Allgemein Demo Verein

Viele gute Gespräche – Demoeinsatz in Remagen – 17.11.2018

Alle Jahre wieder … Das ist mittlerweile die gängige Begrüßungsformel, mit der nicht nur wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. begrüßt werden, sondern unter der wir auch unseren Beitrag zum Demoeinsatz planen. Natürlich wie immer mit Genehmigung der Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Koblenz und der Bundespolizeidirektion Koblenz.

Anlass ist, auch alle Jahre wieder, ein rechtsextremistischer Aufmarsch sowie die Gegenveranstaltungen, unter denen ich besonders den Tag der Demokratie des Bündnis für Frieden und Demokratie in Remagen hervorheben möchte.

Zwar sind die Voraussetzungen für uns jedes Jahr ein Bisschen anders (an welchen Stellen sammeln sich Polizeibeamte, wo sind Versorgungsstellen, wann treffen wir wo wen an, wer von Keine Gewalt gegen Polizei e.V. unterstützt), aber manches bleibt eben auch immer gleich.

So hängte ich dieses Mal am Tag vorher die Plakate allein auf, wurde aber von beiden Hausmeistern, sowohl der Grund- als auch der Integrierten Gesamtschule, unterstützt. Abends half mir der Schriftführer, schon einmal einen Teil unserer Spende in der Remagener Markthalle abzuholen.

Unser Tag begann um 04:00 Uhr, denn um 05:45 Uhr traf Julia bei mir ein. Wir beluden das Auto, dieses Mal auch mit einem schicken Tapeziertisch, da wir wussten, dass eine von uns bisher immer genutzte Versorgungsstelle wegfallen würde. Da wir aber nicht wussten, wie viele Polizisten sich wie lange an diesem Ort würden aufhalten müssen, wollten wir gerüstet sein, dort im Falle eines Falles eine Freiluftversorgung aufzubauen. Das Wetter versprach ja, trocken zu bleiben.

Um 06:30 Uhr holten wir bei der Bäckerei Müller den zweiten Teil unserer Spende ab.

Polizeisterne

Julia hatte einen traumhaften Schokoladenkuchen mitgebracht und ich steuerte wie immer Hundekekse für die Diensthunde bei sowie Polizeisterne.

Von dort fuhren wir als erstes zu Polizeiinspektion, denn dort ist ja die Tür immer offen, und hinterlegten bereits den ersten Teil unserer Spende.

Auf dem Weg zur IGS stellten wir nicht nur fest, dass es ein traumhafter Herbstmorgen war, der wunderbare Fotomotive bot, sondern dass auch neben der Schwarzen Madonna ein einsamer Streifenwagen im Nebel stand mit zwei mutmaßlich frierenden Polizisten darin.

Da parkten wir doch mal spontan ein paar Meter weiter ein und brachten schon mal einen Teil unserer Spende persönlich an den Mann.

„Passt gut, wir hatten noch kein Frühstück“.

Dann bauten wir in der IGS einen ersten Tisch auf. Ab zur Feuerwehr. An der Feuerwehr stießen erst wir auf die Helfer der Gewerkschaft der Polizei, dann stieß spontan Michaela zu uns, ebenfalls mit vier Kuchen bewaffnet. Wow!

Gewerkschaft der Polizei und Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. – Polizisten und Bürger ziehen an einem Strang

 

Michaela Knieps,, Julia Reinhardt und Gerke Minrath (alle von KGgP) in Kommunikation mit der Kommunikation. ;-)

Nun ging es mit zwei Wagen zuerst zum Parkplatz am Bahnhof, wo wir zwar kurz auf unseren Ansprechpartner von den Vorjahren trafen, der aber auch nicht so recht wusste, wie dieses Jahr zu verfahren sein könnte. Also schoben wir die Entscheidung hinaus, brachten noch einmal einiges zur IGS und dann zur Bundespolizei im Jugendbahnhof.

Ein letzter Versuch auf dem Parkplatz, wieder ergebnislos. Also ein letztes Mal zur IGS, immer schön vom einen Ende der Stadt zum anderen, und dort dann den Rest abgeliefert.

Michaela musste sich an diesem Punkt, ich zitiere, „vom ordnungsgemäßen Zustand meiner Familie“ überzeugen, also verließ sie uns an dieser Stelle.

Wir sahen zu, dass wir nun das Auto loswurden, denn wenn erstmal die Aufzüge laufen, ist kein Durchkommen mehr. Schließlich ist Sinn der ganzen Übung die Gewährleistung der freien Meinungsäußerung. Entgegen anderslautender Gerüchte schützt nämlich die Polizei keine besondere Meinung, sondern das Recht auf freie Äußerung derselben.

Zu Fuß kamen wir wieder zurück in die Innenstadt und besuchten zuerst noch einmal die Bundespolizei im Jugendbahnhof.

Bildquelle: Bundespolizei

Von dort spazierten wir wieder zur IGS. Unterwegs trafen wir immer wieder bekannte und für uns neue Gesichter aus den Reihen der Polizei. Entsprechend dauerten die Gespräche länger als sonst. Im Foyer der IGS und später bei der Feuerwehr bekamen wir auch noch ein paar Heißgetränke gespendet. Da der Einsatz insgesamt recht friedlich verlief, war er auch schnell zuende und wir konnten mit Hilfe des Schriftführers unsere Siebensachen einsammeln. Dabei wurde ich zufällig Zeugin, wie unglaublich schnell unsere Freiwillige Feuerwehr Remagen ist, wenn sie alarmiert wird. Wow! Ihr seid mit ein Grund, warum ich ruhig schlafen kann.

Den Rest des Abends ließ ich dann auf unserer Couch ausklingen.

Danke allen Unterstützern! Ihr seid klasse!

Und natürlich danke allen Einsatzkräften.

Wie üblich kommt zum Abschuss die Polizei selbst zu Wort:

Aktivisten aus verschiedenen politischen Lagern hatten heute zu Versammlungen und Kundgebungen in Remagen aufgerufen und bei der Kreisverwaltung Ahrweiler angemeldet. Aufgabe der Polizei ist es, die von der Verfassung garantierten Grundrechte auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Aktivisten zu verhindern. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, setzte die Polizeidirektion Mayen mehrere hundert Einsatzkräfte in und um Remagen ein.

Über den Tag verteilt fanden in Remagen und am Rhein-Ahr-Campus eine Vielzahl von verschiedenen Veranstaltungen statt, welche sich gegen die rechte Gesinnung richteten.

Im Bereich der Bahnunterführung am Bahnhof Remagen kam es zu einer Blockade durch Aktivisten des linken Spektrums. Diese wurde aufgelöst.

Die Anhänger „Rechts“, rund 130 Personen, trafen sich ab 12.00 Uhr im Bereich des Güterbahnhofs an der B 9. Telefonisch ging eine Bombendrohung gegen diesen Aufzug bei der Polizei Remagen ein. Vor diesem Hintergrund wurden Teile der Aufzugsstrecke von der Versammlungsbehörde in Abstimmung mit der Polizei kurzfristig umgelegt. Durch die notwendige Streckenumlegung entstanden auf der B9 Verkehrsstörungen. Die Ermittlungen in Bezug auf die Bombendrohung wurden sofort aufgenommen und dauern zurzeit an. Der Täter muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Nach einer Kundgebung in der Nähe der Friedenskapelle ging der Aufzug wieder zurück zum Güterbahnhof und endete dort ohne weitere Zwischenfälle.

Zirka 250 Personen des linken Spektrums suchten heute den Weg nach Remagen. Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen konnte durch die eingesetzten Polizeikräfte verhindert werden.

(Pressemitteilung der Polizeidirektion Mayen vom 17.11.2018)

 

Allgemein

„Polizeigewalt: Kaum Schutz für Opfer“ – Mein Kommentar zum Monitor-Beitrag vom 15.11.2018

Zum besseren Verständnis des Kommentars empfiehlt es sich, sich die Sendung anzusehen. Hier ist der Link zur Mediathek:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/polizeigewalt-106.html

Die Polizei ist eine von Menschen gemachte Institution, also nicht perfekt. Entsprechend gibt es Einzelfälle von inkorrektem Verhalten. Diesen sollte auch nachgegangen werden. Das nennt sich dann Rechtsstaat. Soweit bin ich beim Monitor-Team.

Ich bin sogar beim Redaktionsteam, dass der Vorfall aus Wuppertal mit den in der Sendung präsentierten Informationen nicht gut für die Polizei rüberkommt. Mich würde allerdings schon interessieren, WARUM es diesen Platzverweis überhaupt gab. Das könnte ja doch einiges an der Beurteilung der Sachlage ändern.

Unabhängig davon ist diese Sendung ein Konglomerat aus Vermutungen, Unterstellungen, Einseitigkeit und fehlenden Informationen.

So zum Beispiel durften wir Zuschauer auch nie erfahren, aus welchem Grund die Duisburger Polizei wollte, dass Herr Kara wegfährt und zwar sofort und nicht erst, wenn er in Ruhe fertig gemacht hat. Hingegen finde ich persönlich es durchaus nachvollziehbar, Pfefferspray einzusetzen, wenn man in einem engen Treppenaufgang derart bedrängt wird, wie die Duisburger Beamten. Der Polizist, der Herrn Kara gegen den Kopf getreten hat, wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Dass er gegen seinen Strafbefehl Einspruch eingelegt hat, ist genau so sein gutes Recht wie es das gute Recht von Herrn Kara ist. Es ist das gute Recht eines jeden von uns, Einspruch gegen Strafbefehle einzulegen und wenn ein Polizist das tut, ist das eine völlig andere Baustelle, als wenn die Staatsanwaltschaft ein Verfahren einstellt. Im Zusammenhang damit wäre es auch nett gewesen zu erfahren, dass der Polizist nach wie vor vom Dienst suspendiert ist. Oder passt das nicht in die Nettobotschaft der Sendung?

Zu dem Herrn, der vor der Nürnberger Berufsschule ein Fahrrad in die sich vorwärts bewegenden Polizisten geschoben hat: Haben Sie schon einmal, während Sie sich dynamisch nach vorne bewegt haben, ein Fahrrad in die Beine geschoben bekommen? Offensichtlich nicht, sonst wüssten sie, welche üblen Verletzungen man damit hervorrufen kann. Es hat nicht das Geringste damit zu tun, ob jemand sonst ein Gewalttäter ist oder nicht. Diese Aktion war Gewalt und Menschen hätten dabei verletzt werden können. Insofern verstehe ich nicht, was an den von der zuständigen Staatsanwaltschaft aufgezählten Straftatbeständen falsch sein soll.

Ich jedenfalls werde mich weiterhin auf jede Demo begeben, die mir gefällt, ohne Angst vor der Polizei.

Die Straftatbestände „Widerstand“ und „tätlicher Angriff auf Polizeibeamte“ werden nicht trennscharf benutzt, auch das ist keine seriöse Berichterstattung. So wird der Eindruck suggeriert, dass diese Straftatbestände austauschbar seien, was sie nicht sind. Es gab übrigens auch schon erste Urteile wegen des Straftatbestandes „tätlicher Angriff auf Polizeibeamte“. So verurteilte bspw. das Amtsgericht Leonberg einen 31-Jährigen, der einen Rettungssanitäter und einen Polizisten angriff wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 60 Euro (Quelle: Leonberger Kreiszeitung vom 10.06.2018). Durch einfache Nutzung einer Suchmaschine findet man x weitere Urteile, wo von Haftstrafen nicht die leiseste Rede ist. Siehe dazu auch §47, Absatz 2 StGB.

Auch die ewige Leier mit der Anzahl der Strafverfahren, die eingestellt werden, wird durch kontinuierliche Wiederholung nicht sinnvoller.

Diese Zahlen sagen für sich genommen erstmal nicht das Geringste aus.

Zum einen fehlt die Vergleichsgröße. Solange man nicht weiß, wie viele Strafverfahren gegen Nichtpolizisten wegen vergleichbarer Tatvorwürfe eingestellt werden, haben die Zahlen keine Aussagekraft. Da es keinen Straftatbestand gibt, der sich mit Körperverletzung im Amt vergleichen lässt, kann man mit diesen Zahlen schlicht nichts anfangen. Man könnte sie ggf. mit Zahlen anderer europäischer Länder vergleichen, wobei auch dann die Aussagekraft deutlich geschmälert sein dürfte.

Übrigens gehe ich mal ganz stark davon aus, dass bspw. in Russland kaum Anzeigen gegen Polizisten erstattet werden dürften. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das bedeutet, dass es dort weniger Polizeigewalt gibt als hier.

Ein Strafverfahren ist ergebnisoffen und kein Beweis für Schuld. Sonst könnte ich ja jeden Missliebigen mit einer Anzeige ins Gefängnis bringen. Auch das nennt sich dann Rechtsstaat.

Mir sind noch einiges Dinge mehr aufgefallen, die in dem Beitrag mehr als diskussionswürdig waren. Aber ich belasse es aus Zeitgründen mal hierbei. Es geht mir auch nicht darum, dass man die Polizei nicht kritisieren sollte. Ich bin ja gerade deshalb Fan unserer Polizei, weil sie demokratisch legitimiert und rechtsstaatlich verfasst ist und man sie eben kritisieren darf. Aber doch bitte mit vernünftigen und sachlichen Argumenten. Rechtsgrundlagen werden da von mir auch immer wieder gerne genommen.

Ich jedenfalls würde weiterhin jeder der 17 Polizeien in der Bundesrepublik Deutschland bedingungslos mein Leben anvertrauen.

Allgemein

Eine Gedenkstätte für im Dienst getötete Polizeibeamtinnen und -beamten

Schon seit längerem wünsche ich mir eine Art Denkmal für im Dienst an uns als Gesellschaft ums Leben gekommene Polizeibeamtinnen und -beamten. Umso mehr berührte es mich, als die Einladung zur Einweihung einer solchen in meinen Briefkasten flatterte – zur Einweihung der „Gedenkstätte für die im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten des Landes Rheinland-Pfalz“ an der Hochschule der Polizei in Büchenbeuren. Nicht nur die Einweihung fand dort statt, auch die Gedenkstätte wurde vor dem Tagungszentrum dort errichtet.

So fuhr ich denn heute Morgen bei – für Novemberverhältnisse – bestem Sonnenscheinwetter in den Hunsrück. Je näher ich Büchenbeuren kam, desto grauer und nieseliger wurde das Wetter. Wie schade …

Nachdem ich von freundlichen Polizeianwärterinnen und -anwärtern eingewiesen worden war, stellte ich im Tagungszentrum der Hochschule fest, dass es eine sehr große Veranstaltung werden würde. Das war auch gut so. Selbstverständlich waren viele Angehörige der Polizisten, um die es hier gehen würde, gekommen. Ebenso einige Mitglieder des Landtages, Vertreter der Landesregierung, hochrangige Vertreter benachbarter Polizeien – hier seien beispielhaft die Bundespolizei, die Polizei Nordrhein-Westfalen, die Polizei des Saarlandes sowie die luxemburgische Polizei genannt, und der Landesbranddirektor (oberster Feuerwehrmann von RLP). Natürlich waren auch viele Polizistinnen und Polizisten aus Rheinland-Pfalz vor Ort und nicht zuletzt die Personalvertreter und Vertreter der Polizeigewerkschaften. Passend zum Motto, unter dem die Veranstaltung stand: „Einnerung ist eine Form der Begegnung“ (Khalil Gibran).

Nach einer Begrüßung durch den Leiter der Hochschule, Friedel Durben, sowie einer Ansprache des Inspekteurs der Polizei, Jürgen Schmitt, sprach auch Innenminister Roger Lewentz.

„Jedes einzelne Schicksal, jede einzelne Geschichte ist tragisch und berührt Angehörige, Freunde und Bekannte, aber auch die Polizeibeamtinnen und -beamten, die einen Kollegen verloren haben. Die Hochschule der Polizei hat zusammen mit den Polizeibehörden keine Mühen gescheut, Angehörige und enge Kolleginnen und Kollegen der Verstorbenen zu ermitteln. Dabei kam es zu sehr denkwürdigen und intensiven Gesprächen und Begegnungen, die deutlich machten, wie präsent die Erinnerungen von teilweise Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen bei vielen Betroffenen an dieses einschneidende Erlebnis nach wie vor sind“,  so der Minister.

Untermalt wurde das Programm durch das Blechbläserensembles des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz. Gespielt wurde u. a. das Ave Verum von Mozart sowie das Adagio in d-moll von Allesandro Marcello. Ich erwähne das, weil die Auswahl der Stücke die Feierlichkeit des Anlasses nicht nur betonte, sondern auch zur Schönheit beigetragen hat.

Auch Hubertus Kesselheim, Polizeiseelsorger, kam zu Wort. Als greifbaren Beleg für die Arbeit, die die Studierenden in die Aufarbeitung der Einzelschicksale der betreffenden Beamten unternommen haben, hielt er einen von drei dicken Leitz-Ordnern hoch.

Zwei Studierende der Hochschule berichteten eindrucksvoll davon, wie ihnen die Beschäftigung damit unter die Haut gegangen war. „Wir gehen nun anders an unseren Dienst heran, achtsamer mit uns selbst“, sagte sinngemäß eine der beiden. Anschließend meldete sich eine Polizeibeamtin zu Wort. Sie war in einer Doppelrolle vor Ort, denn auch Ihr Vater gehört zu den Menschen, derer hier gedacht wurde und weiterhin werden wird. Schließlich sprach der Polizist, der am 17.03.2010 mit Manuel Kopper im Einsatz war, dem SEK-Beamten, der in Anhausen im Dienst erschossen wurde. In sachlichen Worten schilderte er den Einsatz und den Tod seines Kollegen. Sachlich, aber die Emotionen vibrierten bei jedem Wort mit.

Nachdem die Anwärterinnen und Anwärter den Saal verließen, um sich schon einmal zu einem Ehrenspalier aufzustellen, folgten alle Anwesenden. Ein evangelischer und ein katholischer Polizeiseelsorger, Reinhard Behnke und Hubertus Kesselheim, erbaten einen Segen für die auf der Gedenkstätte erwähnten Polizisten. Die Feier selbst war offenbar schon gesegnet, denn es wurde tatsächlich für die Minuten, die wir draußen standen, kurz sonnig.

