Och, wie süß

Diese Worte sagte neulich ein junger Mann zu mir, den ich sehr schätze. Damit meinte er beileibe nicht mich – oh, nein.

Dieser junge Mann hat es weit gebracht in seinem Leben. Er arbeitet selbstständig in seinem Beruf und das so erfolgreich, dass er definitiv nicht nur als Besserverdiener durchgeht. Sein Auto ist ein ziemlich teures Modell und seine Kleidung vom Feinsten. Und das mit Ende 20.

Was ihn mir so sympathisch macht, ist, dass er sich das alles durch Arbeitseifer und unglaublichen Einsatz selbst erarbeitet hat. Gleichzeitig ist er intelligent und belesen, d. h. er schaut durchaus über den Tellerrand dessen, was er beruflich betreibt.

Er hat ein ganz natürliches Selbstbewusstsein. Er spart sich Ausführungen darüber, was andere angeblich alles für ihn tun müssten. Was er erreicht hat, hat er ganz allein geschafft. Und wenn ihm irgendetwas schiefgeht, hält er sich nicht tagelang damit auf, einen Schuldigen zu suchen, sondern sieht zu, dass er es beim nächsten Mal besser macht.

Es macht Spaß, sich mit ihm zu unterhalten, weil er ein geistig fixes Kerlchen ist, weil er viele Dinge weiß, aber weil er auch in der Lage ist, anzunehmen, wenn jemand anders über irgendein Thema mehr weiß als er. Überheblichkeit ist ihm vollkommen fremd.

Damit kommt er mir sehr entgegen. Ich respektiere Menschen, die mehr wissen als ich. Dann kann ich sogar meine Meinung ändern. Ich tue das sogar gerne – solange der andere seine Auffassung gut begründen kann und mich nicht, wenn ich meine Ansichten nicht sofort über den Haufen werfe, verbal abwertet und beleidigt. Wenn allerdings jemand meint, ich müsse seine Meinung annehmen, schlicht, weil er sich für so toll hält, dann bekommen wir mit Sicherheit Probleme miteinander.

Jedenfalls lebt er in Berlin und wir kamen, nachdem dieser junge Mann mich seit zwei Tagen fortbildete, ins Gespräch über die Polizei.

„Ich kann nicht verstehen, wieso man Polizisten mit Gewalt begegnen muss“, eröffnete er. Außerdem bestätigte er mir, dass ihn noch nie ein Polizist unfreundlich behandelt hätte.

Einmal ist er wohl tatsächlich in eine Drogenkontrolle geraten. Ein Mann seines Auftretens gerät in eine solche Kontrolle? Vermutlich, weil vor dem Gesetz doch alle gleich sind? Wie auch immer, er brachte diese Kontrolle hinter sich und betonte, wie korrekt ihn die Polizeibeamten behandelt hätten. Er hat sich davon nicht im geringsten angegriffen gefühlt.

Vielleicht sollten doch mal so einige in diesem Land dringend ihr Selbstbewusstsein überprüfen? Offenbar trägt ein gesundes Selbstwertgefühl doch stark dazu bei, einen selbst friedlich und entspannt durchs Leben zu führen.

Die neuen blauen Uniformen kommen für ihn „ein bisschen schmuddelig“ rüber. Er würde seine Mitarbeiter jedenfalls nicht so herumlaufen lassen. Wegen der Außenwirkung.

Nun habe ich die berliner blauen Uniformen noch nicht gesehen. Ich kenne allerdings die des Landes NRW. Vor einigen Monaten hatte ich eine Unterhaltung mit einem Diensthundeführer. Wenn sein Hund in etwa drei Meter Entfernung an ihm vorbeigeht, klebt die schöne blaue Hose voller Hundehaare. Nun sind Hunde bei der Polizei ja nichts Ungewöhnliches, was in mir den Verdacht aufkommen lässt, dass die Designer der blauen Uniform von NRW nicht wirklich nachgedacht haben.

Auch die Erfinder der blauen Uniform von Baden-Württemberg scheinen praktische Erwägungen außen vor gelassen zu haben, denn von dort kam mir zu Ohren, dass die Tasche ausreißt, sobald man ein Funkgerät darin platziert hat. Sieht natürlich auch nicht so blendend aus.

