Spaß, bis der Arzt kommt

Mir ist ja schon öfter aufgefallen, dass mein Humor sich von dem so einiger Zeitgenossen unterscheidet. Wenn ich z. B. sehe, wie sich zwei Jugendliche prügeln und höre dann den in meinen Augen saudämlichen Spruch: „Ey, war doch nur Spaß!“, dann frage ich mich, was genau jetzt daran witzig sein sollte.

Ich kann nicht nachvollziehen, wieso ein Diskobesuch erst dann ein Erfolg war, wenn man von der Polizei von seinem Kontrahenten getrennt wurde, den man schon bis zum Splittern der Knochen die Fäuste hat schmecken lassen, während einem selbst die Nase vom Blut tropft. Betrunken bis kurz vor den Verlust der Muttersprache. Leider nicht besoffen genug, dass die Polizeibeamten, die sich dann dazwischen werfen, um den Spaß zu unterbinden, nicht noch ordentlich durchbeleidigt und bedroht werden können.

Mir fehlt absolut die Antenne dafür, was daran „Happy“ sein soll, mit dem Handy zu filmen, wie jemand auf dem Schulhof zusammengeschlagen wird und dieses Video dann durch die Welt zu schicken. Warum sich manche Zeitgenossen über so etwas kaputt lachen können, geht mir nicht in den Kopf. Der Insidername „Happy Slapping“ für so etwas ist mir nicht minder schleierhaft als das Spaßgefühl daran.

Heute Morgen stolperte ich über dieses Bild aus der Ecke „Funbilder“:

http://www.witzige-werbespots.tv/funbildanschauen.php?funbild=5424&utm_source=witzige-werbespots.tv

Was genau ist daran witzig?

Ich sehe zwei junge Männer, die ganz deutlich die Distanz unterschritten haben, in der ein Mensch sich wohlfühlt. Der Mann in grün mit dem Visier ist nämlich ein solcher Mensch. Wird ja gern vergessen. „Robocop“ wird dieser Berufsstand gern mal genannt… und weil Roboter sich ja alles bieten lassen, darf man auch distanzlos werden und sie mit verbaler Gewalt beglücken. Es ist fast schon egal, was die beiden jungen Männer da absondern – allein, wie weit sie dem Polizisten auf die Pelle gerückt sind und die Lautstärke reichen aus. Wenn man den Atem seines Gegenübers riechen kann, dann ist das zu dicht dran. Dann sind Grenzen überschritten und wir befinden uns im Bereich der Gewalt.

Ganz abgesehen davon, dass ich mal wirklich gern wüsste, ob wirklich alle Personen auf dem Bild gefragt wurden, ob es ihnen auch Recht ist, wenn ihr Gesicht formatfüllend im Internet zu sehen ist. Speziell bei dem Menschen in grün habe ich so meine Zweifel, ob er überhaupt von seinem Glück weiß.

Wahrscheinlich erklären mir jetzt bestimmte Leute mal wieder, ich sei humorlos. Zum Glück!

An dem Tag, an dem mir Figuren, die so etwas lustig finden, bescheinigen, dass ich Humor hätte, werde ich die Notschlachtung beantragen, weil ich mich dann nicht mehr für sozial kompatibel halte.

Aus meiner Sicht ist dieses Foto vor allen Dingen ein Beweis dafür, wie schwachsinnig der ständige Vorwurf an die Adresse der Polizei ist, unsere Polizisten seien durch die Bank gewalttätig und durchgedrehte Kampfmaschinen.

Die Ruhe, die dieser Polizist ausstrahlt, ist der Beweis für das glatte Gegenteil. Meine Hochachtung.

4 Comments

  • scotfree
    19. Mai 2011 - 10:39 | Permalink

    Er hat auch meine Hochachtung!!!!!

  • sliggel
    19. Mai 2011 - 15:21 | Permalink

    Offensichtlich hat er nicht nur die Ruhe weg, der Kollege. Bei genauer Betrachtung lächelt er sogar ein wenig. Vielleicht amüsiert er sich ja darüber, wie der Typ derart die Contenance verlieren kann.

    Und dem Kommentar darunter kann ich auch nur nickend beipflichten. An der normalen Mütze wäre so’n Visier manchmal auch nicht schlecht. ;-)

    Möglicherweise braucht man als Polizeibeamter so eine Art Galgenhumor. Ansonsten wäre der Dienst irgendwann nicht mehr zu ertragen.

  • hortkind
    19. Mai 2011 - 16:23 | Permalink

    ich bin mir nicht ganz sicher ob das ein ehrliches lächeln ist, ich würde eher auf ein unbehagen kaschierendes lächeln tippen…diese leute sollte man echt mal in die gleiche situation bringen, die müssten sich auch mal von einer übermacht distanzlos anschreien lassen…aber hauptsache die schreien aus der entfernung „keine gewalt“…

    MfG
    das hortkind

  • 19. Mai 2011 - 16:43 | Permalink

    @Sliggel: Ja, bei dem Spruch unter dem Bild musste ich auch grinsen. Und das, obwohl es vor sieben Uhr morgens war…
    Auf der anderen Seite bleibt da aber das Bild über dem Spruch. Und das bleibt für mich nicht lustig. Für mich überwiegt der Bauchschmerz aus dem Bild den zweifellos vorhanden Witz in dem Spruch.

    @hortkind: Genau das ist auch mein Eindruck. Mein Lächeln ist immer dann am Breitesten, wenn ich am tiefsten in der Bredouille stecke. „Lächeln ist und bleibt die vornehmste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen.“

    Lächeln ist nicht immer zwingend ein Ausdruck von Wohlbefinden oder davon, mit einer Situation im Reinen zu sein. Das beste Beispiel sind für mich die Treffen von Spitzenpolitikern. Die haben sich mit Sicherheit nicht alle lieb, blecken aber immer die Zähne wie die Filmstars.

    Andererseits kann man den Menschen nur vor den Kopf gucken. Vielleicht hat Sliggel ja Recht und für diesen Polizisten kann es nichts Schöneres geben als dieses Bad in der Menge zu nehmen. Ich würde es ihm jedenfalls gönnen.

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