Zürich

Der Schweizer an sich ist ja bekannt für seine Diskretion. Zumindest für die Schweizer Polizei unterschreibe ich diese Charakterisierung uneingeschränkt.

Ok, ich hatte das Ziel, Abstand zu „Keine Gewalt gegen Polizisten“ zu gewinnen, aber erstens ist es in jedem Land auf der Welt schwierig, der Polizei dauerhaft aus dem Weg zu gehen, und zweitens bin ich ja kein Verbrecher auf der Flucht.

Außerdem fiel mir neulich nachts kurz vorm Einschlafen ein, dass den Teil der „Keine Gewalt gegen Polizisten“-Homepage, der der Schweizer Polizei gewidmet ist, immer noch das Foto eines Spielzeugautos ziert. Ein unhaltbarer Zustand, dem man doch relativ schnell und einfach abhelfen können sollte. Dachte ich… :roll:

Außerhalb der großen Städte war es mir für vier Tage unmöglich, die sehr scheue Spezies des Schweizer Streifenwagens vor die Linse zu bekommen. Auch innerhalb der großen Städte war das nicht so leicht. Entweder war ich gerade unter Hochdruck damit befasst, die Geschwindigkeitsbegrenzung im Auge zu behalten, dabei möglichst keinen Unfall zu bauen und auch noch meinen Weg zu finden. Kein günstiger Moment, um den Fotoapparat hochzureißen. Meistens jedoch war ich zu Fuß unterwegs und dann fuhren sie mit solch einem Affenzahn an mir vorbei, dass ich nicht einmal Zeit hatte, die Kamera scharf zu machen… (Welcher Schwachkopf hat eigentlich das dämliche Gerücht in die Welt gesetzt, der Schweizer an sich sei langsam? Ich bin selten bei so gut wie allen Verkehrsmitteln mit solch einem zügigen Tempo befördert worden wie hier.)

Trotz intensiver Versuche ist es mir nicht gelungen, alle Luzerner Streifenwagen abzulichten. Die sind nämlich sehr vielfältig. Guckstu hier, hier, hier und hier. Und das sind noch nicht alle…

Also entschied ich schließlich, dem Zufall etwas nachzuhelfen. Meine gestrige Joggingstrecke wählte ich am Polizeiposten meines Urlaubsortes Weggis (LU) vorbei. Und tatsächlich. Ein wunderschönes Exemplar parkte genau vor dem Haus. Danke schön!

Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn ich hatte schon Angst, diese sehr liebenswürdige Botschaft in einer Unterführung in Weggis würde ihren Adressaten gar nicht erreichen, weil die Polizei dort nur als Phantom existiert.

Da mir das Jagdglück an diesem Tag hold zu sein schien, beschloss ich, die Stadt Zürich zu besuchen. Immerhin war in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens vor einigen Tagen vom Bußenstreik der Züricher Stadtpolizei berichtet und dabei wörtlich gesagt worden, die Polizei zeige dort trotzdem weiter Präsenz.

Nun, was soll ich sagen? Seit „Keine Gewalt gegen Polizisten“ habe ich sowieso eine andere Art, Städte zu besichtigen als früher. Natürlich spielt der kulturelle Teil weiterhin eine wichtige Rolle, aber mir fallen auch Graffiti ins Auge, die ich früher ignoriert hätte. Wie zum Beispiel dieses geradezu kreative Exemplar:

Zur Erläuterung: Die 117 ist die Schweizer 110.

(Zur Erläuterung: die 117 ist die Schweizer 110)

Es war übrigens an der Bahnhofstraße angebracht. Für Uneingeweihte vielleicht ein etwas unspektakulärer Straßenname, aber es handelt sich hierbei um die absolute Haupteinkaufsmeile von Zürich. Auch die Börse liegt an dieser Straße.

