Meine Gedanken zum tödlichen Schusswaffengebrauch in Berlin

Tödliche Schusswaffengebräuche gehen mir immer unter die Haut. Das habe ich schon mehrfach betont. Weil es immer schrecklich ist, wenn ein Mensch gewaltsam sterben muss – für ihn und für seine Angehörigen. Aber auch, weil der oder die betroffenen Polizeibeamten danach so eine schwere Last tragen müssen. Eine Last, die vielfach durch die öffentlichen Reaktionen nicht leichter wird. Derzeit nimmt dies für mein Empfinden neue Ausmaße an.

Dies hat damit zu tun, dass ein Mensch, der sich der Informationsfreiheit offenbar sehr verpflichtet fühlte, einen Einsatz mitfilmte, der traumatisch endete.

Die Polizei Berlin am 28.06.2013:

„Zu einem Schusswaffengebrauch eines Polizisten kam es heute Vormittag in Mitte. Passanten sprachen kurz nach 9.30 Uhr die das Berliner Rathaus bewachenden Polizeiangestellten an und teilten ihnen mit, dass im Neptunbrunnen ein unbekleideter Mann im Wasser stehe, der mit einem Messer bewaffnet sei. Ein Objektschützer überprüfte die Schilderung, die sich bestätigte, und forderte einen Funkwagen des zuständigen Polizeiabschnitts an. Als die Beamten eintrafen, stand der mutmaßlich verwirrte Mann noch immer im Wasser, fügte sich mit dem Messer selbst Verletzungen zu und wies bereits blutende Wunden auf.
Aufgrund der bisher geführten Vernehmungen und den nun vorliegenden Erkenntnissen stellt sich der weitere Sachverhalt wie folgt dar: Nachdem die Polizisten für den Verletzten den Rettungsdienst alarmiert hatten, ging ein Beamter zu dem Unbekleideten in den Brunnen, um ihn von weiteren Selbstverletzungen abzuhalten und ihm das Messer abzunehmen. Daraufhin bedrohte der Mann den Polizisten mit der Waffe, machte Stichbewegungen in dessen Richtungen und ging auf ihn zu. Der Bedrohte wich aus, stieß dann aber rücklings an die Begrenzungsmauer des Brunnens, womit ihm ein weiterer Rückzug plötzlich unmöglich war. Er und sein Kollege forderten nun den Angreifer, der weiter auf den Beamten zuging, mehrfach auf, das Messer fallen zu lassen. Als dieser jedoch nicht reagierte und bereits unmittelbar vor dem im Wasser stehenden Polizisten war, gab der angegriffene Beamte einen Schuss ab und traf ihn in den Oberkörper. Dabei erlitt der Mann, bei dem es sich um einen 31 Jahre alten Berliner handeln könnte, eine tödliche Verletzung und verstarb noch im Rettungswagen.
Die weiteren Ermittlungen zu dem Vorfall und zur Klärung der Identität des Mannes hat die 1. Mordkommission des Landeskriminalamtes übernommen. Die beiden involvierten Polizisten werden derzeit betreut.“

In diesem Zusammenhang ein Lob an die Medien, die weitgehend einigermaßen sachlich und auch ausgewogen berichten. Auch sind mir keine öffentlichen Verlautbarungen durch Politiker bekannt geworden, die diesen tragischen Vorfall in irgendeiner Form dazu genutzt hätten, den beteiligten Polizeibeamten bzw. der Polizei als Institution einen Strick zu drehen. Bis jetzt. Im Fall von Starnberg, der auch an einem Freitag passierte, dauerte es bis Montag. Warten wir also ab.

