Fast wie daheim – und doch anders / Wasserstandsmeldung aus meiner zweiten Heimat

Heute vor fünf Tagen: Ich sitze in einem meiner Lieblingscafés an der Place de la République. Eigentlich ist alles wie immer. Alle paar Minuten fliegt ein Polizeiauto, zwischendurch auch mal in zivil, mit Blaulicht und Martinshorn an mir vorbei. Je nach Verkehrslage versuchen sie auch nur, zu fliegen, kommen aber lediglich im Schneckentempo voran.

Einmal sehe ich, wie drei Wagen von Pariser Bürgern über eine rote Ampel fahren, um das Einsatzfahrzeug durchzulassen. Manchmal klappt’s. Sogar in der Stadt des nahezu unendlichen Verkehrschaos.

Manchmal klappt es auch nicht, so wie hier. Leider sieht man auf dem Bild nicht, warum sie nicht auf der Gegenspur überholen konnten. Jedenfalls ging es nicht und nach vorne rührte sich nichts.

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Ähnliches spielte sich vor meinen Augen am Arc de Triomphe ab, wo ich dann kurz darauf zwei Polizisten in einem Streifenwagen einen aus deutscher Sicht recht gewagten Spurwechsel über acht Spuren vornehmen sah, beide über das ganze Gesicht grinsend. Vermutlich ein gewisses Amüsement über überforderte Touristen, die sich leichtsinnigerweise in diesen Kreisverkehr gewagt haben. Gewagte Spurwechsel kann man öfter und auch an anderen Stellen beobachten. Wer braucht auch Spuren?

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Alles wie immer?

Nicht wirklich.

In der Pariser Polizei, in der französischen Polizei insgesamt, rumort es gewaltig.

Auch wenn es vordergründig nicht erkennbar ist – die Pariser Polizei befindet sich im Bummelstreik. Dienst nach Vorschrift. Sie machen, was sie sollen. Mehr aber auch nicht.

Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, dass an neuralgischen Punkten wie rund um den Eiffelturm keine merkbare Polizeipräsenz vorhanden war. Ja, der Ausnahmezustand wurde heruntergefahren, weil er schlicht auch nicht mehr durchhaltbar war. Aber dennoch gibt es nach wie vor die Bedrohung durch Terror. Die gab es auch schon 2013, lange vor dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Seitdem waren gerade dort immer reihenweise Mannschaftswagen von CRS und Polizei zu finden.

Wie auch immer, mir ist nicht bekannt, dass irgendein Notfall nicht abgearbeitet wurde, insofern hat der Dienst nach Vorschrift (noch) keine allzu negativen Folgen. Ich vermute, dass Verkehrsdelikte einfach gepflegt übersehen werden.

Der Anlass für den Bummelstreik ist die steigende Gewalt gegen Polizisten in Zeiten nahezu unerträglicher Arbeitsbedingungen.

„Nun gut“, werden mir jetzt sicherlich einige entgegenhalten. „Die französische Polizei ist aber auch nicht gerade für Zimperlichkeit bekannt.“ Soll heißen, dass sie schneller und härter zuschlägt als unsere…

Lustigerweise glauben Franzosen genau dasselbe von der deutschen Polizei. Interessant, oder?

Ja, es gibt sie, die französischen Polizisten, die überziehen. Gegen diese wird sofort ein Verfahren der IGPN (Inspection générale de la Police Nationale, Interne Ermittlungsabteilung) eröffnet und natürlich auch ein Strafverfahren. Beispielhaft kann man das nachlesen im Fall des Professors der Sorbonne, der Polizisten beschuldigt, am 22.9.2016 von ihnen bedroht, auf sexueller Basis beleidigt und gewalttätig behandelt worden zu sein. Er hatte zuvor die Festnahme einer Frau am Bahnhof seiner Heimatstadt Saint-Denis (Vorort von Paris) gefilmt. Ebenso läuft ein Verfahren, nachdem ein Student in Rennes im Rahmen einer Demonstration durch ein Gummigeschoss sein Auge verlor. In diesem Fall haben die Eltern des Studenten bei der IGPN Anzeige erstattet. Ende Mai wurde ein Polizist zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem er in Caen einen Demonstranten geschlagen hatte.

