Einmal wollte ich aufgeben … – Meine Danke-Polizei Radtour 2018

Früher Abend. Da stand ich nun auf einem Berggipfel, mitten im Nichts. Um mich herum Schotter, Windräder, die sich nicht mal drehten, weil die Luft einfach nur stand, eine sogar ganz schöne Aussicht, nur leider nicht auf Bad Kreuznach, wo ich in einer Viertelstunde einen Termin hatte.

Die Sonne prügelte buchstäblich auf mich ein. Die Schottersteine strahlten Hitze ab, mir lief der Schweiß in Strömen. Meine Augen brannten, mein Kopf schmerzte, ich war verdammt müde.

Wie war ich bloß hier hingeraten?

Und warum tat ich mir das an?

Ich setzte mich neben mein Fahrrad und heulte.

 

 

Angefangen hatte alles im Frühjahr, als mir die Idee kam, eines meiner Hobbys mit meinem Ehrenamt zu verbinden. Einfach mal eine Radtour durch das schöne Rheinland-Pfalz, um der Polizei Danke zu sagen. Danke für den täglichen Einsatz.

Der Verein, Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. würde etwas davon haben, nämlich zum einen ein bisschen Publicity. Vielleicht würde auch der eine oder andere Mitbürger animiert, sich zumindest zum Danke-Polizei-Tag am 15.09.2018 in seine Polizeidienststelle zu begeben, um sich für den Einsatz des vergangenen Jahres zu bedanken. Und die Polizei hätte auch etwas davon, wenn zunehmend Mitbürgern klar wird, dass man in Polizeidienststellen nicht gefressen wird. Im Gegenteil.

Und ich hätte eine Menge Spaß, denn Radfahren ist eine meiner Leidenschaften. Es ist schließlich nicht verboten, beim Ehrenamt Spaß zu haben. Abgesehen davon, dass ich von der Radtour am Rhein schon seit fast 30 Jahren träumte und irgendwann muss man es dann auch mal machen.

Also meldete ich das mal mit Hilfe der Pressestellen der Polizei RLP an.

 

Ingesamt verbrachte ich 697,08 km sowie 46 Stunden, 25 Minuten und 31 Sekunden im Sattel; meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 15 km/h. Das Ganze an Tagen, an denen bereits morgens um acht Uhr die Temperatur schon bei 28 Grad lag. Der „heißeste“ Moment war vermutlich der Augenblick, an dem ich auf einem dunkel asphaltierten Radweg fuhr und mein Thermometer mir 45 Grad anzeigte.

 

Trotz dreier „Hänger“ war es eine supertolle Tour.

 

Für mich persönlich nehme ich mit, dass ich ein Bisschen stolz auf mich bin, weil ich das überhaupt geschafft habe, bei dieser Hitze die 700 km hinter mich zu bringen. Außerdem ist Rheinland-Pfalz ein wunderschönes Bundesland und ich habe wirklich Glück, dass ich hier wohnen darf.

Einziger Kritikpunkt sind die Radwege, die teilweise in einem desolaten Zustand sind bzw. in einer Weise um Ortschaften herumgeführt werden, die das Gefühl aufkommen lässt, dass Radtouristen nicht wirklich erwünscht sind. Ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass der ökologische Fußabdruck eines Radfahrers nahezu bei Null liegen dürfte. Meiner Meinung nach hätte dieses schöne Bundesland da eine Menge Potential, weitere Touristen anzuziehen. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal das Radwegenetz im Elsass ansehen, das ich in dieser Hinsicht als vorbildlich ansehe.

 

Für Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erhoffe ich mir, dass die Öffentlichkeitswirkung durch Presseartikel und die Begleitung in den Sozialen Medien durch mich und teilweise auch die Polizei ausreichte, uns ein Bisschen bekannter zu machen. In diesem Zusammenhang ein besonderer Dank an den General-Anzeiger, die Rhein-Zeitung, Antenne Mainz und TV Mittelrhein für die tolle Berichterstattung. Das eine oder andere neue Mitglied wäre ganz schön.

Zusätzlich hoffe ich, dass unser Vereinszweck dahingehend unterstützt wurde, dass nicht nur ich Rückhalt in Form eines netten Dankes an die Polizei vermittelt habe, sondern andere Menschen nachziehen und mal über nette Worte in Umfrageergebnissen hinaus ihr Lob direkt und explizit an Polizistinnen und Polizisten richten.

 

Für die Polizei hoffe ich, dass rüberkam, dass sie eine Bürgerpolizei ist, jederzeit bereit, in Dialog mit dem Bürger zu treten. Man wird in Polizeidienststellen im Regelfall freundlich und zuvorkommend behandelt, vor allen Dingen, wenn man kommt, um etwas Nettes zu sagen.

 

Zum Abschluss nun noch einige Danksagungen. Danke an eine Menge Menschen, die mich auf ihre Art alle ein wenig durch die Tour getragen haben:

 

  • Danke für die herzlichen Empfänge in den Polizeidienststellen, in denen ich mindestens Wasser, häufig aber mehr, bekam. Zumal ich nicht immer nach Rosen geduftet haben dürfte, auch wenn ich jeden Morgen unter der Dusche stand.
  • Danke für die Eskorten durch die ITler, die GdPler, die Fahrradstreife, Nori von der DPolG und letztlich auch durch die Abende, an denen mein Mann mich durch Anwesenheit unterstützte.
  • Danke für die kleinen und großen Geschenke, wie Müsliriegel, Magnesium, Einladungen zu Übernachtungen, und regelmäßiges Mutmachen, sei es real oder auch virtuell.
  • Danke!

 

Mehr Details habe ich in den Anhang gesetzt. Ich hatte erst überlegt, für jeden Tag einen Blogbeitrag draus zu machen, aber ich möchte mit dem Thema jetzt auch mal fertig werden. Damit nicht jeder alles lesen muss, sondern sich gezielt, das was ihn interessiert, heraussuchen kann, habe ich das Ganze chronologisch nach Tagen sortiert. Zu Beginn eines jeden Tages erfolgen Grunddaten, dann kommen Bilder von den Dienststellenbesuchen, dann Anmerkungen zum Thema „Radfahren“ und last but not least persönliche Bemerkungen und das Bild / die Bilder des Tages. Denn, ich kann es nicht oft genug sagen, Rheinland-Pfalz ist schön.

 

Wer wissen will, wie die Sache auf dem Gipfel zwischen den Windrädern ausging – das war der 31.07.2018.

