Polizisten eine Stimme geben: Unverhoffter Dank

Diese Geschichte hat uns ein Polizist geschrieben. Mir gefällt sie sehr gut:

„Ich möchte gerne eine Geschichte erzählen, die vielleicht nicht herausragend ist. Aber der Mann hat es geschafft, mir die Tränen in die Augen zu treiben.

IMG_4040_kleinVerkehrskontrolle auf der Autobahn – ein südosteuropäischer Lkw-Fahrer musste dran glauben.

Während wir auf dem Rastplatz stehen und versuchen, dem Betroffenen mit Händen und Füßen sowie dem Anfertigen von Zeichnungen sein Fehlverhalten näher zu bringen, registrierte ich einen Mann, der gerade seinen Pkw auf dem Rastplatz zum Stehen gebrachte hatte. Zuerst sah es für mich aus, als wolle er nur eine Pause einlegen. Beim Aussteigen schien er uns zu bemerken und kam recht zügig-forschen Schrittes zu uns herüber. Für mich sah er auch aus wie ein Südosteuropäer.

Ich wappnete mich innerlich, denn ich glaubte zu wissen, was mich erwarten würde: Einer eilt seinem Landsmann zu Hilfe, um der bösen Polizei zu sagen, wie fies sie ist.

Als der Mann bei uns ankam, sprach er mich an – mein Kollege war noch in „Diskussion“ mit dem Lkw-Fahrer.

„Entschuldigung“, sagte er. „Ich wollte gerade Rast machen und da sah ich Sie hier stehen. Ich möchte Ihnen nur etwas sagen: Vor ein paar Tagen war hier in der Nähe auf der Autobahn ein schwerer Unfall, wo ich als Zeuge vor Ort war. Ihre Kollegen haben die Unfallaufnahme dermaßen professionell und trotzdem menschlich und für die Beteiligten auch nachvollziehbar abgehandelt, dass ich wirklich froh, dankbar und stolz bin, in diesem Land leben zu dürfen.“

Sprach’s und ging wieder weg.

Während ich mit meinen Tränen kämpfte und wir den Lkw-Fahrer „bedienten“, rauchte er eine, setzte sich ins Auto, winkte uns noch zu und fuhr weiter.

An den Unfall konnte ich mich erinnern – ich war an dem Tag Funker – und die Kollegin und der Kollege, die den Unfall an diesem Tage aufnahmen und denen ich von meiner Begegnung erzählte, freuten sich noch mal doppelt so sehr wie ich.“

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