht mein bester Tag war, schob ich irgendwann. Dafür wurde ich von einigen Autofahrern ordentlich bepöbelt, was mich darin bestärkt, dass ich in der Ecke dieses schönen Bundeslandes sicherlich nicht mehr Rad fahre. Ich meine, ich wäre als Autofahrerin auch genervt, würde aber erstmal davon ausgehen, dass es möglicherweise einen Grund hat, dass da einer sein Fahrrad über meine Straße schiebt und deswegen, wenn ich schon keine Hilfe anbiete, wenigstens mein Mundwerk still halten.

In Bad Kreuznach konnte ich nur sehr kurz bleiben, weil mein Campingplatz in Bad Münster am Stein bereits um acht Uhr abends die Pforten schloss und es bereits halb acht war. Aber der Empfang war dennoch großartig. Kaltes Wasser und telefonische Unterstützung beim Versuch, doch noch auf den Platz zu kommen. Letztlich schaffte es ich es in letzter Sekunde.

Fun Fact: Der Campingplatz liegt zwischen Nahe und Alsenz, also zwei Gewässerläufen. Der Boden war so angenehm feucht, dass die Erdnägel problemlos hineingingen. Vor lauter Spaß spannte ich das Zelt weitgehend ab, obwohl ich nicht wirklich mit Regen rechnete.

Wie jede Nacht schloss ich nur die Tür vom Innenzelt, weil es noch so warm war und ich nur das Moskitonetz als Bollwerk gegen die Welt draußen haben wollte. Mitten in der Nacht erwachte ich davon, dass mein Gesicht ganz kalt wurde. Regen! Ernsthaft Regen! Also wuselte ich schnell noch ums Zelt herum und trieb die letzten drei Erdnägel in den Boden.

Für den Rest der Nacht schlief ich wie ein Baby und alles blieb trocken.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft irgendwo zwischen Alzey und Bad Kreuznach – die Details habe ich erfolgreich verdrängt

 

Mittwoch, 01.08.2018

Strecke: Von Bad Münster am Stein bis Lahnstein (Campingplatz Bad Münster am Stein – Sankt Goarshausen – Lahnstein)

Tageskilometer: 85,03

Insgesamt gefahrene Kilometer: 529,93

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

Radfahren: Die Tagesstrecke liest sich heftig, war aber im Vergleich zum Vortag der reinste Urlaub.

Der Naheradweg von Bad Münster am Stein bis zur Mündung der Nahe in den Rhein ist sehr gut ausgeschildert und bis auf etwa 100 Meter Zubringer bleibt man auch von Schotter verschont, von Kopfsteinpflaster ganz. Dafür ein ganz großes Lob. Da liegt jemandem an den Radtouristen.

Von Bingen fuhr ich erstmal linksrheinisch bis Kaub und setzte da mit der Fähre über. Auf dem rechten Rheinufer war erstmal die Kunst, den Rhein links von sich zu halten, dann ist man auch grob in der richtigen Richtung unterwegs. Aber auch dort war alles sehr gut ausgeschildert.

 

Persönliches: Dieser Tag war für mich sehr entspannt. Ich wusste, dass ich bei dieser Tour nicht mehr an einen Tiefpunkt kommen würde wie am Vortag. Es war einigermaßen kühl.

Die Gespräche in Sankt Goarshausen gingen mir unter die Haut, da ein Übergriff auf einen Polizisten, der im Anschluss nicht mehr dienstfähig war, noch Jahre danach in den Köpfen der Menschen steckt, die dort arbeiten. Was nicht bedeutete, dass nicht viel gelacht wurde und ich nicht dennoch auf das Herzlichste empfangen wurde.

Die PI dort hat exakt eine Streife zur Verfügung.

Tatsächlich kam ich zwischen Sankt Goarshausen und Lahnstein in einen fürchterlichen Regenguss. Ich hatte alles an Regenausrüstung dabei, nur meine Überschuhe hatte ich vergessen. Nun gut, so wurden sie wenigstens nicht nass.

Just nachdem ich die Regenausrüstung angelegt hatte, wurde ich von der einzigen Streife überholt, die die PI Sankt Goarshausen hatte. Später fuhr ich wieder an ihnen vorbei, als ihr Einsatz schon beendet war. Dann überholten sie mich wieder und wir winkten uns freundlich.