Das Internet hingegen kennt kein Wochenende und ich kann gar nicht so viel essen wie ich bei vielen Äußerungen zu dieser Thematik kotzen möchte. Die üblichen Vorverurteilungen überschlagen sich dieses Mal geradezu und entzünden sich an dem Video, das unser bereits erwähnter Liebhaber der Informationsfreiheit abgedreht und im Internet hochgeladen hat. Seitdem vagabundiert es durch das Netz und Deutschlands Hobbyrichter tun sich daran in ihren Kommentaren gütlich. Vielfach bewegen sie sich für meine laienhaften Begriffe in den Bereichen Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung. Weitaus mehr lassen jede Form von Anstand oder Einfühlungsvermögen ALLEN Beteiligten gegenüber missen. Denkt eigentlich irgendeiner jener Spezialisten, die sich vor Empörung über diesen „überzogenen Einsatz“ kaum einkriegen, darüber nach, was sie den Angehörigen des Erschossenen mit dem vielfachen Teilen des Videos antun? Aber solche Details wie Persönlichkeitsrechte kann man ja getrost vergessen, wenn es um die Sache geht. An die hat ja auch der Hersteller des Videos nicht gedacht. An die der Polizeibeamten wollte er wohl auch nicht denken, denn das Urteil über die hat er ja offensichtlich bereits gefällt. Und was ist mit den Sanitätern?

Auch hat er offensichtlich nicht daran gedacht, dass dieses Video möglicherweise nun nicht mehr als Beweismittel im Ermittlungsverfahren tauglich ist, da Beweismittel der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden dürfen. Dies gilt vor allen Dingen, wenn das Öffentlichmachen der Beeinflussung der Öffentlichkeit dienen könnte. Jene, die das Video hochladen und teilen rufen jedenfalls in weiten Teilen nicht gerade zu einer neutralen Haltung auf oder dazu, abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben. Wenn man also  davon überzeugt ist, ein Verbrechen zu filmen, ist der einzig zielführende Weg, das Video der verantwortlichen Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stellen. Das aber nur nebenbei…

Die juristische Bewertung auch dieses Schusswaffengebrauches überlasse ich der Staatsanwaltschaft und im Zweifel dem damit befassten Gericht, denn erstens ist das ihr Job und zweitens möchte ich mir das auch gar nicht anmaßen. Ich spreche hier also niemanden unschuldig, weil mir das nicht zusteht. Allerdings möchte ich doch eine Äußerung eines Sprechers der Berliner Staatsanwaltschaft bringen, um ein Gegengewicht zur Tendenz im Netz zu bieten: „Es spreche einiges dafür, dass der Beamte in Notwehr gehandelt hat, erklärte der Sprecher der Staatsanwalt, Martin Steltner. Doch werde dies noch geprüft.“ (Quelle: B.Z. vom 29.06.2013)

Vielfach wird wieder die moralische Keule über diesem Polizisten geschwungen. Und nicht nur über diesem, sondern über allen. Von der „Blauen Mauer“ ist da die Rede, die immer Recht habe, egal welche „Verbrechen“ sie nun wieder begangen habe. Oder auf den Facebook-Seiten gemeinnütziger Vereine, die von Polizeibeamten betrieben werden (damit ist nicht Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. gemeint, wir bestehen mehrheitlich aus Nichtpolizisten) werden Kommentare angebracht, in denen ihr soziales Engagement als verlogen und sinnlos bezeichnet wird, weil ihresgleichen ja pausenlos Menschen um die Ecke bringen würde. Dank der bescheidenen Ausbildung. Das „Argument“ hätte ich um ein Haar vermisst…

Momente, in denen ich froh bin, dass in diesem Land Entscheidungen über Ermittlungsverfahren und Urteile nicht von der Masse gefällt werden, sondern von einem Staatsanwalt oder Richter. Einem Menschen, der eine gute emotionale Distanz zu der Sache hat und ein neutrales Rechtssystem zugrunde legen kann. Emotionen sind verständlich, aber in solchen Fällen kein guter Ratgeber.

Und ich möchte jenen, für die schon feststeht, dass dieser Polizist falsch gehandelt habe, ein wenig zu denken geben. Vielleicht sind ja beim einen oder anderen die roten Wutschwaden schon wieder auf dem Abzug und die Logik kommt zurück. Ein paar Sichtweisen, die vielleicht doch den einen oder anderen dazu veranlassen, die Urteilsfindung den dafür zuständigen Instanzen zu überlassen, weil diese schlichtweg mehr Informationen haben als wir alle.