 

Montag, 23.07.2018

Strecke: Von Remagen bis Brey (PI Remagen – PI Andernach – WSP Andernach – PI Koblenz 2 – PI Koblenz 1 – Campingplatz in Brey)

Tageskilometer: 71,11

Insgesamt gefahrene Kilometer: 71,11

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Ich bin überwiegend dem Rheinradweg gefolgt, der für mein Empfinden recht gut ausgeschildert ist. Allerdings bin ich insbesondere aus dem Elsass und Norddeutschland ein wenig verwöhnt, wo es autobahnartige Radwege aus feinem Asphalt gibt, auf denen man schnell vorankommt. Der Rheinradweg besteht bereits auf dieser Etappe an einigen Stellen aus Schotterpiste (wenigstens feiner Schotter, aber Fahren über 15 km/h sollte man lassen, man muss das Ganze ja im Zweifel zum Stehen bringen, ohne beim Bremsen wegzurutschen), aus „Hoppelasphalt“ (Wurzeln, die den Asphalt hochdrücken, und weitere Verwerfungen) und, ab Koblenz, zu meiner äußersten Erbauung aus Kopfsteinpflaster. Auf letzterem fahre ich jedenfalls mit voll beladenem Rad maximal 10 km/h, um das Rad nicht komplett zu demolieren. Mal ganz abgesehen von den Glasscherben, die gerne mal in den Ritzen lauern. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich bis zum letzten Tag keine Panne hatte. Einen Ersatzschlauch dabei zu haben ist dennoch ein kluger Schachzug.

Insgesamt zeichnete sich bereits an diesem Tag ab, dass man sich als Radtouristin in den wenigsten Gegenden dieses schönen Bundeslandes gewollt fühlt, im Gegenteil hat man oft das Gefühl, dass da irgendein Weg, den sonst keiner will, dann eben für die Radfahrer bereitgestellt wird. Oder dass da jemand mit der Planung betraut wurde, der selbst niemals Rad fährt.

Koblenz Innenstadt nehme ich davon mal aus, da wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht, wie man diesem städtebaulichen Konzept noch Radwege abringen sollte, ohne für Fußgänger und Autofahrer Chaos zu produzieren.

Jedenfalls führten die Wegverhältnisse dazu, dass ich trotz großzügiger Planung (die von Google-Maps vorgeschlagenen Zeiten hatte ich mindestens verdoppelt, meistens deutlich mehr) bereits zwischen Andernach und der Polizeiinspektion Koblenz 2 in Zeitnot geriet und deshalb durch ein ausgesprochen romantisches Gewerbegebiet abkürzte.

 

Persönliches: Ehrlich gesagt war ich, als ich morgens meine Packtaschen einer nicht ganz billigen Marke fertig machte und als erstes direkt mal die Schnalle einer Tasche riss, nicht mehr so sicher, ob das alles eine so gute Idee von mir gewesen war. Ein Gefühl, das mich schon nicht mehr losgelassen hatte, seit ich in der Vorwoche bei schlappen 25 Grad an der Nordsee (Trainingslager – flach, aber viel Wind und das immer nur von vorne) den Wetterbericht für Rheinland-Pfalz zur Kenntnis genommen hatte, der von einer „Monsterhitzewelle“ sprach.

Nun bin ich nicht nur mit einer unfassbaren Sturheit gesegnet (andere betrachten es häufig als Fluch), sondern hatte auch diverse Termine festgezurrt. Also nix wie los.

Dank der Schnalle, die ich durch ein Stück Gartendraht ersetzte, kam ich bei der Polizeiinspektion Remagen direkt mal zu spät an. Allerdings hatte ich meine Etappen recht großzügig kalkuliert, so dass ich nach einigen launigen Worten („Wenn du dann total abgezehrt wieder hier ankommst, haben wir auch ein Glas Wasser für dich.“ – „Sauerstoffzelt wäre dann nett.“) ohne große Hektik weiterfahren konnte und außer bei der Wasserschutzpolizei in Andernach überall pünktlich eintraf. Es ist schon eine Kunst, sich auf den zwei Kilometern zwischen Polizei und Wasserschutzpolizei zu verfahren … und ich beherrsche sie.

In jeder Dienststelle wurde ich sehr freundlich empfangen, und erstmal ein Bisschen bedauert, weil ich mir die Hitzewelle ausgesucht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hieß es allerdings noch, dass Mittwoch der heißeste Tag werden sollte. Das erschien mir absehbar.

Am späten Nachmittag kam ich dann in Brey an und schlug mein Zelt an einer ruhigen Ecke des Campingplatzes auf. Dank der Trockenheit der letzten Wochen hatte ich Schwierigkeiten, die Erdnägel in den Boden zu bekommen, um das Zelt abzuspannen. Mit etwas Mühe schaffte ich es aber, sie knapp unter der Grasnarbe entlangzuführen. Betreut wird der Campingplatz von einer sehr netten Dame. Man hat einen tollen Blick auf die Marksburg. Er liegt direkt neben der Bahnstrecke und ich stellte im Laufe der Nacht fest, dass nachts durchaus der eine oder andere Güterzug diese Strecke benutzt. Dennoch war dies der einzige Campingplatz auf der Tour, auf dem ich mich traute, mein Handy in den Waschräumen zum Laden liegen zu lassen – zwischen vier und sechs Uhr morgens.

Mein Mann brachte mir Ersatzschnallen und eine Handyhalterung vorbei und leistete mir noch ein Bisschen Gesellschaft. Dann war ich wirklich erstmal allein.

 

Pic(s) of the day:

Die Marksburg in der Abendsonne

 

Dienstag, 24.07.2018

Strecke: Von Brey bis Bingen (Campingplatz Brey – PI Boppard – PI Bingen – Campingplatz Bingen)

Tageskilometer: 58,48

Insgesamt gefahrene Kilometer: 129,59

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Von Brey nach Boppard führt der Rheinradweg teilweise über Kopfsteinpflaster, was aus den bereits für den 23.07. beschriebenen Gründen wirklich hässlich ist. Glücklicherweise hatte ich die Anfahrtszeit sehr großzügig berechnet, eigentlich in Hoffnung auf ein gemütliches Frühstück in Boppard.

Zwischen Boppard und Bingen ist der Rheinradweg sehr gut befahrbar. Zwar führt er bis Bacharach direkt an der Bundesstraße 9 entlang und es gibt sehr wenig Schatten (das Tal wird dort recht eng), aber man hat eine wunderbare Aussicht auf den Weltkulturerbeteil des oberen Mittelrheintals.

Ab Bacharach führt der Weg wieder weg von der Bundesstraße, an einigen auch durchaus genutzten Rheinstränden vorbei und es gibt viel Schatten.

Auf den gesamten 40 km kann man sehr gut Strecke machen. Hier war es eher die Tatsache, dass ich mir in Boppard nach dem Dienststellenbesuch noch ein Frühstück gekauft hatte, die dazu führte, dass ich exakt pünktlich in Bingen ankam.

