Verspätetes Danke

Symbolfoto
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Vor wenigen Tagen kam ich aus beruflichen Gründen an der Autobahnausfahrt vorbei, die zur Autobahnpolizei Ludwigshafen führt. Das erinnerte mich daran, wie mir die Mitarbeiter, insbesondere einer, dieser Dienststelle im Sommer 2013 mal weitergeholfen hatten. Damals war es ganz untergegangen, mich dafür zu bedanken. Dann eben jetzt.

Damals war ich auf dem Weg nach Zürich. Am Rasthof Wonnegau hielt ich an. Toilette. Kaffee. Wie ich wieder auf die A61 auffuhr, wurde plötzlich der Bildschirm meines Navis schwarz. So ein Mist!

Nun traute ich mir durchaus zu, die Schweiz auch ohne Navi zu finden. Nötigenfalls in der Schweiz auch noch Zürich. Aber in Zürich meine Zieladresse? Schwierig bis hoffnungslos!

Also fuhr ich den nächsten Parkplatz an und versuchte mich in Reanimation. Mehrfaches An- und Ausschalten. Fehlanzeige! Navi blieb tot. Vielleicht würde ein Reset helfen. Zwar hatte ich, ganz Frau, meinen halben Hausstand dabei. Blöderweise aber nichts, was spitz genug gewesen wäre, es in mein Navi einzuführen, um den Reset-Knopf zu erreichen. Und nun?

Ich erinnerte mich, dass ich soeben noch auf der Autobahn ein Schild gesehen hatte: „Polizei 5 km“. Also fuhr ich wieder auf die Autobahn und dann diesem Schild nach, das mich zur Autobahnpolizei Ludwigshafen führte.

Ich klingelte.

„Ja, bitte?“

Ich schilderte mein Problem.

Ein kurzes, rauschendes Schweigen.

„Ich wollte fragen, ob Sie mir eine Büroklammer leihen könnten. Für einen Reset. Und falls das nicht klappt, mir den Weg zu einem Geschäft beschreiben könnten, wo ich ein neues Navi kaufen kann.“

Kurze Stille. Dann: „Es kommt jemand raus.“ In der Stimme schwang definitiv ein breites Grinsen mit. Es sei ihnen gegönnt.

Tatsächlich kam ein junger Kommissar vor die Polizeistation und überreichte mir als erstes eine Büroklammer. Nach einigen Wiederbelebungsversuchen musste ich einsehen, dass dieses Navi sein Leben endgültig ausgehaucht hatte. Also folgte eine Wegbeschreibung zu einem entsprechenden Geschäft. Die war super! Mein Vertrauen in die Polizei war mal wieder voll gerechtfertigt gewesen.

Übrigens hat auch der Verkäufer sich erst einmal darin versucht, das alte Navi zu reparieren, bevor er mir ein neues verkaufte. Auch eine Berufsgruppe, die man nicht über einen Kamm scheren sollte.

Mit dem neuen Navi schaffte ich es dann nach Zürich. Irgendwie tat sich da dann so viel, u.a. schafften es sowohl Kantons- als auch Stadtpolizei Zürich einen sehr guten Eindruck zu hinterlassen, dass ich völlig vergaß, mich bei der Autobahnpolizei Ludwigshafen zu bedanken. Vor Ort tat ich das natürlich schon mündlich. Das Schriftliche hole ich hiermit nach.

P.S.: Für mich ist es eigentlich kein Thema. Mein Eindruck von dem jungen Polizisten war sehr, sehr gut, und damit hat sich der Fall für mich. Für mich ist ein Mensch ein Mensch. Aber da es auf unseren Präsenzen, insbesondere auf Facebook, uns zunehmend als Thema aufgezwungen wird, möchte ich an dieser Stelle dazu sagen, dass dieser junge Polizist einen Migrationshintergrund hat. Aus meiner Sicht kann die Polizei Rheinland-Pfalz froh sein, ihn zu haben.

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