Geduld und Demut – Freuden des Ehrenamts

Ja, der Betriebsurlaub war wirklich klasse. Danke der Nachfrage. Ich brauchte echt mal eine Pause und Zeit, Bücher zu lesen, in denen die Polizei maximal als Ermittler in guten Krimis vorkommt. Herrlich! Und zum Schreiben kam ich auch. U.a. einige Blogbeiträge, die diesem hier nach und nach folgen werden. Sogar ein Kurzgeschichte mit Polizeibezug, die dann demnächst auf meiner Autorinnenhomepage zu lesen sein wird.

Zudem habe ich sehr erhellende Gespräche mit anderen Menschen geführt, die sich ebenfalls ehrenamtliche Tätigkeiten antun. Das konnte in Gemeinden sein oder aber auch in Vereinen oder in Parteien. Egal.

Erstaunliches trat dabei zu Tage, und das möchte ich doch gern mit meinen Lesern teilen.

Man bekommt nämlich immer und immer wieder – egal in welchem Zusammenhang man sich ehrenamtlich engagiert – mit denselben Typen zu tun.

Und die sind echt hilfreich. Vor allen Dingen, wenn man an einer intensiven Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit interessiert ist. Vorwiegend in Sachen Geduld und Demut.

Da können einem besagte Leute spitzenmäßig weiterhelfen.

Damit sind weniger jene Menschen gemeint, mit denen man sich auf diversen Behörden auseinandersetzen muss. Die sind sogar, wenigstens im Fall von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. sowohl beim Finanzamt als auch beim Amtsgericht sehr hilfreich gewesen. An dieser Stelle meinen ganz herzlichen Dank dafür!

Auch sind die strammen Gegner einer Sache nicht gemeint. Zu Beginn fordern die durchaus Geduld und Demut. Wenn das alles noch ganz neu ist und man etwas überrascht ist, dass da welche mit der freien Meinungsäußerung derartige Probleme haben, dass sie keine drei Sätze am Stück beleidigungsfrei über die Tastatur bekommen.

3 – 2 – 1 – Bingo! Unter die Gürtellinie!

Es gibt eben keine guten Argumente dafür, eine Menschengruppe komplett mit Vorurteilen zu überziehen. Das merkt man daran, wie schnell sie ausgehen.

Mittlerweile habe ich einen irrsinnigen Spaß an den tollen Wetten, die ich da abschließen kann. Würde ich um Geld spielen, wäre ich an den Polizistenfeinden des deutschsprachigen Raums schon reich geworden. Einfach auf das nächste Argument wetten. Diese rhetorischen Versatzstücke wiederholen sich immer wieder und zwar ganz egal, ob da jemand aus einer ideologisch verbrämten Warte argumentiert oder einfach nicht damit klarkommt, dass ihm Grenzen gesetzt werden.

Nein, Geduld und Demut werden besonders von jenen ausgebildet, die vordergründig eine Sache erst einmal unterstützen:

Typ 1: Der Kritiker

Ja, ich persönlich habe echt mal gedacht, die Basis „Gewalt gegen Polizisten ist verwerflich“ sei breit genug, dass man darüber so manche Meinungsverschiedenheit im Klickerskrambereich vergessen könne.

Weit gefehlt!!!

Wirklich kritische Leute können das nicht. Sie versagen gerne mal die Unterstützung, weil wir zu unkritisch sind. Natürlich ist es absolut die Schuld von „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, dass Polizeibeamte so dermaßen viel Prügel beziehen, dass für ihre Fehler bei uns kaum noch Raum ist. Schon klar!

Kritisch ist natürlich auch, dass man seine Bedenken nicht einfach mal in einer gepflegten Konversation zur Sprache bringt, sondern sie aufbaut, so wie weiland der Protagonist in Watzlawiks Geschichte mit dem Hammer, bis man derart stinkwütend auf den zu Kritisierenden ist, dass man platzt. Man verballert ihm verbal ordentlich eine und schmeißt ihm Knall auf Fall die Brocken vor die Füße.

