Hier stehen wir, wir können nicht anders…

Symbol_HandschriftLiebe Leserinnen und Leser unserer Präsenzen,

ich möchte kurz die letzten beiden Gelegenheiten zur Kenntnis geben, bei denen wir übelst bepöbelt wurden. Nicht, um die permanent unterirdischer werdende Qualität vieler Diskussionen in den sozialen Netzwerken zu bejammern, das haben schon andere vor uns getan und es hat ja auch nichts geholfen. Nein, wir möchten Euch damit etwas in Erinnerung rufen:

Fall 1: Im Ausgangspost des fraglichen Facebook-Threads ging es um die Compact-Ausgabe mit dem Konterfei von Frau Petry auf dem Cover, die in einem Polizeifahrzeug sehr ungeschickt positioniert wurde. Unserer Meinung nach wurde damit die Neutralität verletzt, die die Polizei an den Tag legen muss. Erwartungsgemäß kamen in dem Thread sehr unterschiedliche Ansichten zum Tragen. Eine Person bezeichnete dann uns, Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., als „feige“ und „vorverurteilend“. „Auf wessen Seite steht Ihr eigentlich?“ wurden wir abschließend gefragt.

Fall 2: Schauplatzwechsel zu Twitter. Die Wellen schlagen hoch um ein qualitativ höchst schlechtes Video über einen Polizeieinsatz in Kaiserslautern. Wir verweigern uns, auf Fingerschnipp über die eingesetzten Polizisten herzufallen, zumal die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern sich sehr schnell sehr weit aus dem Fenster gehängt hat und keinen Anlass sieht, gegen die eingesetzten Polizisten ein Verfahren zu eröffnen. Ein Nutzer nennt uns „blindwütig“ und „armselig“.

Merkt Ihr selbst, liebe Leser, ne?

Deswegen noch einmal zur Erinnerung an alle, was wir seit 2009, schon lange vor der Vereinsgründung, gebetsmühlenartig wiederholen:

  1. Wir stehen hinter unseren Polizeibeamten.
  2. Wir stehen aber nicht hinter ihnen, weil sie Polizisten sind, sondern weil sie Polizisten einer besonderen Polizei sind – einer Polizei, die demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich aufgestellt ist.
  3. Wir sind kein Polizeiverherrlichungsverein.

Die Polizei ist eine aus Menschen gemachte Institution. Menschen sind nicht perfekt. Folgerichtig kann diese Institution nicht perfekt sein und die einzelnen Menschen darin auch nicht.

Wir stehen hinter unserer Polizei, weil sie eine tolle Arbeit macht, für die man nicht genug danken kann. Was wir im übrigen täglich tun. Aber wir stehen da eben auch, weil man sie kritisieren darf. Zu wahrer Freundschaft gehören Kritik und Widerspruch. Deswegen werden wir uns weiterhin herausnehmen, einzelne Polizeibeamten und ggf. auch eine ganze Behörde zu kritisieren, wo wir es für notwendig erachten. Auch das Bezeichnen von Polizistinnen und Polizisten, die Missstände in ihrem beruflichen Umfeld aufdecken, als „Anscheißbeamte“, stellt aus unserer Sicht Gewalt gegen Polizisten dar. An dem Tag, an dem ich die deutsche Polizei nicht mehr sachlich kritisieren darf, stehe ich für mein Amt nicht mehr zur Verfügung und wahrscheinlich auch nicht mehr für diese Republik.

Wir werden uns aber weiterhin verweigern, auf der Basis von irgendwelchen Videos, die Hinz und Kunz ins Netz stellen und auf denen sie Polizeigewalt zu erkennen glauben, pflichtschuldigst in den Empörungsmodus zu verfallen. Wir weigern uns, verbal auf Menschen in Uniform einzuschlagen, die möglicherweise juristisch gerechtfertigte Gewalt anwenden. Die Polizei macht die Drecksarbeit für diese Gesellschaft. Es liegt auf der Hand, dass man beim Verrichten von Drecksarbeit eben nicht immer aussieht wie beim Balletttanzen, sondern dass es unschön werden kann. Es ist uns als Mitgliedern dieser Gesellschaft auch verdammt noch mal zuzumuten, das zu kapieren. Ebenfalls ist uns als denkenden Menschen zuzumuten, zu begreifen, was Sinn und Zweck der Gewaltenteilung ist und dass Soziale Netzwerke nicht Bestandteil der Judikative sind.

