Mein Beitrag zur Klimaerwärmung in Paris

Meine Flucht nach Paris diente unter anderem dazu, mich dem Karneval zu entziehen. Wer Spaß dran hat, dem sei es gegönnt, aber mir war dieses Jahr so gar nicht danach.

Da ist es nur konsequent, dass ich mich vor Ort in eine riesige Menschenmenge gestellt und anderen Menschen in exotischen Kostümen bei einem Umzug durch die Stadt zugesehen habe… wp-monalisa icon

Die chinesische Gemeinde von Paris feierte ihr Neujahr in sehr beeindruckender Weise. Das hat wirklich Spaß gemacht. Mit der Anzahl meiner Fotos bin ich ganz knapp dreistellig geblieben…

Das Jahr des Drachen endete und das Jahr der Schlange begann. Fragt mich jetzt bitte nicht, ob das hier ein Drachen oder eine Schlange ist. Aber es sieht schon aus.
Das Jahr des Drachen endete und das Jahr der Schlange begann. Fragt mich jetzt bitte nicht, ob das hier ein Drachen oder eine Schlange ist. Aber es sieht schön aus.

An solchen Zuschauermassen kann der deutsche Karneval noch lange stricken… was wohl mit daran liegt, dass die Region Paris ganze 10 Millionen Einwohner hat und sich ja auch der eine oder andere Tourist dort aufzuhalten pflegt.

Natürlich waren neben den feiernden Chinesen und den Zuschauern auch eine Menge Polizisten im Einsatz. Teilweise aus anderen Gegenden von Frankreich (am Akzent erkennbar), so dass die armen Kerle sich nicht recht auskannten und schon mal von dem einen oder anderen kräftig angekackt wurden, weil sie nicht auf Anhieb detaillierteste Wegbeschreibungen zu jeder obskuren Ecke der Stadt liefern konnten. Dabei verwiesen sie doch auf die „motards“, also die Polizisten auf den lustigen kleinen Mopeds, von denen sie sicher sein konnten, dass diese sich in Paris auskennen würden.

Sag einer, die Polizei hätte keinen Plan...
Sag einer, die Polizei hätte keinen Plan…

Im Gegenzug blieben alle eingesetzten Polizisten freundlich und gelassen. Als an einer Ecke ein bisschen Chaos auszubrechen drohte, weil die Menge nicht so recht wusste, wohin, sprang sofort ein Pariser Polizist (ebenfalls am Akzent erkennbar) bei und regelte das ebenso zügig wie höflich.

Zum Ende des Umzugs fing es an zu schneeregnen. So ein fieser Niederschlag aus dicken nassen Flocken, der einen in Sekundenschnelle durchweicht und bis in die Knochen frieren lässt. Da kann man dann auch mal mitten in Paris mit einer wind- und wasserfesten Jacke in einem den französischen Vorstellungen von Chic diametral entgegenstehenden Schnitt (von der äußerst unfranzösischen Signalfarbe gar nicht zu reden) allgemein tiefen Neid erregen. wp-monalisa icon

Entweder gibt es in Frankreich keine speziellen Winteruniformjacken oder die Herren (es waren keine Damen da, zumindest nicht da, wo ich war) hatten die samt und sonders vergessen. Die hatten nicht mehr an als der Polizist auf dem Foto oben. Ganz schön verfroren sahen die Jungs aus… und klapperten buchstäblich mit den Zähnen.

Da dachte ich, ich lege mal auf das Lächeln, das ich eh meistens im Gesicht habe, noch eine Schaufel drauf. Wenigstens ein bisschen mentale Wärme abstrahlen.

Nun bin ich zwar nicht mehr in dem Alter, in dem französische Polizisten für mich den Verkehr auf einem vierspurigen Boulevard anhalten – aber gefreut haben sie sich doch. Das war ihnen anzusehen.

Keine Polizei. Steht ja auch dran. Aber man sieht ein bisschen das traumhafte Wetter. Diese beiden netten Gendarmen, die den Palais de Justice bewachen hatten übrigens nicht nur ein Dach, sondern auch eine Heizung (der rote Knopf, der hinter dem rechten Gendarm erkennbar ist). Sie versicherten glaubhaft, dass die auch nett warm halte....
Keine Polizei. Steht ja auch dran. Aber man sieht ein bisschen das traumhafte Wetter. Diese beiden netten Gendarmen, die den Palais de Justice bewachen, hatten übrigens nicht nur ein Dach, sondern auch eine Heizung (der rote Knopf, der hinter dem rechten Gendarm erkennbar ist). Sie versicherten glaubhaft, dass die auch nett warm halte….

 

Das mit dem Lächeln kann man übrigens auch in Deutschland probieren. Wahlweise auch in der Schweiz oder in Österreich. Ich spreche da aus Erfahrung.

Das ist nämlich kein Inventar, das in unzureichend wärmender Ausrüstung bei dem größten Schweinewetter in die Kälte gestellt wird, damit solche Veranstaltungen nicht aus dem Ruder laufen. Das sind auch keine staatlich geprüften Auskunfteien. Wenn sich einer mal nicht auskennt, weil er wegen eines Großereignisses von Gott weiß wo ausgeliehen wurde, ist das kein Grund, ihn anzuschnauzen. Das sind ganz normale Menschen, die sich auch freuen, wenn das zur Kenntnis genommen wird. Und sei das nur mit einem kleinen, warmen Lächeln zum richtigen, saukalten, Zeitpunkt.

Paris, 10.02.2013

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