 

Nach der Kranzniederlegung durch den Innenminister wurde jeder der 45 im Dienst an uns Bürgerinnen und Bürger verstorbenen Polizeibeamten beim Namen genannt. Nur das. Kein Dienstgrad, keine Dienststelle. Nur der Mensch. Für jeden Namen legten die angehenden Polizistinnen und Polizisten eine weiße Rose vor der Basaltsäule mit den Gedenkplaketten nieder. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Vielen Angehören war die Emotion anzumerken. Es machte mir Gänsehaut, den einen oder anderen gestandenen Polizisten dabei zu sehen, wie er mehr oder minder heimlich eine Träne verdrückte.

Einige der Namen kannte ich. So hatte bspw. eine Dienststelle, in der ich hier und da zu Gast war,  im Wartebereich für Bürgerinnen und Bürger mit Fotos an ihre im Dienst ums Leben gekommenen Polizisten erinnert. Leider sind diese Bilder mittlerweile in einen anderen Raum gewandert, was ich persönlich sehr schade finde. Meiner Ansicht nach sollten wir Bürgerinnen und Bürger ruhig damit konfrontiert werden, was Menschen, die diesen Beruf ergreifen, riskieren. Immerhin sind sie Tag und Nacht unterwegs – für uns.

Beim Empfang im Anschluss an die feierlich Einweihung waren sich alle, mit denen ich ins Gespräch kam, einig – es war eine würdige Veranstaltung gewesen.

Zugegebenermaßen hatte auch ich im Vorfeld hier und da den Gedanken, dass ein öffentlicherer Ort wünschenswert gewesen wäre. Allerdings gibt es sehr viele gute Gründe, die für diesen Standort sprechen. Jede Polizistin und jeder Polizist in Rheinland-Pfalz kommt im Laufe seines Dienstlebens daran vorbei – zuerst während seiner Ausbildung und dann immer wieder bei Fort- und Weiterbildungen. Die Gedenkstätte ist nach dem gleichen Motto von Khalil Gibran angelegt, unter dem auch die Einweihung stand. Entsprechend ist auch sie ein Ort der Begegnung. Zehn kleine Basaltsteine sind um die Stele gruppiert, laden ein zu verweilen, zu gedenken, sich auszutauschen – eben sich zu erinnern und sich zu begegnen. Zudem ist sie hier geschützt vor der Minderheit von Menschen, die wohl leider ohne jeden Respekt nicht mit der Wimper zucken würden, sich an dieser Stätte zu vergehen.

Mir gefällt sie sehr gut, diese Gedenkstätte. Danke dafür. Danke für die Wertschätzung, die damit jene Menschen erfahren, die im Dienst an uns ihr Leben lassen mussten. Danke auch für die Wertschätzung, die damit jene erfahren, die mit diesen Menschen eng verbunden waren. Danke auch für die Wertschätzung, die letztlich jene erfahren, die tagtäglich für uns zum Dienst gehen. Wertschätzung. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Es freut mich sehr, dass ich bei der Einweihung dabei sein durfte. Es war mir eine Ehre und eine persönliche Herzensangelegenheit. Ich wünsche mir, dass die freien Stellen auf der Stele auch frei bleiben werden.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal Roger Lewentz zitieren, der heute sagte: „Vor allem die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber unseren Beamtinnen und Beamten erfüllt mich mit Sorge. Lassen sie uns dies, gerade auch im Blick auf diese Gedenkfeier, als eine bleibende gesellschaftliche Aufgabe ansehen.“ Wir von Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. sind dabei.

 

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Weitere Links zum Thema

Pressemitteilung des Ministerium des Innern und für Sport vom 02.11.2018

ODMP-Seite Manuel Kopper

 Mein Artikel über das Denkmal der Exekutive in Wien von 2014

Beitrag in SWR aktuell vom 02.11.2018

Allgemein Danke-Polizei-Tag Verein

So war der Danke-Polizei-Tag 2018

Da ich diesen Artikel unter hohem Zeitdruck schreibe, spare ich mir einfach viele Worte und greife mal wieder in weiten Teilen auf meine Veröffentlichungen aus den Sozialen Netzwerken auf.

Nadine Augst, Mitglied von Keine Gewalt gegen Polizisten e.V., und ich starteten am Freitag, 14.09.2018, um sieben Uhr morgens in Koblenz. Von dort ging es an der Mosel entlang nach Brodenbach.

Dann ging es auch schon los mit der Polizeiwache Brodenbach:

Weiter mit einem Antrittsbesuch bei der Polizeiinspektion Cochem. Wenn schon an der Mosel, dann auch endlich mal diese beiden Dienststellen des Polizeipräsidiums Koblenz kennen lernen, wozu ich bislang noch keine Gelegenheit gehabt hatte.

Von dort ging es in den Bereich des Polizeipräsidiums Trier, unseres diesjährigen Patenpräsidiums. Zuerst nach Zell. Auf dem Weg dahin kamen wir schon in den ersten netten Stau des Tages.

Ich wunderte mich schon die ganze Zeit, warum Zell zu einem anderen Präsidium gehört als Cochem, da der Landkreis Cochem-Zell heißt. Ich wurde aufgeklärt, dass die Polizeiinspektion Zell auch mal zum Präsidiumsbezirk Koblenz gehört hatte, aber eine Polizeireform da eine entsprechende Änderung gebracht hat.

Von Zell fuhren wir zur Polizeiwache Traben-Trarbach, wo wir fürstlich mit Pflaumenkuchen bewirtet wurden. Das traf  sich gut, denn unser Plan, in Brodenbach zu frühstücken, war an den Öffnungszeiten der Cafés dort gescheitert.

Von Traben-Trarbach ging es dann nach Bernkastel-Kues. Auch hier wurden wir liebenswürdig empfangen.

Von dort brachte uns die Stellvertretende Dienststellenleiterin auf den kürzesten Weg nach Schweich, unserer letzten Station. In der Polizeiinspektion bekamen wir noch einmal leckere Teilchen.

Wo wir schon mal in Schweich waren, ließen wir natürlich auch die Autobahnpolizeistation nicht aus.

Den Abend verbrachten wir in Trier, was ebenso wie der Rest der Moselregion, wirklich sehenswert ist.

Nach einer ruhigen Nacht begann unser Tag um halb acht Morgens bei der Bundespolizeiinspektion Trier. Ok, um genau zu sein, begann er um sieben Uhr in einem Schnellrestaurant mit einem Frühstück.

Von hier ging es dann weiter zur Polizeiinspektion Trier, in der ja schon im Vorfeld die Pressekonferenz zum Danke-Polizei-Tag 2018 stattgefunden hatte (siehe hier).

Schon vor uns war jemand dagewesen und hatte offensichtlich Süßigkeiten abgegeben. Das brachte die Damen und Herren da in Verdrückung, denn sie dürfen nichts annehmen. Während wir vor Ort waren, kam auch ein amerikanischer Militärpolizist mit seinen Kindern vorbei, um seinen deutschen Kollegen zu danken. Er erzählte, dass ich den Vereinigten Staaten für den Say-thank-you-to-a-police-officer-day und die herumliegende Woche dieses Verbot, Süßes anzunehmen, aufgehoben wird. Macht aus meiner Sicht Sinn, da es offensichtlich heutzutage wenigen Menschen vermittelbar zu sein scheint, wie wertvoll ein Danke sein kann, auch wenn nichts Materielles dabei ist. Geld regiert halt die Welt.

Von hier ging es ins hübsche Saarburg – und ich lernte mal wieder dazu, dass die Saar auch in Teilen durch Rheinland-Pfalz fließt. Landschaftlich übrigens auch toll.

Über die Hunsrückhöhenstraße (auch sehr schön) erreichten wir Hermeskeil.

Der Herr in Uniform ist übrigens der Dienststellenleiter von Hermeskeil, der mich später noch einmal auf dem Handy anrief, um mir mit allen Zeichen der Erleichterung mitzuteilen, dass der Vermisste wiedergefunden worden war. Und weiter ging es nach Bitburg. Und ja, die Eifel ist wirklich schön. Übrigens dachte ich eigentlich immer, ich würde der Polizei Trier folgen. Da hab ich wohl mal den falschen Knopf gedrückt. Jetzt folge ich ihr wieder. wp-monalisa icon

Und weiter nach Prüm, wo wir ebenfalls wieder mit Kuchen verpflegt wurden:

Und last but not least als letzte Station im Bereich unseres Patenpolizeipräsidiums – die Polizeiinspektion Daun:

Nun enterten wir wieder den Bezirk unseres Heimatpräsidiums Koblenz und arbeiteten uns mehr oder minder an der Ahr entlang nach Hause:

PI Adenau:

PI Bad Neuenahr-Ahrweiler:

PI Remagen:

Überall wurden wir nach unseren Motiven befragt, uns für die Polizei zu engagieren. Und ebenso ergaben sich überall gute und interessante Gespräche. Wiederkehrende Motive waren Personalknappheit, fehlender Rückhalt aus der Politik, sinkender Respekt und die immer häufiger werdenden Einsätze mit Personen, die psychische Probleme haben und auf einer rationalen Ebene nicht mehr zu erreichen sind. Aus meiner persönlichen Sicht wird da mal wieder ein gesamtgesellschaftliches Problem auf den Polizeibeamten abgeladen, anstatt es zu lösen. Zum Dank dafür könnte man dann doch ruhig etwas mehr Respekt und Rückhalt vermitteln.

Bei all dem schlug uns aber auch immer wieder hoher Idealismus und eine große Liebe zu diesem Beruf entgegen.

Für mich persönlich übrigens sehr interessant die Erfahrungen aus Trier, wo der Taser als Einsatzmittel getestet worden ist, der nun flächendeckend in Rheinland-Pfalz eingeführt werden soll. Offensichtlich reichte in Trier nach wenigen Anwendungen allein das Androhen der Anwendung aus, einen Aggressor zu beruhigen.

Nadine besuchte noch an diesem Abend die Polizeiwache in Bonn-Ramersdorf. Ich hingegen  machte eine Pause bis zum 17. September, als ich bei der PI Neuwied vorbeikam:

Aber auch und vor allem unsere Mitglieder waren sehr fleißig:

Erdmute Wittmann, Schatzmeisterin a.D.:

Unser Berliner Mitglied Majonnchen hat nicht nur im Internet zu einem Danke-Besuch aufgerufen, sondern war selbst in zwei Abschnitten:

Majonna bei Abschnitt 65 und 56:

 

Unsere Mitglieder Claudia Berg und Ilija Matijevac waren bei der Polizeiinspektion Frankenthal unterwegs:

Sie waren zu unterschiedlichen Zeiten dort, entsprechend hatte Ilija Pech – alle waren im Einsatz. Ähnlich war es uns ja auch gegangen. Schönes T-Shirt übrigens, Ilija.

Stefanie und Alex Poth waren in Braunschweig unterwegs:

Unser Mitglied Gitti Rief besuchte die Polizeiinspektion Lindenberg im Allgäu sowie das Polizeirevier Wangen im Allgäu.

Unser Mitglied Christiane Wimmer besuchte das Polizeikommissariat Syke (oben) sowie die Polizeistation Bruchhausen-Vilsen (unten):

Unser Mitglied Antje Fath besuchte mit ihrer Tochter die Polizeiinspektion Diez:

Unser Mitglied Susan Walsh-Nass besuchte die Polizeiwachen Krefeld-Uerdingen sowie Krefeld-Nord:

Unser Mitglied Julia Reinhardt war in Köln bei der Polizeiwache Rodenkirchen sowie bei der Polizeiwachse Stolkgasse:

An dieser Stelle möchte ich ganz besonders dem Verein OASE e.V. in Mittweida danken, die dieses Jahr für uns große Teile der Postkartenaktion an insgesamt 3.700 Dienststellen von Polizei und Zoll übernommen haben:

Ebenso danke an Jennifer und Birgit Ruck, die die Verschickungsaktion ebenfalls unterstützt haben:

Auch möchte in allen Nichtmitgliedern danken, die am Danke-Polizei-Tag teilgenommen haben. Das würde hier ausufern, wenn ich sie alle aufzählen würde, aber in jedem Fall danke ich Euch/Ihnen herzlich für die Unterstützung unseres Anliegens, unseren Beamtinnen und Beamten einer demokratisch legitimierten und rechtstaatlich verfassten Polizei durch ein kleines und einfaches Danke etwas sehr wertvolles zu vermitteln – den Rückhalt aus der demokratischen Mitte.

Einem Nichtmitglied möchte ich aber ein paar Zeilen widmen – um genau zu sein, möchte ich eine Pressemitteilung der Hochschule der Polizei vom 14.09.2018 zitieren:

Am 15. September veranstaltet der Verein „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“ in der Großregion Trier den jährlich stattfindenden Danke-Polizei-Tag. An diesem Tag werden, neben Plakat- und Postkartenaktionen, in persönlichen Besuchen Anerkennung und Dank für die geleistete Polizeiarbeit ausgedrückt. Der Bürgermeister der Ortsgemeinde Büchenbeuren, Herr Guido Scherer, hatte sich daher kurzerhand dazu entschlossen, am 14. September mit Bürgerinnen und Bürgern die Hochschule der Polizei sowie die Polizeiwache Hahn zu besuchen und sich vor Ort für die geleistete Arbeit zu bedanken.

Gegen 13:00 Uhr traf Herr Scherer gemeinsam mit Gemeinderat Dr. Jürgen Alpers am Polizeicampus ein. Von der Hochschule der Polizei waren neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch Studierende anwesend. Nach einer kurzen Begrüßung durch Direktor Friedel Durben informierten sich die interessierten Besucher in lockerer Atmosphäre über den Arbeitsalltag der Hochschule und die Aus- und Fortbildung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz. Direktor Durben freute sich über den Besuch: „Gerade als Bürgerpolizei ist es ein tolles Gefühl, wenn unsere Arbeit von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern anerkannt und wertgeschätzt wird“.

Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto ging es dann für die Besuchergruppe weiter zur Polizeiwache Hahn. Dort stand neben der Begrüßung durch den Leiter, Polizeihauptkommissar Frank Adam und einer Vorstellung der Dienststelle, auch eine Terminalbesichtigung am Flughafen Hahn mit einem Streifenteam auf dem Plan. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeiwache bedankte sich Herr Scherer für die tolle Arbeit und das Engagement. „Unsere Polizistinnen und Polizisten setzen sich täglich für unseren Schutz ein, dafür muss man auch mal Danke sagen!“, so Bürgermeister Scherer.

Danke, Herr Scherer, für das Danke.

Zum Abschluss noch einige Reaktionen aus der Welt der Polizei auf unsere Aktionen:

Abschließend möchte ich einen Polizisten zitieren, den ich persönlich sehr schätze, der mir schrieb: „Danke für den Danke-Polizei-Tag!“

Gerne! Dieses Danke ist hochverdient.

Allgemein Verein

Einmal wollte ich aufgeben … – Meine Danke-Polizei Radtour 2018

Früher Abend. Da stand ich nun auf einem Berggipfel, mitten im Nichts. Um mich herum Schotter, Windräder, die sich nicht mal drehten, weil die Luft einfach nur stand, eine sogar ganz schöne Aussicht, nur leider nicht auf Bad Kreuznach, wo ich in einer Viertelstunde einen Termin hatte.

Die Sonne prügelte buchstäblich auf mich ein. Die Schottersteine strahlten Hitze ab, mir lief der Schweiß in Strömen. Meine Augen brannten, mein Kopf schmerzte, ich war verdammt müde.

Wie war ich bloß hier hingeraten?

Und warum tat ich mir das an?

Ich setzte mich neben mein Fahrrad und heulte.

 

 

Angefangen hatte alles im Frühjahr, als mir die Idee kam, eines meiner Hobbys mit meinem Ehrenamt zu verbinden. Einfach mal eine Radtour durch das schöne Rheinland-Pfalz, um der Polizei Danke zu sagen. Danke für den täglichen Einsatz.

Der Verein, Keine Gewalt gegen Polizisten e. V. würde etwas davon haben, nämlich zum einen ein bisschen Publicity. Vielleicht würde auch der eine oder andere Mitbürger animiert, sich zumindest zum Danke-Polizei-Tag am 15.09.2018 in seine Polizeidienststelle zu begeben, um sich für den Einsatz des vergangenen Jahres zu bedanken. Und die Polizei hätte auch etwas davon, wenn zunehmend Mitbürgern klar wird, dass man in Polizeidienststellen nicht gefressen wird. Im Gegenteil.

Und ich hätte eine Menge Spaß, denn Radfahren ist eine meiner Leidenschaften. Es ist schließlich nicht verboten, beim Ehrenamt Spaß zu haben. Abgesehen davon, dass ich von der Radtour am Rhein schon seit fast 30 Jahren träumte und irgendwann muss man es dann auch mal machen.

Also meldete ich das mal mit Hilfe der Pressestellen der Polizei RLP an.

 

Ingesamt verbrachte ich 697,08 km sowie 46 Stunden, 25 Minuten und 31 Sekunden im Sattel; meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 15 km/h. Das Ganze an Tagen, an denen bereits morgens um acht Uhr die Temperatur schon bei 28 Grad lag. Der „heißeste“ Moment war vermutlich der Augenblick, an dem ich auf einem dunkel asphaltierten Radweg fuhr und mein Thermometer mir 45 Grad anzeigte.

 

Trotz dreier „Hänger“ war es eine supertolle Tour.

 

Für mich persönlich nehme ich mit, dass ich ein Bisschen stolz auf mich bin, weil ich das überhaupt geschafft habe, bei dieser Hitze die 700 km hinter mich zu bringen. Außerdem ist Rheinland-Pfalz ein wunderschönes Bundesland und ich habe wirklich Glück, dass ich hier wohnen darf.