Bin ich rückwärtsgewandt? Habe ich einen grünen Uniformfetisch? Ich denke nicht, denn über die blaue Uniform der Rheinland-Pfälzer habe ich bisher nichts Negatives vernommen. Ich finde, sie sieht gut aus. Auch aus Niedersachsen habe ich nur Positives gehört. Zwar muss ich immer aufpassen, die Polizisten dort nicht auf englisch anzusprechen, weil mich die Aufmachung schwer an NYPD blue erinnert, aber egal. Hauptsache, das Ding erfüllt seinen Zweck.

Vor dem Hintergrund der berliner Kassenlage und dem, was ich aus NRW und BW weiß, glaube ich allerdings ziemlich unbesehen, dass dort ordentlich am Stoff gespart wurde. Und billiger Stoff sieht meistens auch billig aus. Die Denkungsart, dass man manchmal kurzfristig besser mehr Geld ausgibt, um langfristig zu sparen, ist eher volkswirtschaftlich und damit out. Heutzutage denkt man betriebswirtschaftlich und das heißt in vielen Fällen, nicht weiter als bis zur nächsten Ecke.

Was hat das nun mit „Keine Gewalt gegen Polizisten“ zu tun? Nun, Fakt ist, dass Respekt eine ziemlich vielschichtige Angelegenheit ist. Ja, und ich nenne es Respekt, obwohl dieser Begriff mindestens so out ist wie volkswirtschaftliches Denken.

Respekt wurde in der deutschen Sprache in den letzten Jahren ordentlich pervertiert. Respekt hat nichts mit blindem Gehorsam zu tun, sondern damit, dass man sein Gegenüber wertschätzt und dass man ihm gegenüber aufmerksam ist. Respekt ist das Gegenteil von Missachtung.

Ehrlich gesagt ist Respekt das, was ich jedem meiner Mitmenschen als erstes entgegenbringe – was in meinen Augen nicht das Geringste mit Unterwürfigkeit zu tun hat. Wenn sich herausstellt, dass man mir nicht mit dem gleichen Respekt begegnet, kann es schon mal passieren, dass man in meiner Achtung sinkt. Manchmal so schnell, dass man den Aufschlag hören kann.

Nun stehe ich mit dieser Auffassung weitgehend allein da. Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass man sich Respekt erstmal verdienen müsse. Meiner Beobachtung nach wird diese Auffassung umso vehementer vertreten, je weniger derjenige bislang selbst auf die Reihe bekommen hat. Da kann sich dann jeder selbst seine Gedanken zu machen…

Fakt ist, dass Menschen eher geneigt sind, jemanden zu respektieren, der sauber und ordentlich auftritt, als jemanden, der „irgendwie schmuddelig“ rüberkommt. Das läuft im tiefsten Unterbewusstsein ab und selbst sehr reflektierte Menschen können das nur schwer abschalten. Es hat einen Grund, dass Banken grandios damit gescheitert sind, ihrer jugendlichen Klientel einen Berater mit Punkfrisur, coolen Klamotten und Ring durch die Nase vorzusetzen. Die Zielgruppe hat ihr Geld dann doch lieber zu den Anzugträgern von der Konkurrenz gebracht.

Fakt ist auch, dass Menschen sich das Draufschlagen eher überlegen, wenn derjenige schon Respekt einflößend rüberkommt. Zumal es nicht gerade die reflektierten Typen sind, die zur Gewalt greifen.

Wenn also beispielsweise eine rheinland-pfälzische Polizeistreife vorfährt und zwei Menschen in gut sitzenden und gut aussehenden Uniformen aus einem Passat aussteigen, dem man ansieht, dass er notfalls einige PS auf den Asphalt bringen kann, dann empfindet so ein Unterbewusstsein durchaus Respekt. Ich lasse jetzt mal Situationen weg, in denen das Unterbewusstsein durch diverse Drogen und Alkohol in trauter Gemeinschaft mit dem Bewusstsein ins Nirwana gebeamt wurde. Oder Situationen, in denen einem das Testosteron befiehlt, vor seinen Freunden nicht als Weichei rüberzukommen, weswegen man sich von den Scheißuniformträgern nichts sagen lassen will.