Für die, die nicht differenzieren können: das heißt jetzt NICHT, dass wir IMMER von der Unschuld der Polizisten ausgehen. Wir gehen aber weiterhin von der Annahme aus, dass die überwiegende Mehrheit (ich sage gerne 98% von ihnen) einen tollen Job machen. Und wir kennen den Grundsatz „in dubio pro reo“ und warten den Ausgang eines Verfahrens ab. Wir sind nicht die Judikative (und die vielen Hobbyrichter im WWW auch nicht, auch wenn sie das nicht in ihre Köpfe kriegen wollen).

Wem das alles als Weltbild zu komplex ist, der möge sich bitte von uns verabschieden. Es gibt ganz wunderbare Seiten, auf denen Polizisten niemals angezweifelt werden. Für die andere Seite gibt es tolle Präsenzen für stramme Polizistenhasser diversester Geschmacksrichtungen. Ob sie sich linksaußen, rechtsaußen, im Umfeld von Fußballvereinen oder sonstwie zu ihrem Weltbild zusammengerottet haben. Da werdet Ihr viele offene Ohren für Eure angeblichen Beweise finden. Die fragen auch nicht nach Hintergrundinformationen, nerven nicht damit rum, was möglicherweise vor der fraglichen Videosequenz passiert ist und sind auch nicht so abgefahren, dass sie nach der Gesetzeslage fragen. Da gibt es ganz viele Leute, die auf Euer Zeichen hin Schaum vorm Mund entwickeln und vorverurteilen, was das Zeugs hält.

Spart Euch Eure Zeit, in der Ihr das bei und mit uns versucht.

Zu unserem Weltbild gehört aber auch die Akzeptanz von Eigenverantwortung. Es steht jedem frei, sich über unsere Vereinsziele zu informieren und die Diskussionsregeln auf der Facebook-Seite nachzulesen. Wer das nicht tut und einfach mal wild seinen Frust in unsere Kommentarspalten kotzt und dabei andere per Rundumschlag bepöbelt, der darf hinterher nicht klagen, wenn ihm entsprechender Gegenwind entgegenschlägt, der ihn möglicherweise irgendwann von unseren Präsenzen herunterweht.

Unser Verein hat sich über Jahre gebildet. Wir reden viel miteinander und unsere Ziele und unser Weltbild haben sich über viele Jahre gefestigt. Wer meint, Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. mit einer (gerne auch anonymen) Pöbelei in irgendeinem sozialen Netzwerk in eine Kursänderung zwingen zu können, der ist auf dem Holzweg. Ein Blick ins Vereinsrecht, wer uns Vorschriften über unsere Öffentlichkeitsarbeit machen darf, kann da sehr erhellen. Wie so oft gilt auch hier: Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung – und erspart eine Menge Arbeit.

3 Comments

  • H.-G. Dinkuhn
    20. März 2016 - 14:35 | Permalink

    Mit Euren obigen Aussagen habt ihr vollkommen recht. Aber die Idioten und Leichtgläubigen sterben leider nicht aus.

  • Jan
    20. März 2016 - 16:56 | Permalink

    wie hieß es früher schon in einem bekannten Fernsehmagazin: „Dem ist nichts hinzuzufügen“

  • friederike
    20. März 2016 - 21:00 | Permalink

    Danke, diese Richtigstellung war mal wieder nötig. Das Diskussionsniveau in unserem Land ist im Klo gelandet. Wie tief sind wir gesunken!! Armes Deutschland, und viele Ausländer denken immer noch, wie wären das Land der Dichter und Denker! Man muss sich vor ihnen in Grund und Boden schämen für diese Unfähigkeit, logisch zu denken und mit Anstand zu diskutieren.

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