Nix los im Stadion – oder doch?

„Dafür, dass eigentlich nix los war, ist der Text aber ganz schön lang.“
Mit diesen Worten kommentierte einmal ein Bereitschaftspolizist einen Artikel von mir.

Schon!

Der Text war lang.

Aber warum sollte man immer nur etwas schreiben, wenn etwas Außergewöhnliches vorfällt? Okay, weil die Menschen schlechte Nachrichten lieber lesen als Gute. Deswegen kriegen auf unserer Facebook-Seite die Danke-Nachrichten auch standardmäßig weit weniger Likes als die Katastrophennachrichten.

Ist mir aber egal!

99% der Polizeieinsätze laufen super – auch darüber kann man reden.

So wie der Polizeieinsatz zum Spiel Mainz 05 gegen Schalke 04.

Ok, für mich persönlich lief einiges schief. 12 km Stau, die ich geschickt umfahren konnte – und dann mitten im Berufsverkehr vom Rhein-Main-Gebiet gestrandet. Entsprechend kam ich erstmal zu spät.

 

Heiko Arnd, der Einsatzleiter, übergab mich an zwei Herren, die Mitglieder des Social Media Teams sind. Übrigens „echte“ Polizisten, die den Social Media Teil halt AUCH bewältigen. An diesem Spieltag zum Beispiel.

 

Zuerst besuchten wir, bei „traumhaftem Wetter“, gemeinsam die Bereitschaftspolizei, die natürlich u.a. am Stadion steht.

Dann zeigten mir meine beiden Begleiter das Stadion. Im Unterschied zum Stadion in Kaiserslautern, wo ich ja auch schon einmal im Fußballeinsatz war, ist es deutlich neuer. Für mich persönlich ist es ziemlich neu – in den 90ern war ich nämlich ab und an mal im alten Bruchwegstadion dabei. Mainz war damals noch in der 2. Liga. Auch da kam mal Schalke zu Besuch und das kleine Stadion platzte aus allen Nähten. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an Durchsagen des Stadionsprechers mit der Bitte an die Schalke-Fans, die keinen Platz im Stadion mehr ergattert hatten, doch bitte aus den umliegenden Bäumen herauszuklettern. Doch genug Anekdoten aus grauer Vorzeit…

Das Stadion, derzeit Opel-Arena genannt (nennt mich altmodisch – ich mochte das noch ganz gern, als Stadien nicht nach dem Hauptgeldgeber benannt wurden, sondern Namen hatten, die man sich merken konnte und die sich auch nicht pausenlos änderten), liegt ziemlich auf der grünen Wiese. Entsprechend „erfreulich“ war es für die Fans, dass keine Parkplätze zur Verfügung standen – weil offensichtlich die Verhandlungen mit den Eigentümern der fraglichen Grundstücke ergebnislos blieben. Mittlerweile hat die Universität zur Problemlösung beigetragen, indem sie ihre Parkplätze an Spieltagen zur Verfügung stellt.

Aus polizeilicher Sicht ist an diesem Stadion sehr viel Positives. Die Lage vor den Toren der Stadt führt dazu, dass die Fans relativ problemlos zum Stadion geführt werden können und ihre Wege sich nicht kreuzen – wie es am 11-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern passiert.

Am Stadion angekommen, werden die Fans der Gästemannschaft durch einen Tunnel in ihren Block geführt. Entsprechend können Heimfans tatsächlich einmal ums Stadion drum herumlaufen – ohne sich mit den Gästefans ins Gehege zu kommen.

Die Polizei hat eine eigene kleine Wache. Auch die wollten wir anschauen, allerdings waren die Beamten darin offensichtlich mit einem Fußballfan beschäftigt, der nicht allzu glücklich aussah. Entsprechend wollten wir nicht stören. Auch eine Leitstelle hat die Polizei, doch dazu später.

 

Zu einem gelungenen Fußballeinsatz in Mainz trägt auch die Verkehrspolizei bei. Ein Freitagabendspiel hat die Eigenschaft, dass sich der Berufsverkehr durch die Anreise von Fans nicht wirklich entspannt, entsprechend gab es auch gut zu tun.

 

Schließlich ging es wieder ins Stadion, dieses Mal in die Leitstelle. Von dort aus hat man einen guten Blick ins Stadion und auch aufs Spielfeld. Blöd, wenn man als überzeugte Rheinland-Pfälzerin genau dann auf selbiges guckt, wenn Schalke das einzige Tor des Abends in das Mainzer Netz ballert. Hmpf!

Heiko Arnd, Andrea Funke, und ich beim Schnuppern von Stadionatmosphäre vor der Leitstelle – an dieser Stelle einen herzlichen Dank an den Herrn von der Feuerwehr für das Foto inklusive der Bildrechte.