Mein junger Gesprächspartner teilte mir mit, dass Berliner Polizeistreifen mittlerweile in kleinen Corsas vorfahren. Da steigen also zwei „irgendwie schmuddelig“ rüberkommende Leute aus einem Auto aus, das irgendwie klein und niedlich ist.

„Och, wie süß!“

Das ist, was mein junger Bekannter dann denkt.

Er möchte so nicht an Polizei denken. Er möchte, wenn er selbst in Not ist, dass da Leute kommen, die seinen Widersachern Respekt einflößen und nicht Leute, bei deren Anblick die bösen Jungs maximal Gefahr laufen, sich eine Bauchmuskelzerrung zuzuziehen – vom Totlachen.

Auch ich möchte so nicht an Polizei denken. Aus dem gleichen Grund. Und weil ich befürchte, dass ein derartiges Auftreten nicht gerade hilft, Gewalt gegen Polizisten abzustellen. Es schlägt sich deutlich leichter, wenn man den, den man schlägt, von vorneherein nicht ernst nimmt.

Meiner Ansicht nach tut der Berliner Senat seinen Polizisten damit keinen Gefallen. Kassenlage hin oder her. Und ob ein Corsa so viel billiger ist als die Folgekosten einer üblen Körperverletzung, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist wohl wieder zu volkswirtschaftlich gedacht.

Aber auch die Innenminister anderer Bundesländer sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob sie nicht lieber ein paar Euro drauflegen wollen, um die Sache optisch wieder ein wenig anzuheben. Es gibt einfach zu viele Idioten, die nicht in der Lage sind, von der Kleidung eines Menschen zu abstrahieren. Ordnungshüter mit Hundehaaren auf der Hose oder ausgerissenen Taschen, also zerlumpte Ordnungshüter können nicht beeindrucken. Und schon gar nicht, wenn man bei ihrem Anblick denkt:

„Och, wie süß!“

16 Comments

  • horti
    4. Juni 2011 - 11:09 | Permalink

    du sprichst mir mal wieder aus der seele, „irgendwie schmuddelige“ uniformen kann ich auch überhaupt nicht ab, ich färbe mittlerweile meine dienstlichen hosen mit 5,- euro-kaufland-textilfarbe nach weil die nach 3x waschen aussehen wie schon 10 jahre alt…einfach weil ich so nicht auf die straße gehen will…einfach weil ich mir so eine uniform an einem polizisten nicht wünschen würde wenn ich mal in eine kontrolle komme…mittlerweile es es normal, dass ich aller 2 wochen löcher in den hosentaschen zunähe und das obwohl ich nichtmal irgendwas da reintue mal abgesehen von einem taschentuch und ab und an mal nen autoschlüssel…

    MfG
    das hortkind

  • friederike
    4. Juni 2011 - 17:38 | Permalink

    Also, ich bin regelrecht entrüstet, dass ich solches über die Polizeiuniformen lesen muss.
    Von meinen Steuern wünsche ich ordentliche Dienstkleidung zu finanzieren. Was ist denn das für eine Sache, dass die Farbe rausgeht und Taschen ausreißen!
    Übrigens hast Du Recht: Respekt muss man sich nicht verdienen. Den ist man der Würde eines Menschen schuldig. Das ist so in allen zivlisierten Gesellschaften. Anders sieht es mit Autorität aus. Die kriegt man zwar oft per Amt verliehen, aber wer sie sich dann nicht verdient, der darf sich nicht wunderen, wenn man den Respekt vor ihm verliert. Gilt übrigens umgekehrt auch für das weibliche Geschlecht.
    Wer also behauptet, Respekt müsse man sich verdienen, der ist einer neurotischen Sprachverwirrung anheimgefallen und kann zwischen beiden Begriffen nicht unterscheiden.

    • 4. Juni 2011 - 22:21 | Permalink

      Danke Friederike, das mit den Steuergeldern sehe ich ähnlich…

  • scotfree
    4. Juni 2011 - 21:40 | Permalink

    Also sorry,aber dieses Mal muss ich leider widersprechen…
    Ich finde diese Uniform sehr repräsentierend… Ich rede hier von BaWü… Die „Sommer-Uniform“ ist richtig schick…
    Und was die Farbe angeht…man muss die Uniform-Hose nur richtig waschen,dann passt das auch mit der Frische der Farbe…
    Sie ist empfindlicher das heißt ja aber auch nicht gleich schlechter…!

