Wir danken für den Demoeinsatz – Remagen, 22.11.2014

Alljährlich hat die Stadt Remagen das außerordentlich zweifelhafte Vergnügen, Gastgeber eines Neonazi-Aufmarsches sein zu dürfen. Vielfältige Initiativen wehren sich dagegen, u.a. durch ein Stadtfest in Verbindung mit einem Tag der Demokratie, den das Bündnis für Frieden und Demokratie Remagen ausrichtet.

Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. vertreten den Standpunkt, dass ein deutliches Bekenntnis zu einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei eine klare Absage an jede Form des Extremismus darstellt. Deswegen beteiligten wir uns dieses Jahr wieder am Versorgungseinsatz der GdP (Gewerkschaft der Polizei), bei dem Polizeibeamten der Einsatz mit Nussecken versüßt wurde.

Um viertel nach neun holte ich eine Mitstreiterin, Nadine, am Bahnhof ab. Nette Bundespolizisten ließen meinen Mann noch schnell über einen so gut wie gesperrten Parkplatz fahren, damit ich pünktlich sein konnte. Das erste Danke des Tages! wp-monalisa icon

Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer...
Der Remagener Bahnhof, polizeilich noch eher leer…

Auf dem Weg zur Feuerwache stieß unser dritter Mitstreiter, Gerhard, zu uns. In der Feuerwache, wir waren um einiges zu früh, warteten schon einige Polizisten auf ihren Einsatz oder fuhren noch ein schnelles Frühstück ein. Die Aufschrift „KGgP“ auf unseren Westen erregte Neugier. „Was ist das denn für ein Verein?“ hörten wir, also klärte Nadine ein bisschen auf und reichte die ersten Vistitenkarten heraus, auf deren einer Seite unser Dank prangte, auf der anderen Seite die Koordinaten des Vereins sowie unser Motto „Menschenrechte gelten auch für Polizeibeamte“.

Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz
Das Motiv unserer Visitenkarte für diesen Großeinsatz

Dieses Motto animierte dann auch einen Polizisten dazu, das Gespräch mit mir zu suchen. Er stellte fest, dass er für sein Empfinden seine Menschenrechte abgegeben habe. „Zumindest fühle ich mich selten behandelt wie ein Mensch.“ Ich sagte: „Bei uns haben Sie Ihre Rechte nicht abgegeben.“ Daraufhin sagte er: „Ich weiß.“

Solche Erlebnisse motivieren mich auch – und es sollte nicht das letzte gewesen sein.

Ein netter junger Mann von der Kommunikationseinheit beruhigte uns auch, dass unsere blauen Westen mit der silbernen Aufschrift keinerlei Amtsanmaßung wären, eine kleine Sorge, die Nadine mit sich herumgetragen hatte und nun los war.

Pünktlich um zehn kamen unsere Mitstreiter von der GdP, Ralf Pörtner und Gerhard Wagner. Schnell konnten wir damit loslegen, die Nussecken der GdP zu verteilen. Dieses Jahr hatten wir uns etwas Besonderes ausgedacht und auch Hundekekse für die Diensthunde dabei. Darüber freuten sich die Hundeführer sichtlich. Und erst die Hunde… einer sprang seinem Herrchen, kaum dass der das Tütchen mit den Keksen in der Hand hatte, aus dem Stand bis an die erhobene Hand. Das war allerdings ein sehr junger Hund. Und sehr hübsch…

Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf's Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP)
Einer der Hundeführer wollte sogar mit auf’s Foto (v.l.n.r.: Gerhard Horstmann, Gerke Minrath, Nadine Imo (alle KGgP), Hundeführer, Gerhard Wagner (GdP))

Eine Hundeführerin verfütterte den ersten Keks noch in unserer Anwesenheit.

Yummi!
Yummi!

Von hier ging es zur BFE-Einheit (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit). Zwei der Polizeibeamten konnten sich noch aus dem Vorjahr an uns erinnern. Wer genau hinsieht, kann sie auf diesem Foto wiedererkennen. Und immer gab es zu der Nussecke der GdP unser Dankekärtchen dazu.

Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))
Bei der BFE-Einheit. (v.l.n.r Gerhard Wagner (GdP), Gerhard Horstmann, Nadine Imo, Gerke Minrath (alle KGgP))

Nach einer Bereitschaftspolizeieinheit aus Mainz wurde auch die MKÜ (Mobile Kontroll- und Überwachungseinheit) der Bundespolizei Koblenz nicht vergessen.

MKÜ
MKÜ

Last but not least vergaßen wir auch nicht die Unterstützungskräfte aus Bayern, das USK (Unterstützungskommando) Dachau, die einen sehr weiten Weg gekommen waren.

