Wie sich die Bilder gleichen…

Ich bekomme ja immer eine Menge erzählt… besonders Polizei-Erlebnisse. Das ist aber auch vollkommen in Ordnung. Früher, als ich noch bei der Bank war, musste ich mir ja immer die Erlebnisse der Leute mit ihrem Kreditinstitut anhören… *gähn*
Oder Geld zählen… *auch gähn*
Dann schon lieber Polizeigeschichten.

Hier und da werde ich als ausgelagerte Beschwerdestelle der örtlichen Polizeiinspektionen betrachtet. Wenn ich dafür Provision vom Innenministerium nehmen würde, könnte ich davon schon leben. Man beachte den Konjunktiv. Ich weiß, was in den Staatskassen drin ist. Nichts. Um genau zu sein weniger als nichts. Dieses nicht Vorhandene schicken wir dann teilweise nach Griechenland und Bundesländer, die frisch gewählt haben, leisten sich weitere Ministerien. Da muss man sich nicht wundern, wenn kein Geld da ist, um genug Polizei auf die Straße zu bringen. Oder wenn dann solche Jobs, wie der Erklärbär für Polizeibelange einer Region zu werden, an Privatpersonen outgesourct werden. Ungeplant von der Polizei, aber outgesourct.

Na ja – mach ich doch gern für Euch, liebe Polizei. Entgegen anderslautender Vorwürfe kann auch ein Fan des Rechts auf Eigentum nichtmaterielle Werte vertreten.

Nun, die jüngste Polizeigeschichte, die mir erzählt wurde, kam mir schwer bekannt vor. Deswegen gebe ich sie hier mal zum Besten, auch wenn sie „nur“ aus zweiter Hand ist. Jeder kann selbst entscheiden, wie er eine Geschichte aus zweiter Hand bewerten will.

Meine Freundin, die mir diese Geschichte erzählt hat, lustwandelte in der Schweiz. Selbst auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: das kann man da verdammt gut. *Sehnsuchtsvoller Seufzer*

Sie bestaunte die Landschaft und wie sie sich gerade so fragte, was genau sie da eigentlich so sah, kam ein Einheimischer des Wegs. Und weil er nicht nur freundlich und hilfsbereit war, sondern auch noch überzeugter Schweizer, erklärte er der Dame erstmal die Gegend. (Im Unterschied zu mir ist sie tatsächlich eine.)

Sie ist auch immer sehr interessiert an neuen Informationen… entsprechend kam man tiefer ins Gespräch.

Meine Leser ahnen es sicher schon – der Mann war Polizist.

Einiger meiner Schweizer Leser, besonders einer, haben mir ja schon lange den Zahn gezogen, dass es dort so viel besser sei als bei uns. Hier die Bestätigung:

Dieser Polizist ist zutiefst frustriert. Er ist in dem Job angetreten, um Verbrecher zu jagen und einzusperren.

Von der Schweizer Gesellschaft fühlt er sich diesbezüglich nicht anerkannt. Im Gegenteil greift auch dort das gewisse dümmliche Geschwätz um sich, dass ich hier nicht zum x-ten Mal wiederkäuen möchte. Ist mir zu blöd. (Stichworte: brutal, schießwütig, dumm – eben der ganze Blödsinn!)

Seine Dienststelle leidet unter Personalknappheit. Gelegentlich decken sie mit sieben oder acht oder neun Leuten den ganzen Kanton ab. Wenn sie dann 35 Minuten nach Absetzen des Notrufes mit hängender Zunge an einem Einsatzort ankommen, werden sie als erstes ordentlich angekackt. (Eigenverantwortliches Handeln des polizeilichen Gegenübers wäre auch hier, im Nachgang die Verantwortlichen in der Politik anzukacken, aber das ist vermutlich auch schon wieder zu viel verlangt.)

Wo er früher Berichte geschrieben hat, schreibt er heute buchstäblich Bücher. Und das nicht während seiner Schichten sondern danach.

