Die Macht der Bilder

Tja… was machen die wohl da?

Einen trinken? Im Dienst? SKANDAL!

Oder eine Razzia? In einem Irish Pub? IRA?

Nichts von alledem.

Dieser Mannschaftswagen der Berliner Polizei steht vor einem Bahnhof. Wer das nicht glauben will, der kann ja mal am S-Bahnhof „Hackescher Markt“ aussteigen und einmal drumherum laufen. Dann wird er diese Pub-Werbung finden. Es ist, nebenbei bemerkt, auch durchaus sinnvoll, vor derartig frequentierten Bahnhöfen Präsenz zu zeigen.

Ein ziemlich harmloses Beispiel, wie man Informationen durch die geschickte Wahl eines Bildausschnittes biegen und manipulieren kann. Da ich zusätzlich gewartet habe, dass auch keine Personen mehr im Bild herumlaufen, sieht es einsam aus. Niemand, der die Ecke nicht kennt, käme darauf, dass es sich hier um einen Touristenanziehungspunkt erster Güte handelt.

Ich musste das Bild noch nicht einmal bearbeiten, wenn man davon absieht, dass ich aus Prinzip Nummernschilder unkenntlich zu machen pflege. Nun noch ein passender Text dazu und so einige Leser hätten gedacht: „Ja, Mensch, vielleicht waren die wirklich einen saufen. Ungeheuerlich!“

Wenn man schon mit solch einfachen Mitteln mehr oder minder subtil Falschbotschaften transportieren kann, wie gut kann man es erst mit Videos, die erst im entscheidenden Moment einsetzen, nämlich wenn der Polizeibeamte seinen Schlagstock hebt? Wer fragt schon danach, was der Sache vorangegangen ist, was ihn dazu veranlasst?

Ich persönlich hinterfrage so gut wie jede Nachricht. Was das Thema dieses Blogs betrifft, wäre ich schon dankbar, wenn jene bebilderten Botschaften hinterfragt würden, die irgendein Fehlverhalten von Polizeibeamten suggerieren. Natürlich gibt es das. Aber nicht jedes vermeintliche Skandälchen ist tatsächlich ein solches, sondern in den meisten Fällen handelt es sich um künstlich aufgebauschte Fehlinterpretationen. Auch das wäre mir noch egal (jeder kann selbst entscheiden, wie ungefiltert er sich manipulieren lassen möchte), wenn derartige Falschinformationen nicht als Rechtfertigung für Gewaltausbrüche gegen Menschen missbraucht würden, die Uniform tragen. Ein Gewaltakt ist und bleibt barbarisch, egal, wie schön sich die Begründung anhört.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp für jene, die ihre staatlich finanzierten Punching-Balls nicht missen möchten: Regelmäßiger Sport hilft ganz wunderbar gegen Aggressionen!

10 Comments

  • Hans-Gerd Birkholz
    6. August 2011 - 20:01 | Permalink

    Ja,ja, da hast du ins Schwarze getroffen!

    Was ich sehe und lese stimmt! Ich mach mir dann keine weiteren Gedanken und verbreite die Nachricht auch an Andere! Und schon ist es passiert: Die Stammtischkommentare kennen keine Grenzen mehr!
    Aber es hört dann ja nicht nur der Stammtischbruder, sondern auch andere – und schon ist die Fackel entfacht!

    Hatte gestern noch einen Fall, wo ich meine erstgebildete Meinung revidieren musste, nachdem ich auch die andere Seite gehört hatte.
    Der Fall sah plötzlich ganz anders aus!

    Deshalb: Zumindest meine Devise –
    Hör erst mal beide Seiten und bilde dir erst dann ein Urteil !

    • 7. August 2011 - 08:09 | Permalink

      Danke, Gerd! Auch Dein Kommentar spricht mir wiederum aus der Seele. :-)

  • 6. August 2011 - 22:36 | Permalink

    Ich sehe es ganz genau so. Bilder kann man gut manipulieren. Mein Nachbar zeigte mir neulich, wie er mit seiner neuen Kamera Gebäude aufnehmen kann, an denen Autos vorbeifahren. Die Kamera nimmt automatisch das Bild auf, in dem eine Verkehrslücke entsteht. Faszinierend, was die Technik inzwischen alles kann.

    Man sollte gerade bei Videos immer dran denken, dass sie wahrscheinlich vom Ersteller so geschnitten wurden, wie es ihm am besten gefällt.

