Follow the cops…

Gestern war mal wieder zu lesen, dass in Berlin Anschläge auf Privatautos von Polizeibeamten stattfinden. Der Artikel stand in der Berliner Morgenpost. Dieses Mal waren auch Kinder betroffen – wenn auch nicht von einer Polizistin. Aber das kann man ja als hinterhältiger Radmutterlockerer nicht ahnen, dass auch Nichtpolizisten Polizeisportvereine frequentieren. Ja, nicht jeder beurteilt Menschen nach ihrer Hautfarbe oder ihrem Beruf… (Der vorletzte Satz war übrigens sarkastisch!)

Ich persönlich halte diese hinterfotzigen Attacken für verachtenswert, egal, wen es trifft, Polizisten oder Nichtpolizisten, die versehentlich für Polizisten gehalten werden. Auch der Sippenhaftgedanke dahinter ist aus meiner Warte sowas von widerlich, dass ich gar nicht so viel fressen kann wie ich kotzen könnte.

Bereits am 14. April befasste sich die B.Z. mit diesem Thema.

Vor wenigen Tagen beschädigte ein 40-Jähriger am Kölner Hauptbahnhof nicht nur Streifenwagen der Bundespolizei, sondern auch das Privatfahrzeug einer Bundespolizistin. Hier der Link zur entsprechenden Pressemitteilung der Bundespolizei.

Schon vor Monaten habe ich etwas in der Art aus Nordrhein-Westfalen in der Zeitung gelesen. Ich weiß gar nicht mehr genau wo.

Kürzlich fand ich diese Aufkleber hier über eine idyllische Kleinstadt verteilt:

Mir ist vor dem Hintergrund dieser Artikel und dieses Aufklebers vollkommen unklar, wieso bei den Befürwortern der Kennzeichnungspflicht einfach keine Einsicht über die Ängste so manches Polizeibeamten zu erzielen ist.

Damit sage ich nicht, dass sie ihre Meinung ändern sollen, ohne überzeugende Argumente. Wenn sie ihre Ansichten dazu gut begründen können, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Ich hatte ja früher dieselben Gedanken dazu, mir erschienen dann aber doch die Argumente der Kennzeichnungsgegner wesentlich plausibler.

Bis jetzt konnte mir noch kein Befürworter der Kennzeichnung so gute Argumente liefern, dass ich die Gruppe der Gegner wieder verlassen wollen würde. Im Gegenteil kommt unweigerlich in jeder Diskussion der Punkt, in dem ich als einseitig und uneinsichtig beschimpft werde. *Gähn!* Genau, ein untrügliches Zeichen für Uneinsichtigkeit ist, dass man schon einmal seine Meinung zu einem Thema geändert hat – aber dann eben unter dem Einfluss guter Argumente und nicht unter Beschimpfungen. 

Von daher – denkt alle über die Kennzeichnungspflicht, was Ihr wollt. Ist Euer gutes Recht. Das ist ein freies Land. Aber vielleicht versucht Ihr mal in Diskussionen zu dem Thema die Ängste und Befürchtungen von Polizeibeamten um ihre Familie und ihr Leben nicht immer als so völlig weit hergeholt vom Tisch zu wischen. Wie man sieht, wenn man denn sehen will, sind sie das nämlich nicht.

 

5 Comments

  • Frisco
    27. August 2012 - 11:39 | Permalink

    Du sprichst mir eigentlich wie immer aus der Seele… Gelockerte Radmuttern hatten wir vor einiger Zeit auch bei uns auf der Dienststelle; nur wird nicht immer alles an die Presse weitergegeben. Als ich im letzten Jahr aus meinem Privatauto stieg (ich hatte Uniform an), war ich wohl nicht umsichtig genug, denn:

    aufmerksame „Mitbürger“ hatten mich dabei wohl beobachtet und mir als Dankeschön für meinen Berufsausübung eine irreparable tiefe Beule in die Fahrertür getreten. Ein Knall, weglaufende Menschen, beschädigtes Auto – und keiner übernimmt die Kosten.

