Polizisten eine Stimme geben: Ein knackiges Urteil?

Justitia
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Hallo Admin-Team von KGgP,

 

da Ihr öfters mal Urteile postet, möchte ich Euch gern ein Urteil mitteilen, das ich und Kollegen neulich erleben mussten.

Wir wurden zu einem Einsatz gerufen, weil es vor einer Diskothek zu einer Körperverletzung gekommen war. Bei der Fahndung nach den Tätern stießen wir auf eine Gruppe, auf die die uns vorliegende Beschreibung passte. Also kontrollierten wir sie.

Ein 19-Jähriger, der Teil dieser Gruppe war, führte zwei Gramm Marihuana mit sich.

Bei der Kontrolle beleidigte er uns die ganze Zeit durch. Unter anderem beleidigte er mich als „ekelhafter dummer schwarzer Afghane“. Er ist übrigens Türke, ich bin blond und sehe ziemlich deutsch aus. Soweit zu dieser Beleidigung. Weiter fielen Wörter wie „Fotzkopf“ und „Hure“. Auch seinen Mittelfinger bekamen wir ausgiebig zu sehen.

Er ist uns seit 2010 bekannt: Drogen, Diebstahl, Körperverletzungen sowie Beleidigungen. Mit der Körperverletzung, zu der wir hier gerufen worden waren, hatte er allerdings nichts zu tun. Die Beleidigungen zeigten wir allerdings an.

Vor wenigen Tagen fiel das Urteil. Seine Ansagen an uns gingen als vier tatmehrheitliche Beleidigungen in das Urteil ein. Das ist schon außergewöhnlich, denn normalerweise werden unterschiedliche Beleidigungen tateinheitlich aufgefasst, also wird nur eine Tat verhandelt. Hier wurden also vier Taten verhandelt, was auf ein strengeres Urteil schließen ließ. Obwohl seine Schuld bewiesen war und obwohl auch die zwei Gramm Marihuana in das Strafmaß einbezogen wurde, wurde er zu fünf Monaten Betreuung durch die Jugendgerichtshilfe und einer Teilnahme an einem Programm zum Thema „Umgang mit Alkohol“ verurteilt.

Er darf seinen Führerschein machen, die Kosten des Verfahrens übernimmt der Staat.

Übrigens hatte der junge Mann keine Entschuldigung für uns übrig. Meine jüngeren Kollegen sind mit Wut und Zorn aus dem Gericht gegangen. Aber so ist es halt.

 

2 Comments

  • Frank Fuhrmann
    4. Juli 2015 - 11:54 | Permalink

    Ich „feiere“ dieses Jahr 25-jähriges Dienstjubiläum. Habe in dieser Zeit einiges erlebt und einige Dienststellen durchlaufen.
    Nach der Ausbildung war ich u.a. in der Einsatzhundertschaft, bei SE, im Streifendienst und die letzten 7 Jahre war ich beim Personenschutz.
    In all diesen Jahren konnte ich mal am eigenen Leib, mal aus der Ferne erleben, wie sich die Rechtsprechung immer mehr zu ihrem Nachteil hin entwickelt hat.
    Bei unseren Richtern scheint in dieser Zeit der gesunde Menschenverstand immer mehr verkümmert zu sein. Da werden ganz offensichtliche Lügen als wahr hingenommen und Täter mit Samthandschuhen angefasst, während Vollzugs- und Ermittlungsbeamte, die sich die Finger wund schreiben, im Regen stehen gelassen werden.
    Der Respekt vor den Kollegen auf der Straße sinkt immer weiter, wenn er denn überhaupt noch vorhanden ist.
    Eine Politik (von der Gesellschaft gewählte Volksvertreter), die ihre Strafverfolgungsorgane und Einrichtungen immer mehr in ihren Rechten und Befugnissen beschneidet und eine Rechtsprechung(inkl. Staatsanwaltschaft), die sich, aus welchen Gründen auch immer scheut, die Strafrahmen auszuschöpfen und immer mehr Verfahren einstellt, wird über kurz oder lang die Gesellschaft bekommen, die sie verdient. Nur dass es dann zum Gegensteuern zu spät sein wird. Ich habe es schon lange aufgegeben mich hier in unserem Lande über irgendwas zu wundern. Das ist Deutschland. Hier ist für den, der sich rücksichts- und skrupellos um keine Regeln schert alles möglich und unsere Politiker machen uns vor, wie es geht. Da werden in der aktiven Amtszeit schon die Weichen gestellt für eine mehr als gut bezahlte Anschlussverwendung im politischen „Ruhestand“. Egal, mit wem man dafür ins Bett steigen und was man dafür in die Wege leiten muss(siehe Altkanzler Schröder und Konsorten).

    Die Redlichen und Gesetzestreuen haben, wie immer, das Nachsehen. Das gilt auch und vor allem für die Ausländer, die sich um Integration bemühen, und die unauffällig und angepasst in unserem Land leben. Die haben besonders darunter zu leiden, dass andere Ausländer, die sich um nichts scheren, in keinster Weise zur Rechenschaft gezogen werden und ihr Treiben ungehindert fortführen können. Resultat ist ein immer größer werdender Fremdenhass, der den Rechtsradikalen immer mehr Zulauf beschert)…

    Wo bleibt da die Moral? Kennt man das Wort überhaupt noch?
    Eine Schande ist das!!!

  • friederike
    5. Juli 2015 - 16:52 | Permalink

    Diese Wut kann ich verstehen und ich frage mich, was das für Richter sind. Zumindest zu einer Entschuldigung hätte er wegen der Beleidigungen vergattert werden müssen. Dieses Urteil ist ja geradezu ein Freifahrtschein für weitere unzivilisiertes Benehmen.

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