    Allerdings kann man auch diese Videos in denen es um angebliche Polizeigewalt geht (Dieses wort ist meiner Ansicht nach ein stilistischer Fauxpas, richtig wäre „Gewalt gegen die Polizei“) analysieren. Dann kann man sich ein realistisches Bild der Gesamtsituation machen. Alle Filmchen die ich sah zeigten, dass es Bürger waren, die mit der Eskalation begonnen haben.

    Nur diese Wahrheit wollen viele nicht sehen.

    • 7. August 2011 - 08:06 | Permalink

      Im Großen und Ganzen sehe ich das wie Du, Polizeifan.

      In zwei kleinen Punkten muss ich Dir aber widersprechen. Das wird auch länger, weil man da differenzieren muss.

      Du schreibst: „Alle Filmchen die ich sah zeigten, dass es Bürger waren, die mit der Eskalation begonnen haben.“ Ok, ich nehme an, Du hast wirklich nur Filme gesehen, in denen die Gewalt vom polizeilichen Gegenüber ausging.

      Ich habe mir endlos viele von diesen angeblichen Beweisen für „Polizeigewalt“ angesehen und ich kann nicht sagen, dass auf allen Filmen die Gewalt vom polizeilichen Gegenüber ausging. Es gibt hunderte von diesen Filmen, in denen die Situation ungeklärt ist, denn sie setzen praktischerweise exakt in dem Augenblick ein, in dem bspw. ein Polizist anfängt zu brüllen oder in dem er seinen Schlagstock hebt oder, oder, oder. Eben die in meinem Blogbeitrag angesprochenen geschickten Schnitte. Und dann kann man sich eben kein realistisches Bild der Gesamtsituation machen, weil nämlich essentielle Handlungsstränge fehlen.

      Übrigens wird mit Videos auch gern bewiesen, dass es angeblich keine Gewalt gegen Polizisten gäbe. Es gab vor einigen Monaten, während der Fußball-WM 2010, eine Demo in Berlin, bei der ein Sprengsatz hochging, der 14 verletzte Polizeibeamte hinterlassen hat. Da kursierten einige Videos, die eine eher harmlos wirkende Verpuffung von irgendetwas zeigten und angeblich sei es sonnenklar, dass diese 14 verletzten Polizeibeamten miese Propaganda des Überwachungsstaates seien. Da ja Berlin ein bisschen größer ist als so ein Kamerausschnitt, weiß man nicht einmal, ob die richtige Ecke von Berlin gefilmt wurde. Interessanterweise wurde dieser Vorfall außerhalb der Berliner Presse kaum aufgegriffen. Vierzehn in der Hauptstadt verletzte Menschen waren kein Thema für die Hauptnachrichten. Interessante Prioritäten einer Gesellschaft, die ganz offensichtlich immer weniger Mitgefühl kennt. Aber zurück zum Thema der Videos.

      Es gibt tatsächlich eine Menge Videos, auf denen eine ungeklärte Situation zu sehen ist. Man sieht, dass ein Polizeibeamter Gewalt anwendet, man sieht eine Vorgeschichte und man denkt sich: „Öhm… wieso macht er das jetzt?“ Wobei man dazu sagen sollte, dass es sich dabei nicht im willenloses Niederschießen oder Zusammenprügeln oder Blutigschlagen von Menschen handelt, sondern um eher „leichte“ Gewalt, also das, was mit „unmittelbaren Zwang“ gemeint ist (der aber auch nur in bestimmten Fällen angewendet werden darf).
      Das sind Videos, bei denen ich gerne Experten befrage, nämlich Polizeibeamte, die solche Einsätze hinter sich gebracht haben. Die sehen nämlich mehr als Laien und damit klären sich dann auch diese eher unklaren Situationen auf.

      Es bleibt aber durchaus eine kleine Anzahl an Filmen übrig, auf denen es unklar ist, warum ein Polizist tut, was er tut. Was aber auch nichts heißen will, denn gerade weil es unklar will, ist es kein Beweis für „Polizeigewalt“, sondern als Beweis schlicht nicht tauglich.

      Eigentlich muss ich es so ausdrücken: ich habe noch kein Video gesehen, das als Beweis für „Polizeigewalt“ tauglich wäre. Das ist eine Wahrheit, die in der Tat viele nicht sehen wollen.