 

Persönliches: Kurz hinter Boppard arbeitete sich gegen 11 Uhr morgens von hinten ein Herr auf einem Rennrad an mich heran, 66 Jahre alt, wie ich später erfuhr, und machte mir ein Kompliment, dass ich mit dem vielen Gepäck mit gut 20 km/h unterwegs war. Ich begann gerade mich sportlich zu fühlen, als er mir fröhlich erzählte, dass er morgens um sieben in der Nähe von Bingen losgefahren sein, in Boppard gemütlich sein Frühstück zu sich genommen habe und nun auf dem Rückweg sei. Kurz vor Bingen wollte er nochmal rechts ins Gebirge abbiegen, um da sein Mittagessen einzufahren.

Sprachs, gab Kette und verschwand am Horizont.

Ähm … ja.

In Boppard und Bingen wurde ich jeweils sehr nett empfangen. In Boppard bekam ich Muffins (selbst gemacht) und in Bingen Kuchen kredenzt. Zudem lernte ich in Bingen den Dienststellenleiter kennen, der sich immer und ohne Ausnahme für alle Genesungskarten bedankt, die wir nach Bingen schicken – und das sind leider nicht wenige. Außerdem schenkte mir ein junger Polizist, der ebenfalls sehr gerne Rad fährt, wenn auch in einer ganz anderen Liga als ich, ein paar Tütchen hochdosiertes Magnesium und gab mir den Tipp mit auf den Weg, mich mit Müsliriegeln auszustatten. Das machte ich auch und beides sollte sich noch als sehr wertvoll erweisen.

In Bingen überkam mich dann abends auf dem Campingplatz ein erstklassiger Salzjieper sodass ich froh war, dass der Campingplatz eine Pommesbude hatte.

Die Nacht wurde noch recht „intim“, da so viele Radwanderer auf der Zeltwiese eintrudelten, dass die Zelte mit einem Abstand von 10 cm nebeneinander standen. Was mir aber eine nette Unterhaltung mit einem französischen Lehrer einbrachte, der mir einige gute Tipps für meine nächsten Frankreich-Aufenthalte mitgab. Das Baskenland soll extrem sehenswert und klimatisch sehr angenehm sein.

 

Pic(s) of the day:

Rheinpfalz zu Kaub im Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“

Mittwoch, 25.07.2018

Strecke: Von Bingen bis Mainz (Campingplatz Bingen – Ingelheim – Mainz via Lerchenberg)

Tageskilometer: 42,35

Insgesamt gefahrene Kilometer: 171,95

 

Besuchte Dienststellen: vier (geplant waren fünf)

 

Radfahren: Direkt hinter dem Campingplatz am Rhein passiert man die Überreste der Hindenburg-Brücke, die analog zur Remagener Ludendorff-Brücke im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Rheinradweg wird dort sehr schlecht befahrbar, es handelt sich um einen Schotterweg (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Schotter ist für Radfahrer einfach nur schlecht) durch ein Naturschutzgebiet, das wirklich sehenswert ist. Man sieht dort u.a. jede Menge Störche und ich fragte mich kurz, was ich eigentlich immer im Elsass suche. ;-)

Dennoch war absehbar, dass mein Zeitplan mir völlig entgleiten würde, deswegen war ich froh, als ich einen Weggabelung fand, an der ein kurzer Weg und ein langer Weg nach Ingelheim ausgeschildert waren. Ich nahm dann den kurzen Weg und kam mal wieder gerade so pünktlich bei der Polizei an. Der Preis dafür war ein Weg durch ein eher wenig idyllisches Gewerbegebiet.

Von Ingelheim zur Polizeiinspektion Mainz 3 ließ ich mich von meinem Navi leiten, das mich einen wirklich schönen Weg durch einen Weinberg und später an den McCully-Baracks, einer us-amerikanischen Liegenschaft, vorbei führte.

Ebenso überließ ich dem Navi, mich zur Polizeiinspektion Mainz 2 zu leiten. Von dort wurde ich zum Altstadtrevier (Mainz 1) eskortiert und von dort musste ich nur noch selbst in die Stadt finden, wo ein Studienfreund mich und das Rad in sein Auto lud.

 

Persönliches: In Ingelheim fiel mir beim Absteigen vom Fahrrad siedend heiß ein, dass ich im Urlaub vorher so ausgespannt hatte, dass ich zwar in den Polizeipräsidien Koblenz und Rheinpfalz angerufen hatte, dass ich tatsächlich losfahre, aber das aus irgendeinem Grund in Mainz total verschwitzt hatte. Und seit dem Vorabend war ich ja schon im Bereich des PP Mainz. Dennoch empfingen mich der Dienststellenleiter und sein Stellvertreter mit Salzbrezeln. Offenbar gibt es zwischen Bingen und Ingelheim eine Telefonleitung und unsere Polizei ist flexibel. Dennoch bat ich um Erlaubnis, mal eben in Mainz meine verantwortlichen Ansprechpartner anrufen zu dürfen, was ich dann auch tat.

War mein Tag schon dank des Schotterradweges milde unter Zeitdruck geraten, so lief er mir jetzt vollends aus dem Ruder. Ich kann noch nichtmal jemandem die Schuld dafür geben, denn ich hatte einfach gemeint, weil ich zehn Jahre meines Lebens in Mainz gelebt hatte, wüsste ich ausreichend Bescheid, um die Wege zwischen den Dienststellen nicht ganz so großzügig kalkulieren zu müssen.

Ich Depp!

Noch in Ingelheim wurde mir bewusst gemacht, dass der Lerchenberg deshalb so heißt, weil er ein Berg ist. Und oben drauf liegt die Polizeiinspektion Mainz 3.

Super!

Ich gab da hoch ganz schön Kette und rollte mit hängender Zunge dort ein – mit 10 Minuten Verspätung. Das ging ja noch!

Schlimm war, dass ich die Wasserschutzpolizei Mainz dann erstmal verschieben musste, was doppelt peinlich war, da dort auch eine junge Dame der Gewerkschaft der Polizei wartete, die mich mit dem Rad zur Polizeiinspektion Mainz 2 im Präsidium eskortieren wollte.

Mit der Wasserschutzpolizei machte ich aus, meinen Besuch auf den späten Nachmittag zu verlegen, aber leider fiel auch das aus, weil sie einen Einsatz hereinbekamen.

