Datenklau und Bedrohung von Polizisten und Justizvollzugsbeamten im großen Stil

Vor drei Tagen stolperte ich über einen Artikel in einer französischen Zeitung, „Le Figaro“ – ein durchaus seriöses Blatt. Was ich zu lesen bekam, gruselte mich durchaus.

 

Hier eine Übersetzung des Inhalts:

 

Ein Anti-Cops- und Anti-Gefängniswärter-Rache-Website entrüstet Polizei und Strafvollzug

 

Eine Gruppe mit eine Nähe zur extremen Linken hat in einem sehr eindeutigen Blog Fotos von Polizei- und Justizvollzugsbeamten aus der Region in und um der französischen Stadt Rennes online gestellt, ebenfalls von deren Kindern. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

 

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Symbolfoto

„Die indiskrete Polizei als Opfer von Indiskretionen, geschlagen mit ihren eigenen Waffen.“ Das ist in etwa der Grundtenor des Blogs, der im Innenministerium und der Strafvollzugsverwaltung Ärgernis erregt. Unter dem Titel „Rache“ sieht man Fotos von Beamten beider Behörden aus der Region in und um Rennes. Obendrein sieht man auf Schnappschüsse die Ehepartner der Betroffenen sowie weitere den Beamten nahestehende Personen, dazu auch Geburtsdaten, Namen, persönliche Adressen. Alles Daten, die diese Beamten unvorsichtigerweise selbst auf ihren eigenen Facebook-Seiten veröffentlich hatten.

 

Die Achillesferse der sozialen Netzwerke und des Wunsches, von sich zu erzählen, wurde also auf zynische Weise von Personen ausgenutzt, die der linksextremistischen Strömung nahestehen, die ihre Thesen auf den alternativen Websites des Indymedia-Kollektivs veröffentlicht und darüber kommuniziert. Sie bilden damit auf ihre Weise nach, was das Netzwerk „Copwatch“, das sich die Denunziation „gegen polizeiliches Fehlverhalten“ auf die Fahnen geschrieben hatte, mit der Veröffentlichung von 450 Fotos von Polizeibeamten, die in der Region Ile-de-France (in und um Paris) und im Norden des Landes ihren Dienst verrichten, in Frankreich einzurichten versuchte. Allerdings machte die französische Justiz dieser Provokation im September 2011 ein Ende.

 

Doch dieses Mal geht die Grenzüberschreitung weiter. Diese Seite hat nicht das Ziel, tatsächliche oder vermeintliche polizeiliche Übergriffe zu denunzieren. Sie nimmt willkürlich Familien ins Visier, Kinder der Beamten, manchmal gerade ein paar Monate alte Babys, teilweise in den Armen ihrer Eltern zu sehen – ohne jede Verpixelung. Namen und das Alter der Kinder werden erwähnt. „Das ist untragbar und die Wortwahl ‚Rache‘ durch jene, die sich an derartigem Missbrauch beteiligen, lässt das Schlimmste für die Familien der betroffenen Beamten befürchten, die durch diese öffentliche Anprangerung jedem Verrückten ausgeliefert wurden“, beklagt Nicolas Comte, stellvertretender Vorsitzender der Polizeigewerkschaft „Unité-SGP-Police“.

 

Die herausgepickten Gefängniswärter arbeiten im Gefängnis von Rennes, die Polizeibeamten bei der Schutzpolizei bzw. der Kriminalpolizei von Rennes. Die Blogger, die ihr letztes Foto eines Justizvollzugsbeamten am 20. Februar posteten, machen über ihre „Zielscheiben“ ironische Bemerkungen. Hier wiederholen sie die Formulierung eines Aufsichtsbeamten, der auf seiner persönlichen Seite schreibt: „Verheiratet mit Fabienne, die mir drei schöne Kinder geschenkt hat. Glücklich…“. Dort liefern sie „KFZ-Kennzeichen von Bullen, BAC (Anmerkung der Übersetzerin: Brigade Anti-Criminalité, eine Einheit, die insbesondere für den Einsatz in Problemvierteln eingerichtet wurde), Diensthundeführern und weiteren Spielarten nächtlicher Bullen“, mit Fotos von Autos.

 

Darüber hinaus werden Beamten „demaskiert“, die früher beim Inlandsgemeindienst arbeiteten. Und dieses Mal werden Fotos offenbart, die auf der Straße aufgenommen wurden. Mit folgender Bildunterschrift: „Man beachte, dass der kleine Letzte im Nazilook nun Uniform trägt. Er hatte ohne Zweifel Appetit auf Steine.“ Ebenfalls werden Nummernschilder von Justizvollzugsbeamten und sogar von Bewährungshelfern gezeigt.

