Aus Faulheit geschossen?

Symbolfoto
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Neulich war es wieder einmal soweit. Ich wurde in meiner Funktion als ausgelagerte Beschwerdestelle der Polizei angesprochen.

Ein junger Mann fuhr über eine Landstraße, mitten durch den Wald. Auf der Gegenfahrbahn fuhr eine Frau. Plötzlich brach ein Reh aus dem Wald, die Frau erfasste das Reh, ihr Wagen schleuderte, sie stand quer auf der Fahrbahn.

Der junge Mann brachte seinen Wagen ebenfalls zum Stehen. Ihm war bewusst, dass er eine Zeugenaussage machen musste. Außerdem stellte er fest, dass die Frau mit den Nerven völlig am Ende war. Das Reh lag am Straßenrand, es schrie, Mark erschütternd. Je länger das Reh schrie, desto aufgeregter wurde die Frau, also rief der junge Mann die Polizei.

Die Polizei kam sehr schnell. Das Reh schrie weiter. Voller Leid.

Einer der Polizisten nahm seine Dienstwaffe, und erschoss das Reh.

Darüber zeigte sich der junge Mann mir gegenüber sehr entsetzt. Nicht, weil er nicht verstanden hätte, dass das Reh erschossen werden musste. Er war entsetzt, dass die Polizei kein Jagdpächter hinzugezogen hatte. Er sprach die Polizisten darauf an. Diese sagten im, dass kein Jagdpächter zu erreichen gewesen sei.

Der junge Mann wollte das nicht glauben. Er sagte zu mir wörtlich: „Mitten im Wald – und die wollen keinen Jäger erreicht haben? Die waren einfach zu faul, die Zeit aufzuwenden, einen anzurufen. Die haben das ja nicht mal versucht.“

Ich fragte ihn: „Weißt du eigentlich, wie viel Zeit der Polizist, der geschossen hat, wird aufwenden müssen, um zu erklären, wo die Patrone aus seiner Dienstwaffe geblieben ist?“

Erstaunt schüttelte er den Kopf.

„Hast du denn bei deinem Notruf dazu gesagt, dass das Reh angefahren wurde?“

„Ja, und ich habe auch gesagt, dass es schreit.“

Ich sagte ihm: „Was, wenn sie schon auf der Fahrt zum Einsatzort versucht haben, einen Jäger zu erreichen? Meiner Meinung nach wäre es für diesen Polizisten deutlich weniger Aufwand gewesen, kurz auf einen Jagdpächter zu warten, als diesen Papierkram zu bewältigen. Ich persönlich glaube, dass er das Reh nicht erschossen hat, weil er zu faul war einen Jäger zu rufen. Der Mann konnte einfach das Schreien dieses Tieres nicht mehr ertragen.“

Meinem Eindruck nach hat der junge Mann das verstanden. Abschließend sagte ich ihm noch: „Du kannst dir sicher sein, dass der Polizist sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Ich jedenfalls kenne keinen, der gerne schießt, wenigstens nicht auf Lebewesen.“

Damit habe ich den jungen Mann vermutlich ein wenig nachdenklich gemacht. Es ist eigentlich ein sehr netter junger Mann, der nicht dazu neigt, klug zu scheißen oder anderen ihr Leben zu erklären. Beim nächsten Mal wird er vielleicht den Polizisten ihren Job nicht mehr erklären.

Falls ein Polizist hier mitliest, der sich in dieser Geschichte erkennt: Ich weiß, dass Sie keinen Spaß daran hatten. Danke, dass Sie das auf sich genommen haben, dieses arme Tier von seinen Leiden zu erlösen.

M. Gernhardt

2 Comments

  • Stefan
    17. August 2015 - 12:58 | Permalink

    Diesen Beitrag verstehe ich nicht! Was glaubt denn der Bürger was ein Jagdsausübungsberechtigter in dieser Situation macht? Richtig, er erschiesst das Reh. Die Polizei, welche ggf. so gar noch schneller vor Ort ist, erlöst das Reh von seinem Leid, nichts anderes macht der JAB.

    Gruß Stefan

    • 30. August 2015 - 20:44 | Permalink

      Genau darum geht es ja in dem Beitrag. Der Beitrag ist pro Polizei… ;-)

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