Einziger Kritikpunkt sind die Radwege, die teilweise in einem desolaten Zustand sind bzw. in einer Weise um Ortschaften herumgeführt werden, die das Gefühl aufkommen lässt, dass Radtouristen nicht wirklich erwünscht sind. Ein bisschen schade, wenn man bedenkt, dass der ökologische Fußabdruck eines Radfahrers nahezu bei Null liegen dürfte. Meiner Meinung nach hätte dieses schöne Bundesland da eine Menge Potential, weitere Touristen anzuziehen. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal das Radwegenetz im Elsass ansehen, das ich in dieser Hinsicht als vorbildlich ansehe.

 

Für Keine Gewalt gegen Polizisten e.V. erhoffe ich mir, dass die Öffentlichkeitswirkung durch Presseartikel und die Begleitung in den Sozialen Medien durch mich und teilweise auch die Polizei ausreichte, uns ein Bisschen bekannter zu machen. In diesem Zusammenhang ein besonderer Dank an den General-Anzeiger, die Rhein-Zeitung, Antenne Mainz und TV Mittelrhein für die tolle Berichterstattung. Das eine oder andere neue Mitglied wäre ganz schön.

Zusätzlich hoffe ich, dass unser Vereinszweck dahingehend unterstützt wurde, dass nicht nur ich Rückhalt in Form eines netten Dankes an die Polizei vermittelt habe, sondern andere Menschen nachziehen und mal über nette Worte in Umfrageergebnissen hinaus ihr Lob direkt und explizit an Polizistinnen und Polizisten richten.

 

Für die Polizei hoffe ich, dass rüberkam, dass sie eine Bürgerpolizei ist, jederzeit bereit, in Dialog mit dem Bürger zu treten. Man wird in Polizeidienststellen im Regelfall freundlich und zuvorkommend behandelt, vor allen Dingen, wenn man kommt, um etwas Nettes zu sagen.

 

Zum Abschluss nun noch einige Danksagungen. Danke an eine Menge Menschen, die mich auf ihre Art alle ein wenig durch die Tour getragen haben:

 

  • Danke für die herzlichen Empfänge in den Polizeidienststellen, in denen ich mindestens Wasser, häufig aber mehr, bekam. Zumal ich nicht immer nach Rosen geduftet haben dürfte, auch wenn ich jeden Morgen unter der Dusche stand.
  • Danke für die Eskorten durch die ITler, die GdPler, die Fahrradstreife, Nori von der DPolG und letztlich auch durch die Abende, an denen mein Mann mich durch Anwesenheit unterstützte.
  • Danke für die kleinen und großen Geschenke, wie Müsliriegel, Magnesium, Einladungen zu Übernachtungen, und regelmäßiges Mutmachen, sei es real oder auch virtuell.
  • Danke!

 

Mehr Details habe ich in den Anhang gesetzt. Ich hatte erst überlegt, für jeden Tag einen Blogbeitrag draus zu machen, aber ich möchte mit dem Thema jetzt auch mal fertig werden. Damit nicht jeder alles lesen muss, sondern sich gezielt, das was ihn interessiert, heraussuchen kann, habe ich das Ganze chronologisch nach Tagen sortiert. Zu Beginn eines jeden Tages erfolgen Grunddaten, dann kommen Bilder von den Dienststellenbesuchen, dann Anmerkungen zum Thema „Radfahren“ und last but not least persönliche Bemerkungen und das Bild / die Bilder des Tages. Denn, ich kann es nicht oft genug sagen, Rheinland-Pfalz ist schön.

 

Wer wissen will, wie die Sache auf dem Gipfel zwischen den Windrädern ausging – das war der 31.07.2018.

 

Montag, 23.07.2018

Strecke: Von Remagen bis Brey (PI Remagen – PI Andernach – WSP Andernach – PI Koblenz 2 – PI Koblenz 1 – Campingplatz in Brey)

Tageskilometer: 71,11

Insgesamt gefahrene Kilometer: 71,11

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Ich bin überwiegend dem Rheinradweg gefolgt, der für mein Empfinden recht gut ausgeschildert ist. Allerdings bin ich insbesondere aus dem Elsass und Norddeutschland ein wenig verwöhnt, wo es autobahnartige Radwege aus feinem Asphalt gibt, auf denen man schnell vorankommt. Der Rheinradweg besteht bereits auf dieser Etappe an einigen Stellen aus Schotterpiste (wenigstens feiner Schotter, aber Fahren über 15 km/h sollte man lassen, man muss das Ganze ja im Zweifel zum Stehen bringen, ohne beim Bremsen wegzurutschen), aus „Hoppelasphalt“ (Wurzeln, die den Asphalt hochdrücken, und weitere Verwerfungen) und, ab Koblenz, zu meiner äußersten Erbauung aus Kopfsteinpflaster. Auf letzterem fahre ich jedenfalls mit voll beladenem Rad maximal 10 km/h, um das Rad nicht komplett zu demolieren. Mal ganz abgesehen von den Glasscherben, die gerne mal in den Ritzen lauern. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich bis zum letzten Tag keine Panne hatte. Einen Ersatzschlauch dabei zu haben ist dennoch ein kluger Schachzug.

Insgesamt zeichnete sich bereits an diesem Tag ab, dass man sich als Radtouristin in den wenigsten Gegenden dieses schönen Bundeslandes gewollt fühlt, im Gegenteil hat man oft das Gefühl, dass da irgendein Weg, den sonst keiner will, dann eben für die Radfahrer bereitgestellt wird. Oder dass da jemand mit der Planung betraut wurde, der selbst niemals Rad fährt.

Koblenz Innenstadt nehme ich davon mal aus, da wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht, wie man diesem städtebaulichen Konzept noch Radwege abringen sollte, ohne für Fußgänger und Autofahrer Chaos zu produzieren.

Jedenfalls führten die Wegverhältnisse dazu, dass ich trotz großzügiger Planung (die von Google-Maps vorgeschlagenen Zeiten hatte ich mindestens verdoppelt, meistens deutlich mehr) bereits zwischen Andernach und der Polizeiinspektion Koblenz 2 in Zeitnot geriet und deshalb durch ein ausgesprochen romantisches Gewerbegebiet abkürzte.

 

Persönliches: Ehrlich gesagt war ich, als ich morgens meine Packtaschen einer nicht ganz billigen Marke fertig machte und als erstes direkt mal die Schnalle einer Tasche riss, nicht mehr so sicher, ob das alles eine so gute Idee von mir gewesen war. Ein Gefühl, das mich schon nicht mehr losgelassen hatte, seit ich in der Vorwoche bei schlappen 25 Grad an der Nordsee (Trainingslager – flach, aber viel Wind und das immer nur von vorne) den Wetterbericht für Rheinland-Pfalz zur Kenntnis genommen hatte, der von einer „Monsterhitzewelle“ sprach.

Nun bin ich nicht nur mit einer unfassbaren Sturheit gesegnet (andere betrachten es häufig als Fluch), sondern hatte auch diverse Termine festgezurrt. Also nix wie los.

Dank der Schnalle, die ich durch ein Stück Gartendraht ersetzte, kam ich bei der Polizeiinspektion Remagen direkt mal zu spät an. Allerdings hatte ich meine Etappen recht großzügig kalkuliert, so dass ich nach einigen launigen Worten („Wenn du dann total abgezehrt wieder hier ankommst, haben wir auch ein Glas Wasser für dich.“ – „Sauerstoffzelt wäre dann nett.“) ohne große Hektik weiterfahren konnte und außer bei der Wasserschutzpolizei in Andernach überall pünktlich eintraf. Es ist schon eine Kunst, sich auf den zwei Kilometern zwischen Polizei und Wasserschutzpolizei zu verfahren … und ich beherrsche sie.

In jeder Dienststelle wurde ich sehr freundlich empfangen, und erstmal ein Bisschen bedauert, weil ich mir die Hitzewelle ausgesucht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hieß es allerdings noch, dass Mittwoch der heißeste Tag werden sollte. Das erschien mir absehbar.

Am späten Nachmittag kam ich dann in Brey an und schlug mein Zelt an einer ruhigen Ecke des Campingplatzes auf. Dank der Trockenheit der letzten Wochen hatte ich Schwierigkeiten, die Erdnägel in den Boden zu bekommen, um das Zelt abzuspannen. Mit etwas Mühe schaffte ich es aber, sie knapp unter der Grasnarbe entlangzuführen. Betreut wird der Campingplatz von einer sehr netten Dame. Man hat einen tollen Blick auf die Marksburg. Er liegt direkt neben der Bahnstrecke und ich stellte im Laufe der Nacht fest, dass nachts durchaus der eine oder andere Güterzug diese Strecke benutzt. Dennoch war dies der einzige Campingplatz auf der Tour, auf dem ich mich traute, mein Handy in den Waschräumen zum Laden liegen zu lassen – zwischen vier und sechs Uhr morgens.

Mein Mann brachte mir Ersatzschnallen und eine Handyhalterung vorbei und leistete mir noch ein Bisschen Gesellschaft. Dann war ich wirklich erstmal allein.

 

Pic(s) of the day:

Die Marksburg in der Abendsonne

 

Dienstag, 24.07.2018

Strecke: Von Brey bis Bingen (Campingplatz Brey – PI Boppard – PI Bingen – Campingplatz Bingen)

Tageskilometer: 58,48

Insgesamt gefahrene Kilometer: 129,59

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Von Brey nach Boppard führt der Rheinradweg teilweise über Kopfsteinpflaster, was aus den bereits für den 23.07. beschriebenen Gründen wirklich hässlich ist. Glücklicherweise hatte ich die Anfahrtszeit sehr großzügig berechnet, eigentlich in Hoffnung auf ein gemütliches Frühstück in Boppard.

Zwischen Boppard und Bingen ist der Rheinradweg sehr gut befahrbar. Zwar führt er bis Bacharach direkt an der Bundesstraße 9 entlang und es gibt sehr wenig Schatten (das Tal wird dort recht eng), aber man hat eine wunderbare Aussicht auf den Weltkulturerbeteil des oberen Mittelrheintals.

Ab Bacharach führt der Weg wieder weg von der Bundesstraße, an einigen auch durchaus genutzten Rheinstränden vorbei und es gibt viel Schatten.

Auf den gesamten 40 km kann man sehr gut Strecke machen. Hier war es eher die Tatsache, dass ich mir in Boppard nach dem Dienststellenbesuch noch ein Frühstück gekauft hatte, die dazu führte, dass ich exakt pünktlich in Bingen ankam.

 

Persönliches: Kurz hinter Boppard arbeitete sich gegen 11 Uhr morgens von hinten ein Herr auf einem Rennrad an mich heran, 66 Jahre alt, wie ich später erfuhr, und machte mir ein Kompliment, dass ich mit dem vielen Gepäck mit gut 20 km/h unterwegs war. Ich begann gerade mich sportlich zu fühlen, als er mir fröhlich erzählte, dass er morgens um sieben in der Nähe von Bingen losgefahren sein, in Boppard gemütlich sein Frühstück zu sich genommen habe und nun auf dem Rückweg sei. Kurz vor Bingen wollte er nochmal rechts ins Gebirge abbiegen, um da sein Mittagessen einzufahren.

Sprachs, gab Kette und verschwand am Horizont.

Ähm … ja.

In Boppard und Bingen wurde ich jeweils sehr nett empfangen. In Boppard bekam ich Muffins (selbst gemacht) und in Bingen Kuchen kredenzt. Zudem lernte ich in Bingen den Dienststellenleiter kennen, der sich immer und ohne Ausnahme für alle Genesungskarten bedankt, die wir nach Bingen schicken – und das sind leider nicht wenige. Außerdem schenkte mir ein junger Polizist, der ebenfalls sehr gerne Rad fährt, wenn auch in einer ganz anderen Liga als ich, ein paar Tütchen hochdosiertes Magnesium und gab mir den Tipp mit auf den Weg, mich mit Müsliriegeln auszustatten. Das machte ich auch und beides sollte sich noch als sehr wertvoll erweisen.

In Bingen überkam mich dann abends auf dem Campingplatz ein erstklassiger Salzjieper sodass ich froh war, dass der Campingplatz eine Pommesbude hatte.

Die Nacht wurde noch recht „intim“, da so viele Radwanderer auf der Zeltwiese eintrudelten, dass die Zelte mit einem Abstand von 10 cm nebeneinander standen. Was mir aber eine nette Unterhaltung mit einem französischen Lehrer einbrachte, der mir einige gute Tipps für meine nächsten Frankreich-Aufenthalte mitgab. Das Baskenland soll extrem sehenswert und klimatisch sehr angenehm sein.

 

Pic(s) of the day:

Rheinpfalz zu Kaub im Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“

Mittwoch, 25.07.2018

Strecke: Von Bingen bis Mainz (Campingplatz Bingen – Ingelheim – Mainz via Lerchenberg)

Tageskilometer: 42,35

Insgesamt gefahrene Kilometer: 171,95

 

Besuchte Dienststellen: vier (geplant waren fünf)

 

Radfahren: Direkt hinter dem Campingplatz am Rhein passiert man die Überreste der Hindenburg-Brücke, die analog zur Remagener Ludendorff-Brücke im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Rheinradweg wird dort sehr schlecht befahrbar, es handelt sich um einen Schotterweg (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Schotter ist für Radfahrer einfach nur schlecht) durch ein Naturschutzgebiet, das wirklich sehenswert ist. Man sieht dort u.a. jede Menge Störche und ich fragte mich kurz, was ich eigentlich immer im Elsass suche. ;-)

Dennoch war absehbar, dass mein Zeitplan mir völlig entgleiten würde, deswegen war ich froh, als ich einen Weggabelung fand, an der ein kurzer Weg und ein langer Weg nach Ingelheim ausgeschildert waren. Ich nahm dann den kurzen Weg und kam mal wieder gerade so pünktlich bei der Polizei an. Der Preis dafür war ein Weg durch ein eher wenig idyllisches Gewerbegebiet.

Von Ingelheim zur Polizeiinspektion Mainz 3 ließ ich mich von meinem Navi leiten, das mich einen wirklich schönen Weg durch einen Weinberg und später an den McCully-Baracks, einer us-amerikanischen Liegenschaft, vorbei führte.

Ebenso überließ ich dem Navi, mich zur Polizeiinspektion Mainz 2 zu leiten. Von dort wurde ich zum Altstadtrevier (Mainz 1) eskortiert und von dort musste ich nur noch selbst in die Stadt finden, wo ein Studienfreund mich und das Rad in sein Auto lud.

 

Persönliches: In Ingelheim fiel mir beim Absteigen vom Fahrrad siedend heiß ein, dass ich im Urlaub vorher so ausgespannt hatte, dass ich zwar in den Polizeipräsidien Koblenz und Rheinpfalz angerufen hatte, dass ich tatsächlich losfahre, aber das aus irgendeinem Grund in Mainz total verschwitzt hatte. Und seit dem Vorabend war ich ja schon im Bereich des PP Mainz. Dennoch empfingen mich der Dienststellenleiter und sein Stellvertreter mit Salzbrezeln. Offenbar gibt es zwischen Bingen und Ingelheim eine Telefonleitung und unsere Polizei ist flexibel. Dennoch bat ich um Erlaubnis, mal eben in Mainz meine verantwortlichen Ansprechpartner anrufen zu dürfen, was ich dann auch tat.

War mein Tag schon dank des Schotterradweges milde unter Zeitdruck geraten, so lief er mir jetzt vollends aus dem Ruder. Ich kann noch nichtmal jemandem die Schuld dafür geben, denn ich hatte einfach gemeint, weil ich zehn Jahre meines Lebens in Mainz gelebt hatte, wüsste ich ausreichend Bescheid, um die Wege zwischen den Dienststellen nicht ganz so großzügig kalkulieren zu müssen.

Ich Depp!

Noch in Ingelheim wurde mir bewusst gemacht, dass der Lerchenberg deshalb so heißt, weil er ein Berg ist. Und oben drauf liegt die Polizeiinspektion Mainz 3.

Super!

Ich gab da hoch ganz schön Kette und rollte mit hängender Zunge dort ein – mit 10 Minuten Verspätung. Das ging ja noch!

Schlimm war, dass ich die Wasserschutzpolizei Mainz dann erstmal verschieben musste, was doppelt peinlich war, da dort auch eine junge Dame der Gewerkschaft der Polizei wartete, die mich mit dem Rad zur Polizeiinspektion Mainz 2 im Präsidium eskortieren wollte.

Mit der Wasserschutzpolizei machte ich aus, meinen Besuch auf den späten Nachmittag zu verlegen, aber leider fiel auch das aus, weil sie einen Einsatz hereinbekamen.

Also direkt nach Mainz 2, wo ich erstmal ein Kaltgetränk in die Hand gedrückt bekam. Und gleich noch eins hinterher. Ein Gespräch mit dem Polizeipräsidenten schloss sich an, weitere Gespräche, u.a. eines mit einer Polizistin, die gerade vor Kurzem im Einsatz verletzt worden war, und schließlich bekam ich eine Eskorte zur PI Mainz 1, und zwar durch die Fahrradstreife. Das war sehr lustig. Ich weiß nicht, was die Leute sich dachten, die manchmal starrten. Aber ich hatte meinen Spaß.

Von der Inspektion Mainz 1 ging es sozusagen in Freizeit. Ich testete eine sehr gute Eisdiele am Rhein. Dabei wurde ich nochmal von der Fahrradstreife angesprochen, was mir im Nachgang eine Bürgerbeschwerde einbrachte, dass sich offensichtlich nur noch um Radfahrer gekümmert werde, und Autofahrer dürften angeblich machen, was sie wollten.

Später wurde ich noch von einem sehr unangenehmen Radfahrer bepöbelt, der offensichtlich der Ansicht war, seine Umwelt müsse erahnen, was er will und er jeglicher Pflicht zur Kommunikation mit anderen enthoben sei. Damit liegt er ja voll im Zeitgeist – immer mehr Menschen meinen, andere müssten sich nach ihren Bedürfnissen richten, sie selbst hingegen seien pflichtenlos. Die Hinwendung der Mainzer Polizei zu den Radfahrern scheint also durchaus Gründe zu haben.

Nach dem Eis schlenderte ich durch mein liebes Mainz (nach 15 Jahren fühle ich mich dort immer noch daheim) und traf mich dann mit einem Studienfreund zum mexikanischen Essen (mutmaßlich etwa 3.000 Kalorien).

