Ich muss zur Polizei

Donnerstag, 21.06.2012

Als ich abends nach Hause komme, sehe ich meinen Anrufbeantworter blinken.  Ich höre ihn ab. Anrufer ist Herr X, ein Polizeibeamter der örtlichen Polizeistation. Er bittet mich, in einer bestimmten Angelegenheit bei der Polizei vorbeizukommen. Weiters bittet er mich, ihn zwecks Terminabsprache anzurufen. Und jetzt kommt’s: Freitagmorgen sei er ab acht Uhr morgens zu erreichen. 

Das ist natürlich abartig früh! Zumindest wenn man an diesem Freitag zufällig nicht arbeiten gehen wird. Vielleicht haben doch jene Recht, die ständig das Wort von der Polizeigewalt im Munde führen? Langsam werde ich unsicher, ob ich mit Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. wirklich auf dem richtigen Pfad wandele. 

Freitag, 22.06.2012

Nachdem ich mich um viertel vor acht mühevoll aus dem Bett gequält habe, rufe ich dann um acht bei der Polizei an. Ich brauche drei Versuche, um Herrn X an die Strippe zu bekommen. Würde dieses ständige Gerede von Polizeigewalt nicht in meinem Hinterkopf herumschwirren, würde ich vermutlich einfach denken, der Mann hätte viel zu tun.  Wir finden keinen gemeinsamen Termin und verschieben das Ganze zunächst.

Kaum habe ich aufgelegt, klingelt sofort wieder das Telefon. Herr X hat seinen Terminplan noch einmal genauer durchforstet und wir einigen uns nun auf Montagmorgen um neun. Wenn das mal nicht nett von ihm ist.  Sicherlich nur so ein perfider Trick, um mich in Sicherheit zu wiegen. 

Samstag, 23.06.2012

Auf einer der Vereinsseiten skizzieren Menschen Horrorszenarien des Polizei- und Militärstaats, in dem wir angeblich alle leben. Sie verweisen auf ihre Erfahrungen. Ich frage mich, ob sie vielleicht doch Recht haben und meine genau gegenteiligen Erlebnisse alle nur geträumt waren?  Immerhin ist da jemand sehr sicher, dass ich meine Einstellungen ausschließlich aus den Medien beziehe. Wer bin ich denn schon, dass ich mich erfreche, über mein eigenes Leben besser Bescheid wissen zu wollen als andere? 

Ok, irgendwie drängt sich immer wieder die Frage auf, ob es nicht eigentlich Zeichen eines Polizeistaats ist, dass Kritiker da ruckzuck verschwinden und deshalb exakt solche Sprüche eigentlich nicht öffentlich zu finden sein dürften. Aber vielleicht ist das nur ein polizeistaatlicher Trick, den ich noch nicht kenne. Oder ich leide an Amnesie.

Langsam kriege ich Angst. Smilie by GreenSmilies.com  Was, wenn die doch Recht haben? Wird mein Leben noch einen Pfifferling wert sein, wenn sich die Pforten der Polizeistation hinter mir geschlossen haben werden? Smilie by GreenSmilies.com Vielleicht sollte ich doch besser untertauchen?

Sonntag, 24.06.2012

Weitere „Informationen“ über den Polizeistaat kommen jetzt auch über einen anderen Kanal. Man erklärt mir, dass ich nicht die leiseste Ahnung hätte, wie eine Polizeistation aussieht und dass sich die Polizei des Besatzungskonstruktes Bundesrepublik in ihren Verliesen Folterkeller leistet, in denen sie unschuldige Regimekritiker auf das Übelste foltert.

Smilie by GreenSmilies.com

Ich weiß nicht genau, wovon mir gerade schlechter werden soll – von der Einigkeit, die bei bestimmten Leuten herrscht, wenn es um die Polizei geht oder von der Angst, die in mir hochkriecht. Was weiß ich denn schon wirklich über deutsche Polizeistationen? Gut, ich kenne einige von innen. Aber habe ich da wirklich alles gesehen? Immerhin habe ich darauf verzichtet, die Wände abzuklopfen um den geheimen Zugang zu den noch geheimeren Folterkellern zu finden… War das am Ende ein fatales Vertrauen?

