Am Ende hatte ich feuchte Augen – Demoeinsatz in Remagen – 18.11.2017

Unsere Polizei hat mir an diesem Tag feuchte Augen verschafft. Unsere Polizei, einige Vereinsmitglieder und weitere Unterstützer.

Mehr helfende Hände als sonst hatte ich beim jährlichen Demoeinsatz in Remagen. Darauf und auf die Reaktionen aus den Reihen der Polizei möchte ich den Schwerpunkt dieses Artikels legen. Dem Einsatzanlass möchte ich nur wenige Worte zum Schluss widmen. Einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei Rückhalt zu vermitteln ist als Absage an jede Form des Extremismus deutlich genug.

Mein Einsatz begann, nach dem Einholen der entsprechenden Genehmigungen bei den beiden zuständigen Polizeipräsidenten, mit dem Bestellen der Leckereienspende im Vorfeld. Da wir im Vorjahr zurückgemeldet bekommen hatten, dass der viele Kuchen zusammen mit den Nussecken der Gewerkschaft der Polizei dafür gesorgt hatte, dass der eine oder andere Polizeibeamte sich kurz vorm Zuckerschock befand, wollten wir umdenken. Der Verein heißt schließlich KEINE Gewalt gegen Polizisten e.V.. Also sprachen wir im Verein seit Monaten über Alternativen. Zwei Mitglieder spendeten Geld, damit wir dieses Jahr mit mehr Variationen antreten konnten.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Bäckerei Müller und die Markthalle Remagen für sehr gute Beratung in der Sache. Neben Muffins spendeten wir dieses Mal Laugenkonfekt, Mini-Partystangen und Äpfel. Es kam alles sehr gut an. Zwar haben wir den einen oder anderen Apfel übrig, aber wir üben ja noch. In 20 Jahren haben wir es auf den Apfel und den Muffin genau austariert.wp-monalisa icon

Nach und nach bat ich in der Innenstadt wieder um das Aushängen diverser Plakate. Neben Grund- und Realschule (an dieser Stelle mein besonders herzlicher Dank an die jeweiligen Hausmeister für ihre Unterstützung und natürlich auch an die Schulleitungen) hängten die Kreissparkasse Ahrweiler, die Fahrschule Kühn, die Buchhandlung Hauffe, die Post, die Hubertus-Apotheke, die Graben-Apotheke und die Remagener Markthalle unsere Plakate aus. Um das Aushängen im Schaukasten der Evangelischen Kirche kümmerte sich unsere Schatzmeisterin. Danke auch an das Ordnungsamt für die Genehmigung, Plakate in der Lagerhalle am Bahnhof anzubringen, die ebenalls als Versorgungsstelle für die Bereitschaftspolizei dient.

Zwei Tage vor dem Einsatz machte ich mich daran, die Hundekekse für die Diensthunde zu backen. Unser Schriftführer hatte mir netterweise das notwendige Hackfleisch gekauft. Freitag brachte unser Mitglied Sabine Thumm-Kißling selbst gebackene Muffins – mengenmäßig ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir verteilten diese aber gleichmäßig auf alle Versorgungsstellen, um rüberzubringen, dass die Polizistinnen und Polizisten im Einsatz Sabine wichtig genug sind, sich an den Ofen zu stellen. In der Zeit war ich mit unserem Mitglied Svenja unterwegs, schon einmal Plakate in einigen Versorgungsstellen aufzuhängen und noch letzte Besorgungen zu tätigen.

Die helfenden Hände unseres Schriftführers

Am Einsatztag selbst begann unser Tag um 6:30 Uhr damit, das Auto zu beladen. Dabei halfen der Schriftführer und unser Neumitglied Julia. Um Punkt sieben Uhr fuhren wir vor der Bäckerei vor. Unsere Schatzmeisterin und Nadine stießen dazu. Dadurch waren wir so schnell fertig, dass wir noch ein kleines Frühstück kaufen konnten. So brachten uns später die köstlichen Düfte, die aus den hübschen Geschenkkartons der Bäckerei Müller waberten und die Fensterscheiben beschlagen ließen, nicht ganz so um den Verstand. Unsere Schatzmeisterin fuhr dann erst einmal wieder nach Hause, um mit ihrem Mann zu frühstücken. Für den Rest des Tages blieb sie in Bereitschaft, aber wir konnten ihr einen ruhigen Samstag gönnen.

