Merkblatt für Verkehrsteilnehmer

Merkblatt für Polizeibeamte und Verkehrsteilnehmer                 ……………………….. , …….. 20 ….

(Dienststelle)

 

Merkblatt für Verkehrsteilnehmer

 

An den/die Fahrer/in des ……………………., amtl. Kennzeichen:  ………………………..

 

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, befindet sich an Ihrem Fahrzeug außer diesem Schreiben noch ein/e
(   ) Verwarnung, (   ) OWI-Anzeige, (   ) Mängelbericht.

Evtl. ist der Polizeibeamte, der Sie beanstandet hat, noch in der Nähe. Bevor Sie nun versuchen, diesen in endlose Diskussionen zu verwickeln, um ihn dazu zu bewegen, die Maßnahme rückgängig zu machen, sollten Sie erst die nachstehenden Punkte aufmerksam durchlesen. Auf diese Weise können Sie sich und dem Beamten eine Menge Zeit sparen.

01. Sowohl StVO als auch StVZO gelten jeden Tag des Jahres 24 Stunden lang. Sie werden weder durch Nachtzeit, Wochenende, Feiertage oder ähnliches außer Kraft gesetzt.

02. Weder ich noch mein Streifenpartner hegen Ängste gegenüber Rechtsanwälten. Wir glauben auch nicht, dass unsere schillernde Karriere bei der Polizei durch die Einschaltung Ihres Rechtsanwaltes beendet wird.

03. Andererseits sind die Beförderungsmöglichkeiten bei der Polizei nicht so groß, wie Sie vielleicht denken mögen. Sie brauchen also keine Angst zu haben, dass wir nun ein Sternchen mehr bekommen, nur weil wir einen Verwarnungszettel an Ihrem Fahrzeug angebracht haben.

04. Es ist uns auch völlig egal, ob Sie ein „hohes Tier“ bei der Polizeidirektion kennen oder ob Ihr Onkel einmal in der Woche mit dem Hausmeister der Stadtverwaltung kegeln geht. Beziehungen nützen Ihnen überhaupt nichts, eher im Gegenteil: Je höher das Tier, desto kleiner Ihre Chance.

05. Sie können sicher sein, dass wir auch lieber die großen Gangster fangen würden. Leider sind die Kapitalverbrechen in diesem Ort zeitweise recht dünn gesät, so daß wir leider gezwungen sind, die Zwischenräume mit Sachbehandlungen wie der Ihren zu überbrücken.

06. Die Tatsache, dass Sie evtl. fremd in diesem Ort sind, stellt Ihnen ebenfalls keinen Freibrief für Falschparken, zu schnelles Fahren o.ä. aus. Die StVO gilt woanders genauso.

07. Die Ausrede „Arztbesuch“ zieht ebenfalls nicht. Wenn Sie schon zu krank sind, ein paar Meter zu Fuß zu gehen, wie wollen Sie es dann verantworten, ein Kfz sicher durch den Straßenverkehr zu führen.

08. Auch wenn die Dienstmütze auf dem Rücksitz des Streifenwagens liegen sollte, wir sind trotzdem im Dienst und haben das Recht Sie zu beanstanden.

09. Sollten Sie eine Tätigkeit als Briefträger, Bundesbahnbeamter, Hausmeister o.ä. ausüben und während der Arbeit eine Mütze tragen, so sind Sie deswegen noch lange nicht berechtigt, den Polizeibeamten als Kollegen zu betrachten und ihn entsprechend anzureden. Wer in unseren Augen Kollege ist, bestimmen wir selbst.

10. Vermeiden Sie es bitte, zum Polizeibeamten Körperkontakt zu suchen, indem Sie ihm auf die Schulter klopfen oder ihn am Ärmel ziehen. Einer Verwarnung oder Anzeige wird hierdurch nicht entgangen.

11. Auch die kumpelhafte Anrede wie z.B. „Chef“, „Meister“, „Herr Inspektor“ u.a. hilft Ihnen in der Regel nicht. Wenn Sie den Dienstgrad des Beamten nicht kennen, lesen Sie ihn bitte von dem Dokument an Ihrer Windschutzscheibe ab.

12. Ihre Automarke spielt bei der Ausstellung von Verwarnungszetteln keine Rolle. Wir suchen uns nicht nur Fahrzeuge der Marken Mercedes, BMW oder Porsche aus. Wir nehmen alles was kommt.

13. Auch Ihre Staatsangehörigkeit oder Ihre religiöse Weltanschauung hat keinen Einfluss auf die Frage des polizeilichen Einschreitens.

14. Jetzt kommt ein Hinweis für die weiblichen Verkehrsteilnehmer. Der Einsatz von Tränen nützt überhaupt nichts. Der Anblick eines Menschen, der wegen ein paar Euros Bußgeld weinend auf der Strasse steht, wirkt ebenso würdelos wie albern.

15. Noch ein Hinweis zur Historie: Seit dem 3. Oktober 1990 existiert die Deutsche Demokratische Republik (DDR) nicht mehr. Auch wenn wir den Eindruck erwecken, bedürftig zu sein, sind wir dienstlich angehalten, keine Glasperlen mehr anzunehmen. Auch Wurstbrote und Westpakete sind unpraktikabel und bringen nicht den gewünschten Erfolg. Wir sind aufgrund intensiver Kommunikationstrainings auch mittlerweile auf dem Stand, die Wörter „Mitkommen“ und „Papiere“ in substanzielle Sätze einzubinden, wenn es die Lage erfordert. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass uns der Einigungsvertrag trotz des Wissens, dass Sie persönlich für unseren Wohlstand gesorgt haben, keine Möglichkeit einräumt, Rabattmarken zu verteilen. Auch haben wir uns vorher weder in der Stasizentrale noch an der Transitstrecke gesehen und unsere Väter waren auch nicht Wächter im Roten Ochsen.

DIE POLIZEI, DEIN FREUND UND HELFER

P.S.: Der Text stammt nicht von mir, sondern wie an Punkt 15 unschwer zu erkennen, von einem Polizeibeamten aus den neuen Ländern. Danke an J.

4 Comments

  • Mara
    4. Juli 2013 - 08:19 | Permalink

    Made my Day!

    Ich hab grad lauthals gelacht. Sehr genial!

    Liebe Grüße

    Mara

  • friederike
    4. Juli 2013 - 16:28 | Permalink

    Nur die Realität kann solche Satiren inspirieren. Das war was für einen richtigen Lachner! Danke!

  • Hermann
    4. Juli 2013 - 19:23 | Permalink

    Einfach nur genial.

  • hans-gerd birkholz
    6. Juli 2013 - 20:25 | Permalink

    Super!

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