Es gibt auch Nachwuchsprobleme. Maximal 4% der Bewerber (das sind vier von hundert) kommen in Frage, weil auch im Schweizer Schulsystem Leistung offenbar nicht mehr belohnt wird, sondern alle auf ein einheitliches Mittelmaß herunterrasiert werden. (Das allen ins Stammbuch, die die Mär vom dummen Polizisten so gerne verbreiten. Aus meiner Sicht übrigens eines der untrüglichsten Zeichen für abgrundtiefe Dummheit – Vorurteile wiederkäuen und ganze Bevölkerungsgruppen über einen Kamm scheren. Und dabei nicht mal beleidigungsfrei bleiben können, weil es offenbar zu anspruchsvoll ist, Kritik von Beleidigungen zu unterscheiden.)

Eine Besserung dieser Personalsituation ist also nicht in Sicht.

Die Krönung passierte ihm aber, als er mit seinem Streifenpartner einem per Haftbefehl gesuchten Straftäter begegnete. Er tat nämlich etwas, was ich irgendwie so gar nicht ungewöhnlich finde. Er nahm ihn fest.

Er hatte komischerweise irgendwie den Eindruck, es sei sein Job, gesuchte Verbrecher festzusetzen. Mir ist schon klar, wie ein Polizist auf solche Ideen kommen kann, denn irgendwie dachte ich bis hierher auch immer, das wäre eine der originären Aufgaben der Polizei. Aus meiner Sicht sogar deutlich sinnvoller als Wochenende für Wochenende hundertschaftenweise sein Leben und seine körperliche Integrität zu riskieren, um von der ersten bis zur fünften Liga Volksbelustigung zu gewährleisten. Na ja, panem et circensis… soweit zur Weiterentwicklung der Menschheit. Immerhin zivilisierter als öffentliche Hinrichtungen, insofern ist da zumindest für Mitteleuropa ein marginaler gesamtgesellschaftlicher Fortschritt zu erkennen.

Nun, zurück zu unserem Schweizer: kaum saß der Gesuchte in Haft, ließ er seinen Anwalt kommen. Finde ich auch vollkommen ok, ist in einem Rechtsstaat sein Recht und das ist ja auch gut so.

Dieser Anwalt erhob dann Anklage gegen unseren Polizisten. Angeblich sei sein Mandant bei seiner Festnahme derartig misshandelt worden, dass er Schlafstörungen davongetragen habe.

Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben, dass ich es begrüße, wenn eine demokratische Polizei nicht wilde Sau spielen und man auch Polizisten anzeigen darf.

Ebenso würde ich es allerdings begrüßen, wenn diese Rechte nicht auf regelmäßiger Basis dazu missbraucht würden, um anderen die goldene Arschkarte unterzujubeln und sich selbst reinzuwaschen, indem man andere mit Dreck bewirft.

Ich werde jetzt nichts dazu sagen, dass ein Gefängnis nicht gerade der Ort wäre, an dem ich schlafen würde wie ein Baby. Oder dazu, wer an dem Strafbefehl Schuld trägt, der den Täter letztlich an diesen unschönen Ort gebracht hat. Jedenfalls nicht der Polizist. Für mein Empfinden trägt ausschließlich der Täter Schuld daran. Es sei denn natürlich, man glaubt diesen Scheiß, dass die brutale und eiskalte Schweizer Gesellschaft einen geradezu zwingt, kriminell zu werden. Ich persönlich bin eher eine Freundin der freien Entscheidung… aber das ist natürlich riskant. In der permanenten Opferrolle lebt es sich angenehmer. Für den Mist, den man baut, geradezustehen, kann schon recht anstrengend werden.

Jedenfalls kann man eine Gesellschaft besch**** finden und trotzdem einigermaßen ehrlich durchs Leben gehen. Oder sich einfach an einen Ort verpissen, an dem man die Menschen für besser hält und dort dann herumnerven, wenn man endlich gerafft hat, dass Menschen eben so sind wie sie sind. Überall!

Falsche Anschuldigungen zu erfinden, finde ich persönlich jedenfalls das Hinterletzte.

Kurz und schlecht, unser Polizist fand in seinem Briefkasten eine entsprechende Klageschrift vor und tat, was jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch tun würde – er nahm sich ebenfalls einen Anwalt.