Also direkt nach Mainz 2, wo ich erstmal ein Kaltgetränk in die Hand gedrückt bekam. Und gleich noch eins hinterher. Ein Gespräch mit dem Polizeipräsidenten schloss sich an, weitere Gespräche, u.a. eines mit einer Polizistin, die gerade vor Kurzem im Einsatz verletzt worden war, und schließlich bekam ich eine Eskorte zur PI Mainz 1, und zwar durch die Fahrradstreife. Das war sehr lustig. Ich weiß nicht, was die Leute sich dachten, die manchmal starrten. Aber ich hatte meinen Spaß.

Von der Inspektion Mainz 1 ging es sozusagen in Freizeit. Ich testete eine sehr gute Eisdiele am Rhein. Dabei wurde ich nochmal von der Fahrradstreife angesprochen, was mir im Nachgang eine Bürgerbeschwerde einbrachte, dass sich offensichtlich nur noch um Radfahrer gekümmert werde, und Autofahrer dürften angeblich machen, was sie wollten.

Später wurde ich noch von einem sehr unangenehmen Radfahrer bepöbelt, der offensichtlich der Ansicht war, seine Umwelt müsse erahnen, was er will und er jeglicher Pflicht zur Kommunikation mit anderen enthoben sei. Damit liegt er ja voll im Zeitgeist – immer mehr Menschen meinen, andere müssten sich nach ihren Bedürfnissen richten, sie selbst hingegen seien pflichtenlos. Die Hinwendung der Mainzer Polizei zu den Radfahrern scheint also durchaus Gründe zu haben.

Nach dem Eis schlenderte ich durch mein liebes Mainz (nach 15 Jahren fühle ich mich dort immer noch daheim) und traf mich dann mit einem Studienfreund zum mexikanischen Essen (mutmaßlich etwa 3.000 Kalorien).

Die Nacht verbrachte ich bei ihm und seiner Frau im Gästezimmer, einem Kellergeschossraum. Herrlich kühl!

 

Pic(s) of the day:

Sonnenaufgang bei Bingen – Nebeneffekt der Überfüllung des Campingplatzes: ich musste früh raus, um zu duschen und meinen Zeitplan einzuhalten

 

 

Donnerstag, 26.07.2018

Strecke: Von Mainz bis Bechtheim (Wohnsitz meines Studienfreundes in Mainz-Gonsenheim, Bereitschaftspolizei in Mainz-Hechtsheim, Oppenheim, Worms, Bechtheim)

Tageskilometer: 86,27

Insgesamt gefahrene Kilometer: 258,23

 

Besuchte Dienststellen: drei

 

 

Radfahren: In Mainz selbst half ich mir wieder mit Google-Maps weiter. In Großstädten insgesamt eine sehr gute Lösung. Auf dem Land dann nicht so sehr, wie sich einige Tage später erweisen sollte.

Bis Oppenheim hatte ich Begleiter, die sich auch um den Weg gekümmert haben, denen ich also einfach nur hinterherradeln musste. Es scheint allerdings so zu sein, als sei der Weg direkt am Rhein entlang ebenfalls ein Schotterweg mit vielen Schlaglöchern, deswegen wählten meine Begleiter einen Weg durch die Weinberge.

Von Oppenheim nach Worms gibt es einen sehr guten Radweg, nigelnagelneu ausgebaut. Er besteht aus diesem dunklen, feinen Asphalt, auf dem das Rad quasi von selbst rollt. Um allerdings von der Polizeiinspektion Oppenheim dahin zu gelangen, bin ich eine ganze Weile über einen Flutschutzdamm geradelt, dessen Krone aus einem – na, wer errät es – richtig, einem Schotterweg bestand. Entsprechend kam ich wieder nur im Schneckentempo voran. Außerdem interviewte mich noch Antenne Mainz.

Da dies ein wirklich heißer Tag war (das Thermometer im Tacho zeigte auf dem dunklen Asphaltweg über 45 Grad an) und es auf der ganzen Strecke genau EINEN Baum gibt, der Schatten auf den Weg wirft, schaffte ich es trotz Superasphalt nicht mehr, den Zeitverlust aufzuholen und kam eine halbe Stunde zu spät in Worms an. Der Baum steht übrigens in Hamm am Rhein, darunter steht eine Bank für Mitfahrer.

Worms selbst ist für Radfahrer ein Alptraum. Ich weiß nicht, wer sich ein Radwegekonzept ausdenkt, bei dem Radwege unmittelbar vor dem Kreisverkehr enden und quasi den Autos vor den Kühler springen. Glücklicherweise war ich vorgewarnt.

Von Worms nach Bechtheim nutzte ich dann wieder Google-Maps.

 

Persönliches: Nach einem guten Frühstück (Danke an meinen Studienfreund und seine Frau!) fuhr ich los zum Polizeipräsidium ELT, unter dessen Dach sich die Bereitschaftspolizei, die Wasserschutzpolizei und einige Einheiten für Technik und Beschaffung befinden. Ach ja, und die Spezialeinheiten.

Dort bekam ich erst einmal einen Eiskaffee kredenzt, was eine sehr gute Idee war, denn es war schon um halb neun Uhr morgens heiß. Ich bekam die Möglichkeit, dem Polizeipräsidenten, sowie einigen Vertetern der 1. Einsatzhundertschaft und weiteren Menschen den Verein und seine Ziele vorzustellen.

Plötzlich hieß es: „Sie müssen sich beeilen, am Tor wartet Ihre Eskorte.“

Vor meinem inneren Auge stieg das Bild von jungen, durchtrainierten Bereitschaftspolizistinnen und –polizisten auf, die mit mindestens 50 km/h am Horizont verschwinden würden. Und ich dann mit hängender Zunge hinterher …

Ach herrje …

Vorsichtig wandte ich ein: „Ich hoffe, die sind nicht so sehr enttäuscht. Ich fahre eine Durchschnittsgeschwindigkeit von … 15 km/h.“

Dazu einer der Herren: „Keine Sorge. Wir schicken nicht das SEK, wir schicken die IT-Abteilung.“

Übrigens waren das dann durchaus sportliche Menschen, die mich auch netterweise mit Flüssigkeit und leckeren Schoko-Banane-Müsliriegeln versorgten.

In Oppenheim bekam ich sehr nette Fahrradtipps von einem der Herren, die in der PI arbeiten. Darüber hinaus wurde ich Zeugin, wie ernstlich jemand den Notruf anrief, weil er seine Fernbedienung verlegt hatte. Ohne weitere Kommentierung meinerseits an dieser Stelle.

In Worms testete ich eine Eisdiele, die qualititiv mit der in Mainz durchaus mithalten konnte. Dort kostete die Kugel dann aber nur 1 Euro. In Mainz zahlt man den Hauptstadtzuschlag.