Ja, das ist natürlich grundsätzlich die Schuld von Vereinsvorsitzenden, dass sie keine Gedanken lesen können. Wenn ich Zeit habe, werde ich eine Runde weinen, dass ich das immer noch nicht drauf habe. Und dann einen Kristallkugellesekurs belegen. Falls jemand Tipps für solche Kurse hat – immer her damit!

Typ 2: Der bedingungslose Fan

Ja, wenn man sich für eine Sache engagiert, sollte man nicht die leiseste Kritik an ihr zulassen.

Die Polizei muss einfach durchweg gut sein, bis in die letzte Haarspitze auch des letzten Polizeibeamten, soviel ist schon mal klar. Logische Denkprozesse sind dabei ganz und gar zu vermeiden. Vor allen Dingen Gedankenfolgen wie: Kein Mensch ist perfekt und die Polizei ist eine aus Menschen gemachte Institution. Folglich kann sie gar nicht perfekt sein! Und die Menschen, die in ihr arbeiten, auch nicht.

(Zum Glück! Ich kann Perfektion nicht ausstehen!Smilis)

Interessanterweise sehen gerade Polizeibeamten das selten wie die bedingungslosen Fans. Zumindest die in meinem Umfeld. Ich persönlich finde es immer höchst befremdlich, wenn mir Corpsgeist von Leuten entgegenschlägt, die nicht einmal zum Corps gehören. Dieses Gedicht von 2009 passt jedenfalls immer wieder aufs Neue…

Typ 3: Der Besserwisser

Wenn man sich für eine gute Sache engagiert, gehört als erstes dazu, dass man jenen, die sie seit vielen Monaten am Laufen halten, hinreibt, wie falsch sie grundsätzlich alles machen. Diese Information gibt man diesen Leuten möglichst schon, bevor man auch nur einen Cent gespendet hat. Das gibt einem die Möglichkeit, abzuspringen, bevor man finanzielle Verluste gemacht hat, für den Fall, dass verstockte Persönlichkeiten nicht korrekt (also wie gewünscht) auf diese Ansagen reagieren und sofort ihre Prozesse an die Bedürfnisse des Neulings anpassen.

Dabei sollte man sich auch auf keinen Fall davon irritieren lassen, dass man möglicherweise nicht alle Informationen hat. Gerät man an eine Vereinsvorsitzende, die ihre Geduld und Demut schon ausgiebig trainiert hat und einem deswegen (möglichst mehrfach) freundlich erklärt, warum sie was wie organisiert, sollte man diese Erläuterungen grundsätzlich irgendwann mit den Worten vom Tisch wischen: „Ich denke, Du willst Dir einfach nicht helfen lassen.“ Auf die Art hat man auch gleich seine Fähigkeiten als Analytiker unter Beweis gestellt. Auf eine ungefragte Analyse reagiert jeder Mensch grundsätzlich positiv.

Perfekt ist man allerdings erst dann, wenn man dem renitenten Mitglied des geschäftsführenden Vorstands auch noch Beratungsresistenz bescheinigt. So weit kommt es noch, die jahrelangen Erfahrungen anderer neben den eigenen Aus-dem-Bauch-Analysen gelten zu lassen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, auf gar keinen Fall das zu tun, was die Person, die den Löwenanteil der Arbeit erledigt, für sinnvoll hält. Scheißegal, wenn es sich zufällig um eine Person handeln sollte, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben steht und bis hierher regelmäßig überdurchschnittliches Organisationsvermögen bescheinigt bekommen hat. Oder ein sehr analytisches Denkvermögen, das ihr erlaubt, zur Lösung eines komplexen Sachverhaltes exakt an dem Punkt anzusetzen, der den kürzesten Weg verspricht. Natürlich weiß man es nämlich nicht nur besser als diese Person, man weiß es mit Sicherheit auch besser als jeder Vorgesetzte.

Typ 4: Die „echten“ Helfer

Man sollte, wenn man am Fortbestand eines Vereins interessiert ist, in jedem Fall Hilfe anbieten. Auch wenn man gar nicht helfen will. Es gibt fast nichts Schöneres für wirklich engagierte Menschen als ihnen Unterstützung zuzusagen – und sie dann aufzusetzen.

Bloß niemals die eigenen Zeitressourcen genau betrachten und bloß keine klaren und realistischen Ansagen machen.