Die Nacht verbrachte ich bei ihm und seiner Frau im Gästezimmer, einem Kellergeschossraum. Herrlich kühl!

 

Pic(s) of the day:

Sonnenaufgang bei Bingen – Nebeneffekt der Überfüllung des Campingplatzes: ich musste früh raus, um zu duschen und meinen Zeitplan einzuhalten

 

 

Donnerstag, 26.07.2018

Strecke: Von Mainz bis Bechtheim (Wohnsitz meines Studienfreundes in Mainz-Gonsenheim, Bereitschaftspolizei in Mainz-Hechtsheim, Oppenheim, Worms, Bechtheim)

Tageskilometer: 86,27

Insgesamt gefahrene Kilometer: 258,23

 

Besuchte Dienststellen: drei

 

 

Radfahren: In Mainz selbst half ich mir wieder mit Google-Maps weiter. In Großstädten insgesamt eine sehr gute Lösung. Auf dem Land dann nicht so sehr, wie sich einige Tage später erweisen sollte.

Bis Oppenheim hatte ich Begleiter, die sich auch um den Weg gekümmert haben, denen ich also einfach nur hinterherradeln musste. Es scheint allerdings so zu sein, als sei der Weg direkt am Rhein entlang ebenfalls ein Schotterweg mit vielen Schlaglöchern, deswegen wählten meine Begleiter einen Weg durch die Weinberge.

Von Oppenheim nach Worms gibt es einen sehr guten Radweg, nigelnagelneu ausgebaut. Er besteht aus diesem dunklen, feinen Asphalt, auf dem das Rad quasi von selbst rollt. Um allerdings von der Polizeiinspektion Oppenheim dahin zu gelangen, bin ich eine ganze Weile über einen Flutschutzdamm geradelt, dessen Krone aus einem – na, wer errät es – richtig, einem Schotterweg bestand. Entsprechend kam ich wieder nur im Schneckentempo voran. Außerdem interviewte mich noch Antenne Mainz.

Da dies ein wirklich heißer Tag war (das Thermometer im Tacho zeigte auf dem dunklen Asphaltweg über 45 Grad an) und es auf der ganzen Strecke genau EINEN Baum gibt, der Schatten auf den Weg wirft, schaffte ich es trotz Superasphalt nicht mehr, den Zeitverlust aufzuholen und kam eine halbe Stunde zu spät in Worms an. Der Baum steht übrigens in Hamm am Rhein, darunter steht eine Bank für Mitfahrer.

Worms selbst ist für Radfahrer ein Alptraum. Ich weiß nicht, wer sich ein Radwegekonzept ausdenkt, bei dem Radwege unmittelbar vor dem Kreisverkehr enden und quasi den Autos vor den Kühler springen. Glücklicherweise war ich vorgewarnt.

Von Worms nach Bechtheim nutzte ich dann wieder Google-Maps.

 

Persönliches: Nach einem guten Frühstück (Danke an meinen Studienfreund und seine Frau!) fuhr ich los zum Polizeipräsidium ELT, unter dessen Dach sich die Bereitschaftspolizei, die Wasserschutzpolizei und einige Einheiten für Technik und Beschaffung befinden. Ach ja, und die Spezialeinheiten.

Dort bekam ich erst einmal einen Eiskaffee kredenzt, was eine sehr gute Idee war, denn es war schon um halb neun Uhr morgens heiß. Ich bekam die Möglichkeit, dem Polizeipräsidenten, sowie einigen Vertetern der 1. Einsatzhundertschaft und weiteren Menschen den Verein und seine Ziele vorzustellen.

Plötzlich hieß es: „Sie müssen sich beeilen, am Tor wartet Ihre Eskorte.“

Vor meinem inneren Auge stieg das Bild von jungen, durchtrainierten Bereitschaftspolizistinnen und –polizisten auf, die mit mindestens 50 km/h am Horizont verschwinden würden. Und ich dann mit hängender Zunge hinterher …

Ach herrje …

Vorsichtig wandte ich ein: „Ich hoffe, die sind nicht so sehr enttäuscht. Ich fahre eine Durchschnittsgeschwindigkeit von … 15 km/h.“

Dazu einer der Herren: „Keine Sorge. Wir schicken nicht das SEK, wir schicken die IT-Abteilung.“

Übrigens waren das dann durchaus sportliche Menschen, die mich auch netterweise mit Flüssigkeit und leckeren Schoko-Banane-Müsliriegeln versorgten.

In Oppenheim bekam ich sehr nette Fahrradtipps von einem der Herren, die in der PI arbeiten. Darüber hinaus wurde ich Zeugin, wie ernstlich jemand den Notruf anrief, weil er seine Fernbedienung verlegt hatte. Ohne weitere Kommentierung meinerseits an dieser Stelle.

In Worms testete ich eine Eisdiele, die qualititiv mit der in Mainz durchaus mithalten konnte. Dort kostete die Kugel dann aber nur 1 Euro. In Mainz zahlt man den Hauptstadtzuschlag.

Die Nacht verbrachte ich in Bechtheim auf einem Weingut, das den Eltern eines Bekannten gehört. Ich bedauerte ein wenig, dass ich dort dem Wein entsagen musste, aber nach dem Tag hätte mich Alkohol so nachhaltig aus dem Leben geschossen, dass gar nichts mehr gegangen wäre und ich vermutlich auch den Tag danach nicht mehr geschafft hätte.

Pic(s) of the day:

Radweg bei Nierstein zwischen Mainz und Oppenheim
Herrnsheimer Schloss bei Worms

 

 

Freitag, 27.07.2018

Strecke: Von Bechtheim bis Limburgerhof (Bechtheim – Frankenthal – PI Ludwigshafen 2 – PI Ludwigshafen 1 – Wasserschutzpolizei Ludwigshafen)

Tageskilometer: 51,47

Insgesamt gefahrene Kilometer: 309,71

 

Besuchte Dienststellen: vier

 

 

 

Radfahren: Da mir die über 80 km des Vortages noch in den Knochen steckten sowie die heiße Nacht, machte ich es an diesem Tag möglichst kurz und scherte mich nicht um offizielle Radwege. Google Maps leitete mich nach der Maßgabe „so schnell wie möglich“ durch die Straßen zwischen den Besuchen.

 

Persönliches:

Nach einem guten Frühstück auf dem Weingut (herzlichen Dank dafür) schaute ich mir erst einmal auf Empfehlung des Herrn in Oppenheim die Basilika von Bechtheim an. Von innen und außen sehr empfehlenswert. Dann machte ich mich auf den Rückweg nach Worms  (übrigens auch sehr sehenswert), traf wieder auf den „genialen“ Radweg, der sich unmittelbar vorm Kreisverkehr in Nichts auflöst, überlebte und überquerte hinter Worms die Grenze zur Pfalz.

Da ich deutlich zu früh in Frankenthal war, kehrte ich in einem Schnellrestaurant ein und leistete mir einen Eiskaffee. Als ich dann los zur Polizei wollte, fand ich meinen Fahrradschlüssel nicht mehr. Dreimal grub ich mein gesamtes Gepäck um, dann fragte ich im Schnellrestaurant danach. An dieser Stelle ein Lob an die Dame, die mich erstmal eine Beschreibung des Schlüsselanhängers abliefern ließ. Ich würde nämlich nicht wollen, dass jeder mit meinem Fahrrad davonfährt.

Entsprechend kam ich erfolgreich ein paar Minuten zu spät. Vor Ort war schon unser Mitglied Claudia Berg, was mich auch sehr gefreut hat.

Nach dem Fototermin ging es weiter nach Ludwigshafen. Für mich ja weitestgehend etwas ganz Neues, Ludwigshafen mal  nicht bei Nacht zu sehen. Lustigerweise fand ich später den Weg zur PI LU 1 deshalb besonders schnell, weil ich einige Einsatzorte wiedererkannte.

Der stellvertretende Dienststellenleiter von Ludwigshafen 2, ebenfalls begeisterter Radfahrer, gab mir eine Menge Tipps für die weitere Tour.

In Ludwigshafen 1 empfing mich ein ehemaliger Streifenpartner. Das hat mich auch gefreut, da ich ja immer einen sehr guten Eindruck von den Damen und Herren habe, die mich als Achslastbeschwerer dabei haben.

Bei der Wasserschutzpolizei waren fast alle ausgeflogen (Einsatz), aber ich durfte mich eine Dreiviertelstunde im klimatisierten Wachraum aufhalten. Dabei entspann sich eine Unterhaltung über Hunde. Manchmal haben eben auch Polizisten und die Vorsitzende eines polizeifreundlichen Vereins keine Lust, sich über ernste Themen zu unterhalten – schon gar nicht bei derartigen Temperaturen.

Als meine Augen in der angenehm kühlen Umgebung mehrmals zufielen, beschloss ich dann doch, weiter zu meiner nächsten Unterkunft zu fahren. Eine Diensthundeführerin und ihr Lebensgefährte hatten mir für die Nacht ihre Couch angeboten.

Zwischen der Wasserschutzpolizei und Limburgerhof gab es einen schönen Radweg. Leider wurde er gerade restauriert. Man konnte trotzdem durch, allerdings war der Asphalt durch extrem groben – na, was wohl – je, genau, Schotter ersetzt worden.

Nachdem es ursprünglich geheißen hatte, dass der Mittwoch der heißeste Tag der Hitzewelle sein sollte, war dann der Donnerstag nominiert worden und aktuell war der Freitag Kandidat für den heißesten Tag. Die Luft stand, wenn man von den Aufwinden von der Schotterpiste aus absah, die sich anfühlten, als würde mir einer von unten einen Fön unter die Kleidung halten.

Von einer Sekunde auf die andere wurde mir zum ersten Mal richtig schlecht. Ich setzte mich unter eine Brücke im Ludwigshafener Stil (besprayt, u.a. mit einem freundlichen ACAB, vermüllt und es roch nach Fäkalien – aber es gab Schatten) und fuhr erstmal einen Müsliriegel und ein bisschen hochdosiertes Magnesium ein.

Nach einigen Minuten ging es wieder und ich kam gut in Limburgerhof an. Dort beschaffte ich mir erstmal in einer Apotheke eine Großpackung dieser Magenesiumsticks und nahm täglich zwei davon ein. Mir wurde nie wieder schlecht auf der Radtour.

Abends grillten meine Gastgeber und nachdem Nori (die Hundeführerin) zum Dienst ging, ging ich sofort schlafen.

Lustigerweise wachte ich gegen zehn Uhr kurz auf, um festzustellen, dass ich den Blutmond aus dem Bett sehen konnte. Danach schlief ich aber wieder wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Basilika St. Lambertus zu Bechtheim

 

Samstag, 28.07.2018

Strecke: Von Limburgerhof bis Rülzheim (Limburgerhof – Schifferstadt – Speyer – Germersheim – Campingplatz Rülzheim)

Tageskilometer: 55,09

Insgesamt gefahrene Kilometer: 364,81

 

Besuchte Dienststellen: drei

Radfahren: An diesem Tag begleitete mich Nori von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Entsprechend musste ich mir über Radwege nicht so viele Gedanken machen. Was mir aber vom Rheinradweg zwischen Speyer und Germersheim im Gedächtnis blieb, war, dass er auch ziemlich gut ausgeschildert war und optisch dem Teilstück zwischen Oppenheim und Worms ziemlich ähnlich war. Links der Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume. Ab und an ein Blick auf einen Altrheinarm. Allerdings jede Menge Störche. Da hatte ich Herzchen in den Augen.

 

Persönliches: Der Tag begann mit einem kurzen Regenguss, für den allerdings meine Rainlegs ausreichten.

Abgesehen davon, dass Nori und ich gut miteinander konnten und viel zu reden hatten, war es ganz gut, dass ich an diesem Tag nicht allein war. Ich war mittlerweile ziemlich müde und ich glaube, alleine hätte ich meinen inneren Schweinehund an dem Tag nicht überwunden. Außerdem hätte ich alleine niemals in Speyer das tolle Frühstückscafé entdeckt. Auch sonst hätte Speyer deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Abends warteten mein Mann und mein Hund auf dem Campingplatz im großen Zelt auf mich, was mich noch einmal zusätzlich motivierte und mein Heimweh beseitigte.

Der Campingplatz in Rülzheim stach in erster Linie dadurch hervor, dass die existierende Platzordnung in keiner Weise durchgesetzt wurde, sodass nicht wie vorgesehen um 22 Uhr wenigstens halbwegs Ruhe herrschte (soweit das bei der Überfüllung Zeltwand an Zeltwand möglich gewesen wäre), sondern bis vier Uhr morgens Kinderdisco herrschte. Genau das, was man braucht, wenn man sowieso gerade nicht mehr so richtig Lust hat.

 

Pic(s) of the day:

Irgendwo zwischen Limburgerhof und Schifferstadt – auch da musste ich durch
Speyer: Adenauerpark

 

 

Sonntag, 29.07.2018

Strecke: Von Rülzheim bis Bad Bergzabern (Campingplatz Rülzheim – Wörth – Bad Bergzabern)

Tageskilometer: 52,12

Insgesamt gefahrene Kilometer: 417,24

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Da ich mich wieder selbst kümmern musste, hatte ich schon am Abend auf dem Weg zum Campingplatz Ausschau nach Schildern zum Rheinradweg gehalten. Rülzheim liegt ja etwas zurückgesetzt auf einer Höhe. Ich suchte mir einen kleinen Umweg aus, um möglichst dicht an Germersheim wieder an den Rhein zu stoßen, was sich letztlich als sinnlos erwies, da ich von Hördt dann doch wieder in die andere Richtung nach Kuhhardt geschickt wurde.

Von da kam ich dann tatsächlich wieder auf den Radweg, wo man wie gehabt links den Flutschutzdamm, rechts Wiesen und Bäume und ab und an einen Blick auf Altrheinarme hat. Aber gut befahrbar.

Neben einigen Störchen (sagte ich, dass ich Störche liebe?) bekam ich eine zusätzliche Eskorte von etwa einer Million Mücken.

In Wörth verließ ich nun den Rhein für einige Tage. Dort traf ich auf einen Polizisten, der in Bad Bergzabern wohnt und tagtäglich mit dem Rad nach Wörth und zurück fährt. Er konnte mir eine sehr schöne Strecke durch den Bienwald an der Grenze zu Frankreich bis Kandel (einfach den gelben Schildern folgen) und von dort über die Weinberge nach Bad Bergzabern (ab hier wieder den typischen weißen Schildern mit grüner Aufschrift folgen) empfehlen.

In Bad Bergzabern hatte ich erstmal genug und ersparte mir die 11 km mit jeder Menge Höhenmetern zum Campingplatz, mein Mann sammelte mich dort ein und fuhr mich hoch.

 

Persönliches: Zuerst seien die beiden Jogger erwähnt, die mich offensichtlich schon am Vorabend durch Hördt radeln gesehen hatten und mich darauf ansprachen. Das fand ich ganz lustig, ich glaube, ich würde sowas nicht registrieren.

Der Empfang in der Polizeiinspektion Wörth war sehr herzlich. Das freute mich sehr, denn ich musste wirklich meine gesamte innere Kraft aufbringen, auch wirklich nach Wörth abzubiegen und nicht den Rheinradweg durch in mein geliebtes Elsass in meinem ebenso geliebten Frankreich durchzupreschen. Aber gut, auch die Polizei hat einen großen Platz in meinem Herzen.

Durch Kandel radelte ich mit gemischten Gefühlen. Eigentlich eine völlig normale Kleinstadt, die derzeit schwer für politische Stimmungsmache missbraucht wird und das auf dem Rücken einer Familie, der mit das Schlimmste passiert ist, was einer Familie passieren kann. Angesichts des Graffito, was mir quasi dort als erstes ins Gesicht sprang, geht diese Stimmungsmache wohl von mehr als einer Seite aus. Ansonsten kam es mir dort recht unspektakulär vor, ich hatte aber auch nicht wirklich viel Zeit.

Die Strecke von dort nach Bad Bergzabern ist landschaftlich wirklich toll. Das kombiniert mit der Tatsache, dass der ausgewiesene Radweg mal wieder aus Schotter (hurra!) bestand, sorgte dafür, dass ich leider eine halbe Stunde zu spät in Bad Bergzabern eintraf.

Dort waren auch alle (also die einzige Streife) zu einem Einsatz ausgeflogen, entsprechend gestaltete sich mein Besuch sehr kurz.

Der Naturfreundecampingplatz Bethhof ist einfach klasse. Der erste Campingplatz auf der Tour, wo auch der Zeltplatz mit viel Liebe angerichtet war und vor allen Dingen mit vielen Schatten spendenden Bäumen. Und es war RUHIG. Entsprechend war ich bereits gegen 19 Uhr eingeschlafen.

Auf dem Campingplatz würde ich auch mal einen Urlaub verbringen.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft zwischen Kandel und Bad Bergzabern

 

Montag, 30.07.2018

Strecke: Von Bad Bergzabern bis Wachenheim (Bad Bergzabern – Landau – Neustadt/Weinstraße – Wachenheim)

Tageskilometer: 56,01

Insgesamt gefahrene Kilometer: 473,25

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

 

Radfahren: Ab hier arbeitete ich mit Google-Maps. Da die tatsächlich über das Wochenende erfolgte Abkühlung zum einen minimal und zum anderen bereits wieder auf dem Rückzug war, traf ich erst einmal die Entscheidung, anstatt die Panoramaroute auf den Höhen eine Route unten herum zu nehmen mit weniger Steigung. Die Ausläufer des Pfälzer Waldes sind auch von unten nett anzusehen.

An den meisten Stellen deckte sich allerdings das, was Google-Maps so meinte mit den offiziellen Radrouten, sodass ich einfach diesen Schildern folgte.

Von Landau bis Neustadt/Weinstraße begleitete mich noch einmal Nori. Auch da folgten wir weitgehend der offiziellen Beschilderung auf der unteren Route.

 

Persönliches: Da ich dank der ruhigen Nacht ziemlich ausgeruht war und zudem noch Gesellschaft hatte, verlief der Tag ziemlich angenehm.

