Graffitikunst oder Gewalt?

Man streitet sich ja seit Jahren, ob es sich bei Graffiti um Kunst oder Sachbeschädigung handelt. Bilder sagen ja manchmal mehr als tausend  Worte. Deswegen sage ich auch gar nicht viel zu diesen Bildern (bei denen es sich nur partiell um Graffiti handelt, das weiß ich auch). Außer vielleicht: ich werde nicht müde zu wiederholen, dass auch verbale Gewalt unzweifelhaft Gewalt ist. Vor dem Hintergrund interessiert mich auch gar nicht mehr, ob wir hier nun Kunst vorliegen haben oder Sachbeschädigung oder beides. Eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung.

(Für meine deutschen Leser übrigens kein Grund zum Frohlocken. Hier ist es nicht besser und das werdet Ihr auch bald zu sehen bekommen!)

Beginnen wir mit diesem Fundstück aus dem Parkhaus „Planta“ in Sion (VS). Ganz links auf dem Schild, neben dem Mann, der die Treppe hochgeht, befindet sich in blau ein französischer Ausspruch, der so viel bedeutet wie „Fuck the police“. Allerdings ist die Rechtschreibung genau so bedauerlich wie die geistige Reife des Verfassers dieser Botschaft:

Gehen wir nun nach Genf, der Stadt, in der es keine Polizistenfreunde zu geben scheint, die die Aktion „All cops are beautiful“ unterstützen. Dafür gibt es ganz andere Liebeserklärungen:

 

In Bern ging es dann richtig rund. Das erste, was der unbedarften Touristin an der Gerechtigkeitsgasse (ausgerechnet!) entgegenschrie, war dieses hier:


Da sollte sich so mancher eher gemäßigte Polizeikritiker mal Gedanken machen, ob sein Weltbild, wer da eigentlich Gewalt austeilt, nicht doch einer leichteren Revision bedarf. „To fight“ ist meines Wissens nicht unbedingt eine Vokabel aus dem Repertoire des bedingungslosen Pazisfismus.

Man muss zwischen Bundesplatz und Waisenhausplatz nicht lange suchen, um eine ganze Menge entsprechender Botschaften zu finden. Hier noch ein letztes Beispiel:

Zum krönenden Abschluss hier noch eine bildhafte Darstellung:

Wenn man sich vor Augen hält, wer im Kanton Bern zuletzt sein Leben lassen musste, dann hat dieses Piktogramm schon einen ganz besonders widerlichen Zynismus.

10 Comments

  • 27. Juli 2011 - 13:22 | Permalink

    HM DAS SO ANSICHTSSACHE ; viele sind auch harmlose schmierereien ,doch aus einigen sieht man gewaltbereitschaft

    • 27. Juli 2011 - 20:10 | Permalink

      Ich habe mich ja nicht zu ALLEN Graffiti auf der Welt geäußert, sondern konkret Beispiele gezeigt. Die sind meiner Ansicht nach genau so geistige Brandstiftung wie jeder andere dauerhafte verbale Beschuss einer bestimmten Bevölkerungsgruppe.

  • 27. Juli 2011 - 13:25 | Permalink

    PS: da sieht man direkt wie gewalt gegenüber unserer polizei zunimmt , schrecklich

  • Hans-Gerd Birkholz
    27. Juli 2011 - 20:27 | Permalink

    Es sind alles Schmierereien! Doch das eine Bild schockiert mich doch ein wenig!
    Welche Gedanken müssen in so einem Hirn vorgehen?
    Weiss er überhaupt, was er da „andeutet“, oder ist er wirklich ein „Hasser“?
    Wenn ja, dann sollte man versuchen ihn möglichst schnell aus dem Verkehr zu ziehen!