Die Nacht verbrachte ich in Bechtheim auf einem Weingut, das den Eltern eines Bekannten gehört. Ich bedauerte ein wenig, dass ich dort dem Wein entsagen musste, aber nach dem Tag hätte mich Alkohol so nachhaltig aus dem Leben geschossen, dass gar nichts mehr gegangen wäre und ich vermutlich auch den Tag danach nicht mehr geschafft hätte.

Pic(s) of the day:

Radweg bei Nierstein zwischen Mainz und Oppenheim
Herrnsheimer Schloss bei Worms

 

 

Freitag, 27.07.2018

Strecke: Von Bechtheim bis Limburgerhof (Bechtheim – Frankenthal – PI Ludwigshafen 2 – PI Ludwigshafen 1 – Wasserschutzpolizei Ludwigshafen)

Tageskilometer: 51,47

Insgesamt gefahrene Kilometer: 309,71

 

Besuchte Dienststellen: vier

 

 

 

Radfahren: Da mir die über 80 km des Vortages noch in den Knochen steckten sowie die heiße Nacht, machte ich es an diesem Tag möglichst kurz und scherte mich nicht um offizielle Radwege. Google Maps leitete mich nach der Maßgabe „so schnell wie möglich“ durch die Straßen zwischen den Besuchen.

 

Persönliches:

Nach einem guten Frühstück auf dem Weingut (herzlichen Dank dafür) schaute ich mir erst einmal auf Empfehlung des Herrn in Oppenheim die Basilika von Bechtheim an. Von innen und außen sehr empfehlenswert. Dann machte ich mich auf den Rückweg nach Worms  (übrigens auch sehr sehenswert), traf wieder auf den „genialen“ Radweg, der sich unmittelbar vorm Kreisverkehr in Nichts auflöst, überlebte und überquerte hinter Worms die Grenze zur Pfalz.

Da ich deutlich zu früh in Frankenthal war, kehrte ich in einem Schnellrestaurant ein und leistete mir einen Eiskaffee. Als ich dann los zur Polizei wollte, fand ich meinen Fahrradschlüssel nicht mehr. Dreimal grub ich mein gesamtes Gepäck um, dann fragte ich im Schnellrestaurant danach. An dieser Stelle ein Lob an die Dame, die mich erstmal eine Beschreibung des Schlüsselanhängers abliefern ließ. Ich würde nämlich nicht wollen, dass jeder mit meinem Fahrrad davonfährt.

Entsprechend kam ich erfolgreich ein paar Minuten zu spät. Vor Ort war schon unser Mitglied Claudia Berg, was mich auch sehr gefreut hat.

Nach dem Fototermin ging es weiter nach Ludwigshafen. Für mich ja weitestgehend etwas ganz Neues, Ludwigshafen mal  nicht bei Nacht zu sehen. Lustigerweise fand ich später den Weg zur PI LU 1 deshalb besonders schnell, weil ich einige Einsatzorte wiedererkannte.

Der stellvertretende Dienststellenleiter von Ludwigshafen 2, ebenfalls begeisterter Radfahrer, gab mir eine Menge Tipps für die weitere Tour.

In Ludwigshafen 1 empfing mich ein ehemaliger Streifenpartner. Das hat mich auch gefreut, da ich ja immer einen sehr guten Eindruck von den Damen und Herren habe, die mich als Achslastbeschwerer dabei haben.

Bei der Wasserschutzpolizei waren fast alle ausgeflogen (Einsatz), aber ich durfte mich eine Dreiviertelstunde im klimatisierten Wachraum aufhalten. Dabei entspann sich eine Unterhaltung über Hunde. Manchmal haben eben auch Polizisten und die Vorsitzende eines polizeifreundlichen Vereins keine Lust, sich über ernste Themen zu unterhalten – schon gar nicht bei derartigen Temperaturen.

Als meine Augen in der angenehm kühlen Umgebung mehrmals zufielen, beschloss ich dann doch, weiter zu meiner nächsten Unterkunft zu fahren. Eine Diensthundeführerin und ihr Lebensgefährte hatten mir für die Nacht ihre Couch angeboten.

Zwischen der Wasserschutzpolizei und Limburgerhof gab es einen schönen Radweg. Leider wurde er gerade restauriert. Man konnte trotzdem durch, allerdings war der Asphalt durch extrem groben – na, was wohl – je, genau, Schotter ersetzt worden.

Nachdem es ursprünglich geheißen hatte, dass der Mittwoch der heißeste Tag der Hitzewelle sein sollte, war dann der Donnerstag nominiert worden und aktuell war der Freitag Kandidat für den heißesten Tag. Die Luft stand, wenn man von den Aufwinden von der Schotterpiste aus absah, die sich anfühlten, als würde mir einer von unten einen Fön unter die Kleidung halten.

Von einer Sekunde auf die andere wurde mir zum ersten Mal richtig schlecht. Ich setzte mich unter eine Brücke im Ludwigshafener Stil (besprayt, u.a. mit einem freundlichen ACAB, vermüllt und es roch nach Fäkalien – aber es gab Schatten) und fuhr erstmal einen Müsliriegel und ein bisschen hochdosiertes Magnesium ein.

Nach einigen Minuten ging es wieder und ich kam gut in Limburgerhof an. Dort beschaffte ich mir erstmal in einer Apotheke eine Großpackung dieser Magenesiumsticks und nahm täglich zwei davon ein. Mir wurde nie wieder schlecht auf der Radtour.

Abends grillten meine Gastgeber und nachdem Nori (die Hundeführerin) zum Dienst ging, ging ich sofort schlafen.

Lustigerweise wachte ich gegen zehn Uhr kurz auf, um festzustellen, dass ich den Blutmond aus dem Bett sehen konnte. Danach schlief ich aber wieder wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Basilika St. Lambertus zu Bechtheim

 

Samstag, 28.07.2018

Strecke: Von Limburgerhof bis Rülzheim (Limburgerhof – Schifferstadt – Speyer – Germersheim – Campingplatz Rülzheim)

Tageskilometer: 55,09

Insgesamt gefahrene Kilometer: 364,81

 

Besuchte Dienststellen: drei

Radfahren: An diesem Tag begleitete mich Nori von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Entsprechend musste ich mir über Radwege nicht so viele Gedanken machen. Was mir aber vom Rheinradweg zwischen Speyer und Germersheim im Gedächtnis blieb, war, dass er auch ziemlich gut ausgeschildert war und optisch dem Teilstück zwischen Oppenheim und Worms ziemlich ähnlich war. Links der Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume. Ab und an ein Blick auf einen Altrheinarm. Allerdings jede Menge Störche. Da hatte ich Herzchen in den Augen.