Es geht schon damit los, dass gefragt wird, warum der Polizeibeamte überhaupt in den Brunnen gestiegen sei. Es sei keine Gefahr für die Allgemeinheit von dem Mann ausgegangen, der gerade dabei war, sich mit dem Messer schwere Wunden zuzufügen. Nun, der Mann blutete bereits aus mehreren Wunden. Hätte die Polizei einfach dabei zugesehen, wie er verblutet wäre, wäre das sicher auch ein Auslöser für eine erstklassige Empörungswelle gewesen. Unterlassene Hilfeleistung und das gleich von einem ganzen Rudel von Polizisten… da habe ich schon gewisse Vorstellungen, was da an Kritik gekommen wäre. Abgesehen davon, dass es durchaus Menschen gibt, die in solchen Augenblicken eben nicht darüber nachdenken, was die mehr oder weniger geneigte Öffentlichkeit von ihnen denkt, sondern wie sie das Leben retten können, das vor ihrer Nase gerade im Begriff ist, ausgelöscht zu werden.

Ganz offensichtlich war das hier eine Situation, aus der es keinen „richtigen“ Ausweg mehr gab. Sie hat das Leben dieses Polizisten verändert und in der wieder einmal emotionsgeladenen öffentlichen Diskussion steht er vielfach als der Übeltäter da, dessen eigene seelische Schmerzen oft vollkommen aus dem Blickfeld geraten. Da hilft es nicht gerade zu wissen, dass man auf einem Video zu sehen ist, das tausendfach zerpflückt und bis ins Letzte analysiert wird –  nicht von den Ermittlungsbehörden, deren Job es wäre, sondern von tausenden von Menschen, die in den meisten Fällen wohl kaum als neutral durchgehen dürften.

Kommen wir nun zu dem Punkt, an dem der Mann im Brunnen mit seinem Messer auf den Polizisten zugeht. Und vergessen wir an dieser Stelle unsere „Informationen“ über Polizeiarbeit aus all den schönen Actionfilmen, in denen der Polizist den Täter gerne mal in die Aufgabe quatscht.

Leider halten sich reale Täter nur selten an Drehbücher. Der Polizist, der seine Schusswaffe gebraucht, befindet sich im Regelfall in einer Situation, die für die meisten Menschen den größten Alptraum darstellt. Ein Schusswaffengebrauch ist an sehr enge gesetzliche Vorgaben gebunden, die Polizeibeamte kennen.

Der betroffene Polizist hatte nur Sekunden um zu entscheiden zwischen dem Leben des anderen oder seinem eigenen. Die Rechtslage ist da eindeutig. Das Recht auf Leben wiegt bei allen Menschen gleich. Der Angreifer jedoch kann den Angriff jederzeit abbrechen und damit die Lebensgefahr für sich selbst abwenden. Diese Möglichkeiten haben die Opfer eines bewaffneten Angriffs nicht. Deswegen gelten diese als besonders schutzwürdig (Vgl. dazu auch: Neuwirth, Dietlind, „Polizeilicher Schusswaffengebrauch gegen Personen“, Hilden 2006 S.110)  und haben das Recht auf Notwehr bzw. auf Nothilfe durch Dritte.