Es kursiert hierzulande sogar das Gerücht, dass französische Polizisten sich nach Schusswaffengebräuchen auf Menschen keinem juristischen Verfahren stellen müssten. Das ist nachweislich falsch, wie man nicht nur an diesem Beispiel erkennen kann: In Lille kam es durch zwei Sondereinheiten zu einem Einsatz im Drogenmilieu, bei dem ein Mann durch eine Polizeikugel starb. Im letzten Absatz des hier verlinkten Artikels wird die Einleitung des Verfahrens erwähnt.

Ja, es gibt auch interkulturelle Unterschiede. Zumindest vor 20 Jahren gingen sie bei rot über die Ampel. Macht in Frankreich aber jeder. Die Regel lautet, dass man dann über die Ampel geht, wenn gerade kein Auto kommt. Die Tatsache, dass man als Fußgänger grün hat, bedeutet nämlich nicht zwingend, dass man gefahrlos über die Straße gehen kann. Wer das nicht glaubt, kann ja mal zur Stoßzeit die Champs Elysées in ihrer ganzen Länge vom Arc de Triomphe bis hinunter zur Place Concorde gehen und dabei die vielen kleinen Querstraßen überwinden. Viel Spaß dabei!

Gelegentlich parken sie auch sehr… äh… im Pariser Stil, aber manchmal hat man in Paris auch keine Wahl. Nicht mal vor seiner eigenen Dienststelle.

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Nichtsdestotrotz kann für mich kein Zweifel daran bestehen, dass die französische Polizei genau so demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist, wie unsere. Und deshalb gehört der Polizei meiner zweiten Heimat mein Herz nicht minder als der deutschen. Ich würde beiden Polizeien bedenkenlos mein Leben anvertrauen.

Nun ist der Trend ähnlich wie bei uns. Wegen der Terroranschläge der letzten Monate schätze ich die Überstundenlage in Frankreich als noch angespannter ein. Auf die maximale Terrorwarnstufe wurde dann noch die EM draufgepackt. In der ersten Jahreshälfte ging es ununterbrochen rund wegen einer Arbeitsmarktreform, die auf breiten Widerstand in der Bevölkerung stieß und fast täglich Massendemonstrationen auslöste. Seit einigen Tagen sind auch wieder die Ultrakonservativen gegen die Homo-Ehe auf der Straße. Bis jetzt haben sie aber noch nicht ihr Niveau von 2013 erreicht, als sie ganze Straßenzüge gekonnt in Schutt und Asche legten. Viel gekonnter entglasen die Linksaußen auch keine Schaufenster und Bushaltestellen. Ich weiß schon, warum ich keine politische Richtung für besser halte als die andere.

Viele Polizisten kamen über Monate nicht aus den Uniformstiefeln. Nicht erst seit der Terrorbedrohung ist die Polizei mit deutlich zu wenig Personal ausgestattet. Sie arbeiten mit teilweise unsäglichem Material, ich habe da schon Mannschaftswagen gesehen, in denen die Sitzbezüge in Fetzen herunterhingen. Dieser Mannschaftswagen ist noch einer der schöneren:

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Obwohl man in der Bevölkerung sehr viele positive Stimmen zur Polizei hört, fühlen sie sich ungeliebt und gehasst, weil auch Frankreichs Lobkultur miserabel ist. In meinem Bekanntenkreis dort höre ich fast nur Lob über die französische Polizei, aber meine Versuche, klarzumachen, dass ich der falsche Adressat für diese Äußerungen bin, schlagen regelmäßig fehl.

