Eiskalt – mit der Bundespolizei im Einsatz

Doch, wir hatten schon recht früh einen ersten Winter in Rheinland-Pfalz. Anfang Dezember. Ich weiß das zufällig so genau, weil ich in der Nacht die Bundespolizei im Einsatz begleiten durfte.

 

Da ich in der Rheinschiene lebe, werde ich gelegentlich mal von Schnee überrascht – so auch an diesem Nachmittag, an dem mein Nahverkehrszug sich in die Westpfalz hochschraubte… von schneefreiem Gebiet in eine Gegend mit immer mehr Schnee. Ich gratulierte mir zu meinen wasserfesten Halbschuhen und den standardmäßig im Rucksack befindlichen Handschuhen mit Mütze – und hoffte ansonsten auf warme Streifenwagen. Ich hatte ja keine Ahnung…

 

In der Dienststelle wurde ich zuerst freundlich von Anja, der Pressesprecherin, begrüßt. Ich wunderte mich ein bisschen, dass sie voll uniformiert und bewaffnet war, also so, als würde sie jederzeit in einen Einsatz gehen. Anschließend wurde ich noch einmal freundlich begrüßt, von einer aus Krankheitsgründen schwer reduzierten Dienstgruppe. Neben dem Dienstgruppenleiter versammelten sich im Aufenthaltsraum der Bundespolizeiinspektion Kaiserslautern drei ausgelernte Bundespolizisten und drei Anwärter. Innerlich machte ich mich da schon wieder auf den Weg nach Hause, da ich ja keine Belastung sein will. Aber unsere Polizei regelt das schon.

 

Sven, der Polizist, der sich eigentlich um mich hatte kümmern wollen, wurde mit einem der Anwärter nach Mainz abgeordnet. Da waren es nur noch vier. Und Anja. Und ich…

 

Die erste Hälfte der Nacht verbrachte ich mit Igor, einem erfahrenen Bundespolizisten, und Till, einem Anwärter. Und Anja, die ja auch ausgebildete Polizistin ist.

 

„Wir nehmen einen Zug, fahren bis Homburg und wieder zurück. Und schauen mal, was wir da so finden“, entschied Igor.

Für mich hörte sich das nach einem guten Plan an. Gemeint war übrigens Homburg an der Saar im Saarland, für jene Leserinnen und Leser, die sich in der Westpfalz und ihren Anrainern nicht so gut auskennen. Da ich selbst dort noch nie gewesen war, war der neugierige Teil in mir durchaus erfreut. Obwohl mir natürlich klar war, dass ich viel mehr als den Bahnhof nicht zu sehen bekommen würde. Aber auch sonst hatte ich ja keine Ahnung…

Ich bekam eine Weste mit dem Aufdruck „POLIZEI“, damit klar war, zu wem ich gehöre, und los ging es. Noch zu fünft, am Bahnhof selbst zeigten Siggi und Martin Polizeipräsenz.

Entsprechend blieben sie zurück, während wir den Bahnsteig zum Zug nach Homburg erklommen. Dort pfiff ein ganz schön kalter Wind.

 

 

„Wir werden weniger von der Einsatzlage getrieben als die Landespolizei. Schwerpunkte unserer Arbeit liegen auch im Bereich der Fahndung“, erklärte Igor mir und unterbrach damit meine Überlegungen, ob es wohl lohnen würde, die Mütze aus dem Rucksack zu kramen. Ein empfindlich kalter Wind strich über den Bahnsteig.

Der Zug fuhr ein. Jetzt verstand ich auch, was Igor damit meinte, sich selbst Arbeit zu suchen. Schon mit der Einfahrt des Zuges begann er, den Bahnsteig entlang zu gehen, den Blick dabei in den Zug gerichtet. Im Verlauf der Nacht sollte sein Auge für jene Mitbürger, bei denen es sich lohnt, mal genauer hinzusehen, mir noch echte Bewunderung abringen.

Zuerst einmal war ich froh, in den ein wenig miefigen, aber sehr schön warmen, Zug zu kommen.

Wir stiegen ein und gingen nach und nach durch den Zug. Eine stichprobenartige Kontrolle hier, eine Kontrolle da. Das Ganze begleitet von interessierten Blicken der Fahrgäste.