 

Heiko Arnd nahm mich mit in zwei Besprechungen, eine kurz vor Anpfiff. Dabei kamen die szenekundigen Beamten (Polizisten, die ihr Ohr möglichst am Puls der Fußballfanszene haben) aus Gelsenkirchen und aus Mainz, der Sicherheitsbeauftragte des Stadions, der Fanbeauftragte von Mainz 05 und eben die Einsatzleitung zusammen, um Eindrücke und Beobachtungen auszutauschen.

 

In der Halbzeitpause gab es eine zweite Besprechung, dieses Mal kamen die Teilnehmer nur aus den Reihen der Polizei. Bereitschaftspolizei, Verkehrspolizei und die szenekundigen Beamten gaben noch einmal ihre Eindrücke zum Besten.

 

Auch nach Spielende gestaltete sich alles ruhig. Entsprechend konnte ich mich um kurz nach Mitternacht schon wieder auf den Heimweg machen.

 

Eigentlich gab es nur zwei Dinge, die mich gestört haben.

 

Zu einem bestimmten Zeitpunkt lief ich mit zwei uniformierten Polizeibeamten durch die Wandelhalle des Stadions. Nur das – einfach gehen. Und prompt pöbelte uns jemand an: „Scheiß-Bullen!“

Ich nehme an, meine Begleiter haben das nicht gehört. Bei meiner Einstellungsuntersuchung wurde mir gesagt, mein Gehör sei zu gut – und jeder, der in meiner Gegenwart flüstert, kann das bestätigen.

Danke an die Absender dieser netten Worte für das Kompliment! Es ehrt mich immer, wenn ich mit Angehörigen einer Berufsgruppe verwechselt werde, die bei mir sehr hoch im Kurs steht.

 

Im Schalker Fanblock wurde permanent jede Menge Pyrotechnik abgebrannt. Dabei gab es auch Verletzte, das ist aber nicht mein Punkt. Offensichtlich waren dies alle Verletzte, die durch „friendly fire“ getroffen wurden – insofern bin ich da relativ mitleidlos.

Ich stelle mir dazu vielmehr zwei Fragen.

  1. Warum nutzten eigentlich die Schalker Spieler nicht ihren Einfluss auf die Fans und zeigen denen einfach mal, dass es so nicht geht? Wäre übrigens auch mal eine Maßnahme, wenn diese unsäglichen ACAB-Plakate irgendwo erscheinen. Einfach mal den entsprechenden Block nach dem Spiel bei der „Danke-Runde“ ignorieren.
  2. Wenn man Bengalos in dieses Stadion schmuggeln kann – was kann man da noch alles reinbringen? Diese Frage geht an die Verantwortlichen von Mainz 05, denn die Polizei ist an diesem Punkt raus. Die haben mit den Einlasskontrollen nichts zu tun.
    Ich bin nun mal halbe Französin und ich habe während der Terrorwelle der 90er Jahre in Paris gelebt. Bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris hätte es noch viel mehr Tote gegeben, wenn die beiden Terroristen, die sich vor dem Stade de France in die Luft gesprengt haben, es in dieses Stadion geschafft hätten. Was ist der Unterschied zwischen französischen und deutschen Einlasskontrollen?
    Deutschland ist nicht Frankreich? Vielleicht! Aber seit dem 19.12.2016 und dem, was am Breitscheidplatz geschah, sollten wir uns vielleicht doch endlich mal klar werden, dass dieser Terrorismus sich nicht für Ländergrenzen interessiert.

In dem Sinne bin ich persönlich sehr froh, einen Artikel schreiben zu dürfen über einen Einsatz, bei dem eigentlich nix los war.

Danke an die Polizei Mainz, insbesondere an Heiko Arnd sowie die beiden Herren, die mich eine Weile als Achlastbeschwerer dabei hatten, für die spannenden Einblicke.

One comment

  • Sigrid Steinberger
    27. Mai 2018 - 19:17 | Permalink

    Mir hat dieser Bericht gut gefallen👍 Was das Fußball-technische angeht, da bin ich kein richtiger Gesprächspartner😨. Mein Mann hat in jüngerenJahren bei drei Mannschaften einem Verein mitgespielt (Alte Herren, Reserve und 1.). Da hatte ich schon genug zu tun mit Trikot- , Socken- und Bandagen waschen😂. Außerdem bin ich damals noch gerne mit meinem Motorrad gefahren😃. Aber zum anderen Thema: Auch wenn wir hin und wieder mit der Polizei „zu tun“ hatten, gab es nie Probleme auf beiden Seiten. Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück.

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