    LG

    • 4. Juni 2011 - 22:33 | Permalink

      Hm, mit dem Widerspruch kann ich leben, zumal es ja gar kein Widerspruch ist. Über das Aussehen der Uniform von BW habe ich mich an keiner Stelle dieses Textes geäußert. Optisch finde ich die Teile mindestens so schnieke wie die von RLP.

      Von Waschen habe ich auch nichts geschrieben, das war Hortkind. Da wir nicht wissen, in welchem Bundesland Hortkind tätig ist, finde ich da einen Widerspruch gewagt… vielleicht ist es in Hortkinds Bundesland so? Bei 17 Polizeien bin ich da sehr vorsichtig geworden…

      Nun, ich freue mich, dass Du zu den wenigen gehörst, die mir aus BW eine positive Rückmeldung über ihre Uniform geben. Ich bin immer froh, wenn es Polizisten gut geht!!!

      Aber fast bekomme ich den Eindruck, dass es da mindestens zwei Lieferchargen gegeben haben muss, denn entweder kommt mir Lob zu Ohren oder vernichtende Kritik. Wobei die Kritik sehr viel häufiger ist. Da ich selbst als Nichtpolizistin das Problem gar nicht habe, kann ich mich hier nur auf Infos von Dritten verlassen und die mir vorliegenden sind leider überwiegend negativ.

      Aber selbst wenn ich mich hier auf falsche Quellen verlassen haben sollte und selbst wenn die Uniform in BW der totale Renner ist (was ich allen Polizisten in BW aus tiefster Seele wünsche!!!), so geht es in dem Artikel doch in erster Linie um Berlin und um den Eindruck, den das polizeiliche Gegenüber in Berlin von seinen Polizisten hat. Und zwar der Teil des polizeilichen Gegenübers, der eigentlich sehr positiv zur Polizei eingestellt ist. Und es geht um die Außenwirkung jener, die einerseits für Sicherheit sorgen sollen und andererseits mit zunehmender Gewalt gegen sich konfrontiert sind und um den Zusammenhang zwischen beidem. An der Quintessenz meines Blogbeitrags würden selbst Superuniformen in BW nichts ändern – in Berlin scheint die Polizei absolut beschissene Arbeitsmittel zu bekommen und zwar so beschissen, dass selbst Nichtpolizisten das merken. Das kann aus meiner Sicht schlicht nicht angehen.

  • horti
    5. Juni 2011 - 02:49 | Permalink

    das hortkind ist im übrigen bundespolizist und waschen kann ich meine uniform, das problem haben alle mir bekannten bundespolizisten mit ihren hosen, die wundern sich dann immer, das meine (scheinbar) nicht so ausbleichen (farbe sei dank)

    MfG
    das hortkind

    • 5. Juni 2011 - 09:05 | Permalink

      Danke. Dachte ich mir doch, dass Ihr in zwei unterschiedlichen Polizeien unterwegs seid…

      Wobei ich aus BW wirklich so unterschiedliche Rückmeldungen bekomme und beide so vehement vorgetragen, dass ich mich fast frage, ob das Land mittendrin wirklich möglicherweise den Lieferanten gewechselt hat? Das meine ich durchaus ernst.

      Diejenigen, die mir negative Rückmeldungen über diese Uniformen geben machen mir nämlich durchaus den Eindruck, unter gewöhnlichen Umständen ein Funkgerät unfallfrei in eine Hosentasche stecken zu können. Ebenso wie ich keine Sekunde daran gezweifelt habe, dass Du, Horti, Deine Klamotten korrekt waschen kannst.

      Genausowenig kann ich allerdings Scotfrees Worte in Zweifel ziehen, zumal einige aus BW das so sagen – also drängt sich wirklich der Verdacht auf, dass es unterschiedliche Qualitäten gibt. Halte ich nicht für unwahrscheinlich, ich arbeite ja auch für einen öffentlichen Arbeitgeber und wir haben letzthin auch mal den Lieferanten für Papier gewechselt. Scheint deutlich billiger zu sein, aber die Qualität ist sowas von betrüblich….

