Polizisten eine Stimme geben: „Wenn Deutschland wüsste, was für ein Dreck hier Uniform anhat.“

Freitagabend in einer deutschen Großstadt. Ich befand mich mit meinem Kollegen auf Fußstreife im Kneipenviertel.

Plötzlich sprach uns ein Türsteher an. Er hatte Probleme mit einem jugendlichen Gast. Die waren auch deutlich hörbar, der junge Herr war in unserer Gegenwart beleidigend und aggressiv zu dem Türsteher. Wir erteilten ihm einen Platzverweis. Er dachte nicht daran, diesen zu befolgen.

Nun verbrachten wir ihn zunächst zum Fahrzeug. Da er sich dort schnell beruhigte und sich bei uns entschuldigte, erklärten wir ihm erneut mehrfach, warum er einen Platzverweis erhalten hatte. Wir drohten ihm die Ingewahrsamnahme an, sollte er ihn nicht befolgen. Wir boten ihm sogar an, er könne einen Freund/Familienangehörigen anrufen, der ihn abholt. Auf die Art könnte er der Ingewahrsamnahme entgehen.

Er bat uns dann, ihn zum Bahnhof zu fahren, damit er von dort nach Hause fahren könne. Diesen Gefallen taten wir ihm.

Im Fahrzeug auf der Fahrt zum Bahnhof schlug die Stimmung wieder um. Ohne Anlass wurde er sehr aggressiv und beleidigte uns mehrfach. Insbesondere hatte er es auf meinen Kollegen abgesehen, dessen nicht-deutsche Abstammung man ihm ansehen kann. Ihn bezeichnete er fortwährend als „Ausländer“. Plötzlich ergab nun auch sein T-Shirt mit der Aufschrift „Meine Heimat, mein Stolz“ Sinn…

Am Bahnhof angekommen, wiesen wir ihn darauf hin, dass wir in Anbetracht seiner Alkoholisierung bereit wären auf eine Anzeige wegen Beleidigung zu verzichten, wenn er nun sofort zu seinem Zug ginge.

Daraufhin entfernte er sich ein paar Meter, drehte sich dann jedoch wieder um und sagte zu meinem Kollegen: „Wenn Deutschland wüsste, was für ein Dreck hier die Uniform an hat.“

Dieser begab sich nun zu ihm und wies ihn darauf hin, dass ihm die Anzeige wegen Beleidigung nun sicher sei. Plötzlich griff der Herr mit seiner Hand in Richtung der Waffe meines Kollegen und berührte diese auch. Mein Kollege wehrte das mit einer Backpfeife und einem Satz zurück ab.

Nun hatte sich das Nachhausefahren für den „Herren“ erledigt. Wir nahmen ihn zunächst mit zur Dienststelle und entließen ihn dann nach Fertigung der Anzeige und Abschluss aller Maßnahmen wieder.

Mein Kollege ließ sich nichts anmerken. Wenn wir später darüber sprachen, merkte man aber schon, dass ihn die Sache getroffen hatte. Er liebt Deutschland und er hat alles gegeben, um hier in den Polizeidienst zu kommen.

Kurze Zeit später wurde uns mitgeteilt, dass der Herr uns anzeigt hatte. Er behauptete, wir hätten ihm beide im Streifenwagen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Jedoch war er unverletzt. Umso seltsamer, wenn man bedenkt dass ich schon kein halbes Hemd bin, mein Kollege mich jedoch mit seinen 1,90m Körpergröße bei 110kg noch mal deutlich übertrifft. Wenn man dann noch bedenkt, dass der Kollege sein ganzes Leben lang schon Kampf- und Kraftsport betreibt, erscheint es doch recht seltsam, dass der Herr nach angeblichen Faustschlägen ins Gesicht durch uns noch absolut unverletzt ist…

Mich hat das ein bisschen enttäuscht. Wir hatten ihm nun wirklich jede Möglichkeit geben wollen, sich vor der Ingewahrsamnahme zu schützen.

Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn: Das Verfahren gegen uns wurde eingestellt, da der junge Herr in der Verhandlung gegen ihn zugab, dass seine Anzeige unberechtigt gewesen war und er an der ganzen Situation schuld war. Zwar wurde das Verfahren gegen ihn auch eingestellt, jedoch gegen die kreative Auflage, dass er meinem Kollegen zur Entschuldigung für die Beleidigung einen Präsentkorb(!) zukommen lassen muss. Über das Urteil hat mein Kollege sich gefreut. Auf den Korb wartet er noch, aber er wird ihn gerne annehmen.