 

Persönliches: Der Tag begann mit einem kurzen Regenguss, für den allerdings meine Rainlegs ausreichten.

Abgesehen davon, dass Nori und ich gut miteinander konnten und viel zu reden hatten, war es ganz gut, dass ich an diesem Tag nicht allein war. Ich war mittlerweile ziemlich müde und ich glaube, alleine hätte ich meinen inneren Schweinehund an dem Tag nicht überwunden. Außerdem hätte ich alleine niemals in Speyer das tolle Frühstückscafé entdeckt. Auch sonst hätte Speyer deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Abends warteten mein Mann und mein Hund auf dem Campingplatz im großen Zelt auf mich, was mich noch einmal zusätzlich motivierte und mein Heimweh beseitigte.

Der Campingplatz in Rülzheim stach in erster Linie dadurch hervor, dass die existierende Platzordnung in keiner Weise durchgesetzt wurde, sodass nicht wie vorgesehen um 22 Uhr wenigstens halbwegs Ruhe herrschte (soweit das bei der Überfüllung Zeltwand an Zeltwand möglich gewesen wäre), sondern bis vier Uhr morgens Kinderdisco herrschte. Genau das, was man braucht, wenn man sowieso gerade nicht mehr so richtig Lust hat.

 

Pic(s) of the day:

Irgendwo zwischen Limburgerhof und Schifferstadt – auch da musste ich durch
Speyer: Adenauerpark

 

 

Sonntag, 29.07.2018

Strecke: Von Rülzheim bis Bad Bergzabern (Campingplatz Rülzheim – Wörth – Bad Bergzabern)

Tageskilometer: 52,12

Insgesamt gefahrene Kilometer: 417,24

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Da ich mich wieder selbst kümmern musste, hatte ich schon am Abend auf dem Weg zum Campingplatz Ausschau nach Schildern zum Rheinradweg gehalten. Rülzheim liegt ja etwas zurückgesetzt auf einer Höhe. Ich suchte mir einen kleinen Umweg aus, um möglichst dicht an Germersheim wieder an den Rhein zu stoßen, was sich letztlich als sinnlos erwies, da ich von Hördt dann doch wieder in die andere Richtung nach Kuhhardt geschickt wurde.

Von da kam ich dann tatsächlich wieder auf den Radweg, wo man wie gehabt links den Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume und ab und an einen Blick auf Altrheinarme hat. Aber gut befahrbar.

Neben einigen Störchen (sagte ich, dass ich Störche liebe?) bekam ich eine zusätzliche Eskorte von etwa einer Million Mücken.

In Wörth verließ ich nun den Rhein für einige Tage. Dort traf ich auf einen Polizisten, der in Bad Bergzabern wohnt und tagtäglich mit dem Rad nach Wörth und zurück fährt. Er konnte mir eine sehr schöne Strecke durch den Bienwald an der Grenze zu Frankreich bis Kandel (einfach den gelben Schildern folgen) und von dort über die Weinberge nach Bad Bergzabern (ab hier wieder den typischen weißen Schildern mit grüner Aufschrift folgen) empfehlen.

In Bad Bergzabern hatte ich erstmal genug und ersparte mir die 11 km mit jeder Menge Höhenmetern zum Campingplatz, mein Mann sammelte mich dort ein und fuhr mich hoch.

 

Persönliches: Zuerst seien die beiden Jogger erwähnt, die mich offensichtlich schon am Vorabend durch Hördt radeln gesehen hatten und mich darauf ansprachen. Das fand ich ganz lustig, ich glaube, ich würde sowas nicht registrieren.

Der Empfang in der Polizeiinspektion Wörth war sehr herzlich. Das freute mich sehr, denn ich musste wirklich meine gesamte innere Kraft aufbringen, auch wirklich nach Wörth abzubiegen und nicht den Rheinradweg durch in mein geliebtes Elsass in meinem ebenso geliebten Frankreich durchzupreschen. Aber gut, auch die Polizei hat einen großen Platz in meinem Herzen.

Durch Kandel radelte ich mit gemischten Gefühlen. Eigentlich eine völlig normale Kleinstadt, die derzeit schwer für politische Stimmungsmache missbraucht wird und das auf dem Rücken einer Familie, der mit das Schlimmste passiert ist, was einer Familie passieren kann. Angesichts des Graffito, was mir quasi dort als erstes ins Gesicht sprang, geht diese Stimmungsmache wohl von mehr als einer Seite aus. Ansonsten kam es mir dort recht unspektakulär vor, ich hatte aber auch nicht wirklich viel Zeit.

Die Strecke von dort nach Bad Bergzabern ist landschaftlich wirklich toll. Das kombiniert mit der Tatsache, dass der ausgewiesene Radweg mal wieder aus Schotter (hurra!) bestand, sorgte dafür, dass ich leider eine halbe Stunde zu spät in Bad Bergzabern eintraf.

Dort waren auch alle (also die einzige Streife) zu einem Einsatz ausgeflogen, entsprechend gestaltete sich mein Besuch sehr kurz.

Der Naturfreundecampingplatz Bethhof ist einfach klasse. Der erste Campingplatz auf der Tour, wo auch der Zeltplatz mit viel Liebe angerichtet war und vor allen Dingen mit vielen Schatten spendenden Bäumen. Und es war RUHIG. Entsprechend war ich bereits gegen 19 Uhr eingeschlafen.

Auf dem Campingplatz würde ich auch mal einen Urlaub verbringen.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft zwischen Kandel und Bad Bergzabern

 

Montag, 30.07.2018

Strecke: Von Bad Bergzabern bis Wachenheim (Bad Bergzabern – Landau – Neustadt/Weinstraße – Wachenheim)

Tageskilometer: 56,01

Insgesamt gefahrene Kilometer: 473,25

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Ab hier arbeitete ich mit Google-Maps. Da die tatsächlich über das Wochenende erfolgte Abkühlung zum einen minimal und zum anderen bereits wieder auf dem Rückzug war, traf ich erst einmal die Entscheidung, anstatt die Panoramaroute auf den Höhen eine Route unten herum zu nehmen mit weniger Steigung. Die Ausläufer des Pfälzer Waldes sind auch von unten nett anzusehen.

An den meisten Stellen deckte sich allerdings das, was Google-Maps so meinte mit den offiziellen Radrouten, sodass ich einfach diesen Schildern folgte.

Von Landau bis Neustadt/Weinstraße begleitete mich noch einmal Nori. Auch da folgten wir weitgehend der offiziellen Beschilderung auf der unteren Route.

 

Persönliches: Da ich dank der ruhigen Nacht ziemlich ausgeruht war und zudem noch Gesellschaft hatte, verlief der Tag ziemlich angenehm.