Wir lagen so gut in der Zeit, dass Nadine, Julia und ich die erste Versorgungsstelle schon bestückt hatten, bevor wir in der Feuerwache um acht Uhr morgens unsere Plakate aufhängen konnten. Zu Nadines und meiner Freude trafen wir dort Polizeibeamte, die uns schon vom Vorjahr kannten. Also brauchten wir gar nicht viel zu erklären und machten uns ans Aufbauen des ersten Tisches.

Im Vordergrund: Sabines selbst gebackene Muffins

Weiter ging es zur Feuerwache. Dort waren schon einige Polizisten und auch Feuerwehrleute emsig am Werk.

Am Streifenwagen ganz links sieht man, wie schattig es war.

Auch hier bekamen wir einen Tisch zur Verfügung gestellt und hängten unsere Plakate aus. Zu meiner Freude begegnete ich dem einen oder anderen, den ich schon mal bei einer Schicht begleiten durfte. Einer der Herren war kürzlich im Einsatz verletzt worden und hatte eine Karte von KGgP bekommen. Er zeigte mir die letzten Narben: „Aber schau mal, kaum noch etwas zu sehen.“

Abgesehen davon machte die Müdigkeit uns ein wenig albern, so dass ich, als wir wieder ins Auto stiegen, das hier vorfand. Danke, Nadine, Du Künstlerin! wp-monalisa icon

Nadine, Du bist echt eine Wolke.

 

Nach einer kurzen Erledigung in der Innenstadt kamen wir noch einmal wieder – ich wusste, dass der Einsatzleiter der Hundeführer kurz an der Feuerwache sein würde. So konnte ich ihm für alle Diensthunde unsere Hundekekse geben. Darauf regierte er mit großer Freude. Hunde sind auch nur Menschen. Und ja, wäre eine Reiterstaffel anwesend, würde Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. auch Möhren spenden.

Nächste Station – Polizeiinspektion. Auch hier lieferten wir einige Leckereien ab – schließlich muss neben dem Großeinsatz auch der normale Dienstbetrieb abgewickelt werden. Da war auch einiges geboten, jedenfalls kam der Wachhabende kaum dazu, ein paar Worte mit mir zu wechseln. Nun blieb nur noch die Lagerhalle am Bahnhof, damit wir unsere letzte Versorgungsstelle der Landespolizei bestücken konnten. Also nix wie los.

Am Bahnhof war es im Vergleich zu sonst deutlich zugeparkter. Offensichtlich waren die Parkverbotsschilder von unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nur sehr eingeschränkt wahrgenommen worden.

Ein Mannschaftswagen der Polizei hatte sich jedoch ein Plätzchen ganz nah an der Lagerhalle gesucht. Um genau zu sein, den Platz, den ich gern gehabt hätte. Also wurde ich mal kurz ein bisschen dreist und rangierte den Wagen mit unserem Kofferraum genau vor den Bug des Mannschaftswagens – das kurzfristig fassungslose Gesicht des Fahrers im Rückspiegel.

Aus beiden Fahrzeugen stiegen alle aus. Schnell hob ich die Kofferraumhaube, um die beiden Beamten mit dem Anblick unserer Leckereien friedlich zu stimmen. Beide lachten.

Der Beifahrer sagte: „Ich meinte bereits zu meinem Kollegen: ‚Pass auf, da geht gleich der Kofferraum auf und da kommt Kuchen raus!‘ So war es dann auch!“

Ich erkannte den Herrn wieder, der schon im Vorjahr die Schlüsselgewalt über die Lagerhalle gehabt hatte. Nachdem wir uns ausgiebig begrüßt hatten, halfen uns die beiden Herren dabei, unsere Gaben in die Lagerhalle zu tragen.

 

Da ich mittlerweile ein dringendes Bedürfnis verspürte, ging ich auf die an die Lagerhalle angeschlossenen Toiletten. Nach Vollendung meiner Erledigung wusch ich mir die Hände.

Seife?

Suchend schweifte mein Blick umher.

Keine Seife!