Wenn man dann im Anschluss die Vereinsvorsitzende (oder welche Person auch immer den Löwenanteil der Arbeit erledigt) in Ruhe lässt, ist das alles zwar ganz schön, aber eben noch nicht perfekt!

Perfekt ist der echte Helfer erst, wenn er allein aus der Hilfszusage, an deren Erfüllung er nicht einmal im Traum denkt, die Berechtigung ableitet, die Person, (die anstatt falsche Versprechungen abzugeben einfach arbeitet, um den Laden am Laufen zu halten), bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu schurigeln. Auf KGgP übertragen bedeutet das, dass man den Job der Polizistenfeinde übernimmt, die schon vergeblich versucht haben, KGgP kleinzukriegen, und dass man die Political-Correctness-Polizei gibt. Sobald wer auch immer etwas absondert, was man ihm als feindlich gegen wen auch immer auslegen kann, bekommt der erstmal verbal eine drüber. Natürlich nicht frontal direkt wie die Polizistenfeinde, sondern als besorgte Frage verkleidet. „Bist Du sicher, dass Du niemanden damit verletzt?“

Nein, bin ich nicht immer. Erstens bin ich nämlich auch nur ein Mensch. Und zweitens ist der Verein nicht dazu da, es jedem auf dieser Welt Recht zu machen, sondern um seine satzungsmäßigen Zwecke zu erfüllen, die da lauten (nur noch mal zur Erinnerung!):

1) Der Verein dient dem Zweck, Gewalt gegen Polizeibeamte zu verurteilen, Aufklärung über das Ausmaß der Gewalt gegen Polizeibeamte zu betreiben und Polizeibeamten seelische Unterstützung anzubieten.

(2) Vereinszweck ist sowohl die Bewusstmachung der Problematik der Gewalt gegen Polizeibeamte in der Gesellschaft als auch das Deutlichmachen und Geben von Rückhalt an die Adresse der Polizeibeamten.

(3) Vereinszweck ist ebenfalls die seelische Unterstützung von Polizeibeamten, die Opfer einer Straftat, eines gewalttätigen Übergriffs, eines echten oder scheinbaren Angriffs oder einer dienstlichen oder außerdienstlichen Verletzung geworden sind, ggf. in Kooperation mit Copcare.

Die Bespaßung der Typen 1 bis 4 kommt darin nicht vor und ist auch sonst nicht Bestandteil meiner Interessengebiete.

Irgendwie finde ich derartige Verhaltensweisen immer wieder witzig. Ich bin hobbymäßige Autorin und immer wieder dankbar, wenn ich Stoff für meine Geschichten und Satiren finde.

Aber ein Stück weit erstaunt es mich doch immer wieder, was sich Menschen gegenüber ihren Mitmenschen alles so herausnehmen. Irgendwie bin ich auch froh darüber, dass ich noch nicht abgebrüht genug bin, um mich nicht ab und an noch zu wundern.

Diese Leute, besonders der Typ Besserwisser, sind damit ja nicht nur unverschämt mir gegenüber, sondern im Grunde auch dem  Rest des Vereinsvorstands, der mit mir zusammenarbeitet anstatt mir permanent neue Arbeitsweisen zu empfehlen. Damit unterstellen sie den anderen Vorstandsmitgliedern implizit, dass diese mindestens abgrundtief doof sind, da sie schließlich einer offensichtlich komplett hohlen Nuss vollstes Vertrauen schenken…

So, jetzt mal Tacheles:
Ich mache das hier seit Mai 2009. Und ich mache das verdammt gut! Ich verrichte den Löwenanteil der Arbeit. Ohne mich wäre dieser Verein nie aus der Taufe gehoben worden und in dem Moment, in dem ich das Arbeiten einstelle, liegt der Laden brach. Noch! Ich bin sicher, dass wir eines Tages groß genug sein werden, um eine Geschäftsführung zu finanzieren, die die Arbeit genauso im Sinne der Satzung erledigen wird wie ich es aktuell tue.