Schon letzten Februar hat mir ein Polizist der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité, kasernierte Bereitschaftspolizei), der eigentlich aus Toulouse stammte und dort arbeitete, erzählt, dass er nun seit sechs Monaten in Paris stationiert sei und eigentlich nur noch nach Hause zu seiner Familie wolle. Aber das Schlimmste sei, dass er nur noch beleidigt und beschimpft werde. Als er hörte, dass ich einen Verein gegründet habe, der sich hinter deutsche Polizisten stellt, wollte er schon einen Versetzungsantrag nach Deutschland schreiben. Da Deutschland bei Franzosen, insbesondere bei Südfranzosen, im Allgemeinen als Urlaubsziel nicht die alleroberste Priorität hat, illustriert diese Aussage seine Gefühlslage recht eindrucksvoll.

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Seit Monaten werden Frankreichs Polizisten mit unfassbaren Gewaltakten überzogen. Bis jetzt wurden in 2016 wurden im Schnitt monatlich 500 Polizisten verletzt, das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 14%. Insgesamt hat die Police Nationale 150.000 Mitarbeiter, die natürlich nicht alle auf der Straße arbeiten. Ich habe keinen direkten Vergleich, weil mir die Zahlen der verletzten Polizeibeamten bundesweit für diesen Zeitraum nicht vorliegen. Im Prinzip ist es auch wurscht, wo jetzt genau es schlimmer ist. Ich kann in beiden Fällen nachvollziehen, dass für die Betroffenen eine Grenze erreicht ist, und  dass auch die Polizisten in Paris „ras le bol“ haben, also die Schnauze voll. Gestrichen voll.

Ende April 2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 78 Polizisten verletzt.

03.05.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Nantes werden 7 Polizisten verletzt.

18.05.2016: Frankreichweit demonstrierten Polizisten gegen den Hass, der ihnen entgegenschlägt. In Paris wurden durch Gegendemonstranten zwei von ihnen verletzt.

02.07.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform in Toulouse werden 8 Polizisten verletzt.

14.07.2016: Unter dem Eindruck des Anschlags von Nizza unbemerkt geblieben ist ein Polizist, der in Villiers-le-Bel bei Paris bei einem Einsatz wegen Ausschreitungen und brennenden Autos verletzt wurde.

15.09.2016: Bei Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform wurden 15 Polizisten und Gendarmen verletzt.

Das sind nur wenige Beispiele, was sich in Frankreich in den letzten Monaten abgespielt hat, ausgewählt nach dem Zufallsprinzip bzw. danach, was Google so auswirft, wenn man entsprechende Suchworte eingibt.

 

Seinen Höhepunkt fand diese Welle der Gewalt am 8. Oktober. In Viry-Châtillon nicht weit von Paris befanden sich zwei Streifenwagen bei der Verkehrsüberwachung an einer Kreuzung. Plötzlich tauchten etwa 15 Leute auf, schlugen die Scheiben der Polizeifahrzeuge ein und warfen Molotow-Cocktails hinein. Sie versuchten, die darin befindlichen Polizisten mit Faustschlägen vom Aussteigen abzuhalten.

Vincent, 28 Jahre alt, adjoint de sécurité (einer der Hilfspolizisten, die im Nachgang zu den Terroranschlägen vom 13. November innerhalb von drei Monaten ausgebildet und eingestellt wurden), erlitt Verbrennungen auf 25% seiner Haut, insbesondere an Gesicht und Händen. Seine Streifenpartnerin Jenny, 38 Jahre alt, brigadiére (in etwa Polizeiobermeisterin), erlitt zu 15% Verbrennungen in Gesicht und Händen. Die beiden Polizeibeamten in dem anderen Auto kamen mit leichten Verletzungen und Schock davon.

Vincent lag bis gestern im künstlichen Koma, er befindet sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung. Im Moment wird davon ausgegangen, dass er in etwa einem Jahr erst wieder dienstfähig sein wird. Jenny konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sie aus dem brennenden Auto herauskam. Beide wurden im Hôpital Saint Louis in Paris behandelt, Vincent befindet sich weiterhin dort.

 

An diesem Punkt war für die Pariser Polizisten Schluss mit lustig. Seit Montag (16.10.) gehen sie nun jede Nacht auf die Straße. Unangemeldet. Sie überraschten damit sogar die Polizeigewerkschaften. Es begann auf den Champs-Elysées. Etwa 500 Polizisten versammelten sich dort, teilweise in Uniform und mit ihren Dienstwagen, um den Verkehr zu stören.