  • scotfree
    5. Juni 2011 - 16:02 | Permalink

    Sorry dass ich mich vorher nicht erkundigt habe, welche Uniform „horti“trägt.
    Deswegen schrieb ich auch gleich BaWü dazu
    Und ich schrieb auch nur vom Waschen…Und dass sie durchaus hier bei uns nicht schlecht aussieht…
    Aber deswegen braucht man jetzt nicht von einer „Super-Uniform“sprechen…Das liest sich jetzt, als wären alle Polizisten in BaWü plötzlich „Super-Cops“nur weil sie diese Uniform tragen…und vor allem plötzlich gefeit…
    Auch in der blauen Uniform können die Polizisten noch (leider) Gewalt erfahren
    Ja, es gibt mehrere Hersteller!
    Wenn ich näher auf das Thema eingehen, dass ich gestern fälschlicherweise nicht tat, dann muss ich das so schreiben…
    Die Hose bleicht in BaWü nach dem Waschen nicht aus, sie ist lediglich empfindlicher.
    Das hellblaue Hemd finde ich persönlich sehr schick, allerdings reißen die Taschen leicht ein. Die Knöpfe wiederum halten besser als die bei der grünen Uniform.
    Die Softshell Jacke hat einen sehr hohen Tragekomfort und die war auch noch nicht kaputt.
    Die zusätzlich Woll-Weste, für den Winter ist eine gute Lösung. Damit kann man auch nur den Rollkragenpullover tragen ohne den dicken Pullover…auch diese hat noch kein Manko aufgezeigt.
    Usw…
    Fazit: Es ist keine „Super-Uniform die alle Probleme löst, die den Polizisten auf der Straße begegnen…Diese Uniform hat eben ihr Gutes und Schlechtes, wie die grüne Uniform auch hatte…
    LG

    • 5. Juni 2011 - 16:22 | Permalink

      Scotfree, ich bin schon wieder verwirrt. Ich habe doch nie etwas von „Superuniform“ geschrieben und schon gar nichts von „Super-Cops“.

      Wie gesagt, es freut mich, wenn Du sie in Ordnung findest. Und wie auch schon gesagt – ich habe auch anderes gehört und ich mag mich jetzt nicht zum Richter aufwerfen, wer nun Recht hat und wer nicht. Dafür habe ich zu wenig Einblick und muss mich zu sehr auf die Aussagen Dritter verlassen. Daher auch meine Vermutung mit den unterschiedlichen Lieferchargen.

      So, und jetzt halte ich die Klappe, weil ich offensichtlich heute große Probleme habe, mich so auszudrücken, dass ich korrekt verstanden werde. Dafür ist mir das Thema Uniform auch nicht wichtig genug – zumal diese in meinem Blogbeitrag keine wirklich zentrale Rolle hatten…

      Auf jeden Fall lieben Dank für die ausführlichen Infos…

  • bad.cop
    5. Juni 2011 - 17:19 | Permalink

    Ich bin ein Berliner. Nein, kein Schmalzgebäck, Einwohner und Polizist in der Hauptstadt.

    Es ist definitiv nicht so, daß Einsatzbeamte mit Corsas vorfahren. Diese sind Polizeiangestellten im Objektschutz vorbehalten, die damit ihre Ablösefahrten bzw. Objektschutzstreifen durchführen. Für diese Zwecke ist das Modell ausreichend.

    Der notleidende, hilfesuchende oder auch der polizeilichen „Behandlung“ bedürftige Bürger oder Besucher unserer Stadt wird mit VW Touran (suboptimal) oder VW Passat (geht schon) aufgesucht. Vorher hatten wir BMW 5er. Die waren zwar repräsentativ und leistungsfähig aber leider dem polizeilichen Alltag nicht gewachsen. Sie waren einfach zu empfindlich.