Zurück zu meinem Ansprechpartner.
„Habt Ihr eigentlich Seife dabei?“

„Nein! Ist da keine?“

„Nein!“

Unfassbar. Das ging gar nicht. Über mehrere Stunden ohne eine Möglichkeit, sich ordentlich die Hände zu waschen – und das in einer Jahreszeit, in der erste Grippe- und Erkältungswellen um sich greifen…

Da unser Termin bei der Bundespolizei erst um elf Uhr stattfinden würde, blieb uns noch Zeit.

„Wir kommen wieder!“

Mit Julia und Nadine fuhr ich zu einem Supermarkt in der Nähe und beschaffte vier Seifenspender und – wo ich schon mal da war – Desinfektionstücher. Auf Vereinskosten. Damit fuhren wir zurück zum Parkplatz und übergaben das an unseren Ansprechpartner.

„Ihr seid der Wahnsinn!“ war seine Reaktion.

Gerne! Aus unserer Sicht das Mindeste.

 

Schließlich fuhren wir los zur Versorgungsstelle der Bundespolizei. Genau vor der Haustür war ein Parkplatz frei. Manchmal muss man auch Glück haben. Ich glaube, die Idee war auch, dass dort für das Versammlungsgeschehen die Parkplätze frei gemacht werden sollten – aber wir standen ja nur zehn Minuten da.

Wir wurden sehr herzlich empfangen. Offenbar machte unsere Spende Freude. Uns freut es jedenfalls, wenn es gemundet hat.

Bildquelle: Bundespolizei

 

Nun wurde es Zeit, das Auto aus der Stadt zu schaffen. Oder sollten wir doch noch mal versuchen, zur ersten Versorgungsstelle zu kommen und noch etwas nachzulegen? Ok, das wollten wir probieren.

Klappte nicht!

Wir liefen auf zwei Straßensperrungen auf und entschieden, das Auto dann doch aus der Stadt zu bringen. Was uns eine interessante Schleichfahrt hinter einem Streifenwagen einbrachte.  wp-monalisa icon Ist ok. Ich mag solche Aussichten. wp-monalisa icon

Julia musste uns wegen anderweitiger Verpflichtungen verlassen, Nadine und ich gingen wieder zurück in die Stadt. Als erstes besuchten wir noch einmal die Bundespolizei – wir hatten doch glatt die Hundekekse für die Hundeführer beim ersten Anlauf nicht abgegeben. Da die Bundespolizei schon heftig im Einsatz und unter Strom stand, versprach uns eine Polizistin, die Hundekekse weiterzugeben.

Danke! Ihr macht mich stolz.

Anschließend liefen Nadine und ich durch die Stadt, von Versorgungsstelle zu Versorgungststelle. Von einigen mir bekannten Polizisten wusste ich, dass sie in diesem Einsatz stehen würden – ich schaffte auch im Laufe des Tages, jedem von ihnen wenigstens die Hand zu schütteln. Das ist mir auch immer sehr wichtig. Von einigen Bekannten wusste ich es nicht – und freute mich über ein Wiedersehen. Wir lernten viele neue Polizeibeamtinnen und -beamten kennen, die sich interessiert nach unserem Verein erkundigten. Und nicht nur Polizeibeamte…

Zu meiner Freude hörten wir mehrfach, dass sich zunehmend Bürgerinnen und Bürger einfach mal so bei der Polizei bedanken. Einige Gesprächspartner hatten den Eindruck, ein gesellschaftlicher Wandel finde statt. Einige führten es auf den islamistischen Terror zurück, der den Bürgern wieder vor Augen führe, was sie an ihrer Polizei haben. Was immer der Grund ist – wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. können diese Entwicklung nur begrüßen.  wp-monalisa iconHoffen wir, dass sie nachhaltig ist.

Abschließend war noch Zeit für ein gemeinsames Gruppenbild mit den Leuten von der GdP, die ihrerseits im Versorgungseinsatz standen und eifrig Nussecken verteilten. Man beachte das schöne rote Auto im Hintergrund. Sagte ich bereits, dass ich auch großer Fan der Feuerwehr bin?