Letztlich waren die Vorwürfe des Klägers so etwas von an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht einmal zum Prozess kam.

Übrigens hat unseren Polizisten die Klageerhebung selbst gar nicht so sehr gestört. Zwar ist es nicht angenehm, sich falschen Vorwürfen ausgesetzt zu sehen. Aber er war lange genug im Beruf, um zu wissen, dass so etwas fast jedem Polizisten im Laufe seines Dienstlebens ein oder zweimal passiert.

Nun war er aber doch bei der Festnahme durchaus im Dienst gewesen. Zumindest hatte er das so in Erinnerung. Immerhin war er ja in Uniform, mit Streifenwagen und Streifenpartner unterwegs gewesen. Das sind schon recht eindeutige Anzeichen. Auch der Dienstplan gab ihm Recht.

Also reichte er die Rechtsanwaltskosten bei seiner Dienststelle ein. Deren Erstattung wurde aber abgelehnt!

Begründung: Er hätte ahnen müssen, dass dieser Prozess niemals zustande kommen würde!

Äh… ja, nee, ist klar!

Wen wundert es, dass dieser Polizist gerade an seiner Kündigung schreibt? Und wen wundert es, dass er nicht der einzige ist?

Nun, ich werde den Teufel tun, mich in die inneren Angelegenheiten der Schweiz einzumischen. Meiner Ansicht nach haben die Deutschen ihre Großspurigkeit bereits ausreichend in die Welt getragen, weswegen derartige Botschaften von uns auch nicht allzu gern entgegengenommen werden. Das ist ein historisches Faktum, mit dem wir leben müssen. Auch da bringt es nichts, es sich in der Opferrolle gemütlich zu machen.

Was übrigens nicht heißt, dass ich nicht der Meinung bin, dass wir auf dem, was gut ist, beharren sollten. Nur weil irgendeine internationale Organisation eine Gesetzesänderung von uns fordert, heißt das noch lange nicht, dass diese Forderung auch sinnvoll ist und sofort erfüllt werden müsste. Nur weil wir Deutsche sind, sind wir nicht verpflichtet, jeden internationalen Schwachsinn unhinterfragt mitzumachen.

Zufällig habe ich aber die eine oder andere Info, dass bei uns die Sachlage für Polizisten nicht viel anders ist.

Nun kann man diesem Polizisten natürlich vorwerfen, dass es heutzutage naiv ist, sich auf einen Arbeitgeber zu verlassen. Aber dazu kann ich mich irgendwie nicht durchringen, auch wenn ich schon seit Jahren eine entsprechende Rechtsschutzversicherung habe, weil ich weiß, dass Anstand oft da endet, wo es ans Geldsäckel geht.

Dieser Mann hat seinen Beruf gewählt, um Straftäter hinter Schloss und Riegel zu bringen, woran ich in einem demokratischen Staat nichts Verwerfliches finden kann. Er setzt sich für die Gesellschaft ein. Was ist denn der Staat anderes als die Gesellschaft? Dieser ominöse Begriff ist nicht irgendein Wesen, das fern von allem über uns schwebt. Wir alle sind der Staat. (Daran sollte jeder mal denken, der so mächtig stolz auf sich ist, weil er durch Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung den Staat bescheißt. Letztlich bescheißt er nämlich auch sich selber und ob das wirklich so schlau ist, dass man sich pausenlos auf die Schulter klopfen muss, lasse ich mal dahingestellt.)

Und dieser Staat zeigt ihm jetzt den Mittelfinger und sagt Schulter zuckend: „Sorry, wieso sollte ich für Dich zuständig sein?“

Wenn da nicht endlich in der Gesellschaft so einige umdenken und sich laut und vernehmlich von dem extremistischen Getöse distanzieren, wenn nicht allmählich die Innenminister deutlichst Unterstützung signalisieren, dann wundert es mich nicht, wenn eines Tages so einige Polizeibeamte sich auch nicht mehr zuständig fühlen.

Und dann gute Nacht!

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