Nun, es muss auch hier mit der Schweizer Diskretion zusammenhängen, dass ich die mir von SF1 versprochene Polizeipräsenz nicht bemerkte. Dabei war das Ziel, doch etwas mehr Auswahl an Fotos zu haben, damit auch dieser Teil der Homepage endlich richtig schön wird. Natürlich würde ich bei allem, was ich im Rahmen des Blogs schon über die Persönlichkeitsrechte von Polizeibeamten gesagt habe, niemals gegen ihren Willen Fotos von ihnen ins Netz stellen, auf denen man ihre Gesichter erkennen kann. Aber erstens war der Plan, sie zu fragen, und zweitens, sie so abzulichten, dass man sie nicht erkennt. Oder das Foto entsprechend nachzubearbeiten…

Nachdem ich das Outdoor-Kulturprogramm hinter mich gebracht hatte (das Indoor-Kulturprogramm habe ich auf einen Tag verschoben, an dem nicht 25 Grad im Schatten und herrlicher Sonnenschein herrschen würden), und ich immer noch kein Polizeibild im Kasten hatte, beschloss ich, auch hier nachzuhelfen.

Dem geneigten Besucher der Schweiz, der ein iPhone besitzt, sei gesagt, dass man für jede größere Stadt eine App herunterladen kann mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten sowie Notfalladressen… unter anderem den Anschriften sämtlicher wichtiger Polizeidienststellen. Wer will denn bitte entscheiden, was sehenswert ist und was nicht? Und irgendwie war das ja auch so ganz allmählich ein Notfall…

Das Ergebnis dieses Stadtrundgangs der etwas anderen Art wird ein eigenes Album bekommen. Ich gehe davon aus, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt in der Schweiz war und somit noch ein paar Bilder dazukommen.

Überflüssig zu sagen, dass auch in Zürich die Unterstützerszene für meine Aktion „All cops are beautiful“ blüht. Allerdings gedeiht sie nicht so gut wie andernorts, weil verständnislose Menschen diese freundlichen Unterstützerbotschaften an sehr frequentierten Ecken wie z. B. dem Hauptbahnhof regelmäßig entfernen. Meine diesbezüglichen Funde sind auf der entsprechenden Fotostrecke zu besichtigen.

Es gibt auch in der Schweiz Stimmen, die trotz meiner Schwierigkeiten, überhaupt mal eine Polizeistreife zu Gesicht zu bekommen, davon faseln, die Schweiz sei ein Polizeistaat. (Besonders geschmackvoll vor dem Hintergrund, dass in Syrien derzeit Sitzblockaden damit aufgelöst werden, dass einfach in die Menge geschossen wird. Habe ich aus der Schweiz noch nie gehört.) Jedenfalls habe ich den ultimativen Beweis für die Polizeistaatlichkeit der Schweiz gefunden und fotografiert:

Dieser Aufkleber war am Zaun des Geländes der Kantonspolizei Zürich an der Kasernenstraße angebracht.

Ja, nee, ist klar. In Polizeistaaten würde solch ein Aufkleber mit Sicherheit nicht hängen bleiben. Vielmehr würde man den, der ihn dahingepappt hat, hängen. Habe ich aus der Schweiz auch noch nie gehört.

Na ja… von Fakten haben sich Anhänger des politischen Extremismus, egal welcher Couleur, noch nie verwirren lassen.

An dieser Stelle mein herzliches Beileid an alle Schweizer Polizeibeamte, die zum 1. Mai in Zürich das zweifelhafte Vergnügen haben werden. Ich werde in Gedanken auch bei Euch sein!!!  (Und in Berlin, Hamburg, Wien… etc…)

Zum Abschluss bekam ich dann doch noch einmal die geballte Polizeipräsenz zu Gesicht. Wie man am etwas unglücklichen Bildaufbau sieht, waren auch diese beiden weit entfernt vom Vorurteil des langsamen Schweizers – ich bin froh, dass das Foto wenigstens scharf ist. Fragen konnte ich sie leider auch nicht mehr, aber ich denke, da man sie gar nicht erkennen kann, geht das schon in Ordnung.

Die Ausfahrt aus Zürich gestaltete sich übrigens etwas schwierig, da einige Ampeln ausgefallen waren. Dabei habe ich gelernt, dass der Züricher Polizist, wenn er den Verkehr regelt, nicht nur eine Warnweste trägt, sondern auch weiße Handschuhe, damit man seinen Handbewegungen besser folgen, respektive Folge leisten, kann. Das ist echt klasse! Und es funktioniert! :-)

(Geschrieben am 21.04.2011; im Kanton Schwyz habe ich übrigens bis zum letzten Tag keinen Streifenwagen vor die Linse bekommen… )

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