Ich kam mit Schuhen, aus denen das Wasser schwappte, in Lahnstein an, wo mich ebenfalls ein Radfahrliebhaber begrüßte

Eigentlich war der Plan gewesen, dass mein Mann mich abends auf dem Campingplatz in Lahnstein besucht. Da er nun eh schon in Lahnstein war, hat er einfach das nass eingepackte Zelt und die komplett durchnässte Frau nach dem Besuch der Polizei in Lahnstein eingepackt und nach Hause gebracht.

Das Fahrrad blieb in Lahnstein bei der Polizei. (Damit ich auch wirklich weitermache … ;-) Scherz. Danke, dass ich es dort unterstellen durfte.).

Daheim sah es dann erstmal aus, als sei mein Gepäck explodiert, weil ein bisschen Feuchtigkeit packt man immer mit ein, auch wenn es IM Zelt trocken geblieben war.

Mein Rücken freute sich über eine anständige Matratze und ich schlief wieder einmal wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Regen – heute also als Vorgartenzwerg unterwegs
Rhein-Nahe-Eck – zwischendurch war sehr lange kein Regen

 

Donnerstag, 02.08.2018

Strecke: Von Lahnstein bis Remagen (Lahnstein – Wasserschutzpolizei Koblenz – Bereitschaftspolizei Koblenz – Neuwied – Linz – Remagen)

Tageskilometer: 67,15

Insgesamt gefahrene Kilometer: 697,08

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Das Radfahren gestaltete sich wieder weitgehend problemlos. Die Wege sind gut ausgeschildert.

Mein Abstecher zum Asterstein war etwas eigenwillig. Es gibt zwei Strecken, die Google-Maps auswirft, eine mit weniger Steigung, die kann man wirklich radeln. Dann gibt es eine mit mehr Steigung, die aber an der Aussichtsplattform der Festung Ehrenbreitstein vorbeiführt. Ich kann da jedenfalls nicht hochradeln, aber schieben ging ganz gut. Die Aussicht kann ich jedenfalls nur empfehlen.

Um einen sehr sportlichen Bereitschaftspolizisten dazu zu zitieren: „Mit dem Gepäck ist das auch eine sportliche Leistung.“

Der Radweg zwischen Koblenz und Neuwied grenzt zwar an eine Zumutung (Asphalt des Grauens, durchzogen von Wurzelwerk) über die man maximal mit 10 km/h hoppeln sollte, aber er soll wohl jetzt neu gemacht werden. Gute Idee!

Zwischen Neuwied und Linz verfuhr ich mich zweimal, einmal fand ich die Beschilderung unschlüssig und einmal war da eine Umleitung, deren Beschilderung mir ebenfalls nicht eingängig war. Zwei weitere Radtouristen aus dem sächsischen Sprachraum waren ebenso hilflos wie ich, scheint also nicht nur an mir gelegen zu haben.

Dennoch kam ich früher als im Vorfeld von mir angekündigt in Linz an.

Von dort nach Remagen ist es auch kein großes Problem mehr.

 

Pic(s) of the day:

Blick vom Aussichtspunkt bei der Festung Ehrenbreitstein auf den Rhein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pirmasens: Gewalt gegen Polizisten im Gerichtssaal

Symbolfoto

Wer lange genug bei uns mitliest, weiß, dass ich keine besondere Freundin davon bin, zu verallgemeinern. Auch nicht gegenüber der Justiz. Es gibt durchaus einzelne Urteile, die mir gefallen. Ich habe ein ernstes Problem mit Leuten, die auf unseren Internetpräsenzen quasi reflexhaft ihr „viel zu wenig“ unter jedes, aber auch jedes, verlinkte Urteil pappen. Bei dem einen oder anderen Internetuser habe ich das Gefühl, er wäre auch mit der – in Deutschland zum Glück verbotenen – Todesstrafe nicht zufrieden und würde das ohne eine anständige Folterung im Vorfeld für einen Ausfluss von „Kuscheljustiz“ halten.

Dabei geht es mir nicht darum, dass ich die Justiz für sakrosankt halten würde. Im Gegenteil lege ich auch hier größten Wert darauf, dass man die Justiz kritisieren können muss. Aber auch hier habe ich nun mal gern Argumente, mit denen eine Meinung unterfüttert wird.

Gestern Abend stolperte ich allerdings über ein Urteil, das in mir schlicht Fassungslosigkeit zurückließ. Sowas geht in meinen Augen gar nicht. Leider kann ich dazu keinen Link setzen, da die einzige Quelle[1] dazu eine Bezahlschranke hat. Ich fasse also mal zusammen.

Im August 2017 widersetzte sich ein 21-Jähriger einer Polizeikontrolle. Einsatzanlass war ein randalierendes Paar gewesen, der 21-Jährige hatte bei Anblick der Polizei erstmal eine Dose Pfefferspray weggeworfen.

