Ich war wieder da – Eine Spätschicht bei der PI Ludwigshafen 1

An diesem Tag hatte ich einen Termin in der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Einen sehr konstruktiven Termin, bei dem wirklich etwas herumkam, wenn ich das mal so sagen darf, auch wenn es mit der Spätschicht nichts zu tun hat.

Wo ich schon mal in Ludwigshafen war, nahm ich das schon länger bestehende Angebot an, noch einmal mitzufahren.

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Hello again!

Nach der Begrüßung durch den neuen Dienststellenleiter und seinen Stellvertreter ging es schon los. Wie beim ersten Mal sollte ich möglichst oft mit rausgeschickt werden. Eine Reserve-Schussweste wurde aus einem Lagerraum geholt und dann wurde ich auch schon mit der ersten Streife bekannt gemacht, ein junger Mann, T., und eine junge Frau, S.

Die hatten schon ihren ersten Einsatz hinter sich gebracht, als ich noch bei der Pressestelle gewesen war. Eine Unfallaufnahme. Dabei hatte es aus allen Eimern geschüttet und sie waren tropfnass geworden. Sie legten sich noch kurz trocken, dann ging es auch schon los. Wir wurden zu einer Unfallaufnahme auf der Hochbrücke gerufen, direkt in einer Auffahrt.

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LU_3Beide Unfallbeteiligten waren ausgesprochen friedlich. Deswegen ging alles recht schnell über die Bühne.

Übrigens kam sogar der „Einsatzmehrzweckstock ausziehbar“ zum Einsatz – bei einem der Unfallwagen drückte T. damit das Blech vom Radkasten zurück, da es sonst am Reifen gerieben hätte.

Seht Ihr, liebe Polizistenhasser, deswegen nennt sich das Teil auch „Einsatzmehrzweckstock“ und nicht „Schlagstock“. Natürlich kann man damit auch schlagen, aber es lassen sich auch andere, durchaus sinnvolle, Verwendungen finden.

Es wurde noch dafür gesorgt, dass beide Wagen unbehelligt abfahren konnten. Last but not least musste die Straße gefegt werden, damit die herumliegenden Splitter usw. nicht den nächsten Unfall verursachen würden.

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Für den nächsten Einsatz wurden wir nach Ludwigshafen Innenstadt gerufen. Eine Dame wurde beschuldigt, einen Ladendiebstahl begangen zu haben. Dabei war der Warenwert, wie uns der Marktleiter versicherte, nicht das Problem, der bewegte sich im Bereich um die 5 Euro. Für gewöhnlich würde bei einem sehr geringen Warenwert ein Hausverbot verhängt und damit sei dann die Sache erledigt.

Die Polizei wurde hinzugerufen, weil die Dame sich nicht nur ausgesprochen uneinsichtig verhielt, sondern auch sehr laut wurde. Nach den Worten einer Angestellten hatte sie eine Kollegin übel beleidigt und für die Dauer der Auseinandersetzung ihren Hund im Eingangsbereich des Geschäftes angebunden – der fröhlich mit Frauchen um die Wette schrie. Eine Szenerie, die auf Kunden nicht wirklich einladend gewirkt haben dürfte.

Als wir eintrafen, war sie schon in einen Raum außerhalb des Sichtfeldes der Kunden gebracht worden. Zuerst war sie recht ruhig, wiederholte nur, dass sie habe bezahlen wollen. Eine der Angestellten hatte sich des Hundes angenommen, der auch zu diesem Zeitpunkt recht entspannt wirkte. Der Marktleiter erzählte seine Sichtweise. Dann befragte T. sie. Offenbar imponierte ihr, dass er ihre interessanten Unterstellungen an die Adresse der Ludwigshafener Polizei sowie verschiedene beleidigende Äußerungen über diverse seiner Kollegen völlig ungerührt an sich abprallen ließ und sie bat, ihre Taschen zu leeren. Was sie auch tat, indem sie ihm das meiste ziemlich heftig auf den Tisch knallte, an dem sich die Szenerie abspielte.

Anschließend musste sie noch durchsucht werden, was S. Aufgabe war. S. kündigte das auch an und zog sich – eindeutiges Zeichen, dass die Lage ernst wurde – auch Einweg-Handschuhe an. Die Dame kündigte an, dass das ihrem Hund wohl nicht gefallen werde. Das konnte ich mir sogar vorstellen, meinem Hund würde das auch nicht gefallen. Was das aber nun genau bedeutet, wurde erst klar, als S. einen Schritt auf die Dame zuging. Da sprang sie nämlich auf und wurde sehr laut. Der Hund stimmte mit ein und sprang auf S. zu. Zum Glück biss er nicht zu. Erschreckt haben wir uns trotzdem, ich nehme an, S. noch mehr als ich.

