Denkmal der Exekutive

Neulich war ich für ein paar Tage in Wien. Nicht nur für Menschen, die als Teenager die größten Fans westlich von Suez der Sissi-Reihe waren, ist diese Stadt interessant. Es gibt viel zu sehen, es gibt viel Schönes, Auffälliges und manchmal auch Bombastisches zu sehen.

Beinahe übersieht man zwei schwarze Blöcke aus schwarzem Stahl. Um genau zu sein hat mich ein Wiener Polizist darauf aufmerksam gemacht.

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Im Ensemble des Heldentores (links ausschnittsweise im Bild) und des Komplexes der neuen Hofburg sowie den beiden Museen vor der Hofburg (hier im Bild das kunsthistorische Museum), fallen diese beiden schlichten Blöcke wirklich kaum auf.

Dieses schlichte Denkmal, mitten auf dem Heldenplatz, ist den Polizisten und Gendarmen gewidmet, die seit 1945 in Österreich ihr Leben gelassen haben.

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Es steht auf einer Fläche aus leeren Betonplatten. Davor ist in den Boden eingelassen:

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Es wurde 2002 enthüllt. Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 345 Polizisten und Gendarmen im Dienst am Bürger gestorben. (1) Bei der Enthüllung sagte der damalige Bundespräsident Thomas Klestil (ÖVP): „.. sie sind für uns alle, für Österreich, gestorben. Ich meine daher, dass es an der Zeit war, für diese Beamten ein sichtbares Zeichen zu setzen – ein Ehrenmal, das Ihren Kameraden wie auch den Hinterbliebenen, Freunden und allen Menschen zeigt, dass Österreich sie nicht vergessen hat. Jeder Tod ist für sich gesehen eine Tragödie – Leid, das nicht messbar ist: Für Ehepartner, Kinder, Eltern, Freunde und Kameraden.“ (2)

Warum hat Deutschland so etwas nicht? Und bitte, man möge mir die Antwort ersparen, dass dies so sei, weil Polizei Ländersache sei. Als habe das irgendetwas damit zu tun, dass da Menschen für uns als Gesellschaft Risiken eingehen. Mir ist das ehrlich gesagt vollkommen wurscht, ob mir ein Bayer, ein Rheinland-Pfälzer oder ein Mensch aus Mecklenburg-Vorpommern weiterhilft, wenn ich die Hilfe der Polizei brauche. Und es ist ja nun nicht so, als sei ein Hesse in Nordrhein-Westfalen nicht berechtigt, polizeiliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.  Was solch ein Denkmal betrifft, genügt es schlichtweg ein Interesse daran zu haben, sich mit einem deutlich sichtbaren Zeichen hinter unsere Polizeibeamten zu stellen. Hinter jene Menschen, die unsere demokratisch verfasste und rechtsstaatlich legitimierte Polizei bilden. Die beste Polizei, die es je auf deutschem Boden gab, weil sie, entgegen anderslautender Behauptungen, keine Diktaturpolizei ist.

Es muss ja nichts Großes sein. Wie man in Wien eindrucksvoll sehen kann. Mir persönlich würde das sehr gut gefallen.

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(1) http://www.viennatouristguide.at/Ring/Denkmal_Bild/z_exekutive.htm

(2) http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Denkmale/Exekutive-Denkmal

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One comment

  • friederike
    17. Juni 2014 - 18:12 | Permalink

    Ich hab schon lange gedacht, dass es an der Zeit für so ein Denkmal sei. Am Volkstrauertag wird immer noch der im Krieg Gefallenen und aller anderen Opfer gedacht, aber allmählich habe ich den Eindruck, dass in den letzten Jahren auch eine Art Krieg auf unseren Straßen ausgetragen wird, entweder von gewalttätigen Gruppen untereinander – und die Polizei darf nicht zuschauen, sondern muss dazwischen gehen – oder gleich gegen die Polizisten, weil sie fälschlicherweise als Repräsentanten des von vielen gehassten Staat angesehen werden.

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