Fremdbloggen: Was soll das denn? (Poetry Cop)

Neulich scrollte ich so schön unbedarft durch meine Facebook-Timeline, als ich über etwas stolperte, was mir nicht nur diesen Tag versauen sollte.

Die Polizei in NRW hatte sich anscheinend dazu entschlossen, ein neues Dezernat einzurichten – nämlich das Dezernat C, wie Comedy.

Da kursierte doch tatsächlich ein Video im Internet, in dem sich zwei als Polizeibeamte verkleidete Schauspieler (lieber Gott, lass es bitte wirklich Schauspieler sein!) als Rapper versuchen und einem ahnungslosen Opfer mitteilen, dass seine Bewerbung bei der Polizei NRW Erfolg gehabt habe.

Mein Erster Kommentar unter diesem Facebook-Beitrag war: „Fremdschämen!“.

Inzwischen muss ich diesen Schnellschuss revidieren: Streicht das „Fremd“, denn ich schäme mich für meinen Berufsstand!

Wie kann es sein, dass da irgendwer aus seinem sicheren Büro heraus solche Dinge in Auftrag gibt und später auch abnickt, der von der daraus zwangsläufig resultierenden negativen Reaktion der polizeilichen Klientel aber definitiv verschont bleibt?

Nachdem ich mich vom ersten Schock erholt hatte, stellte ich zu allem Überfluss noch fest, dass es auf YouTube auch noch ein zweites Video zu sehen gibt, in dem die beiden gleichen Volldödel in Uniform in einer Straßenbahn ein altes Volkslied zum gleichen Zweck missbrauchen.

Was ist da los? Sitzen da im LAFP (Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei) Menschen zusammen, die krampfhaft versuchen, uns das letzte Bisschen Respekt, das wir uns täglich im Dienst erkämpfen müssen, auch noch zu verderben? Von Kollegen kann und will ich hier bewusst nicht sprechen, denn kollegial ist dieses Verhalten nicht.

Wir leben in einer Zeit, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Herrn Steinbrück wurde es sofort zum Vorwurf gemacht, als er Herrn Berlusconi als Clown bezeichnete. Hier wurden sofort Rufe nach Entschuldigung laut.

Ich denke, dass diese Videos, die man nicht mehr ungesehen und ungeschehen machen kann, auch einer Entschuldigung bedürfen! Einer Entschuldigung an alle Kolleginnen und Kollegen, die Tag für Tag und Nacht für Nacht ihren Dienst an der Gesellschaft verrichten und dabei nicht selten in Leib und Leben gefährdet sind.

Aber erwarte ich wirklich eine solche Entschuldigung? Meine nun schon 23jährige Erfahrung als Polizeibeamter ließ mich nicht einmal wagen darauf zu hoffen.

Ganz im Gegenteil musste ich dann auch noch auf RTL einen Bericht über diese Videos ertragen, in dem ein Sprecher des LAFP meinte: „Die Kollegen, die sich beleidigt fühlen, sollen das ganze nicht so ernst nehmen!“.

Richtig, warum sollte ich es auch ernst nehmen, wenn ich mal wieder am Wochenende Nachdienst versehe und bei jedem zweiten Einsatz jetzt auch noch ZU RECHT ausgelacht werde? Denn genau das ist die Reaktion, die wir auf diese Videos bekommen. Und ich kann es den Lachenden nicht mal verübeln, denn diese Filmchen sind wirklich nicht zu ertragen. Nicht einmal als Parodie, Persiflage oder als was sie auch immer gedacht waren.

Das Schlimme daran ist, sie haben auch noch viel Geld gekostet! Der Sprecher des LAFP sprach da von 3000,- Euro – pro Video! nd NRW muss sparen. Hier hätte es definitiv 6000,- Euro einsparen und an anderer Stelle besser verwenden können. Diese Videos sind ein Bärendienst für die Polizeibeamten auf der Straße.

Ist es eigentlich Zufall, dass diese Filme etwa zeitgleich mit den Überlegungen auftauchten, den Polizeidienst wieder für Bewerber ohne Abitur zu öffnen? Hat man da gleich das Niveau der Eigenwerbung entsprechend heruntergeschraubt? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist die Tatsache, dass ich jetzt jedesmal, wenn mir mal wieder im Einsatz zugerufen wird: „Ihr seid so lächerlich!“, denken muss: „Stimmt – und mein Dienstherr ist Schuld daran!“.

Wer wirklich wissen will, wie es bei der Polizei zugeht, sollte sich lieber dieses Video ansehen:

Man kann nämlich die Realität in Musik und Video packen, ohne alles ins Lächerliche zu ziehen.

Beitrag von Thorsten Trautmann (Poetry Cop), veröffentlicht hier.

One comment

  • Mandy White
    24. Oktober 2013 - 09:53 | Permalink

    Danke!

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