  • scotfree
    28. Juli 2011 - 11:50 | Permalink

    Wenn man sich vor Augen hält, wer im Kanton Bern zuletzt sein Leben lassen musste, dann hat dieses Piktogramm schon einen ganz besonders widerlichen Zynismus.
    —————————————–
    Da gebe ich Dir vollkommen recht!!!!!
    —————————————–
    Und ja das sind alles dumme Schmierereien aber das letzte ist aus einem perversen Gehirn entwichen
    …und diese Person sollte viell.mal dieses tun—>…dann kommt viell.das Gehirn wieder „gerade“

    Der hass gegen die Polizei wird immer mehr zum—>

  • Hans-Gerd Birkholz
    28. Juli 2011 - 22:10 | Permalink

    Das sind aber nur Personen, die sowieso Probleme mit der Polizei haben!
    Der „Normalbürger“ ist sogar froh, dass es sie gibt!
    Auch wenn man machmal unangenehme Massnahmen treffen muss (Vollstreckingshaftbefehle z.B.) kommt es immer drauf an, wie man die ganze Sache handhabt!
    Dies spricht sich rum und man wird plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen!
    Dies ist für dich und auch das „Gegenüber“ ausserst vorteilhaft, da unsgesamt die Pobleme weniger werden!
    Es gibt natürlich auch „Unbelehrbare“! Diese müssen dann halt mit den Tatsachen leben!
    Und das sind auch die, die solchen Schwachsinn auf irgendwelchen Sachen hinterlassen!

    • 29. Juli 2011 - 07:20 | Permalink

      Wie schon unter dem Beitrag über den „Drecksbullen“ gesagt: diese Schmierereien sind sicherlich nicht die Hauptursache für Gewalt gegen Polizisten. Aber sie begünstigen sie und deswegen werde ich sie nicht unkommentiert lassen.

    • 29. Juli 2011 - 07:21 | Permalink

      Hm, ich sehe im Moment den Widerspruch zwischen unseren Auffassungen nicht. Natürlich sind solche, die sich mit solchen Graffiti amüsieren, die “Extremfälle” und die normalen Leute haben damit nicht viel am Hut.
      Nichtsdestrotrotz sind wir und doch darüber einig, dass die Gewalt gegen Polizisten ansteigt, oder? Die Zahlen sprechen jedenfalls dafür. Die Ursachen sind vielfältig, und diese unwidersprochene Hetze über alle Kanäle ist Teil des Nährbodens, auf dem diese Gewalt wächst. Ich habe mit keinem Wort behauptet, dass es die Hauptursache ist, aber das gehört ganz zweifelhaft dazu.
      Stell Dir doch einmal vor, jemand würde das Wort “Dreckstürke” an einen Dönerladen schmieren. Niemand würde bezweifeln, dass das geistige Brandstiftung ist, die ein Klima der Ausländerfeindlichkeit befördert. Zu diesem Befund käme man, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung sich wohl kaum mit dieser Vokabel an dieser Stelle identifizieren könnte und niemals etwas derartiges an diesen Laden schreiben würde.
      Wo ist jetzt bitte der Unterschied zwischen der Verunglimpfung einer Gruppe von Angehörigen einer Nationalität und der einer ganzen Berufsgruppe????

      Man muss das alles differenziert sehen und so ein kurzer Blogbeitrag macht das schwierig. Ich sage ja nicht, dass auf der nächsten Demo ein Polizist eine Faust auf die Nase zentriert bekommt, weil da ein Vollpfosten “Drecksbulle” auf einen Pappkameraden geschmiert hat. Schon gar nicht wird er diese Faust von exakt diesem Künstler ins Gesicht zentriert bekommen, denn wenn der sich an echte Polizisten rantrauen würde, hätte er sich nicht an dem Pappkameraden vergriffen. Da wusste er nämlich, der wehrt sich nicht. Aber der nächste, der einem Polizisten seine Faust zu schmecken gibt, wird es in dem Gefühl tun, dass er nicht der einzige ist, der der Meinung ist, einen “Drecksbullen” vor sich zu haben.

      Wie gesagt, diese Schmierereien sind sicherlich nicht die Hauptursache für Gewalt gegen Polizisten. Aber sie begünstigen sie und deswegen werde ich sie nicht unkommentiert lassen.

  • Hans-Gerd Birkholz
    28. Juli 2011 - 22:14 | Permalink

    Oh, ich bin irgendwie verruscht! Dieser Kommentar sollte zum „grünen Männchen“ in Poppelsdorf gehören!
    Wenn es möglich ist, bitte verschieben!

    • 29. Juli 2011 - 07:09 | Permalink

      Das kann ich leider nicht. Aber Du könntest ihn rüberkopieren. Aber ich finde, er passt hier auch prima hin, sind ja auch Schmierereien…

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