    (Privat sehe ich einen Stern auf der Motorhaube, ich sähe ihn gern auch im Dienst)

    Die neue blaue Dienstbekleidung (keine Uniform!) ist recht „benutzerfreundlich“. Ich möchte die alte Uniform nicht mehr tragen. Das war 70er-jahre-Design, überholt und unpraktisch. Meine einzige Kritik betrifft die Hose, die nach wenigen Stunden angeschmuddelt aussieht, weil sie tatsächlich jedes Haar oder Staubkorn anzieht, was man auf dem dunklen Stoff sofort sieht.

    Den Respekt vor meiner Tätigkeit erlange ich übrigens nicht durch Äußerlichkeiten. Oft trage ich keine Dienstbekleidung, das „zivil“, das ich dann trage, ist nicht unbedingt Haute Couture. Nach meiner Erfahrung verschaffen Körpersprache und verbale Kommunikation dem Amt am ehesten Geltung. Ja ich weiß, es gibt Untersuchungen die dem widersprechen.

    Dies ist mein erster Kommentar hier, gelesen habe ich schon länger. Ich erlaube mir noch einen generellen Kommentar.

    Es schmeichelt dem Ego, einem „Fan“ der Polizei in seinen Gedanken folgen zu können. Manches amüsiert mich (Och, wie süß), manches läßt mich nachdenken. Einiges berührt mich als Profi peinlich. Polizisten sind in der Mehrheit gestandene Leute. Sie wollen kein Mitleid. Nur Respekt vor dem, was sie tun. Man muß uns nicht mögen aber anerkennen, daß unsere Tätigkeit sinnvoll, nützlich und notwendig ist.

    • 5. Juni 2011 - 17:45 | Permalink

      Vorab: Es freut mich, zu lesen, dass Du nicht im Corsa vorfahren musst.

      Allerdings steht für mich jetzt erstmal Aussage gegen Aussage, denn warum sollte mein Bekannter mich belogen haben? Vielleicht hat er auch einfach etwas missverstanden, das will ich gar nicht in Abrede stellen. Nochmal, ich habe hier Aussagen Dritter zusammengetragen, die eine bestimmte Meinung und ein bestimmtes Bild in mir haben entstehen lassen. Ich bin durchaus bereit, dieses Bild zu ändern, wenn mir genug andere Aussagen zu Ohren oder wie hier zu Augen kommen. Ich halte meine Meinung nicht für das non plus ultra – schon gar nicht, wenn sie auf Hören-Sagen basiert.

      Mir ist ein bisschen unklar, worauf Du mit Deinem Satz anspielst, dass Polizisten kein Mitleid wollen. Etwas derartiges habe ich sicherlich niemals eingefordert. Wenn doch, bitte mache mich auf die entsprechende Textstelle aufmerksam, denn dann muss ich mich schon arg dusselig ausgedrückt haben und dann würde ich sie gern umschreiben.

      Hingegen fordere ich MITGEFÜHL ein, was etwas vollkommen anderes ist. Mitgefühl ist die Fähigkeit, sich in die Leute reinzuversetzen, denen man seine Faust ins Gesicht rammt. Und das tut nunmal weh, wenn man der Empfänger ist, egal, wie gut man in seinem Job ist. Mitgefühl hat mit Mitleid nicht das Geringste zu tun und ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch besitzen sollte. Hätte sie jeder, sähe diese Welt auch anders aus.

      Insofern kann ich nur betonen, dass ich Polizisten durchaus für gestandene und hochkompetente Leute halte. Sollte irgendwo in meinem Blog das Gegenteil geschrieben stehen, so entschuldige ich mich dafür. Entweder habe ich mich da sehr schlecht ausgedrückt oder aber ich bin übel missverstanden worden.

      Wenn Dir manche meiner Worte als Profi peinlich sind, könnte es daran liegen, dass ich eben kein Profi bin. Zumindest nicht in Eurem Job. Schick mir doch dann einfach beim nächsten Mal eine Mail. Dann kann ich das Problem aus der Welt schaffen, entweder, indem ich einen fachlichen Fehler korrigiere oder indem ich eine Formulierung ändere oder aber erkläre, dass meine Formulierung möglicherweise anders gemeint ist als Du sie verstanden hast.