Abends in Wachenheim stellte ich auf dem Campingplatz fest, dass der Boden von der langen Trockenheit derart hart war, dass ich die Erdnägel nicht rein kriegte und das Überzelt einfach so über das Unterzelt warf. Ich hatte Glück, es regnete nicht.

Der Campingplatz liegt hinter der Burg Wachtenberg, also hatte man eine tolle Aussicht.

 

Pic(s) of the day:

Landau Innenstadt

 

Dienstag, 31.07.2018

Strecke: Von Wachenheim bis Bad Münster am Stein (Campingplatz Wachenheim – Bad Dürkheim/Weinstraße – Grünstadt – Kirchheimbolanden – Alzey – Bad Kreuznach – Campingplatz Bad Münster am Stein)

Tageskilometer: 71,63

Insgesamt gefahrene Kilometer: 544,89

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

Radfahren: Von Wachenheim nach Bad Dürkheim war noch alles im grünen Bereich. War aber ja auch nur 3,4 km.

Von Bad Dürkheim nach Grünstadt gibt es einen ausgewiesenen Radweg. Leider verlor ich hier und da die Beschilderung aus den Augen, sodass ich irgendwann massiv unter Zeitdruck geriet. Hier leistete Google-Maps wirklich gute Dienste, um mich zurück auf den Radweg zu bringen.

Der endete irgendwann in einer Senke. Der einzige Weg, der nach Grünstadt zu führen schien, befand sich hinter einer starken Steigung und auf dem Weg stand ein Bagger quer.

An dieser Stelle Danke an den netten Herrn aus Grünstadt, der meine Ratlosigkeit bemerkte und mich nach mitnahm nach Grünstadt – einfach an den Baggern vorbei. Da wäre ein nettes Hinweisschild hilfreich gewesen.

Da ich insgesamt etwa 95 Kilometer vor mir hatte, und merkte, dass ich nicht gut drauf war, bat ich die Grünstädter Polizei um Hilfe, mir einen Transit nach Kirchheimbolanden zu besorgen.

Von dort nach Alzey gibt es theoretisch einen ausgeschilderten Radweg, dem ich auch folgte. Wie schon vorher auf dem Weg nach Grünstadt verlor sich aber irgendwann die Beschilderung und ich wusste nicht weiter. Glüclicherweise fand ich mit Hilfe von Google-Maps eine Landstraße nach Alzey und folgte dieser. Ok, die Autofahren hassten mich, aber ich war schnell und damit pünktlich vor Ort.

Der Dienststellenleiter der PI Alzey bereitete mich darauf vor, dass es keine Radwege gebe und man am besten die Landstraßen nach Bad Kreuznach fährt. Ich hätte auf ihn hören sollen, überließ allerdings nach meinen guten Erfahrungen mit Google-Maps dem Handy die Führung. Mit dem Erfolg, dass ich zweimal in die Irre geführt wurde. Beim ersten Mal stellte ich dann das Navi auf „Auto“ um, hatte dann allerdings das Problem, dass es mich auf die Autobahn führen wollte. Meine Landkarte half mir da auch nicht wirklich, weil ich keine große Ahnung hatte, wo ich war.

Also radelte ich in der Hoffnung, in etwa in Richtung Bad Kreuznach unterwegs zu sein, ein bisschen drauflos.

Als ich dann wieder Google-Maps die Führung übernehmen ließ, landete ich in dem eingangs beschriebenen Windpark.

Für mich das Fazit daraus: Rheinhessen entweder nur noch, indem ich mich über Landstraßen von Ort zu Ort taste; die Orte suche ich mir dann vorher auf der Landkarte raus. Oder aber ich fahre dort Auto.

In jedem Fall sollte man, wenn man die Zeit dazu hat, aus dieser Etappe zwei machen.

 

Persönliches: Der Tag war für mich, nach einem sehr guten Anfang in Bad Dürkheim, der Schlimmste Tag der Tour. Zuerst ließ ich in Grünstadt eine Menge von mir hoch geschätzter Menschen über eine halbe Stunde auf mich warten. Dann war es zwar einerseits eine Erleichterung, einen Transfer nach Kirchheimbolanden zu bekommen, aber ein bisschen enttäuscht von mir selbst war ich schon. Zwar lief es dann nach Alzey ziemlich gut, aber der Weg nach Bad Kreuznach brachte mich wirklich an eine körperliche und psychische Grenze.

Als ich in dem Windpark in der glühenden Hitze auf dem spitzen Schotter unter den regungslosen Windrädern neben meinen Fahrrad saß und heulte, war ich echt fertig mit der Welt. Ich stellte mir vor, wie man in zehn Jahren meine mumifizierte Leiche neben dem Rad finden würde.

„Nutzt ja nix“, sagte ich mir selbst, raffte mich auf, fuhr einen Müsliriegel mit viel Schokolade ein, und schob das Fahrrad weiter durch die Schotterwüste. Irgendwann erreichte ich einen Asphaltweg, ließ den herunterrollen und rief die Bad Kreuznacher Polizei an.

Die Dame am Telefon beschrieb mir einen Weg über Land- und Kreisstraßen, dem ich auch folgte. Dabei hatte ich noch drei knackige Steigungen zu überwinden. Da dies auch körperlich nicht mein bester Tag war, schob ich irgendwann. Dafür wurde ich von einigen Autofahrern ordentlich bepöbelt, was mich darin bestärkt, dass ich in der Ecke dieses schönen Bundeslandes sicherlich nicht mehr Rad fahre. Ich meine, ich wäre als Autofahrerin auch genervt, würde aber erstmal davon ausgehen, dass es möglicherweise einen Grund hat, dass da einer sein Fahrrad über meine Straße schiebt und deswegen, wenn ich schon keine Hilfe anbiete, wenigstens mein Mundwerk still halten.

In Bad Kreuznach konnte ich nur sehr kurz bleiben, weil mein Campingplatz in Bad Münster am Stein bereits um acht Uhr abends die Pforten schloss und es bereits halb acht war. Aber der Empfang war dennoch großartig. Kaltes Wasser und telefonische Unterstützung beim Versuch, doch noch auf den Platz zu kommen. Letztlich schaffte es ich es in letzter Sekunde.

Fun Fact: Der Campingplatz liegt zwischen Nahe und Alsenz, also zwei Gewässerläufen. Der Boden war so angenehm feucht, dass die Erdnägel problemlos hineingingen. Vor lauter Spaß spannte ich das Zelt weitgehend ab, obwohl ich nicht wirklich mit Regen rechnete.

Wie jede Nacht schloss ich nur die Tür vom Innenzelt, weil es noch so warm war und ich nur das Moskitonetz als Bollwerk gegen die Welt draußen haben wollte. Mitten in der Nacht erwachte ich davon, dass mein Gesicht ganz kalt wurde. Regen! Ernsthaft Regen! Also wuselte ich schnell noch ums Zelt herum und trieb die letzten drei Erdnägel in den Boden.

Für den Rest der Nacht schlief ich wie ein Baby und alles blieb trocken.

 

Pic(s) of the day:

Landschaft irgendwo zwischen Alzey und Bad Kreuznach – die Details habe ich erfolgreich verdrängt

 

Mittwoch, 01.08.2018

Strecke: Von Bad Münster am Stein bis Lahnstein (Campingplatz Bad Münster am Stein – Sankt Goarshausen – Lahnstein)

Tageskilometer: 85,03

Insgesamt gefahrene Kilometer: 529,93

 

Besuchte Dienststellen: zwei

 

Radfahren: Die Tagesstrecke liest sich heftig, war aber im Vergleich zum Vortag der reinste Urlaub.

Der Naheradweg von Bad Münster am Stein bis zur Mündung der Nahe in den Rhein ist sehr gut ausgeschildert und bis auf etwa 100 Meter Zubringer bleibt man auch von Schotter verschont, von Kopfsteinpflaster ganz. Dafür ein ganz großes Lob. Da liegt jemandem an den Radtouristen.

Von Bingen fuhr ich erstmal linksrheinisch bis Kaub und setzte da mit der Fähre über. Auf dem rechten Rheinufer war erstmal die Kunst, den Rhein links von sich zu halten, dann ist man auch grob in der richtigen Richtung unterwegs. Aber auch dort war alles sehr gut ausgeschildert.

 

Persönliches: Dieser Tag war für mich sehr entspannt. Ich wusste, dass ich bei dieser Tour nicht mehr an einen Tiefpunkt kommen würde wie am Vortag. Es war einigermaßen kühl.

Die Gespräche in Sankt Goarshausen gingen mir unter die Haut, da ein Übergriff auf einen Polizisten, der im Anschluss nicht mehr dienstfähig war, noch Jahre danach in den Köpfen der Menschen steckt, die dort arbeiten. Was nicht bedeutete, dass nicht viel gelacht wurde und ich nicht dennoch auf das Herzlichste empfangen wurde.

Die PI dort hat exakt eine Streife zur Verfügung.

Tatsächlich kam ich zwischen Sankt Goarshausen und Lahnstein in einen fürchterlichen Regenguss. Ich hatte alles an Regenausrüstung dabei, nur meine Überschuhe hatte ich vergessen. Nun gut, so wurden sie wenigstens nicht nass.

Just nachdem ich die Regenausrüstung angelegt hatte, wurde ich von der einzigen Streife überholt, die die PI Sankt Goarshausen hatte. Später fuhr ich wieder an ihnen vorbei, als ihr Einsatz schon beendet war. Dann überholten sie mich wieder und wir winkten uns freundlich.

Ich kam mit Schuhen, aus denen das Wasser schwappte, in Lahnstein an, wo mich ebenfalls ein Radfahrliebhaber begrüßte

Eigentlich war der Plan gewesen, dass mein Mann mich abends auf dem Campingplatz in Lahnstein besucht. Da er nun eh schon in Lahnstein war, hat er einfach das nass eingepackte Zelt und die komplett durchnässte Frau nach dem Besuch der Polizei in Lahnstein eingepackt und nach Hause gebracht.

Das Fahrrad blieb in Lahnstein bei der Polizei. (Damit ich auch wirklich weitermache … ;-) Scherz. Danke, dass ich es dort unterstellen durfte.).

Daheim sah es dann erstmal aus, als sei mein Gepäck explodiert, weil ein bisschen Feuchtigkeit packt man immer mit ein, auch wenn es IM Zelt trocken geblieben war.

Mein Rücken freute sich über eine anständige Matratze und ich schlief wieder einmal wie ein Stein.

 

Pic(s) of the day:

Regen – heute also als Vorgartenzwerg unterwegs
Rhein-Nahe-Eck – zwischendurch war sehr lange kein Regen

 

Donnerstag, 02.08.2018

Strecke: Von Lahnstein bis Remagen (Lahnstein – Wasserschutzpolizei Koblenz – Bereitschaftspolizei Koblenz – Neuwied – Linz – Remagen)

Tageskilometer: 67,15

Insgesamt gefahrene Kilometer: 697,08

 

Besuchte Dienststellen: fünf

 

 

 

Radfahren: Das Radfahren gestaltete sich wieder weitgehend problemlos. Die Wege sind gut ausgeschildert.

Mein Abstecher zum Asterstein war etwas eigenwillig. Es gibt zwei Strecken, die Google-Maps auswirft, eine mit weniger Steigung, die kann man wirklich radeln. Dann gibt es eine mit mehr Steigung, die aber an der Aussichtsplattform der Festung Ehrenbreitstein vorbeiführt. Ich kann da jedenfalls nicht hochradeln, aber schieben ging ganz gut. Die Aussicht kann ich jedenfalls nur empfehlen.

Um einen sehr sportlichen Bereitschaftspolizisten dazu zu zitieren: „Mit dem Gepäck ist das auch eine sportliche Leistung.“

Der Radweg zwischen Koblenz und Neuwied grenzt zwar an eine Zumutung (Asphalt des Grauens, durchzogen von Wurzelwerk) über die man maximal mit 10 km/h hoppeln sollte, aber er soll wohl jetzt neu gemacht werden. Gute Idee!

Zwischen Neuwied und Linz verfuhr ich mich zweimal, einmal fand ich die Beschilderung unschlüssig und einmal war da eine Umleitung, deren Beschilderung mir ebenfalls nicht eingängig war. Zwei weitere Radtouristen aus dem sächsischen Sprachraum waren ebenso hilflos wie ich, scheint also nicht nur an mir gelegen zu haben.

Dennoch kam ich früher als im Vorfeld von mir angekündigt in Linz an.

Von dort nach Remagen ist es auch kein großes Problem mehr.

 

Pic(s) of the day:

Blick vom Aussichtspunkt bei der Festung Ehrenbreitstein auf den Rhein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allgemein Trauriges

Pirmasens: Gewalt gegen Polizisten im Gerichtssaal

Symbolfoto

Wer lange genug bei uns mitliest, weiß, dass ich keine besondere Freundin davon bin, zu verallgemeinern. Auch nicht gegenüber der Justiz. Es gibt durchaus einzelne Urteile, die mir gefallen. Ich habe ein ernstes Problem mit Leuten, die auf unseren Internetpräsenzen quasi reflexhaft ihr „viel zu wenig“ unter jedes, aber auch jedes, verlinkte Urteil pappen. Bei dem einen oder anderen Internetuser habe ich das Gefühl, er wäre auch mit der – in Deutschland zum Glück verbotenen – Todesstrafe nicht zufrieden und würde das ohne eine anständige Folterung im Vorfeld für einen Ausfluss von „Kuscheljustiz“ halten.

Dabei geht es mir nicht darum, dass ich die Justiz für sakrosankt halten würde. Im Gegenteil lege ich auch hier größten Wert darauf, dass man die Justiz kritisieren können muss. Aber auch hier habe ich nun mal gern Argumente, mit denen eine Meinung unterfüttert wird.

Gestern Abend stolperte ich allerdings über ein Urteil, das in mir schlicht Fassungslosigkeit zurückließ. Sowas geht in meinen Augen gar nicht. Leider kann ich dazu keinen Link setzen, da die einzige Quelle[1] dazu eine Bezahlschranke hat. Ich fasse also mal zusammen.

Im August 2017 widersetzte sich ein 21-Jähriger einer Polizeikontrolle. Einsatzanlass war ein randalierendes Paar gewesen, der 21-Jährige hatte bei Anblick der Polizei erstmal eine Dose Pfefferspray weggeworfen.

Dreimal hatte ihn die Polizei nach seinem Personalausweis gefragt, dreimal habe er gesagt, dass er keinen Ausweis dabei habe. Daraufhin wollten die Beamten ihn durchsuchen, dagegen leistete er Widerstand. Letztlich war die Polizei mit vier (!) Fahrzeugen vor Ort, ein Polizist wurde an der Hand verletzt.

Zufällig ist mir die Geschichte bekannt und zufällig weiß ich auch, dass dieser Polizist im Nachgang mehrere Wochen dienstunfähig war.

Zu diesem Vorfall wurde beim Amtsgericht Pirmasens gleich noch das Eintreten einer Wohnungstür durch den jungen Mann im folgenden Februar mitverhandelt.

Die Staatsanwaltschaft forderte drei Wochen Dauerarrest.

Der Richter hielt den Angeklagten in allen Anklagepunkten für schuldig. Im Artikel in der Pirmasenser Zeitung findet sich die Wendung, dass er den 21-Jährigen „seit Jahren kennt“.

Nun kann ich es nicht so genau wissen, da beide nicht zu meinem Umfeld zählen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die beiden sich nicht unbedingt durch ihre Mitgliedschaft im örtlichen Schachclub kennen. Mutmaßlich begegnete man sich also schon häufiger im Gerichtssaal. Auch die Forderung der Staatsanwaltschaft lässt Rückschlüsse darauf zu.

Entsprechend logisch dann das folgende Urteil, oder?

Das Urteil lautete auf – eine Verwarnung.

Ok, es kam noch eine Auflage dazu. Der 21-Jährige muss bis April 2019 unter der Betreuung des Vereins für soziale Rechtspflege stehen, der ihn bereits jetzt betreut, sowie bei einem Psychiater vorstellig werden. Weil positive Tendenzen zu erkennen seien.

Na, wenn das mal jemanden, dessen Aktionen offensichtlich schon öfters mal im Gerichtssaal verhandelt wurden, nicht atemlos vor Respekt zurücklassen wird.

Um nicht missverstanden zu werden. Bei Ersttätern, die ein Problem mit Aggressionen haben, halte ich das durchaus für einen guten Weg. Vielleicht auch noch beim zweiten Mal. Dann muss aber auch irgendwann mal Schluss sein mit lustig. Dann muss man klare Kante zeigen, sonst wird man nicht mehr ernst genommen. Leider erstreckt sich dieser Mangel an Ernstgenommenwerden dann bei so manchem nicht mehr auf einzig diesen Richter, sondern auf den Staat als Gesamtheit. Und natürlich auf seine Vertreter, die das dann an vorderster Front abbekommen, die Polizei.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die vor Ort eingesetzten Polizisten mit einem derartigen Urteil fühlen mögen, insbesondere der Polizist, der länger krankgeschrieben war als der Dauerarrest überhaupt angehalten hätte. Oder generell Pirmasenser Polizisten, die schon hier und da mal mit dem Herrn zu tun hatten. Um öfters mal im Gerichtssaal zu landen, muss man der Polizei auch schon mehr als einmal auffallen. So frustriert man Menschen, die für uns alle Tag und Nacht den Kopf hinhalten.

Abschließend sei noch als Randnotiz erwähnt, dass in dem Artikel in der Pirmasenser Zeitung auch eine Mitarbeiterin des besagten Vereins für soziale Rechtspflege zu Wort kommt. Sie räumt ein, dass der 21-Jährige aggressiv reagiere, „wenn etwas nicht läuft“, aber eben auch schnell wieder „runterkomme“. Natürlich kann auch hier etwas aus dem Zusammenhang gerissen sein, aber das Schlusswort des für diese Mitarbeiterin reservierten Absatzes lautet „Gewalt lehne er grundsätzlich ab“.

Mir persönlich kommt da vor dem Gesamthintergrund nur noch ein sarkastisches Lachen über die Lippen. Ich vermute, dass dem verletzten Polizisten und seinen Kollegen sogar dieses erstmal vergangen sein dürfte.