LU_5„Ich habe ihnen doch gesagt, das würde ihm nicht gefallen.“

Na ja, wenn ich als Unbeteiligte mal was dazu sagen darf – als T. ihre Handtasche durchsucht hatte, war er ihr deutlich näher, als S. zu dem Zeitpunkt, an dem das Spektakel losging. Für mein Empfinden war der Hund erst durch ihr Aufspringen und Schreien in Wallung gebracht worden.

Wie dem auch sei, „meine“ Streife blieb ruhig wie ein Fels in der Brandung. Der Hund wurde wieder in die Obhut der Angestellten gegeben und dieses Mal ging auch die Durchsuchung problemlos vonstatten.

Das Hausverbot wurde verhängt, das Verfahren wird dann seinen Gang gehen. Die Dame sagte übrigens aus, dass sie an einer psychischen Krankheit leide und das auch belegen könne.

 

Von hier ging es erstmal zurück in die Dienststelle, ich wurde einer zweiten Streife übergeben, zwei jungen Männern, K. und S.

Da ging es auch direkt gut los mit einem Einsatz wegen lautstarken Schreiens aus einer Wohnung. Eine Nachbarin hatte die Polizei alarmiert. Letzten Endes stellte sich der Einsatz als harmlos heraus, die junge Frau hatte einen heftigen Streit mit ihrem Freund gehabt – am Telefon. Also keine Gewalt im Spiel, alles in Ordnung.

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Wir fuhren ein wenig Streife an einem sozialen Brennpunkt Ludwigshafens. Ich erinnerte mich, den hatte ich schon mal nachts gesehen. Mein erster Einsatz in meiner ersten Nachtschicht. Dieses Mal war aber alles ruhig.

Plötzlich wurden wir zu einem Einsatz gerufen – Brandmeldealarm in einem Altenwohnheim. Also wurden Blaulicht und Martinshorn angeworfen und es ging ziemlich rasant zum potenziellen Brandort. Auf den letzten Metern musste K., der Fahrer des Streifenwagens, auch nicht mehr lange nachdenken, wo es wohl langgeht. Wir landeten zufällig hinter einem Fahrzeug mit dem gleichen Ziel. Wann man genau hinschaut, sieht man übrigens unser Blaulicht im Heck des Feuerwehrfahrzeuges reflektieren.

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Als wir an der angegebenen Adresse ankamen, waren schon andere Feuerwehrfahrzeuge vor Ort und die ersten Feuerwehrleute machten sich auf den Weg in das Gebäude, in dem der Alarm ausgelöst worden war. Der Einsatzleiter der Feuerwehr teilte S. und K. mit, dass der Alarm sehr wahrscheinlich durch Bauarbeiten ausgelöst worden sei.

So war es dann auch und wenige Minuten später wurde schon Entwarnung gegeben.

Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)
Symbolfoto (andere Einsatzörtlichkeit)

Anschließend fuhren wir noch ein wenig Streife. Plötzlich folgten wir einem Lieferwagen.

Ich fragte: „Was ist mit dem?“

„Handy am Ohr.“

Ach so. Wow! Die haben ja Adleraugen!

Nachdem der Fahrer seinen Bußgeldtarif genannt bekommen hatte, war es auch schon an der Zeit, mich wieder in die Dienststelle zu bringen.

 

Dort warteten schon meine ersten Streifenpartner des Tages auf mich.

Als erstes stellten wir einen Brief der Staatsanwaltschaft zu. Der Empfänger zeigte sich nur sehr mäßig begeistert.

Anschließend musste der Aufenthalt einer Frau ermittelt werden. Das kann sich in einer größeren Stadt schon mal schwieriger gestalten. Zuerst brauchten wir eine Weile, um die angegebene Meldeadresse zu finden. Das fragliche Haus ist das einzige in der Reihe, auf dem die Hausnummer nicht in metergroßen Lettern prangt, sondern nur sehr winzig aufgedruckt ist.