Dienstagmorgen erklärte der Generaldirektor der Police Nationale, dass er entsprechende Verfahren bei der IGPN eingeleitet habe, da er das Verhalten seiner Leute „inakzeptabel“ findet.

In der folgenden Nacht von Dienstag auf Mittwoch versammelten sich wieder um die 500 Polizisten vor dem Krankenhaus, in dem Jenny und Vincent lagen, sangen dort die Marseillaise und zogen weiter zu den Champs-Elysées. Auch in Nizza und Marseille gingen Polizisten auf die Straße. In Evry bei Paris versammelten sich 400 Polizisten vor ihrem Kommissariat.

Mittwochmorgen schafften es diese Polizisten auf das Titelblatt des Figaro. Es kursierte das Gerücht, diese Demonstrationen seien vom Front National, der rechtsextremen Partei, angezettelt worden. Freitag gab das Innenministerium bekannt, dass es für diesen Vorwurf keinerlei Belege gäbe.

Deeskalierend wirkte dieses Gerücht nicht, denn jetzt wurden einige Polizisten noch saurer. Ja, auch in Frankreich versuchen sich Ultrarechte an die Polizei heranzuwanzen und auch in Frankreich fällt ihr süßes Gift bei dem einen oder anderen auf fruchtbaren Boden. Doch auch in Frankreich lässt sich die Mehrheit der Polizisten glücklicherweise nicht einwickeln. Um die Nase voll zu haben, braucht es den FN wahrlich nicht…

Der Innenminister Cazeneuve empfing am Nachmittag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften. Er sagt, dass er nicht in einen Teufelskreis aus Sanktionen eintreten möchte, aber doch an Prinzipien erinnern möchte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag versammelten sich etwa 300 Polizisten an der Place de la République. Anhänger der Antifa versuchten, diese Versammlung zu stören, wurden aber von einer Gendarmerie-Einheit des Platzes verwiesen. Von dort begaben sich die Polizisten wieder zum Hôpital Saint Louis und schließlich zu den Champs-Elysées. Als sie zum Innenministerium gehen wollten, wurden sie von besagter Gendarmerie-Einheit aufgehalten. Wieder fanden sich auch in Nizza und Marseille Polizisten zusammen. Polizisten in Toulon, Tours, Bordeaux, Le Mans, Toulouse, Nancy und Montbéliard taten es ihnen gleich. Einer von ihnen fasste die Situation so zusammen: „Man verspricht uns Autos mit Sicherheitsglas, während wir noch nicht mal Klopapier haben.“

In Paris fuhren Taxifahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Donnerstagmorgen waren diese Demonstrationen Thema auf den Titelseiten von Le Monde und Libération.

Donnerstagabend ging es weiter. In Paris 400 Polizeibeamte am Trocadéro, die sich dann zu den Champs-Elysées bewegten, in Marseille, Grenoble, Colmar (hier auch Feuerwehrleute), Lyon, Reims, Bordeaux, sogar im Überseedépartment Guyane versammeln sich Polizisten in der Hauptstadt Cayenne.

Wieder fuhren die Taixfahrer die demonstrierenden Polizisten kostenlos nach Hause.

Freitagmorgen waren sie nicht mehr Titelthema der Presse, was sich schlagartig änderte, nachdem der Staatspräsident zusagte, Montag Vertreter der drei führenden Polizeigewerkschaften zu empfangen.

Der Generaldirektor der Polizei, Jean-Marc Falcone, äußerte, dass er sich die Frage nach seinem Rücktritt nicht stelle, er habe nicht schlecht gearbeitet.

In der Nacht auf Samstag versammelten sich 200 bis 300 Polizisten vor Notre Dame, von wo aus sie zum Rathaus der Stadt Paris zogen. Wieder taten es ihnen Polizisten in anderen Städten gleich.

In der Nacht auf Sonntag (heute) versammelten sich Polizisten auf der Place de la République und zogen von dort zum Hôpital Saint Louis, wo sie riefen „Vincent! On est là!“ (Vincent, wir sind da!).

Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht und was bei der ganzen Sache herauskommen wird.

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Um hier nicht missverstanden zu werden – das hier ist kein Aufruf an deutsche Polizisten, es ihren französischen Kollegen gleichzutun. Zum einen kenne ich mich viel zu wenig im Beamtenrecht aus, um beurteilen zu können, ob das rechtlich überhaupt möglich wäre und wie die Risiken für den einzelnen Beamten dabei sind. Zum anderen denke ich nicht, dass das unser Job als Verein von Bürgern, die hinter ihren Polizeibeamten stehen, ist, darüber zu befinden, ob und wann Polizisten so etwas tun sollten. Das müssen sie schon selbst entscheiden, oder die Gewerkschaften.

Zudem lässt sich meiner Meinung nach die Situation in Frankreich aus vielen Gründen nicht 1:1 auf die hiesige übertragen.

Ich habe lediglich die Situation beschrieben, wie sie sich in Frankreich für mich in der vergangenen Woche darstellte.

Übertragbar ist, dass hoffentlich in beiden Ländern bald flächendeckend die Erkenntnis Oberhand gewinnt, dass die Gewalt gegen Polizisten selbst das Problem ist und nicht die Menschen, die über diese Gewalt sprechen. Denn was die Polizeien beider Länder gemeinsam haben – sie stehen unter massivem Druck und repräsentieren gleichzeitig die Werte ihres jeweiligen Staates. Ein Staat, der etwas auf seine Werte hält, sollte also auch jene, die diese repräsentieren, angemessen ausstatten und sich klar und deutlich hinter sie stellen.

Übertragbar ist aber auch, dass wir Bürger nicht immer nur mit dem Finger auf andere (den ominösen Staat, die Regierung, die Justiz, die Politik…. Liste beliebig erweiterbar) zu zeigen brauchen, sondern dass jeder von uns bei sich selbst anfangen kann.

Erst vorgestern sagte ein französischer Polizist zu mir „Merci. Merci du fond de mon coeur.“ (Aus meinem tiefsten Herzen Danke.) nachdem ich ihm von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erzählt hatte. Und das, obwohl er als Franzose gar nichts davon hat, weil wir nicht einmal genug Hände und Spenden haben, um die Sachlage in Deutschland zu wuppen. Ich antwortet ihm: „Merci à vous pour votre service.“ (Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz.) Seine beiden Kollegen und er strahlten im Kreis.

paris_polizist_klein_schriftSie wirken hart, die Pariser Polizisten. So hart, dass sogar ich als stramme halbfranzösische Polizistenfreundin mir selbst Mut machen muss, sie anzusprechen. Noch nicht einmal wurde ich jedoch unhöflich behandelt. Im Gegenteil, sobald sie verstehen, dass ich ihnen einfach nur mal danke sagen möchte, können sie eine Herzlichkeit an den Tag legen, die mich persönlich immer wieder von den Socken haut. Manche probieren sogar äußerst charmant akzentuiert ihr deutsch an mir aus. Was, wenn man weiß, wie die meisten Franzosen es im Regelfall mit Fremdsprachen halten, ein Zeichen äußerster Wertschätzung darstellt.

Das kann übrigens jeder von uns tun: Danke sagen. Dafür muss man nicht mal bis Paris fahren und französisch beherrschen.  Auch unsere bundesdeutschen Polizisten hören sehr gerne einen ernst gemeinten Dank. Ihre Reaktionen sind ebenfalls oft Herz erwärmend. Sagen wir es ihnen also so oft es irgend geht.  Am besten auch mal außerhalb der Sozialen Netzwerke. Ich jedenfalls habe für mich entschieden, weniger Zeit mit den Unerfreulichkeiten in den Sozialen Netzwerken zu verbringen und stattdessen noch häufiger Polizisten im realen Leben Danke zu sagen.

Danke! Danke für Euren täglichen Einsatz! Ich bin froh, dass es Euch gibt. Überall, wo ich zuhause bin.

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