Abends in Wachenheim stellte ich auf dem Campingplatz fest, dass der Boden von der langen Trockenheit derart hart war, dass ich die Erdnägel nicht rein kriegte und das Überzelt einfach so über das Unterzelt warf. Ich hatte Glück, es regnete nicht.

Der Campingplatz liegt hinter der Burg Wachtenberg, also hatte man eine tolle Aussicht.

 

Pic(s) of the day:

Landau Innenstadt

 

Dienstag, 31.07.2018

Strecke: Von Wachenheim bis Bad Münster am Stein (Campingplatz Wachenheim – Bad Dürkheim/Weinstraße – Grünstadt – Kirchheimbolanden – Alzey – Bad Kreuznach – Campingplatz Bad Münster am Stein)

Tageskilometer: 71,63

Insgesamt gefahrene Kilometer: 544,89

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

Radfahren: Von Wachenheim nach Bad Dürkheim war noch alles im grünen Bereich. War aber ja auch nur 3,4 km.

Von Bad Dürkheim nach Grünstadt gibt es einen ausgewiesenen Radweg. Leider verlor ich hier und da die Beschilderung aus den Augen, sodass ich irgendwann massiv unter Zeitdruck geriet. Hier leistete Google-Maps wirklich gute Dienste, um mich zurück auf den Radweg zu bringen.

Der endete irgendwann in einer Senke. Der einzige Weg, der nach Grünstadt zu führen schien, befand sich hinter einer starken Steigung und auf dem Weg stand ein Bagger quer.

An dieser Stelle Danke an den netten Herrn aus Grünstadt, der meine Ratlosigkeit bemerkte und mich nach mitnahm nach Grünstadt – einfach an den Baggern vorbei. Da wäre ein nettes Hinweisschild hilfreich gewesen.

Da ich insgesamt etwa 95 Kilometer vor mir hatte, und merkte, dass ich nicht gut drauf war, bat ich die Grünstädter Polizei um Hilfe, mir einen Transit nach Kirchheimbolanden zu besorgen.

Von dort nach Alzey gibt es theoretisch einen ausgeschilderten Radweg, dem ich auch folgte. Wie schon vorher auf dem Weg nach Grünstadt verlor sich aber irgendwann die Beschilderung und ich wusste nicht weiter. Glüclicherweise fand ich mit Hilfe von Google-Maps eine Landstraße nach Alzey und folgte dieser. Ok, die Autofahren hassten mich, aber ich war schnell und damit pünktlich vor Ort.

Der Dienststellenleiter der PI Alzey bereitete mich darauf vor, dass es keine Radwege gebe und man am besten die Landstraßen nach Bad Kreuznach fährt. Ich hätte auf ihn hören sollen, überließ allerdings nach meinen guten Erfahrungen mit Google-Maps dem Handy die Führung. Mit dem Erfolg, dass ich zweimal in die Irre geführt wurde. Beim ersten Mal stellte ich dann das Navi auf „Auto“ um, hatte dann allerdings das Problem, dass es mich auf die Autobahn führen wollte. Meine Landkarte half mir da auch nicht wirklich, weil ich keine große Ahnung hatte, wo ich war.

Also radelte ich in der Hoffnung, in etwa in Richtung Bad Kreuznach unterwegs zu sein, ein bisschen drauflos.

Als ich dann wieder Google-Maps die Führung übernehmen ließ, landete ich in dem eingangs beschriebenen Windpark.

Für mich das Fazit daraus: Rheinhessen entweder nur noch, indem ich mich über Landstraßen von Ort zu Ort taste; die Orte suche ich mir dann vorher auf der Landkarte raus. Oder aber ich fahre dort Auto.

In jedem Fall sollte man, wenn man die Zeit dazu hat, aus dieser Etappe zwei machen.

 

Persönliches: Der Tag war für mich, nach einem sehr guten Anfang in Bad Dürkheim, der Schlimmste Tag der Tour. Zuerst ließ ich in Grünstadt eine Menge von mir hoch geschätzter Menschen über eine halbe Stunde auf mich warten. Dann war es zwar einerseits eine Erleichterung, einen Transfer nach Kirchheimbolanden zu bekommen, aber ein bisschen enttäuscht von mir selbst war ich schon. Zwar lief es dann nach Alzey ziemlich gut, aber der Weg nach Bad Kreuznach brachte mich wirklich an eine körperliche und psychische Grenze.

Als ich in dem Windpark in der glühenden Hitze auf dem spitzen Schotter unter den regungslosen Windrädern neben meinen Fahrrad saß und heulte, war ich echt fertig mit der Welt. Ich stellte mir vor, wie man in zehn Jahren meine mumifizierte Leiche neben dem Rad finden würde.

„Nutzt ja nix“, sagte ich mir selbst, raffte mich auf, fuhr einen Müsliriegel mit viel Schokolade ein, und schob das Fahrrad weiter durch die Schotterwüste. Irgendwann erreichte ich einen Asphaltweg, ließ den herunterrollen und rief die Bad Kreuznacher Polizei an.

Die Dame am Telefon beschrieb mir einen Weg über Land- und Kreisstraßen, dem ich auch folgte. Dabei hatte ich noch drei knackige Steigungen zu überwinden. Da dies auch körperlich nicht mein bester Tag war, schob ich irgendwann. Dafür wurde ich von einigen Autofahrern ordentlich bepöbelt, was mich darin bestärkt, dass ich in der Ecke dieses schönen Bundeslandes sicherlich nicht mehr Rad fahre. Ich meine, ich wäre als Autofahrerin auch genervt, würde aber erstmal davon ausgehen, dass es möglicherweise einen Grund hat, dass da einer sein Fahrrad über meine Straße schiebt und deswegen, wenn ich schon keine Hilfe anbiete, wenigstens mein Mundwerk still halten.

In Bad Kreuznach konnte ich nur sehr kurz bleiben, weil mein Campingplatz in Bad Münster am Stein bereits um acht Uhr abends die Pforten schloss und es bereits halb acht war. Aber der Empfang war dennoch großartig. Kaltes Wasser und telefonische Unterstützung beim Versuch, doch noch auf den Platz zu kommen. Letztlich schaffte es ich es in letzter Sekunde.

Fun Fact: Der Campingplatz liegt zwischen Nahe und Alsenz, also zwei Gewässerläufen. Der Boden war so angenehm feucht, dass die Erdnägel problemlos hineingingen. Vor lauter Spaß spannte ich das Zelt weitgehend ab, obwohl ich nicht wirklich mit Regen rechnete.