Solange ich 95% der Arbeit mache, organisiere ich diese exakt so, wie ich es für am besten halte. Diese Organisation diskutiere ich mit Menschen, die über die Strukturen von KGgP in ausreichendem Maße Bescheid wissen, um mir ernstlich raten zu können, was richtig und was falsch ist. Oder von denen ich weiß, dass sie echte Freunde sind, mir also raten, was für mich gut ist und nicht für sie selbst. Oder die beides sind, Wissende in Sachen KGgP und Freunde!

An konstruktiver Kritik und ernst gemeinten Hilfsangeboten bin ich weiterhin sehr interessiert. Für konstruktive Zusammenarbeit bin ich immer zu haben.

In diesem Zusammenhang sei der Typ 5 noch erwähnt: der Wertschätzende. Solche Menschen gibt es zum Glück auch noch, die einen nicht nur nicht hängen lassen, sondern ab und an auch ein anerkennendes Wort übrig haben für den Einsatz, den man bis hierher gezeigt hat. Danke, dass es Euch gibt!

Auf Hilfsangebote, die im Sinne des Anbieters sind, aber nicht im Sinne von KGgP, verzichte ich dankend.

Die Vereinsmitglieder der ersten Stunde sowie der Vereinsvorstand wissen verdammt gut, was sie an mir haben und hatten bislang an meiner Arbeit nichts auszusetzen. Das und die Vereinsziele sind die Richtschnur, die mich interessiert. Das Wohlergehen der Polizeibeamten dieser Republik (und der Eidgenossenschaft, Österreichs und meiner zweiten Heimat Frankreichs) liegt mir ebenfalls am Herzen. Die stehen im Zentrum von „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“. Niemand sonst!

3 Comments

  • friederike
    7. Januar 2012 - 11:12 | Permalink

    BRAVO! Gut gebrüllt, Löwin!

  • bea
    7. Januar 2012 - 14:17 | Permalink

    Du hast die Internetwelt um einiges positives bereichert, das hast du sicher deinen genialen Schreibfähigkeiten zu verdanken. Es ist ist sehr bewundernswert, wieviel Arbeit du in dieses Projekt kgGP steckst.
    Aber ich möchte Euch auf einiges aufmerksam machen, vielleicht wäre es mal gut, die Bürger aufzufordern positive Nachrichten an euch zu senden und auch die zu
    veröffentlichen
    Vielleicht die Bürger u. die Polizisten auffordern, auch gute hilfsbereite Taten mitzuteilen u. diese genauso zu veröffentlichen oder nur ein Teil.
    – bei starkem Regen funktionierte der Scheibenweischer nicht mehr, Polizei angerufen, Streife fuhr vor mir her bis in die nächste Werkstatt
    – jemand stand unter falschen Verdächtigungen, P. konnte helfen das die Unschuld bewiesen wurde
    – nach Unfall morgens früh, kein Bus, Polizisten fuhren die Unfallverursacherin nach Hause
    -jungen Leuten geholfen, falls dies überhaupt möglich, man muß nicht alles sofort bestrafen, denen helfen auf den rechten Weg zurück zufinden
    Dies soll keine Kritik darstellen, es ist mir nur aufgefallen, sieh es als eine Anmerkung an.
    Die Nachrichten sind schon genug von schlechten Schlagzeilen, es sollte viel mehr die gute Tat mal gezeigt werden.
    Es wäre nett wenn zwischen den E-Mails von Galerie der Gewalt auch mal poitives wäre, danke, Es ist mir bewußt welche Aufgaben eurer Verein hat.

    Ich wünsche euch eine erfolgreiche Arbeit und tatkräftige Hände.

    • 7. Januar 2012 - 14:46 | Permalink

      Erstmal danke für das Lob!

      Na ja, die „Galerie der Gewalt“ ist – wie der Name schon sagt – eine Galerie, in der Gewaltakte gegen Polizisten aufgelistet sind. Es würde dort definitiv nicht passen, was Du vorschlägst. Aber wenn Du unsere Webseite durchstöberst, wirst Du sowohl das Forum als auch den Blog „Auf dem Boden der Verfassung“ finden, in denen sehr viele positive Berichterstattung über die Polizei steht.

      Falls das nicht reicht: wir brauchen dringend Spenden, um eine Geschäftsführung einzustellen, die kann das dann acht Stunden am Tag betreiben! ;-)

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