Dreimal hatte ihn die Polizei nach seinem Personalausweis gefragt, dreimal habe er gesagt, dass er keinen Ausweis dabei habe. Daraufhin wollten die Beamten ihn durchsuchen, dagegen leistete er Widerstand. Letztlich war die Polizei mit vier (!) Fahrzeugen vor Ort, ein Polizist wurde an der Hand verletzt.

Zufällig ist mir die Geschichte bekannt und zufällig weiß ich auch, dass dieser Polizist im Nachgang mehrere Wochen dienstunfähig war.

Zu diesem Vorfall wurde beim Amtsgericht Pirmasens gleich noch das Eintreten einer Wohnungstür durch den jungen Mann im folgenden Februar mitverhandelt.

Die Staatsanwaltschaft forderte drei Wochen Dauerarrest.

Der Richter hielt den Angeklagten in allen Anklagepunkten für schuldig. Im Artikel in der Pirmasenser Zeitung findet sich die Wendung, dass er den 21-Jährigen „seit Jahren kennt“.

Nun kann ich es nicht so genau wissen, da beide nicht zu meinem Umfeld zählen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die beiden sich nicht unbedingt durch ihre Mitgliedschaft im örtlichen Schachclub kennen. Mutmaßlich begegnete man sich also schon häufiger im Gerichtssaal. Auch die Forderung der Staatsanwaltschaft lässt Rückschlüsse darauf zu.

Entsprechend logisch dann das folgende Urteil, oder?

Das Urteil lautete auf – eine Verwarnung.

Ok, es kam noch eine Auflage dazu. Der 21-Jährige muss bis April 2019 unter der Betreuung des Vereins für soziale Rechtspflege stehen, der ihn bereits jetzt betreut, sowie bei einem Psychiater vorstellig werden. Weil positive Tendenzen zu erkennen seien.

Na, wenn das mal jemanden, dessen Aktionen offensichtlich schon öfters mal im Gerichtssaal verhandelt wurden, nicht atemlos vor Respekt zurücklassen wird.

Um nicht missverstanden zu werden. Bei Ersttätern, die ein Problem mit Aggressionen haben, halte ich das durchaus für einen guten Weg. Vielleicht auch noch beim zweiten Mal. Dann muss aber auch irgendwann mal Schluss sein mit lustig. Dann muss man klare Kante zeigen, sonst wird man nicht mehr ernst genommen. Leider erstreckt sich dieser Mangel an Ernstgenommenwerden dann bei so manchem nicht mehr auf einzig diesen Richter, sondern auf den Staat als Gesamtheit. Und natürlich auf seine Vertreter, die das dann an vorderster Front abbekommen, die Polizei.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die vor Ort eingesetzten Polizisten mit einem derartigen Urteil fühlen mögen, insbesondere der Polizist, der länger krankgeschrieben war als der Dauerarrest überhaupt angehalten hätte. Oder generell Pirmasenser Polizisten, die schon hier und da mal mit dem Herrn zu tun hatten. Um öfters mal im Gerichtssaal zu landen, muss man der Polizei auch schon mehr als einmal auffallen. So frustriert man Menschen, die für uns alle Tag und Nacht den Kopf hinhalten.

Abschließend sei noch als Randnotiz erwähnt, dass in dem Artikel in der Pirmasenser Zeitung auch eine Mitarbeiterin des besagten Vereins für soziale Rechtspflege zu Wort kommt. Sie räumt ein, dass der 21-Jährige aggressiv reagiere, „wenn etwas nicht läuft“, aber eben auch schnell wieder „runterkomme“. Natürlich kann auch hier etwas aus dem Zusammenhang gerissen sein, aber das Schlusswort des für diese Mitarbeiterin reservierten Absatzes lautet „Gewalt lehne er grundsätzlich ab“.

Mir persönlich kommt da vor dem Gesamthintergrund nur noch ein sarkastisches Lachen über die Lippen. Ich vermute, dass dem verletzten Polizisten und seinen Kollegen sogar dieses erstmal vergangen sein dürfte.

Vielleicht hilft es nicht viel, aber ich kann aus der Erfahrung einer Schichtbegleitung (Artikel folgt) und eines Besuches in Richtung Pirmasens sagen – Ihr seid klasse! Bitte gebt nicht auf! Wir Bürgerinnen und Bürger brauchen Euch! Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle!

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[1] Quelle: Artikel in der Pirmasenser Zeitung vom 02.08.2018, „Mit Polizei angelegt“