      Was Deine beiden letzten Sätze betrifft: Ganz meine Rede. Genau das vertrete ich hier seit Monaten. :-)

      Übrigens lege ich großen Wert darauf, dass ich kein „Fan“ bin. Ich bin „Freundin“ und das ist etwas ganz anderes. Zu wahrer Freundschaft gehört Kritik und die gehört für mich dazu. Habt Ihr hier auch schon mehr als einmal bekommen. Wäre ich „Fan“, würdet Ihr sowas hier nicht lesen.

    • 5. Juni 2011 - 19:19 | Permalink

      In meinen diversen Einsätzen in Berlin sind mir auch die erwähnten „Streifen-Corsas“ über den Weg gefahren. Wenn sie wirklich Angestellten vorbehalten sind, ist das aber etwas unglücklich, denn die Aufschrift sagte klipp und klar „Polizei“. Der Bürger differenziert da nicht. Für ihn ist da Polizei drin, wo es drauf steht. Deshalb ist das auch negativ für das Ansehen der Polizei. Wenn sich dieser Umstand nichteinmal mir als Kollegen erschließt, wie soll das dann beim Nichtprofi funktionieren?
      Es geht Mildred hier nicht darum, die neue Uniform ansich zu kritisieren, sondern deren Qualität in manchen Fällen/Bundesländern. Dass die alte Uniform nicht mehr geht, steht außer Frage, auch wenn ich sie leider immer noch tragen muss.
      Ich bin inzwischen auch über zwanzig Jahre im Polizeidienst. Mitleid will ich nicht, sehrwohl das von Mildred entgegengebrachte und eingeforderte Mitgefühl. Ich neige nicht dazu, zu jammern, denn ich mache meinen Job gerne. Trotzdem muss man realistisch bleiben und Mißstände aufzeigen. Genau das passiert hier in diesem Blog.
      Dafür bin ich dankbar und unterstütze dieses Projekt. Nur wenn man den Nichtprofi informiert, wird er den Profi auch verstehen lernen und vielleicht irgendwann unterstützen. Das ist natürlich ein Wunschtraum, aber träumen wird man doch wohl auch als Polizist noch dürfen, oder?

      • 5. Juni 2011 - 22:35 | Permalink

        Danke, Poetry-Cop. Du hast meinen Text richtig gelesen.

        Es ging in der Tat nicht um die neue Uniform. Es ging in dem Sinne noch nicht mal um Berliner Polizisten. Es ging eigentlich nur um die Außenwirkung, die diese teilweise auf meinen Bekannten haben.

        Ich habe mit keinem Wort geschrieben, dass es keine anderen Kriterien für Außenwirkung gibt. Ebensowenig habe ich geschrieben, dass alle Menschen auf der Welt diese Wahrnehmung teilen müssen,Ich habe noch nicht einmal behauptet, dass ich sie teile.

        Ich wollte lediglich den Verantwortlichen einen Denkanstoß geben. Offenbar habe ich aber eher Selbstverteidigungsreflexe an Stellen ausgelöst, die gar nicht gemeint waren. Schade!

        Insofern danke sehr, dass Du meinen Text korrekt verstanden hast!

  • Hans-Gerd Birkholz
    5. Juni 2011 - 21:38 | Permalink

    Ich finde den Beitrag von „Badcop“ super!
    Mitleid brauche ich eigentlich nur, wenn es zu spät ist!
    Aber Respekt, Anerkennung etc. brauche ich vorher!
    Dann wird es vielleicht keine Situation mehr geben, wo ich Mitleid brauche!

    • 5. Juni 2011 - 22:29 | Permalink

      Diesen Teil seines Beitrages finde ich, wie schon geschrieben, inhaltlich auch super.

      Mir ist lediglich der Bezug zu diesem Projekt und zu meinem Blogbeitrag unklar.

  • Hans-Gerd Birkholz
    14. Juni 2011 - 21:22 | Permalink

    Es gibt Beschäftite bei der Polizei einiger Bundesländer, die nicht „Polize“ sind. Ich möchte hier nicht diskriminierend wirkend, doch es gibt halt Unterschiede, ob in Ausstattung oder Befugnis. Meiner Meinung nach müssten die verschiedenen Dienste auch entsprechend gekennzeichnet sein. Dann wäre es vielleicht zu dem Vorfall in Berlin nicht gekommen.
    Doch mache denken: Da steht Polizei drauf, also ist sie auch drinnen!

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