8 Comments

  • Hans-Gerd Birkholz
    2. Dezember 2012 - 21:32 | Permalink

    Was wäre gewesen, wenn der Kollege kurz vor der Versetzung gestanden hätte?
    Ich hab schon Sachen erlebt, die wesentlich geringer waren und anschliessend mindestens ein halbes Jahr vergangen ist, ehe er versetzt wurde!
    Wer trägt denn dann die Kosten, da ja bei Dienstvergehen ( hier KV) zunächst auch ein Disziplinarverfahren ansteht?
    Halbes Jahr länger Miete zahlen, Fahrtkosten etc.

  • Hans-Gerd Birkholz
    2. Dezember 2012 - 21:43 | Permalink

    Ausserdem ist es eine Frechheit Kolleginnen und Kollegen so zu betiteln“
    Wir leben hier in einem Rechtstaat, der die Migration ausdrücklich wünscht!
    Mein Respekt für die Kolleginnen und Kollegen, die den Schritt wagen zur Polizei zu gehen!

    Denn egal aus welcher Sichtweite- sie sind immer die „Dummen“!
    Bei den Landsleuten werden sie angegriffen, bei „Einheimischen“ beleidigt – nicht oft, aber doch immer wieder vorkommend!
    Psychich ein schwerer Schlag und doch sind sie immer noch für „Alle“ da!

  • Anonymous
    6. Dezember 2012 - 13:39 | Permalink

    Sicherlich auch ein Fall – kein Einzelfall – von Übergriffen auf die Polizei. Ungerechtfertigt und unnötig. Aber ist die Polizei nicht mit daran schuld das das Bild des helfenden Beamten sich entscheidend gewandelt hat? Bekamen wir nicht oft genug den wirklichen Polizeibeamten oft genug in der Presse, im Tv und in der Realität vor Auge geführt. Ich selbst habe in der Vergangenheit noch keine tätliche Auseinandersetzung mit Beamten gehabt, vielleicht aus Respekt, vielleicht auch weil Gewalt nicht die Antwort sein kann. Und trotzdem wurde ich bei Kontrollen mit Worten und Gestiken regelrecht provoziert. Mal schauen wann und wie er reagiert??

    O ja. Natürlich ist der nette Beamte für alle da. Für manche mehr, für manche weniger. Tretend, schlagend, provozierend. Von der Fälschung von Beweisen bis hin zur Falschaussage als Kollegengefälligkeit wollen wir hier gar nicht reden. Bei Frauen gern eine Ausnahme machend, bei Männern mit voller Härte um ja die kommende Beförderung nicht zu verpassen.
    Warum meinen Polizisten stets über dem Bürger zu stehen. Bekommt man die Weisheit in der Polizeischule mit auf den Weg gegeben?
    Ihr seid nichts besseres als Wir und trotzdem legen viele von Euch eine Arroganz und Selbstgefälligkeit an den Tag, das man von vornherein schon in einer Abwehrhaltung ist.

    Polizisten jammern – worüber? Letztendlich wird das Wort des Bürgers – egal aus welcher Klasse er stammt – zu Gunsten dem des Beamten als Lüge gestraft.
    Ja, wir leben in einem Polizeistaat. Polizeistaat ist im engeren Sinn schon dann gegeben, wenn dem Bürger keine Stimme mehr gegeben ist. Und das lässt sich an einigen Fällen zweifelsohne beweisen und damit meine ich nicht nur die Rechte des Bürgers im Bezug auf die Polizei, sondern auch bei Staatsanwaltschaft und Gericht. Denn selbst hier wird diesem zumeist kein Glauben geschenkt – warum wohl???
    Und glauben wir doch nicht ernsthaft jedem fein getexteten Polizeibericht, der uns immer weismachen will, das es wieder einmal Gewalt gegen Polizisten gegeben hat, die wirkliche Geschichte dahinter ist doch oft eine ganz andere.