Wieder einmal ist der Schuss in die Arme oder Beine das Mittel der Wahl zahlreicher Polizeikritiker. Allerdings ist auch hier ist die Rechtslage eindeutig. Ein Schusswaffengebrauch kommt nur in Frage, um einen Täter angriffsunfähig zu machen. Hat man noch Zeit, weil der Angreifer bspw. „nur“ ein Messer hat und auch noch gute fünfzehn bis zwanzig Meter entfernt ist, dann reicht in der Tat ein Schuss in die Beine. Wobei auch berücksichtigt werden muss, dass der Täter mindestens so sehr unter Adrenalin steht wie die beteiligten Polizeibeamten. Manche stehen auch unter Drogen oder anderen Substanzen. Da kann es sein, dass ein Schuss in eine Extremität einfach nichts nutzt und den Angreifer nicht aufhält. In dem Fall bleibt dann letztlich nur ein Schuss in den Bauch, den Oberkörper oder in den Kopf. Die Munition der deutschen Polizei hat keine „Mann-Stopp-Wirkung“, d.h. ein Angreifer kann noch minutenlang handlungsgfähig bleiben, auch nach dem Schuss.

Ist der Angreifer bereits so nah am Opfer, dass für Experimente keine Zeit mehr bleibt, dann kann der Polizeibeamte gar nicht anders als direkt einen tödlichen Treffer zu versuchen. Der Neptunbrunnen hat einen Durchmesser von 18 Meter. Angesichts der vielen Bronzefiguren darin sind diese 18 Meter aber nicht komplett gegeben. Hier sind, sehr großzügig gerechnet, maximal neun Meter Raum, also befinden wir uns deutlich unter der Schwelle, bei der man noch Zeit hat, andere Wege zu suchen.

Auf Youtube findet man übrigens auch andere interessante Videos, wie bspw. dieses hier, das sich wirklich jeder ansehen sollte, der meint, man könne einen Messerangreifer locker mit der Hand entwaffnen. Oder der meint „Der Polizist im Neptunbrunnnen hatte ganz sicher noch Zeit, auf die Beine zu schießen.“ Auf der hier verlinkten Seite finden sich Fotos von Wunden von Messerangriffen, die sehr schockierend sind. Ein Messerangriff ist nicht harmlos.

Unabhängig von der Rechtslage ist es jedoch so, dass ein menschlicher Körper angesichts massiver Lebensgefahr Adrenalin ausschüttet. Es gelingt Polizisten sehr oft, auf die Beine zu schießen. Aber manchmal gelingt es ihnen eben nicht und sie erschießen einen Angreifer, den sie möglicherweise anders hätten unschädlich machen können. Vielleicht, weil ihre Hände zittern. Vielleicht, weil ihnen bewusst wird, dass ihr Leben sich in diesem Augenblick ändern wird, denn sie sind angetreten, um Menschen zu retten und nicht, um sie zu erschießen. Vielleicht, weil sie fürchten, das Opfer des Angreifers nicht retten zu können, wenn sie danebenschießen und sich deshalb den Oberkörper des Täters als Ziel aussuchen, weil der leichter zu treffen ist als die Extremitäten.

Mir sei an dieser Stelle eine persönliche allgemeine Anmerkung erlaubt: Meiner ureigenen Ansicht nach lädt  jeder, der besoffen Auto fährt und dabei einen Menschen tötet, weitaus mehr persönliche Schuld auf sich als jeder Polizeibeamte, der eine derartige Situation falsch eingeschätzt hat. Und ganz sicher mehr, als ein Mann, der in einen Brunnen steigt um jemanden vor sich selbst zu schützen und dem die Sache dann aus dem Ruder läuft.

Last but not least wirbeln zwar Schusswaffengebräuche gegen Personen öffentlich den meisten Staub auf, aber letztlich handelt es sich nicht gerade um das Massenphänomen, als das manche Polizeikritiker es darstellen, wenn sie die kleinen Worte „mal wieder“ in den Mund nehmen.

Wurde im Jahr 1996 die Schusswaffe noch insgesamt 261 mal gegen Personen eingesetzt, so war das im Jahre 2011 lediglich  115 mal der Fall. 49 davon waren Warnschüsse, getötet wurden 6 Personen, dabei keine Unbeteiligten (Lorei, Clemens, „Statistiken zum polizeilichen Schusswaffengebrauch in Deutschland – Stand 12. Dezember 2012). In den Jahren dazwischen weist die Statistik einen eindeutigen Trend nach unten auf (gleiche Quelle), das Jahr 2011 stellt also diesbezüglich keinen Ausreißer nach unten dar.

