Respekt

Die Erfahrungen der letzten Tage auf unseren Online-Präsenzen, insbesondere auf Facebook, haben mich intensiv über das Thema „Respekt“ nachdenken lassen. Wie üblich ist nur eine Minderheit gemeint, die aber extrem auffällig ist.

 

Bei uns ist sehr häufig von Respekt die Rede. Polizeibeamte beklagen zu Recht, dass sie immer seltener respektiert werden, dass sie die Wertschätzung ihrer Arbeit in Gesellschaft und Politik vermissen würden.

 

Das ist in der Tat ein beklagenswerter Zustand, denn aus meiner Sicht haben Polizeibeamte für ihre verantwortungsvolle Arbeit Respekt, Wertschätzung und Anerkennung mehr als verdient. Deswegen habe ich im Jahre 2009 das Projekt „Keine Gewalt gegen Polizisten“ ins Leben gerufen und deswegen sitze ich mit Freude und Engagement dem Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ vor, der 89 Mitglieder hat und überwiegend aus Nichtpolizisten besteht.

Symbolfoto
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Wir haben in Deutschland (und in seinen Nachbarstaaten) eine demokratisch verfasste und rechtsstaatlich aufgestellte Polizei. Eine Polizei, die auch kritisiert werden darf. Dafür bin ich dankbar. Wäre das nicht so, gäbe es diesen Verein nicht, jedenfalls nicht mit mir als Vorsitzender. Wir sind kein Polizeiverherrlichungsverein. Wir stehen allerdings auf dem Standpunkt, dass es das menschliche Miteinander doch deutlich erquicklicher macht, wenn man seine Kritik sachlich und auf der Basis genau der Rechtsgrundlagen anbringt, auf denen die Polizei handelt. Auch das hat etwas mit Respekt zu tun.

 

Nun kann Respekt aus meiner persönlichen Sicht keine Einbahnstraße sein. Wenn ich Respekt für mich einfordere, muss ich den auch anderen geben – sonst sprechen wir nicht mehr von Respekt im herkömmlichen Wortsinne (Wertschätzung, Aufmerksamkeit, maximal noch Ehrerbietung), sondern von dem heutzutage gern genommenen, aber sprachlich falschen „Ey, du musst misch respektieren, Alter!“ – womit wohl eher Angst gemeint sein dürfte.

 

Unsere Online-Präsenzen dienen unseren Vereinszielen: die Öffentlichkeit über die steigende Gewalt gegen Polizisten zu informieren und Polizeibeamten Rückhalt zu vermitteln. Auch das bitten wir zu respektieren.

 

Das Stichwort „Rückhalt“ macht deutlich warum wir auf unseren Onlinepräsenzen keine Einsatznachbesprechungen durchführen und auch regelmäßig unsere Leser und Kommentatoren bitten, dies nicht zu tun. Eine Einsatznachbesprechung gehört in die Dienststelle und sollte von Menschen vorgenommen werden, die dabei waren oder alle Informationen und deswegen auch Überblick haben, was genau vorgefallen ist. Das ist unsere Art, unsere Wertschätzung gegenüber der professionellen Arbeit der Institution Polizei auszudrücken. Eine Einsatznachbesprechung gehört nicht auf eine öffentliche Internetseite, auf der jeder mitlesen kann. Es ist einfach verschärft unhöflich gegenüber einem betroffenen Kollegen, der eh schon am Boden liegt (möglicherweise verletzt, vielleicht aber auch „nur“, weil der Einsatz mies gelaufen ist), ihm auch noch öffentlich zu erklären, was er hätte besser machen sollen. Daraus folgt dann ja auch, was er (angeblich) alles falsch gemacht hat. Ratschläge sind auch Schläge, vor allen Dingen, wenn sie rückwirkend erfolgen und per Ferndiagnose. Sollte nicht, wer Respekt vom polizeilichen Gegenüber für sich selbst fordert, diesen auch den eigenen Kollegen entgegenbringen?