    Nein, ich bin kein Polizistenhasser, aber ich bin kritisch mit dem, was mich begegnet, daran können auch keine schlagzeilenverliebte Innenminister etwas ändern. Effektivere Waffen für die Polizei? Wieviele Waffen wollt ihr eigentlich noch gegen uns Bürger einsetzen? Ist Euch tot nicht tot genug? Oder geht es nur darum alles im Keim zu ersticken?
    Nein, eine solche Polizei braucht sicher niemand. Vor allem keine, die am Boden liegenden Bürgern ins Gesicht tritt oder die Zuschauer am Rande eines Fußballspieles aggressiv und provozierend angeht.

    Natürlich geht es ohne Polizei nicht, das will ich auf keinen Fall behaupten. Aber man sollte von beiden Seiten gegebene Spielregeln und Gesetze einhalten und nicht versuchen diese für sich zu manipulieren.

    PS. Ja ich nenne hier meinen Namen nicht um mich genau vor diesen Beamten zu schützen, von denen ich in meinem Leben Abstand haben möchte. Besser mehr als weniger.

    • 6. Dezember 2012 - 21:14 | Permalink

      Darauf gibt es aus meiner Sicht eine recht einfache Antwort. Im Bundesland Bayern wurde eine unabhängige Beschwerdestelle eingerichtet. In dieser sind bislang 650 Beschwerden eingegangen.

      Per 10.07.2012 hatte Bayern 33.000 Polizeibeamte. Wenn wir also vereinfachend davon ausgehen, dass jede Beschwerde berechtigt ist, und dass jede Beschwerde genau einen Polizeibeamten betrifft, dann entsprechen 650 Beschwerden ziemlich genau 2%. Was bedeutet, dass also selbst unter diesen vereinfachenden Annahmen immer noch 98% aller bayerischen Polizisten einen einwandfreien Job machen.

      Ich entnehme Ihrem wortreichen Beitrag, dass eine Menschengruppe also zu 100% an der Gewalt gegen sie selbst schuld ist, obwohl sich 98% aller Menschen in dieser Gruppe absolut einwandfrei aufführen?

      Ja, bitte halten Sie sich von diesen Menschen fern, das würde ich auch sagen! Mehr habe ich zu diesem Themenkomplex nicht zu sagen.

      Eines noch! Sie klagen mit den Worten “Ihr seid nichts besseres als Wir und trotzdem legen viele von Euch eine Arroganz und Selbstgefälligkeit an den Tag, das man von vornherein schon in einer Abwehrhaltung ist.” ein Verhalten an, das Sie selbst an den Tag legen. Was ich damit meine? Kleiner Tipp… einfach mal schauen, mit wem man es zu tun hat, bevor man Annahmen über den Beruf des Angesprochenen trifft…

      Zu mir waren Polizeibeamte nämlich noch nie arrogant. Hat vielleicht auch was mit meinem Auftreten zu tun… ;-)

  • Hans-Gerd Birkholz
    8. Dezember 2012 - 22:36 | Permalink

    Ich schreib jetzt mal einen Spruch:
    „Wie es in den Wald schallt,so schallt es wieder raus!“
    Es mag Ausnahmen geben, es gibt aber auch im Allgemeinen immer noch den Satz:
    Polizei und andere Rettungskräfte sind enormen psychischen Anforderungen ausgesetzt!

    Wird dem denn vom Normalbürger Rechenschaft getragen, wenn er das „Opfer“ ist?
    Gut, er weiß nicht, was vorher passiert ist, doch sollte man zumindest bedenken, unter welchem psychischen Belastungsfaktor der Polizeibeamte steht und diesen erst mal wieder abbauen muss!

    Meiner Meinung nach muss man die Bevölkerung über solche Sachen mal richtig aufklären um ein anderes Meinungsbild zu bekommen!

    Du fährst zum VU mit Verletzten, der nächste Einsatz ist eine Verkehrsbehinderung, der nächste eine hilflose Person, ein normaler Unfall Sachschaden, jetzt eine häusliche Gewalt, danach ein Raub usw.! Ich könnte die Vielfalt der Einsätze noch weiter fortsetzen, manchmal gibt es auch Tote!

    DIE BEVÖLKERUNG WEISS DOCH GAR NICHT, WAS POLIZISTEN/POLIZISTINNEN LEISTEN MÜSSEN!

    • 9. Dezember 2012 - 10:26 | Permalink

      Auch das ist Ziel des Vereins, darauf aufmerkam zu machen.