Wie jede Nacht schloss ich nur die Tür vom Innenzelt, weil es noch so warm war und ich nur das Moskitonetz als Bollwerk gegen die Welt draußen haben wollte. Mitten in der Nacht erwachte ich davon, dass mein Gesicht ganz kalt wurde. Regen! Ernsthaft Regen! Also wuselte ich schnell noch ums Zelt herum und trieb die letzten drei Erdnägel in den Boden.

Für den Rest der Nacht schlief ich wie ein Baby und alles blieb trocken.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft irgendwo zwischen Alzey und Bad Kreuznach – die Details habe ich erfolgreich verdrängt

 

Mittwoch, 01.08.2018

Strecke: Von Bad Münster am Stein bis Lahnstein (Campingplatz Bad Münster am Stein – Sankt Goarshausen – Lahnstein)

Tageskilometer: 85,03

Insgesamt gefahrene Kilometer: 529,93

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

Radfahren: Die Tagesstrecke liest sich heftig, war aber im Vergleich zum Vortag der reinste Urlaub.

Der Naheradweg von Bad Münster am Stein bis zur Mündung der Nahe in den Rhein ist sehr gut ausgeschildert und bis auf etwa 100 Meter Zubringer bleibt man auch von Schotter verschont, von Kopfsteinpflaster ganz. Dafür ein ganz großes Lob. Da liegt jemandem an den Radtouristen.

Von Bingen fuhr ich erstmal linksrheinisch bis Kaub und setzte da mit der Fähre über. Auf dem rechten Rheinufer war erstmal die Kunst, den Rhein links von sich zu halten, dann ist man auch grob in der richtigen Richtung unterwegs. Aber auch dort war alles sehr gut ausgeschildert.

 

Persönliches: Dieser Tag war für mich sehr entspannt. Ich wusste, dass ich bei dieser Tour nicht mehr an einen Tiefpunkt kommen würde wie am Vortag. Es war einigermaßen kühl.

Die Gespräche in Sankt Goarshausen gingen mir unter die Haut, da ein Übergriff auf einen Polizisten, der im Anschluss nicht mehr dienstfähig war, noch Jahre danach in den Köpfen der Menschen steckt, die dort arbeiten. Was nicht bedeutete, dass nicht viel gelacht wurde und ich nicht dennoch auf das Herzlichste empfangen wurde.

Die PI dort hat exakt eine Streife zur Verfügung.

Tatsächlich kam ich zwischen Sankt Goarshausen und Lahnstein in einen fürchterlichen Regenguss. Ich hatte alles an Regenausrüstung dabei, nur meine Überschuhe hatte ich vergessen. Nun gut, so wurden sie wenigstens nicht nass.

Just nachdem ich die Regenausrüstung angelegt hatte, wurde ich von der einzigen Streife überholt, die die PI Sankt Goarshausen hatte. Später fuhr ich wieder an ihnen vorbei, als ihr Einsatz schon beendet war. Dann überholten sie mich wieder und wir winkten uns freundlich.

Ich kam mit Schuhen, aus denen das Wasser schwappte, in Lahnstein an, wo mich ebenfalls ein Radfahrliebhaber begrüßte

Eigentlich war der Plan gewesen, dass mein Mann mich abends auf dem Campingplatz in Lahnstein besucht. Da er nun eh schon in Lahnstein war, hat er einfach das nass eingepackte Zelt und die komplett durchnässte Frau nach dem Besuch der Polizei in Lahnstein eingepackt und nach Hause gebracht.

Das Fahrrad blieb in Lahnstein bei der Polizei. (Damit ich auch wirklich weitermache … ;-) Scherz. Danke, dass ich es dort unterstellen durfte.).

Daheim sah es dann erstmal aus, als sei mein Gepäck explodiert, weil ein bisschen Feuchtigkeit packt man immer mit ein, auch wenn es IM Zelt trocken geblieben war.

Mein Rücken freute sich über eine anständige Matratze und ich schlief wieder einmal wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Regen – heute also als Vorgartenzwerg unterwegs
Rhein-Nahe-Eck – zwischendurch war sehr lange kein Regen

 

Donnerstag, 02.08.2018

Strecke: Von Lahnstein bis Remagen (Lahnstein – Wasserschutzpolizei Koblenz – Bereitschaftspolizei Koblenz – Neuwied – Linz – Remagen)

Tageskilometer: 67,15

Insgesamt gefahrene Kilometer: 697,08

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Das Radfahren gestaltete sich wieder weitgehend problemlos. Die Wege sind gut ausgeschildert.

Mein Abstecher zum Asterstein war etwas eigenwillig. Es gibt zwei Strecken, die Google-Maps auswirft, eine mit weniger Steigung, die kann man wirklich radeln. Dann gibt es eine mit mehr Steigung, die aber an der Aussichtsplattform der Festung Ehrenbreitstein vorbeiführt. Ich kann da jedenfalls nicht hochradeln, aber schieben ging ganz gut. Die Aussicht kann ich jedenfalls nur empfehlen.

Um einen sehr sportlichen Bereitschaftspolizisten dazu zu zitieren: „Mit dem Gepäck ist das auch eine sportliche Leistung.“

Der Radweg zwischen Koblenz und Neuwied grenzt zwar an eine Zumutung (Asphalt des Grauens, durchzogen von Wurzelwerk) über die man maximal mit 10 km/h hoppeln sollte, aber er soll wohl jetzt neu gemacht werden. Gute Idee!

Zwischen Neuwied und Linz verfuhr ich mich zweimal, einmal fand ich die Beschilderung unschlüssig und einmal war da eine Umleitung, deren Beschilderung mir ebenfalls nicht eingängig war. Zwei weitere Radtouristen aus dem sächsischen Sprachraum waren ebenso hilflos wie ich, scheint also nicht nur an mir gelegen zu haben.

Dennoch kam ich früher als im Vorfeld von mir angekündigt in Linz an.

Von dort nach Remagen ist es auch kein großes Problem mehr.

 

Pic(s) of the day:

Blick vom Aussichtspunkt bei der Festung Ehrenbreitstein auf den Rhein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Comments

  • Michael Busch
    19. August 2018 - 22:11 | Permalink

    Schöner Bericht.
    Ich habe erst die Auflösung am 31.07. gelesen, danach aber alle Tage.
    Stramme Leistung !

  • Erdmute Wittmann
    24. August 2018 - 15:17 | Permalink

    Auf den 31.07. hast Du mich auch neugierig gemacht. Teile Deiner Strecke kannte ich von früheren eigenen Touren, aber was Du geschafft hast, ist wirklich bewundernswert. Ich denke, die menschlichen Begegnungen haben die Anstrengungen wieder wett gemacht. Jetzt wünsche ich Dir, dass Du die Breitenwirkung Deiner Aktion erfährst,

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