Aus dem Verein: Warum ich Polizisten Danke sagen möchte

Herz_Danke_2_KGgPMenschen, die für ihren Traumberuf brennen. Es gibt sie. Und genau sie sind es, die bereit sind, Berufe mit außergewöhnlichen Belastungen zu wählen und dafür sehr viele steinige Wege zu gehen. Manchmal sind diese Wege plötzlich unpassierbar. Sie erfordern einen Umweg.

Genau so erging es mir persönlich im Dezember 2011.

Im Rahmen eines Praktikums hatte ich mich bei der Polizei beworben und bekam den Brief des polizeiärztlichen Dienstes, ich sei untauglich wegen zu geringer Sehleistung ohne Korrektur. Eine Laserbehandlung war medizinisch nicht möglich und die Vorschriften aus allen deutschen Bundesländern leider zu streng. Kennen Sie das Gefühl, wenn es Ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht? Ich war 16 Jahre alt und motivierte mich für die anstehende Abiturphase lediglich mit dem Gedanken, bald meinen Traumberuf ergreifen zu dürfen, auf den ich bereits im Kindergarten aufmerksam wurde. Seit dem Tag, an dem die Polizei-Puppenbühne in der Turnhalle auftrat, war ich fasziniert. Einige Jahre später versprach ich meinen besorgten Eltern, nicht blauäugig in den Beruf zu starten und jenes „romantische“ Polizeibild, das ein Kind sich ausmalt, wurde systematisch in die Realität überführt. Die Bücher der Polizei-Poeten wurden meine Lieblingslektüre, ich lachte und weinte über die Berichte.
Der schonungslosen Realität ins Auge zu sehen, lässt zivile Personen wie mich versierter über diesen doch sehr medienwirksamen Beruf denken. Über jeden Einblick in den belastenden Alltag der Polizei war ich dankbar, von meinem Traum brachte es mich keinesfalls ab, im Gegenteil. Die Ausmusterung traf mich wie Liebeskummer und sind wir ehrlich: Einen adäquaten Ersatz konnte ich nicht finden. Der Polizeiberuf ist und bleibt einzigartig. Einzigartig erfüllend und einzigartig belastend. Mir wurde klar, dass ich den Felsen, der in meinem Weg liegt, umgehen muss: Auch wenn ich nun extern ein Studium absolviere, ist es dennoch weiterhin meine Vision, Polizistinnen und Polizisten zu unterstützen.
Viel zu viele Bürger sehen lediglich eine unpersönliche, scheinbar unverwundbare Fassade aus Uniform, Dienstgrad oder Aufgabe. Aber wenn man sich auf Erfahrungsberichte einlässt, erkennt man ganz leicht, was Sie als Polizistinnen und Polizisten wirklich sind: Menschen! Menschen mit Gefühlen und Emotionen, Schwächen und Stärken. Gewöhnliche Menschen, mit einem Unterschied:

Sie müssen die andauernde Konfrontation mit Leid, Grausamkeit, Tod und Verletzung ertragen.
Sie schützen uns Alle unter Einsatz Ihrer Leben, Ihrer Gesundheit und Ihrer Nerven.
Sie werden angefeindet und angegriffen, geschlagen und beleidigt.
Das alles ertragen Sie für uns Bürgerinnen und Bürger, für unsere Sicherheit, für unsere demokratische Gesellschaft. Sie sind unverzichtbar.
Aus diesem Grund ein herzliches, ehrliches und aufrichtiges DANKESCHÖN: Sie haben den „wunderschönen Scheißjob“, den ich mir immer gewünscht habe. Sie verdienen Ehre und Wertschätzung, denn Sie sind rund um die Uhr für uns im Einsatz. Es braucht gar keine Heldentaten, keine außergewöhnlichen Leistungen, keine Auszeichnungen. Sie sind für mich Helden, schlicht aufgrund Ihres Berufes und Ihrer Einsatzbereitschaft. Helden des Alltags, des vielzitierten ganz normalen Wahnsinns. Mehr als gute Gründe, Ihnen Respekt zu zollen und ein Wort zu sagen, das viel zu selten gesagt wird: DANKE!

Ein Mitglied von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.

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