Plötzlich richtete sich Igors Aufmerksamkeit auf eine minimal derangiert wirkende Frau, die sichtlich nicht ganz Herrin ihrer Sinne war, und von einem Mann an die Zugtür begleitet wurde. Dabei hatte er auch seine Hand auf ihrem Hintern. Insgesamt wirkte das Ganze recht vertraut.

Entsprechend überraschend war für mich die Reaktion des Herrn auf Igors Ansprache. Er sagte: „Das ist nur eine Kollegin. Wir kommen von einer Weihnachtsfeier.“

Aha?

„Die wird in X-stadt abgeholt.“

X-stadt, ein Bahnhof zwischen Kaiserslautern und Homburg/Saar. Der Zug stoppte. Tatsächlich machte der Mann ernsthafte Anstalten, die halb besinnungslose Frau sich selbst zu überlassen.

„Meine“ Bundespolizisten schritten ein und nahmen sich der Dame an. Sie konnte sich kaum aufrecht halten. Von Igors Fragen zeigte sie sich unbegeistert. Er wollte wissen, in wie weit sie orientiert war, indem er erfragte, ob sie wusste, wo sie war und wie sie hieß. Vielleicht merkte sie durchaus, dass sie gerade nicht das beste Bild abgab und ihr war das alles peinlich.

Auf dem Bahnsteig war es noch kälter als in Kaiserslautern.

Immerhin wusste sie ihren Namen. Und wusste, dass ihr Mann sie abholen wollte. Seinen Namen konnte sie auch nennen und ihre Papiere vorzeigen. Nur das Laufen gestaltete sich problematisch. Sie musste von Till und Anja gestützt werden, um nicht ins Gleisbett zu torkeln.

 

„Wir können sie nicht sich selbst überlassen“, erklärte mir Igor.

Der Weg vor den Bahnhof dauerte entsprechend der motorischen Restfähigkeiten der Dame ein wenig länger.

Tatsächlich stand ein Wagen vorm Bahnhof. Örtliches Kennzeichen, dann zwei Buchstaben, die die Initialen des Ehemannes bildeten. Zum Glück war er es wirklich. Natürlich überprüften Igor und Till erst seine Papiere, bevor sie ihm die Dame mitgaben.

Er war sichtlich angefressen vom Zustand seiner Frau. Ich persönlich war auch angefressen – davon, dass er sich nicht einmal zum Bahnsteig bemüht hatte. Mein Mann tut das.

Nun hieß es warten auf den nächsten Zug. Ich nahm mir doch die Zeit, meine Mütze rauszukramen. Dabei erklärte mir Igor die strikte Trennung der Zuständigkeiten zwischen Landes- und Bundespolizei. Ich habe nicht alles behalten, aber die Quintessenz für mich war, dass die Zuständigkeiten von Landes- und Bundespolizei klar gesetzlich geregelt und vorgegeben sind. Da würde es mich freuen, wenn häufiger das Gespräch gesucht würde, um das gegenseitige Verständnis zu erhöhen. Letztlich kämpfen alle Polizeien für das Gleiche und unter den gleichen schwierigen Umständen.

„Wir können uns per Eilzuständigkeit eines Falles annehmen. Aber es gibt bestimmte Delikte wie Drogen- und Waffendelikte, die wir nicht übernehmen dürfen. Da müssen wir die Bearbeitung an die Landespolizei weitergeben.“

Endlich kam der Zug zurück nach Kaiserslautern. Von dort unternahmen wir einen weiteren Versuch, nach Homburg an der Saar zu gelangen. Dieses Mal kamen wir bis Landstuhl, von dort ging es mit der letzten Bahn zurück nach Kaiserslautern.

Insgesamt förderte Igor bei seinen Befragungen ein illegales Messer, einen illegalen Böller Marke Eigenbau und diverse Betäubungsmittel zu Tage.

 

In Landstuhl landeten wir übrigens zwischen, weil ein junger Mann Cannabis bei sich hatte und auch konsumiert hatte.

Die Bearbeitung des Falles fand in der Polizeiinspektion Landstuhl (Polizei Rheinland-Pfalz) statt. Irgendwie fühlte es sich für mich eigentümlich an, eine Dienststelle „meiner“ Polizei zu betreten, ohne dort den Achslastbeschwerer zu geben.