      Ich zitiere mich selbst:
      „Polizeibeamte bekommen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung eine ziemliche Überdosis an Gewalt, Leid und Tod mit, teilweise am eigenen Leibe.
      Seit 1945 sind weit über 1.500 Polizeibeamte im Dienst ums Leben gekommen. Im Dienst an uns. 392 davon wurden durch Straftäter getötet.
      Jährlich finden 70 versuchte Tötungen von Polizeibeamten statt, in 2011 waren es sogar über 90.
      Jährlich werden 800 Polizeibeamte schwer verletzt, d.h. sie sind für mindestens eine Woche dienstunfähig.
      Gerade WEIL sie sich diesen Job ausgesucht haben, um für uns die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen, sollten wir sie als Menschen sehen und endlich auch zur Kenntnis nehmen, dass sie eine Seele haben.“

      Ich glaube auch ernsthaft daran, dass man den größten Teil der Normalbevölkerung überzeugen kann. Es wird aber immer Menschen mit absolut vorgefassten Meinungen geben, die sich auch durch nichts in ihren festbetonierten Ansichten erschüttern lassen. Dazu gehören besonders jene, die hier anonym herumkacken, ohne sich vorher überhaupt mal informiert zu haben, ob das hier wirklich „die Polizei“ ist oder ob möglicherweise doch der eine oder andere Nichtpolizist ihre Meinung zu dieser Angelegenheit vielleicht nicht teilt…

      Es ist ja auch anstrengend, seine Meinungen zu ändern und es ist anstrengend, sich bei jedem seiner Gegenüber aufs Neue zu fragen: „Was hat der bis hierher hinter sich? Wieviel Gewalt hat er schon gesehen, bevor er mir die Kelle gezeigt hat.“
      Viel einfacher ist doch, erst mal sich selbst angegriffen zu fühlen, dass man überhaupt die Kelle gesehen hat (Wer lässt sich schon gern bei Fehlern erwischen und wie viel angenehmer ist doch die Vorstellung, dass der Polizist den Fehler gemacht hat?), gereizt zu reagieren und sich dann zu wundern, dass der Polizist diese Begegnung nicht für eine Art Offenbarung des Himmels hält und einem nicht auch noch im Hintern herumkriecht für die eigene Uneinsichtigkeit…

      Last but not least ist es auch viel einfacher, in Schubladen zu denken und alle Uniformierten in die gleiche Schublade zu legen und jedem, der andere Schubladen hat und diese versehentlich ab und an mal aufmacht, der Einseitigkeit zu bezichtigen.

      Aber wie gesagt, das sind nur ein paar wenige. Die meisten Menschen sind nicht damit einverstanden, wie mit unseren Polizeibeamten umgegangen wird. Sie wissen es nur nicht. Und deshalb müssen wir es ihnen sagen.

  • sumo
    15. Dezember 2012 - 05:34 | Permalink

    kenne ich kenne ich, solche Fälle! ich wurde auch schon Opfer einer völlig aus der Luft gegriffenen Beschuldigung. Es ging um eine festnahme nach vorangegangener Trunkenheit im Straßenverkehr mit mehrfacher starker Gefährdung anderer Fahrzeuge. Der Täter hat dann nach seiner Festnahme (mit viel Widerstand und all dem Zubehör etc pp.)eine Anzeige gegen alle Beteiligten gemacht. Ich gehörte dazu, habe aber während des gesamten Einsatzes das Polizeiauto nicht verlassen, ich habe die Funkerei und all das gemacht. Natürlich wurde gegen mich ermittelt, es verlief wie das Hornberger Schießen, aber dienstliche nachteile hatte ich trotzdem. (Wartezeit usw, jeder Polizist weiß, was ich meine)
    Der Täter stand unter Alkohol, nach meiner Erinnerung um die 2 promille. Beim Prozeß kam nur arrogantes Geschwafel, keinerlei Entschuldigung, nichts. Der hat sich noch gefreut, es den „blöden Bullen“ mal wieder gezeigt zu haben.
    Mittlerweile bin ich seit 28 Jahren bei dem Verein, voriges Jahr mit längerer Auszeit wegen erheblicher gesundheitlicher Probleme, Schichtdienst ist halt nicht gesundheitsfördernd. Ich habe mir ein dickes fell wachsen lassen, außerdem enthalten meine Blutdruckpillchen Teflon, da perlt jetzt viel ab….

    • 15. Dezember 2012 - 09:08 | Permalink

      Danke für Deinen Bericht und danke für Deinen Einsatz für uns alle.

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