Vielleicht hilft es nicht viel, aber ich kann aus der Erfahrung einer Schichtbegleitung (Artikel folgt) und eines Besuches in Richtung Pirmasens sagen – Ihr seid klasse! Bitte gebt nicht auf! Wir Bürgerinnen und Bürger brauchen Euch! Danke für Euren täglichen Einsatz für uns alle!

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[1] Quelle: Artikel in der Pirmasenser Zeitung vom 02.08.2018, „Mit Polizei angelegt“

Allgemein Polizeiarbeit Verein

„Du gehörst doch nach Andernach!“

Mitte der 80er Jahre eine nicht sonderlich gepflegte Beleidigung, wenn jemandes Verhalten nicht in die Normen passte, die uns als Teenager beherrschten. Die auch reichlich eng waren – was für Pubertierende auch normal ist. Schlecht ist nur, wenn man sich auch im Erwachsenenalter von diesen allzu eng gesteckten Normen nicht befreien kann.

Jedenfalls wusste im nördlichen Rheinland-Pfalz, wo ich aufwuchs, zumindest in den Orten an der Rheinschiene jeder, was gemeint war. Der Spruch spielte an auf die Rhein-Mosel-Fach-Klinik, eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie.

Jahrelang verschwand diese Klinik aus meinen Gedanken, eine gute Bekannte wohnte lange in Andernach, ich ging hier und da in Andernach aus. Dann ergab es sich, dass ich eine Nachtschicht bei der Polizeiinspektion Andernach mitfahren durfte. Da mir schon bei diversen Besuchen zu Heiligabend oder auch zum Danke-Polizei-Tag aufgefallen war, dass das Einsatzaufkommen dort eigentlich immer recht hoch ist, freute ich mich schon auf diese Erfahrung.

 

Als ich ankam, erwartete mich das mir für ländliche Dienststellen mittlerweile wohlbekannte Phänomen – an allen Ecken und Enden fehlte Personal. Zwei Beamte waren erkrankt, zwei waren nach Koblenz zu einem plötzlichen Sondereinsatz abgeordnet worden und es gab einen Anwärter, der ausgebildet zu werden hatte. Ursprünglich war der Gedanke gewesen, mich von Streifenteam zu Streifenteam weiterzureichen, um die Belastung aufzuteilen. So blieb ich die ganze Nacht bei Michael und Jil.

 

Wir bestreiften das noch recht ruhige Andernach. Als erstes fiel uns ein weißer Kastenwagen auf, der am Straßenrand vor einer Liegenschaft im Gewerbegebiet stand. Etwas, was sogar mir als Laie komisch vorkam. Entsprechend langsam steuerte Michael den Streifenwagen an dem Lieferwagen vorbei. Hektische Betriebsamkeit brach aus, ein Mann sprang ins Führerhäuschen des weißen Wagens. Er fuhr an.

Entschlossen wendete Michael den Streifenwagen und folgte. Der Weiße fuhr auf eine weitere Gewerbeliegenschaft auf. Michael stellte den Streifenwagen genau davor.

 

„Guten Abend. Polizei Andernach.“

„Guten Abend.“

Fahrzeugkontrolle. Papiere waren soweit in Ordnung. Auch Verbandskasten, Warndreieck und Warnwesten waren wie erforderlich vorhanden.

„Ich möchte mir mal die Ladungssicherung anschauen“, teilte Michael mit. Der Mann riss die Tür zur Ladefläche auf.

Es gab keine Ladung. Die sollte nämlich erst hier abgeholt werden, wie uns der Fahrer mitteilte. Was auch ein Herr bekräftigte, der aus dem Haus kam.

Kurz und gut – es schien alles in Ordnung. Warum nur hatte er weiter hinten so komisch geparkt? Ein Rätsel, was sich wohl nicht mehr lösen lassen würde.

Offensichtlich merkte der Mann, dass die beiden Polizeibeamten und ich noch jede Menge Fragezeichen im Kopf hatten – denn er verabschiedete sich mit den Worten:

„Und danke, dass Ihr mich eben beim Pipimachen noch nicht gestört habt.“

 

 

Wir lachten noch im Streifenwagen.

„In unserem Beruf erlebst du ständig was Neues.“

Darüber waren sich Michael und Jil einig. Natürlich quetschten auch sie mich interessiert aus, warum ich mir freiwillig die Nachtschichten mit der Polizei antue. Ich legte meine Gründe dar. Abgesehen davon, dass das für mich ein Zeichen der Wertschätzung ist, mir anzusehen, wie unsere Polizistinnen und Polizisten arbeiten, ist es auch eine gute Möglichkeit, mit jenen zu reden, die sozusagen an der Alltagsfront Tag für Tag ihren Kopf für uns hinhalten. Außerdem macht es mir Spaß.

„Das kann ich verstehen“, sagte Jil. „Mein Beruf macht mir auch Spaß.“

Michael bestätigte das.

Das vielleicht mal für alle, die in den Kommentarspalten unserer Präsenzen in den Sozialen Netzwerken Polizistinnen und Polizisten gern zu Opfern machen. Das sind sie nicht. Sie machen eine fantastische, manchmal gefährliche Arbeit für unsere Gesellschaft und werden dafür von manchen Teilen der Gesellschaft unsäglich behandelt. Aber sie haben oft Spaß an ihrer Arbeit und tun sie gerne.

Last but not least helfen mir meine Nachtschichten auch beim Argumentieren gegen die ganzen Hintertreppengerüchte aka Scheißhausparolen, die über unsere Polizei kursieren. Erst neulich hatte ich eine interessante Konversation mit einem Menschen, der ernstlich der Ansicht war, über eine Einweisung in eine Psychiatrie könne die Polizei jeden Menschen für jedes beliebige Vergehen 48 Stunden festhalten, ohne dass sich ein Richter da einzumischen habe. Und natürlich macht in seinem Weltbild die Polizei das auch pausenlos und mit jedem, der ihr nicht in den Kram passt. Was für ein blühender Unsinn. Und ich konnte ihm das wenigstens teilweise ausreden…

Da dieses „Gespräch“ in einem Sozialen Netzwerk stattfand, hoffe ich immer, dass genug Schweigende mitlesen, die sich vielleicht von den besseren Sachargumenten überzeugen lassen.

 

 

Schließlich hatte ich im Laufe der Andernacher Nacht zwei Einweisungen miterlebt.

 

Im ersten Fall handelte es sich um eine Frau, die bereits vom Rettungsdienst versorgt wurde. Zumindest mühten sich bei unserem Eintreffen die beiden Sanitäter redlich, sie zu versorgen. Allein – sie wollte nicht. Entsprechend war sie ihnen gegenüber aggressiv geworden. Sie hatten die Polizei gerufen, den Einsatz bekamen wir. Was zu einer Miniblaulichtfahrt über etwa einen Kilometer führte, da wir ganz in der Nähe waren.

Die Dame war ganz klar nicht wegefähig. Sobald sie nicht an einem Zaun oder einer Mauer lehnte, brauchte sie nicht nur den Bürgersteig in seiner gesamten Breite, sondern auch noch die Fahrbahn dazu. Auf einer viel befahrenen Straße ein unkalkulierbares Risiko.

 

Zudem hatte ich das dringende Gefühl, allein durch das Einatmen in ihrer Gegenwart einen ähnlich Grad an Alkoholisierung zu erreichen wie sie ihn offensichtlich hatte.

„Ich will nach Hause“, wiederholte sie hartnäckig.

„Wir können Sie nicht nach Hause lassen. Wir können Sie auch nicht allein gehen lassen“, wiederholte Michael ebenso hartnäckig wie freundlich.

Letztlich stieg sie in den Krankenwagen. Da sie im Vorfeld aggressiv gegen die Sanitäter geworden war, stieg Jil mit ein. Und ich durfte nach vorne rücken (Yay!).

Auf der Fahrt zur Rhein-Mosel-Fachklinik erklärte mir Michael, dass hier eine deutliche Eigengefährdung vorlag. Eifrige Leser meiner Artikel werden sich jetzt fragen: Wieso müssen die denn in Andernach – im Unterschied zu kreisfreien Städten wie bspw. Ludwigshafen den Kommunalen Vollzugsdienst nicht fragen, bevor sie eine Einweisung vornehmen. Dies hat damit zu tun, dass in ländlicheren Gebieten von Rheinland-Pfalz die Kreisverwaltung zuständig ist, die zum einen über keinen eigenen Vollzugsdienst verfügt und zum anderen nur innerhalb der Geschäftszeiten zu erreichen ist. Also nicht während einer Nachtschicht. Entsprechend tritt die Polizei direkt in Verhandlungen mit den Ärzten.

Bei dieser Dame war es auch keine Einweisung im klassischen Sinne, denn es ging ja um ihren sehr hohen Alkoholisierungsgrad. Im Grunde musste die Polizei sie in Gewahrsam nehmen, um sie vor sich selbst zu schützen. Allerdings war wiederum der Alkoholisierungsgrad derart hoch, dass kein Arzt ihr eine Gewahrsamsfähigkeit ausgestellt hätte. In diesem Fall hat also die Rhein-Mosel-Fachklinik den Polizeigewahrsam stellvertretend vorgenommen, aber eben unter Aufsicht fachkundiger Ärzte.

 

„Wir können sie wirklich nicht weiter draußen rumlaufen lassen. Da kann jede Menge passieren. Sie könnte überfahren werden oder auch bei sich zu Hause einen Unfall haben.“
Michael konnte offensichtlich mein Schweigen zu der Thematik nicht einordnen. Dabei war ich in der Sache ganz auf seiner Seite. Schweigsam war ich nur, wie ich ihm dann auch erklärte, weil ich einen Fall aus dem niedersächsischen Rastede im Kopf hatte, wo zwei junge Polizisten einen Betrunkenen aus dem Streifenwagen gelassen hatten und er kurz darauf überfahren wurde. Die beiden müssen nun nicht nur mit ihren Schuldgefühlen fertig werden, sondern auch mit einer öffentlichen Hexenjagd und Angst um ihre Existenz.

Ich teilte meine Gedankengänge dazu mit Michael.

Wir hatten auch jede Menge Zeit für derartige Gespräche, weil der Haupteingang zur Klinik wegen Bauarbeiten nicht benutzbar war. Die Suche nach dem Nebeneingang gestaltete sich komplex. Zudem führten die letzten paar Meter über eine Umleitung quer durch ein Krokusbeet. Darauf muss man erstmal kommen. Jedenfalls hatten sowohl Michael als auch der Fahrer des RTW echte Skrupel, quer durch die Blümchen zu fahren, die nach einem langen, harten Spätwinter schüchtern aus dem Gras lugten.

Die Ärztin sah die Eigengefährdung ähnlich wie die Sanitäter und Beamten und nahm die Dame auf.

„Die handeln doch eh im Sinne der Beamten“, meinte der Diskutant, dessen eigenartige Meinung über die Möglichkeiten einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei, Menschen einfach mal eben so in einer Psychiatrie verschwinden lassen zu können, mir ganz schön viel Kopfschmerzen bereitete.

In diesem Fall ja. Ich kenne auch andere Fälle, in denen die Ärzte die Leute unmittelbar nach Eintreffen in der Psychiatrie wieder auf freien Fuß gesetzt haben.

Wobei der Sinn der Beamten nicht darin lag, die Dame „verschwinden“ zu lassen, sondern sie vor sich selbst zu schützen. Ein wesentlicher Unterschied!

Im Übrigen habe ich noch bei keiner einzigen Schichtbegleitung erlebt, dass eine Polizistin oder ein Polizist einfach so mal schnell jemanden einweisen wollte. Es gab immer sehr gute und nachvollziehbare Gründe.

Bis hierhin hätte man auch alles in einschlägigen Gesetzen nachlesen können, wie bspw. dem Landesgesetz für psychisch kranke Personen (PsychKG) für RLP bzw. ähnlichen Gesetzen für andere Bundesländer. Wie sagt ein von mir geschätzter Polizist oft und gern: „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.“

Nicht im Gesetz nachlesbar ist die Menschlichkeit, mit der die beteiligten Blaulichter an die Sache herangingen. Niemand hat sich über die Dame lustig gemacht. Alle hatten vor allen Dingen ihr Wohlergehen im Auge – und das der anderen Verkehrsteilnehmer. Für denjenigen, dem sie genau vors Auto fallen würde, wäre das nämlich auch kein Zuckerschlecken.

Im Nachhinein sagte Jil im Auto: „Sie hat mir im Krankenwagen ihr ganzes Leben erzählt – also einfach hatte sie es nicht!“

 

Besonders augenfällig wurde das beim folgenden Einsatz gegen Ende der Nacht. Ein junger Mann hatte den Notruf gewählt und dort mitgeteilt, dass er seine Lebensgefährtin geschlagen hätte. Er wolle sich selbst anzeigen. Meine Streife wurde zu ihm geschickt, um den Sachverhalt aufzunehmen.

Er erwartete uns bereits vor seiner Haustür. Der junge Mann wirkte zeitgleich verzweifelt und aggressiv, er hantierte mit einem großen Feuerzeug (eines von denen mit dem langen Rüssel, um Kamine anzuzünden oder Teelichter am Boden eines tiefen Glases) herum.

„Legen Sie das mal bitte weg“, forderte Jil auf, nachdem allseits „Guten Morgen“ gewünscht wurde.

Zack!

Er pfefferte das Teil in eine Ecke seines Eingangsbereichs.

Hoppla!

Definitiv ein Fall, in dem ich mich nicht unbedingt nach vorne drängeln und zusehen sollte, dass alle Fluchtwege offen bleiben.

Da es ziemlich kalt war, gingen wir mit ihm ins Haus. Dort fragten Michael und Jil ihn aus, was passiert war. Ich bewunderte den Boden, der nicht nur derart klebte, dass er bei jedem Schritt schmatzende Geräusche abgab, sondern auf dem auch dunkelrote Spritzer prangten.

Blut?

Der Mann erzählte uns, dass er Streit mit seiner Freundin bekommen hätte, daraufhin habe er ihr eine Ohrfeige verpasst. Diese Entgleisung erfüllte ihn mit Verzweiflung, so sehr, dass die Aussage fiel:

„Ich will mich suizidieren.“

Michael bohrte nach.

Die Freundin sei dann schließlich mit einem dreistelligen Eurobetrag und zwei Bekannten verschwunden. Das Geld stammte vom Konto seiner Mutter, er hatte es mit einer EC-Karte abgehoben. Die Mutter war im Krankenhaus.

„Die bringt mich um“, sagte er.

Die Höhe des Betrages schwankte im Laufe des Gespräches mehrfach – ebenso wie seine Stimmung, was ihn äußerst unberechenbar erscheinen ließ.

Meinem Eindruck nach war es hauptsächlich die Tatsache, dass ihm die Hand ausgerutscht war, die ihn mit Verzweiflung erfüllte. Ein bisschen Angst vor seiner Mutter schien aber auch dabei.

„Wir müssen Sie einweisen lassen, wegen Ihrer Suizidgedanken“, stellte Michael fest.

„Ich bin doch nicht blöd.“
Dabei wirkte der Mann wieder sehr aggressiv.

„Das hat doch mit ‚blöd‘ nichts zu tun“, sagte Jil.

Der junge Mann kam wieder ein bisschen runter.

Ich machte mir milde Sorgen um meine beiden Begleiter, die ihn auch für keine Sekunde aus den Augen ließen. Dennoch gingen sie sehr freundlich auf ihn ein.

Letztlich funkten sie eine zweite Streife herbei, da in unserem Streifenwagen meinetwegen kein Platz war.

„Ich kann nicht in die Klinik“, sagte der junge Mann schließlich.

„Warum nicht?“

„Ich hab keinen Schlüssel. Wenn die mich wieder wegschicken, weiß ich nicht, wo ich schlafen soll.“

Die zweite Streife kam genau zu dieser Diskussion dazu. Letztlich willigte er ein, sich in die Klinik bringen zu lassen.
„Aber nur, wenn ich meine Decken holen gehen kann, dann nehme ich die mit raus und übernachte notfalls im Gartenhäuschen.“

„Ich hol die gerade“, erbot sich eine der neu hinzugekommen Polizistinnen, Silvia. „Wo sind die denn?“

„Oben im Schlafzimmer.“

Silvia und ein weiterer Polizist stiegen die Treppe ein Stockwerk nach oben.

„Oben keine Blutflecken“, vermeldete Silvia leise zu den anderen, als sie wieder nach unten kam.

Die Decken wurden außer Sicht von der Straße neben der Haustür deponiert.

Die zweite Streife war mit dem Bus und einem Anwärter gekommen, so dass drei Polizeibeamte bei ihm waren, als er in die Klinik gefahren wurde.

Selbstverständlich versuchten im Nachgang mehrere Streifen die Freundin zu finden. Immerhin war immer noch nicht geklärt, von wem das Blut war. Auch wir suchten eine Adresse einer der beiden Bekannten auf, mit der die Freundin unterwegs gewesen sein soll. Da die beiden Bekannten polizeibekannt waren, war es für die Polizei nicht weiter schwierig, an die Adressen zu kommen.

Eine andere Streife traf schließlich die Lebensgefährtin bei bester Gesundheit an.

Von wem nun das Blut war, bliebt unklar. Sicher ist, dass kein Gewaltverbrechen stattgefunden hatte.

 

 

Natürlich haben wir uns in dieser Nacht nicht nur mit der Rhein-Mosel-Fachklinik beschäftigt, sondern hatten auch andere Einsätze:

„Meine“ Streife hat im Laufe der Nacht insgesamt vier Verkehrskontrollen durchgeführt.

Ein Fahrer musste seinen Führerschein abgeben, weil er mit deutlich über 1,1 Promille fuhr. Interessantes Detail: auf dem Beifahrersitz saß seine stocknüchterne Ehefrau. Muss man nicht verstehen!

 

Es gab einen Einsatz wegen eines betrunkenen Randalierers, der sich aber bei unserem Eintreffen schon wieder beruhigt hatte. Die Sachlage entpuppte sich als Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn.