Ihr Name stand auf einem der Klingelschilder der Klingelanlage. Im Haus selbst war aber an keiner Tür ihr Klingelschild angebracht. Nachfragen bei diversen Nachbarn ergaben sehr unterschiedliche Auskünfte: „Die wohnt nicht mehr hier.“ „Kenn ich nicht, hat noch nie hier gewohnt.“ „Die ist vor Monaten schon ausgezogen.“ und „Die ist ständig unterwegs und kommt immer erst gegen acht nach Hause.“ Die letztere Auskunft kam sehr seriös rüber, also wurde diese Ermittlung auf eine Nachtschicht verschoben.

Im Anschluss daran bestreiften wir noch Ludwigshafen, dann war es schon wieder Zeit für einen Wechsel zu Streife 2.

Die beiden hatten sich eines Falles angenommen, den die Stadt Ludwigshafen an die Polizei abgegeben hatte. Eine Dame hatte den Verlust ihres Geldbeutels angezeigt. Bei Licht betrachtet war es aber wohl ein Taschendiebstahl gewesen und somit ein Fall für die Polizei.

Zuerst musste die Dame dazu befragt werden und ein Formular ausfüllen.

Wir trafen die Dame in ihrer Wohnung an. Sie begrüßte K. mit den Worten: „Sie sind ja wirklich die Polizei. Ich hätte nicht gedacht, dass da die echte Polizei kommt.“

K., leicht überrascht: „Aber ich habe sie doch angerufen.“

Die Dame: „Ach, wissen Sie, man liest da so viel von falschen Polizeibeamten in letzter Zeit.“

Ja, da hat sie leider Recht.

K. erklärte ihr das Anliegen und befragte sie noch einmal zu dem Vorfall. Tatsächlich war das Portemonnaie aus ihrem Trolley gestohlen worden. Ja, sicher, das ist in heutigen Zeiten ein Leichtsinn. Aber andererseits – ist es nicht vollkommen asozial, einer alten Dame ihre vermutlich schmal bemessene Rente zu stehen?

Ich war sehr beeindruckt davon, wie die beiden mit der Dame sprachen, ihr die Sachlage geduldig erläuterten und ihr das Ausfüllen des Formulars erklärten. Sie brauchte dafür Zeit, und die wurde ihr gelassen, unter Ausstrahlung maximaler Geduld und Freundlichkeit. Klasse!

 

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Anschließend war wieder Zeit für das Bestreifen von Ludwigshafen. Dabei kreuzte ein Gurtsünder unseren Weg.

Sofort wurde die Verfolgung aufgenommen und der Fahrer rechts herangewinkt. Von Einsicht war da leider wenig zu spüren. Vielleicht merkt er es sich ja trotzdem – gekostet hat es nämlich was.

 

Und schon wieder war die Schicht zuende.

Danke „meinen“ vier Streifenpartnern, S., T., K. und S. – Ihr seid klasse!

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Dieses Herzchen fand ich im Laufe des Tages auf einem der Streifenwagen vor der Dienststelle. Ich habe es da nicht hingemacht, hätte es aber machen können.

Danke an die Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 – für die freundliche Aufnahme, die mir immer wieder zuteil wird, und für Euren nicht immer einfachen Einsatz für uns alle.

 

Am Tag nach dieser Hospitation saß ich nach einem recht anstrengenden Arbeitstag mit einer lieben Bekannten in einem Café in Bonn. Ich erzählte ihr gerade von dieser Schicht, als plötzlich mein Smartphone auf allen Kanälen anzeigte, dass jemand dringend versuchte, mich zu erreichen. Es war der stellvertretende Vorsitzende von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. Er wollte mir die schlechte Nachricht als erstes überbringen. Ein Polizist war mitten in Ludwigshafen mit dem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Der Angreifer war von seinem Kollegen angeschossen worden.

Ich bin ja nach sieben Jahren Einsatz für dieses Thema ziemlich „abgebrüht“ geworden, was Gewalt gegen Polizisten betrifft. Mich haut da so leicht nichts mehr um. Aber in diesem Augenblick war ich wirklich bedient. Ich bin sehr froh, dass meine Bekannte selbst Polizistin ist und nachfühlen konnte, was gerade in mir vorging.

Später am Tag verstarb der Angreifer.

Ich bin sehr froh, dass am Abend, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, das Polizeipräsidium Rheinpfalz mitteilte, dass der verletzte Polizist auf dem Wege der Besserung sei.

PI LU 1 – Ihr seid in meinem Herzen!

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