Bayern in Norddeutschland... ;-)  Na ja, ok. Fast...
Bayern in Norddeutschland… ;-)
Na ja, ok. Fast…

Natürlich freuten sich alle über etwas Süßes, und wir hörten auch immer wieder sehr nette Reaktion auf unser Danke. „Oh, wie schön. Die hänge ich mir an meine Pinnwand.“ „Das gab es ja noch nie.“ „Das finde ich ja toll.“ Leider ist es eher unüblich, dass Bürgerinnen und Bürger sich bei der Polizei für ihren Einsatz bedanken. Das sollte dringend anders werden.

Da blieben noch die drei Gendarmen aus Straßburg zu erwähnen, die wir am Bahnhof trafen. Offenbar ein Informationsbesuch bei der Polizei des Nachbarn. Die freuten sich auch, als ich ihnen ein fröhliches „Bonjour“ entgegenschmetterte und sie von den GdPlern je eine Nussecke in die Hand gedrückt bekamen. Nach einer in meinem eingerosteten Französisch etwas holperigen Erklärung, wer die GdP ist (was nicht leicht ist, wenn man die Vokabel für „Gewerkschaft“ vergessen hat) und welche Inhaltsstoffe eine Nussecke hat, kam ich natürlich auf die Bedeutung der Buchstaben KGgP zu sprechen. Die Tatsache, dass wir ein Verein von Bürgern sind, die sich gegen Gewalt gegen Polizisten wenden, entlockte einem Gendarm ein: „Il faudrait ça en France aussi.“ – „So etwas bräuchte es in Frankreich auch.“ Am Ende verabschiedeten sich alle auf deutsch – merci, Messieurs. Zu schade, dass keine Zeit mehr für ein Foto war.

An dieser Stelle trennten sich die Wege von GdP und KGgP, denn die GdPler wollten unter anderem noch nach Bad Neuenahr, wir waren hingegen eher nach Remagen orientiert. Dort besuchten wir das Stadtfest, und u.a. den gemeinsam Stand von DGB und GdP, an dem auch unsere Infomaterialien auslagen. Danke dafür!

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Erste Reihe: Christian Günter, Sabrina Kunz, Nadine Imo und Gerhard Horstmann

Schließlich wanderten Nadine und ich noch durch Remagen; dabei trafen wir eine Menge freundlicher Polizisten. Schließlich wurden wir an einer Versorgungsstation von zwei sehr netten Polizeibeamten zu fröhlichem Auftauen in einem warmen Raum und einem strammen Kaffee eingeladen. Danke!

Anschließend gaben wir noch unseren Dank in der Polizeiinspektion Remagen ab. Dann wurde uns definitiv zu kalt und wir gingen nach Hause.

Allen, die gestern in Remagen im Einsatz waren und die wir nicht erreicht haben, und natürlich auch allen, die an anderen Orten im deutschsprachigen Raum im Einsatz waren, an dieser Stelle nochmal ein Danke. Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle.

Nadine und ich waren uns einig, dass wir einen tollen Tag gehabt hatten. Wir hatten viele gute Gespräche, viel gelacht (mit zwei Westerwäldern im Auto schmeißt man sich fast pausenlos weg vor Lachen), gute Gesellschaft und viel Bewegung an der frischen Luft bekommen. Für mich persönlich kann ich diesen Tag auch als ganz enormen Motivationsschub verbuchen. So ganz nebenbei konnte ich auch meine persönliche Kollektion von Fotos von Polizeifahrzeugen erweitern.

Heli der Polizei RLP
Heli der Polizei RLP

Und wir hatten vielen Polizeibeamten unser Danke übermitteln können. Das war die Hauptsache!

Einziger Wehrmutstropfen – ein Polizeibeamter wurde durch einen Steinwurf aus den Reihen der Gegendemonstranten verletzt. An dieser Stelle unsere herzlichsten Genesungswünsche. Es macht mich traurig, dass so etwas ausgerechnet am Vereinssitz passieren musste.

Bliebe noch der junge Mann zu erwähnen, der weder Polizeibeamter noch Mitglied der GdP ist, und sich nur zu nahe am  GdP-Stand in der Innenstadt aufhielt. Der junge Mann, der dafür angespuckt wurde.

So lange solche Dinge geschehen, braucht es Keine Gewalt gegen Polizisten e. V.

One comment

  • friederike
    24. November 2014 - 11:48 | Permalink

    Vielen Dank für den lebendigen Bericht.
    Ja, Du hast recht, KGgP bleibt weiterhin notwendig. Man darf nicht aufhören, auch wenn es frustrierende Zeiten in der Vereinsarbeit gibt.
    Vielleicht bekommen durch diesen Bericht mehr Leute Lust, sich zu engagieren.

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