Auch gab es eine Schlägerei vor einer Diskothek, dem Rasputin, zu der wir mit insgesamt vier Streifen ausrückten (der Sondereinsatz in Koblenz war zu diesem Zeitpunkt bereits beendet). Die Türsteher hatten zwei junge Männer nicht reinlassen wollen, die ihrerseits partout reinwollten. Die Gründe der Türsteher sind im Zweifel vollkommen egal, sie haben das Hausrecht und dürfen auch dann den Zutritt verwehren, wenn ganz einfach die Nase nicht gefällt.

Als persönlichen Höhepunkt bekam ich noch eine ausgiebige Blaulichtfahrt von Weißenthurm bis knapp ins Dienstgebiet der PI Koblenz 2 geschenkt, als uns ein Auto mit Schlangenlinien auf der B9 gemeldet wurde.

 

Danke an die PI Andernach für diese spannenden Einblicke, besonders an Michael und Jil. Ihr seid klasse!

 

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Bremen, Klappe die Zweite

Nach meiner Schicht im Sommer 2016 hatte Peter befunden, dass Bremen sich mir nicht in angemessener Weise präsentiert hätte. Die Schicht war einfach zu ruhig gewesen. Entsprechend hatten wir beschlossen, das Ganze bei Gelegenheit zu wiederholen – im Sommer 2017.

Zuerst präsentierte sich mir die Bahn wieder einmal mit einer hübschen Verspätung, so dass Peter mich nicht am Hauptbahnhof abholen konnte. Das macht aber nichts, denn Bremen hat einen sehr guten Nahverkehr. Die Zeit in der Tram gab mir auch Gelegenheit, abzukühlen.

Im Zug nach Bremen machte ich nämlich Bekanntschaft mit einer Bremer Familie, bestehend aus einem Vater und zwei seiner Töchter im angehenden Pubertätsalter. Sie fuhren in der ersten Klasse und waren, soweit ich das beurteilen kann, das, was man linksaußen so schön „Biodeutsche“ nennt. Diese Information gebe ich nur, um wiederum den einen oder anderen Leser rechtsaußen vor Schnappatmung zu bewahren.

Dazu muss man sagen, dass ich mir ein Ticket erster Klasse geleistet hatte (zum Supersparpreis von 30 Euro), weil die Fahrt ja nun doch länger dauert und weil ich auf langen Fahrten gerne Genesungskarten schreibe.

Nun kenne ich beruflich eine Menge mehr oder minder pubertierender Jugendlicher, aber auch dieses Hormonchaos erklärt und entschuldigt nicht alles…

Zuerst schafften die beiden es, eine Lärmkulisse zu produzieren, dass ein ausgewachsener Frauenkegelclub bei einer Weinprobe dagegen als eine Oase der Stille rüberkommt.

Kein Ding! Ich habe immer Musik dabei, die mich so abschließt, dass ich mich auf meine Karten konzentrieren kann.

Mir ist unklar, ob den beiden jungen Damen nicht passte, dass ich so gar nicht auf ihre Vorstellung reagierte, aber sie drehten zunehmend auf. Irgendwann konnte ich meine Musik nicht mehr lauter stellen, wollte ich keinen Hörschaden riskieren.

Ich ignorierte das Theater aus Prinzip und begann mich zu fragen, ob die gesamte Erziehungstätigkeit des Herrn Vaters wohl weiterhin darin bestehen würde, interessiert zuzuschauen, wie seine beiden Grazien gerade einen ganzen Großraumwaggon terrorisierten – wissend, dass der erste, der es wagen würde, etwas zu sagen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Kinderfeindlichkeit geziehen werden würde.

Nun kriegten die beiden Damen irgendwie heraus, dass meine Beschäftigung etwas mit dem Thema „Polizei“ zu tun hatte – und beglückten den ganzen Waggon in unbeschreiblicher Lautstärke (zur Erinnerung – ich trug Kopfhörer mit Musik) mit Polizeiwitzen dümmlichster Art, die sie extra zu diesem Behufe aus dem Internet zogen. Nebenbei bemerkt waren die auch alt wie die Zeit… also die Witze.

Auch hier – erzieherische Worte des Vaters – Fehlanzeige. Er fand das wohl noch lustig.

Da hatte ich dann eine sehr gute Vorstellung von dem, was Polizeibeamte sich teilweise auch von „gutsituierten“ Bürgern an Dreistigkeiten gefallen lassen müssen.

Das Ganze endete übrigens damit, dass ich mir noch in Nordrhein-Westfalen einen neuen Platz suchte – zwei Waggons weiter.

Ich hoffe, der Vater liest diesen Artikel und es ist ihm angemessen peinlich.

 

Netterweise holte Peter mich (bereits in Uniform) von der Tram ab. Herrlich! Ich hätte zu gern die Gesichter der Leute in der Bahn gesehen, dass ich nicht nur von der Polizei schon in Empfang genommen, sondern auch gleich mit einer Umarmung begrüßt werde.

Im Unterschied zum letzten Mal hatten wir auch Zeit für eine kurze Vorstellung während der Schichtbesprechung.

Peter hatte noch Papierkram aus der Vorschicht da liegen, also wurde ich schon einmal mit Andreas und Tobias rausgeschickt.

Der erste Einsatz ließ auch nicht lange auf sich warten.

 

Einbruchsalarm in einem Großlager.

Blaulichtfahrt.

Das fängt ja gut an… ;-)

Der Sicherheitsdienst ließ uns auf das Gelände, wir fuhren einmal mit dem Streifenwagen um Lagergebäude und Gelände – nichts!

Eindeutig ein Fehlalarm.

Wir rückten ab, zumal der Verantwortliche für das Lager nun selbst nach dem Rechten sehen wollte.

 

Nächster Einbruchsalarm.

Ein leer stehendes Hotel. Dieses hatte eine Weile als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge gedient. Der Nachbar, der die Polizei alarmiert hatte, sagte: „Das Haus steht leer.“

Tobias bezweifelte das.

„Da übernachten bestimmt welche drin.“

Schon auf der Anfahrt wunderte ich mich. Für mein rheinisches Gemüt ist Bremen eine Großstadt. Allerdings fuhren wir durch eine sehr ländliche, flache Landschaft, die in mir durchaus Entspannungsgefühle aufkommen ließ – erinnerte sie mich doch schwer an diverse schöne Urlaub in Norddeutschland.

Als wir ausstiegen, stiegt mir der Duft von Kuhdung in die Nase…

Vielseitig, diese Großstadt!

In der Einfahrt des Nachbargrundstücks stand ein Auto. Während Andreas versuchte, Einblick ins Haus zu gewinnen, entdeckte Tobias in dem Auto Leute. Ein Mann kam um das Auto herum auf uns zu.

„Haben Sie hier was mitgekriegt?“ wollte Tobias wissen.

„Ja, also eigentlich wurde wohl die Polizei wegen uns gerufen?“

Hä?

Andreas gesellte sich zu uns.

„Na ja“, fuhr der Herr fort. „Sie (er zeigte auf eine junge Frau, die auf dem Beifahrersitz eines Wagens saß) hat Drogen genommen, ist ein bisschen durchgedreht und dann bin ich mit ihr hierhergefahren, damit sie runterkommt.“

Aha?

Er war aber noch nicht fertig.

„Dann hat sie geschrien, und deswegen haben wohl einige Passanten die Polizei gerufen.“

Natürlich führten meine beiden Herren eine Personenkontrolle durch. Resultat: Der junge Mann war der Polizei bekannt – u.a. auch wegen Vergewaltigung. Natürlich gingen bei meinen Begleitern sämtliche roten Lampen an, auch wenn sie nach außen hin unbewegt blieben.

Andreas bestand darauf, mit der Frau zu sprechen, während Tobias mit dem Mann allein blieb.

Sie versicherte mehrfach (und nicht nur aus meiner Sicht glaubwürdig), ihr ginge es gut.

Entsprechend war für die Polizei nichts zu tun, der Einbruch war keiner gewesen und es gab, trotz der Vorgeschichte des Mannes, keinerlei Anzeichen für eine Straftat.

Ein Einsatz, der ganz anders war, als noch bei der Anfahrt gedacht.

„Sowas gibt es oft“, stellte Tobias fest.

 

Wir bestreiften Huchting, einen Stadtteil von Bremen, der einige Straßenzüge hat, die durchaus polizeilicher Aufmerksamkeit bedürfen. Es ist keine NoGo-Area, aber es soll auch keine werden.

 

Dem Streifenwagen kam ein Fahrradfahrer ohne Licht entgegen. Selbstverständlich qualifizierte sich der Mann für eine Kontrolle. Er sprach kein Deutsch, dafür kam nach und nach seine ganze Familie angerückt. Letztlich gingen aber alle ihrer Wege, nachdem ihm eindringlich klar gemacht wurde, dass er für Licht an seinem Fahrrad zu sorgen habe.

 

Ein Auto fuhr sehr schnittig an uns vorbei, also wurde auch hier eine Kontrolle durchgeführt. Die ergab nichts, außer der Erkenntnis, dass Shisha-Tabak sehr stark und gar nicht mal schlecht riecht. Damit war nämlich der Kofferraum voll bis zum Rand.

 

Wir passierten eine Shisha-Bar, vor der ein Auto mitten auf dem Gehweg parkte. Andreas, der den Streifenwagen fuhr, gab dem Halter eine faire Chance, aus der Bar zu kommen und seinen Wagen auf einen ordentlichen Parkplatz zu fahren. Der ließ diese Chance jedoch verstreichen, also wird er in den folgenden Tagen wohl Post bekommen haben.

 

Zwei junge Herren machten sich auf verdächtige Art in einer dunklen Ecke an einem Auto zu schaffen. Alles ok, einer davon war der Fahrzeughalter.

 

Wo wir schon mal in der Ecke waren, haben wir auch kurz geschaut, ob der Wagen eines Halters mit Fahrverbot bewegt worden war. War er nicht!

 

Im Funk hörten wir mit, wie in einem anderen Teil von Bremen fünf Streifen zu einem Einsatz flogen, weil Rettungssanitäter angegriffen wurden. Kranke Welt!

 

Nächster Einsatz.

Verdächtige Vorkommnisse in einem Einfamilienhaus, dessen Eigentümer in Urlaub waren.

Wir wurden vor Ort von der Anruferin erwartet.

„Im Haus brennt Licht. Das war aber vorher nicht an.“

Nun war die Frage aller Fragen:

Einbrecher oder Zeitschaltuhr?

Die Dame hatte auch schon den Bruder der in Urlaub befindlichen Frau angerufen, der einen Schlüssel hatte. Er schloss auf, die Polizei betrat das Haus. Meine beiden Begleiter checkten überall, ob sich niemand im Haus aufhielt und ob alle Fenster und Türen unversehrt waren. Auch durch den Garten drehten sie eine Runde.

Letztlich stellte sich heraus: die Eigentümer hatten tatsächlich Zeitschaltuhren installiert.

Der Bruder schaltete sie alle ab.

„Wenn das so schnell bemerkt wird, wenn Licht an ist, dann wird das Haus ja gut bewacht.“

Die aufmerksame Nachbarin entschuldigte sich bei meinen beiden Herren.

„Nicht doch. Wir kommen gerne.“

Deswegen finde ich euch auch so klasse.

 

Zu diesem Zeitpunkt endete Andreas Arbeitszeit und die beiden fuhren wieder zur Dienststelle.

Peter übernahm das Fahren des Streifenwagens und es ging direkt raus zu einer Ruhestörung.

Tatsächlich hörten wir in der Nähe des Wohnhauses des Anrufers eine öffentliche Party – diese war aber durchaus gemäßigt in der Lautstärke. Im Gegensatz dazu tobte allerdings genau im Nachbarhaus eine viel lautere Unterhaltung. Die hatte den Anrufer aber offensichtlich nicht weiter gestört.

Auch seine eigene Klingel störte ihn nicht weiter, nachdem Peter und Tobias drei Mal geklingelt hatten, rückten wir wieder ab. Offensichtlich lag der Mann schon in tiefstem Schlummer… dachten wir.

 

Nächster Einsatz:

Eine verwirrte alte Dame mit einer Katze randaliert an einer Tür.

Schon auf der Anfahrt mutmaßte Tobias, um wen es sich handeln könne – und richtig!

Die Dame hatte allein er schon sechs Mal in diesem Jahr nach Hause gebracht. Sie ist hochgradig dement und lebt mit ihrem Mann zusammen. Der, schon an die 90 Jahre alt, hat nicht mehr die notwendigen Kräfte, um alles, was damit zusammenhängt, zu bewältigen.

Tobias wusste, wo die Dame wohnt. Peter brachte sie sehr liebenswürdig dazu, zu uns ins Auto zu steigen (ich durfte wieder auf den Beifahrersitz umziehen). Dafür nahm er sich sehr viel Zeit und Ruhe – was ich wirklich toll fand. Ich gebe zu, dass ich ein bisschen eine Schwäche habe, wenn es um demente Menschen geht. Mir ist diese Krankheit ausgesprochen unheimlich, vermutlich weil ich selbst sehr rational bin und viel über den Kopf löse. Es macht mich immer ein bisschen fassungslos, wenn Menschen über Vernunft und Logik nicht zu erreichen sind – auch, wenn sie gar nichts dafür können. Deswegen bewunderte ich Peter gerade uneingeschränkt.

In jedem Fall wird Peter einen Bericht an das Amt für Soziale Dienste der Stadt Bremen verfassen, damit dem Ehepaar geholfen werden kann. Der nächste Ausflug ist vorprogrammiert und wenn erst die kalte Jahreszeit kommt, kann das schlimm enden.

 

 

 

Kaum war dieser Einsatz beendet, erfuhren wir, dass der Anrufer wegen der Ruhestörung tatsächlich noch einmal die Polizei angerufen hatte. Wir mussten aber nicht noch einmal hinfahren – es reicht aus, einmal nicht hineingelassen zu werden.

 

Wieder eine Ruhestörung.

Und wieder einmal kam es mir gar nicht so laut vor, was da aus der Kneipe schallte.

„Machen Sie einfach die Tür zu, dann werden wir auch nicht mehr angerufen!“

Stimmt! Wurden wir auch nicht mehr.

 

Ein Auto mit schwedischem Kennzeichen kreuzte unseren Weg. An einem der Nummernschilder fehlte eine Plakette. Verkehrskontrolle. Alles in Ordnung.

 

Anschließend ging es in die Dienststelle, weil Peter und Tobias nun einiges an Berichten angehäuft hatten. Zumindest war das der Plan, der aber unterbrochen wurde durch einen Notruf.

Der Anrufer hatte einen lauten Knall gehört, was i.d.R. bedeutet, dass ein Zigarettenautomat aufgesprengt wurde.

Wir fuhren in die angegebene Straße.

Ein Zigarettenautomat.

Intakt!

Hm…

Keine hundert Meter weiter noch ein Zigarettenautomat.

Ebenfalls intakt.

„War am Ende doch ein Fehlalarm?“

Noch einmal 100 Meter weiter…

Oha…

Wir fanden Einzelteile des Automaten noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein ganz schön hohes Risiko für die paar Kröten, die man heutzutage in diesen Automaten findet. Zudem roch es dermaßen nach Schwarzpulver, dass nach meinem Dafürhalten diese Zigaretten im Anschluss arg gesundheitsschädlich gewesen sein dürften. Ok, sind sie sowieso… trotzdem…

 

Letztlich galt es, Beweise zu sichern. Peter machte Fotos.

 

Dann überlegten meine Herren, wie sie dieses Gerät in die Dienststelle bringen. Dazu muss es erst einmal von seinem Sockel gelöst werden. Das ist nicht allzu einfach, sonst bräuchte man die Teile ja auch nicht mühevoll zu sprengen…

 

Kurz: die Feuerwehr musste kommen.

In der Wartezeit drehten Peter und ich ein paar Runden durch die Umgebung – in der Hoffnung, ein paar Spuren der Automatenaufbrecher zu finden – vergeblich.

 

Die Feuerwehr arbeitete fast eine halbe Stunde daran, diesen Automaten von seiner Halterung zu lösen.

Zum Transport wurde ein Bulli von der Dienststelle geholt. Ich kriegte bei seinem Anblick feuchte Augen – erinnerte mich sehr an meine Jugend…

Netterweise halfen die Feuerwehrleute dann noch, den Automaten in den Bulli zu verladen. Sie fuhren sogar mit zur Dienststelle, um beim Entladen zu helfen. Sehr nett! Ich weiß schon, warum ich bekennender Blaulichtfan bin.

 

Nun ging es für Peter und Tobias aber wirklich an ihre Berichte. Ich amüsierte mich in der Zwischenzeit damit, einen Bücherschrank zu durchforsten, in dem einige Bücher zu verschiedenen polizeirelevanten Themen standen. Polizeirecht, Einsatzlehre, Eigensicherung, Gesetzeskommentare… überall standen Namen drin. Offensichtlich private (Leih-)gaben von Polizeibeamten, die hier arbeiten. Übrigens alle ziemlich aktuell und mit deutlichen Gebrauchsspuren versehen. Besonders in Erinnerung ist mir ein Buch geblieben mit dem klangvollen Titel „Reducing ethnic profiling in the European Union – a handbook of good practices“. Ich habe kurz hineingelesen. Nun kann man über Racial Profiling trefflich diskutieren und unterschiedlicher Ansicht sein – das ist in einer pluralistischen Gesellschaft auch gut so! Fakt ist aber doch, dass ein derartiges Buch, dass die These vertritt, dass Racial Profiling in der Polizeiarbeit eher hinderlich sei und wie man es vermeiden könne, in einer Sammlung von privaten Büchern von Polizisten in einer deutschen Polizeidienststelle eine ziemlich klare Antwort auf eine ganze Latte von Unterstellungen gibt, die regelmäßig auf unsere Polizei abgeschossen werden.

 

Damit verging auch der kurze Rest der Nacht sehr schnell und schon war es Zeit für das Abschiedsfoto vorm Dienststellenschild – wie üblich nach der Nachtschicht mit der Gefahr, nicht wirklich wach rüberzukommen (irgendwo zwischen grenzdebil und auf Droge…).

