Fremdbloggen: Die Geister, die mich riefen…

Die Gestalt sitzt gebeugt in einem Wagen,
Konnt‘ die Welt wohl nicht ertragen.
Ein Schlauch vom Auspuff ins Wageninnere
Ist es, woran ich mich erinnere.

Ein Trümmerfeld auf weiter Straße,
Scherben von zerstörtem Glase.
Dazwischen ein Körper ebenso zerstört,
Der jetzt zu meinen Träumen gehört.

Ein Mann sitzt in seiner Wohnung,
Die Spritze war die letzte Belohnung.
So saß er wohl zwei Wochen da,
Der Geruch währt noch nach so viel Jahr.

Ein Mann liegt da auf seinem Bett,
Die Wohnung riecht nach altem Fett.
Er hat sich zur letzten Ruh‘ gebettet,
Der Arzt hat ihn nicht mehr gerettet.

Umrisse unter der Rettungsdecke,
Ein Zug steht da auf freier Strecke.
Gnädig deckt die Decke ab,
Was übrig blieb für’s kalte Grab.

Das sind einige meiner Dämonen,
Die für immer in mir wohnen.
Ich habe sie nicht selbst beschworen,
Wurd‘ von den Geistern auserkoren.

© Thorsten Trautmann

Bad Pyrmont, 02.01.2012

Mehr von Poetry-Cops Gedichten findet Ihr hier.

7 Comments

  • bea
    20. Januar 2012 - 14:21 | Permalink

    Das ist erstklassig gedichtet, hier ist ein wahres Dichtergenie am Werk
    Das sollte man lobend erwähnen, so ein tolles Gedicht habe ich schon lange nicht
    mehr gelesen,
    aber Herr Trautmann dichtet immer so schön, vor allen Dingen weil immer
    ein Stück Wahrheit drin steckt und er sehr offen u. ehrlich dichtet.
    Meine Anerkennung für ihre Dichterkünste

    • 21. Januar 2012 - 20:08 | Permalink

      Danke für die Blumen. Ich bemühe mich immer authentisch zu bleiben. ;-)

  • sumo
    20. Januar 2012 - 15:17 | Permalink

    Treffend!!!!

    Dieses sind Erinnerungen, die einem Polizisten so oder ähnlich ein Leben lang irgendwo im Kopf bleiben, oft lange verdrängt, aber zu unpassender Zeit wieder auftauchen.

    Es ist ein schönes Gedicht!

    • 21. Januar 2012 - 20:09 | Permalink

      Zu diesem Gedicht bin ich von einem Kollegen der Berufsfeuerwehr inspiriert worden. Denen geht es da leider oft noch schlimmer als uns.

  • Michae
    20. Januar 2012 - 23:06 | Permalink

    … die erste Leiche vergißt man nicht …. oder so ähnlich,

    der Titel des ersten Buches der Polizeipoeten.

    Trifft es.

  • Hans-Gerd Birkholz
    21. Januar 2012 - 21:44 | Permalink

    Nachdem man dieses Gedicht gelesen hat, kommen einem die ganzen Eindrücke des bisherigen Polizeilebens wieder hoch!
    Besser kann man die Situation der PB oder anderer Rettungskräfte nicht wiedergeben!
    Mir kamen fast gerade die Tränen, als ich an all die Einsätze denken musste, die ich „gefahren“ bin! Traurig aber wahr, man vergisst nichts! Alles kommt wieder zum Vorschein, wenn man daran erinnert wird!
    Aussenstehende sollten dies auch mal lesen und dann vielleicht mal daran denken, was PB und andere Rettungskräfte, zwar nicht täglich, aber oft genug, durchmachen müssen!
    Vielen ist doch gar nicht bewusst, was wir psychisch ertragen müssen – ist halt unser Job!

  • friederike
    21. Januar 2012 - 23:05 | Permalink

    Für diese Einsätze und das, was Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter dabei erleben, bewundere ich sie sehr und spreche hiermit auch mal einen Dank aus. Das sollte in der Bevölkerung viel öfter getan werden, und wenn nicht von der Bevölkerung dann wenigstens bei passender Gelegenheit von Vorgesetzten, z.B. Innenministern, und dann mal richtig mediengerecht!

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