Bundesweit arbeiteten per 30.06.2011 insgesamt 255.984  Polizeibeamte in Deutschland (Quelle: „Finanzen und Steuern, Personal des öffentlichen Dienstes“, Fachserie 14, Reihe 6 des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, 2012, S. 82). Von diesen haben ganze 115 die Schusswaffe gegen Personen gebraucht. Das sind 0,04% aller Polizeibeamten. Bei derartigen Zahlen lässt sich die Mär von den schießwütigen Idioten, die den Polizeidienst angeblich in Massen bevölkern, kaum aufrecht erhalten, selbst wenn man die extrem vereinfachende und falsche Annahme aufrecht erhalten möchte, dass jene, die auf Menschen schießen mussten, dies nicht aus gutem Grund getan haben.

Da im Raum steht, dass der Messerangreifer psychisch krank war, wird es auch unweigerlich wieder zu Aussagen kommen, wie, dass man dann nicht schießen darf, weil er ja nichts für seine psychische Krankheit kann. Erschwerend hinzu kommt noch seine Nacktheit, die schutzlos wirkt. Ja, ich habe Mitgefühl mit ihm, mit seinen Angehörigen. Aber macht sein Gesundheitszustand einen Unterschied?
Wenn Polizeibeamte von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen, so handelt es sich, wie oben dargestellt, im Regelfall um eine Notwehr- oder Nothilfesituation. Eigentlich müssen Polizeibeamte sich gar nicht auf diesen entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuches berufen, da ihr Eingreifen in den Polizeigesetzen unter dem Begriff „hoheitliche Gefahrenabwehr“ entsprechend geregelt ist. 1972 stellte der BGH jedoch fest, dass Nothilfe und hoheitliche Gefahrenabwehr uneingeschränkt nebeneinander bestehen. 1990 ergänzte das OLG Bayern, dass ein Polizeibeamter kein Bürger minderen Rechts sei. Wenn ein Privatmann nach §32 StGB in Notwehr handeln darf, muss dieses Recht auch für einen Polizeibeamten gelten. Ebenso ist aber auch ein psychisch Gesunder kein Bürger minderen Rechts und muss sich widerstandslos verletzen und umbringen lassen. Deswegen ist es zwar fraglos sehr tragisch, dass und wie dieser junge Mann sterben musste, weil er Opfer seiner psychischen Krankheit geworden ist. Aber es ist kein Argument, den beteiligten Polizeibeamten besondere Unmenschlichkeit zu unterstellen.
Im Gegenteil müssen jene, die sich zu keinem einzigen Wort des Mitgefühls für alle zum Tatzeitpunkt in der Nähe des Neptunbrunnens befindlichen Menschen hinreißen lassen können, nach ihrer Menschlichkeit fragen lassen.

13 Comments

  • Mandy White
    1. Juli 2013 - 09:15 | Permalink

    Danke Gerke, für diesen sehr guten Beitrag! Eigentlich gehört er in die Netzwerke, damit sich ein jeder Leser bewusst machen kann worum es geht.

  • Mark Cain
    1. Juli 2013 - 11:10 | Permalink

    Hallo,
    Der Beitrag ist sehr interessant und zeigt wieder mal, in welch schwierigen Situationen Polizeibeamte in Bruchteilen von Sekunden handeln müssen!

    Hier muss auch leider festgestellt werden, wie dumm manche Menschen sind, die solche Videos ins Netz stellen. Sie scheinen nur darauf aus zu sein, im Rampenlicht zu stehen und machen sich keine Gedanken über ihr Handeln.

    Ich habe auch leider schon einmal dienstlich schießen müssen, zum Glück für mich und auch den Angreifer wurde niemand verletzt. Trotzdem hatte ich noch eine lange Zeit daran zu knabbern.
    Auch war ih froh, dass es damals (vor etwa 10 Jahren) kein Facebook oder ähnliches gab.