 

Außerdem wäre es vielleicht einen Gedanken wert, dass bei uns, eben weil es öffentliche Präsenzen sind, nicht nur bekennende Polizistenfreunde mitlesen. Da lesen aus Gründen der Feindbeobachtung durchaus Vertreter der extremistischen Szenen mit sowie der Ultra-Szene, die auch zuverlässig immer dann als Kommentatoren auftauchen, wenn die Polizei ihnen mal wieder Grenzen gesetzt hat, also angeblich einen überzogenen Einsatz abgeliefert hat und die ebenso zuverlässig noch nie ein Wort des Mitgefühls für einen verletzten Menschen im Polizeiberuf übrig hatten. Das können wir auf einer öffentlichen Seite nicht unterbinden. Das wollen wir auch gar nicht, denn es soll ruhig jeder sehen, dass es durchaus Menschen gibt, die A.C.A.B. für dämlich und falsch halten. Ob es aber vor dem Hintergrund wirklich sinnvoll ist, bei uns taktische Tipps zum besten zu geben?

 

Unser Verein ist naturgemäß bei „Polizeikritikern“ unbeliebt und die Tatsache, dass wir Euch, liebe Polizeibeamte, Rückhalt vermitteln, ist da vielfach ein Dorn im Auge. Deswegen werden wir regelmäßig am äußersten rechten Rand verortet (wo auch sonst, wenn Uniformen im Spiel sind?) und uns wird genau das vorgeworfen, was wir eigentlich nicht tun – Polizeiverherrlichung. Begleitet wird das ganze vom Hauptkritikpunkt an der Polizei selbst, der in ständig wiederkehrender Weise lautet, dass Polizeibeamte durch die Bank brutale Schläger und rechts angehaucht seien. Wobei angehaucht ja noch reichlich untertrieben ist.

 

Ich weiß, dass dem nicht so ist. Ich habe mich in das Thema reingekniet und kenne eine Menge Polizisten. U, a. deswegen kann ich eine Frustäußerung von einem politischen Statement unterscheiden. Das könnt Ihr, liebe Polizeibeamten, aber nicht von jedem außenstehenden Bürger, erwarten. Und Ihr könnt schon gar nicht erwarten, dass jene, die aus Feindbeobachtungsgründen bei uns mitlesen, Euch die Liebe tun, Eure öffentlichen Kommentare zu Euren Gunsten auszulegen.

 

Wenn in einem Thread zu einem Übergriff gegen Polizeibeamte durch Migranten jemand schreibt, dass „der Ali“ halt so sei und damit eindeutig Bezug auf ein unsägliches Plakat rechtsaußen nimmt, dann muss derjenige sich aber auch nicht wundern, wenn er in entsprechender Gesellschaft verortet wird. Abgesehen davon, dass aus meiner Sicht auch tiefsitzende Frustration nicht zu Menschenverachtung berechtigt. Vielleicht hat der eine oder andere schon mal gehört, dass nicht jeder Türke Ali heißt und dass nicht jeder Muslim Türke ist. Und dass es eine Menge Muslime gibt, die durchaus staatstragend sind.

Wer für sich den Respekt einfordert, nicht über einen Kamm geschoren zu werden, sollte zuerst einmal bei sich selbst damit anfangen, anderen denselben Respekt zu erweisen.

 

Wenn in einem weiteren Thread ein Mensch, der von sich sagt, er sei Polizeibeamter (kontrollieren können wir das nicht), zu einem Angriff auf Polizeibeamte schreibt: „Hoffentlich hat der Angreifer richtig auf’s Maul bekommen“, muss er sich nicht wundern, wenn er von uns sachlichen Widerspruch bekommt. Eben weil wir uns gegen das ständig wiederkehrende Bild des Prügelbullen zur Wehr setzen. Eben weil wir deswegen Fan der deutschen Polizei sind, weil sie eben anders ist als die Sheriffs im frühen Wilden Westen, die mal eben locker Exekutive und Jurisdiktion in eine Hand nahmen. Wenn wir dann auf diesen Widerspruch hin beleidigt und unter der Gürtellinie angegangen werden und uns, eingerahmt von äußerst bösen Worten, mitgeteilt wird, es sei doch sonnenklar gewesen, dass gerechtfertigte Gewalt im Sinne von gesetzlich festgeschriebenem unmittelbaren Zwang gemeint gewesen sei, dann frage ich mich schon: WAS hat das mit Respekt zu tun? Was genau ist daran respektvoll, uns Ratespielchen aufzugeben, indem man nicht das schreibt, was man meint, sondern etwas ganz anderes? Wo bleibt da der Respekt uns und unserer Arbeit gegenüber, wenn wir uns für einen sachlichen Widerspruch einen derartigen verbalen Ausfall bieten lassen müssen? Last but not least: warum genau sollte ich jemanden respektieren, der mir gegenüber in solcher Weise auftritt?