PI Landstuhl

 

Übrigens haben sich Landespolizei Rheinland-Pfalz und Bundespolizei für das Gebiet von Rheinland-Pfalz auf gemeinsame, vereinfachte Formulare geeinigt, um die Abwicklung solcher Fälle reibungsloser zu gestalten.

Während Igor noch mit der Befragung des jungen Mannes befasst war, standen plötzlich zwei Polizisten der örtlichen PI im Raum. Ich war so fasziniert von dem Vorgang, dass mir erst nach einiger Zeit der Groschen fiel.

Freudige Begrüßung.

Einer der jungen Herren war mal in Ludwigshafen mein Streifenpartner gewesen.

Breites Lächeln bei Igor.

Und ich gewann eine Nachtschichtbegleitung in Landstuhl.

 

Wieder in Kaiserslautern fuhren keine Züge mehr. Was nicht hieß, dass meinen Begleitern die Arbeit ausging. Während sich Igor und Till schon einmal ihren Berichten widmeten, gingen Siggi, Martin, Anja und ich auf Fußstreife. Einmal unter dem Bahnhof durch, dann vor der Disko „Nachtschicht“, die ich ja schon während zweier Nachtschichten bei der Landespolizei kennen lernen durfte. Allerdings richteten meine Begleiter den Blick auf die Gleise und die Bahnanlagen hinter der Disko.

Hatte ich bis hierher wenigstens ab und zu in einem warmen Zug auftauen können, war damit jetzt Schluss.

Zurück im Bahnhof galt es, Präsenz zu zeigen. Für mich interessant, wie viel in so einem Bahnhof um eine derartige Uhrzeit noch los ist. Junge Leute, die ihr Handy aufluden. Viele Diskogänger, die auf ihre Züge nach Hause warteten.

 

Siggi zeigte mir zwischendurch die Leitstelle (zum Auftauen), dann bat er Martin, den Bulli für eine Autostreife freizumachen. Ich half Martin und nutzte die Gelegenheit für ein Shooting mit dem Thema „schneebedecktes Polizeiauto“.

Wir fuhren über ein Bahngelände. Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich es auch deswegen spannend finde, die Polizei zu begleiten, weil man auch so viele andere Einblicke bekommt. Anschließend ging es weiter zu einem anderen Gelände der Bahn. Auf dem Weg dahin passierten wir zwei junge Herren, die Siggi verdächtig vorkamen. Er hielt an.

Und siehe, sie hatten Sprayerausrüstung dabei. Also ins Auto mit ihnen und ab zur Dienststelle.

Letztlich hieß das, dass wir auf dem zweiten Bahngelände nach den Werken der Sprayer suchten.

„Pass bloß auf Dich auch. Immer genau in alle Richtungen gucken, damit man nicht von einem Zug überfahren wird.“

Mit dieser Warnung im Kopf hielt ich mich an Siggi.

Sehr spannend, nachts zwischen stehenden Zügen herumzulaufen. Aber auch verdammt kalt. ;-)

 

Zum Abschluss starteten wir noch zu einer Fußstreife an den Bahnhof. Schon, als wir vor die Dienststelle traten, sprach uns ein junger Mann an:

„Beeilen Sie sich, da schlagen sich welche.“

Wir rannten los. Natürlich kam ich als Letzte an. Ein Mann lag auf dem Boden, kam gerade zu Bewusstsein.

Die Schlägerei selbst war schon vorbei, der Schläger nicht vor Ort.

Meine Begleiter nahmen auf, was aufzunehmen war.

 

Schon kamen auch Sven und sein Begleiter aus Mainz zurück. Eine interessante Nacht war schnell umgegangen. Da die Zugverbindungen aus der Westpfalz zu mir nach Hause nicht ganz so toll sind, musste ich noch eine Weile in Kaiserslautern ausharren. Netterweise leistete Sven mir dabei Gesellschaft. Wir begannen mit einem kleinen Abschiedsfotoshooting vor einem schicken Bundespolizei-BMW. Da Sven mittlerweile wieder in zivil war, brachte uns das einen höchst misstrauischen Blick einer passierenden Streife der Landespolizei ein. Sehr gut! Passt aufeinander auf!

Danke an die Bundespolizeiinspektion Kaiserslautern für diese ganzen spannenden Eindrücke und den herzlichen Empfang! Ihr seid klasse!

 

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