    Ich wünsche den beteiligten Beamten alles Gute für die nächste Zeit und hoffe, sie haben eine gute Betreuung…

    • 5. Juli 2013 - 10:43 | Permalink

      Danke, Mark, für den Einblick, den Du uns gegeben hast. Und danke für Deinen täglichen Einsatz.

  • ChrisB
    1. Juli 2013 - 18:04 | Permalink

    Ein wirklich interessanter Beitrag. Allerdings wird hier ein wenig einseitig auf die ganze Situation geschaut. Ein Mensch ist tot, daher muss ein Fehler unterlaufen sein und diesen gilt es zu analysieren.
    Mir ist zu einfach zu sagen „Der Polizist, hat überzogen reagiert“, aber ich kann auch Kommentare wie „Der Mann hat Schuld, der soll halt nicht mit einem Messer drohen“ überzogen.
    Zum einen muss man sich die Frage stellen, warum keine entsprechende Sicherung da war, man müsste doch annehmen, das ein sichernder Kollege einen besseren Schuss abgeben kann, als der Kollege der in den Brunnen steigt(zumindest wurde berichtet, dass der Polizist im Brunnen geschossen hat). Des weiteren sieht es im Video eher so aus als wenn der Schuss sich versehentlich löst, als der Polizist gegen die Begrenzung des Brunnens stösst.
    Über allem steht aber die Frage wie man einen solch sinnlosen Tod in Zukunft verhindern kann. Hier wäre es schön einmal Antworten von Experten zu bekommen.

    • 1. Juli 2013 - 18:14 | Permalink

      Meine Absicht war nicht, ein Urteil zu fällen. Das ist, wie ich auch deutlich geschrieben habe, Job der Staatsanwaltschaft. Meine Absicht war lediglich, Denkanstöße zu geben. Wenn jemand nicht in diese Richtung denken will, ist das sein Ding. Damit habe ich kein Problem. Inwiefern das „einseitig“ ist, entzieht sich meinem Verständnis.

      Ob sich der Schuss versehentlich gelöst hat oder nicht, ist eine der Fragen, die beantwortet werden wird – wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass für die beteiligten Polizisten auch Ihre Frage nach den sichernden Kollegen beantwortet werden dürfte – in der Einsatznachbesprechung. Die findet allerdings nicht im Internet statt.

      Falls ein Experte hier mitliest, kann er vielleicht ihre Frage danach beantworten, wie man sinnlose Tode in Zukunft verhindern kann. Ich fürchte allerdings, dass es auf diese Frage keine stichhaltige Antwort geben wird. Ob Sie es glauben oder nicht, das finde ich ziemlich traurig.

  • 1. Juli 2013 - 18:40 | Permalink
  • Perlemann
    1. Juli 2013 - 23:29 | Permalink

    Ein sehr guter Beitrag, den ich gerne in Händen derer Gutmenschen sehen würde, die nichts Besseres zu tun haben, als diesen Staat und seine Organe zu demontieren! Ich bin selber Polizeibeamter in Berlin, hatte schon oft die Waffe in der Hand und danke Gott auf Knien, dass ich nicht schießen musste. Ich hätte wohl nicht anders als der betroffene Kollege, dem ich hiermit alles Gute bei der sicherlich schweren Verarbeitung der Geschehnisse wünsche, reagiert. Alle anderen Spekulationen, auch betreffs des Verhaltens der anderen Kollegen, sind von Nicht-Polizeibeamten lächerlich und realitätsfern!!!

    • 2. Juli 2013 - 05:47 | Permalink

      Danke! Und vielen Dank für Euren täglichen Einsatz.

  • 3. Juli 2013 - 18:11 | Permalink

    „Der Tote vom Neptunbrunnen hat mit beiden Phänomenen zu tun. Niemand möchte in der Rolle des Polizisten stecken, der in Sekundenbruchteilen entscheiden muss, wie er sich gegen einen Geistesgestörten mit einem langen Messer zur Wehr setzt. Aber alle wissen hinterher genau, in welches Bein sie an seiner Stelle kunstvoll schießen würden, und dass es ein lässiger Judogriff oder das Warten aufs SEK auch getan hätten.

