Mitgefühl

Ich glaube, ich sagte schon das eine oder andere Mal, dass ich die Schweiz mag. Deswegen bin ich immer mal wieder gerne für ein paar Tage dort, um Luft zu schnappen und mich von den durchschnittlich vier bis fünf Stunden ehrenamtlichem Einsatz für „Keine Gewalt gegen Polizisten“ am Tag zu erholen, die ich neben meinem Beruf so ableiste… und von jenen, denen ich es selbst dann nicht Recht machen könnte, wenn ich 24 Stunden am Tag für KGgP schuften würde und dann auch noch die Nächte dazunehmen würde. Manchmal brauche ich einfach ein bisschen Abstand, damit mir der Spaß an der Sache nicht verloren geht.

Natürlich denke ich auch in meiner Freizeit oft an KGgP, auch weil ich an manchen Stellen meine Hobbys mit dem Projekt verknüpfen kann. Zum Beispiel, indem ich meine Informationsfotostrecken vervollständige. In diesem Zusammenhang mein Dank an die Basler Polizei. Das war ja sozusagen eine Art Schaufahren, was da für mich veranstaltet wurde.  Die Ergebnisse sind schon in der Fotostrecke „Polizei in der Schweiz“ verewigt.

Aber eigentlich möchte ich etwas ganz anderes erzählen. Nachdem ich morgens aus dem Haus meiner Bekannten im Baselbiet auf die Straße trat und fast von einem Streifenwagen überfahren wurde (was meine Freundin mit dem Satz kommentierte, dass sie noch nie einen Streifenwagen in ihrem Wohnort gesehen habe), fuhr ich allein mit der Bahn nach Basel.

Am SBB-Bahnhof (sozusagen der Hauptbahnhof) sah ich, wie zwei Transportpolizisten einem älteren Herrn eine Rolltreppe herunterhalfen. Ja, da konnte man sie mal wieder sehen, die aus einer bestimmten politischen Ecke immer wieder behauptete Brutalität der Polizei…

Meine erste Amtshandlung in Basel, bevor ich mich dann wirklich meiner Freizeit hingab, war ein Gang zur Post. Ich hatte im Namen des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten“ noch zwei Kondolenzkarten aufzugeben, nämlich an das Polizeipräsidium Bonn. Eine an die Kollegen und eine an die Angehörigen des am 2. Oktober verunglückten Polizisten. Ich zog eine Nummer (was ich eine echt praktische Einrichtung finde, weil dann tatsächlich zuerst drankommt, wer zuerst da war und nicht, wer die schärfsten Ellenbogen hat) und kam auch zügig an die Reihe.

Ich schob nach Austausch der in der Schweiz üblichen Höflichkeiten der Dame von Schalter B die beiden Umschläge über den Tresen und sagte:
„Ich möchte diese beiden Briefe nach Deutschland schicken, weiß aber nicht, wie viel das kostet.“
Sie wog die Karten ab und nannte den Preis. Dann schaute sie sich die Adresse näher an. Wegen des schwarzen Randes waren die Briefe auch unschwer als Beileidskarten zu erkennen.

„Ist ein Polizist verunglückt?“ wollte sie wissen.

„Ja, am Sonntag Morgen“, sagte ich.

„Im Dienst?“

„Nein, auf dem Weg zum Dienst. Mit dem Motorrad.“

„Alleinunfall?“

„Nein, er ist mit einem Auto kollidiert.“

Die Dame verlieh dann ihrer Anteilnahme Ausdruck. Es war deutlich, dass sie vom Tod dieses Polizisten sehr betroffen war, und das, obwohl der Unfall aus ihrer Sicht im Ausland stattgefunden hatte.

Ich habe mich trotz des traurigen Anlasses darüber sehr gefreut. Es gibt eben doch Menschen, die Eure Arbeit zu schätzen wissen, liebe Polizeibeamten. Sogar grenzüberschreitend. Und ich behaupte mal, dass wir immer noch mehr sind als jene, die das nicht können und wollen. Allein dafür lohnt sich der Aufwand für KGgP – trotz jener, denen ich es sowieso niemals Recht machen werde…

2 Comments

  • Hans-Gerd Birkholz
    8. Oktober 2011 - 20:15 | Permalink

    Ja, die grosse Mehrheit der Bevölkerung steht zur Polizei. Nur sie macht das, im Gegensatz zu den anderen, nicht öffentlich!

  • 8. Oktober 2011 - 21:25 | Permalink

    Daran arbeiten wir ja gerade…

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