Stimme des Bürgers: Warum ich Polizisten mag

Heute endlich mal wieder ein Beitrag eines Bürgers, der seine Geschichte mit Polizisten erzählen möchte. An dieser Stelle ein Danke an den Erzähler.

Warum ich Polizisten mag

Es begann damit, dass ich 2004 in Privatinsolvenz gehen musste. Drei Jahre später folgte eine schwere Krankheit, da war ich insgesamt 63 Wochen krank.

Dann passierte im Jahr 2008 das meiner Meinung nach Schlimmste: „Der soziale Bankrott „. Im Klartext: Wohnung weg, Auto weg, Frau weg. Obwohl ich eine Stelle als Busfahrer an einem Flughafen hatte, lief ich Gefahr schlicht und einfach auf der Straße zu landen.

Ich hatte furchtbare Zukunftsangst, denn ich wusste wirklich nicht, wie es weitergehen sollte.

Glücklicherweise vertraute ich mich einem Menschen in meiner Firma an, die dann wiederum mit meinem Personalchef redete. In einer Art Nacht- und Nebelaktion steckten mich die beiden in ein Personalwohnheim in der Nähe des Flughafens, in dem ich mittlerweile auch schon seit 3 Jahren Hausmeister bin.

Die erste Begegnung

Ich kam gerade von der Frühschicht, als mir an der Eingangstür mir drei Polizisten begeneten. Ein kurzes Hallo und das war’s auch schon. Einer der Drei schaute mich für mein Gefühl ein bisschen grimmig und herablassend an. Und ich dachte: „Mein Gott, wo bist du denn jetzt gelandet?“

Einen Tag später klopfte es am meiner Tür. Als ich öffnete, stand da der Polizist, der mich am Vorabend so komisch angesehen hatte. Er trug Uniform, denn die Bundespolizei hatte gerade Schichtwechsel gehabt und er Feierabend. „Ich heiße übrigens Harry“, stellte er sich kurz vor. (Natürlich habe ich den Namen geändert.) Er fragte, ob er mit seinen beiden anderen Kollegen kurz vorbeikommen könne, ich sagte einfach nur: „Klar doch…“

Als die drei dann in meinem Zimmer waren, stellte ich mich vor und erwählte, wo ich arbeite.

Sie sahen mich verwundert an und fragten: “ Und dann hier?“ Ich sagte: „Ja, das ist nicht so einfach zu erklären“. Ich legte ihnen einen Ordner, der mit „Insolvenz“ beschriftet war, auf den Tisch, und sagte: „Lest das und dann kann jeder von euch selber entscheiden ob er was mit mir zu tun haben will oder nicht.“

Die Drei lasen eine Weile in dem Ordner, dann standen sie auf und sagten nur: „Tschüss und noch eine guten Tag.“

Ich dachte: „Toll , das war’s wohl…“

Ein paar Tage später, ich war im Dienst, klopfte es an meine Fahrerscheibe. Da stand Harry und fragte: „He, wann hast du Feierabend?“ – „Um 22 Uhr.“
Harry erwiderte: „Kann ich noch mal vorbeikommen? Ich muss mit dir reden.“ – „Klar! Komm einfach.“

Dann kam er auch. Ich stand ihm offen Rede und Antwort und beschönigte nichts, auch mein eigenes Verschulden nicht. Harry hörte sehr aufmerksam zu, äußerte sich aber nicht dazu. Schließlich sage er: „Ok, danke.“ und ging wieder für ein paar Tage weg.

Als er gegangen war, dachte ich: „Typisch Polizei, erst alles wissen wollen und dann einfach nur weg sein. Nach dem Motto, was geht mich das an.“
Das war ein aber ein grundlegender Irrtum. Denn was was dann kam, hätte ich mir in meiner Fantasie überhaupt nicht vorstellen können und schon gar nicht von Polizisten.

Harry musste gemerkt haben, dass ich kein Jammermensch bin, sondern meine Situation so akzeptierte, wie sie eben war. Ich bin von Natur aus ein Kämpfer und gebe nicht auf, auch wenn ich ab und zu mal stehen bleibe, gehe ich dann weiter.

Seit zweieinhalb Jahren stehen die Jungs von der Polizei mir mit Rat und Tat zur Seite. Das sind keine Dummschwätzer oder Schönredner, sondern Realisten. Wenn es mal wieder ganz eng wurde, weil so ein Insolvenzverfahren alles andere ist als ein Zuckerschlecken, dann kauften sie mir sogar hin und wieder etwas zu Essen. Ich habe nie um Hilfe gebeten, sie taten es einfach. Wobei ich mich im Stillen immer wieder frage: „Warum tun die das ?“

Ehrlich, ich weiß es bis heute nicht…

Ich weiß nur, dass die Jungs mich regelrecht durch die Restlaufzeit des Verfahrens gepeitscht haben. Immer wenn ich am Boden lag stand Harry da und sagte: „Hey komm, steh auf! Du schaffst das schon.“ Was aber niemand von uns auf Anhieb merkte – es entstand eine wunderbare und innige Freundschaft.

Wenn wir heute zeitgleich im Dienst sind, sie als Polizisten und ich als Busfahrer, dann halten wir gegenseitig immer Ausschau, ob man sich nicht rein zufällig sieht. Wir sehen uns immer, und dann wird ohne Worte ein Treffen im Wohnheim abgemacht.

Das war jetzt die Geschichte, wie ich allmählich Polizisten auch als Menschen kennelernte.

Ich werde nie vergessen wie mir die Jungs von der Polizei geholfen haben.

Im Oktober 2011 habe ich übrigens mein Insolvenzverfahren erfolgreich beendet. Das war vielleicht eine tolle Party mit den Jungs.

2 Comments

  • 22. August 2012 - 17:38 | Permalink

    Eine sehr schöne und ergreifende Geschichte. Natürlich meine ich damit die Freundschaft und nicht die Situation, die zu ihr geführt hat.
    Alles Gute weiterhin.

  • friederike
    23. August 2012 - 16:13 | Permalink

    Danke für diesen Bericht. Er sollte all jenen das Maul stopfen, die in Polizisten nur Bullen oder Untermenschen sehen. Die haben nicht viel geredet, vielleicht zu wortkarg, weil sie keine Versprechungen machen wollten, aber sie haben gehandelt – und darauf kommt es an.
    Wenn ich einen Hut tragen würde, würde ich ihn vor allen Beteiligten ziehen.

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