    Der Ausgang des Verfahrens ist offen – so oder so aber sind jene Polizisten zu bedauern, die die Öffentlichkeit vor den nächsten unberechenbaren Gestalten schützen sollen und sich dabei des Rückhalts dieser Öffentlichkeit nicht sicher sein können.“

    Quelle und mehr:
    „Berlins Polizisten unter Druck – Schutzlose Schützer“ Artikel in der Online-Ausgabe des Tagesspiegels vom 03.07.2013
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/berlins-polizisten-unter-druck-schutzlose-schuetzer/8438176.html

  • Südwest
    4. Juli 2013 - 18:01 | Permalink

    Erfreulich wie unaufgeregt sie diese Thematik „abarbeiten“ und auch interessante Statistiken einfliessen lassen.
    Meine Nackenhaare stellen sich auf wenn ich die Kommentarfunktionen beim Tagesspiegel verfolge. Man gewinnt den Eindruck die Bevölkerung bestehe aus nahkampfgestählten Berufspsychologen.
    Ohne Wissen über den vorherigen Gesprächsverlauf wird dem Beamten unterstellt er hätte diese Situation mutwillig heraufbeschworen. Hartgesottene Profikritiker stellen die Notwehrsituation in Frage, faseln von Schlagstöcken und Pfefferspray. Man mißachtet die fehlenden rechtlichen Voraussetzungen für einen vorherigen UzWG-Schuß auf Extremitäten und erwartet tatsächlich das man in einer akuten Notwehrsituation versucht auf die Beine oder,
    (mein persönlicher Favorit) auf das Handgelenk zu schießen.
    Das eine Trefferaussicht in dem Fall gering, eine stoppende Wirkung nahezu ausgeschlossen ist wird ignoriert.
    Um auf die Nachfrage bezüglich der Sicherungsbeamten einzugehen.
    Die Wahrscheinlichkeit eines wirksamen Treffers wäre weitaus geringer, die Fremdgefährdung beim Distanzschuß größer. Und auch sie hätten die größtmögliche Trefferfläche gewählt.
    Und es sollte sich jeder hinterfragen ob er sich in dieser Situation auf andere Verlassen würde. Es fällt sicherlich leichter die Entscheidung zu treffen für sich selbst zu schießen als für jemand Anderen.
    Ich habe sicherlich ein ordentliches Vertrauen in meine Kollegen, mein Leben würde ich allerdings nicht unbedingt in ihre Hände legen.

    • 5. Juli 2013 - 10:45 | Permalink

      Danke, Südwest, für die Erklärung in Sachen „Sicherungsbeamten“. Das war mir noch nicht bekannt und ich lerne gerne dazu.
      Und danke für Ihren täglichen Einsatz!

  • Hermann
    4. Juli 2013 - 19:36 | Permalink

    Ich bin Angehöriger des Vollzugsdienstes beim Zoll. Auch unsere Einsatztrainer wiederholen während des Trainings immer wieder, dass gegen einen Messerangriff nur die Schusswaffe hilft. Wie durch einen Messerangriff zugefügte Wunden aussehen, ist an verschiendenen Orten des Internets zu sehen. Der Polizist hatte gar keine andere Wahl als zu schießen. Da gibt es nichts dran zu deuten.

    In seiner Haut möchte ich allerdings nicht stecken. Ich wünsche ihm eine gute Betreuung.

    • 5. Juli 2013 - 10:47 | Permalink

      Danke, Herrmann. Ja, der Polizist hat jetzt eine harte Zeit vor sich, die durch das Video noch klar verstärkt wurde.
      Auch Dir danke für Deinen täglichen Einsatz. Zollbeamte sind übrigens auch im Vereinszweck erfasst.

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