 

Danke an die Polizei Bremen für die nette Aufnahme und die spannenden Einblicke. Immer wieder gerne! Und da meinen Herren immer noch nicht genug los war – ich komm wieder. Ich mach das so lange, bis es passt… ;-)

 

 

Allgemein Polizeiarbeit Verein

Nix los im Stadion – oder doch?

„Dafür, dass eigentlich nix los war, ist der Text aber ganz schön lang.“
Mit diesen Worten kommentierte einmal ein Bereitschaftspolizist einen Artikel von mir.

Schon!

Der Text war lang.

Aber warum sollte man immer nur etwas schreiben, wenn etwas Außergewöhnliches vorfällt? Okay, weil die Menschen schlechte Nachrichten lieber lesen als Gute. Deswegen kriegen auf unserer Facebook-Seite die Danke-Nachrichten auch standardmäßig weit weniger Likes als die Katastrophennachrichten.

Ist mir aber egal!

99% der Polizeieinsätze laufen super – auch darüber kann man reden.

So wie der Polizeieinsatz zum Spiel Mainz 05 gegen Schalke 04.

Ok, für mich persönlich lief einiges schief. 12 km Stau, die ich geschickt umfahren konnte – und dann mitten im Berufsverkehr vom Rhein-Main-Gebiet gestrandet. Entsprechend kam ich erstmal zu spät.

 

Heiko Arnd, der Einsatzleiter, übergab mich an zwei Herren, die Mitglieder des Social Media Teams sind. Übrigens „echte“ Polizisten, die den Social Media Teil halt AUCH bewältigen. An diesem Spieltag zum Beispiel.

 

Zuerst besuchten wir, bei „traumhaftem Wetter“, gemeinsam die Bereitschaftspolizei, die natürlich u.a. am Stadion steht.

Dann zeigten mir meine beiden Begleiter das Stadion. Im Unterschied zum Stadion in Kaiserslautern, wo ich ja auch schon einmal im Fußballeinsatz war, ist es deutlich neuer. Für mich persönlich ist es ziemlich neu – in den 90ern war ich nämlich ab und an mal im alten Bruchwegstadion dabei. Mainz war damals noch in der 2. Liga. Auch da kam mal Schalke zu Besuch und das kleine Stadion platzte aus allen Nähten. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an Durchsagen des Stadionsprechers mit der Bitte an die Schalke-Fans, die keinen Platz im Stadion mehr ergattert hatten, doch bitte aus den umliegenden Bäumen herauszuklettern. Doch genug Anekdoten aus grauer Vorzeit…

Das Stadion, derzeit Opel-Arena genannt (nennt mich altmodisch – ich mochte das noch ganz gern, als Stadien nicht nach dem Hauptgeldgeber benannt wurden, sondern Namen hatten, die man sich merken konnte und die sich auch nicht pausenlos änderten), liegt ziemlich auf der grünen Wiese. Entsprechend „erfreulich“ war es für die Fans, dass keine Parkplätze zur Verfügung standen – weil offensichtlich die Verhandlungen mit den Eigentümern der fraglichen Grundstücke ergebnislos blieben. Mittlerweile hat die Universität zur Problemlösung beigetragen, indem sie ihre Parkplätze an Spieltagen zur Verfügung stellt.

Aus polizeilicher Sicht ist an diesem Stadion sehr viel Positives. Die Lage vor den Toren der Stadt führt dazu, dass die Fans relativ problemlos zum Stadion geführt werden können und ihre Wege sich nicht kreuzen – wie es am 11-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern passiert.

Am Stadion angekommen, werden die Fans der Gästemannschaft durch einen Tunnel in ihren Block geführt. Entsprechend können Heimfans tatsächlich einmal ums Stadion drum herumlaufen – ohne sich mit den Gästefans ins Gehege zu kommen.

Die Polizei hat eine eigene kleine Wache. Auch die wollten wir anschauen, allerdings waren die Beamten darin offensichtlich mit einem Fußballfan beschäftigt, der nicht allzu glücklich aussah. Entsprechend wollten wir nicht stören. Auch eine Leitstelle hat die Polizei, doch dazu später.

 

Zu einem gelungenen Fußballeinsatz in Mainz trägt auch die Verkehrspolizei bei. Ein Freitagabendspiel hat die Eigenschaft, dass sich der Berufsverkehr durch die Anreise von Fans nicht wirklich entspannt, entsprechend gab es auch gut zu tun.

 

Schließlich ging es wieder ins Stadion, dieses Mal in die Leitstelle. Von dort aus hat man einen guten Blick ins Stadion und auch aufs Spielfeld. Blöd, wenn man als überzeugte Rheinland-Pfälzerin genau dann auf selbiges guckt, wenn Schalke das einzige Tor des Abends in das Mainzer Netz ballert. Hmpf!

Heiko Arnd, Andrea Funke, und ich beim Schnuppern von Stadionatmosphäre vor der Leitstelle – an dieser Stelle einen herzlichen Dank an den Herrn von der Feuerwehr für das Foto inklusive der Bildrechte.

 

Heiko Arnd nahm mich mit in zwei Besprechungen, eine kurz vor Anpfiff. Dabei kamen die szenekundigen Beamten (Polizisten, die ihr Ohr möglichst am Puls der Fußballfanszene haben) aus Gelsenkirchen und aus Mainz, der Sicherheitsbeauftragte des Stadions, der Fanbeauftragte von Mainz 05 und eben die Einsatzleitung zusammen, um Eindrücke und Beobachtungen auszutauschen.

 

In der Halbzeitpause gab es eine zweite Besprechung, dieses Mal kamen die Teilnehmer nur aus den Reihen der Polizei. Bereitschaftspolizei, Verkehrspolizei und die szenekundigen Beamten gaben noch einmal ihre Eindrücke zum Besten.

 

Auch nach Spielende gestaltete sich alles ruhig. Entsprechend konnte ich mich um kurz nach Mitternacht schon wieder auf den Heimweg machen.

 

Eigentlich gab es nur zwei Dinge, die mich gestört haben.

 

Zu einem bestimmten Zeitpunkt lief ich mit zwei uniformierten Polizeibeamten durch die Wandelhalle des Stadions. Nur das – einfach gehen. Und prompt pöbelte uns jemand an: „Scheiß-Bullen!“

Ich nehme an, meine Begleiter haben das nicht gehört. Bei meiner Einstellungsuntersuchung wurde mir gesagt, mein Gehör sei zu gut – und jeder, der in meiner Gegenwart flüstert, kann das bestätigen.

Danke an die Absender dieser netten Worte für das Kompliment! Es ehrt mich immer, wenn ich mit Angehörigen einer Berufsgruppe verwechselt werde, die bei mir sehr hoch im Kurs steht.

 

Im Schalker Fanblock wurde permanent jede Menge Pyrotechnik abgebrannt. Dabei gab es auch Verletzte, das ist aber nicht mein Punkt. Offensichtlich waren dies alle Verletzte, die durch „friendly fire“ getroffen wurden – insofern bin ich da relativ mitleidlos.

Ich stelle mir dazu vielmehr zwei Fragen.

  1. Warum nutzten eigentlich die Schalker Spieler nicht ihren Einfluss auf die Fans und zeigen denen einfach mal, dass es so nicht geht? Wäre übrigens auch mal eine Maßnahme, wenn diese unsäglichen ACAB-Plakate irgendwo erscheinen. Einfach mal den entsprechenden Block nach dem Spiel bei der „Danke-Runde“ ignorieren.
  2. Wenn man Bengalos in dieses Stadion schmuggeln kann – was kann man da noch alles reinbringen? Diese Frage geht an die Verantwortlichen von Mainz 05, denn die Polizei ist an diesem Punkt raus. Die haben mit den Einlasskontrollen nichts zu tun.
    Ich bin nun mal halbe Französin und ich habe während der Terrorwelle der 90er Jahre in Paris gelebt. Bei den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris hätte es noch viel mehr Tote gegeben, wenn die beiden Terroristen, die sich vor dem Stade de France in die Luft gesprengt haben, es in dieses Stadion geschafft hätten. Was ist der Unterschied zwischen französischen und deutschen Einlasskontrollen?
    Deutschland ist nicht Frankreich? Vielleicht! Aber seit dem 19.12.2016 und dem, was am Breitscheidplatz geschah, sollten wir uns vielleicht doch endlich mal klar werden, dass dieser Terrorismus sich nicht für Ländergrenzen interessiert.

In dem Sinne bin ich persönlich sehr froh, einen Artikel schreiben zu dürfen über einen Einsatz, bei dem eigentlich nix los war.

Danke an die Polizei Mainz, insbesondere an Heiko Arnd sowie die beiden Herren, die mich eine Weile als Achlastbeschwerer dabei hatten, für die spannenden Einblicke.

Allgemein Trauriges

Wann, wenn nicht jetzt?

Eine Frau ist mit ihren Kindern allein zuhause. Das Wetter ist nicht so sonnig wie die Tage davor. Es ist 20 Uhr.

Vielleicht sind die Kinder noch so klein, dass sie gerade ins Bett gebracht werden. Vielleicht sind sie schon in dem Alter, in dem sie sich überlegen, ob sie noch einmal ausgehen.

Plötzlich marschieren 60 Vermummte vor dem Haus auf. Sie sind laut. Sie bringen Plakate mit politischen Botschaften an.

Jäh ist die friedliche Stimmung für die Familie dahin. Eingeschüchtert sind sie. An Schlaf oder Ausgehen ist nicht mehr zu denken. Was mögen diese Menschen fühlen, allein in diesem Haus. Mit Sicherheit fühlen sie sich entsetzlich schutzlos.

Wer würde sich da nicht fürchten, allein schon vor der schieren Überzahl? Dass diese Menschen ihr Gesicht nicht zeigen, verschärft die Furcht mit Sicherheit noch.

Die Polizei schreitet ein. Medien sprechen von einem „Großeinsatz“. Das ist auch das Mindeste, was ich bei solch einer Aktion erwarten würde.

Die Familie, die diese Erfahrung machen musste, ist die Familie eines niedersächsischen Polizisten. Übrigens ein Staatsschutzbeamter.

 

Die Polizeigewerkschaften melden sich zu Wort, verurteilen diesen Vorfall. Natürlich auch polizeifreundliche Initiativen wie „Solidarität mit den Beamten der Davidwache“ und „Keine Gewalt gegen Polizisten e.V.“, also wir. Wir mit einer Stunde Verspätung, weil ich das erstmal für mich verdauen musste. Durch den Verein entstanden Freundschaften zu Polizistinnen und Polizisten. Ich kenne teilweise ihre Familien und ich weiß, wie sie zu ihren Familien stehen. Würde der Familie eines mir bekannten Polizisten so etwas zustoßen, würde es mir das Herz brechen. Da ich von emotionalisierten Schnellschuss-Statements immer weniger halte, je älter ich werde, habe ich mir erstmal eine Weile genommen.

 

24 Stunden später meldet sich der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius als Dienstherr des betroffenen Polizeibeamten zu Wort. „Wenn der Name und die Adresse dieses Beamten aus Hitzacker auf einschlägigen Seiten der linksautonomen Szene veröffentlicht werden und er dann zuhause mit seiner Familie Opfer einer solchen Bedrohungslage wird, können wir das nicht hinnehmen und müssen reagieren.“

 

48 Stunden später äußert sich Lorenz Caffier, der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, in einer Pressemitteilung. „Linke Gewalt darf nicht mehr verharmlost und von Teilen des politischen Spektrums in Deutschland insgeheim noch entschuldigt werden, sonst werden solche Auswüchse eines Tages zur Gefahr für das staatliche Gewaltmonopol.“

 

Ansonsten – nichts!

 

I am not amused.

 

Wir leben in einer Zeit, in der Polizisten gekennzeichnet werden sollen, und teilweise schon sind, damit sich das polizeiliche Gegenüber gegen „Polizeigewalt“ wehren kann. Jeder Fall von gefühlter oder tatsächlicher übertriebener Gewaltanwendung durch Polizeibeamte wirbelt medialen und politischen Staub auf in der Größenordnung der Wolke über dem Pinatubo unmittelbar nach seinem Ausbruch. Die laut PKS 2017 im Schnitt 204 gewalttätigen Übergriffe auf Polizeibeamte am Tag hingegen sind eine Meldung unter „ferner liefen“. Die Einführung der Body-Cam, die ja nun sehr hilfreich ist bei der Beurteilung, wer denn bei einer Eskalation angefangen hat, brachte eine Menge Datenschützer auf die Palme und sie ist immer noch nicht in jedem Bundesland vorhanden.

Es wird alles dafür getan, uns Bürger vor unseren Polizeibeamten zu schützen – und umgekehrt?

 

Diese Bürger in Uniform halten für uns den Kopf hin, ihr Dienst an uns als Gesellschaft sorgt dafür, dass sich das Recht des Stärkeren nicht gesamtgesellschaftlich durchsetzt. Sie gehen jeden verdammten Tag raus auf die Straße, lassen sich bepöbeln, beschimpfen, anspucken und angreifen, um da aufzuräumen, wo elterliche Erziehung gepaart mit einem zu Tode gesparten Bildungssystem und einer zu Tode gesparten Justiz versagen. Nicht, dass die Polizei nicht zu Tode gespart worden wäre…

Die meisten Polizistinnen und Polizisten, die ich kennenlernen und bei ihren Schichten begleiten durfte, tun das nach wie vor hochmotiviert und gerne. Sie tun das für eine Besoldung, die im Vergleich zu dem Geld, das man anderswo bekommen würde, nicht gerade überzeugend ist.

Es gibt ein Schema zur Messung der Bezahlungsgerechtigkeit, das Genfer Schema. Die vier Kategorien, nach denen gemessen wird, lauten

  • geistige Anforderungen (Fachkenntnisse, Nachdenken)
  • körperliche Anforderungen (Geschick, Muskelbelastung, Nerven- und Sinnesbelastung)
  • Verantwortung (beispielsweise für Betriebsmittel, Sicherheit und Gesundheit anderer)
  • Arbeitsbedingungen (Temperaturen, Nässe, Schmutz, etc.).

Je stärker eine Anforderung / Belastung ist, desto besser sollte die Tätigkeit bezahlt werden. Da fängt man schon an, sich Fragen zu stellen, wieso ein Polizist deutlich weniger verdient als ein Vorstandsmitglied eines deutschen Großunternehmens. Doch zurück zum aktuellen Vorfall in Niedersachsen.

 

Das Schweigen im Walde von unseren Regierenden wurde nämlich sehr schön ausgeglichen durch eine Verlautbarung der Initiative, die hinter dem Aufmarsch vor dem Haus des Polizisten steht. In einer geradezu halsbrecherischen Täter-Opfer-Umkehr teilen sie mit, dass es sich eigentlich nur um ein harmloses „Straßenkonzert“ vor dem Haus eines „übermotivierten Staatsschutzbeamten“ gehandelt habe, in dessen Nachgang man Opfer von „Polizeigewalt“ geworden sei.

Ja, nee, ist klar!

 

Und auch dazu hat niemand etwas zu sagen, der in diesem Land etwas zu sagen hat? Wie sich da Leute anmaßen, angebliches polizeiliches Fehlverhalten mal so ganz nebenbei in Eigenregie zu ahnden??? Und ich dachte bislang immer, man schreibt, wenn man an einer polizeilichen Maßnahme etwas zu meckern hat, eine Dienstaufsichtsbeschwerde oder erstattet bei Strafbarkeit Anzeige bei einer Staatsanwaltschaft. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das offensichtlich vollkommen veraltete Vorstellungen sind, denen ich da aufsitze…

 

Auf Facebook entblödete sich bereits gestern Abend ein mittlerweile von mir blockierter, weil keiner sachlichen Auseinandersetzung fähiger, Nutzer nicht, zu schreiben, er verstünde das Problem nicht, wenn ein „Nazibulle“, wofür die „Ostgebiete“ Deutschlands ja bekannt seien, mal ein bisschen Gegenwind bekäme.

Ach so. Ja, dann. Ich meine, gut, Niedersachsen gehörte schon immer zu Westdeutschland, aber wen interessiert das schon, wenn man begründen möchte, warum die Angehörigen eines Polizisten verdienen, was sie bekommen haben? Da wird dann eben mal ein bisschen die Geschichte geklittert und gen neue Bundesländer herumverallgemeinert. Vermutlich sind es auch diese mangelnden Geschichtskenntnisse, die verantwortlich dafür sind, dass ich durch diesen Vorfall von dem ernstlichen Gedanken geheilt wurde, in dieser Republik hätte seit 1945 die Praxis, Angehörige für unliebsame Taten eines Familienmitgliedes leiden zu lassen, keinen Platz mehr. So kann man sich irren.

 

Solche obskuren Gedanken einer totalen Fehlinterpretation einer demokratisch legitimierten und rechtsstaatlich verfassten Polizei wird es immer geben, sobald diese es wagt, die eigenen Kreise zu stören und Grenzen zu setzen. Die Dreistigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der diese Ideen mittlerweile geäußert werden, hat aber sehr viel damit zu tun, dass kaum jemand widerspricht.

 

Ich erwarte von meinen Regierenden bis hin zur Bundeskanzlerin und zum Bundespräsidenten klare Worte des Rückhalts. An diesen Polizeibeamten, an seine Familie und an alle anderen Polizistinnen und Polizisten dieser Republik ebenfalls. Und auch andere Innenminister und –senatoren dürfen ihren beiden Kollegen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gern unterstützen. Ziemlich zügig, bevor noch mehr Täter-Opfer-Umkehr betrieben wird und irgendwann die halbe Republik ernsthaft glaubt, der Mann habe es irgendwie schon verdient. In völliger Verkennung der Tatsache, dass dieser Polizist nach allem, was wir wissen, einfach seine Arbeit getan hat und dass es hier Angehörige des Mannes getroffen hat.

 

Wann, wenn nicht jetzt, sollen solche Worte denn mal kommen?

 

Meinen Rückhalt habt Ihr jedenfalls, liebe Polizisten und Polizisten, und den eines kleinen Vereins von Bürgern für Polizeibeamte. Auch, wenn Ihr Euch davon leider aktuell nichts kaufen könnt…