Wie immer war ich nebenher auf der Jagd nach Symbolfotos. Dabei musste ich einigen Polizisten die Angst vor meinem großen Objektiv nehmen. Bei mir gelten Persönlichkeitsrechte auch für Polizeibeamte. Wie immer sagte ich am Ende des Einsatzes: „Ich bin kaum zum Fotografieren gekommen!“ Und wie immer waren es am Ende dann doch einige brauchbare Fotos.

Wir schauten auch an der Fachhochschule vorbei, wo wir kurz auf eine liebe Bekannte trafen, die im Remagener Bündnis für Frieden und Demokratie aktiv ist. Auch hier schüttelten wir einige Hände.

Auf dem Weg dahin kamen wir einige hundert Meter entfernt an der Aufzugstrecke einer Gegendemonstration vorbei, pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem eine Lautsprecherdurchsage erklang: „Die Polizisten haben Helme auf. Das finden wir nicht gut.“

Da war ich inhaltlich dabei. Ich finde das auch nicht gut, wenn Polizisten ihre Helme aufsetzen müssen. Das heißt nämlich, dass es dann gewisse Anzeichen dafür gibt, dass sie etwas an den Kopf geworfen bekommen könnten. Aus Spaß tun sie das jedenfalls nicht.

Sie sind nämlich nicht zwingend scharf darauf, ihre Helme aufzusetzen. Es wäre also allseits geholfen, wenn man sich als Demonstrant von denen trennen könnte, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht gewaltlos ausüben können oder wollen.

Stünde jemand so dicht hinter mir, wie der Demonstrant links außen hinter den beiden Polizisten, würde ich mich reichlich körperlich bedrängt fühlen. Auch nicht nett!

Insgesamt verlief der Einsatz friedlich und endete entsprechend früh. Darüber bin ich sehr froh. Der Verein heißt schließlich KEINE Gewalt gegen Polizisten e.V. Früher als gedacht begannen die Beamten mit dem Abbau. Netterweise halfen uns Polizistinnen und Polizisten an allen Versorgungsstellen einfach damit, unsere Materialien vor die Tür zu stellen. So brauchten wir sie letztlich nur noch schnell einzusammeln.

Bevor ich nun zum Ende des Artikels komme, noch einmal eine kleine Ansage für alle, denen meine Absage an Extremismus in jeglicher Form zu subtil war: Ich lehne Rechtsextremismus ab. Jede Form der Menschenverachtung ist mir zutiefst zuwider. Da ich dem rechten Aufzug aber weitestgehend aus dem Weg gegangen bin, sehe ich nicht ein, wieso ich diesen Leuten in diesem Artikel eine Bühne bieten sollte.

Ganz am Schluss fand ich auf einigen übrig gebliebenen Äpfeln folgende Nachricht vor:

 

WOW!

Davon hatte ich echt feuchte Augen! Ihr seid der Hammer. Ihr und unsere Mitglieder, die mich so tatkräftig unterstützt haben. Ich bin immer noch ganz gerührt, wenn ich dieses Bild sehe.

Zum Abschluss trotzdem noch unser Dank – denn es ist ganz an uns Bürgerinnen und Bürgern, Euch für Euren täglichen Einsatz für uns als Gesellschaft zu danken!

 

Und wie immer zum Abschluss die Pressemitteilung der Polizei dazu:

Versammlungsgeschehen in Remagen

Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen und bei der Kreisverwaltung Ahrweiler angemeldet. Aufgabe der Polizei ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizeidirektion Mayen mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Um 11:00 Uhr fand an der „Schwarzen Madonna“, einer kleinen Friedenskapelle in der Nähe der Rheinwiesen, ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Über den Tag verteilt fanden in Remagen und am Rhein-Ahr-Campus eine Vielzahl von verschiedenen Veranstaltungen statt, welche sich gegen die rechte Gesinnung richteten.

Die Anhänger „Rechts“, ca. 200 Personen, trafen sich ab 12.00 Uhr im Bereich des Güterbahnhofs an der B 9. Die Teilnehmer zogen durch verschiedene Straßenzüge der Innenstadt. Nach einer Kundgebung in der Nähe der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort.

Zirka 350 Personen des linken Spektrums suchten heute den Weg nach Remagen. Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen konnte durch die eingesetzten Polizeikräfte verhindert werden.

Pressemitteilung der Polizeidirektion Mayen vom 18.11.2017

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