 

Wir bitten nicht um Einhaltung der Netiquette, um irgend jemanden zu ärgern. Wir bitten darum, weil es uns äußerst harte Arbeit gekostet hat, uns als seriösen Verein zu etablieren und wir uns dieses Ergebnis unserer harten Arbeit nicht kaputt machen lassen wollen. Ist das so unverständlich? Und verdammte Scheiße, es sollte doch erwachsenen Menschen möglich sein, ihrem Frust so Ausdruck zu verleihen, dass sie dabei niemandem persönlich an die Wäsche gehen. Ich kann das ja auch, wie man hier sieht.

 

Wir haben ein Nachrichtenfach und wir haben ein seelsorgerliches Angebot für Polizeibeamte. Da könnt Ihr Euch auskotzen wie Euch der Schnabel gewachsen ist. Wir verstehen das. Aber auf unseren öffentlichen Seiten erwarten wir, dass unsere Seitenregeln und damit unsere Arbeit und wir respektiert werden.

 

Gerade einer Berufsgruppe, die für sich mangelnden Respekt beklagt, sollte das Konzept, andere und deren Arbeit zu respektieren, doch einleuchten. Speziell, wenn es Arbeit für exakt diese Berufsgruppe ist.

 

Wir stehen weiterhin unverbrüchlich hinter unseren Polizeibeamten. Das heißt aber nicht, dass wir Eure Fußabtreter oder Eure verbalen Boxsäcke sind. Wir erwarten nicht, dass Ihr aus Dank für unsere Arbeit vor uns auf dem Knien liegt. Wir erwarten schlicht nicht mehr und nicht weniger als das, was Ihr für Euch einfordert – Respekt! Vor Euren Kollegen, vor uns als Mitgliedern eines polizeifreundlichen Vereins und vor uns als Admins öffentlich einsehbarer Seiten. Schönen Sonntag noch!

 

(Diesen Schuh brauchen sich nur jene anzuziehen, denen er passt!)

4 Comments

  • m.mayer@tigernet.de
    25. Mai 2014 - 10:42 | Permalink

    Mir fehlen die Worte…und es sind doch die richtigen ! Ich muss ein paar Tage darüber nachdenken….Es sind die Gedanken, die alle Polizisten sich machen.Danke!!!

    • 27. Mai 2014 - 05:46 | Permalink

      Ich danke Dir auch für Deine Worte. Das zeigt mir, dass ich mit meinem Empfinden nicht ganz daneben liege.

  • friederike
    26. Mai 2014 - 09:30 | Permalink

    Deine Ausführungen zum Thema Respekt unterstreiche ich voll Aber habe ich das richtig verstanden, dass Du auch Polizei-Kollegen ermahnst, Respekt gegenüber ihren Kollegen zu zeigen?
    Wenn das nötig ist, wäre das doch bedrückend, denn in so einem inzwischen schwierig gewordenen Beruf ist doch nichts so notwendig wie Solidarität. Und Solidarität heißt für mich nicht einfach Schulterschluss und Wagenburgmentalität, sondern vor allem Respekt wie Du ihn anmahnst.
    Danke für Deine Wachsamkeit!

    • 26. Mai 2014 - 12:57 | Permalink

      Ja, ich meine damit auch durchaus Polizeibeamten untereinander. Leider!

      Genau so wie den Respekt vor bekennenden Polizistenfreunden, die sogar Vereine gründen, um das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.

      Aber wie gesagt, das ist eine Minderheit. Ich bleibe dabei, dass die meisten Polizeibeamten, die ich kennenlernen durfte, großartige Menschen sind.

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