Irgendwie macht mich die Vehemenz, mit der das alles vorgetragen wird, doch nachdenklich. Ob ich morgen mein blau-weißes Wunder erleben werde?

Montag, 25.06.2012, 8 Uhr

Ich muss los. Mir schlottern die Knie. Mir ist schlecht. Kalter Schweiß steht auf meiner Stirn. Smilie by GreenSmilies.com

Werde ich diesen Blogbeitrag jemals fertig stellen können?

Montag, 25.06.2012, 16 Uhr

Mann, was für ein Tag.

Was soll ich sagen?

Ich habe die Gewahrsamszelle gesehen. Ich habe eine neunschwänzige Katze, eine Eiserne Jungfrau und eine Garotte gesehen. Als man mir damit drohte, mich in einer Einzelzelle die gesamte Rosamunde-Pilcher-Kollektion ansehen zu lassen, knickte ich ein. Ja, das ist wahrhaft Folter!

Nee, Blödsinn.

Herr X (wir erinnern uns: Polizist!) war ausgesprochen nett zu mir. Ich habe spaßeshalber ein paar Mal Widerworte gegeben. So zum Testen! Und siehe, ich habe keine Anzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte am Hals. Vermutlich, weil es dazu wohl doch etwas mehr braucht als nur eine eigene Meinung…

Ich schreibe nur deshalb erst zu dieser späten Stunde, weil ich ein Leben neben KGgP habe. Heute bspw. musste ich zum Arzt. Der konnte übrigens auch keine Verletzungen an mir feststellen. Nicht mal ein blaues Auge. Smilie by GreenSmilies.com Ich habe ihn extra gefragt. Man soll ja niemals ausschließen, dass man nicht möglicherweise doch an einer Wahrnehmungsstörung leidet und gar nichts von der Polizeigewalt merkt, mit der man überzogen wird. Fehlanzeige!

Wenn überhaupt Menschen in dieser Polizeistation systematisch leiden, dann die Polizisten… an der nicht wirklich topmodernen Ausstattung…

5 Comments

  • friederike
    26. Juni 2012 - 09:55 | Permalink

    Wie kannst Du nur die Gegner des Polizei so auf den Arm nehmen? Schließlich setzen sie all ihren Intellekt ein zur Verteidigung der Anarchie. Das muss man doch mal anerkennen! Ts,ts,ts!

  • Moritz Wolle
    26. Juni 2012 - 14:00 | Permalink

    :D Ich liebe Ironie^^

  • Hirsch
    5. August 2012 - 13:05 | Permalink

    Liebe mgernhardt,

    durch Zufall bin ich auf diese Webseite gestoßen und habe den ersten Artikel gelesen und muss Ihnen sagen: Ich finde es unglaublich ekelerregend, wie „Polizistengegner“ wie sie es ausdrücken würden hier a. über einen Kamm gescheert werden und b. sich darüber lustig gemacht wird.

    Ich kenne Sie nicht, ich unterstelle Ihnen nicht sie hätten noch nie einen Polizeieinsatz auf einer Demonstration oder am Rande eines Fussballspieles miterlebt. Ich habe dies bereits durchleben müssen und fand mich tatsächlich nach einem solchen Einsatz im Krankenhaus wieder, weil ich offensichtlich nicht schnell genug zur Seite sprang.

    Ich unterstütze den Slogan „keine Gewalt gegen Polizeibeamte“ auf jeden Fall. Denke aber, dass mit solch Artikeln niemandem geholfen ist – Ihnen leider auch nicht, denn damit verlieren Sie mögliche Unterstützer, die Ihrer Kampagne sicher gut tun würden.

    Weiterhin viel Erfolg.

    • 5. August 2012 - 13:10 | Permalink

      Lieber Hirsch,

      es tut mir wirklich leid, dass Sie keinen Sinn für Satire haben.
      Aber wissen Sie, ich liebe nun mal Ironie und Sarkasmus und wenn es Menschen gibt, die damit nichts anfangen können, dann ist das aus meiner Sicht persönliches Pech, aber kein Grund für mich, mich zu verbiegen.

      Ihnen auch alles Gute.

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