    Aber das ist ja in 14 Dienstjahren erst 1x passiert, will mich also gar nicht darüber beschweren (Sarkasmus jetzt aus).

    Ich erwarte ja gar kein Dankeschön von irgendwem, keine Anerkennung, keinen Respekt – diese Erwartungshaltung habe ich schon in der Ausbildung abgelegt. ABER LASST UNS DOCH BITTE UNSER PRIVATLEBEN!

  • Hans-Gerd Birkholz
    27. August 2012 - 18:24 | Permalink

    Auch bei mir waren letztes Jahr 4 von 5 Radmuttern lose!
    Ich hoffe nur, dass diese „Polizeihasser“ nicht noch mehr unbeteiligte „Nichtpolizisten“ schädigen, denn man sieht ja oft genug noch den GdP- Aufkleber auf älteren Autos!

    Aber trotzdem: Ptivat und Dienst sollten auf jeden Fall auseinander gehalten werden!

  • Manus
    27. August 2012 - 20:11 | Permalink

    Wieso Privatleben? Polizisten sind doch keine Menschen sondern ein Feindbild, also haben die kein Privatleben. – Sarkasmus off –

    Ich finde diese Vorgehensweise einfach nur zum Ko.. – egal ob jetzt PB oder welcher Berufsstand auch immer betroffen ist. Hoffentlich werden mal solche Radbolzenlockerer erwischt und ordentlich abgeurteilt.
    Also kann man nur sagen: vor jedem Losfahren ersteinmal das Radkreuz auspacken und Schrauben nachziehen – leider.

  • sumo
    28. August 2012 - 19:21 | Permalink

    Vielen Dank für diesen Artikel, und vor allem für die Beschäftigung mit diesem Thema. Die MoPo schrieb davon, daß es schon über vierzig Fälle gibt, und das alleine ist schon eine Schande. Was mich aber viel mehr aufregt, ist die Gleichgültigkeit der Medien. Es interessiert kaum jemanden, man hört nur immer wieder, daß man als Beamter ja einen sicheren Arbeitsplatz habe. Was aber nützt ein vermeintlich sicherer Arbeitsplatz, wenn der Weg dahin und zurück zum Vabanquespiel wird, weil Feiglinge die Radmuttern lösen.
    Daß natürlich TAZ und ND sowas nicht thematisieren, ist mir schon klar, die Leser dieser Blättchen sind ja traditionell Polizeifeinde. Aber daß bei derartigen Straftaten kein Aufschrei durch die Medien geht, ist bedenklich.

  • Basti M.
    1. Dezember 2012 - 17:55 | Permalink

    Viel interessanter finde ich die Tatsache,

    das es von seitens der LKA keine „bemerkenswerte Häufung“ zu erkennen sei und das dies wohl auf Wartungsmängel zurückzuführen sei (Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt).

    Leider darf ich hier das orginal nicht posten, läuft unter VS-Nur für Dienstgebrauch.

    Nun, bei ein oder zwei Fällen in der Saison kann ich das durchaus nachvollziehen, aber nicht bei der Häufung von Fällen.

    An meiner Dienststelle ist es so, das es eine Anweisung gibt, das Privat-PKW auf dem umschlossenen und gesicherten Dienstgelände zu parken sind, egal wie, nur Zufahrten für PKW und DienstKfz müssen frei bleiben.

    Aber so etwas ist für viele einfach nicht zu begreifen, das es tatsächlich solch eine Gefahr gibt.
    Vor allem, das sich die Polizei, beispielsweise NRW, immer mehr mit jedem Beamten in den Bereich der Organisierten Kriminalität begibt, bspw. die eine Zeitlang fast wöchentlichen Razzien bei den verschiedenen Rockerclubs.

    Und die Medien, die wollen nichts davon wissen.
    Vor einigen Wochen durfte/ musste ich einem Vortrag eines (Chef-) Redakteuers meiner „geliebten“ Bildzeitung lauschen.
    Er hat allen ernstes behauptet, es gibt keinen Fall von Gewalt gegen Polizisten, die Privat unterwegs waren, an deren Kfz, oder gegenüber deren Familien. Soviel dazu.

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