      Nun zum Begriff der „Polizeigewalt“. Den halte ich ebenfalls für einen stilistischen Faux-Pas. Aus dem Grund wirst Du ihn bei mir nur noch in Anführungszeichen gesetzt vorfinden. Allerdings ist meine Begründung dafür etwas anders. Das Wort suggeriert nämlich, dass alle Polizeibeamten gewalttätige Idioten wären und, da sind wir uns einig, das sind sie nicht. Allerdings ist „Gewalt gegen Polizisten“ aus meiner Sicht nicht der korrekte Gegensatz, denn das wiederum suggeriert, dass alle Polizisten zu 100% Unschuldslämmer sind. Das ist so einfach nicht wahr. Es gibt durchaus gewalttätige Polizisten, z.B. den Bundespolizisten, der am 1. Mai 2009 seine eigenen Kollegen mit Steinen beworfen hat. Oder aber den, der sich in seiner Freizeit als Hooligan betätigt hat.

      Polizeibeamte sind Menschen, mit allen Konsequenzen. Keine Menschengruppe ist nur edel, hilfreich und gut. Auch einzelne Menschen sind nicht immer nur gut. Aus meiner Sicht gibt es bei der Polizei überdurchschnittlich viele anständige und idealistische Menschen, sonst hätten sie den Job nicht gewählt. Es gibt aber auch durchaus welche, die ich persönlich für richtig unsympathisch halte. Es gibt sogar einen, den ich nicht über meine Türschwelle lassen würde, wenn er zum Einsatz bei mir käme. (Was aber noch lange nicht heißt, dass sie gewalttätig wären, denn nur, dass ich jemanden nicht mag, heißt nicht automatisch, dass er ein schlechter Mensch ist. Ich kenne auch jemanden, der den Job nicht wegen der Verbrechensbekämpfung haben wollte, sondern weil er der irrigen Annahme verfallen war, das sei ein ruhiger Beamtenjob, bei dem er sich die Eier schaukeln könne. Ich bin sehr froh, dass er die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hat.)

      Aber wir leben immer noch auf dem Boden einer gültigen Rechtsordnung und diese sieht nun einmal keine Prügelstrafe für Arschlöcher vor. Und schon gar nicht sieht sie Kollektivstrafen für ganze Bevölkerungsgruppen vor, in deren Mitte ein bis zwei Prozent Vollpfosten ihr Unwesen treiben, für die alle anderen 98% mitverprügelt werden. Deshalb mag ich den Begriff der „Polizeigewalt“ nicht. Er gibt ein vollkommen verdrehtes Bild der Realitäten wieder und er dient Extremisten als Rechtfertigung, warum eine ganze Bevölkerungsgruppe hemmungslos mit Gewalt überzogen werden darf. Bei jeder anderen Bevölkerungsgruppe würde die demokratische Mitte aufschreien, aber bei Polizisten geht man mit dummen Pauschalurteilen wohl irgendwie als kritisch durch.

  • 7. August 2011 - 09:47 | Permalink

    der bericht großes lob . wie immer , ich denke jeder freut sich über solche fotos (fast jeder) wenn da so bild auftaucht , von den polizsten , ist leider so , hab mal gefragt bei bekannten , nur blödes lachen , und ja ja die bullen , sind auch nur menschen ,

  • Ngiri
    7. August 2011 - 13:51 | Permalink

    Als Berlinerin bin ich auch noch arbeitsmäßig an den Hackeschen Markt gebunden, laufe also ständig dort vorbei. Ein Wunder, dass Du das Bild ganz ohne Menschen knipsen konntest…allerdings. Sonst wäre ich nie im Traum darauf gekommen, dass die Polizei ein Glas Bier trinken gegangen wäre…aber ich kenne die Gegend auch. Mein erster Gedanke wäre eher: Ah…sie sind da. Dann läuft man in dieser Gegend doch etwas ruhiger…ich jedenfalls.

    Liebe Grüße,
    Ngiri

    • 7. August 2011 - 18:00 | Permalink

      Es freut mich, Ngiri, dass Du nicht auf diese Idee gekommen wärst. Das zeigt mir, dass es noch ein paar normale Leute auf der Welt gibt.
      Aber wir hatten ja schon an anderer Stelle darüber gesprochen, dass viele Menschen eine andere Wahrnehmung von der Polizei haben als wir. Und ein passender Text zu diesem Bild hätte die Ideen schon gefördert, das ist sicher.

  • Hans-Gerd Birkholz
    7. August 2011 - 22:11 | Permalink

    Ich finde es gut, dass sich auch mal Leute melden, die unmittelbar am Ort anwesend sind!
    Nur diese können doch die tatsächliche Situation beschreiben!

  • Hans-Gerd Birkholz
    8. August 2011 - 20:18 | Permalink

    Leg doch nicht immer alles auf die Waagschale- grins!

    Ich meinte unabhängige Zeugen, da du ja, aufgrund deiner Tätigkeit, „vorbelastet“ bist!

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