 

Die Generaldirektion der Police Nationale sowie das Justizministerium wurden von den Gewerkschaften zum Handeln aufgerufen. Die Staatsanwaltschaft in Rennes hat ein Verfahren eröffnet wegen „betrügerischen Zugangs in ein Datenverarbeitungssystem“ sowie „Bedrohung“. Sie hat die Ermittlungen der Kriminalpolizei von Rennes übertragen, ebenso wie dem französischen Äquivalent des Bundesamtes für Datensicherheit.

 

Die französischen Polizeigewerkschaften drängen darauf, den Zugang zu dieser Website zu sperren. Der Gewerkschafter Nicolas Comte ist allerdings kaum optimistisch. „Die Seite ist immer noch zugänglich, obwohl der Magistrat ein Eilverfahren anstrebt. Ich wette, dass die juristischen Probleme, die sich auftun werden, die französischen Behörden behindern werden.“ Zudem liegen die Blogs von Indymedia häufig auf ausländischen Servern, in Ländern, die jeglicher Zusammenarbeit auf juristischem Gebiet abgeneigt sind. Die Gewerkschaften von Polizei und Strafvollzugspersonal sehen sich gekränkt davon, die Fotos von Kindern und Babys ihrer Mitglieder zu sehen – heute bedroht und für immer im Internet preisgegeben.

 

Quelle:
http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2015/03/11/01016-20150311ARTFIG00201-un-site-de-vengeance-anti-flics-et-anti-matons-scandalise-la-police-et-la-penitentiaire.php

 

Ich bin sicher, dass die allermeisten von Euch ein Bewusstsein für entsprechende Gefahren haben. Schließlich machen Kollegen von Euch zu diesem Thema Präventionsveranstaltungen in Schulen. Wie auch die allermeisten Eurer französischen Kollegen. Das sieht man schon daran, dass allein in der Region Ile-de-France etwa 12.000 Polizisten Dienst verrichten und in der Region Nord-Pas de Calais etwa 10.000. Darin ist die Police Municipale nicht mal eingerechnet. Davon hatte Copwatch es gerade mal auf 450 Fotos gebracht. Aber offenbar gab es ja in Frankreich einige, denen dieses Bewusstsein fehlte.

 

Man kann jetzt natürlich sagen, selbst Schuld! Sicherlich hat jeder eine Eigenverantwortung für seine Daten, so wie überhaupt für Eigensicherung. Dennoch ist es eben für manch einen offenbar unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Und Schuld trägt immer der Täter. Man selbst kann sich nur so gut es geht zu schützen versuchen.

 

Übrigens habe ich in den letzten Monaten die eine oder andere Freundschaftsanfrage bekommen von mir vollkommen unbekannten Menschen Menschen, die die sattsam bekannte Buchstabenkombination, die ich persönlich mit „All cops are brave“ zu übersetzen pflege, in Profil- oder Titelbild hatten. Oder gerne auch mal  verwandte Symbole/Schriftzüge. Ich habe diese Anwärter immer abgelehnt und somit ins digitale Nirwana gekickt. Dabei habe ich mich immer gefragt: „Was wollen die von mir als bekennender Polizistenfreundin?“ Ich denke, der Artikel gibt darauf möglicherweise eine Antwort – wenn auch eine sehr hässliche.

 

In dem Zusammenhang allen mit mir auf Facebook liierten Menschen zur Kenntnis: Ich habe meine Freundesliste so eingestellt, dass niemand sie einsehen kann.

 

Passt auf Eure Daten auf! Wir brauchen Euch und Ihr braucht Eure Lieben!!!!

2 Comments

  • Frank Fuhrmann
    14. März 2015 - 09:10 | Permalink

    Vielen Dank für diese Info.
    Ich selbst bin ziemlich sensibel im Umgang mit meinen Daten auf facebook und Konsorten. Aber es gibt einige Kollegen, die sich darüber überhaupt keine Gedanken machen.
    Während mir bisher nichts anderes übrig blieb, als diese Einstellung kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen, kann ich ihnen nun zeigen, was passieren kann, wenn sie so unvorsichtig bleiben.

    Also, nochmal vielen Dank dafür!!!

    • 14. März 2015 - 10:13 | Permalink

      Gerne! Ich bin auch manchmal überrascht, wie sorglos so mancher mit seinen Privatsphäreeinstellungen umgeht!

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